Aktive Frauen

von Gisela Blau, May 28, 2009
Nach sieben Jahren tritt Ingelise Wormser vom Amt der Präsidentin des Bundes Schweizerischer Jüdischer Frauenorganisationen (BSJF) aus gesundheitlichen Gründen zurück. Eine Nachfolgerin wurde nicht gefunden, und so wird der Vorstand die Aufgaben als «politischer Arm» der jüdischen Frauen in der Schweiz gemeinsam anpacken.

Besonders wichtig sind die Kontakte der jüdischen Frauen zu den evangelischen und katholischen Frauen sowie zur «alliance f», dem Dachverband, dem auch der BSJF angehört. Alle drei Organisationen haben stets Abgeordnete an die DV des BSJF entsandt, dieses Mal nicht zuletzt, um Ingelise Wormser zu verabschieden.
Dieses Jahr fand die DV des BSJF auf Einladung des Jüdischen Frauenvereins in St. Gallen statt. Präsidentin Batja Guggenheim-Ami und die Vorstandsmitglieder empfingen im Haus der Jüdischen Gemeinde rund 30 Frauen. Die einzigen Männer waren SIG-Präsident Herbert Winter, der eigens für eine von Herzen kommende Würdigung aus Zürich angereist war, und der St. Galler Rabbiner Hermann Schmelzer.
Die abtretende Präsidentin wurde zum Ehrenmitglied ernannt und ermahnte die Anwesenden, dass die Frauen dazu erzogen werden müssten, nicht nur soziale Arbeit zu leisten, sondern auch politisch aktiv zu werden. Der Vorstand stellte sich grossmehrheitlich zur Wiederwahl, obwohl einige Probleme mit der Wirbelsäule haben. Frauenarbeit ist eben Knochenarbeit.
Batja Guggenheim-Ami erinnerte daran, dass im gleichen Saal vor mehr als 60 Jahren kein geringerer als Martin Buber zu Gast gewesen war, der über sein Buch mit chassidischen Geschichten gesprochen hatte. Ihr Vater Ben Ami erzählte Buber nachher, dass einer seiner Vorfahren jener Simcha Bunam gewesen war, über den Buber geschrieben hatte, und dass er diesem zu Ehren den gleichen Namen trage. Buber, der seine Bücher niemals signierte, schenkte Ben Ami daraufhin sein Exemplar und schrieb seinen Namen hinein. Aus diesem kleinen Band las Batja Guggenheim-Ami eine äusserst besinnliche Geschichte vor.
Die Einladung an die nächste DV überbrachte Edith Heymann im Namen des Jüdischen Frauenvereins Bern. Charlotte Spitzer aus Zürich kündigte an, dass die Emunah in Zusammenarbeit wieder Schiurim anbieten würde. Zudem wurde an den einzigartigen Service des International Council for Jewish Women erinnert: E-Learning. Nach dem Mittagsbuffet berichtete die Kuratorin des St. Galler Textilmuseums über den Beitrag jüdischer Textilhändler zum Ruf der Textilstadt
St. Gallen. Die prächtigen Kreationen von damals und heute bildeten den Abschluss der DV.