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9. September 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 36 Ausgabe: Nr. 36 » September 8, 2010

Die Frage des Sinns

Grossrabbiner Marc Raphaël Guedj, September 8, 2010
Die Sehnsucht, dem Leben einen Sinn zu geben, hat Generationen dazu angespornt, zu philosophieren oder die Offenbarung in Frage zu stellen. Heute fällt auf, dass die Frage nach dem Sinn nicht mehr aktuell oder nebensächlich geworden ist.
In den letzten Jahrzehnten ist in der westlichen Welt das Zeitalter des Individualismus und des Konsums angebrochen. Die Jugend interessiert sich wenig für jene Studien, die sich nicht in bare Münze umsetzen lassen. Und wir begegnen oft der Verlockung des Gedankens, dass das Leben zu kurz... more...

Innere und äussere Stärke

von Arthur Cohn, September 8, 2010
Zu Beginn des neuen jüdischen Jahres stehen in Israel weiterhin die Bemühungen um einen Frieden im eigenen Land, die Bedrohung durch Iran und die weltweit oftmals antiisraelische Stimmung im Vordergrund. Positive Nachrichten gibt es vor allem aus der Wirtschaft zu berichten.
Trotz aller politischen Probleme und Ängste hat das vergangene Jahr eine Anzahl positiver Nachrichten aus Israel gebracht: 3,1 Millionen Touristen haben Israel in den letzten zwölf Monaten besucht – 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist ein neuer Jahresrekord erreicht. Die... more...

Der Islam wird Europa nie gefährden

Interview Yves Kugelmann, September 8, 2010
1936 in Warschau geboren, erlebte Marek Halter Flucht und Exil als Kind. 1950 liess sich die Familie in Frankreich nieder, wo Halter noch heute als Schriftsteller lebt. Im Gespräch mit tachles erzählt er über sein Verhältnis zum Judentum, die Bedeutung der Sprache, sein Buch «Le Kabbaliste de Prague» und seine Sicht auf Israel.
tachles: Was bedeutet für Sie Mystizismus und Mythologie des Judentums?Marek Halter: Die jüdische Geschichte ist eine Mischung aus Tatsachen und Mythologie. Ich liebe die Juden dafür, dass sie im Gegensatz etwa zu den Christen und Muslimen keine Offenbarungsreligion haben. Ihre... more...

Gleichberechtigung anstatt Gleichheit für 5771

Editorial von Yves Kugelmann, September 8, 2010
Die Herausforderung. Wieder einmal trennen Ethnien, Religionen, Kulturen und Herkunft die Menschen voneinander. Der Staat. Diese Brüderlichkeit kennt keinen Vater. Diese Brüderlichkeit beruht auf der Verfassung. Die Aufklärungslosung Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ist das... more...

Der Mann mit vielen Eigenschaften

Gisela Blau, September 8, 2010
Simon Wiesenthal erhält durch die soeben erschienene Biografie des israelischen Journalisten und Historikers Tom Segev ganz neue Facetten und behält trotzdem die vertrauten Konturen des unerschrockenen Nazijägers.
Tom Segev hat sich Simon Wiesenthal mit offensichtlicher Ambivalenz genähert – mit der gesunden Skepsis und dem Recherchiertalent des Journalisten und der Akribie des Historikers, der Daten und Fakten im geschichtlichen Kontext einzuordnen versteht. Diese Woche ist das dicke Buch mit dem... more...

«Die Schweiz hat ein recht gutes Integrationsmodell»

Interview Yves Kugelmann, September 8, 2010
Der scheidende Bundesrat Moritz Leuenberger blickt im Gespräch mit tachles zurück auf das vergangene Jahr und spricht ferner über staatspolitische Dimensionen, das Bankgeheimnis, sogenannte nachrichtenlose Vermögen und Eckpfeiler seiner politischen Karriere.
TACHLES: Was bedeutet für Sie heute «staatspolitische Dimension» in der Schweiz? MORITZ LEUENBERGER: Unter anderem die Zusammengehörigkeit verschiedener Kulturen und Sprachen, die in einer direkten Demokratie gemeinsam eine nationale Einheit bilden. Je besser diese Einheit... more...

