Altes Theater bald in neuem Glanz

von Hella Elbaum, February 5, 2009
Seit 1970 wurde das israelische Nationaltheater Habima in Tel Aviv nicht mehr renoviert, obwohl es schon lange sanierungsbedürftig war; jetzt bekommt es ein neues Gesicht. Nach rund zwei Jahren der Renovation soll das Theater Ende dieses Jahres in neuem Glanz wiedereröffnet werden.
KAUFMANS SÄULEN Computeranimation der neugestalteten Originalsäulen im Foyer

Die Theatergruppe Habima (Hebräisch für Bühne) wurde 1912 von Nachum Zemach im polnischen Białystok gegründet. Zu einem gleichberechtigten Theaterkollektiv wurde Habima jedoch erst 1917 in Moskau, wo die Gruppe eng mit dem dortigen Kunsttheater zusammenarbeitete. Im Oktober 1918 trat die Laientruppe zum ersten Mal vor Publikum auf und gilt seither als erstes hebräischsprachiges Theater. In den zwanziger Jahren machte Habima sich einen Namen mit dem auf Jiddisch geschriebenen und vom israelischen Dichter Chaim Nachman Bialik ins Hebräische übersetzten Stück «Der Dybbuk». In den darauf folgenden Jahren tourte Habima durch Europa und die Vereinigten Staaten und liess sich 1931 in Tel Aviv, im damaligen Palästina, nieder. Das Gebäude, in welches das Ensemble 1946 einzog, wurde vom ungarischen Architekten Oskar Kaufmann konstruiert und beherbergt das Theater bis zum heutigen Tag. 1958 wurde Habima zum israelischen Nationaltheater erklärt und wird seither vom Staat unterstützt. Die rund 67 Millionen Schekel, die für den jetztigen Umbau nötig waren, wurden von den zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt.

Renommierter Architekt am Werk

Die delikate Aufgabe, das über 60-jährige Theatergebäude zu modernisieren und gleichzeitig seine ursprünglichen Züge zu erhalten, wurde einem der renommiertesten israelischen Architekten übergeben. Ram Karmi wurde 1931 in Jerusalem geboren. Sein Studium der Architektur absolvierte er am Technion in Haifa und an der Architectural Association School of Architecture in London, beides führende Hochschulen auf diesem Gebiet. Bekannt wurde Karmi mit seinem 1963 gestalteten El-Al-Gebäude in Tel Aviv, seither hat er einige der bekanntesten Gebäude Israels gebaut. Seine Entwürfe sind gleichermassen faszinierend und kontrovers. Für die zentrale Busstation in Tel Aviv, die er mit den Architekten Zvi Komet und Yael Rothschild konzipierte, erntete er sehr schlechte Kritik. Anwohner sagen, die Busstation sei ein «aufgedunsener Bau, der das Landschaftsbild kaputt mache». 2005 erklärte Haim Avigal, der CEO der Busstation, in einem Interview: «Wenn ich mir den Architekten dieses Gebäudes schnappen könnte, würde ich ihn verprügeln.» Ganz andere Reaktionen rief der Komplex des Obersten Gerichtshofes in Jerusalem hervor. Paul Goldberger, Architektur-Kritiker des «New Yorker», schrieb über Karmis Design: «Die Schärfe der mediterranen architektonischen Tradition und die Erhabenheit der Gesetzmässigkeit sind in aussergewöhnlicher Anmut miteinander verbunden.» Dass es dem Architekten nicht an Talent mangelt, beweisen auch seine zahlreichen Preise, darunter der Israel-Preis für Architektur, den er 2002 gewann. Seit 2007 arbeitet Karmi am Umbau des Habima-Theaters.

Eine Symbiose aus Alt und Neu

Fast 40 Jahre lang wurde das Habima-Theater nicht renoviert. Die zentralen Elemente des Baus, die gerundete Fassade und die vielen Säulen, werden, um die historische Verbindung zu symbolisieren, erhalten bleiben. Die gesamte äussere Hülle sowie sämtliche Materialien des Gebäudes werden jedoch völlig neu gestaltet. So wurde das viele schwarze Glas, das vor Kurzem noch einen grossen Teil der Fassade ausmachte, durch transparentes Glas ausgetauscht, um Kaufmanns Säulenfoyer im Innern des Baus hell illuminiert zur Schau zu tragen. Auch das Dach des Rubina-Auditoriums, einer der vier Hörsäle des Theaters, wurde abgerissen, um an dessen Stelle ein lichtdurchflutetes Kuppelgewölbe anzubringen. Im Innern des Gebäudes werden ebenfalls einige Veränderungen vorgenommen: Zwei zusätzliche Stockwerke, die als Büros und Proberäume dienen werden, sollen unter dem Dach gebaut werden. Ein neues, grösseres Foyer wird den Eingang des Theaters verschönern und in vier verschiedene Säle führen. Die Auditorien selbst werden alle einer Verschönerung unterzogen und schallisoliert sein. Das Rubina-Auditorium soll zudem neu eingerichtet werden. Die Anzahl der Stühle und Sitzreihen wird verringert, um eine intimere Atmosphäre und mehr räumliche Kontinuität im Auditorium zu erzielen. Die Vergrösserung des Hauptfoyers wird den Umzug des Café Habima auf den ehemaligen Parkplatz nach sich tragen. Die Parkplätze wiederum befinden sich nach dem Umbau in einem unterirdischen Parkhaus.
Verläuft alles nach Plan, ziert das neue Theatergebäude schon in einigen Monaten das Zentrum Tel Avivs und erlaubt es dem Ensemble, seine Erfolgsgeschichte im eigenen, frisch renovierten Haus weiterzuführen.