Auch jüdische Opfer

von Simon Spiegel, June 4, 2009
Von den Passagieren der Air-France-Maschine, die am Montagmorgen auf dem Flug von Brasilien nach Paris in den Atlantik gestürzt ist, dürfte keiner überlebt haben. Zwei Schweizer Juden sind unter den Opfern.
AUF DER SUCHE NACH DEM FLUGSCHREIBER Der Unterseeroboter Victor 6000

In einem Gürtel von gut fünf Kilometern Länge schwimmen die Trümmer des Airbus 330, entsprechend schwierig wird sich die Bergung gestalten. Am Mittwochnachmittag erreichten erste Bergungsschiffe die Absturzstelle 50 Kilometer nördlich der Inselgruppe Fernando de Noronha. Die Flugschreiber waren bei Redaktionsschluss allerdings noch nicht gefunden. «Es wird sehr schwer werden, danach zu suchen, denn sie könnten in einer Tiefe von 2000 bis 3000 Metern liegen», zitiert die NZZ den brasilianischen Verteidigungsminister Nelson Jobim. Neben der brasilianischen Marine beteiligt sich auch Frankreich an der Bergung; zwei Unterseeroboter der französischen Marine, die in eine Tiefe von bis zu 6000 Metern vor¬stossen können, sollen die Flugschreiber bergen.

Zwei Schweizer Juden an Bord

Unter den 228 Passagieren an Bord des Air-France-Flugzeugs, das am Montagmorgen auf dem Flug von Brasilien nach Frankreich abgestürzt ist, befanden sich auch sechs Schweizer, zwei davon waren jüdisch. Der 59-jährige Ronald Dreyer war für das EDA tätig. Er arbeitete bei der Schweizer Uno-Mission in Genf und koordinierte die Arbeiten der «Genfer Erklärung über Waffengewalt und Entwicklung». Dreyer war auf dem Rückflug von einer privaten Reise; wie die anderen Schweizer Passagiere hätte auch er mit einem Anschlussflug nach Genf weiterfliegen sollen.  Ebenfalls an Bord der Maschine war Pablo Dreyfus. Der gebürtige Argentinier lebte acht Jahre in Genf, wo er am Institut Des Hautes Etudes Internationales seine Doktorarbeit über Drogenhandel und nationale Sicherheit in Lateinamerika schrieb. Der 39-Jährige arbeitete unter anderem als Berater bei der Genfer Organisation Small Arms Survey. Wie Chabad Lubavitch auf seiner Website berichtet, war ausserdem der französische Geschäftsmann Serge Anidjar, ein aktives Mitglied in der Gemeinde von Boulogne-Billancourt, unter den Opfern des Absturzes. Wie die Israelitische Cultusgemeinde Zürich auf Anfrage erklärte, gibt es vorläufig keinen Trauer- oder Gedenkanlass für Dreyer, dessen Mutter Gemeindemitglied ist. Dies könne erst geschehen, wenn die Opfer offiziell für tot erklärt wurden.

Absturzursache unklar

Noch wird spekuliert, wieso der Airbus 330 überhaupt abgestürzt ist; Air France erwähnte unter anderem einen Blitzeinschlag als mögliche Ursache, doch scheint dies als alleiniger Grund wenig wahrscheinlich. Gemäss Flugsicherheitsexperten sind Blitzeinschläge keine Seltenheit. Ein Flugzeug von der Grösse des Airbus wird durchschnittlich alle drei Jahre vom Blitz getroffen. Schwere Folgen haben diese Einschläge so gut wie nie, da die Flugzeughülle einen Faradaykäfig bildet, dessen Innenraum von äusseren elektrischen Feldern abgeschirmt ist.