«Auch Scheichs trinken Cola und fahren Mercedes»

von Jacques Ungar, March 11, 2010
Im Vorfeld der achten internationalen Investorenkonferenz Go4Europe am 15. März in Tel Aviv zeichnen Edouard Cukierman vom organisierenden Cukierman Investment House und sein Vize Luc Muller ein optimistisches Bild von der israelischen Wirtschaft.
EDOUARD CUKIERMAN «Die Erfahrung mit Krisensituationen hat israelische Unternehmer flexibel gemacht»

Die israelische Wirtschaft hat sich von der weltweiten Finanzkrise weitaus besser und rascher erholt als die Wirtschaft anderer Länder, weil die langjährige Erfahrung des Landes mit Krisensituationen den Charakter der Bürger des Landes geprägt und ihre Fähigkeit geformt hat, sich rasch und effizient an sich verändernde Marktbedingungen anzupassen. Diese Ansicht vertritt gegenüber tachles Edouard Cukierman, Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender von Catalyst Funds und Vorsitzender des ebenfalls 1993 gegründeten Cukierman & Co. Investment House. Die Anpassungsfähigkeit der israelischen Akteure betrifft laut Cukierman sowohl Faktoren wie Saläre und Arbeitsstunden als auch die Suche nach den besten Absatzmärkten in bestimmten Situationen. So verschob sich der Fokus israelischer Exporteure zuerst von den USA nach Europa, und heute nimmt Asien – israelische Ausfuhren in diesen Raum sind in den letzten zwölf Monaten um beachtliche 30 Prozent gestiegen – einen wichtigen Stellenwert ein. Als konkretes Beispiel für die Erfahrungen, die israelische Unternehmer in Krisensituationen gemacht haben, weist Edouard Cukierman auf den Zweiten Libanon-Krieg hin, als Firmen im Norden des Landes auch unter den schwierigsten Umständen fortfuhren, ihren Lieferverpflichtungen nachzukommen. Wenn Cukierman von Krisen- und Kriegssituationen spricht, dann kann er auf praktische Erfahrungen zurückblicken. Der Finanzexperte, der im französischen Fontainebleau und am Haifaer Technion studiert hat, war IDF-Offizier des Verhandlungsteams für Krisen- und Geiselsituationen und ist bis heute Mitglied der Einheit des Armeesprechers.

Reiche Familien als Kunden

In der Zeit seines Bestehens hat Cukierman Investment House über drei Milliarden Euro an finanziellen Transaktionen, wie private Platzierungen, aber auch Fusionen und Aufkäufe, abgewickelt. Damit ist das Unternehmen die grösste Investitionsfirma mit Hauptsitz in Israel, deren geschäftlicher Schwerpunkt in Europa liegt. Zudem ist es Cukierman & Co. gelungen, sich durch seinen Catalyst Fund, der inzwischen auch schon Vermögenswerte von rund 100 Millionen Dollar verwaltet, in Israel eine dominierende Position im Bereich privater Aktienmarkt zu erarbeiten.

Eine besondere Spezialität von Cukierman & Co. sind die sogenannten «family offices», wörtlich Familienbüros. Diese Einrichtungen stehen wohlhabenden Familien zur Verfügung, die ihr Vermögen seriös und gewinnbringend verwaltet wissen wollen. Weil, wie Edouard Cukierman betont, Diskretion die zentrale Richtlinie für den Erfolg der Familienbüros ist, gibt er sich recht wortkarg, was die quantitative Seite dieser Institution betrifft. Die einzige Information, die er preiszugeben bereit war, ist die Tatsache, dass Familien, die dem Investitionshaus mindestens 100 Millionen Dollar anvertrauen, ein eigens für sie arbeitendes Team von Sachbearbeitern beanspruchen dürfen, während andere Familien sich mit einem Multi-Team begnügen müssen, das mehrere Kunden betreut. Neben reinen Anlagefragen lösen die Experte von Cukierman für «ihre» Familien auch fiskalische Probleme, kümmern sich um philanthropische Anliegen und stellen vor allem sicher, dass das Vermögen einer Familie über Generationen hinaus bewahrt bleibt.

Langfristig optimistisch

Bereits zum achten Mal veranstaltet Cukierman Investment House am 15. März im Tel Aviver Hilton-Hotel ihre Konferenz Go4Europe. Ziel des Anlasses ist es, potenzielle, an einem Engagement in Europa, aber auch in Israel interessierte Investoren – Einzelpersonen, Firmen, Organisationen – miteinander in Verbindung zu bringen. Die Konferenzveranstalter rechnen mit rund 1000 Teilnehmern, von denen etwa 40 Prozent aus dem Ausland erwartet werden. Die Themen, die an der Konferenz unter anderem behandelt werden, sind logischerweise in erster Linie finanzieller und wirtschaftlicher Natur und besonders auf potenzielle Investoren zugeschnitten:


Wie man in wirtschaftlich harten Zeiten zum Marktführer wird.


Wo in Europa investieren, wo Mittel aufnehmen.


Erneuerbare Energien im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung.


Innovationen für die Pharmabranche und Zugang zu Finanzen für die Biotechnologie.


Wie die europäische Politik die euro-
päische und israelische Geschäftswelt fördert.


Wie der Kampf um das israelische Image in Europa zu gewinnen ist.


Israel in Europa zu verkaufen sei, unterstreicht Cukierman, noch nie leicht gewesen, und heute falle der politische Aspekt mehr ins Gewicht als früher. Obwohl die Marktbedingungen in Frankreich und England schwieriger geworden seien, bleiben Cukierman und Luc Muller, der aus dem Elsass stammende Vizevorsitzende der Firma, langfristig optimistisch, was Israels ökonomische Entwicklungschancen betrifft. «Je mehr israelische Gesellschaften exportieren, umso mehr profitieren lokale Firmen.» Für Muller hat schliesslich der arabische Boykott rein theoretische Bedeutung: «Auch die arabischen Scheichs trinken Coca-Cola und kaufen Mercedes-Autos.»