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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Viel Lärm - um nichts?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Es tut sich was in Zürichs jüdischem Gemeindeleben: Diskussionen, Vetos, Streitereien, Gerüchte, Austritte, Spekulationen und auf Anfrage grosses Schweigen. In der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) z.B. kündigen sich strube Zeiten an. Nachdem die ICZ den bisher einzigen... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Albisgüetli. Einen gefährlichen und diffamierenden Vergleich zog SVP-Nationalrat und Unternehmer Christoph Blocher an seiner jüngsten Albisgüetli-Tagung am 21. Januar in Zürich: Er warf die Sozialdemokraten, die bei der SVP stets «Sozialisten» heissen, mit den Nationalsozialisten in den... more...

Düstere Zahlen

von Gisela Blau, October 9, 2008
16 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer bekennen sich zu persönlichem Antisemitismus. Das sind, wie die Organisation David, das Zürcher Zentrum gegen Antisemitismus und Verleumdung, sagt, «mehr als eine Million Männer und Frauen, an welchen Erfahrung und Geschichte des ver-gangenen... more...

Alle sind gleich, doch einige sind gleicher...

von Michael J. Jordan, October 9, 2008
Nach Jahren des Antichambrierens und voller Enttäuschungen könnte für Israel die Zeit tatsächlich bald der Vergangenheit angehören, in der es als einziges UNO-Mitglied keiner regionalen Gruppe angehörte. Israel tat einen wichtigen Schritt auf das Ziel hin, in die Gruppe «Westeuropäer und andere - WEOG» aufgenommen zu werden, als letzte Woche die 15 UNO-Botschafter der EU übereinkamen, Israel solle der WEOG als volles, wenn auch nur temporäres Mitglied beitreten können.
Israels logischer Platz in der UNO ist zwar in der asiatischen Gruppe, doch lassen weder Irak noch Iran die geringsten Anzeichen dafür erkennen, dass sie bereit wären, Israel willkommen zu heissen. Als zweitbeste Wahl betrachtet Israel die 26-köpfige WEOG, der neben der EU auch die USA, Kanada,... more...

Acht Morde in knapp einer Woche

von Jacuqes Ungar, October 9, 2008
Acht israelische Menschen wurden innert knapp einer Woche ermordet. Entweder störten sie jemanden beim Fernsehschauen, sassen auf dem falschen Liegestuhl oder fuhren einem anderen Autofahrer zu forsch. Trotz der stetig um sich greifenden Gewaltwelle konzentriert das Interesse der Öffentlichkeit sich nachwie vor auf die politische Szene: Dort haben am Dienstag die Shas-Minister ihre Demission eingereicht - was zwar einiges, noch längst aber nicht alles heissen will.
«Israels Gesellschaft ist gewalttätig, erschreckend und bis zu einem tödlichen Grade ungeduldig geworden.» Mit dieser Feststellung kommentiert die Zeitung «Yediot Achronot» am Dienstag die Welle von Gewaltverbrechen, die das Land letztens überrollt hat. Vom Mittwoch der letzten Woche bis zum... more...

Vor einer Wende zum Besseren?

von Michael J. Jordan, October 9, 2008
Einen Monat nachdem die Verurteilung von10 iranischen Juden wegen angeblicher Spionage zugunsten Israels eine weltweite Kritik an Teheran zur Folge hatte, scheint der islamische Staat nun mit einer raschen Behandlung der Berufungen zu reagieren. Eine Wende zum Besseren?

Nachdem die iranische Justiz offenbar beschlossen hat, die Berufungen der 10 wegen Spionage zugunsten Israels zu Strafen von 4 bis 13 Jahren Gefängnis verurteilten Juden im Schnellverfahren zu behandeln, ist in jüdischen Kreisen die Hoffnung aufgekommen, dass einige der Verurteilten schon kurz... more...

Vorbereitung auf das Gericht

von Raw David Rarroport, October 9, 2008
Diesen Mozei Schabbat vor Rosch Haschana wird in der ganzen jüdischen Welt frühmorgens des Selichot-Gebete gesagt. Eine Auseinandersetzung mit dem Text und deren Bedeutung. Was bedeuten diese Gebete und was ist ihr Ursprung? Vor dem Gericht an den Hohen Feiertagen stimmen sich die Gläubigen darauf ein, Sühne und Gläubnis abzulegen.
Rabbi Menachem Mendel von Kotzk, einer der berühmtesten chassidischen Meister, wurde einst gefragt: «Weshalb beten einige Ihrer Chassidim nicht zu den vorgeschriebenen Zeiten? Im Schulchan Aruch, dem jüdischen Gesetzbuch, wird vorgeschrieben, dass ein Mensch sein Morgengebet frühmorgens,... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Vorschuss. 75 bedürftige Schoa-Überlebende in der Schweiz haben vom Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF) dieser Tage je 1000 Franken überwiesen bekommen, die ihnen vom Humanitären Fonds in Bern auf Weisung der Welt-Wiedergutmachungsorganisationen (WJRO) endlich zugesprochen... more...

Es tut sich was in Richtung DV 2000

von Gisela Blau und Peter Abelin, October 9, 2008
Mit der Ankündigung von GL-Mitglied Alfred Donath vor drei Wochen in der JR, dass er für die kommenden Wahlen um das Amt des Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes als Kandidat antritt, ist die Diskussion um die Nachfolge von Rolf Bloch und die Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten für die Geschäftsleitung angelaufen. Diese Woche hat nun auch CC-Präsidentin Gabrielle Rosenstein ihre Kandidatur bekannt gegeben. In Bern hat sich Philippe Lévy in den Wahlkampf eingemischt.
Gabrielle Rosenstein, Vizepräsidentin der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) und Präsidentin der Kulturkommission, wurde diese Woche vom ICZ-Vorstand und von den SIG-Delegierten der Gemeinde als Kandidatin für die Mitgliedschaft in der Geschäftsleitung (GL) des Schweizerischen... more...

Verkehrte Welt im Gerichtssaal

von Sharon Sadeh, October 9, 2008
In London begann am Dienstag der Prozess des umstrittenen britischen Historikers David Irving gegen eine amerikanische Historikerin, die ihn als «gefährlichen Sprecher der Holocaust-Leugner» gebrandmarkt hatte. Dazu Irving: «Jahrelang habe ich die zweite Wange hingehalten. Das ist nun vorbei».
Deborah Lipstadt von der Emory Universität im amerikanischen Atlanta hat David Irving einen «gefährlichen Sprecher der Holocaust-Leugner» genannt. Irving (62) behauptet, das von Lipstadt 1994 veröffentlichte Buch habe seine Karriere unwiderruflich zerstört. Lipstadt und der Verlag Penguin... more...

Infineon geht an die Börse

von Hans Dankwart und Gudrun Vogt, October 9, 2008
Unter dem Namen Infineon firmiert seit 1. April 1999 das Halbleiter-Geschäft des Siemens Konzerns. Der Spin-Off strebt jetzt den Börsengang in Frankfurt und New York an. Tel Aviv ist Sitz eines der wichtigen Enwicklungsbüros für Software- und Telekommunikationsentwicklung. Bereits gibt es wichtige Joint ventures mit IBM, Motorola, Sun Microsystems oder Nokia.
Die Preisspanne und das Emissionsvolumen sollen am 21. Februar festgelegt werden. Die Handelsaufnahme für den amtlichen Handel ist für den 13. März in Frankfurt vorgesehen. Gleichzeitig soll der Start am New York Stock Exchange erfolgen. Siemens bringt ca. 25-30% der Anteile an dem... more...

Der J-Stempel als Produkt einer judenfeindlichen Politik

von Gisela Blau, October 9, 2008
«Der J-Stempel ist ein typisches Beispiel für den Hang, sich in verantwortungsloser Weise unverantwortlich zu fühlen.» Dieser Satz (S. 162) und andere, ähnliche Analysen setzen den Ton für die Auslege-Ordnung, die der Basler Historiker Professor Georg Kreis über die Geschichte(n) des J-Stempels erarbeitet hat. Eigentlich wollte Kreis ursprünglich eine Nachgeschichte schreiben, den Umgang mit der Vergangenheit des J-Stempels untersuchen, die er im Zusammenhang mit der Vergangenheitsdebatte für unerlässlich hält. Entstanden ist eine umfassende Darstellung, weil die von ihm erforschte Vorgeschichte zeigt, wie instrumental die judenfeindliche Politik der Schweiz für die Abwehr jüdischer Flüchtlinge gewesen ist. So schreibt Kreis auf Seite 15: «Der Stempel ist nur die praktische Seite einer prinzipiellen Haltung und einer konkreten Praxis.» Er sei das Produkt dieser Politik.
Nach der Lektüre der wissenschaftlichen Untersuchung dürfte es den «Revisionisten», wie Kreis sie durchwegs nennt, schwerer fallen, die Schweiz von Schuld und Strafe im Hinblick auf den infamen Stempel freizusprechen. Kreis legt dar, dass die ersten Dokumente, die ein schweizerisches Drängen... more...

Und doch!

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Jahrelang herrschte zwischen Israel und Libanon bei Metulla ein reger kleiner Grenzverkehr. Dabei strömten bei weitem nicht nur die IDF-Soldaten «zum Schutze des nördlichen Israels», wie es offiziell hiess, ins Nachbarland. Auch in umgekehrter Richtung tat sich einiges. Hunderte, manchmal... more...

Breitseite gegen die Diskriminierung

von Avi Shmoul und Nehemia Strassler, October 9, 2008
Demnächst wird das Jerusalemer Kabinett einen Plan diskutieren, der die Investition von rund 4 Mrd. Shekel (1,6 Mrd. Franken) in die krisengeschüttelte israelisch-arabische Wirtschaft vorsieht. Das erklärten Minister der Regierung Barak vor der Wirtschaftskonferenz des Israelischen Demokratie-Institutes in Nazareth.
In der kommenden Woche sollte das israelische Kabinett einen Plan verabschieden, der in den nächsten vier Jahren die Investition von rund 4 Mrd. Shekel in den arabischen Sektor des Landes vorsieht. Das erklärte Immigrationsministerin Yuli Tamir im Namen von Regierungschef Ehud Barak in Nazareth an... more...

Wie sicher sind jüdische Institutionen?

von Matt Dorf/Tom Tugend/Avi Machlis (JTA) und JR, October 9, 2008
Im Anschluss an den Schiessüberfall auf das jüdische Gemeindezentrum North Valley bei Los Angeles überprüfen jüdische Institutionen in ganz Amerika ihr eigenes Sicherheitskonzept. Beim Überfall in Los Angeles wurden eine Frau, ein Mädchen und drei Kinder verletzt. Ein knapp sechsjähriger Junge, der in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden war, wurde am Mittwoch operiert, und jetzt besteht wieder Aussicht auf die Rettung seines Lebens.
«Es handelt sich um eine aussergewöhnlich warmherzige Gemeinde, und wir wollen helfen, wo wir können», meinte am Mittwoch gegenüber Radio Israel Osnat Minc, Vertreterin der Jewish Agency in dem Teil von Los Angeles, in dem der Anschlag stattfand. Das Büro der JA liegt im Hause neben dem... more...

Winterthur / Rechtsextremismus - Migros-Klubschule zieht Konsequenzen gegen Bernhard Schaub

von Hans Stutz und Anton Maegerle, October 9, 2008
Zwei Schweizer Holocaust-Leugner, beide Lehrer und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Zeitgeschichte (AEZ), sind in den vergangenen Tagen ein bisschen in der Welt herumgekommen. Gestern Mittwoch musste in Aarau der Basler Vielschreiber Jürgen Graf vor dem Aargauer Obergericht erscheinen, da er gegen seine erstinstanzliche Verurteilung zu 15 Monaten Gefängnis unbedingt appelliert hatte. Und am Dienstag vergangener Woche referierte in München sein Gesinnungskamerad Bernhard Schaub und wurde dort als Lehrer vorgestellt, der auf dem Gebiet der Erwachsenenpädagogik tätig sei.
Ein Schweizer Holocaust-Leugner, der sich öffentlich als Lehrer vorstellen lässt, lädt zur unverzüglichen Recherche. Nach seinem ersten öffentlichen Auftreten als Holocaust-Leugner war Bernhard Schaub im Winter 1992/93, damals Lehrer an der anthroposophischen Schule Adliswil, unverzüglich... more...

Die unmöglich durchführbare Agenda

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Solange die Gespräche mit den Palästinensern noch nicht ganz versandet sind, würde er seine Gedanken noch nicht an eine Regierung der nationalen Einheit verschwenden. Trotz dieser recht selbstsicheren Äusserung, die Israels Premierminister Ehud Barak anfangs Woche nach seiner Rückkehr aus den USA von sich gegeben hat, sollte man sich nichts vormachen: Der Regierungschef hat längstens noch bis zum 30. Oktober Zeit, um entweder einen Friedensvertrag mit den Palästinensern unter Dach und Fach zu bringen, oder dann eine lebensfähige Koalition zu bilden.
Spätestens am 30. Oktober, wenn die Knesset zu ihrer Wintersession zusammentritt, wird die von Likud-Chef Ariel Sharon angeführte Opposition ihre Frontalangriffe gegen Barak und seine Rumpf-Koalition mit Volldampf wieder aufnehmen, und gemäss bis heute vorliegenden Berichten konnte der Likud... more...

Keine Privilegierten und keine Benachteiligten

von Rabbiner Roland Gradwohl, October 9, 2008
Welches ist die Freude, die bleibt und den Schwierigkeiten des Daseins zum Trotz unvermindert wirksam ist? Die Antwort lautet: Es ist die Freude des Juden an seiner Thora, es ist die Freude von Simchat Thora.
«Torat Haschem temima meschiwat nefesch, edut Haschem ne’emana machkimat peti»: Die Lehre Gottes ist vollkommen und erquickt die Seele, das Recht Gottes ist verlässlich, macht den Unerfahrenen weise.Die Worte dieses Liedes entstammen dem 19. Psalm, einem wunderschönen Hymnus auf Gottes Wirken.... more...

