logo
19. Mai 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 20 Ausgabe: Nr. 20 » May 18, 2010

Eine kleine, aber immer lautere Minderheit

Von Jacques Ungar, May 18, 2010
42 Prozent der jüdischen Bevölkerung in Israel definieren sich als säkular, während nur acht Prozent sich als ultraorthodox betrachten. Das geht aus einer diese Woche veröffentlichten sozioökonomischen Umfrage hervor, die das statistische Zentralbüro letztes Jahr in Auftrag gegeben hat. Weitere Eckdaten der Erhebung: Zwölf Prozent der Juden Israels sehen sich als «religiös», 13 Prozent als «religiös observant», während 25 Prozent, also ein Viertel der jüdischen Bevölkerung, Traditionen pflegt, sich deswegen aber nicht als religiös betrachtet.
Das statistische Zentralbüro von Israel führt jedes Jahr eine Umfrage zu Themen um das Verhältnis zwischen Religiösen und Säkularen im Lande durch, und seit Jahren hält der gleiche Trend an: Die Zahl der religiösen beziehungsweise religiös observanten Israeli nimmt zu, während der Anteil... more...

Aussenseiter

May 18, 2010
Gier ist immer noch gut, zumindest für eine Fortsetzung des Hitfilms «Wall Street» aus dem Jahr 1987.
So meldet sich Michael Douglas nun zur cineastischen Verwertung der Finanzkrise von 2008 als gieriger Börsianer Gordon Gekko zurück. Wie sich die Zeiten geändert haben: Gekko ist dem «Junk-Bond-König» Michael Milken nachempfunden, der Ende der achtziger Jahre für seine kriminellen... more...

Vom Mut zum Nein – auch ein Politikum

von Michel Hayman, May 18, 2010
Die Ablehnung des vom Bundesrat propagierten Staatsvertrags durch das Parlament ist absehbar. Der Bundesrat reagiert darauf mit seinem Planungsbeschluss zur Lösung des Too-big-to-fail-Problems (Pressemitteilung der Bundesskanzlei vom 12. Mai), während sich in der gehobenen Meinungspresse die Aufrufe für eine Annahme des Vertragskonstrukts, im Wesentlichen mit zwei Argumenten, häufen: Zunächst drohten im Ablehnungsfalle Retorsionsmassnahmen der USA, die der Schweizer Wirtschaft und dem Finanzplatz Schweiz bleibenden Schaden zuzufügen. Zweitens opferten die politischen Taktierer leichtfertig Landesinteressen, wenn sie ihre Zustimmung an aufsichtsrechtliche flankierende Massnahmen im Bankenwesen knüpften (Too-big-to-fail-Problematik, Eigenkapitalvorschriften, Bonusregelung).

Natürlich sind die parteipolitisch motivierten Winkelzüge im Vorfeld der parlamentarischen Behandlung des UBS-Vertrags bar jeder Glaubwürdigkeit, zumal die beiden Problemkreise nichts miteinander zu tun haben. Aber auch der Hinweis auf einen wirtschaftspolitischen Rachefeldzug der USA taugt als... more...

Seltsam

May 18, 2010
Libyens Herrscher Muammar Ghadhafi hat allen Grund, gut gelaunt zu sein.
Die Uno-Vollversammlung wählte das nordafrikanische Land für die nächsten drei Jahre in den Uno-Menschenrechtsrat. Angesichts des durchzogenen Images Libyens in Sachen Menschenrechte (Stichworte: Flugzeugbombe über Lockerbie, willkürliche Inhaftierung von Ausländern) ein eher fragwürdiger... more...

Was ist eine Delegiertenversammlung?

May 18, 2010
Editorial von Yves Kugelmann

Ist der Rahmen wichtiger als das Bild? Basis der Demokratie ist die Debatte. Demokratie wiederum ist die Basis der Debatte. Beide bedingen und befruchten sich hin zur Entwicklung von Gesellschaften, Körperschaften oder Staaten. Die Delegiertenversammlung (DV) des Schweizerischen Israeliti­schen... more...

Hashomer Hatzair

May 18, 2010
Umstrittener Jugendbund
In der Zwischenkriegszeit bildete sich in Basel ein vielfältiges jüdisches Jugendbundwesen heraus. Starken Zulauf erhielten die Jugendbünde vor allem nach 1933: Zum einen durch die Ankunft von Flüchtlingen, zum anderen aufgrund der auch hier zunehmenden... more...

