Ankara zögert mit Annahme israelischer Hilfe
Obwohl die offiziellen Beziehungen zwischen Ankara und Jerusalem seit der Enterung des in Richtung Gaza fahrenden Schiffs «Mavi Marmara» durch die israelische Marine vor anderthalb Jahren – neun türkische Aktivisten wurden dabei getötet – stark unterkühlt sind, hielt das Israel nicht davon ab, der Türkei nach dem schweren Erdbeben vom Sonntag als erster Staat humanitäre Hilfe anzubieten. Staatspräsident Shimon Peres telefonierte in diesem Sinne seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül. Er spreche als «Mensch, Jude und als Israeli», der sich der Tiefe der historischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern stets bewusst sei. Gül dankte, meinte aber, die Türkei werde zunächst versuchen, die nötigen Rettungs- und Hilfsarbeiten mit eigenen Mitteln zu bewältigen. Regierungschef Erdogan erklärte an einer Pressekonferenz, die Türkei werde, wenn überhaupt, ausländische Hilfe erst zu einem späteren Zeitpunkt annehmen. Zunächst habe er die Offerten von Aserbeidschan, Bulgarien und Iran akzeptiert. – Auch Verteidigungsminister Ehud Barak trat in Erscheinung und wies seine Mitarbeiter an, den Türken «jegliche benötigte Hilfe» zu offerieren. Am israelischen Fernsehen räumte Barak allerdings ein, die Chancen für eine Annahme des Angebots durch Ankara stünden nicht gut. Dann hatte die israelische Botschaft in Ankara schon am Sonntag wenige Stunden nach dem Beben von einer Stärke von 7,3 auf der Richterskala den zuständigen türkischen Beamten die Hilfe des jüdischen Staates angeboten, angefangen bei Nahrungsmitteln. Medikamenten, über medizinische Experten und Ausrüstung bis hin zu Such- und Rettungsteams. Generalstabchef Benny Gantz schliesslich wies das Zivilschutzkommando der Armee an, sich auf die mögliche Entsendung einer Delegation in die Katastrophenzone im Südosten der Türkei vorzubereiten. – Ob die raschen Reaktionen des offiziellen Israels die bilateralen Beziehungen zur Türkei verbessern werden, bleibt abzuwarten. Tatsache ist aber, dass die türkische Presse am Sonntag die israelischen Offerten in grossen Schlagzeilen vermeldet hatte. – Bei dem Erdbeben sind nach ersten Schätzungen vermutlich bis zu tausend Menschen umgekommen, und hunderte von Häusern stürzten ein. Das Beben wurde auch in gewissen Hochhäusern von Tel Aviv und Ramat Gan verspürt.[JU]