Zwischen «Carmen» und Auschwitz

von Gisela Blau, October 9, 2008
Der Bericht über die Fahrenden ist nach mehreren Anläufen als ein weiteres Beiheft zum Bericht über die Flüchtlingspolitik der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (UEK) erschienen, stellt aber ein Thema von eigenem Rang dar. Auf 90 Seiten Text plus 12 Seiten Anhängen wird kompakt ausgebreitet, was die Schweiz und ihre Nachbarländer den fahrenden Völkern angetan haben, und zwar nicht nur während der NS-Zeit, sondern auch zuvor und danach.

Es ist nicht zuletzt der Hartnäckigkeit und dem immensen Wissen der kürzlich verstorbenen Historikerin Sybil Milton zu verdanken, dass der Bericht über die Fahrenden trotz aller Schwierigkeiten erschien, wenn auch mit Verspätung. Milton, Vizepräsidentin der UEK und eine von drei Berichtsleitern... more...

Ehud Barak unter starkem Druck

von Akiva Eldar, October 9, 2008
Israels Premier Ehud Barak hat der drängenden Aufforderung, angesichts der für ihn katastrophal ungünstigen Umfragen, als Kandidat für das Amt des Regierungschefs zurückzutreten und dem im Hintergrund lauernden Shimon Peres eine Chance zu geben, bisher nicht nachgegeben. Gemäss einer Quelle innerhalb seiner Partei «Ein Israel» könnte Barak seine Meinung aber noch ändern, falls sich in den Umfragen der nächsten Tage keine Änderung zu seinen Gunsten ergeben sollte.
Leute aus Ehud Baraks innerem Kreis versuchen seit langem schon, den Premier angesichts der hohen Unwahrscheinlichkeit, dass er die kommenden Wahlen gewinnen kann, die Führungsrolle Shimon Peres zu überlassen. Nur so können nach Ansicht erwähnter Kreise in einer «letzten Anstrengung der Friede... more...

«In Deutschland gibt es nicht nur Glatzköpfe»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Ich möchte dem KKL für sein Engagement danken. Als er mit seiner Arbeit begann, kam das den meisten Menschen fantastisch, fast meschugge vor - vorstellbar, aber kaum realistisch. Die Fantasie hat sich aber hier verwirklicht.» Mit diesen Worten kommentierte Rudolf Dressler, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel, anlässlich der Einweihung zweier von Bürgern der Stadt Ansbach gestifteten Hainen die Entwicklung des KKL-Waldes der Deutschen Länder bei Lehavim, unweit von Beerschewa.
Botschafter Dressler sprach im Rahmen einer Einweihungszeremonie, die die Europa-Abteilung des Keren Kayemeth Leisrael (KKL) für zwei Haine organisiert hatte, welche Vertreter der Stadt Ansbach gespendet haben. Die Zahlen des KKL würden unterstreichen, wie wichtig die Arbeit der Organisation sei,... more...

Ein weitsichtiger Kurzsichtiger

von Walter Labhart, October 9, 2008
Er hatte mit seinen Augen grosse Probleme, hatte sie aber offener für alles Neue als seine Berufskollegen&#059; er schrieb Bücher, schrieb aber vor allem wie kein Zweiter europäische Kunstgeschichte: Herwarth Walden (1878-1941) ist auf das Engste mit der Entwicklung der modernen Kunst verbunden, für die er sich als Kritiker und Galerist, als Herausgeber der Zeitschrift «Der Sturm» und als Sammler sowie als Organisator von Wanderausstellungen mit provozierender Radikalität einsetzte.

Bis zum 6. September zeigt in Norddeutschland die Städtische Galerie Delmenhorst (Haus Coburg) die Ausstellung «Der Sturm im Berlin der 10er Jahre», zu der ein vorbildlich dokumentiertes Katalogbuch erschien. Nachdem seit der letzten «Sturm»-Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie mehr als... more...

Strasberg vs. Meisner

von Heather Moilanen-Meissner, October 9, 2008
Zwei Namen bestimmten nach dem Zweiten Weltkrieg die amerikanische Schauspielausbildung. Lee Strasberg und Sanford Meisner stehen für zwei Methoden im Schauspielunterricht, für zwei Anschauungen des Lernens und des Schauspielens. Die amerikanische Film- und Fernsehschauspielerin Heather Moilanen-Meissner blickt für die JR hinter die Kulissen der beiden jüdischen Schauspiellehrer, die einst in die USA einwanderten.
Der Name und die Unterrichtsmethoden des legendären Schauspiel-Lehrers Lee Strasberg sind vielen von uns geläufig, ebenso die Namen einiger seiner berühmt gewordenen Schüler wie beispielsweise Marlon Brando oder Marilyn Monroe. Ausserhalb der Film- und Theaterindustrie wissen aber nur wenige,... more...

Das Kind beim Namen nennen

von Danny Rubinstein, October 9, 2008
Palästinensische Offizielle werden dieser Tage immer wieder gefragt, warum sie weiterhin den Begriff «Intifada» benutzen, wenn doch das Geschehen in der Westbank und im Gazastreifen immer mehr einem richtigen Krieg gleicht. Die Übersetzung des Wortes Intifada lautet «sich frei schütteln», was... more...

Die Medien und der Krieg

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Kinder aus zwei Familien, einer palästinensischen und einer jüdischen. Unerwartet werden sie zur Metapher für die verfahrene Situation in Nahost, Sympbol für die zweite Front im Konflikt zwischen Palästinensern und Israel: die Medienfront. Als vor acht Wochen der palästinensische Mohammed Al... more...

Hand in Hand ins Handyland

von Rachel Manetsch, October 9, 2008
Letzte Woche traf in der Schweiz eine Delegation von 18 israelischen High-Tech-Firmen ein. Ziel der Mission war es, auf dem Schweizer Markt führende Telekommunikationsanbieter zu treffen und eine mögliche Kooperation der beiden Länder in Sachen High-Tech und Telekommunikation in Betracht zu ziehen.
In den letzten Jahren habe die wirtschaftliche Lage Israels einen deutlichen Aufschwung erlebt, erklärte Menachem Leib, Geschäftsführer vom Israel Export Institute, und fügte hinzu: «Der Grund für diese Entwicklung ist das enorm schnelle Wachstum der israelischen Elektronikindustrie.»... more...

Iranischer Parlamentarier in den USA

von Tom Tugend, October 9, 2008
Laut Agenturberichten aus der iranischen Hauptstadt Teheran will das dreiköpfige Richtergremium spätestens heute Donnerstag seinen Entscheid im Berufungsverfahren der zehn wegen Spionage für Israel verurteilten iranischen Juden veröffentlichen. In Los Angeles schloss vor einigen Tagen Maurice Motamed, das jüdische Mitglied des Teheraner Parlamentes, Haftentlassungen bzw. Reduktionen des Strafmasses nicht aus.

Spätestens heute Donnerstag wollen laut Agenturberichten aus Teheran die drei iranischen Richter ihren Entscheid im Berufungsverfahren bekannt geben, das die 10 wegen Spionage zugunsten Israels zu teils langen Haftstrafen verurteilten Juden in der Stadt Shiraz angestrengt haben. In diesem... more...

Picknick im Wald von Ben Shemen

von Ruth Bloch, October 9, 2008
Seit Jahren ist es Tradition, dass ehemalige Refuseniks und aktive Helfer aus dem Westen sich an Chol Hamoed Sukkot im Wald von Ben Shemen zum Picknick treffen. Damit gedenken sie der schweren Zeiten des Kampfes für die Ausreise der Juden aus Russland und für ihre freie Religionsausübung. Heute bringen sie Kinder und Enkel mit und versuchen, im israelischen Wald nachzuspüren, was es bedeutete, sich in den Wäldern Russlands zu treffen.
Vor genau 30 Jahren hatten Refuseniks mit einer spektakulären Flugzeugentführung in Leningrad auf die Lage der russischen Juden aufmerksam gemacht. Drei Jahre später begannen Refuseniks (Juden, die kein Ausreisevisum erhielten), sich zu besonderen Gelegenheiten (Sukkot, Jom Ha’Azmaut, Lag... more...

«Israel profitiert immer noch vom Freundschaftskapital»

October 9, 2008
Ende Jahr verlässt Yitzchak Mayer (66), Israels Botschafter in Bern, die Schweiz und kehrt nach Kochav Yair zurück, ein 2000-Familien-Dorf in Israel, hart an der «grünen Linie» neben Kfar Saba und Kalkilyia. «Mein Haus liegt genau 12 Meter im Grünen, d.h. innerhalb der Grenzen von 1967», meinte Mayer schmunzelnd. «Ehud Baraks Bleibe ist 14 Meter diesseits der Linie, auch wenn die Palästinenser behaupten, es stehe schon auf ihrem Gebiet.» Mit Barak verbindet den zur National-religiösen Partei gehörenden Mayer politisch zwar wenig, doch es gibt Berührungspunkte: «An Jom Kippur steht Barak immer neben mir, und dann zeige ich ihm im Gebetbuch, wo wir halten.» Der Botschafter ist nicht der Meinung, Barak müsse ihn am kommenden Jom Kippur zunächst mal um Verzeihung dafür bitten, ihn ein halbes Jahr vor Ablauf seines Vertrages aus der Schweiz nach Hause berufen zu haben. «Meine Ernennung war eine politische, und es ist durchaus das Recht eines Premierministers, solche Posten mit Leuten aus seiner Umgebung zu besetzen.» Allerdings hätte Barak, so räumte Mayer ein, dabei etwas weniger brutal vorgehen dürfen. Trotzdem habe er, im Gegensatz etwa zum Botschafter in London oder dem Generalkonsul in New York, auf rechtliche Schritte gegen den Rückpfiff verzichtet. Man habe sich gütlich geeinigt. Für die Zeit nach der diplomatischen Karriere hat Yitzchak Mayer unzählige Pläne. Er will sich vor allem in kulturellen Belangen engagieren und u.a. im Hechal Shlomo in Jerusalem ein «Museum der Tefilah» (des Gebetbuches) errichten. Dann aber will er auch schreiben - zurzeit arbeitet er an einem Theaterstück -, im gemässigten Flügel des Misrachi wieder aktiv werden, und den Schweizer Juden einen Platz im Diaspora-Museum verschaffen. - In einem Gespräch, das Jacques Ungar für die JR führte, hielt Yitzchak Mayer Rück- und Ausblick.
Jüdische Rundschau: Sie verlassen die Schweiz zu einem für Israel kritischen Zeitpunkt. Wie würden Sie die Stimmung beschreiben, die hier heute gegenüber Israel herrscht?Yitzchak Mayer: Als nicht sehr leicht. Ich muss aber sagen, dass wir zwar viele kritische und auch antisemitische Briefe... more...

Nicht alles im Dschungel ist gefährlich

von Rabbiner Roland Gradwohl, October 9, 2008
In der Vorstellungswelt des Judentums spielt der Baum eine grosse Rolle. Nach der Ansicht des Gelehrtenhauses von Bet Schammai ist der 1. Schwat das «Neujahr der Bäume», während das Gelehrtenhaus von Bet Hillel den 15. Schwat zum Neujahr der Bäume bestimmte. Zur Zeit des Tempels war dieses Datum besonders wichtig, begann mit ihm doch ein neues Jahr in Bezug auf die Abgaben, die von Baumfrüchten zu erheben sind. Aber auch heute noch, da es keinen Tempel gibt, hat der 15. Schwat einen festen Platz im jüdischen Feiertagskalender.
Der aus den USA stammende Philosoph, Rabbiner und Publizist David Hartmann machte einmal die folgende Aussage: «Die Welt ist ein Dschungel, und in einem Dschungel ist Schwäche ein Verbrechen.» Hartmann dachte an die oft schlimmen Zustände, die das Zusammenleben von Völkern und einzelnen... more...

Auch Mahler in Beirut?

von Hans Stutz, October 9, 2008
In den vergangenen Tagen sind weitere Details zum Beiruter Kongress der Holocaust-Leugner bekannt geworden, darunter die Namen einiger Referenten. Unklar ist, wo sich der flüchtige Jürgen Graf aufhält, der zu den Organisatoren gehört.
Auch der Deutsche Rechtsanwalt Horst Mahler, einst linker Anwalt, nun Rechtsextremist und rüder Antisemit, soll in Beirut als Redner an der Konferenz der Holocaust-Leugner (31. März bis 3. April 2001) auftreten. Dies berichtet am 7. März der Konferenz-Mitveranstalter Institut for Historical... more...

Rückblick auf kühne Aufsichten

von Walter Labhart, October 9, 2008
Als sie hochbetagt in New York starb, galt sie in ihrer europäischen Heimat zwar als eine von der Fachwelt anerkannte Wegbereiterin der Neuen Fotografie, war aber nur noch einem kleinen Kreis von Liebhabern der avantgardistischen Fotokunst bekannt: Ilse Bing (1899-1998) muss für die Schweiz erst wiederentdeckt werden.
Dazu trägt mit rund dreissig Originalabzügen - meistens so genannte «Vintage gelatin silver prints» - bis zum 28. Februar die an der Stockerstrasse 33 gelegene Galerie für Kunstphotographie «Zur Stockeregg» in Zürich auf umso interessantere Weise massgeblich bei, als die... more...

Eine problematische Grabstätte

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Der 19-jährige Matchad Yussef, der am Montag im Drusendorf Bet Jann in Israel zur letzten Ruhe gebettet wurde, ist seit der Gründung Israels der 54. Mann aus dieser Ortschaft, der in Erfüllung seiner militärischen Pflicht sein Leben lassen musste. Er verblutete im Josephs-Grab in Nablus.
Der Drusen-Soldat Matchad Yussef starb unter besonders tragischen Umständen. Stundenlang lag er verletzt auf dem Gelände des Josephs-Grab in der Westbank-Stadt Nablus. Weil die israelische Armee ihn wegen der unablässigen palästinensischen Attacken auf das der Jeschiwa «Od Josef Chai» dienende... more...

