Angst vor dem nächsten Anschlag
Heute kennen wir die Hintergründe für die jüngsten Sicherheitsmassnahmen in Israels Grossstädten mehr oder weniger. In den letzten Wochen und Monaten haben der israelische Geheimdienst Shabak und die palästinensischen Sicherheitsorgane über 20 Personen aus den Gebieten, aber auch israelische Araber verhaftet, die entweder für die Widerstandsorganisation Hamas oder - und das ist eine «Premiere» - im Auftrag des in Afghanistan sitzenden Terroristen Nummer 1, des Multimillionärs Osama Bin Laden, spektakuläre Aktionen gegen israelische und jüdische Ziele geplant hatten. Bei der Suche nach einem Waffenlager an der ägyptischen Grenze wurden vor einigen Wochen ein Vater und ein Sohn aus der israelisch-arabischen Stadt Umm-el-Fahm sowie ein weiterer Komplize aus Nazareth verhaftet. Alle drei gehören der in Israel aktiven Islamischen Bewegung an. Neben der Tatsache, dass es sich bei dem Trio um israelische Bürger handelt, bereitet in israelischen Sicherheitskreisen vor allem der Umstand Sorge, dass diese Terrorzelle von Damaskus aus gesteuert wurde. Der Friedensprozess konnte, so erklären diese Kreise, Syrien bisher also nicht davon abbringen, palästinensischen und anderen Terrorbewegungen aktive und passive Unterstützung zu gewähren. «Es handelt sich hier nicht um eine Untergrundaktivität», meinte ein hoher Sicherheitsoffizier gegenüber der Zeitung «Haaretz». Vielmehr finde sie in aller Öffentlichkeit statt, und Damaskus verschliesse beide Augen.
Bin Ladens Kontakt nach Israel
Die «Interessen» Osama Bin Ladens in Israel vertrat der anfangs Juni am Grenzübergang Rafah vom Gazastreifen nach Ägypten verhaftete Nabil Oukal, ein ehemaliger Hamas-Aktivist aus Gaza, der in den Jahren 1997 und 1998 in Bin Ladens Trainigslagern in Pakistan und Afghanistan ausgebildet wurde. Im Gazastreifen gelang es Oukal, zehn Palästinenser zu rekrutieren, die bei der Vorbereitung und Verübung der Anschläge hätten eingesetzt werden sollen. Der Versuch, auch in Umm-el-Fahm Leute für Bin Laden zu gewinnen, scheiterte. Im Verhör gestand Oukal, von Scheich Achmed Yassin, dem Gründer der Hamas-Bewegung finanziell unterstützt worden zu sein. Auch hat Yassin den Mann mit Hamas-Aktivisten im Ausland in Verbindung gebracht. Die strikten Vorsichtsmassnahmen von Armee, Polizei und den Geheimdiensten werden auch in nächster Zeit aufrecht erhalten, denn die Gefahr, dass Angehörige von Hamas, des Islamischen Jihads oder von Osama Bin Ladens Bewegung Anschläge verüben, sei, wie Vize-Verteidigungsminister Ephraim Sneh erklärte, noch nicht gebannt. Es gebe allerdings keine Hinweise auf konkrete Vorhaben. Die Pläne der in den letzten Wochen verhafteten Terroristen lassen in etwa erahnen, in welche Richtung die Aktionen hätten gehen sollen. Mit der Hilfe von Sprengsätzen und Selbstmördern wollte man in Israel und den Gebieten Anschläge mit möglichst vielen Toten verüben. In der Gegend der Siedlung Netzarim im Gazastreifen waren Angriffe auf Armeepatrouillen geplant, Siedlungen hätten mit anti Tank-Raketen beschossen werden sollen, und zur Freipressung von inhaftierten Palästinensern wollten die Terroristen israelische Soldaten entführen.
Neue Aktivitäten
Die Betäubungsmittel, die bei dieser Gelegenheit hätten eingesetzt werden sollen, konnten ebenso sichergestellt werden, wie selbst gebastelte Handgranaten und mobile Telefonapparate.
Israels Medien zitierten am Dienstag auch Sicherheitskreise, welche darauf hinwiesen, dass letztens immer mehr Anzeichen dafür sprechen würden, dass Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden in Israel Spionagetätigkeit ausüben würden. Zusammen mit der Enthüllung der Aktivitäten der Terroristen Bin Ladens ergibt dies das wenig erfreuliche Bild, dass sich auf israelischem Boden heute Vertreter fundamentalistischer Organisationen tummeln, die bisher hier nicht aktiv waren.