Abstraktes zum Anfassen

von Rachel Manetsch, October 9, 2008
Violeta Fiorino, 1973 in Buenos Aires geboren, entdeckte ihre Leidenschaft zur Kunst bereits im Alter von 16 Jahren. Ihr Lehrer hatte sie und die Mitschüler aufgefordert mit Bleistift, Kreide oder Draht zu arbeiten. Da Violeta die Arbeit mit Bleistift und Kreide bereits kannte, entschloss sie sich, sich dem Eisendraht anzunehmen. So betrat sie Neuland und schuf mit Begeisterung an der Materie einige grosse Skulpturen, die sogar in der Ausstellung der Schule Anklang fanden.
Violeta Fiorino: Feinheiten aus Draht. - Foto RM

Violeta Fiorino absolvierte ihr Architekturstudium am Pratt-Institute in New York. Dann zog es die junge Künstlerin nach Israel, wo sie sich hauptsächlich wieder der Malerei mit Ölkreide widmete. Nach zwei Jahren in Tel-Aviv führte sie das Schicksal, ein Männerherz, in die Schweiz, wo sie bis heute lebt. Violeta ist mittlerweile verheiratet und lebt mit ihrem Mann und dem vierzehn Monate alten Sohn in einer Architektursiedlung nahe bei Bern. Sie bezeichnet ihre Kunst als abstrakt und geometrisch. «Das hat bestimmt etwas mit meiner architektonischen Ausbildung zu tun», meint sie nachdenklich. Und tatsächlich enthalten ihre Ölkreidebilder viele geometrische Formen, Vier- und Dreiecke sowie Kreise. Doch das Wichtige und Zentrale an ihren Bildern sind die Zwischenräume oder wie sie sagt «Space». Violeta modelliert seit ihrem ersten Schulversuch immer noch Draht. Zu Beginn formte sie Picasso-ähnliche Figuren. Also Köpfe und Körper die man zugleich frontal und als Porträt sieht. Während ihrer Schwangerschaft schuf sie Frauen mit dicken Bäuchen, Männer, Kinder um sich auf ihr Muttersein vorzubereiten. Auch bei den Skulpturen, welche farbig und mobileartig sind, spielt der Raum eine wichtige Rolle. Die Künstlerin wünscht sich natürlich eines Tages von ihrer Kunst leben zu können, aber sie weiss, dass es hart ist, einen solchen Traum zu verwirklichen. Dank einem Zufall kommt sie ihrem Ziel nun ein Stück näher. «Als mein Mann und ich umziehen wollten, kamen einige Leute um unsere Wohnung zu besichtigen. Eine Frau schien an meinen Skulpturen und Bildern gefallen gefunden zu haben. Sie fragte mich, ob ich Interesse hätte meine Kunstwerke auszustellen», erzählt Violeta. Ganz enthusiastisch stimmte Violeta zu und so arrangierte die Frau ein Treffen mit dem Warenhaus «Loeb» in Bern, welches das Treppenhaus jungen, talentierten Künstlern als Ausstellungsort zur Verfügung stellt. Schnell konnte man sich einigen und nächsten Samstag bereits, am 2. Dezember, findet die Vernissage von Violetas abstrakten und farbigen Kunstwerken im Warenhaus «Loeb» in Bern statt. Es lohnt sich auf jeden Fall einen Blick in die Ausstellung zu werfen.