Wann wird die Intifada zum eigentlichen Krieg?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Heimberufung des ägyptischen Botschafters Bassiouny hat die israelische Führung wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Vielerorts hört man die Befürchtung, mit diesem Schritt wollten die Araber die örtlich begrenzte Intifada zu einem eigentlichen Regional-Krieg wandeln. Die Eskalation in den Gebieten schreitet fort. Nach der Attacke vom Montag auf einen Schulbus im Gazastreifen folgte am Dienstag nicht weit von der gleichen Stelle entfernt ein weiterer blutiger Anschlag. Baraks Rufe nach einer Einheitsregierung stossen vorerst bei der Opposition auf taube Ohren.
«Ya Mubarak, ya Habib, udrub, udrub Tel Aviv», zu Deutsch in etwa: Mubarak, Du Freund, bombardiere Tel Aviv. Diesen Slogan skandierten am Dienstag in der Westbank hunderte von Teilnehmer an der Beerdigung eines an den Folgen eines Zusammenstosses mit israelischen Soldaten verstorbenen... more...

Gewalt und Verhandlungen im Parallelgang

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nach mehreren Verschiebungen soll nun der amerikanische Sonderbotschafter Dennis Ross heute Donnerstag zu Gesprächen mit der israelischen und palästinensischen Führung in die Region kommen. Zur Debatte stehen wird eine Erklärung über das im Friedensprozess bisher Erreichte, die Präsident Bill Clinton zuhanden seines Nachfolgers George W. Bush abgeben will. Auch wenn die Zeitung «Yediot Achronot» am Mittwoch noch über die Möglichkeit eines Dreiergipfels Clinton-Barak-Arafat in der kommenden Woche spekulierte, liegt die Vermutung nahe, dass die Bemühungen der scheidenden US-Administration, zum Abschied (und als Wahlhilfe für Barak) noch etwas Zählbares in Sachen Nahost zustande zu bringen, im Sande verlaufen werden. Abgesehen davon, dass die Ansichten von Israelis und Palästinensern heute tatsächlich Welten trennen, scheint vor allem Arafat sich vor den israelischen Wahlen und bevor die neue US-Administration sich in bezug auf den Nahen Osten konkret geäussert hat, nicht auf die Äste hinaus lassen zu wollen. Laut einer Meldung von «Radio Palestine» von Mittwoch früh hat Dennis Ross seinen Besuch in der Region abgesagt. Von israelischer Seite war keine Reaktion zu dieser Nachricht zu erhalten.
Auf israelischer Seite haben die letzten drei Monate ein Misstrauen wachsen lassen, das so leicht nicht wieder zu beseitigen ist. Unzählige Anläufe zur Reduktion der Gewalt haben nichts gefruchtet, und die diversen Zusagen hoher und höchster palästinensischer Gesprächspartner, die Basis an die... more...

«Wir werden ihn an seinen Taten messen»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Gregor Rutz soll der neue Generalsekretär der schweizerischen SVP werden. 1994 war er ein lautstarker Gegner des Antirassismus-Gesetzes (damals noch als Freisinniger, Präsident der Jungliberalen des Zürcher Bezirks Meilen) und vertrat gefährliche Positionen. Der Zürcher Flügel der SVP platziert damit einen der Ihren an dieser wichtigen Schaltstelle, die bisher vom moderateren, gesprächsbereiten Jean-Blaise Defago besetzt war. Die jüdische Gemeinschaft reagiert skeptisch.

Rutz, heute 28, profilierte sich erstmals vor sieben Jahren, als er andere bürgerliche Jungpolitiker zur Gründung eines Komitees gegen das Antirassismus-Gesetz (ARG) überredete. Das Komitee löste sich noch vor der Abstimmung auf. Rutz widmete sich seinem Studium und trat in die SVP ein. Das... more...

Das Jahr der Wahrheit!

Joël Wüthrich, October 9, 2008
Für viele jüdischen und israelischen Fussballer in den europäischen Ligen bedeutet das neue Millennium auch ein neuer Anfang oder eine Neuorientierung. Auch bei den Managern und Besitzern diverser Traditionsvereine mit jüdischem Glauben kann diese Saison entweder in einem Desaster oder in einem Grosserfolg enden.
Für den jüdischen, beziehungsweise israelischen Fussball wird das Jahr 2000 richtungsweisend. Die «Gwuza» Israels steht vor der WM-Qualifikationsrunde gegen altbekannte Gegner (unter anderem Spanien, Österreich) und muss sich speziell auf die Hochform einiger seiner «Legionäre» in den... more...

Die jüdische Mehrheit wird im Jahre 2080 in Israel leben

von Gayle Horwitz, October 9, 2008
Die Einwanderung nach Israel wird die jüdische Bevölkerung des Landes bis zum Jahr 2080 fast auf 10 Millionen verdoppeln. Die Zahl der in den USA lebenden Juden wird bis dann um ein Drittel auf 3,8 Millionen gesunken sein, während die jüdische Weltbevölkerung in den nächsten 80 Jahren langsam zunehmen und letztlich die 15-Millionen-Grenze erreichen wird. Dies sind die wichtigsten Zahlen einer neuen, im «American Jewish Yearbook 2000» enthaltenen demografischen Studie über die jüdische Weltbevölkerung. Das Jahrbuch wird vom American Jewish Committee herausgegeben.
Die Studie über die Entwicklung der jüdischen Weltbevölkerung («Prospecting the Jewish Future: Population Projections, 2000-2080») sagt die künftigen jüdischen Bevölkerungstrends in den USA und Israel voraus sowie in der ex-UdSSR, Europa, Lateinamerika und anderen jüdischen Ballungszentren... more...

Tausend Jahre danach

von Claus Stephani, October 9, 2008
Zwei beeindruckende Ausstellungen zur Geschichte und Kultur des Judentums bereichern derzeit die vielfältige Palette der herbstlichen Veranstaltungen in der bayerischen Landeshauptstadt.

So präsentiert die Gesellschaft zur Förderung Jüdischer Kultur und Tradition in den Räumlichkeiten des Bayerischen Hauptstaatsarchivs eine umfangreiche Dokumentation zum Thema «Juden in Polen». Anhand von über 200 Fotografien auf 24 grossen Schautafeln wird die tausendjährige Geschichte ... more...

Jeder fünfte Israeli unter der Armutsgrenze

von Ruth Sinai, October 9, 2008
Einer von fünf Israelis lebt unter der so genannten Armutslinie, und jedes vierte Kind des Landes lebt in einer armen Familie. Das geht aus dem soeben von der Nationalversicherung veröffentlichten Jahresbericht über die Armut hervor. Demzufolge nimmt die Armut in Israel nicht nur in Bezug auf die Zahl der bedürftigen Landsleute zu, sondern auch hinsichtlich des Ausmasses der Armut.
Im Jahre 1999 nahm die Zahl der in Israel unter der Armutslinie lebenden Bürger um 9,8% auf total 1,134 Millionen Menschen zu. Die Zahl der in Armut lebenden Kinder wuchs gar um 16% auf 510 000. Das geht aus dem soeben von der Nationalversicherung und dem Ministerium für Arbeit und soziale... more...

Philanthropin wird jüdisches Gymnasium

von Josef Canem, October 9, 2008
Das Philanthropin wird wieder jüdisch. In Frankfurt/Main wird damit mehr als ein Jahr nach dem Tode von Ignatz Bubis s.A. einer seiner ganz grossen Wünsche Wirklichkeit. In den letzten Jahren war in dem jüdischen Traditionsgebäude im Erdgeschoss ein Bürgertreff und in den oberen Stockwerken das Konservatorium untergebracht. Jetzt wird umgebaut. Im Jahr 2004, zeitgerecht zum 200. Jubiläum des Hauses, wird die neue Ganztagsschule der Jüdischen Gemeinde Frankfurt eröffnet.
Das im Jahr 1804 in Frankfurt (Main) von Siegmund Geisenheimer, dem Bürovorsteher im Bankhaus Mayer Amschel Rothschild gegründete Philanthropin wird schon bald zum Träger der liberalen jüdischen Reformbewegung. Neben dem Zentrum um Moses Mendelssohn in Berlin wurde nun auch Frankfurt zum... more...

Diamonds are for ever

von Regula Rosenthal, October 9, 2008
Die in Basel vom 22.-29. März stattfindende Weltmesse für Uhren und Schmuck wird dieses Jahr an den letztjährigen spektakulären Erfolg anknüpfen. Ab 2002 wird es für die verwandten Branchen in Zürich eine eigene Messe geben. In Basel wird man sich auf den Uhren- und Schmucksektor konzentrieren. Sie wird in ganz neuer Einteilung präsentiert. Die Messe 2001 wird vor den geplanten Umstrukturierungen die letzte im alten Stil sein. Die JR konnte in einem Gespräch mit Sharon Gefen - sie ist internationale Presse-Beauftragte des Israel Diamond Institute in Tel Aviv, Israel - etwas mehr über Diamanten erfahren.
Jüdische Rundschau: Frau Gefen, wie geht es der Diamantenindustrie Israels? Sharon Gefen: Letztes Jahr ging es uns unglaublich gut. So viel hat Israel überhaupt noch nie exportiert. Das Volumen beläuft sich auf einen 5,3-Milliarden-Dollar-Umsatz.Jüdische Rundschau: Was sind die Gründe?Sharon... more...

Der Bundesrat berät sich mit jüdischen Exponenten

von Gisela Blau, October 9, 2008
Eine öffentliche Polemik geht dem Bericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg über die Schweiz und die Flüchtlinge voraus. Der Bundesrat liess sich bereits vorher durch prominente Vertreter der Jüdischen Gemeinschaft beraten. Es ging u.a. um die Fragen der Konsequenzen und Reaktionen auf den Bericht.
Bundesrat Joseph Deiss lotete in drei getrennten Gesprächen die Meinungen prominenter jüdischer Exponenten zum Flüchtlingsbericht und seine Resonanz aus. Er bat Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), in sein Büro. Ausserdem sprach Deiss mit Sigi Feigel... more...

Achtung fremdenfeindlich

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Immer dann, wenn ein öffentliches Thema auch zu einem jüdischen zu verkommen droht, ist Achtsamkeit der beste Rat. Dies auch im Falle der Diskussionen rund um die Regierungsbildung zwischen Haiders FPÖ und der ÖVP. Dass sich die Gemüter angesichts der nun zustandegekommenen Koalition erhitzen,... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Farbe. Normalerweise erscheinen die meist provokanten, immer witzigen Eigenwerbungs-Inserate des Tages-Anzeigers schwarz auf weiss. Am Montag jedoch spendierte sich der «Tagi» eine Zusatzfarbe - ein deutliches Braun. Dazu liess sich die Zürcher Werbeagentur Weber, Hodel, Schmid mit Bezug auf die... more...

Szenario von langer Hand vorbereitet

von Michael J. Jordan, October 9, 2008
Mit den «Geständnissen» von zwei weiteren Juden nach Daniel Tefillin im Spionage-Prozess von Shiraz in Süd-Iran (vgl. JR Nr. 18), aus «Liebe für Israel» für den jüdischen Staat spioniert zu haben, folgt das Verfahren nach Ansicht jüdischer Beobachter einem Drehbuch, das schon vor Monaten vorbereitet worden ist. Allgemein herrscht aber der Eindruck vor, die Geständnisse seien unter Druck, möglicherweise mit Zusagen geringer Strafmasse, erpresst worden.
«Schon vor einigen Monaten», sagte Malcolm Hoenlein, Vize-Vorsitzender der Präsidentenkonferenz wichtiger amerikanisch-jüdischer Organisationen, «erklärte man uns, wie die Dinge sich abspielen würden. Die Juden würden keine Anwälte nach eigener Wahl haben, der Prozess würde sich hinter... more...

Schochats Steuerreform steht auf der Kippe

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Bloss acht Wochen nach der Vorstellung seiner grossen Steuerreform war Finanzminister Abraham Schochat gezwungen, einen peinlichen Rückzieher zu machen und Kernstücke seines so genannten Jahrhundertwerks auszuklammern. Vor dem Hintergrund der seit Monaten schwelenden Koalitionskrise, die leicht zu Neuwahlen führen könnte, sowie dem harten Widerstand der Gewerkschaften, musste der glücklose Kassenwart zum Rückzug blasen. Angesichts des gegenwärtigen Kräfteverhältnisses in der Knesset bestehen nur geringe Chancen für die Verabschiedung des neuen Steuerkonzepts in seiner ursprünglichen Form.
Bisher gewährte Regierungschef Ehud Barak seinem Finanzminister nur beschränkte Rückendeckung. Die Drohungen des Gewerkschaftsbundes Histadrut, alle öffentlichen Dienste zu bestreiken, veranlassten den Premier mit der beschwichtigenden Bemerkung einzulenken, Schochats Steuervorschläge seien... more...

Moralisch stark ohne zu moralisieren

Sharon Samber, October 9, 2008
Senator Joseph Lieberman steht schon lange im öffentlichen Leben der USA und hat eine eindrucksvolle Spur von Stellungsnahmen zu den verschiedensten Anliegen hinterlassen. Als aber der demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore den ehemaligen Staatsanwalt von Connecticut zu seinem Kandidaten für den Job des Vizes nominierte, spielte anfänglich Liebermans traditionelles Judentum in den Reaktionen mindestens die gleich prominente Rolle wie seine brillante Karriere.
Mit Joseph Lieberman (58) erhält erstmals in der amerikanischen Geschichte ein traditioneller Jude die Chance, in einem nationalen Wahlkampf einen politischen Spitzenjob zu erringen. Liebermans religiöse Überzeugungen bilden die Basis für seine politischen Richtlinien. Er ist ein gemässigter... more...

Die Stunde der Wahrheit rückt näher

von George Szpiro, October 9, 2008
Zwei Autobomben sind in Haifa und Tiberias vorzeitig explodiert und haben keine Todesopfer unter Unschuldigen gefordert. Bei den Hinterleuten und vielleicht auch bei den Tätern, die bei den versuchten Anschlägen ums Leben kamen, handelt es sich offenbar um israelische Araber. In Sharm el-Sheik wurde das Abkommen über die Umsetzung des Wye-Memorandums unterzeichnet. Israelische Politiker bezeichnen es entweder als «verbessertes Wye» oder als Kapitulation.
In Haifa und Tiberias sind am Sonntagnachmittag wie durch ein Wunder zwei Anschläge missglückt. Es kam zu keinen Todesopfern unter Unschuldigen, bloss die drei Insassen der Fahrzeuge, vermutlich die Attentäter, wurden bei den Explosionen der Fahrzeuge getötet. Am Montag gelang es der Polizei,... more...

