Andenken an einen unerschrockenen Kämpfer

von Simon Spiegel, January 8, 2009
Um das Erbe von Sigi Feigel hochzuhalten, schafft die Universität Zürich einen Lehrstuhl, der sich der jüdischen Kultur widmet.
SIGI FEIGEL Zeit seines Lebens setzte er sich gegen Antisemitismus ein

Sigi Feigel war zeit seines Lebens ein unversöhnlicher Gegner des Antisemitismus und aller anderen Formen des Rassismus. Sein Tod vor viereinhalb Jahren hinterliess in der Schweiz eine grosse Lücke, und schon bald wurde der Ruf laut, das Andenken an diesen aussergewöhnlichen Mitbürger zu bewahren und zu ehren. Bereits 2006 wurde in der Stadt Zürich die Sigi-Feigel-Terrasse eingeweiht, und nun soll eine nach ihm benannte Gastprofessur an der Universität Zürich folgen.

Breites Spektrum

Hinter dem Projekt stehen die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, die Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz sowie die Stiftung Erziehung zur Toleranz, die alle auf die Initiative von Feigel zurückgehen. Die drei Gesellschaften wollten, dass das Andenken an den einstigen Präsidenten und späteren Ehrenpräsidenten der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich nicht nur in Form eines Strassenschilds weiterlebt. Die Sigi-Feigel-Gastprofessur soll sich deshalb der jüdischen Kultur in all ihren Erscheinungsformen widmen. Zwar wird der Lehrstuhl innerhalb der theologischen Fakultät am Religionswissenschaftlichen Seminar angesiedelt sein, doch wie Werner Kramer, einer der Initianten und selbst emeritierter Professor für Theologie, betont, habe dies vor allem pragmatische Gründe. Der Fokus werde bewusst weit gehalten und umfasst generell jüdische Themen, die auch über das Judentum hinaus ausstrahlen; etwa zeitgenössische jüdische Literatur, jüdische Philosophie und Religionsphilosophie, Strömungen im zeitgenössischen Judentum, Kunst, Musik oder die Kultur des Ostjudentums. Die Vorlesungen und Seminare werden nicht nur für Religionswissenschaftler offen stehen, auch Studenten anderer Fakultäten können Kreditpunkte erwerben.
Noch ist nicht sicher, wann der erste Sigi-Feigel-Gastprofessor seine Tätigkeit aufnehmen wird. Man visiere das Herbstsemester 2009 an, doch wahrscheinlich werde es erst im Frühling 2010 so weit sein, erklärt Kramer. Fest steht auf jeden Fall, dass die Stelle von da an jedes zweite Semester besetzt wird und das «volle universitäre Programm» umfassen wird, also Vorlesung, Seminar und Betreuung von studentischen Arbeiten. Natürlich wird der Lehrstuhl auch mit den übrigen «verwandten» Institutionen in der Schweiz, also den Jüdischen Studien an der Universität Basel und der Judaistik in Bern und Luzern, vernetzt sein.

Auf zehn Jahre angelegt

Von privater Seite gesponserte Gastprofessuren sind für die Universität Zürich noch relativ neu, im Ausland aber durchaus gebräuchlich. Vorbild für das Zürcher Projekt war denn auch die Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. Das Zürcher Unternehmen ist vorläufig auf zehn Jahre ausgelegt. Wie Kramer erklärt, sei es für die Universität einerseits wichtig gewesen, dass eine gewisse Langfristigkeit gewährleistet wird; gleichzeitig haben aber beide Seiten keine unbegrenzten Verpflichtungen übernehmen wollen. Nach drei Jahren werde man auf jeden Fall überprüfen, wie sich das Arrangement bewährt. Was nach Ablauf der zehn Jahre geschehen wird, ist momentan noch völlig offen.
Finanziert wird der Lehrstuhl von privater Seite, die Universität Zürich hat ihrerseits mindestens für die ersten drei Jahre die Mittel für eine Teilzeitstelle eines Assistenten zugesagt. Werner Kramer rechnet pro Jahr mit Kosten von rund 100 000 Franken, für den gesamten Zeitraum von zehn Jahren ist also eine Million Franken nötig. Momentan liegen Zusagen für 610 000 Franken vor. Natürlich sei es angesichts der Wirtschaftslage alles andere als einfach, weitere Gelder aufzutreiben, doch Kramer gibt sich dennoch optimistisch, dass man die fehlenden Mittel noch auftreiben werde.