80 Jahre für die Musik

October 9, 2008
Die grandiose Künstlerlaufbahn Arthur Rubinstein begann mit dem Berliner Debüt des 13-Jährigen im Jahre 1900. Erst mit der Entwicklung der elektrischen Aufnahmetechnologie Mitte der zwanziger Jahre begann der Pianist damit, die eigenen Aufnahmen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unerhört beeindruckt von der Möglichkeit, den «goldenen Klang des Klaviers» getreu festhalten zu können, begann Rubinstein nun seine 50-jährige Aufnahmetätigkeit. Dieser Tage nun ist eine grosse «Rubinstein Collection» erschienen, die das Plattenerbe des grossen Musikers auf 94 CDs neu zugänglich macht.
Arthur Rubinstein. - Foto PD

Die in der Collection enthaltenen mehrfachen Versionen einzelner Werke bieten eine faszinierende Gelegenheit, die Weiterentwicklung von Rubinsteins technischem und interpretatorischem Stil zu erforschen. Dank der Beziehung zu seinem Mentor Joseph Joachim - der eine direkte Verbindung zu Brahms und Schumann bot - begann der junge Arthur Rubinstein seine Laufbahn im engen Wechselspiel mit der musikgeschichtlichen Entwicklung. Dieser Zusammenhang wurde weiter verstärkt durch Rubinsteins persönliche Beziehungen zu Komponisten wie Szymanowski, Strawinsky, Albeniz und Poulenc, um nur einige zu nennen. Die leidenschaftliche Überzeugung des Pianisten, die Integrität jeder einzelnen Komposition bewahren zu wollen, veranlasste ihn zu umfassenden Untersuchungen der Musik all jener Komponisten, deren Musik er spielte. Rubinsteins Sohn bemerkte dazu: «Er war imstande, die enorme Reichweite seiner Gefühle und seiner Lebenserfahrung völlig selbstlos in die Musik zu verströmen; er stellte sich demütig in den Dienst des jeweiligen Komponisten!»
Die Arthur-Rubinstein-Collection «Ein Leben in Musik» enthält das komplette Plattenerbe des wichtigsten Pianisten unseres Jahrhunderts: 706 Aufnahmen von 347 Werken - insgesamt 106 Stunden Musik. Schon diese Zahlen allein sind beeindruckend, doch ist es das künstlerische und historische Interesse, das dieses aussergewöhnliche Projekt besonders auszeichnet. Der letzte Teil der Edition ist hauptsächlich den Stereo-Aufnahmen gewidmet, die Rubinstein im Alter von 69 Jahren einzuspielen begann, bis er sich 21 Jahre später zur Ruhe setzte. Zu den Glanzpunkten dieser Periode gehören drei komplette Zyklen von Beethovens Klavierkonzerten, neue Aufnahmen der wichtigsten Werke Chopins sowie kammermusikalische Werke gemeinsam mit dem Guarneri-Quartett. Ausgesuchte Mitschnitte aus seinem Marathonzyklus in der Carnegie Hall 1961 und der kompletten Konzertprogramme in Moskau 1965 und Pasadena 1975 veranschaulichenaufs Schönste seine typische Spontaneität und Frische beim Spiel vor Publikum.
Besonderer Clou der Edition: Auf einer CD plaudert Rubinstein selbst über Mozart, Beethoven und Chopin, über die Aufnahmearbeiten und andere Aspekte der Musik seines Lebens. Die glänzende Konzertlaufbahn von Arthur Rubinstein hat sich über einen grossen Teil des 20. Jahrhunderts erstreckt, und er hat seine musikalischen Gaben einem Publikum in aller Welt dargeboten. Es ist jedoch die Hinterlassenschaft seiner Aufnahmen - jetzt erstmalig in ihrer Gesamtheit zusammengestellt -, die es ermöglichen wird, das Genie dieses Künstlers auch im 21. Jahrhundert und darüber hinaus zu studieren und zu geniessen.