424 Millionen Dollar auf Anhieb

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Immer mehr ausländische Grossunternehmen erwerben Filetstücke israelischer High-Tech-Firmen. Dabei geht es Schlag auf Schlag. Die britische Marconi Co. akquirierte zum Monatsbeginn die Firma RUS aus Tel Aviv, die auf die drahtlose Kommunikation von EDV-Netzen spezialisiert ist. Die Briten zahlten für 100% der Stammaktien 39 Mio. $ in bar. Fast am selben Tag übernahm der amerikanische Software-Riese CA die in der Kleinstadt Yokneam bei Haifa beheimatete Firma Security 7 und zahlte 40 Mio. $, auch in bar. Security gilt als Spezialist im Bereich der Verschlüsselungstechnologien von Computerprogrammen. Sie wurde erst 1997 gegründet und machte sich auf Anhieb einen Namen dank der effektiven Abschirmung ihrer Software-Programme gegen Späher, Nachahmer und Wirtschaftsspione.
Israels schnell expandierende High-Tech-Branche sorgt kontinuierlich für Schlagzeilen. Oft überstürzen sich Ereignisse und Entwicklungen, die selbst eingeweihte Branchenkenner und Wertpapieranalysten überraschen. Zu den letzten spektakulären Paukenschlägen zählte die Akquisition der Firma... more...

Mit neuem Namen und Konzept

Interview Regula Rosenthal, October 9, 2008
In Basel findet vom 13. bis 21. November «The World Art & Antiques Fair» erstmals unter neuem Namen (Cultura) statt. Es nehmen über 70 Aussteller aus zehn Ländern teil. Die Cultura beschreitet neue Wege und präsentiert neben den Ständen der internationalen Kunsthändler insgesamt 12 Sonderausstellungen mit Museen und privaten Sammlungen. Die Cultura wird somit zum einzigartigen Museum auf Zeit.
Erlesene Ausstellungsstücke, die je kaum öffentlich zu sehen sind, können von den Besuchern besichtigt werden. Unter anderen zeigt die Fondation Leschot aus Bern Werke von Richard Deacon - das Antiquariat Bibermühle zeigt unter dem Titel «Catena Aurea» 25 hauptsächlich mittelalterliche... more...

Eine symbiotische Beziehung

von Hans Stutz, October 9, 2008
Nach den Wahlen verschwand das Thema «SVP und Rechtsextremismus» hinter den politischen Tagesgeschäften. Doch die Berührungspunkte zwischen SVP und Rechtsextremisten sind geblieben. Einige Beispiele aus den vergangenen Wochen verdeutlichen dies im klaren.
«SVP und Rechtsextremismus» war ein Hauptthema der letzten Phase des Wahlkampfes. Nach der Zweitpublikation von Blochers Lob für einen Holocaust-Leugner verlangten die anderen drei Bundesratsparteien, aber auch viele Medienkommentare, von der SVP den Tatbeweis für ihre Abgrenzung von... more...

2:0 für Haider

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Haiders taktischer Rückzug vom Parteipräsidium der FPÖ ist ein weiterer Schritt auf seinem Siegesmarsch mit dem Ziel, Bundeskanzler zu werden. Der Rückzug in die Alpen ist die Flucht nach vorn. Indem sich Haider aus der Verantwortung zieht, ist er nicht mehr Zielscheibe, kaum mehr direkt... more...

DJ Bobo öffnet Herzen in Sarajevo

von Esther Müller, October 9, 2008
Grosse Plakate zierten die Wände in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo - am 1. April stieg in der Neuen Olympiahalle Zetra in Sarajevo vor 15 000 Besuchern ein Konzert von DJ Bobo. Aufgetreten war der Schweizer Superstar mit seiner neuesten Produktion «Mystasia», mit der er im Moment erfolgreich auf Tournee ist. Anders jedoch als bei seinen anderen Auftritten, hat DJ Bobo für dieses Konzert keine Gage verlangt. Denn es war ein Konzert der besonderen Art. Organisiert wurde der Event von Open Hearts Activities, dem Nachfolgeprojekt von «Rock gegen Hass» und dem Verein Open Hearts Sarajevo.
Open Hearts Sarajevo, präsidiert von der Nationalrätin Vreni Müller-Hemmi, wurde am 2. Dezember 1999 gegründet und hat auf seine Fahne geschrieben, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen zwischen der Schweiz und Bosnien zu organisieren. Sarajevo, einst Austragungsort der Olympischen... more...

Vorwärts in die Vergangenheit

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Nicht die andere Auslegung der Fakten, sondern das Übergehen derjenigen führte in den 80er Jahren dazu, dass der streitbare Historiker Ernst Nolte den von ihm angezettelten «Historikerstreit» haushoch verlor. Diesen löste er 1986 in einem Essay in der Fankfurter Allgemeine Zeitung aus, in dem... more...

Österreich unter Beobachtung

von Anton Legerer, October 9, 2008
Jene 14 EU-Staaten, die aus Protest über die Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) ihre bilateralen Kontakte zur österreichischen Regierung eingefroren und damit «Sanktionen» verhängt hatten, wodurch Österreich in eine Aussenseiterrolle in der Europäischen Union abgedrängt wurde, lassen die österreichische Migrations- und Minderheitenpolitik insgesamt, vor allem aber die politischen Inhalte sowie Aussagen von Funktionären der FPÖ im Besonderen von einem dreiköpfigen Gremium beurteilen.

Zur Auswahl der als die «drei Weisen» bezeichneten Gutachter wurde der Schweizer Präsident des Internationalen Gerichtshofs für Menschenrechte in Strassburg, Luzius Wildhaber ernannt, der binnen Zweiwochenfrist seinen Auftrag erledigte und den früheren finnischen Präsidenten, den zuletzt als... more...

Geistige Steine für die Zukunft

von Rita Süssmuth, October 9, 2008
Der Tod von Ignatz Bubis löste über die Grenzen Deutschlands tiefe Trauer aus. Die Reaktionen von jüdischen und nichtjüdischen Menschen sowie den Medien zeigten, wie sehr Bubis weit über sein Amt als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland als moralische Instanz in Deutschland galt. Die ehemalige Bundestagspräsidentin und enge Freundin Rita Süssmuth würdigt im folgenden Artikel (erstmals in der «Welt am Sonntag» erschienen) Leben und Werk von Bubis.
Ignatz Bubis lebt nicht mehr. Seine kritischen Botschaften sind nicht mehr zu hören. Die Todesnachricht lässt innehalten, lässt nachdenken über einen Menschen, der sich nie scheute, das zu sagen, was er dachte, was ihn bewegte, wofür er eintrat. Ignatz Bubis hat nie zu Fehlentwicklungen in... more...

«Mir wird der Kontakt fehlen»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ) verliert heute Donnerstag ihre Generalsekretärin: Ada Winter ist zurückgetreten. Neuer Generalsekretär wird Gabriel Taus, bisher im ICZ-Vorstand verantwortlich für die Mitgliederdienste. Sein Vorstandsamt, das er bereits niederlegte, wird bis zur Neuwahl interimistisch verwaltet.

Taus sagte auf Anfrage zur JR, dass er bereits im Januar bekanntgegeben habe, dass er bei den Gesamterneuerungswahlen von Ende 1999 nicht mehr für den Vorstand kandidieren wolle. «Die Übernahme des Generalsekretariats hat sich jetzt sehr rasch ergeben», sagt er. Seine Frau, Liliane Taus, die im... more...

«Hier gilt nur noch, wer Geld hat»

von Jacques Ungar, Gaza-City, October 9, 2008
Gaza-City, Anfang Oktober 1999, gleicht einer riesigen Baustelle. Villen und Hochhäuser schiessen wie Pilze aus dem Boden, von Städteplanung ist aber wenig zu spüren. Die Flüchtlingslager darben weiter und warten auf internationale Hilfe. Nicht wenige Bewohner Gazas sehnen sich nach der Zeit vor der Intifada zurück, als die Verdienstmöglichkeiten in Israel viel höher waren als heute im Streifen. Der geplante Mittelmeer-Hafen könnte sich zur Umweltkatastrophe entwickeln, doch der Nationalstolz verbietet es den Palästinensern, das Projekt abzublasen. Die «sichere Passage» zur Westbank, die nächste Woche geöffnet werden soll, wird den Bewohnern von Gaza etwas Bewegungsfreiheit verschaffen. Israels Politiker halten die Daumen, dass diese Freiheit nicht missbraucht wird.
«Das waren noch Zeiten, als wir nach «drinnen» fuhren und dort täglich 250 Shekel (ca. 90 Franken) oder noch mehr verdienten.» Wer da so in Erinnerungen schwelgte, war Maguid, der uns in halsbrecherischer Fahrt durch die heillos verstopfte Innenstadt von Gaza fuhr. Wir waren auf dem Weg vom... more...

«...namentlich, wenn Sie sich mit einem deutschen Arier verheiraten»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Schweizer Behörden-Antisemitismus gab es längst nicht erst nach Kriegsausbruch. Wie selbstverständlich wurden die Nürnberger Rassengesetze von Polizeidirektionen und anderen Amtsstellen verinnerlicht und gutgeheissen. Schweizer Behörden übernahmen ohne Zögern nationalsozialistisches Un-Recht ins schweizerische Recht. In mehreren Kantonen musste angegeben werden - auf vorgedruckten Formularen! -, ob die betreffende Person arisch oder nichtarisch sei. Die JR publiziert ein anderes Beispiel aus dem Jahr 1937, das Moral und Ethik sowie den Schutz der eigenen Staatsbürger verhöhnt. Aber schliesslich gab es damals auch Schweizer Verordnungen für «Juden und andere Schweizer» (Titel zitiert nach Picard, «Die Schweiz und die Juden»). Eine Familienangehörige fand einen bemerkenswerten Brief im Nachlass ihrer verstorbenen Tante.
Anfang 1937 war Esther R. restlos glücklich. Die gebürtige Schweizerin hatte in London einen einmaligen Job und dazu noch den Mann ihres Lebens gefunden. Er stammte aus Russland wie Esthers eigene Familie, und die beiden wollten so bald wie möglich heiraten. Esther hatte sich noch in der Schweiz... more...

Dualismus und Gegensätze

von Rabbiner David Bollag, October 9, 2008
Seit der Emanzipation der europäischen Juden vor etwa 200 Jahren ist die jüdische Gesellschaft gezwungen, sich Gedanken zu machen über ihr Verhältnis zur westlichen Kultur und Philosophie. So lange die Juden gezwungen waren, in Ghettos zu leben, mussten sie sich mit dieser Frage nicht auseinandersetzen, da jeglicher Kontakt mit der nicht-jüdischen Umwelt untersagt war. Seit der Gleichberechtigung hingegen steht diese Frage auf der Tagesordnung der jüdischen Gesellschaft, ist seither von höchster Aktualität und prägt bis heute einen wichtigen Teil der jüdischen Gedankenwelt.
Die Reaktionen auf den Fall der Ghettomauern fielen sehr unterschiedlich aus. Einerseits gab es - vor allem in Osteuropa - Kreise, die jeden Kontakt und Austausch mit der nicht-jüdischen Umgebung völlig ablehnten. Wir bezeichnen diese Kreise und deren heutige Nachfolger meist als Ultraorthodoxie.... more...

Fundierte Kritik ?

von C. Longchamp, J. Dumont, P. Leuenberger, October 9, 2008
Am 15. März publizierte das GfS-Forschungsinstitut die Studie «Einstellungen der SchweizerInnen gegenüber Jüdinnen und Juden und dem Holocaust», die es für die CICAD (Genf) und das AJC (New York) erstellt hatte. Darin hielten die AutorInnen als eines von vielen Ergebnissen fest, dass 16 Prozent der Stimmberechtigten in der Schweiz «eine eindeutige Nähe zum heutigen antisemitischen Denken» haben. Die JR publizierte eine Woche nach der Veröffentlichung der Studie einen Artikel von Mathias Steinmann und Ralph Weill, welche die Ergebnisse hinterfragten. Aufgrund von vier Befragungen des SRG-Forschungsdienstes halten die beiden Autoren zwei abweichende Befunde zum Antisemitismus in der Schweiz fest: Er sei geringer vorhanden und über die letzten 25 Jahre unverändert schwach geblieben. Im folgenden Artikel geht das GfS-Forschungsteam auf die Kritik ein.
Eine Gemeinsamkeit teilen wir mit den Kritikern: Unter Antisemitismus reihen wir die negativen Einstellungen von Individuen gegenüber jüdischen Menschen. Einstellungen, die sowohl religiös als auch politisch begründet werden. Die Untersuchung des Antisemitismus in der Gegenwart ist deshalb so... more...

Arrow gegen Scud

von Amnon Barzilai, October 9, 2008
Israel und die USA prüfen derzeit die Möglichkeit, die Tauglichkeit der Arrow-Rakete in einem Einsatz gegen eine Scud-Rakete zu testen. Das Experiment, das in Amerika stattfinden würde, wäre Bestandteil eines neuen 260-Millionen-Dollar-Entwicklungsprogramms.

Amos Yaron, Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, wird das Projekt eines Tests der Arrow-(Pfeil-) gegen eine Scud-Rakete mit den für die Entwicklung anti-ballistischer Raketen verantwortlichen Offiziellen im Pentagon besprechen. Zur Zeit hat das Repräsentantenhaus für das... more...

