17 Jahre nach dem Völkermord
Vor den Augen der internationalen Gemeinschaft verloren vom 6. April 1994 bis Mitte Juli 1994 beinahe eine Million Menschen in einem brutalen Völkermord ihr Leben. Angehörige der Hutu-Mehrheit töteten etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich gegen ihn wehrten. Das «Land der 1000 Hügel» oder die «Schweiz Afrikas» leidet seither an bitterer Armut, und die Wunden der Vergangenheit sind noch längst nicht verheilt. Zudem wird der Genozid in Ruanda weit seltener diskutiert als etwa der Holocaust, er ist – ähnlich den Gräueltaten des Pol-Pot-Regimes in Kambodscha – kaum Teil des staatlichen Geschichtsunterrichts in den meisten Ländern; eine Tatsache, durch die die internationale Solidarität und Unterstützung geschmälert wird.
Für eine bessere Zukunft
Seit 1996 engagiert sich UNICEF Schweiz mit Spenden und verschiedenen sozialen Projekten für das gebeutelte Ruanda vor allem in den Bereichen Bildung und Kinderschutz. Dabei zielt die Organisation auf Nachhaltigkeit und versucht einen grundsätzlichen Wandel der lokalen Regierung und Administration herbeizuführen. So werden etwa kinderfreundliche Schulen gebaut, die physische Qualität der Schulräume verbessert und die Lernqualität überprüft. Zudem sichert UNICEF den Zugang zu Wasserversorgung und sanitären Einrichtungen, kämpft mit Kampagnen gegen HIV und setzt sich für die zahlreichen Waisenkinder ein, welche der Genozid hinterlassen hat. Die Regierung übernimmt derweil teils die Ziele und Modelle von UNICEF. So setzt man in Ruanda etwa auf eine Bildungsgesellschaft: Die obligatorische, frei zugängliche Schulzeit wurde von sechs auf neun Jahre erhöht und Englisch wurde zur offiziellen Amtssprache.
Schweizer Besuch
Um auf die schwierige Situation in Ruanda hinzuweisen, besuchte eine Schweizer Delegation von UNICEF bestehend aus Schauspieler Anatole Taubman, Unternehmerin Anat Bar-Gera und der Geschäftsleiterin von UNICEF Schweiz, Elsbeth Müller, im Januar Ruanda. Die in Israel geborene Anat Bar-Gera welche seit 1988 in der Schweiz lebt, erzählt sehr bewegt von dem Besuch: «Da meine Eltern und Grosseltern die Schrecken des Holocaust durchleben mussten, fühle ich mit Menschen, deren Lebensweg durch gleiche Strapazen führt.» Sie sei schockiert gewesen von dem Gesehenen in Ruanda. Etwa die Hälfte der Bevölkerung sind Kinder, von welchen die meisten mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen müssen. Rund 300 000 Kinder seien Waisen, von denen etwa ein Drittel von älteren Geschwistern grossgezogen würde. 80 Prozent der Bevölkerung müssten ohne Elektrizität auskommen und 60 Prozent kämpfen mit Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser verursacht würden. Der Genozid sei immer noch sehr präsent und manifestiere sich etwa im Fehlen einer ganzen Generation oder in den psychologischen Traumata der Überlebenden. Trotz allem zeigt sich Bar-Gera positiv überrascht von den Fortschritten, welche das Land in den letzten zehn Jahren gemacht habe. Das Schweizer Fernsehen hat die Reise begleitet und Anfang Februar Beiträge ausgestrahlt, in welchen sich auch Schauspieler Anatole Taubman sehr bewegt über das Erlebte zeigte.
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