Als Berliner Frauen ihre Männer vor Hitler bewahrten

von Walter L.J. Rosen, October 9, 2008
An der Rosenstrasse in Berlin-Mitte ist Besonderes zu entdecken. Ein Mahnmal für einige Hundert «arische» Berliner Frauen, die ihre jüdischen Männer, Geliebten, Söhne, auch einige Töchter, den erbarmungslosen Klauen der Gestapo entrissen - es erinnert an einen Akt des Aufbäumens, wie ihn ein Barde der Antike hätte besingen können.

Die Opfer waren bereits selektioniert für den Abtransport nach Auschwitz. Die mutigen Berlinerinnen wählten für ihren Kampf das gewaltlose Mittel der Demonstration; vom 28. Februar bis zum 16. März 1943 - es war die erste deutsche Frauendemo. Und die SS, sie stand Gewehr bei Fuss. Indes, der schlaue Propagandaminister Goebbels, dem der Fall zugeteilt war, wusste wohl, dass eine gewaltsame Lösung nicht zur Debatte stand. Die Berliner Bevölkerung wurde angesichts der Demonstration zusehends unruhiger; die Reaktionen im feindlichen Ausland waren überhaupt nicht auszudenken. Die Todgeweihten, zweitausend an der Zahl, sie kamen frei. Goebbels persönlich, der «alte Doktor», wie er sich selber so gerne nannte, hatte den Freilassungsbefehl persönlich erteilt. Unter dem immensen Druck der Demonstranten formulierte der Propagandaminister seinen Befehl mit nachgerade stupender Präzision - diesmal zum Guten. Zum ausschlaggebenden Zeitpunkt waren 25 der selegtierten Opfer bereits in Auschwitz. Sie wurden von der fauchenden Dampflokomotive der «Ostbahn» durch das Tor, welches nur für Passagiere in die eine Richtung gedacht war, in die andere Richtung, in die Freiheit zurückgeholt. Das Denkmal, eine Skulpturengruppe, wurde zwischen 1985 und 1995 von Ingeborg Hunzinger erschaffen, einer Künstlerin, die selber unter dem Naziregime leiden musste. Die Stätte des Nachdenkens steht am historisch richtigen Platz in Berlin-Mitte. Der dort erstellte Rasen ist sogar hübsch. Schade, dass die DDR-Führung der Sechzigerjahre um das Carré herum nicht nur ziemlich langweilige, sondern vor allem zu hohe Häuser gebaut hat. Der Ort des Innehaltens steht den ganzen Tag im Schatten. Und gemahnt an einen Triumpf des Lichtes.