logo
10. Oktober 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 41/42 Ausgabe: Nr. 41 » October 9, 2008

Zu Besuch in Moskau

Von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Wenn die USA husten, bekommt Europa eine Lungenentzündung», lautet das bekannte Sprichwort, das bedeutet, dass wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen in Amerika über kurz oder lang auch das Geschehen in anderen Teilen der Welt beeinflussen werden. Tagelang versicherten israelische Politiker und Ökonomen mit Zentralbankgouverneur Stanley Fischer und Premier Ehud Olmert an der Spitze, dass Israels Finanzsystem solide und das Risiko, in den Strudel der Weltkrise hineingezogen zu werden, entsprechend verschwindend klein seien. Doch dann kam die Wende.
Am Montag war es trotz aller Beruhigungsversuche doch so weit. Der Index der Tel Aviver Börse verlor an einem Tag «nur» (verglichen mit Asien, Russland und auch Teilen Europas) 3,2 Prozent. Seit Anfang Oktober haben die in Tel Aviv kotierten Werte 13,4, seit 1. Januar dieses Jahres aber gar 36,9... more...

Auch die arabischen Staaten zittern

Von Zvi Barel, October 9, 2008
Das ägyptische Pfund saust in die Tiefe, der jordanische Aktienmarkt befindet sich im freien Flug und der Immobilien-Boom in den Golfstaaten nähert sich seinem Ende. Die arabischen Staaten im Schatten der globalen Finanzkrise.
Die während des Fastenmonats Ramadan allabendlich am Eingang zum Kairoer Khal-el-Khalili-Bazar langen Reihen von gedeckten Tischen sind eine alte Tradition. Sie reflektieren die Bemühungen der ägyptischen Regierung, der Stadt Kairo und wohltätiger Organisationen, Hunderte von Menschen zu... more...

Wahlkampf in schweren Zeiten

Von Andreas Mink, October 9, 2008
Sein impulsives Verhalten in der Bankenkrise hat John McCains Probleme im US-Wahlkampf verschärft. Seine Vizekandidatin Sarah Palin kann ihm wenig helfen.
Die Krise der amerikanischen Finanzwirtschaft hat die Chancen der Republikaner bei den Wahlen am 4. November deutlich vermindert. Ihr Präsidentschaftskandidat John McCain liegt nach jüngsten Erhebungen etwa acht Punkte hinter Barack Obama. Aus den Umfragen geht unmissverständlich hervor, dass die... more...

Gesellschaftliche Bewusstseinsarbeit

October 9, 2008
«Gibt es denn in der Schweiz tatsächlich auch Holocaust-Überlebende?» Mit dieser Frage wird das Tamach-Team immer wieder konfrontiert. Deshalb ist den beiden Fachfrauen die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Anliegen. Seit Mitte der neunziger Jahre erhält die Beratungsstelle erfreulicherweise... more...

Die Krise als Chance?

Editorial von Valerie Doepgen, October 9, 2008
Folgen. Die globale Finanzkrise ist immens, und stündlich gelangen neue, beunruhigende Zahlen und  Nachrichten an die Öffentlichkeit. Der Internationale Währungsfonds rechnet nach neusten Aussagen mit weltweit 1,4 Billionen Dollar Verlusten wegen der Finanzkrise – ein für den Laien vor... more...

Mit Israeli unterwegs

October 9, 2008
Immer wieder hört man vom lärmigen, arroganten Benehmen israelischer Touristen im Ausland. Nach zwölf Tagen mit 25 Israeli (vorwiegend marokkanischen Ursprungs) in Marokko muss ich diesen Eindruck leider vorwiegend bestätigen. Individuell gesehen habe ich allerdings interessante und wertvolle... more...

Fachtagung zum zehnjährigen Bestehen

October 9, 2008
«Zwischen Zerbrechen und Bewältigung: psychologische Arbeit mit Traumaopfern» heisst der Titel des zweitägigen Symposiums. Es will einen tieferen Einblick in die Arbeit mit Opfern, insbesondere den Überlebenden des Holocaust und ihren Angehörigen vermitteln. Zu den Referenten gehören nebst... more...

Thora als Dichtung

Von Nechama Leibowitz, October 9, 2008
In der vorhergehenden Sidra Wajelech hat Gott Moses befohlen: «Und nun schreibe diese Dichtung auf und lehre sie die Israeliten, lege sie in ihren Mund, damit diese Dichtung zum Zeugen sei unter den Israeliten» und (31:24): «Und es war, als Moses das Schreiben der Worte dieser Thora beendete …».

In Kapitel 32 folgt dann das Lied, das mit dem Namen unserer Sidra, Haasinu, beginnt und 43 Verse umfasst. Danach heisst es: «Moses kam und sprach alle die Worte dieser Dichtung in die Ohren des Volkes, er und Hosea bin Nun. Und Moses beendete das Sprechen dieser Worte zu ganz Israel. Und er sprach... more...

In Kürze

October 9, 2008
Edith Bino

Edith Bino-Weiss ist noch bis zu ihrer Pensionierung auf Februar 2009 Zentralsekretärin der Schweizerischen Wizo-Förderation. Zuvor war die 63-Jährige als Mittelschullehrerin tätig. Der Jüdischen Gemeinde Bern diente sie unter anderem als Religionslehrerin und Sekretärin. Im Gemeindevorstand... more...

