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Wendepunkt für autistische Kinder

von Valerie Wendenburg, March 11, 2010
Am kommenden Dienstag wird in Muttenz im Kanton Baselland ein neues Mifne-Therapiezentrum eröffnet – es handelt sich um das erste Zentrum ausserhalb Israels, wo bereits viele Kinder mit autistischen Störungen erfolgreich behandelt wurden.
DIE TÜR IN EINE NEUE WELT ÖFFNEN Die Mifne-Therapie birgt Chancen für autistische Kinder

Das neue Mifne-Therapiezentrum soll nicht nur jungen Patienten aus Basel, sondern auch Kindern und ihren Familien aus anderen Kantonen und dem angrenzenden Ausland offen stehen. So sollen über die Grenzen hinweg Kleinkinder mit autistischen Störungen die Möglichkeit erhalten, vom Behandlungsansatz zu profitieren, der im neuen Zentrum angeboten wird. Die Therapiemethode Mifne («Wendepunkt»), die seit 20 Jahren existiert und laufend weiterentwickelt wird, kommt in Basel erstmals ausserhalb Israels zum Einsatz. Um das neue Zentrum realisieren zu können, wurde im Herbst 2008 die Stiftung Früh Intervention bei Autistischen Störungen ins Leben gerufen. Der Präsident der Stiftung René Spiegel zeigt sich gegenüber tachles sehr erfreut über die anstehende Eröffnung des Schweizer Zentrums: «Die Methode, die viele spezifische Elemente enthält, wurde in Israel entwickelt und wird nun erstmals an einem anderen Ort zum Einsatz gebracht. Dass wir jetzt kurz vor der Eröffnung des neuen Mifne-Zentrums stehen, ist ein besonderer Moment.»

Ein Durchbruch

Mifne, die Institution für Frühintervention bei der Behandlung von autistischen Kindern, feierte im Jahr 2007 ihr 20-jähriges Bestehen in Tel Aviv (vgl. tachles 42/07). Auch die Wurzeln der Institution liegen in der Schweiz, da die Schweizer Mifne-Stifung, gegründet von Ernst Braunschweig aus Zürich, die Institution mit rund 350 000 bis 400 000 Franken jährlich unterstützt. Das israelische Mifne-Zentrum befindet sich im sogenannten Schweizer Haus in Rosh Pina. Das therapeutische Modell von Mifne bedeutet für die Behandlung von Autismus nicht nur in Israel, sondern weltweit einen Durchbruch. Während der Therapie steht auch die engste Familie des betroffenen Kleinkinds im Mittelpunkt: Gemeinsam mit dem behandelnden Team versuchen die Angehörigen, das Kind aus seiner Abgeschiedenheit von der Umwelt zu befreien; eine Arbeit, die psychisch äusserst fordernd sein kann. Der Erfolg der Therapie in Israel ist beeindruckend: 74 Prozent der in Rosh Pina behandelten Kinder konnten nach der Behandlung ins reguläre Schulsystem integriert werden. Die erfolgreiche Methode soll nun auch in Basel angewendet werden, in der Hoffnung, dass Familien mit autistischen Kindern so neue Wege beschreiten können. Spiegel zeigt sich zuversichtlich: «Die in Israel erzielten Erfolge an einer grossen Zahl von Kindern lassen uns hoffen, dass die Methode auch hier wirken wird. Sollte dies tatsächlich so sein, dann ist es wahrscheinlich, dass weitere Mifne-Zentren entstehen werden.»

Sehr junge Patienten

Bei der Eröffnung des Basler Mifne-Therapiezentrums wird auch die langjährige Leiterin des Zentrums in Rosh Pina, Hanna Alonim, anwesend sein. Sie hat den Mifne-Therapieansatz entwickelt, dessen generelles Ziel es ist, bei jungen Kindern vor dem vierten Lebensjahr mit autistischen Störungen mit Hilfe einer intensiven Behandlung von drei bis vier Wochen eine nachhaltige Veränderung ihrer Entwicklungsstörungen zu in Bewegung zu bringen. Die Mifne-Therapie wird später im eigenen Zuhause fortgeführt; parallel dazu wird versucht, die Kinder in einen Kindergarten- oder Schulbetrieb zu integrieren.

Chance für Basel

Die Eröffnung des Zentrums in Basel und der Versuch, das Mifne-Konzept auch hierzulande zu etablieren, birgt die Chance, die Behandlungsmöglichkeiten von jungen autistischen Kindern zu optimieren und die betroffenen Familien zu entlasten. Damit könne, so schreiben die Verantwortlichen auf ihrer Website, «ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um das Leid der Patienten und ihrer schwer belasteten Familienangehörigen zu lindern». Ferner könnten durch einen wissenschaftlichen Vergleich mit anderen Behandlungsverfahren wertvolle Hinweise zu Wirkungsfaktoren von therapeutischen Prozessen bei der Behandlung von autistischen Störungen gewonnen werden. Die wissenschaftliche Begleitforschung sei für das Projekt von höchster Bedeutung.

Das Zentrum wird fachlich der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik, einer Abteilung der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, angeschlossen sein. Die operative Leitung des Therapiezentrums liegt bei Klaus Schmeck, dem Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Basel-Stadt. Das Therapiezentrum wird von Mitarbeitenden der Fakultät für Psychologie der Universität Basel unterstützt und interdisziplinär arbeiten. Um das Mifne-Therapiezentrum in Basel zu realisieren, wurden Gelder von privaten Sponsoren und Stiftungen gespendet. Diese Mittel sollen künftig so eingesetzt werden, dass auch finanziell weniger gut gestellte Familien von einer Behandlung profitieren können und auch deren Kinder dank der Mifne-Therapie einen Wendepunkt im Leben erfahren können. 

www.autismus-mifne.ch






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