Arafat hätte lieber eine extremere Resolution gehabt
«Die Kommission fordert die Wiederaufnahme der Friedensgespräche auf der Basis der UNO-Resolution \"Land für Frieden\". Die Kommission bestätigt ihre Unterstützung für einen palästinensischen Staat und seiner Souveränität über al-Kuds und alle heiligen Stätten des Islams und des Christentums. Sie bestätigt auch, dass al-Kuds die Haupstadt des unabhängigen Palästinenserstaates ist.» Diese Resolution, welche die Jerusalem-Kommission der Organisation Islamischer Staaten nach eintägiger Debatte im Ferienort Agadir an der marokkanischen Atlantikküste veröffentlichte, hat in offiziellen israelischen Kreisen relative Erleichterung ausgelöst. Eine der israelischen Regierung nahestehende Quelle weist darauf hin, dass Arafats Handlungsspielraum in Bezug auf Jerusalem nicht eingeengt worden ist. «Die Kommission hat nichts anderes getan», sagt die Quelle, «als Arafat zu sagen, hinsichtlich Jerusalems zu tun, was er will.» Der PLO-Chef hätte es lieber gesehen, wenn die Vertreter der islamischen Staaten ihm vorgeschrieben hätten, in Bezug auf Jerusalem nicht zu verhandeln und keine Kompromisse einzugehen. Offensichtlich waren die intensiven amerikanischen Bemühungen, die Kommission davon abzuhalten, eine extreme Haltung einzunehmen, welche Arafat in die Enge treiben würde, von Erfolg gekrönt.
Israelische Kreise stellen fest, dass Arafat seit Camp David damit bereits die zweite Niederlage einstecken musste. Zuerst reagierten zahlreiche Staaten, die er nach dem gescheiterten Gipfel besuchte, kühl bis ablehnend auf sein Anliegen, am 13. September den Palästinenserstaat wenn nötig auch einseitig auszurufen. Dahinter steckt ebenso intensive amerikanische Arbeit, wie hinter der Tatsache, dass die anfangs Arafat zu einer harten Haltung ermutigenden Ägypter inzwischen wesentlich gemässigter geworden sind.
In einer weiteren Resolution appellierte die Jerusalem-Kommission der Islamischen Staaten an Präsident Clinton, seine Absicht nicht in die Tat umzusetzen, die US-Botschaft von Tel Aviv in die israelische Kapitale zu verlegen. Im Anschluss an den ergebnislosen Gipfel von Camp David hatte Clinton diese Absicht verkündet.