Antisemiten unter «Wall Street-Besetzern»?

October 26, 2011
Anti Defamation League nimmt Stellung.

Sinkende Temperaturen und Regenfälle haben den «Occupy Wall Street»-Aktivisten bislang nicht den Mut genommen. Doch nun gerät die Bewegung in den Verdacht antisemitischer Tendenzen. Diese Vorwürfe beriefen sich zunächst auf einen Mann, der ein Plakat mit der Aufschrift «Zionists control Wall St.» trug, sowie vereinzelte Wortmeldungen im Internet.

Seit wenigen Tagen greifen konservative Blogger und Kommentatoren diese Begebenheiten auf. Der prominente Neokonservative Bill Kristol hat als Gründer des «Emergency Committee for Israel» eine TV-Anzeige lanciert, in der die OWS-Bewegung als antisemitische Kampagne verunglimpft wird. Kristol fordert Präsident Barack Obama und führende Demokraten auf, sich von der angeblichen Hasskampagne gegen Juden zu distanzieren.

Die Angriffe auf die «Besetzer» haben inzwischen namhafte Journalisten wie Richard Cohen auf den Plan gerufen. Der Washington Post-Veteran hat sich gestern erneut in den Zuccotti Park an der Wall Street begeben und beim besten Willen keine Antisemiten gefunden. Auch die New York Times ist dort jüngst zahlreichen jüdischen Aktivisten begegnet, die Gottesdienste zu den Feiertagen begingen. Ähnliches war beim tachles-Augenschein in Boston zu erleben, wo Angehörige diverser Religionen friedlich in einem eigenen «spirituellen Zelt» beieinandersitzen. Auch die traditionsreiche Anti-Defamation League kam nun zu dem Schluss: «Antisemitismus hat keinen Fuss gefasst … und ist auch für die breitere OWS-Bewegung nicht repräsentativ». [AM]