Palästinensischer Staat bis Ende Jahr

von George Szpiro, October 9, 2008
Das palästinensische Zentralkomitee hat am Montag dem Vorhaben seines Vorsitzenden Yassir Arafat zugestimmt, bis Ende dieses Jahres einen palästinensischen Staat auszurufen, auch wenn die Verhandlungen mit Israel bis dahin nicht zu Ende geführt wurden.
Am Mittwoch doppelte ein hoher Beamter der palästinensischen Behörde mit der Bemerkung nach, dass palästinensische Sicherheitsleute, sprich: Soldaten, in allen Teilen des selbständigen Staates stationiert würden. Der Beschluss des palästinensischen Kabinetts reiht sich in eine lange Reihe von... more...

Einstiger Soldat der Waffen-SS wird nun anonymer Hetzer

von Hans Stutz, October 9, 2008
Der anonyme Briefschreiber nannte sich «Der Feldjäger vom Hochrhein» und verschickte seine antisemitischen Schmähschriften an Juden und Linke in Basel. Am Donnerstag kommender Woche steht der 78jährige Walter G. Stoll wegen Rassendiskriminierung und Ehrverletzung vor Gericht. Schmäher Stoll gehörte einst der Waffen-SS an und ist heute Avalon-Mitglied.
Ahmed Huber, Exponent der völkisch-heidnischen Avalon-Gemeinschaft, freut sich immer wieder, dass bei Avalon-Treffen einstige Mitglieder der Waffen-SS anwesend sind. Freude also auch am 78jährigen Basler Hetzbriefschreiber Walter G. Stoll, der vor einiger Zeit gegenüber dem «SonntagsBlick»... more...

Juden Europas vs. Israel

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Neben den selbstbewussten amerikanischen Juden und der Nation Israel wird das europäische Judentum seit der Schoa kaum mehr als eigenständige Grösse wahrgenommen. Wenngleich es mit die Wiege jüdischen Denkens darstellt, viele Zentren im Osten und Westen Europas (Spanien, Deutschland, Polen,... more...

Finanzminister bittet zur Kasse

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Israels Regierungschef Ehud Barak ist zu einem kräftezehrenden Kampf an zwei Fronten verdammt. An der aussenpolitischen Front warten Palästinenser und Syrer mit der Stoppuhr in der Hand auf die Umsetzung von Rückzugsversprechen aus besetzten Gebieten. An der innenpolitischen Front fordern ungeduldige Koalitionspartner und das Fussvolk die Einlösung der zahlreichen Checks, die Barak im Wahlkampf verteilt hat. Die israelische Wirtschaft befindet sich jedoch in einer schlechteren Verfassung, als ursprünglich angenommen.
Das Haushaltdefizit 1999 ist infolge Mehrausgaben und rezessionsbedingten Steuerausfällen aus dem Ruder gelaufen und wird anstatt 2% voraussichtlich 3,75% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen.Diese desolate Bilanz veranlasste Finanzminister Abraham B. Schochat zur Ankündigung von drastischen... more...

Die jahrelange Tragödie der Quara-Juden

von Elli Wohlgelernter, October 9, 2008
Die offensichtlich alarmierende Situation, in welcher die rund 3000 Juden in der nordäthiopischen Provinz von Quara leben und auf ihre Alijah warten, hat Aussenminister Ariel Sharon bewogen, die sofortige Durchführung einer Luftbrücke zu fordern, mit welcher diese Juden nach Israel gebracht werden könnten. Beobachter glauben allerdings, dass es sich hier um eine eher politisch als praktisch motivierte Initiative handelt.
Dessen ungeachtet leben die Juden von Quara unter schwierigsten Bedingungen. Aufgrund von Berichten von Juden, die in der Provinz Gondar eingetroffen sind, leiden die meisten von ihnen an Unterernährung, und die Kindersterblichkeit soll 20 Prozent betragen. In einem Brief an den scheidenden... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Kasse. Nun wird auch Liechtenstein zur Kasse gebeten: Die Liechtensteiner Regierungsrätin Andrea Willi traf zu Beginn der letzten Augustwoche Israel Singer, Generalsekretär WJC, «zu einem informellen Gedankenaustausch», wie das Fürstliche Presseamt in einem Communiqué später mitteilte. Elan... more...

«Kafka und Kommunismus vereint»

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Am Montag, den 30. Oktober, fand in Prag die Trauerfeier für Eduard Goldstücker statt. Er war einer der führenden Reformatoren, die in der Tschechoslowakei den Prager Frühling ermöglichten. Dank seiner Initiative konnte in den sechziger Jahren Kafka im Ostblock wieder diskutiert werden. Sein Lebenslauf ist charakteristisch für die mitteleuropäische Geschichte des 20. Jahrhunderts.
«Wer war der sympathische Herr, der eben gegangen ist?», fragte mein Tischnachbar, ein aus dem Exil nach Prag zurückgekehrter Tscheche, sichtlich angetan von dem älteren Herrn, der mit einer warmen, tiefen Stimme gesprochen hatte, auf der Terrasse des Hotels Praha, Frühjahr 2000. Einst hatte... more...

Schon wieder Wahlen

October 9, 2008
Ehud Barak will ein neues Mandat vom Volk, um mit seiner alten Politik weiterzumachen. Er wirkte hilflos, als er - nur wenige Tage nach seiner spektakulären Ankündigung, vorgezogene Neuwahlen abzuhalten - zurücktrat, um die Kandidatur seines gefährlichsten Rivalen Benjamin Netanyahu... more...

Gedanken aus Israel

von Nicole Izbicki, October 9, 2008
Das Ende einer nicht normalen Woche ist vorüber. Es ist zwar schon fast zur Gewohnheit geworden, dass regelmässig Israelis erschossen werden. Diese Woche aber wurde Dr. Gillis erschossen. Ein 42-jähriger Arzt, der zusammen mit seinen Eltern aus England nach Israel ausgewandert war. Ein bekannter... more...

In Israel wird munter weiter gegessen

von Sharon Kanon, October 9, 2008
Trotz der Furcht vor der Maul- und Klauenseuche in Europa essen Israelis auch weiterhin ihr frisches oder gefrorenes Kalb- bzw. Lammfleisch, vorausgesetzt, es besitzt den Gütestempel des Landwirtschaftsministeriums. Diese Zuversicht basiert auf dem Umstand, dass Israel pro Jahr rund 1 Million Dollar ausgibt, um Vieh aller Sorten gegen drei Variationen der Seuche zu impfen. Auch ist man bestrebt, kein infiziertes Futtermehl auf die Bauernhöfe zu lassen - einer der Gründe für die derzeitige Situation in Grossbritannien.
Lamm und Rind sind auch heute noch die bevorzugten Fleischsorten in Israels Schnell-Imbissecken, in Restaurants, für den Tscholent am Schabbat oder die Barbeque-Party. Die Maul- und Klauenseuche in Europa, welche den Konsum von Rindfleisch in Deutschland etwa um 80% hat sinken lassen, geht bisher... more...

«Als es noch keine Juden gab»?

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Die Auseinandersetzung um den ältesten bekannten jüdischen Friedhof Böhmens in Prag geht weiter. Bereits im Juli hatte der tschechische Kulturminister Pavel Dostál, der sich dafür eingesetzt hatte, den im Zentrum Prags entdeckten mittelalterlichen Friedhof in der Vladislavova-Strasse als nationales Kulturgut zu schützen, unter dem Titel «Als es noch keine Juden gab» einen emotionellen und überraschend feindseligen Kommentar zu den sich schleppenden Bauarbeiten veröffentlicht.
«Ein jüdischer Rabbiner aus Amerika», der «weder Pejes noch einen breiten Hut» hatte, «ein netter und eleganter Herr in heller Kleidung», der «auf einer Fotografie wahrscheinlich nicht so auffallen würde wie die Schwarzen, Orthodoxen, die in Prag hin und wieder auf den Privatgrund der... more...

«Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben»

von Ellen Presser, October 9, 2008
Es heisst, wenn man die Lebensgeschichte Walter Benjamins beschreibe, erzähle man die Geschichte eines Scheiterns. Diese Lesart - wenn man sie denn teilt - trifft auf Benjamin wie auf etliche andere Literaten zu, denen die NS-Zeit glänzende berufliche Erfahrungen bzw. Perspektiven nahm und zuletzt auch ihren Tod bedeutete. Das reicht vom einst etablierten Starautor Kurt Tucholsky, der im schwedischen Exil zugrunde ging, bis zum hoffnungsvollen Jungautor Jura Soyfer, der im KZ Buchenwald den Tod fand.
Die Umstände des Ablebens von Walter Benjamin vom 26. auf den 27. September 1940 in der kleinen Grenzstation Port Bou zwischen Frankreich und Spanien sind so merkwürdig und tragisch, wie sie sich nur jemand wie Franz Kafka hätte ausdenken können: Scheitern vor dem Gesetz, vor der Staatsgewalt.... more...

Vertrauen zurückgewinnen

October 9, 2008
Wie ist es zu der verfahrenen Situation, in der sich der Nahe Osten befindet, gekommen, nachdem es noch vor wenigen Wochen so ausgesehen hatte, als ob ein Friedensvertrag mit den Palästinensern um die Ecke lag? Was ist geschehen seit dem Briefing Ende September für Auslandsjournalisten, bei dem... more...

Friede oder Sharon - aber nicht beides

October 9, 2008
Das Gute in Bezug auf die bevorstehenden Wahlen für das Amt des israelischen Premierministers ist die Tatsache, dass der Frieden zum Schlüsselwort im Kampf der beiden Generale geworden ist. Wer hätte geglaubt, dass Likud-Boss Ariel Sharon, der Held des Libanon-Krieges, das Land voller Plakate mit... more...

Ein Abstieg in die Tiefe

October 9, 2008
Die Arbeits(oder Arbeiter-)partei stand fünfzig Jahre - in häufig wechselnder Zusammensetzung und unter verschiedenen Namen, von MAPAI bis AVODA (IAP) - am Steuer des jüdischen Palästina und des Staates Israel. Der Wahlsieg Begins trieb sie 1977 zum ersten Mal in die Opposition, aber auch danach... more...

Ehud Barak lässt einen neuen Versuchsballon steigen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Vor einem anhaltenden Abbröckeln seines Teams lanciert Israels Premier Ehud Barak einen neuen Versuchsballon: Er will die Rechte der sekulären Bürger des Landes im Gesetz verankern. Ziviltrauungen sollen erlaubt sein, das Religionsministerium soll verschwinden und alle Schulen, auch die ultra-religiösen, sollen Englisch und Mathematik unterrichten müssen. Die Opposition spricht von einem schlecht verhüllten Auftakt des Wahlkampfs, aber auch in Baraks eigenen Reihen hält sich die Begeisterung durchaus in Grenzen.
Entweder verfügt Israels Premierminister Ehud Barak über unfehlbare Trumpfkarten, die er zu dem ihm richtig erscheinenden Moment auf den Tisch der Knesset legen will, oder dann spielt er verzweifelt auf Zeit und versucht, mit allen Mitteln ein Abkommen mit den Palästinensern zustande zu bringen,... more...

Von Natur aus nicht pessimistisch

von Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, October 9, 2008
Für rauschende Feste ist an Rosch Haschana kein Platz. Zu ernst sind die Fragen, die sich stellen, sich stellen müssen. Wie wird die Zukunft aussehen? Was muss ich vorkehren, damit es besser wird und die Unzulänglichkeiten meines Tuns verschwinden? Der Jude ist von Natur aus kein Pessimist. Er verzweifelt nicht am Leben, auch wenn er weiss, wie schwierig es sein kann. Immer sieht er sich von Gottes Hand beschützt. Gott, der Schöpfer und Lenker der Welt, ist für ihn zugleich der Vater.
Dass Gott als «Vater» angesprochen wird, ist für den Juden eine Selbstverständlichkeit. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass jegliche Aussage über Gott an sich unmöglich ist. Wir wissen nicht, wer Gott ist, wir wissen bloss, dass es ihn gibt und dass seine Wirksamkeit von Ewigkeit zu... more...

Opposition wieder auf Neuwahlen aus

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Obwohl von einem wesentlichen Abklingen des Notstandes in Israel und den Gebieten noch keine Rede sein kann, scheint die Opposition genug zu haben von Baraks Hinhaltepolitik in Bezug auf eine grosse Koalition. Jedenfalls hat Likud-Boss Ariel Sharon nun grünes Licht gegeben für Versuche, vorzeitige Knessetwahlen herbeizuführen. Solange aber Shas ein parlamentarisches «Sicherheitsnetz» für den Premierminister ausgebreitet hält, hat dieser wenig zu fürchten. Die Gewalt in den Gebieten hat leicht nachgelassen, doch rechnen Sicherheitskreise nach dem letztwöchigen Bombenanschlag in Jerusalem mit weiteren Terrorattacken. Auch an der Nordgrenze hat die Spannung zugenommen.
«Sobald als möglich» sollten in Israel Neuwahlen stattfinden, wenn es nach dem Willen von Ariel Sharon geht, dem Vorsitzenden der Likud-Partei. Mit dieser Äusserung rückte der Oppositionschef von seiner bis vor kurzem vertretenen Ansicht ab, die Regierung Barak solange zu unterstützen wie der... more...

Ein bekanntes Thema originell behandelt

von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Die Jeckes - deutsche Juden aus Israel erzählen.» Das Thema dieses im Kölner Böhlau Verlag erschienenen Buches - Familiengeschichten und Lebensgewohnheiten der deutschen Juden und ihre schliessliche Einwanderung ins Vorstaat-Israel - wurde schon unzählige Male behandelt. Der vorliegende Titel aber, herausgegeben von Gideon Greif, Laurence Weinbaum und Colin McPherson, nimmt die Thematik von einer originellen Warte her in Angriff.
In Interviews und Fotografien zeichnet er die Geschichte von rund 80 deutschen Juden nach, die zwischen 1933 und 1939 vor den Nazis aus ihrer deutschen Heimat geflohen und nach Israel gegangen waren. In den Gespräche mit den Jeckes gelangen die wichtigsten Merkmale jener Zeit unüberseh- und... more...

Kein Zeitpunkt ist richtig

von Gisela Blau, October 9, 2008
Es gibt heisse politische Vorlagen, die partout nicht in das obligate Schema passen wollen, ob sie «gut oder schlecht für die Juden» sind. Von den drei Volksbegehren, die am 4. März zur Abstimmung gelangen, ist die Initiative «Ja zu Europa!» die heikelste. Auch sie hat keinen spezifisch... more...