Mit erweiterter Spitze in die Zukunft

Peter Abelin, May 18, 2010
Trotz Wirtschaftskrise konnte die Schweizer Wizo-Föderation mehr Spenden für ihre Projekte in Israel gene-rieren als im Vorjahr. An der Delegiertenversammlung in Bern gab sie sich eine breitere Spitze und bestimmte Ressortverantwortliche.
Präsidentin Anne Argi sagte an der Delegiertenversammlung der Schweizer Wizo-Föderation im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Bern: «Die Folgen der Wirtschaftskrise treffen unsere Kunden stark». Dem grösseren Bedarf ständen allerdings weltweit weniger gesammelte Mittel gegenüber. Dies habe... more...

«Wir akzeptieren keinerlei Diktate»

Interview Merav Michaeli, May 18, 2010
Israels Aussenminister Avigdor Lieberman lässt niemanden im Zweifel darüber, was er für Israel will und was er ablehnt.
interview mit avigdor lieberman

TACHLES: Gibt es keine Übereinkunft mit den USA bezüglich des Einfrierens der Bautätigkeit in Jerusalem?
Avigdor Lieberman: Nein, eine solche Übereinkunft gibt es nicht.
Dann lügen die Amerikaner also?
Nein, ich denke, es handelt... more...

PLJS-Generalversammlung in Genf

May 18, 2010
An der Generalversammlung der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS) vom vergangenen Mittwoch in Genf wählten die Delegierten einstimmig Nicole Poëll zur Präsidentin und Jean-Marc Brunschwig zum Vizepräsidenten der PLJS.
Somit bleibt das Präsidium in der gleichen Besetzung wie bis anhin. Ebenfalls einstimmig wurden auch Eve Gobbi und Gabriel Dondi in das Leitungsgremium gewählt. Alex Dreifuss komplettiert den Vorstand. Die vor fast sieben Jahren gegründete PLJS bekräftigte ihren Willen, sich für die Anliegen... more...

Wer und was ist «jüdisch»?

von nNoëmi Sibold, May 18, 2010
Die Historikerin Noëmi Sibold untersucht in ihrer Dissertation «Bewegte Zeiten», wie die Juden in Basel die Zeit von den späten zwanziger bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts erlebten. Einer der drei Hauptteile widmet sich dem Thema Zionismus und Jugendbewegung. tachles druckt hier einen Auszug aus dem Kapitel «Nach der Schoah: Die Basler Jugendkrise» ab. «Bewegte Zeiten» ist in der Schriftenreihe «Beiträge zu Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz» des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes erschienen.
An der Gemeindeversammlung der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) vom 30. März 1952 plädierte Gemeindepräsident Alfred Goetschel und mit ihm die Mehrheit der Basler Delegation des Schweizerischen Israeltischen Gemeindebundes (SIG) für eine Streichung der SIG-Subventionen an den Hashomer... more...

Personalien

May 18, 2010
Die Mitgliedschaft im Centralcomité (CC) des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) erhält ganz offensichtlich jung und munter. Am Tag der DV feierte Silvain Wyler, Präsident und CC-Vertreter der Gemeinde Winterthur, seinen 84. Geburtstag. Und drei Tage später beging Klaus Appel,... more...

Verbindung zwischen Mensch und Erde

Sima Borkovski, May 18, 2010
Der orthodoxe Kibbuz Sde Eliyahu produziert ausschliesslich biologische Nahrungsmittel und sieht eine religiöse Verbindung zwischen biologischer Landwirtschaft und dem Judentum. Zum Wallfahrtsfest Schawuot eine moderne Leseart der jüdischen Quellen.
Was ist die Verbindung zwischen biologischer Landwirtschaft und Judentum? Mario Levi, Begründer der biologischen Landwirtschaft in Israel und Mitglied im Kibbuz Sde Eliyahu, sagt, es gebe eine Verbindung: «Im Judentum heisst es, dass der Mensch der Erde, die er von Gott bekommen hat, Sorge tragen... more...

Eine Erfolgsgeschichte

Valerie Wendenburg, May 18, 2010
Der Journalist und Israel-Experte Pierre Heumann hielt in der Israelitischen Gemeinde Basel einen Vortrag über den Erfolg der Wirtschaft Israels.
Auch das regnerische Wetter in Basel hielt die zahlreich erschienenen Gäste Anfang Mai nicht davon ab, sich auf den Weg in die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) zu machen und sich den Vortrag «Chips statt Orangen – das israelische Wirtschaftswunder» von Pierre Heumann anzuhören. Der... more...