Der Tourismus blüht

von Irit Rosenblum und Nathan Sheva, September 8, 2010
Die israelischen Hotels ernten die Gewinne vom wachsenden Zustrom ausländischer Touristen im ersten Halbjahr 2010. Nachdem die Visumspflicht für Gäste aus Russland aufgehoben wurde, besuchen jetzt pro Jahr 400 000 russische Touristen Israel.
Das israelische Touristikministerium erwartet für das ganze laufende Jahr drei Millionen Feriengäste aus dem Ausland. Sollte diese Erwartung Wirklichkeit werden, dann wäre 2010 das bisher beste Touristikjahr in der Geschichte des Staates Israel.Nach Angaben der israelischen... more...

Eine Jugend im Wandel

von Jacques Ungar, September 8, 2010
Rechtzeitig zu Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, das diese Woche am Donnerstag und Freitag in aller Welt begangen wird, gelangen die Ergebnisse einer Umfrage an die Öffentlichkeit, die im Auftrag der statistischen Fakultät der Tel-Aviv-Universität zum Thema «Erziehung im digitalen Zeitalter» angefertigt wurde
Die Resultate einer Studie von Camille Fuchs von der Tel-Aviv-Universität über die Denkmodelle junger israelischer Juden bieten ausreichend Diskussionsstoff für die sich über gut drei Wochen hinweg erstreckende jüdische «Feiertagssaison». So enthüllt die... more...

Hundert

September 8, 2010
Zum 100. Geburtstag Rolf Liebermanns am 14. September strahlt das Schweizer Fernsehen einen Film über den Komponisten und Opernintendanten aus. Autorin ist Mürra Zabel, die einige Jahre lang für Liebermann gearbeitet hat. Der Musiker stammte aus einer preussisch-jüdischen... more...

Auf­passer

September 8, 2010
Eine neue Website aus den USA verkündet: «Ein Teekessel unter Aufsicht kocht nicht über». Die jüngst aufgeschaltete Seite dokumentiert mit Videos und Blog-Einträgen die Aktivitäten der Tea Partys in den USA und will die Öffentlichkeit über rassistische... more...

Rassistisch oder notwendig?

Devorah Lauter, September 8, 2010
Internationale Medien, Menschenrechtsgruppen, die französische Kirche und einige Politiker kritisieren Nicolas Sarkozy, weil er mit seinen neuen, auf Immigranten fokussierenden Sicherheitsmassnahmen negativen ethnischen Stereotypen Auftrieb verleihe. Viele jüdische Gemeinderepräsentanten in Frankreich hingegen haben in der Sache eine ausgewogenere Haltung eingenommen.

Im Juli startete der französische Präsident Nicolas Sarkozy eine Reihe sicherheitsbezogener Initiativen, wie die Aberkennung der französischen Staatsbürgerschaft für im Ausland geborene Personen, die Polizisten attackieren. Eine andere Initiative ist das Programm zur raschen... more...

Bemühungen um ein legendäres Parfüm

Nir Hasson, September 8, 2010
Zu biblischen Zeiten lieferte der Balsam im historischen Palästina sowohl ein beliebtes Parfüm als auch eine gefragte Heilpflanze. Balsamparfüm galt als gesuchter Handelsartikel im Nahen Osten. Während Jahrhunderten war der Balsam verschwunden, doch jetzt hoffen Wissenschafter in Ein Gedi, ihn wieder züchten zu können.
Setzlinge der in den letzten zwei Jahren im botanischen Garten des Kibbuz Ein Gedi gezüchteten Balsampflanze gelten als erster Test für die Möglichkeit, den legendären Busch, der noch in der Periode des zweiten Tempels geblüht hatte, in die Region des Toten Meeres... more...

Ein langer Weg

Von Naomi Bubis, September 8, 2010
Seit 43 Jahren besetzt Israel das palästinensische Westjordanland, vor fünf Jahren zog sich Israel aus dem Gazastreifen zurück, seit zwei Jahren gab es keine direkten offiziellen Friedensgespräche zwischen Palästinensern und Israeli. Ob die Wiederaufnahme der Verhandlungen letzte Woche in Washington den festgefahrenen Konflikt ankurbeln kann, bleibt fraglich.

In Israel verbinden die Menschen wenig Hoffnung mit dem Gipfeltreffen unter amerikanischer Patronage zwischen dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud  Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Binyamin Netanyahu. In zwei Wochen sollen die Gespräche im ägyptischen... more...

Passive Sterbehilfe?

