Antisemitische Post für SIG
«Ich hätte mir nie vorstellen können, was anschliessend geschah», sagt der SIG-Präsident zur JR. Weil Bloch in den Berichten persönlich die Sorgen und Bedenken der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz erläutert hatte, erhielt er auch persönlich unangenehme Post. «Leider kam nicht einmal ein einziger, positiver, unterstützender Brief», so Bloch. Mehrere Schreibende, berichtet er, argumentierten wenigstens, indem sie ausdrückten, trotz Haider sei der Besuch des Kanzlers nicht so schlimm, wie die Juden meinten. Am schlimmsten waren jedoch mindestens 20 Briefe mit offen antisemitischem Inhalt. Sie kamen teils anonym, teils mit Namen und Adressen.
«Sie waren noch viel ärger als jene, die wir 1997 im Anschluss an ein Interview von Bundesrat Delamuraz bekamen», sagt Bloch, «und die waren schon schlimm genug.» Aufgebracht ist er besonders über ein übles, altes antisemitisches Stereotyp, das immer wieder kehrte: «Die Juden» sollten sich nicht in «schweizerische Angelegenheiten einmischen», das «gehe sie überhaupt nichts an». Sie sollten besser «vor der eigenen Türe» wischen und mit «ihrer Regierung in Israel» über die Palästinenser reden.
Inzwischen regt sich noch mehr Widerstand gegen den Empfang des österreichischen Koalitionspartners von Jörg Haider in Bern. Die SP will gemeinsam mit anderen Organisationen für den Zeitpunkt des noch nicht terminierten Schüssel-Besuchs Ende März eine grosse Demonstration auf die Beine stellen. Auch der SIG und jüdische Organisationen würden selbstverständlich angefragt, erfuhr die JR von Ursula Dubois, der neuen Mediensprecherin der SP. Es gebe bereits verschiedene Ideen für zentrale oder dezentrale Kundgebungen. Aber die Organisation bedürfe grösster Sorgfalt, um gewalttätige Gruppierungen daran zu hindern, teilzunehmen und die Kundgebung für sich zu instrumentalisieren. Gestern Mittwoch fand bereits eine Demonstration gegen den Besuch der österreichischen Aussenministerin statt, an der auch alt Nationalrat François Loeb teilnahm.
Rolf Bloch sagte zur JR, der SIG werde eine Anfrage prüfen, um festzustellen, um welche Art von Manifestation es sich handle und wer daran teilnehme: «Eigentlich haben wir unser Zeichen mit unserem Brief bereits gesetzt», sagt er. «Aber es ist denkbar, dass wir uns an einem würdigen Grossanlass beteiligen würden.» An einer Veranstaltung der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) am Montagabend war von einem Teilnehmer angeregt worden, eine solche Demonstration zu organisieren. Auch der anwesende Präsident der jüdischen Gemeinschaft in Österreich, Ariel Muzicant, rief ins Publikum, wenn Schüssel eintreffe, müssten «zigtausend Leute auf der Strasse sein und rufen \"Schüssel go home\"» (siehe separaten Bericht).