Aufforstung um jeden Preis?
Noch hat Yariv Sultan, Geschäftsführer des Keren Kayemeth Leisrael (KKL) Schweiz und Delegierter des KKL Israel, nicht auf den offenen Brief reagiert, den er in der vergangenen Woche von Verantwortlichen der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Palästina erhalten hat (vgl. tachles 4/11). In dem Schreiben wird dem Jüdischen Nationalfonds vorgeworfen, sich an den Geschehnissen im Beduinendorf al-Arakib beteiligt zu haben: So soll der KKL die Abbruchreste des von der Israel Land Administration zerstörten Dorfs mit Bulldozern fortgeräumt und den Boden für die Pflanzung eines Waldes vorbereitet haben.
Im Zuge der Zerstörung sollen israelische Polizisten auf Beduinen geschossen haben – dies behauptet die Organisation Jewish Alliance for Change, die auf ihrer Website am Dienstag auch Rabbiner Arik Ascherman von der Organisation Rabbis for Human Rights mit einem Aufruf zu Wort kommen liess, der Anfang der Woche auch in der «Jerusalem Post» erschienen ist. Ascherman fordert den KKL mit Nachdruck auf, seine Aktivitäten zu beenden: «Es wurde ein Punkt erreicht, an dem man Nein sagen muss.»
Aufforstung stoppen
Der Vorwurf an den KKL ist nicht neu: Bereits am 11. Oktober 2010 veröffentlichten 26 NGOs und Menschenrechtsorganisationen aus Israel und den USA einen offenen Brief an den KKL. Unter dem Titel «Gleiche Rechte, nachhaltige Entwicklung für den Negev, keine Enteignung der Beduinen!» wurde der KKL aufgefordert, die Aufforstung an den Orten zu stoppen, an denen sich Beduinendörfer befinden, solange die Sachlage juristisch noch nicht entschieden sei. Im Brennpunkt stehen aktuell neben al-Arakib 20 weitere Dörfer, die von der israelischen Regierung geräumt werden sollen. Am 25. Januar unterzeichneten 18 israelische und amerikanische Organisationen, unter ihnen auch die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Palästina, einen Aufruf, der ein Ende der Vernichtung der Beduinendörfer fordert. Am Dienstag Mittag wurde zu einer Kundgebung der Aktivisten vor den Büros des KKL in Jerusalem aufgerufen.
Gemeinnütziger KKL?
Der KKL geniesst den Status einer gemeinnützigen Organisation, zahlreiche Schweizer spenden für das Pflanzen von Bäumen. Jochi Weil-Goldstein, Initiant des «Appells besorgter Jüdinnen und Juden für ein Israel, das die Menscherechte wahrt», hat am 20. Januar einen Brief an den israelischen Botschafter der Schweiz, Ilan Elgar, geschickt, in dem er diesen auffordert, zu prüfen, inwiefern der KKL an Vertreibungen von Beduinen beteiligt ist. In dem Schreiben wird die Frage gestellt, ob der Jüdische Nationalfonds in der Schweiz den Status einer gemeinnützigen Organisation heute noch erfülle. Eine Antwort steht aus – ebenso wie eine Stellungnahme des KKL Schweiz, mit der, so Yariv Sultan, aber in den kommenden Tagen gerechnet werden könne.