90 Jahre Keren Hajessod – 150 Jahre Theodor Herzl

February 4, 2010

 Am vergangenen Montag lud Keren Hajessod (KH) zu einem Strandgespräch mit interessanten Referenten. Im City Beach Basel, einer Umgebung, die an einen Strand in Tel Aviv erinnern sollte, wurden das 90-jährige Bestehen des Basisfonds sowie der 150. Geburtstag von Theodor Herzl zelebriert. Patrick Loeb-Meyer, der Präsident des Basler KH-Ortskomitees, hielt nach einem Apéro riche die Begrüssungsrede. Motto des Abends war der berühmte Ausspruch Herzls «Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen». Loeb-Meyer wies auf die nach wie vor prekäre Lage Israels hin. Es sei einzigartig, dass ein Staat, welcher in einer so schwierigen Bedrohungslage lebt, demokratischen und humanitären Prinzipien folgte. Er betonte, dass gerade die sozial schwachen Mitglieder der israelischen Gesellschaft nach wie vor auf Hilfe und Unterstützung angewiesen seien.

Hauptredner des Abends war Rabbiner Michael Melchior, welcher als designierter Vorsitzender der World Zionist Organisation auf eine sehr erfolgreiche und vielseitige Vergangenheit zurückblicken kann. Melchior unterstrich unter anderem die Kraft, welche die Liebe für eine Sache verleihen könne. So sei der Zionismus seinerzeit aus Liebe und Notwendigkeit entstanden, und Israel sei nicht wegen, sondern trotz der Schoah gegründet worden. Im heutigen Staat sei es notwendig, sich wieder auf Substanz und Inhalt der Idee Herzls zu be­sinnen. Die interne Separierung schade der israelischen Gesellschaft. Jüdische Werte sollten gefördert werden. Inhalt und Ziele des ­Jüdischseins sollten thematisiert werden – und nicht nur die Gefahren und Widrigkeiten.

Auf den Vortrag folgte ein Roundtable-Gespräch mit dem deutschen Pädagogen und Religionsphilosophen Micha Brumlik sowie dem Historiker und ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland Shimon Stein unter Leitung von Richard Chaim Schneider, Chefkorrespondent der ARD in Tel Aviv. Thema der Diskussion war die Beziehung zwischen Israel und der Diaspora, wie sie ist, sein sollte und werden könnte. Es wurde etwa die ambivalente Beziehung vieler Juden in der Diaspora angesprochen, welche emotional eng mit Israel verbunden seien, aber dem politischen Geschehen im Nahen Osten oft skeptisch gegenüberstünden. Auch die Kollektivanschuldi­gungen gegen Israel, mit welchen man als ­Diasporajude oft konfrontiert werde, und die Siedlungsproblematik waren Thema der Diskussion. Nach einem Spendenaufruf von Rabbiner Melchior klang der Abend mit einem Dessert und musikalischer Begleitung von DJ David Karasek aus. [zu]