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Diskussion nach Beerdigung von Amy Winehouse

Von Eva Burke, London, July 29, 2011
Der Schock über den Tod von Amy Winehouse sitzt bei vielen noch tief. Doch kurz nach der Beerdigung der jüdischen Soul-Sängerin fragen sich viele: wie gehen eine jüdische Beerdigung und eine Urne auf einem jüdischen Friedhof zusammen? In Grossbritannien geht das.
Vater Mitch Winehouse am Dienstag während der Beerdigung seiner Tochter Amy

Musikfreunde schätzten sie als Ausnahme-Talent. Die überall wegen ihrer ulkigen Haarskulptur, aber vorallem wegen ihrer sagenhaften Stimme bekannte Künstlerin starb letzten Samstag. Trotz späterer Einäscherung fand die Beerdigung bereits am letzten Dienstag auf dem jüdischen Friedhof Edgewary Bury statt.

Winehouse selbst stammte aus einer traditionell jüdischen Familie. Ihre heute geschiedenen Eltern gehören einer progressiven Synagoge an. Die Sängerin
war dem Judentum, ihren Eltern und ihrem Bruder innigst verbunden, obwohl so vieles in ihrem Leben, so auch ihre Tätowierungen, gegen jüdische Prinzipien verstiessen. Sie besuchte den jüdischen Kindergarten, war später Mitglied eines jüdischen Jugendbundes. Nun sitzen ihre Hinterbliebenen Shiva, nachdem zahlreiche jüdische und andere Prominente aus der Musik- und Medienwelt, darunter auch ihr Produzent Mark Ronson, an der Beerdigung teil genommen haben. Weggefährten und Journalisten beschreiben Amy Winehouse als unsichere junge Frau mit starkem Familiensinn, die trotz ihrer Begabung stets an Selbstzweifeln und Lampenfieber litt. Ihr sei alles beschieden gewesen, bloss eines nicht: Bühnenpräsenz, hiess es in einem Nachruf.



Obwohl vom traditionellem jüdischen Glauben bzw. Gesetz eigentlich nicht akzeptiert, sind Einäscherungen in England unter orthodoxen Juden, vor allem aber unter Mitgliedern von Reformgemeinden gebräuchlich. Meist, so wie bei Amy Winehouse, wird die Urne in ein Grab gelegt und so ist auch eine spätere Steinsetzung möglich. Der Londoner Reform-Rabbiner Larry Tabick erklärt dazu, der Brauch der jüdischen Beerdigung beruhe auf dem Gebot, den Menschen in die Erde zurückzuführen. Dieses Ritual ruft laut Tabick erbauliche Empfindungen hervor und lädt – im Gegensatz zu einer Einäscherung – Trauergäste zur persönlichen Teilnahme und nicht bloss zum Zuschauen ein. 

Ein Interview mit Amy Winehouse aus dem Jahre 2008, erschienen im Monatsmagazin aufbau, findet sich unter www.tachles.ch/hendrix-joplin-morrison-und-jetzt-winehouse 

 



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