Älteste bekannte Darstellung jüdischer Symbole
Von Toby Axelrod
Jüdische Motive wie die Menora und der Löwe von Juda schmücken die goldbemalten Glasmedaillone, welche die Böden von Glasschüsseln bilden. Laut Anne Webber von der Londoner Kommission für Raubgut in Europa zählen die Medaillone zu den ältesten bekannten Darstellungen jüdischer Symbole, die je in der Mittelmeer-Region gefunden worden sind. Die nicht gewinnorientierte Kommission, die Erben beim Aufspüren gestohlener Objekte hilft und die Museen unterstützt, die Herkunft von Ausstellungsobjekten zu bestimmen, erklärte, das Israel-Museum habe die drei Medalllione an die Erben der ursprünglichen Besitzer zurückerstattet. Webber betonte auch, das Museum habe zugegeben, die Objekte von den ehemaligen Entwendern gekauft zu haben. Wegen ihrer historischen Bedeutung der Objekte sei es, wie sie hinzufügte, der Wunsch der Familie, dass die Medaillone in Israel verbleiben.
In London erklärte Graf Adam Zamoyski namens der Erben, man sei «sehr glücklich mit dem Ergebnis». Man anerkenne die Wichtigkeit der beiden Glasmedaillone für das jüdische Volk vollauf und respektiere den Wunsch des Israel-Museums, sie in Jerusalem zu behalten.
Von den Nazis konfisziert
Die ursprünglich in den Katakomben von Rom gefundenen Medaillone gehörten zu einer Sammlung, welche die Gräfin Isabella Dzialynska im Hotel Lambert ihrem Pariser Familiensitz aufgebaut hatte. Später verlegte sie die Sammlung ins Familienschloss bei Goluchow, und dann vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aus Sicherheitsgründen nach Warschau. Die Nazis fanden die Sammlung aber und konfiszierten sie. 1944 brachte Adolf Hitler sie im Schloss Fischhorn im österreichischen Zell am See unter, und nach dem Krieg wurden die Schätze erneut geplündert, dieses Mal vor allem durch österreichische Sammler. Zwei Jahrzehnte später erwarb Teddy Kollek, Gründer des Israel-Museums, als Bürgermeister von Jerusalem zusammen mit dem israelischen Kunsthändler Joseph Steiglitz zwei der Medaillone von einem Wiener Sammler. Das dritte Medaillon kaufte er für sich selber, spendete es aber 1970 dem Museum.
Zu den rechtmässigen Besitzern
Mit Hilfe der genannten Kommission findet die Sammlung langsam wieder den Weg zurück zu den Erben. Vor einigen Monaten wurde in einer Sammlung in Zell am See ein aus dem 13. Jahrhundert stammendes Kreuz aus Limoges-Email gefunden und der Familie zurückerstattet. Diese wusste seit vier Jahren, dass die Medaillone sich im Israel-Museum befanden. Die beiden Objekte mit Bildern der heiligen Bundeslade, des Löwen von Juda und der Tempel-Menora bleiben, wie die Kommission bestätigte, in der permanenten Ausstellung des Museums. Ein Medaillon hat das Museum zurückgekauft, das andere erwarb ein Gönner des Museums und überliess es diesem als langfristige Leihgabe. In den letzten neun Jahren hat, so Anne Webber, die achtköpfige Kommission, bestehend aus Historikern und Anwälten, rund 3000 gestohlene Kunstwerke und andere Objekte ihren rechtmässigen Besitzern zurückerstattet. Das beeindruckt zweifelsohne, ist, wie Webber meint, nicht viel mehr als ein «Tropfen Wasser im Ozean». Laut den Worten von Graf Zamoyski hofft die Familie, eines Tages in Polen wieder eine Dzialynska-Sammlung errichten zu können.