Fotograf

May 18, 2010
Viele seiner Fotos sind berühmt geworden. Abraham Pisarek, der Fotograf, wurde es nicht.
Erst spät wandte sich Pisarek, der 1901 in der Nähe von Lodz geboren wurde, dem Handwerk der Fotografie zu. Erst nach einem vierjährigen Aufenthalt in Palästina kam er 1929 nach Berlin, wo er als Pressefotograf zu arbeiten begann. Neben der Tagespolitik interessierte sich Pisarek auch für die... more...

Frauen-Mehrheit in der Geschäftsleitung

von Gisela Blau, May 18, 2010
An der 105. Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds beim Flughafen Genf gab es keine grösseren Probleme zu besprechen, aber doch einige Neuerungen.
Die wichtigsten Ereignise des Jahres 2009 standen bereits im Jahresbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG). So gab es einige Ergänzungen zu den Ressorts, welche die viereinhalb Monate des neuen Geschäftsjahres betrafen. Der SIG-Präsident Herbert Winter konnte ankündigen,... more...

Den Dialog suchen

May 18, 2010
Shlomo Avineri zur Lage in Israel

Irgendetwas stimmt nicht mehr in den Beziehungen zwischen Israel und den wichtigen jüdischen Gemeinden im Ausland, und zwar nicht nur auf politischer Ebene. Ein neuer Graben entwickelt sich zwischen Israel und Segmenten des Diaspora-Judentums. Das geht über Antizionisten wie die Sekte der Neturei... more...

Hände weg von der Börse

von Nati Toker, May 18, 2010
Die Summe, die ultrareligiöse Haushalte in Israel jedes Jahr in Sparpläne investieren, beläuft sich auf rund eine halbe Milliarde Schekel. Ein Beschluss der zuständigen Rabbiner aber, das das Handeln mit Aktien praktisch verunmöglicht, dürfte die Investitions- und Sparlust der Charedim empfindlich dämpfen.
Werden Ultraorthodoxe (Charedim) aufhören, Direktinvestitionen an der Tel Aviver Börse zu tätigen? Gemäss einem neuen Urteil des Bet din gawoa lezedek (Badatz), einem rabbinischen Gerichtshof, dessen Urteile von einem wesentlichen Teil der charedischen Gemeinschaft respektiert und befolgt werden... more...

Hotel Edelweiss verkauft?

May 18, 2010
In St. Moritz scheint eine 127-jährige Ära zu Ende gehen.

Nach Informationen von tachles soll das Hotel Edelweiss an einen nicht jüdischen Investor verkauft worden sein. Das Hotel soll abgerissen werden und auf dem Grundstück sollen neue Wohnungen entstehen. Das 1883 gegründete Hotel ist das älteste koschere Hotel der Welt und das einzige Hotel in St.... more...

Eine Art «Mutter Teresa»

von Uriel Heilman, May 18, 2010
Seit Jahren geht der amerikanisch-jüdische Arzt Rick Hodes seiner lebensrettenden Arbeit in Äthiopien nach, ohne davon viel Aufhebens zu machen. Dessen ungeachtet hat er eine loyale Gefolgschaft.
Angefangen bei ärztlichen Fachleuten aus den ganzen USA, die Patienten, die der Arzt Rick Hodes behandelt, unentgeltlich berät und manchmal auch gratis operiert, bis zu den Volontären, die mit ihm regelmässig die Missionen für Sterbende und Arme von Mutter Teresa in Addis Abeba besucht haben,... more...

Jüdische Vielfalt und eine Diskussion über den Islam

von Gisela Blau, May 18, 2010
Zwei ungewohnte Neuerungen bot der traditionelle Anlass am Vorabend der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds: Es gab keinen Hauptreferenten, sondern ein politisches Podiumsgespräch und anschliessend ein festliches Diner.
Wie viel Religion verträgt der Staat? Das Thema war hochaktuell, versprach spannende Wortgefechte und enttäuschte die Erwartungen nicht. Nur hätte das Publikum früher einbezogen werden sollen, denn mehr als eine Stunde lang lässt sich ohne Wiederholungen nicht über den Islam herziehen und auf... more...
» zurück zur Auswahl