Eine Reise in verschwindende Welten

Von Jacques Ungar, October 9, 2008
Eine Reise nach Marokko mit einem Schwergewicht auf jüdischer Spurensuche ist ein spannendes und ungewöhnliches Erlebnis, und das nicht nur für jemanden, der in Casablanca, Fes oder Marrakesch zur Welt gekommen ist. Jacques Ungar begleitete israelische Touristen zwölf Tage durch das nordafrikanische Land.
Zuerst reduzierte ein heftiger Sandsturm die Sicht aus unserem Autobus heraus auf wenige Meter. Als Achmed, der Chauffeur, sich einigermassen von der «Blindfahrt» erholt hatte, folgte ein wolkenbruchartiger Regen, der sein Geschick nicht weniger auf die Prüfung stellte. Wir befanden uns kurz vor... more...

Das Schweigen brechen

Von Rita Schwarzer, October 9, 2008
Tamach heisst auf Hebräisch «Hilfe und Unterstützung». Und genau das bietet die psychosoziale Beratungsstelle für Holocaust-Überlebende und ihre Angehörigen in der Schweiz seit nunmehr zehn Jahren mit viel Engagement und Gespür.
Revital Ludewig erinnert sich noch gut an die erste Gruppe mit Überlebenden. Dreizehn Frauen und Männer waren gekommen. Alle hatten das dringende Bedürfnis zu erzählen. «Ich war im Versteck, danach im KZ», begann die Erste. «Was ich erlebt habe, ist viel schlimmer als das, was Anne Frank... more...

Schonungslos

October 9, 2008
Die Bücher von Anna Mitgutsch sind nicht geeignet, das Leben mit einem milden Blick zu betrachten. Die in Linz geborene Germanistin und Anglistin veröffentlichte mit «Die Züchtigung» 1985 ihren ersten Roman.
Die Geschichte der Bauerntochter Maria und ihrer Tochter Vera, die Anna Mitgutsch erzählt, ist gekennzeichnet von Aggression, Selbsthass und Brutalität, aus der es keinen Ausweg gibt. Die schonungslose Ehrlichkeit, mit der Mitgutsch die Unfähigkeiten, aber auch die unendliche Sehnsucht nach Liebe... more...

«Keine Berner Spezialität»

Von Peter Abelin, October 9, 2008
Sie habe eine sehr harmonische Gemeinde übernommen, sagt Edith Bino, seit gut 100 Tagen Präsidentin der Jüdischen Gemeinde Bern. Sie ist die dritte Frau in Folge in diesem Amt.
TACHLES: Als vor zehn Jahren mit Brigitte Halpern erstmals eine Frau zur Präsidentin der Jüdischen Gemeinde Bern (JGB) gewählt wurde, hat dies – vor allem ausserhalb von Bern – einiges Aufsehen erregt. Nun sind Sie bereits die dritte Frau in Folge in diesem Amt. Ist das zur «Berner... more...

Ich klage an!

Von Carlo Strenger, October 9, 2008
Carlo Strenger zur Lage in Israel

In der Nacht vom 24. auf den 25. September geschah es erneut. Zeev Sternhell, ein international bekannter politischer Wissenschaftler und Historiker, Träger des diesjährigen Israel-Preises für politische Wissenschaften, erlitt Verletzungen, als ein Sprengsatz beim Eingang zu seinem Haus... more...

Israel auf dem Seeweg

Von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Mit dem Kreuzfahrtschiff von Genua über Israel nach Venedig mit Koscher-Verpflegung an Bord.
Israel per Schiff: Viele verbinden diesen Gedanken mit der Nostalgie der Pionierjahre, als die Reise nach Israel vor allem mit Schiffen getätigt wurde. In den letzten Jahren hat die boomende Kreuzfahrtindustrie das Mittelmeer neu entdeckt. Doch Israel stand nicht auf dem Programm.
Kreuzfahrt... more...

Kultur ohne jüdische Stimme

Von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Der Schweizer Andreas Kilcher ist seit diesem Sommer Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft an der ETH Zürich. Ein Gespräch über Kafka, Judentum und jüdisches Denken.
tachles: Franz Kafka ist in Ihren Arbeiten eine tragende Figur. Nun haben Sie eine Biografie über ihn geschrieben, die soeben erschienen ist. Was macht für Sie die Faszination dieser Person aus?
Andreas Kilcher: Kafka ist nicht nur ein grosser Schriftsteller mit einer glasklaren Sprache und... more...

Attenhofer und Kessler im Rennen

Von Gisela Blau, October 9, 2008
Bereits jetzt stehen vier Kandidaten für die Wahl zum neuen Statthalter des Bezirks Zürich am 8. Februar 2009 zur Verfügung. Zwei von ihnen sind in der jüdischen Gemeinschaft gut bekannt: Hartmuth Attenhofer und Alain (Moshe) Kessler.
Nach 20 Jahren tritt Bruno Graf als Statthalter des Bezirks Zürich (Stadt Zürich) zurück. Weil er der CVP angehört, stellte seine Partei den Juristen und Kantonsrat Christoph Holenstein auf. Die Grünen portieren Mathis Kläntschi, juristischer Sekretär beim kantonalen Steueramt, bisher einer... more...

» zurück zur Auswahl