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USA

Der «Herminator» in der Klemme

November 3, 2011
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Herman Cain beteuert seine Freundschaft zu Israel. Das soll von Vorwürfen wegen sexueller Belästigungen ablenken.

 

Herman Cain ist der Liebling des Monats der ultrakonservativen Tea Party-Republikaner im Rennen um die US-Präsidentschaftsnominierung. Der ehemalige Chef der Restaurantkette «Godfather´s Pizza» hebt sich mit Humor und volkstümlichen Parolen von seinem steifen Konkurrenten Mitt Romney ab. Vermutlich ist er selbst von seinem Erfolg überrascht. Insider vermuten, dass Cain mit seiner Kandidatur lediglich sein Profil als Autor, Radiomoderator und Redner heben wollte.

Doch nun droht der Steilflug des 65-jährigen Afroamerikaners aus Atlanta, Georgia, abzubrechen: Über das Wochenende wurde bekannt, dass in den 1990er Jahre zwei Mitarbeiterinnen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen ihn erhoben haben. Cain, der sich selbst «The Herminator» nennt, war damals Kopf der amerikanischen Restaurant-Lobby in Washington. Zumindest eine der Frauen erhielt damals eine Abfindung von 35.000 Dollar, was ihrem Jahresgehalt entsprach.

Cain hat zu den Vorwürfen eine Serie wechselnder Erklärungen abgegeben und inzwischen die Zahlung der Abfindung eingeräumt. Er lehnt es jedoch ab, die mit der Zahlung verknüpfte Schweigevereinbarung aufheben zu lassen. Am Mittwoch geriet Cain weiter unter Druck, nachdem weitere Zeugen angeblicher sexueller Übergriffe an die Öffentlichkeit gingen. Was jeweils konkret geschehen ist, wurde bislang jedoch nicht bekannt. Dennoch hat Cain im Lauf des Tages mehrfach die Beherrschung verloren und Journalisten angeschrien.

Sein Stab versucht derweil ein Ablenkungsmanöver. Cain hatte im Mai konservative jüdische Amerikaner gegen sich aufgebracht, als er bei einem Interview offensichtlich nicht wusste, was es mit der palästinensischen Forderung nach einer Rückkehr auf israelisches Gebiet auf sich hat. Inzwischen war Cain in Israel. Er ist dort im August gemeinsam mit dem rechtspopulistischen Medienstar Glenn Beck aufgetreten. Danach hat Cain einen Mitarbeiter für Kontakte in die jüdische Gemeinschaft der USA angestellt. Seitdem die Belästigungsvorwürfe bekannt wurden, haben der Kandidat und seine Sprecher wiederholt Cains Verbundenheit mit Israel betont. Doch dieses Manöver dürfte seiner angeschlagenen Kampagne wenig helfen. [AM]

 





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