Auf Wachstumskurs

June 27, 2008
Zehntausend Dollar kostet ein Kilo Astaxanthin, ein im Kibbuz Ketura in der Arava aus Algen gewonnenes Produkt, das zusehends in der Kosmetikindustrie Anwendung findet: als Farbpigment für Salm oder als Zusatz in der Nahrungsmittelindustrie. Die Firma Algatechnologies befindet sich auf Wachstumskurs.
<strong>Wertvoll </strong>Das aus Algen gewonnene Astaxanthin erzielt auf dem Markt einen Preis von zehntausend Dollar pro Kilo

von Jacques Ungar

Für viele Menschen ist der Begriff der Arava ein Synonym für Trockenheit, Wüste und Leere. Bei näherem Hinschauen aber zeigt sich rasch, dass dieses riesige Gebiet im Süden Israels zwischen Mitzpe Ramon und Rotem Meer viel mehr beinhaltet. Im Kibbuz Ketura etwa, an der Strasse Nummer 90 auf dem Weg nach Eilat gelegen, arbeitet seit 1998 die Firma Algatechnologies, die heute mit grossem Erfolg Algen für verschiedene Verwendungszwecke züchtet. Seit dem laufenden Jahr arbeitet die Firma, die sich zu 22 Prozent im Besitz des Kibbuz und zu 78 Prozent im Besitz einer britischen Investitionsgesellschaft befindet, mit voller Kapazität.

Interessierte Kosmetikfirmen

Ed Hofland, der aus den Niederlanden stammende Leiter der Firma, steht 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor, unter ihnen sind sechs Akademiker. Dieses Team züchtet Algen, die in ihrer Endform einerseits in der Fischindustrie als Farbpigmente bei der Zubereitung von Salm Verwendung finden, beharren die Konsumenten doch darauf, ein rotfarbiges Fischfilet serviert zu bekommen. Ein zweiter, nicht weniger wichtiger Sektor ist die sogenannten «Human-Applikation», also die Anwendung des Algenproduktes im menschlichen Bereich. Einmal wird Astaxanthin – so heisst das aus den Algen gewonnene Produkt – Nahrungsmitteln beigegeben, was gesundheitsfördernd sein soll. Dann findet das Erzeugnis Verwendung als Diät-Zusatz, und schliesslich benutzen immer mehr Kosmetikfirmen in Japan, den USA und in Europa das israelische Algenerzeugnis für ihre Produkte.

10?000 Dollar pro Kilo

Die Algen werden zuerst in einem sogenannten Wachstumsraum gezüchtet, bevor sie in einer zweiten Phase im Freien auf Röhren gespannt werden, wo sie weiter gedeihen und wachsen. Da Algen Lebewesen sind, müssen sie in der Produktionsphase regelmässig gefüttert werden – vor allem mit Wasser. In der dritten Phase werden die Algen zerstampft, wobei der Anteil von Astaxanthin rund vier Prozent beträgt. Entsprechend hoch ist auch der Preis des Endproduktes: Rund 10 000 Dollar pro Kilo. Diese Summe schreckt die potenziellen Kunden in aller Welt aber nicht ab; die Nachfrage steigt rasch. Das heute vorhandene Röhrennetz von einer Gesamtlänge von etwa 175 Kilometern dürfte bald schon zu klein sein, und die Firma plant eine Ausweitung auf schätzungsweise 300 Kilometer. Platzprobleme gibt es in der Arava ja kaum. Hofland sagt: «Wir wollen die Grösse unserer Produktionsstätte verdoppeln.»

Derzeit beträgt der Jahresumsatz von Algatechnologies sieben bis zehn Millionen Dollar, doch hier dürfte das letzte Wort noch lange nicht gesprochen sein. Der Betrieb rentiere sich, meint Hofland, doch in einer Hinsicht hält er sich an das Beispiel zahlreiche Grossunternehmen in aller Welt: Über den Gewinn schweigt man sich aus.