logo
USA

Künstler als «Diplomaten ehrenhalber»

November 23, 2011
US-Aussenministerin Hillary Clinton würdigt Künstler als «Brückenbauer» für verbesserte amerikanisch-tunesische Beziehungen.


Künstlerische Gemeinsamkeit als Reaktion auf politische Unterdrückung – so lassen sich die «Brigades d'intervention plastiques» beschreiben, die der Künstler Hechmi Ghachem in den 1980er Jahren unter der Diktatur von Präsident Ben Ali in Tunesien gegründet hat. Die Abkürzung der Gruppe – BIP – nahm ironisch auf die der dortigen Polizei Bezug, den «Brigades de l'ordre public»: BOP. Vom offiziellen Kulturbetrieb ausgegrenzt, entwickelten der 57-jährige Ghachem und seine Mitstreiter eine vom französischen Surrealismus beeinflusste, kollaborative Form des Malens. Dabei arbeiten mehrere Künstler gemeinsam an einer Leinwand. Jedem steht es frei, die Kreation eines Kollegen zu übermalen, aber Kontroversen werden in einem kollektiven Disput gelöst. Die Ergebnisse wirken fast durchweg, als wären die Bilder von einer Hand geschaffen worden.

Nun war die New Yorker «Art Students League» eine Woche lang Gastgeber von Hechmi Ghachem, Mourad Zerai und Olfa Jegham. Dass die drei Tunesier nun Workshops mit New Yorkern abhalten konnten, geht auf einen Tunis-Besuch des Malers David Black Anfang November 2008 zurück. Die dortige US-Botschaft hatte Blacks Bilder zuvor im Rahmen eines offiziellen Programms gezeigt. Das positive Echo vor Ort ermutigte die Diplomaten, Black nach Tunis einzuladen. Dort führten ihn Ghachem und seine Kollegen in ihre Arbeitsweise ein. Der heute 80-jährige Black war davon so beeindruckt, dass er danach nicht nur die kollaborative Technik der Tunesier in den USA eingeführt, sondern sich auch unermüdlich um einen Besuch der BIP-Gruppe in den Staaten bemüht hat.

Black konnte damit ein neues Kapitel in einer langen künstlerischen Karriere schreiben. Er ist an der Upper East Side Manhattans als Sohn eines bekannten Reformpädagogen mit russisch-jüdischen Wurzeln aufgewachsen. Seine Mutter stammt aus einer deutsch-jüdischen Bankiersfamilie. Black zeigte früh musisches Talent, gab aber nach einem Harvard-Studium und Lehrjahren in Berlin und Rom seinen Traum auf, Opernsänger zu werden. Über einen Abstecher an die Wall Street wurde er 1960 Theaterproduzent am Broadway. Black hat unter anderem «A Funny Thing Happened On The Way To The Forum» auf die Bühne gebracht, das Standardwerk «The Actor´s Audition» geschrieben und an der New School in New York unterrichtet. Seit 1983 betätigt er sich erfolgreich als bildender Künstler.

Mit an den Hudson kam Khaled Souissi, der als «Spezialist für kulturelle Angelegenheiten» an der US-Botschaft in Tunis die Fundamente für das Projekt gelegt hat. Auf einer Veranstaltung an der Arts Students League erklärte Souissi aus seiner langjährigen Erfahrung, im Gegensatz etwa zu Vorträgen von Gastrednern schaffe gemeinsame, künstlerische Arbeit von Angehörigen verschiedener Kulturen bleibende Beziehungen. Dies gelte für Musiker, offensichtlich aber auch für Künstler. Souissi sieht nach der Revolution in Tunesien eine neue Ära der gleichberechtigten Partnerschaft zwischen den USA und seiner Heimat heraufziehen.

Diese Auffassung wird offensichtlich von Aussenministerin Hillary Clinton geteilt. In einem offiziellen Brief hat sie Black und Ghachem nun als «Diplomaten ehrenhalber» gewürdigt, die sich grosse Verdienste um den Brückenbau zwischen Tunesien und den USA erworben hätten. [AM]





» zurück zur Auswahl