Attacke
Seit «Angels in America» (1993) zählt Tony Kushner zu den prominentesten Bühnenautoren der USA. Politisch der linken Tradition im amerikanischen Judentum verpflichtet, betrachtet Kushner die Vertreibung der Palästinenser im Unabhängigkeitskrieg Israels als «ethnische Säuberung». Dies hat nun eine heftige Debatte in New York ausgelöst. Kushner sollte von der dortigen City University (CUNY) einen Ehrendoktor erhalten. Doch Anfang Mai sprach sich der CUNY-Aufsichtsrat Jeffrey Wiesenfeld überraschend dagegen aus: Kushner spreche Israel die Existenzberechtigung ab, ihn zu ehren würde daher das Ansehen der Universität beschädigen. Wiesenfeld bezog sich auf Kushner-Zitate, die er auf der Website des Israel-Kritikers Norman Finkelstein fand. Kushner hat umgehend entrüstet auf Wiesenfelds Attacke reagiert und in einem offenen Brief an die Universität seine langjährige Unterstützung Israels unterstrichen. Die Universität will ihn nun doch zum Ehrendoktor machen. Aber ob Kushner, der 2005 für Steven Spielbergs Film «München» das Drehbuch schrieb, den Titel jetzt noch annehmen will, ist offen. [am]