Auszahlungen
Der von den World Jewish Restitution Organisations für Israel errechnete Gesamtbetrag von 59 Millionen Dollar konnte aus der Schweiz überwiesen werden und kam vergangenen Freitag auf einer israelischen Bank an. Die Wiedergutmachungsorganisationen in Israel nahmen 145 000 Antragsformulare entgegen; zur Auszahlung gelangen nun Checks an zunächst 105 231 Berechtigte. Wie Barbara Ekwall, die Geschäftsführerin des Fonds, der JR sagte, erfolgt in Israel die Auszahlung in zwei Teilen, weil noch weitere Abklärungen erfolgen müssen und deshalb noch nicht sicher ist, wie viele Ansprecher am Schluss tatsächlich bezugsberechtigt sein werden. Beispielsweise müssen Entscheide getroffen werden im Fall von nach Israel eingewanderten Juden, welche von den Sowjets verfolgt wurden, nicht jedoch von den Nazis. Wegen der bevorstehenden Pessach-Feiertage sollte jedoch nicht länger mit den ersten Auszahlungen zugewartet werden. In Israel, wo die meisten überlebenden Opfer wohnen, verzögerte sich die Auszahlung über Gebühr, weil die frühere Regierung darauf bestanden hatte, diese selber vorzunehmen; ein Vorgehen, das vom Fonds unter Leitung von Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, nicht akzeptiert werden durfte. Die ursprüngliche Vereinbarung über den 1996 durch Einzahlung der Grossbanken von 100 Millionen Franken gegründeten Fonds zwischen dem Bundesrat mit den jüdischen Organisationen sah vor, dass diese selber für die Auszahlung zuständig sein wollten. Nun mischt doch noch eine israelische Regierungsstelle als Koordinatorin mit, das Rehabilitations-Büro, das Auszahlungen an Kriegsgeschädigte tätigt und deshalb über entsprechende operative Erfahrungen verfügt. Eine weitere langwierige Verzögerung entstand, als ein Mann die israelische Regierung einklagte, weil sein Einkommen knapp über der als Maximum geltenden Grenze für die Bezugsberechtigung lag. Das Oberste Gericht hat sich nun als nicht zuständig erklärt und die Klage abgewiesen, weil es sich beim humanitären Fonds nicht um eine israelische Operation handelt, sondern um eine ausländische. Den ersten Auszahlungen steht deshalb kein Hindernis mehr im Wege. Eine Zeremonie wird es nicht geben, sagt Barbara Ekwall. Sie selber oder Rolf Bloch nahmen jeweils nur teil, wenn dies gewünscht wurde. Doch hier wird die israelische Post die ausgefüllten Checks den Berechtigten zustellen. Wieviel restliches Geld nun noch für Härtefälle und die allerletzten Abklärungen in der Schweiz verbleibt, bevor es ebenfalls ausgezahlt werden kann, schwankt täglich, je nach dem gegenwärtig sehr hohen Dollarkurs, sagt Barbara Ekwall.