An der Nase herumgeführt
Vor knapp einem Jahr reiste eine Schweizer Delegation des Keren Hajessod an die Einweihung der neuen Mittelschule in Mizpe Ramon. Zu deren Errichtung hatte der Keren Hajessod der deutschsprachigen Schweiz rund 2,5 Millionen Dollar beigetragen. Tief beeindruckt waren die Teilnehmer damals durch die sauber blitzenden Gänge gestreift und liessen sich den Computerraum und die weiteren Ausbaupläne dieser Schule erklären. Inzwischen ist aber ein volles Schuljahr durchs Land gezogen, und der Schulbetrieb in der Friedensschule ist noch nicht aufgenommen. Dabei wäre eine fundierte, moderne Mittelschulausbildung gerade für eine Ortschaft wie Mizpe Ramon von ungemeiner Wichtigkeit. Innert weniger Jahre hat die Einwanderung aus der GUS die Bevölkerungszahl auf über 6000 verdreifachen lassen, darunter 2000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Nur mit der Errichtung einer adäquaten Bildungsinfrastruktur, die wiederum für die Schaffung von Arbeitsplätzen sorgen würde, kann die Abwanderung dieser jungen Menschen aus der malerisch über dem Ramon-Krater thronenden Stadt in die bereits heillos überfüllten Ballungszentren Israels verhindert werden.
Unterstützung aus der Schweiz
Diese äusseren Umstände hatten den KH Schweiz veranlasst, das Projekt der Mittelschule von Mizpe Ramon zu unterstützen. «Es handelt sich um eine Investition in die Zukunft», meinte anlässlich der Einweihungsfeier Anfang September 1999 René Braginsky (Zürich), der namens des KH Schweiz die zahlreichen Gäste aus der lokalen, regionalen und nationalen Politik und Wirtschaft begrüsst hatte. Dass diese Zukunft aber so lange auf sich warten lassen würde, hätten sich wohl auch Braginsky und die anderen Verantwortlichen des KH nicht träumen lassen.
Ganz offensichtlich sind der KH Schweiz und seine zahlreichen gutgläubigen, von Idealen beseelten Spender Opfer einer echt israelischen Köpenickiade geworden. Die Buben und Mädchen von Mizpe Ramon können ihre neue Schule gemäss Angaben von Einheimischen nämlich noch nicht besuchen, weil der Elternrat sein Veto eingelegt hat: Der nötige Zugangsweg zu dem an einem Abhang gelegenen Gebäude sei noch nicht erstellt, und ohne diesen wäre der tägliche Schulweg zu gefährlich. Der KH-Vertreter in der Schweiz, Meir Harel, meint auf Anfrage der JR, dass der zuständige Erziehungsdirektor Arieh Breude in Mizpe Ramon nichts von solchen Bedenken seitens der Elternschaft wisse. Tatsache bleibt allerdings, dass der Schulbetrieb wenn überhaupt nur rudimentär im neuen Schulhaus stattfindet.
Politische Hintergründe?
Warum dann die grossartige Einweihungsfeier im Sommer 1998? Ein Bewohner von Mizpe Ramon lächelt: «Samy Shoshan, der damalige Bürgermeister von Mizpe Ramon, hatte dringend Wahlkampfmunition nötig, und nachdem er der gleichen Partei wie Avraham Burg, damals Chef der Jewish Agency, angehört (der Arbeitspartei), war das ein Kinderspiel. Man organisierte die Feier, und Shoshan hatte seinen Erfolg.» Dass er anschliessend dem Kandidaten des Likuds trotzdem klar unterlag, ist eine andere Geschichte.
«Wir alle haben bei der Eröffnungszeremonie nicht gewusst, dass es irgendwelche Probleme oder Verzögerungen gab», sagt Meir Harel gegenüber der JR. «Als ich vor einigen Wochen in Mizpe Ramon Fotos für einen Bericht in der KH-Zeitung bestellte, hörte ich erstmals von irgendwelchen Problemen.» Diese seien gemäss Arie Breude technischer Natur. Verzögerungen Heizungs- und Telefoninstallationen seien u.a. Grund dafür. Diese, so Breude weiter, sollen bis zum Schulbeginn nach den Sommerferien behoben sein. Dass während der Sommerferien einige Kurse im Chemie- und Physiklabor und an den Computern abgehalten wurden, vermag wenig tröstlich sein. Für Meir Harel ist ebenso klar, dass bis zum kommenden September nun alle Probleme behoben sein müssen.