«Meine Nummer war A3317»

von Tom Tugend, October 9, 2008
Nicht nur leichte Kost, sondern auch das ernste Fach stand an der diesjährigen Oscar-Verleihung im Mittelpunkt.Ein Holocaust-Überlebender, ein legendärer Sänger und ein Dokumentarfilm über Flüchtlingskinder in der Nazi-Zeit gehören zu den jüdischen Personen und Themen, die dieses Jahr einen Oscar erhielten.
Ein Überlebender des Holocausts, ein legendärer Folk-Sänger und ein Dokumentarfilm über jüdische Flüchtlingskinder in der Nazi-Zeit gehören zu den jüdischen Künstlern und Themen, die anfangs Woche an der diesjährigen Oscar-Zeremonie in Los Angeles ausgezeichnet worden sind. Branko Lustig,... more...

Hohe Erwartungen

October 9, 2008
Genauso wie heute waren vor einhundert Jahren Buchläden und Zeitungen voll mit Voraussagen darüber, was das nächste Jahrhundert bringen würde. Im Rückblick erscheinen diese Prognosen oft wie Spiele oder ein Zeitvertreib. In Tat und Wahrheit aber liefern sie den unumstösslichen Beweis für den... more...

Im Norden herrscht der Notstand

von Aluf Benn, Amos Harel und Amnon Barzilai, October 9, 2008
Als Reaktion auf den Tod je eines israelischen und südlibanesischen Soldaten flog die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch drei weitere Angriffe auf Ziele der Hizbollah-Miliz in Libanon. Premier Barak hat für den Norden Israels den Notstand ausgerufen. Die Wirtschaft der Region verliert dadurch pro Tag rund 10 Millionen Shekel (etwa 4 Mio. Franken). Der folgende Artikel soll der Frage der Verbindung dieses Tages mit dem Gedanken der Erlösung nachgehen.
Als Reaktion auf den Tod eines 19-jährigen israelischen Soldaten, der am Dienstag in der «Sicherheitszone» von einer Anti-Tankrakete der Hizbollah (in kras-ser Verletzung geltender «Spielregeln» mitten aus einem Dorf abgefeuert) getroffen wurde, und von einem Angehörigen der... more...

Polizei will die Netanyahus vor Gericht stellen

von Nicole Krau, October 9, 2008
Nur einen Tag nach dem Beschluss des Rechtsberaters der Regierung, eine Untersuchung gegen Rabbi Ovadia Yosef zu eröffnen (Vgl. Artikel auf S. 6) platzte am Dienstag in Israel die nächste Skandal-Bombe: Zum Abschluss einer siebenmonatigen Untersuchung empfiehlt die Polizei, ex-Premierminister Bibi Netanyahu wegen Entgegennahme von Bestechung, Betrug, Vertrauensmissbrauch und der Behinderung des Rechtswesen vor Gericht zu stellen. Auch seine Frau Sarah und zwei ehemalige enge Mitarbeiter Netanyahus will die Polizei gerichtlich belangen.
Die polizeiliche Untersuchung gegen Bibi Netanyahu wurde im Anschluss an einen Artikel in der Zeitung «Yediot Achronot» lanciert, in der man lesen konnte, der ex-Premier habe drei Jahre lang den Generalunternehmer Avner Amedi für Umzugs-, Reinigungs- und Handwerksarbeiten beschäftigt, ohne ihn... more...

Jerusalems Forderungen an die Weltorganisation

von Michael J. Jordan, October 9, 2008
Nach der langen Besetzung Südlibanons bereitet Israel sich nun formell darauf vor, der UNO-Resolution nachzukommen, die seit 22 Jahren den Abzug der IDF-Truppen gefordert hatte. Seinerseits verlangt Israel von der Weltorganisation nun, dass sie ihren Teil des Deals ebenfalls erfüllt.
Ein wenig bekannter Bestandteil der UNO-Resolution 425 über Südlibanon besagt, dass die UNO bei einem israelischen Rückzug verpflichtet ist, den «internationalen Frieden und die Sicherheit» wiederherzustellen, und der libanesischen Regierung zu helfen, «die Rückkehr seiner tatsächlichen... more...

Le peuple c’est moi

October 9, 2008
Die an Ehud Barak gerichtete Frage tönt ähnlich wie jene in Inseraten zur Behandlung von Impotenz: «Behandeln Sie das Problem wirklich?» Als sich letzte Woche die Krise mit der Meretz-Partei zuspitzte, fand Barak Zeit, die Zauberer zu sich zu berufen, die diesem Lande die Plage des Systems der... more...

Von Krakau nach Bern

Heinz Roschewski, October 9, 2008
Vom ersten Vertreter der Waschkowitzer Rabbiner-Dynastie in Polen, Gerschon Stein (1830-1911), mit dem Ehrentitel Rav Hagaon, bis zum heute in Bern lebenden Jehuda L. Stein, geboren 1923, und seinen zwei Enkeltöchtern - es ist ein weiter Weg, der den Verfasser dieser Geschichte einer jüdischen Familie aus Krakau von der Kinder- und Jugendzeit in dieser kulturell und politisch bedeutsamen Stadt 1945 bis in die Schweiz führte.

Allerdings auf entsetzlichen Umwegen, die man sich kaum vorzustellen wagt: deutsche Besetzung Polens 1939, Ghetto Krakau 1941, Flucht der Familie nach Novy Targ in Südpolen, wo der Vater bei der Deportation schon an der Verladerampe von den Deutschen erschossen wurde, während die Mutter und ein... more...

Wehret den Anfängen!

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Ja. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) ist eine demokratische Partei; ihre Volksvertreter sind demokratisch gewählt; sie ist eine Regierungspartei. Nein. Die SVP ist keine rechtsextreme Partei. Ja. In der Schweiz herrscht Presse- und Meinungsfreiheit, Bürgerinnen und Bürger sind mündig. Gerade... more...

Vermittler hinter den Kulissen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zusammen mit dem jordanischen König Hussein gehörte der am letzten Freitag verstorbene König Hassan II. von Marokko zu jenen Staatsmännern der arabischen Welt, die schon Jahrzehnte vor Beginn des Friedensprozesses die Notwendigkeit und Unausweichlichkeit der Aufnahme von Beziehungen zu Israel erkannt hatten.
Anfänglich stand die Alijah der marokkanischen Juden nach Israel im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Rabat und Jerusalem. Das begann schon unter König Mohammed V., dem Vater des jetzt im Alter von 70 Jahren verstorbenen Monarchen. Als Hassan vor 38 Jahren den Thron bestieg, wurde diese bis... more...

Wachablöse auf Raten

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Der überraschende Rücktritt von Zentralbankchef Professor Jakob A. Frenkel hat Politik und Wirtschaft geschockt. Niemand hatte eine so dramatische Entwicklung geahnt oder erwartet. Alle waren sicher, dass der charismatische Notenbankpräsident bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit im August 2001 Israels Wirtschaftspolitik gestalten wird.
Jakob Frenkel hat anscheinend ganz neue Pläne. Er will den provinziellen Rahmen des jüdischen Staates sprengen und in die weite Welt zurück, aus der er 1991 kam, um an der Spitze der Notenbank in Israel die sich wechselnden Regierungen zu belehren, dass auch in der Heimat der Juden die... more...

Manchen Männern meilenweit voraus

von Walter Labhart, October 9, 2008
Ihren ersten Roman «Wann wird es tagen?» gab sie 1902 in ihrer Geburtsstadt Wien unter dem Pseudonym Paul Michaely heraus, ihr letztes Buch, «An den Höfen der Maharadschas», erschien 1929 in der Reihe der «Schaubücher» bei Orell Füssli in Zürich: Alice Schalek (1874-1956) war in erster Linie eine weltoffene und sehr fleissige Fotografin, die es sich ihrer grossbürgerlichen Herkunft zufolge leisten konnte, alle Länder zu besuchen, die sie gerade interessierten.
Zwischen 1903 und 1935 reiste sie mehrmals um die Welt, um mit annähernd 6000 Fotos und Eindrücken nach Wien zurückzukehren, die sie in Vorträgen und in Zeitschriftenbeiträgen zum besten gab. Einem Tagesrapport der Gestapo vom 1. März 1939 ist zu entnehmen, dass «die jüdische... more...

Vergebung für zweitausend Jahre

von Yair Sheleg, October 9, 2008
Um die Aufmerksamkeit der Welt im Vorfeld seines Besuches im Heiligen Lande zu erhöhen, wird Papst Johannes Paul II am kommenden Sonntag eine dramatische Bitte um Vergebung für die Sünden der Kirche veröffentlichen. Gemäss Rabbi David Rosen, einem der führenden Köpfe im Dialog zwischen dem jüdischen Volke und dem Vatikan, wird die Entschuldigung sich nicht nur an die Juden, sondern auch an die Moslems und die Protestanten richten.
Am kommenden Sonntag, rund zwei Wochen vor seinem Besuch in Israel, wird Papst Johannes Paul II. wahrscheinlich eine dramatische Bitte um Vergebung für die Sünden der katholischen Kirche in den letzten 2000 Jahren veröffentlichen. Diese Erklärung, die gewisse Beobachter leicht zynisch «die... more...

Aus der Vergangenheit lernen

von Ernst Ludwig Ehrlich, October 9, 2008
Die grossen Bischofskonferenzen von Deutschland und Frankreich haben sich mit diesem Thema schon vor einigen Jahren beschäftigt. Die Schweizer Bischöfe hielten dies offenbar für nicht notwendig, bis zweierlei erfolgte. Einmal die Zerstörung des Mythos schweizerischer Unschuld am Schicksal der Juden vor und während des Zweiten Weltkrieges und ferner die im Sinne von Papst Johannes Paul II. für das Jahr 2000 gewünschte «Reinigung» des Gedächtnisses der Kirche.

Das bedeutet «ein Geständnis der Schuld für alle Leiden und Kränkungen, die von Söhnen und Töchtern der Kirche in der Vergangenheit anderen zugefügt» wurden. Die katholische Kirche der Schweiz bekennt ihre Mitschuld, dass vielfach zu wenig für die Rettung des Lebens und der Würde... more...

Positive Entwicklungen in Shiraz?

von Julie Wiener, October 9, 2008
Vier der 13 in der iranischen Stadt Shiraz wegen angeblicher Spionage für Israel vor Gericht stehenden Juden haben ihre Geständnisse widerrufen und erklären nun, diese seien ihnen unter Druck abgerungen worden. Amerikanische Beobachter sprechen von einer «positiven Entwicklung».
Malcolm Hoenlein, Vizevorsitzender der Präsidentenkonferenz wichtiger jüdischer Organisationen der USA, bestätigte am Dienstag, Shahrokh Paknahad, Farzad Kashi, Nasser Levi Haim und Farhad Saleh, vier der 13 in der iranischen Stadt Shiraz wegen angeblicher Spionage für Israel vor Gericht... more...

Todeslisten der Neonazis

von Samuel Laster, October 9, 2008
Immer häufiger bedrohen Rechtsextreme Gewerkschafter, Politiker und Künstler in Deutschland. Für ihre Aufrufe nutzen die Neonazis oftmals die Anonymität des Netzes. Laut dem Wochenmagazin «Der Spiegel» berichtete das Bundeskriminalamt am Wochenende von Listen im Internet, die Namen, Adressen und Fotos von Personen aus der gesamten linken Szene beinhalten - ein Aufruf zur Gewalt gegen diese Vertreter inklusive.
Der Leiter des BKA betont zwar, bisher habe es keine Anschläge gegeben, die mit den Listen in Zusammenhang gebracht werden können, Sicherheitsexperten des BKA beobachten die Situation dennoch mit wachsender Sorge. So gibt es laut BKA-Präsident Kersten bereits 330 einschlägige Homepages. Die... more...

Wahlkampf lässt grüssen

von Gisela Blau, October 9, 2008
Auch Jugend schützt vor Torheit nicht. Die SVP geht in ihrem neuesten Pressedienst, der praktisch ganz der «Gold-Initiative» gewidmet ist («Überschüssige Goldreserven in den AHV-Fonds»), ganz schön zur Sache. Der Wahlkampf lässt grüssen. Da legt sich nicht nur der geistige Vater der Vorlage, der Zürcher Kantonalparteipräsident Christoph Blocher, ordentlich ins Zeug.
In der jüngsten Ausgabe des SVP-Pressedienst beschreibt Christoph Blocher, wie der Bundesrat «unter dem Druck von Kreisen aus den USA» 500 der 1300 überflüssigen Tonnen der Goldreserven der Nationalbank «einer -Stiftung solidarische Schweiz-» zuführen wolle. Noch schärfer formuliert eine... more...

Zwischen Farce und Manipulation

von Yves Kugelmann und Julia Goldmann, October 9, 2008
Eine im Februar von der UNO-Vollversammlung erlassene Resolution verlangt eine Konferenz über «Massnahmen zur Durchsetzung der 4. Genfer Konvention (die Sicherung der Menschenrechte in Kriegsgebieten, Anmerkung der Redaktion) in den besetzten Gebieten inklusive Jerusalem». Als Organisator wurde die Schweiz bestimmt. Ob am 15. Juli allerdings eine Konferenz stattfindet, an der Vertreter der 188 Signaturstaaten der Konvention zusammentreffen, ist derzeit mehr als ungewiss. Israel und Amerika haben eine Teilnahme bereits verneint.
Die Genfer Konferenz wird auf das Verlangen der UNO-Vollversammlung hin organisiert, die am 9. Februar mit überwältigender Mehrheit die Einberufung der Signaturstaaten der Konvention gefordert hat, welche die Behandlung der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten fixiert. Von den Unterzeichnern der... more...

