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US-VORWAHLEN

Jüdische Republikaner atmen auf

January 5, 2012
Der dritte Platz für Ron Paul bei den republikanischen Vorwahlen beendet dessen ohnehin schmalen Chancen auf eine Präsidentschaftskandidatur.
Behält Chancen: Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Rick Santorum

Das überraschend starke Abschneiden von Rick Santorum am Dienstag in Iowa dürfte die Unübersichtlichkeit beenden, die für diese republikanischen Präsidentschafts-Vorwahlen so lange bestimmend war. Nun zeichnet sich der Zweikampf zwischen Mitt Romney und einem einzigen konservativen Gegner ab, den der Ex-Gouverneur von Massachusetts bislang vermeiden konnte. Dass Santorum dabei durchaus gute Chancen hat, wurde am Ende der langen, spannenden Wahlnacht deutlich. Während Romney bei seiner Dankesrede hektisch über Barack Obama herzog, sprach der erzkonservative Ex-Senator aus Pennsylvania über seinen Hintergrund im Arbeitermilieu und die Notwendigkeit, das produzierende Gewerbe Amerikas zu revitalisieren. Damit stellt Santorum eine Ausnahme in diesem republikanischen Feld dar, das nun rasch schrumpfen dürfte. Am Mittwoch hat Michele Bachmann ihre Kandidatur aufgegeben, während der Texaner Rick Perry nur noch auf einen immer unwahrscheinlicheren Erfolg in South Carolina am 21. Januar hoffen kann.

Der ultra-konservative Ron Paul hat in Iowa zwar 21 Prozent erreicht, kann in den folgenden Staaten jedoch nicht mehr mit vergleichbarer Zustimmung rechnen. Damit dürfen jüdische Republikaner aufatmen, die den isolationistischen Kurs Pauls in der Aussenpolitik zu Recht als Gefahr für die amerikanisch-israelische Allianz wahrgenommen haben. Darauf wiesen in ihren Wahlreaktionen Kolumnisten beim «Forward» und der «Jewish Week» in New York hin. Allerdings kommen jüdische Wähler erst bei den Vorwahlen in Florida am 31. Januar in nennenswerter Zahl zu Wort. In New Hampshire, wo konservative Stimmbürger am kommenden Dienstag an die Urnen gehen, leben nur etwa zehntausend Juden. Diese neigen – wie Amerikas Juden landesweit – traditionell eher den Demokraten zu.

Santorum galt in Iowa noch vor den Feiertagen als völlig chancenlos, obwohl er seit dem Sommer praktisch in diesem ländlichen Gliedstaat im oberen Mittelwesten lebt. Er konnte nur eine halbe Million Dollar für seinen Wahlkampf aufbringen, während Romney etliche Millionen investiert hat. Dass er dennoch so stark abgeschnitten hat, macht Santorum zu einem «under dog» wie ihn Amerika seit jeher liebt. Als strenggläubiger Katholik kein Traumkandidat der in Iowa besonders starken Evangelikalen, konnte sich Santorum offensichtlich diesen «sozial-konservativen» Wählern als bester Vertreter ihrer Anliegen empfehlen. Dies gibt ihm gute Chancen bei den Vorwahlen in den Südstaaten South Carolina und Florida. Dort und im Mittelwesten dürfte Santorum auch bei den «Reagan Democrats» gut ankommen, älteren, weissen Industriearbeitern, die den Linksliberalen nach der Bürgerrechtsära den Rücken gekehrt haben. Der Mormone Romney wird sich im Süden schwer tun und er dürfte bereits Probleme haben, seine hohe Führung bei den Umfragen in New Hampshire bis zu den Vorwahlen dort am 10. Januar zu verteidigen. ANDREAS MINK

 





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