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HAMAS

Kriegerische Töne des Regierungschefs

January 9, 2012
Die Stimmung zwischen Hamas und Fatah scheint sich wieder zu trüben.
Ismail Haniyeh mit kämpferischen Aussagen

Seine Gruppe werde «ihre Waffen, ihr Territorium und ihren Anspruch auf Jerusalem für die Palästinenser» nie aufgeben, und seine Organisation werde Israel nie anerkennen. Das erklärte am Sonntag in Tunis Ismail Haniyeh vor 5000 begeisterten Zuhörern. Der die erste Auslandsreise seit seinem Amtsantritt als Regierungschef des Gazastreifens vor über fünf Jahren absolvierende Haniyeh prophezeite zudem Israel «schwierige Tage», unter anderem weil der «zionistische Feind» nicht mehr auf seine Alliierten in Ägypten und Tunesien zählen könne. Die Zeit der Revolution, der Würde und des Stolzes sei angebrochen, rief Hanyieh aus. «Wir versprechen Euch, auch nicht auf den kleinsten Teil von Palästina zu verzichten.» - Trotz dieser aufputschenden Worte müssen die jüngsten Berichte aus der Heimat für Ismail Haniyeh eher wie eine kalte Dusche gewirkt haben. Am Sonntag erklärte nämlich das Zentralkomitee der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, man müsse die Versöhnung mit der Hamas neu überdenken, nachdem letzte Woche die fundamentalistische Bewegung drei Fatah-Funktionäre den Besuch des Gazastreifens verwehrt hatte. Das Verhalten der Hamas würde nach Ansicht der Fatah beweisen, dass Hanyiehs Organisation an der Verwirklichung eines im vergangenen Jahr in Kairo unterzeichneten Versöhnungsabkommens zwischen den beiden, sich seit langem in den Haaren liegenden Bewegungen gar  nicht interessiert sei. Seit der positiven Atmosphäre, die Abbas und Hamas-Chef Khaled Meshal an einem Treffen in Kairo im Dezember verbreitet hatten, scheint die Stimmung sich wieder zusehends zu trüben. Bis zum 4. Mai, wenn die beiden Gruppen Parlamentswahlen in den Palästinensergebieten abhalten wollen, fliesst aber noch viel Wasser den Jordanfluss hinunter, und alles kann sich noch mehrere Male ändern. [JU]


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