Der Garant der Einheit

von Yitzchak Mayer, October 9, 2008
Im Alter von 90 Jahren starb vergangene Woche in der Nacht auf Freitag Josef Burg, der Kosmopolit und Staatsmann des religiösen Zionismus. Nicht weniger als 35 Jahre war er als Mitglied diverser israelischer Regierungen Minister. Sein langjähriger Freund und Weggefährte Botschafter Yitzchak Mayer würdigt Leben und Werk einer epochalen Figur.
Die Last der Jahre machte sich schliesslich bemerkbar. Nicht wenn er sprach. Nicht einmal wenn er zuhörte. Sein Geist war kristallklar, seine Gedankengänge prägnant und präzise. Sein Witz so spontan wie eh und je und seine schneidende Ironie so scharf wie vor Jahrzehnten. Aber er war mehr als... more...

Musik an einem dunklen Ort

von Walter Larpart, October 9, 2008
Kein musikalisches Werk gab den Lagerinsassen von Theresienstadt 1943/44 soviel Mut und Kraft wie die mehr als fünfzigmal aufgeführte Oper «Brundibár» für Kinder. Das zweiaktige Bühnenstück wurde dort zum Symbol für den künstlerischen Widerstand. Sein Autor, der tschechisch-jüdische Komponist Hans Krása, kam vor hundert Jahren in Prag zur Welt. Die übrigen Werke des in Auschwitz ermordeten Musikers stehen immer noch im Schatten der mehrfach auf CD eingespielten Kinderoper.
Zu ihrer Zeit wurde die von einem Leierkastenmann und Schulkindern handelnde Komposition, die schon 1939 anlässlich eines staatlichen Wettbewerbs entstanden war, ausserhalb der Theresienstädter KZ-Mauern zuerst durch einen dort gedrehten nationalsozialistischen Propagandafilm bekannt. Der Streifen... more...

Zivilcourage - oft ein Fremdwort

October 9, 2008
Die Weltgeschichte hat oft eine tragische Wende genommen - nicht nur weil böse Menschen am Werk waren, vielleicht ebenso oft, weil es Menschen an Zivilcourage mangelte. Ich denke da beispielsweise an das Hitler-Regime und den zweiten Weltkrieg. So lange alles in Hitlers Sinn verlief, jubelten ihm... more...

Aus der Sackgasse ausbrechen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Was machen wir jetzt also mit der verfahrenen «Aktion gegen Österreich»? Der Aufschrei Europas gegen den unsäglichen Pakt der ÖVP mit dem «braunen» FPÖ-Demagogen Haider war ein richtiger Warnschuss. Und doch, langsam tritt automatisch die Tagesordnung ein und viele fragen sich, wie man da... more...

Von «Business Angels» und Wundern

von Esther Müller, October 9, 2008
«Gut Ding will Weile haben» besagt ein altes Sprichwort. Dass dies nicht immer zutreffen muss, zeigt die offizielle Einführung eines Nebenfach-Studiengangs für Jüdische Studien und die offizielle Errichtung des Institutes für Jüdische Studien der Universität Basel, die am Dienstag feierlich begangen wurden. Zu verdanken ist dies ganz wesentlich Branco Weiss, der mit einer Stiftung von 5 Millionen zwei Lehrstühle finanziell gesichert hat.
Eine beachtliche Anzahl von Menschen hatte sich im Innenhof des Wildt\'schen Hauses bei strahlender Abendsonne versammelt, um diesen Anlass gemeinsam zu begehen. Eine bunt gemischte Gesellschaft lauschte den Worten Professor Gäblers, dem Rektor der Universität, der als erster am Rednerpult stand.... more...

Sind Sanktionen gegen Iran ein Fehlschlag?

October 9, 2008
Während die internationale Gemeinschaft die über zehn iranische Juden verhängten Gefängnisstrafen verurteilt (vgl. Seite 2), werden die Stimmen von jüdischen Politikern und Aktivisten, die eine Bestrafung des Iran in irgendeiner Form verlangen, immer lauter. Die zehn streng religiösen Juden... more...

Sich an den Schmerz gewöhnen

October 9, 2008
Man braucht kein fanatischer Anhänger des Konzeptes eines Gross-Israels zu sein, um angesichts der Szenen von der Evakuierung von Juden vom Boden des Landes Israel ein Zerren im Herzen zu spüren. Jede Evakuierung greift ans Herz: Das verzweifelte Festhalten am Haus, die Möbel im Freien, die... more...

Zurück in die Wüste?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Immer mehr macht es den Anschein, als ob das Volk Israel zum zweitenmal nach dem Auszug aus Ägypten in die Wüste geschickt würde. Im Gegensatz zu damals aber, als die Juden den Aufenthalt in der Wildnis nutzten, um sich zum Volk durchzumausern und sich der Schlacke ägyptischer Sklaverei zu... more...

Notizen eines unverbesserlichen Optimisten

October 9, 2008
In Kalifornien geboren, in Wien, Berlin und Salzburg aufgewachsen, kehrte ich, nach längerer Wohnsitzsuche über Basel, Los Angeles, Jerusalem, für mehrere Jahre nach Wien zurück. Dann wurde Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten gekürt, und ein damals mittdreissigjähriger,... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Film. Der Dokumentarfilm «Closed Country» ist in jedem Wortsinn ausgezeichnet. Er berichtet parallel über das Schicksal der Geschwister Sonabend und ihre späte Begegnung mit Menschen, die 1942 für die Deportation der Familie über die Schweizer Grenze verantwortlich waren. Und über das... more...

Die Demokratie benötigt klare Spielregeln

October 9, 2008
Selbst kurzfristige Prognosen sind derzeit ein reines Glücksspiel in Israel: das heisst nicht, dass sie nicht unentwegt laufen mit sehr verschiedenen Ergebnissen von heute auf morgen, oder auch am selben Tag. Das Raten fängt bei der Diagnose an, aber auch irrige Diagnosen können zu richtigen... more...

In Ramat Gan ist fast jeder Markt vertreten

von Sharon Kanon, October 9, 2008
Israel hat zwar keine eigenen Diamantenminen, doch ist das Land weltweit führend im Schleifen der Steine und im Handel mit ihnen. Israel produziert rund 70% der in den Schmuckstücken in aller Welt benutzten geschliffenen Diamanten. Sein aus vier Gebäuden bestehender Diamanten-Komplex in Ramat Gan beherbergt 1200 private Büros, in welchen praktisch alle Märkte der Welt vertreten sind. Die Diamantenbörse verfügt auch über den grössten Saal der Welt, in dem die glitzernden Steine gekauft und verkauft werden.
«Israel ist ein Supermarket für Diamanten», sagt Efraim Raviv, Direktor des Israelischen Diamanten-Institutes. Stellen Sie sich vor, Sie spazieren einen Gang hinab und wählen sich einen Stein aus zwischen einen geschliffenen zweikarätigen smaragdförmigen, einem runden 8-Punkter, einem... more...

Geburtstag mit Fragen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Auge, Ohr und Herz kamen auf ihre Rechnung an der würdigen Feier zum 75. Geburtstag der Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinschaft Zürich. Das Innere des Gotteshauses war prächtig mit Blumen geschmückt, und die voll besetzten Reihen vermittelten das Bild einer intakten Gemeinde. Ein... more...

Vertrauen wieder hergestellt

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Das erste Misstrauensvotum überstand das Kabinett Barak diese Woche erwartungsgemäss problemlos. Trotzdem hängt der Haussegen in der noch jungen Koalition schon leicht schief, wirft Innenminister Natan Sharansky (Israel be-Alijah) Premier Barak doch vor, den Absprung von zwei Abgeordneten aus seiner Partei stillschweigend geduldet zu haben. Barak selber kümmert sich dieser Tage allerdings eher weniger um innenpolitisches Vorgehen und konzentriert sich auf die Kontakte zu den arabischen Nachbarn und zu Präsident Clinton. Hier kann er bereits eine wesentliche Verbesserung der Atmosphäre verzeichnen, weiss aber, dass er früher oder später mit konkreten Beschlüssen wird aufwarten müssen.
Mit 63:31 Stimmen bei sechs Enthaltungen (und 20 abwesenden Knessetmitgliedern) überstand die Regierung Barak am Montag abend das erste, vom Likud eingebrachte Misstrauensvotum ihrer noch jungen Karriere zwar erwartungsgemäss problemlos, doch zeichnen sich für den Premierminister schon die ersten... more...

Verehrung und Verachtung

von Channa Zaidner, October 9, 2008
Die Stellung der Frau in der Tora ist zwiespältig. Einerseits stösst man auf frei entscheidende, selbstständige Frauen wie die im direkten Kontakt mit dem Schöpfer stehende Stammmutter Sarah. Wir kennen die Prophetin Miriam und die Richterin Debora. Andererseits sind die Frauen nur am Rande oder überhaupt nicht erwähnt und z. B. bezüglich Erbfolge, Eheschliessung und Scheidung oder Zeugenaussage nicht gleichberechtigt. Im Talmud erfährt dieser Gegensatz noch eine zusätzliche Dimension: auf der einen Seite wird die Frau in den höchsten Tönen gelobt, auf der anderen Seite finden wir eine tiefe Verachtung ihr gegenüber. Wie die Halacha die rituellen Pflichten der Frau definiert und warum es anders kam.
Beide Wertsysteme - Verehrung und Verachtung - existieren nebeneinander. Beide dienten den Propheten als Metapher: in Eichá ist es die treulose und entblösste Tochter Zijons als Metapher für das zerstörte Jerusalem, im bekannten Eschet Chajil die allumsorgende Hausfrau als Metapher für die... more...

Schönbergs Wiener Kreis

von Walter Labhart, October 9, 2008
Nachdem der Nachlass des in Wien geborenen, im Exil in Los Angeles verstorbenen Komponisten, Dirigenten, Musikpädagogen, Malers und Schriftstellers Arnold Schönberg (1874-1951) im Frühjahr 1998 von Kalifornien an den Geburtsort überführt worden war, nahm das Schönberg-Center als Privatstiftung seine Vermittlertätigkeit mit Konzerten, Vorträgen und Ausstellungen auf.
Wie wichtig die Unterrichtstätigkeit in Schönbergs Leben schon vor der Leitung einer Meisterklasse für Kompositionen in Berlin (1925) war, bringt noch bis zum 7. Januar im Palais Fanto eine Sonderausstellung zum Ausdruck. Sie vermittelt unter dem Titel «Arnold Schönbergs Wiener Kreis» anhand... more...

Medienjuden

October 9, 2008
War es nicht ein bekannter Philosoph, der mit verblüffender Vorahnung bereits Mitte des 19. Jahrhunderts haargenau erfasste, was unsere Medienwelt im Innersten zusammenhält? Mit spöttischem Lächeln quittierte er das Treiben seiner Zeitgenossen: «Selbstbespiegelung ist erlaubt, wenn das Selbst... more...

Ein geistiges Feuerwerk

October 9, 2008
Der 38-jährige, aus Basel stammende und heute mit seiner Frau und fünf Kindern in Toronto lebende Arzt Beni Gesundheit nutzte einen Aufenthalt in der Schweiz, um im Zürcher Minjan Wollishofen am vergangenen Schabbat zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinem tiefen und facettenreichen Wissen zu begeistern und zu beeindrucken.
Sigi Pugatsch, Präsident des Minjan Wollishofen, ein von Berufes wegen rhetorisch beschlagener Mensch - er ist Anwalt - , fehlten schlicht die Worte, als er am Ende des vergangenen Schabbats Beni Gesundheit für die beiden Vorträge dankte. Das geistige Feuerwerk, das Gesundheit insbesondere am... more...

Ein antisemitisches Staatsverbrechen

von Henry Hajdenberg, October 9, 2008
Seit der Gefangennahme der dreizehn angeklagten Juden im Iran, versuchen weltweit offizielle jüdische Stellen - darunter auch der SIG -, allen voran die Juden in Frankreich, hinter den Kulissen einen möglichst baldigen Freispruch zu erlangen. Henri Hajdenberg, Präsident des CRIF (Repräsentativer Rat der jüdischen Organisation Frankreichs) und des European Jewish Congress schildert im folgenden Artikel die momentane Lage.
In Schiraz - im Iran - wird gerade kaltblütig ein Staatsverbrechen gegen Juden vorbereitet. Die «Justiz» der Ayatollahs organisiert diese Untat, derengleichen man seit Stalins Zeiten kaum mehr erlebt hat.Die Methoden des sowjetischen Diktators werden hier erneut angewandt: willkürliche... more...

Kein Verlass auf Israels Bankiers

von Yair Sheleg, October 9, 2008
Wenn es um die Bereitschaft geht, Informationen über ruhende Konten aus der Holocaust-Periode zur Verfügung zu stellen, erweisen die israelischen Bankiers sich leider als wenig besser als ihre Schweizer Kollegen.Unlängst nahmen die Direktoren aller israelischen Grossbanken an einem Treffen der... more...

Terroristen wollen Verhandlungen torpedieren

von George Szpiro, October 9, 2008
Bei einem Anschlag wurden am Dienstag zwölf Israelis verletzt. Der palästinensische Attentäter wurde von Polizisten erschossen. In der Nacht zuvor hatte die israelische Polizei eine vom Wakf, der islamischen Behörde zur Verwaltung der Heiligtümer, illegal erstellte Öffnung am Tempelberg zumauern lassen. Am vergangenen Donnerstag hatte Ehud Barak der Knesset fünf neue Minister vorgestellt. Die israelische Regierung wünscht einen Aufschub des Truppenrückzugs in Cisjordanien bis zur Aushandlung des permanenten Status der Gebiete.
Bei einem Anschlag bei der sogenannten Nachshon-Kreuzung zwischen Jerusalem und Tel Aviv ist am Dienstag der palästinensische Attentäter ums Leben gekommen. Insgesamt wurden zwölf Soldatinnen und Soldaten verletzt, eine von ihnen schwer. Der Attentäter hatte kurz vor acht Uhr früh zweimal... more...