Fabio Luks, September 8, 2010
Die Israel Medical Association Schweiz organisierte einen Vortragsabend mit dem Thema «Palliative Care – Was ist heute möglich, was ist sinnvoll?» im Haus der jüdischen Jugend in Zürich. Es kam die Frage auf, inwieweit diese Art der schmerzlindernden Behandlung mit den Vorschriften des Judentums vereinbar ist.

Der Anästhesist und Palliativmediziner Andreas Weber machte in seinem einleitenden Referat klar, dass bei der sogenannten Palliative Care (vgl. Kasten) der Patient und seine Wünsche im Vordergrund stehen. Grundsätzlich wünsche sich die Mehrheit der Menschen ein langes, gutes... more...

Wenn der Heilige Geist spricht

Von Katja Behling, September 8, 2010
Jedes Jahr kommen in der «Heiligen Stadt» gehäuft Patienten mit dem Jerusalem-Syndrom in die psychia­trische Klinik. Israelische Psychiater haben das bizarre Phänomen beschrieben: paranoide Schizophrenie. Oder ist es einfach ein exzentrisches Verhalten ekstatischer Pilger?
Glaube, Kriege, Hoffnung: Keine Stadt ist so heilig und so umkämpft wie Jerusalem, und keine wird so verehrt. Tausende von Jahren Geschichte lasten auf der alten Geburtsstadt des Glaubens, in der drei monotheistische Religionen und zwei Völker koexistieren – und bis heute keinen... more...

«Ein möglichst breites Publikum erreichen»

Ofri Hani, September 8, 2010
Menachem Ben-Sasson war einst Rektor der Hebräischen Universität auf dem Jerusalemer Scopus-Berg, heute ist er deren Präsident. Im Laufe der vergangenen Jahre ging er in die Politik, verliess diese wieder und änderte seine Perspektiven von Grund auf.
Die wichtigste Botschaft, die Menachem Ben-Sasson, Präsident der Hebräischen Universität in Jerusalem und Professor für jüdische Geschichte und Philosophie, aus seiner Zeit als Knessetabgeordneter mitbrachte – er sass für Kadima im Parlament –, ist die, dass... more...

Krisen und dynamische Entwicklungen

Daniel Gerson, September 8, 2010
Hinter dem Forschungsprojekt NFP58 des Schweizer Nationalfonds verbirgt sich eine Vielfalt existenzieller Themen und kontroverser Fragen zur jüngsten Geschichte der Juden in der Schweiz. Daniel Gerson, Leiter der Studie, die von tachles über Jahre begleitet wurde, stellt einige zentrale Ergebnisse vor.
Ausgangspunkt für die Untersuchung «Schweizer Juden im Wandel» (siehe Kasten) ist die Feststellung, dass die jüdische Bevölkerung seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts als gut in die Schweizer Gesellschaft integriert gelten kann. Die öffentlich-rechtliche... more...

Ein Trotzkist erinnert sich

Andreas Mink, September 8, 2010
70 Jahre nach der Ermordung Leo Trotzkis in Mexiko spielen seine Anhänger als politische Kraft in den USA keine Rolle mehr. Doch bei einem Gespräch mit dem ehemaligen Berufsrevolutionär Gus Horowitz wird deutlich, wie Trotzkisten zwischen 1930 und 1975 die amerikanische Gesellschaft beeinflusst haben.
Als Gus Horowitz 1958 auf das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston kam, war er weniger an Technik oder Politik interessiert als am Pokerspielen und an Pool Billard. Doch diese Leidenschaften brachten den Sohn eines Flüchtlings aus Österreich in Kontakt mit einer... more...

Arbeiter verlieren den Anschluss

September 8, 2010
Zum «Tag der Arbeit» in den USA ziehen Ökonomen ein trauriges Fazit.

Barack Obama hat am Montag dieser Woche ein 50 Milliarden Dollar schweres Investitionsprogramm vorgeschlagen, das über die kommenden sechs Jahre zur Modernisierung der maroden Verkehrsinfrastruktur Amerikas beitragen soll. Der US-Präsident fordert zudem Steuerleichterungen für den... more...

Der Faschismus lauert um die Ecke

Yossi Sarid zur Lage in Israel, September 8, 2010
Die israelische Demokratie dient in erster Linie zur Verzierung: wie ein Baum, den man um seiner Schönheit willen züchtet und nicht wegen seiner Früchte. Wenige Leute nutzen effektiv die Demokratie oder die Rechte, die sie beinhaltet. Viele sind nur froh, sich an Knessetwahlen... more...
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