«...alle seine Soldaten, ohne Unterschied der Konfession...»

von Gisela Blau, October 9, 2008
General Guisan nach seiner Vereidigung im Jahre 1939.

Zürich - Am 2. September 1939 erschien in der «Neuen Zürcher Zeitung» ein Leitartikel von Chefredaktor Willy Bretscher, einem jener mutigen Medienleute, die den Nazis - und nicht wenigen schweizerischen Anpassern sowie den Zensoren - ein Dorn im Auge waren. Er trug die Überschrift «Schweizerische Grenzwacht» und schilderte in patriotischen Sätzen die Vorgänge im Land. «Seit dem Dienstag stehen unsere Grenzschutztruppen unter den Waffen und sichern die schweizerischen Grenzen ringsum (...). Im Bewusstsein dieser Sicherheit ist das Schweizervolk am Tage nach dem ersten militärischen Aufgebot, nach der militärischen Teilmobilmachung, auch zur staatspolitischen Mobilmachung geschritten, indem es durch die Vertretung des Volkes und der Stände, die Bundesversammlung, der Landesregierung die nötigen Vollmachten zur Bewältigung einer ausserordentlichen Lage in die Hand und der Armee den verantwortlichen Führer, den General, gegeben hat. Die Demokratie, diese vielverkannte Staatsform, hat damit ihre Handlungsfähigkeit wieder einmal unter Beweis gestellt. (...)
Für unser Land ist der Augenblick gekommen, wo sich Regierung und Armeeführung nicht mehr mit einer ersten vorsorglichen Massnahme wie dem Aufgebot der Grenzschutztruppen begnügen können, um die bewaffnete Neutralität der Schweiz zu dokumentieren (...). Unsere Wehrmänner haben auf den Ruf gewartet; sie sind bereit, die Mobilmachung ist im Gange, und noch diese Nacht, morgen und übermorgen werden Tausende und aber Tausende von Soldaten zu der Fahne eilen (...); ein ganzes Volk in Waffen steht bereit. (...) Ausgerüstet mit dem Mut und Stolz des freien Bürgers, mit der Heimatliebe und dem Opfergeist des Eidgenossen, werden unsere Wehrmänner vom General bis zum jüngsten Soldaten ihre Pflicht im Dienste des Vaterlandes bis zum letzten erfüllen. Das Schweizervolk grüsst in dieser Stunde die Armee, (...) es grüsst seine Soldaten, alle seine Soldaten ohne Unterschied der Sprache, der Konfession, des Standes und der Partei. (...) Die Mobilmachung der Schweiz, die totale Mobilmachung der Wehr, des Willens und des Geistes ist im Gange. Ein Viermillionenvolk steht auf Grenzwacht und harrt gefasst und entschlossen der Prüfungen dieser dunklen, blutigen, mörderischen Zeit.»