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Ursachen für Wirtschaftskrisen

May 14, 2009

Wirtschaftskrisen gab es zu allen Zeiten, schon die Bibel überlieferte entsprechende Berichte. So gab es Hungersnöte, durch mehrere Fehlernten hintereinander, durch Viehseuchen oder Kriege. Crashes und Krisen der neueren Geschichte indes begannen auf den Finanzmärkten. Verursacht wurden sie zumeist auf dreierlei Weise – Betrug, Preisspiralen und Staatspleiten: Schwindel und Betrug umfasste die staatliche Geldfälschung – meist zur Kriegsfinanzierung –, den Aktienschwindel wie die Südsee-Blase, auch bekannt als South Sea Bubble, sowie Bankpleiten. Während im Altertum zumeist Kriege über Macht und Wohlstand entschieden, weil die Besiegten Land, Gold und Sachwerte an die Sieger abzuliefern hatten, kamen die römischen Kaiser auf die Idee, das umlaufende Goldgeld zu vermehren, indem sie den Goldanteil bei der Münzprägung verringerten. Mit der Folge, dass die Bürger die hochwertigen Münzen behielten und nur die minderwertigen in den Geldkreislauf wiedereinfliessen liessen. Dieser Zerfall des Geldwesens war eine der Ursachen für den Zerfall der römischen Wirtschaft überhaupt. Im Mittelalter kam es in der Kipper- und Wipperzeit zu Beginn des Dreissigjährigen Krieges 1618 zur grössten Inflation in der Geschichte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Durch die illegale Verwendung von Schnellwaagen (Wippen) wurden die guten Münzen einer Geldsorte ausgesondert (gekippt). Innerhalb von etwa sechs Jahren verloren weite Teile der Bevölkerung ihre Ersparnisse an betrügerische Kipper und Wipper, allerdings blieben die wahren Schuldigen – die Münzherren mit Prägehoheit – im Hintergrund. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam der Schotte John Law auf die bahnbrechende Idee, Finanznöte am Hofe des französischen Sonnenkönigs bedarfsorientiert durch das vergleichsweise einfache Vermehren von Zahlungsmitteln aus bedrucktem Papier statt wie bisher aus geprägtem Edelmetall zu begegnen. Der Staat verschaffte sich so ohne allzu grossen Aufwand mehr Liquidität als Geld tatsächlich vorhanden war. Die Krise begann, als die Banknoten dramatisch – auf zehn Prozent – abgewertet wurden, die Aktienkurse einbrachen und Staat sowie Banque Royale zusammenbrachen. Preisspiralen sorgten wie erwähnt ebenso wiederholt für Krisen. Beispielsweise wurden die Preise für Sachvermögen, für Grundstücke – und selbst für Tulpenzwiebeln, als 1636 die «Tulpenkrise» in Holland zu grotesken Spekulationen führte – zeitweise in absurde Höhen getrieben. Wenn eine solche Blase platzte, gab es Pleitewellen, weil die tatsächlichen Vermögenswerte die Kredite nicht mehr deckten, weswegen solche Krisen als Kreditkrisen (Overbanking) gelten. Schliesslich gab es Krisen infolge von Staatspleiten, die teilweise in Verbindung mit Geldschwindel auftraten. Die Wellen solcher Krisen erschütterten nach den Finanz- oft auch die Gütermärkte. In Zusammenhang mit der Französischen Revolution 1789 kam es in ganz Europa zu Finanzkrisen. Ein Jahrhundert später, 1873, sorgten dramatische Kurskrisen für einen Börsencrash in Wien.    [KB]





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