Science Fiction oder mehr?
Shemi Tzur, der israelische Botschafter in Neuseeland, spricht von reiner Science Fiction. Dass der lokale Geheimdienst SIS die Geschichte überhaupt als wahr in Betracht ziehen könne, würde ihn «schockieren und empören». In Jerusalem meinte der Sprecher des Aussenministeriums, solche Berichte liessen sich mit dem gesunden Menschenverstand nicht in Einklang bringen. Nachdem der Film «Herr der Ringe» in Neuseeland gedreht worden ist, scheinen sich, so der Sprecher, einige Leute dort nicht von der Welt der Fantasie trennen zu können. Ausgelöst worden sind diese scharfen israelischen Reaktionen durch einen Bericht in der neuseeländischen Zeitung «Southland Times», demzufolge vier Israeli, die sich beim grossen Erdbeben in Christchurch (181 Tote, darunter drei Israeli) vor fünf Monaten auf der Insel aufgehalten hatten, Agenten des Geheimdienstes Mossad gewesen seien. Bei einem der Opfer, Ofer Benjamin Mizrahi, seien fünf Reisepässe gefunden worden. Die anderen drei hätten sich nach dem Beben mit einem «israelischen Offiziellen» an einem «Not-Treffpunkt» getroffen und dann Neuseeland mit Hilfe des Botschafters innert zwölf Stunden verlassen können. Zwischenfrage: Was ist anrüchig an schneller, effizienter Hilfe, die Diplomaten ihren im Ausland in Not geratenen Landsleuten angedeihen lassen? Die Beziehungen zwischen Neuseeland und Israel hatten sich vor noch nicht so langer Zeit von einer ernsthaften Trübung erholt, die zwei Mossad-Agenten im Jahr 2004 ausgelöst hatten, als sie sich unrechtmässig Pässe aneigneten. In Kalifornien, wo er zu Besuch weilte, wollte der neuseeländische Regierungschef John Key (seine Mutter war jüdisch) zuerst keinen Kommentar abgeben, um nicht «unter Umständen die nationale Sicherheit seines Landes» zu gefährden.
Anschliessend deutete er aber an, dass Untersuchungen keinerlei Zusammenhänge zwischen den genannten Israeli und geheimdienstlichen Umtrieben zutage gefördert hätten. Die «Southland Times» erinnerte an die «aussergewöhnliche» israelische Reaktion nach dem Beben. Premier Binyamin Netanyahu habe in den ersten Stunden nach der Katastrophe viermal mit seinem neuseeländischen Amtskollegen telefoniert, und dann habe Israel ein «komplettes städtisches Such- und Rettungsteam» nach Christchurch geschickt. Haben die Kollegen am anderen Ende der Welt noch nie etwas von internationaler Solidarität in Extremsituationen gehört? Und, ohne zynisch klingen zu wollen: Die «Southland Times» wird zwar kein Post-mortem-Interview mit dem toten Israeli hervorzaubern können, doch wie wäre es mit einem Foto von den fünf mysteriösen Reisepässen? [ju]
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