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«Schön aussehen alleine genügt nicht»

Interview Yves Kugelmann, September 10, 2009
Tamina Schneider ist eine der 16 Kandidatinnen, die am 26. September im Finale der Miss-Schweiz-Wahlen stehen werden. Die 21-jährige Züricherin sprach mit tachles über ihre Motivation.
MISS-SCHWEIZ-KANDIDATIN TAMINA SCHNEIDER «Im Rampenlicht zu stehen war nie mein Ziel»

Tachles: Wieso meldet man sich für eine Miss-Schweiz-Wahl an?
Tamina Schneider: Ich hatte an sich nicht viel mit Glamour und Society am Hut, aber es haben mich immer wieder Freunde darauf angesprochen, dass ich es doch versuchen solle. Wenn ich es nun tue, dann richtig, nach genügend Überlegung und mit einer realistischen Einstellung zu dem, was während der Vorbereitungen auf mich zukommt.

Die erste Hürde haben Sie genommen – Sie sind eine der 16 Kandidatinnen. Was kommt nun?
Wir werden vor der Wahl am 26. September eine Vorbereitungswoche in Genf verbringen. Darauf freue ich mich.

Ich nehme an, dass Sie gewinnen wollen?
Ja, sicher, was ich tue, will ich richtig machen, und ich wäre schon ein wenig enttäuscht, wenn ich keinen Erfolg hätte. Nachdem wir Kandidatinnen uns alle kennengelernt haben, wird es allerdings immer schwieriger, die eigenen Chancen einzuschätzen.

Weshalb ist die Miss Schweiz hierzulande so wichtig, während etwa in Deutschland viel weniger über die Wahl gesprochen wird?
Das mag an den Grössenverhältnissen der beiden Länder liegen. In Deutschland können zum Beispiel Schauspieler mehr erreichen als hier, und deshalb ist die Miss Schweiz vielleicht eher eine Art Sprungbrett.

Die Miss Schweiz muss ja nicht nur schön, sondern auch eine Art Identifikationsfigur sein.
Ja, auf alle Fälle. Das ist auch, was mir gefällt: eine Persönlichkeit zu sein und etwas darzustellen. Ich will nicht nur ein «Kleiderständer» sein und Kleider präsentieren.

Irgendwie ist die Wahl auch eine Quadratur des Zirkels. Es geht in erster Linie um äusserliche Schönheit, gleichzeitig sollen die Kandidatinnen nicht nur auf diese reduziert werden. Stört es Sie, dass Sie bei der Wahl mehr oder weniger auf Äusserlichkeiten reduziert werden?
Irgendwie schon. Aber andererseits geht es in diesem Wettbewerb ja doch auch um die Persönlichkeit und die Werte, für die man steht. Schön aussehen alleine genügt nicht, und das Klischee «schön und dumm» schon gar nicht.

Müssen Sie Diät halten für eine adäquate Figur?
Nein, überhaupt nicht, und als Genussmensch könnte ich auch nicht auf das Essen verzichten. Eine gute Figur ist gefragt, klar, aber halb magersüchtig darf man schon wegen der Vorbildfunktion keinesfalls sein. Gesund leben und schlank sein kann man mit Sport und ohne Hungern.

Sie haben ungarische-jüdische Einflüsse von der mütterlichen Seite her. Wie wichtig ist das für Sie und wie multikulturell sind Sie?
Ich würde mich nicht generell als Miss Multikulti bezeichnen, denn ich habe einige Eigenschaften, die sehr schweizerisch sind, etwa Genauigkeit, Freude am Arbeiten, Disziplin und den Willen, das, was ich tue, richtig zu machen. Aber die Multikulturalität der Kandidatinnen repräsentiert die heutige Schweiz auf alle Fälle, und das ist gut so.

Ist ein exotisches Aussehen wie eine dunkle Hautfarbe ein Bonus für die Wahl, der das Konkurrenzdenken schürt?
Wir kommen alle sehr gut miteinander aus, es gibt kein «böses» Konkurrenzdenken. Eher teilweise Bewunderung, und dabei stört es nicht, wenn jemand keine Schweizer Vorfahren hat. Meine Mutter ist ja auch Ungarin, aber ich fühle mich vollends schweizerisch, bin hier aufgewachsen und verwurzelt.

Wenn Sie gewinnen würden, welche Anliegen würden Sie in Ihrem Amtsjahr vor allem vertreten wollen?
Mich beschäftigt, wie viele Jugendliche gleichgültig oder völlig unmotiviert sind, aus ihrem Leben etwas zu machen – oder dass sich dies gar nicht erst zutrauen. Ich wäre vielleicht kein schlechtes Beispiel dafür, dass man etwas erreichen kann, wenn man es will. 
Als Zweites wäre mir angesichts der vielen übergewichtigen Kinder wichtig, den Sport zu propagieren. Da könnte man viel machen und viele Kinder motivieren.

Ist die heutige Jugend so schlecht wie ihr Ruf, etwa bezüglich Gewalt, Alkohol und Drogen?
Diese Phänomene gab es doch früher schon, nur werden sie heute von den Medien ins Scheinwerferlicht gerückt. Natürlich gibt es Probleme, gegen die man angehen muss, und ich finde es wichtig, dass man dies tut, auch wenn ich keinen Lösungsvorschlag habe.

Viele Mädchen träumen schon ganz früh von einer Karriere als Model, Schauspielerin oder eben Miss Schweiz. War das bei Ihnen auch so?
Nein, gar nicht, ausser dass ich immer gerne Schauspielerin geworden wäre, weil ich sehr gerne und oft Theater gespielt habe. Zur Miss Schweiz gehört es zwar, aber berühmt zu werden und im Rampenlicht zu stehen war nie mein Ziel.

Die Miss-Schweiz-Wahl findet am 26. September statt. Die Siegerin wird per Telefonabstimmung gewählt.


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