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October 7, 2011
Ernste Melodien, «sargenes» (weisser Kittel), feuchte Augen und erhabene Stimmung – diese Elemente sind integrale Bestandteile von Rosch Haschana. Wenn man das jüdische Neujahr mit dem bürgerlichen vergleicht, merkt man sofort, dass es nicht einfach der Anfang des Jahres ist, sondern ein Tag mit einer tiefen und ernsthaften spirituellen Bedeutung. Was verbirgt sich hinter diesem Tag?

Ernste Melodien, «sargenes» (weisser Kittel), feuchte Augen und erhabene Stimmung – diese Elemente sind integrale Bestandteile von Rosch Haschana. Wenn man das jüdische Neujahr mit dem bürgerlichen vergleicht, merkt man sofort, dass es nicht einfach der Anfang des Jahres ist, sondern ein Tag mit einer tiefen und ernsthaften spirituellen Bedeutung. Was verbirgt sich hinter diesem Tag?


Rosch Haschana wird in mehreren rabbinischen Quellen als «jom hadin», als Tag des Gerichts, bezeichnet. Schon in der Mischna, der im 2. Jahrhundert d. Z. schriftlich fixierten mündlichen Überlieferung, findet man eine solche Beschreibung dieses Tages. Im Traktat Rosch Haschana (1:1) wird berichtet, dass die Welt vier Mal im Jahr vor einem göttlichen Gericht steht. Drei Mal wird über wichtige Aspekte der Natur entschieden, nämlich über Wasser, Getreide und Früchte. An Rosch Haschana jedoch steht der Mensch selbst vor Gericht, wie es heisst: «Am 1. Tischri ziehen alle Lebewesen vor Gott wie Schafe vorbei.»


Auch in den Gebeten des Tages kommt dieser Aspekt immer wieder zum Ausdruck. Mehrere «pijutim» (poetische Gebete) beschäftigen sich damit, dass Gott an diesem Tag über die Welt und die Menschen urteilt. Ein besonders eindrucks-volles Beispiel dafür findet man in dem berühmten Gebet «Unetane tokef», wo es unter anderem heisst: «Wie der Hirte seine Herde prüft, seine Schafe unter seinem Stab hindurchgehen lässt, so lässt du vorbeiziehen, zählst, berechnest und prüfst die Seele jedes Lebewesens; du bestimmst die Grenze aller deiner Geschöpfe und schreibst ihr Urteil.»


Es ist also eine alte Tradition, Rosch Haschana als Tag des Gerichts aufzufassen. Doch was hat uns die Thora selbst zu sagen? Was kann man aus ihren Versen über das Wesen des Festes lernen? Auf den ersten Blick stehen wir vor einem Rätsel. Rosch Haschana wird in der Thora zwei Mal erwähnt, im Buch Wajikra (23:24) und im Buch Bamidbar (29:1). An beiden Stellen wird kaum etwas über die Bedeutung des Tages gesagt; wir finden lediglich die Ausdrücke «jom terua» («Tag von Terua») und «sichron terua» («Erinnerung an Terua»). Was ist mit «terua» gemeint? Das Wort wird oft mit Posaunenschall oder Hornblasen übersetzt, bedeutet jedoch eigentlich «jubeln». Warum aber soll man an diesem Tag jubeln? 





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