Mittelmeer / Restitution - Jüdischer Besitz in arabischen Staaten

von Daniel Kurtzman, October 9, 2008
Über 50 Jahre, nachdem islamische Staaten begonnen hatten, Juden aus nahöstlichen und nordafrikanischen Ländern zu vertreiben, haben jüdische Kreise eine massive Kampagne lanciert, um die finanziellen Verluste zu dokumentieren, welche diese Juden durch Zurücklassung ihrer Besitztümer bzw. durch Enteignungen erlitten haben. Die Forderungen könnten mehrere Milliarden Dollar betragen.
Die Anstrengungen um Kompensationen für das von den Juden in arabischen Ländern zurückgelassene Vermögen könnten wesentliche Auswirkungen auf den Nahost-Friedensprozess haben. Die Bemühungen folgen im Kielwasser von beträchtlichen Erfolgen, die in den letzten Jahren in Europa bei der... more...

«Es geht um die Politik von Menschen für Menschen»

October 9, 2008
Bundesrätin Ruth Metzler setzt sich mit grossem Engagement für ein Nein zur «18-Prozent-Initiative» ein. Die Justizministerin plädierte für eine menschliche Ausländerpolitik und stellt der Initiative das neue Ausländergesetz entgegen, welches der Bundesrat im Juli in die Vernehmlassung gab. In rund zehn Tagen befindet das Schweizer Stimmvolk über die 18-Prozent-Initiative. JR-Mitarbeiterin Gisela Blau befragte Bundesrätin Ruth Metzler zur Schweizer Ausländer- und Asypolitik, zur Integrationsdiskussion, über immer wieder auftretende rechtsextremistische Tendenzen und über die Handlungsspielräume im Umgang mit Extremismus.
Jüdische Rundschau: Frau Bundesrätin, Sie engagieren sich für die Ablehnung der 18-Prozent-Initiative. Was stört Sie daran ganz persönlich, als Ruth Metzler, am stärksten?Ruth Metzler: Am meisten stört mich, dass die Initiative den Eindruck vermittelt, man könnte damit bestehende Probleme... more...

Wie real ist die Medienwirklichkeit?

von Yves Kugelmann und Jacques Ungar, October 9, 2008
Seit Wochen spielt sich in Nahost ein Showdown ab, ob dem die TV-Macher sich die Hände reiben. Kaum ein Thema zeitigt so hohe Einschaltquoten, wie das Säbelrasseln rund um Israel. Allen voran hat CNN, wie schon während des Golfkriegs, die jüngste Krise zur Chefsache erklärt. Denn bekanntlich... more...

Eine Frau im Kampf gegen Rechts

von Samuel Laster, October 9, 2008
Wenn Überfälle von Rechtsradikalen in Deutschland verübt werden und die Politik wieder einmal am Ende ihrer Möglichkeiten zu sein scheint, wie letzte Woche, als der Fall des 6-jährigen Josef bekannt wurde, der höchstwahrscheinlich vor 3 Jahren von Neonazis ertränkt wurde, dann wenden sich Politiker und Medien an eine Dame, die schon seit mehr als 10 Jahren gegen Rechtsextremismus vorgeht: Anetta Kahane.
Zusammen mit dem ehemaligen Staatsschützer Bernd Wagner betreibt Anette Kahane ein feines Netz von Initiativen, die bürgerliche Zivilgesellschaft als Weg gegen Rechtsextremismus aufzeigen. Eine bunte Koalition, die von Lodenjackenträgern bis zu Exponenten der linken Szene reicht, unterstützt die... more...

Rothschild vs. Nachama

von Igal Avidan, October 9, 2008
Obwohl er vergangene Woche von drei moslemischen Jugendlichen angegriffen wurde, plant der liberale Rabbiner Walter Rothschild weiterhin in Berlin zu bleiben und sogar für den Vorsitz der grössten jüdischen Gemeinde in Deutschland zu kandidieren. Überraschend verkündete auch der jetzige Vorsitzende, Andreas Nachama, zu den Wahlen am 18. März anzutreten, vorerst für zwei Jahre.
Rabbiner Rothschild wurde kurz nach dem Angriff am vergangenen Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen. Er wurde an seinem linken Auge verletzt. Der mutmassliche Täter, ein 15-jähriger Iraker, und seine zwei gleichaltrigen Begleiter, ein Libanese und ein Türke, wurden vorläufig festgenommen.... more...

«Exit» für Glatzköpfe

von Samuel Laster, October 9, 2008
Der deutsche Innenminister Otto Schily will Aussteiger aus der Naziszene mit Jobs, Wohnungen und wenn nötig sogar neuen Identitäten versorgen. Für reuige Rechtsradikale soll eine Telefon-Hotline geschaltet werden. Bis zu 100 000 Mark, so Schilys Schätzungen, werde das Programm pro Person kosten. Bei den Verfassungsschutzämtern ist man betont zurückhaltend.
Otto Schily verkündete das Programm über den SPIEGEL, erst am Montag danach wurden ein Grossteil der föderalen Verfassungsschutzbehörden informiert. Bernd Wagner, ehemaliger Staatsschützer in der DDR, betreibt seit November letzten Jahres EXIT, ein an das schwedische Modell des EX-Nazis Kent... more...

Geteilte Emotionen - Jerusalem

von Ernst Ludwig Ehrlich, October 9, 2008
Das Problem Jerusalem ist von einer brennenden Aktualität, weil hier der entscheidende Anstoss vorliegt, noch nicht zu einem Friedensabkommen gelangt zu sein. Zwar wollte Arafat den Palästinenser Staat am kommenden 13. September ausrufen, aber nicht nur die USA und die EU-Staaten, sondern auch... more...

«Lasst euch nicht einschüchtern!»

von Ralph Giordano, October 9, 2008
Ralph Giordano blickt im folgenden Essay für die JR auf die Entwicklung Deutschlands seit der Wiedervereinigung zurück. Giordano - der ein scharfer Beobachter der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in der BRD ist und als moralische Stimme allseits wahrgenommen wird - wurde 1923 in Hamburg geboren. Der jüdischen Mutter wegen fiel die Familie in Hitler-Deutschland unter die Rassengesetze - Entrechtung, Schulverweisung, Gestapoverhöre, Illegalität. Seit der Befreiung am 4. Mai 1945 arbeitet er als Journalist, Fernsehdokumentarist und Schriftsteller (u.a. «Die Bertinis», «Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte», «Die zweite Schuld oder Von der Last, Deutscher zu sein», «Israel um Himmels Willen Israel»).
Erinnern wir uns - 1991/92: Über das eben wiedervereinte Deutschland raste ein wahrer Flächenbrand des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit, mit einer geradezu inflationären Dimension von Straftaten jeglicher Form: Männer, Frauen und Kinder wurden krankenhausreif geschlagen, mit Stichwaffen... more...

Stolz hielt sie die Flamme

von Doron Rosenblum, October 9, 2008
Menschen wie die im Alter von 72 Jahren verstorbene Leah sind heute seltene Erscheinungen. Eine starke, dominierende Frau, die ihr ganzes Wesen voller Überzeugung und Hingabe dem Erfolg und der Karriere ihres Mannes widmete, und dann der Aufgabe, die Erinnerung an ihn für alle Ewigkeiten unsterblich zu machen.
In Israel ist die Gesellschaft entweder gewöhnt an bescheidene Frauen, die im Hintergrund bleiben und nur dann in der Öffentlichkeit erscheinen, wenn es sich nicht vermeiden lässt, oder dann an weibliche Politiker und Geschäftsleute mit eigenen, unabhängigen Karrieren.Leah Rabin war... more...

Wettlauf gegen die Zeit

von Anton Legerer, October 9, 2008
Das lange erwartete Angebot der österreichischen Bundesregierung, vertreten durch Sonderbotschafter Ernst Sucharipa, wurde bei den Verhandlungsrunden am 21. und 22. Dezember in Washington auf den Tisch gelegt: die Zahlung von (weiteren) 150 Millionen Dollar durch einen von Mitteln aus der Wirtschaft gespeisten Fonds. Mit diesem Betrag soll die bereits im Zuge der Streitbeilegung in Sachen Zwangsarbeiter (die JR berichtete) vereinbarte Entschädigungssumme für «arisierte» Mietwohnungen, Geschäfte, Hausrat und persönliche Habe in Höhe von ebenfalls 150 Millionen Dollar auf eine Gesamtentschädigungssumme von 300 Millionen Dollar aufgestockt werden. Für die kommenden drei Wochen sind zwei weitere Verhandlungsrunden angesetzt. Die kurzen Intervalle zwischen den Verhandlungsrunden trügen den Eindruck einer baldigen Einigung. Das ergaben die Recherechen der JR. Die Anwälte - sie hatten zuletzt etwas mehr als eine Milliarde Dollar gefordert - zeigen sich darüber ebenso erbost wie Opfervertreter aus Israel und Vertreter der Claims Conference.
Das nahe Ende der Clinton-Regierung, zugleich Ende der Amtszeit des US-Vizefinanzministers Stuart E. Eizenstat, hält die Verhandler in Sachen Entschädigung und Rückstellung des «arisierten» jüdischen Vermögens in Österreich auf Trab: in insgesamt wenigen Monaten - die erste offizielle... more...

«Das Blatt der Mitte»

Iinterview Marc D. Herzka, October 9, 2008
Vor 10 Jahren wurde das zweiwöchentlich erscheinende, englischsprachige Magazin «The Jerusalem Report» in Jerusalem gegründet. Inzwischen hat sich die Zeitschrift weltweit etabliert. Die JR sprach mit Chefredaktor David Horovitz über Journalismus, Israel und die Medien.
Jüdische Rundschau: Wie definieren Sie die inhaltliche Linie des Jerusalem Report?David Horovitz: Unsere Aufgabe ist es, umfassend über Israel, den Mittleren Osten und die jüdische Welt zu berichten. Und dies in einer Weise, die so exakt und ausgeglichen wie nur irgend möglich ist. Wir haben... more...

«Sharon, Symbol für Repression und Unnachgiebigkeit»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Das Bild Israels in den Medien hat sich vom David zum Goliath verwandelt, und die Sympathien der Medien gelten heute eher den politischen Anliegen der Palästinenser. Das ist eine der Schlussfolgerungen der Untersuchung «Israeli und Palästinenser im Spiegel der Medien», welche der «Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft» (fög) der Universität Zürich unter der Leitung von Professor Kurt Imhof im Auftrag jüdischer Organisationen der Schweiz durchgeführt hat. Der Bericht unterstreicht zudem, dass Ariel Sharon in den beobachteten Medien als «Symbol einer repressiven, unnachgiebigen Politik gegenüber den Palästinensern» dargestellt wird.
Mit zunehmender Dauer der el Aksa-Intifada gewann der Medien-Konsument den Eindruck, Zeitungen, Radio und Fernsehen in Europa würden das Geschehen betont anti-israelisch und pro-palästinensisch wiedergeben und kommentieren. Zur Hinterfragung dieses Eindrucks gaben die Anti-Diffamationsliga (ADL)... more...

Ungewissheit und Spannung

von Jacques Ungar, October 9, 2008
76 jüdische Familien führen in der Ortschaft Eshchar in Galiläa ein beschauliches, ruhiges Leben. Die Erwachsenen arbeiten auswärts und verbringen nur die Freizeit in Eshchar. Eine typische Schlafsiedlung also. Im Norden liegt das arabische Sakhnin, im Süden das jüdische Carmiel.
Die ursprünglich aus Zürich stammende Dvorit Golub-Russak - seit 17 Jahren in Israel - wohnt seit sechseinhalb Jahren in Eshchar in Galiläa, wo sie zusammen mit ihrem Mann drei Kinder im Alter von zwölf, neuneinhalb und zwei Jahren grosszieht. Dvorit ist gelernte Reiseagentin, arbeitet heute... more...

Endlich durchstarten gegen Rechts

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
Am 9. November vor 62 Jahren war es ein staatlich verordneter Terror, der Menschenleben vernichtete, Gebäude zerstörte und die Mehrheit der Bevölkerung wegschaute und diese Untaten duldete. Im Jahre 2000 rief der Staat zum Aufstand der Anständigen gegen eine Minderheit von rechtsradikalen Gewalttätern auf, um für Toleranz und Menschlichkeit zu demonstrieren. Über 200 00 Menschen gingen alleine in Berlin auf die Strasse.
«Ich hätte nie geglaubt, dass ich dafür wieder auf die Strasse gehen muss», sagte der 61-jährige Jörg Bergold der JR am Platz vor dem Brandenburger Tor. Dort hatten sich nämlich schon einige tausend Demonstranten versammelt, während vor der Synagoge in der Oranienburger Strasse noch der... more...

Ronald Lauder zeigt sich grosszügig

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Ein aussergewöhnliches Geschenk erhielten zum diesjährigen Chanukkafest bedrohte historische Synagogen in sieben Ländern: Zuwendungen von total 250 000 Dollars zum Zweck ihrer Erhaltung bzw. Rettung. Bedacht wurden Synagogen in Jugoslawien, Weissrussland, der Tschechischen Republik,Ungarn, Polen und der Ukraine sowie eine archäologische Stätte in Surinam mit den Überresten der ältesten Synagoge von architektonischer Bedeutung in der Neuen Welt.
Kurz vor Beginn des Chanukkafestes gaben der World Monuments Fund und die Ronald S. Lauder Stiftung ihre Absicht bekannt, bedrohten historischen Synagogen durch Geldzuwendungen helfen zu wollen. Die Lauder-Stiftung verpflichtete sich, in den nächsten 5 Jahren total eine halbe Million Dollar zur... more...

Wichtiges Urteil

von Samuel Laster, October 9, 2008
Ein litauisches Gericht verurteilte in der letzten Woche den 93-jährigen Kazys Gimzauskas für seine Beteiligung an Judenmord. Gimzauskas leidet an Alzheimer und wird deshalb nicht ins Gefängnis kommen. Sein Chef in der litauischen Sicherheitspolizei, Aleksandras Lileikis, starb vor wenigen Monaten friedlich im Bett. Die symbolische Verurteilung ist ein Meilenstein in der Auseinandersetzung Litauens mit der massenhaften Kollaboration mit den deutschen Besatzern zwischen 1941 und 1944.

Die Deutschen hätten es kaum geschafft, mehr als 94% der 220 000 Juden in der baltischen Republik zu ermorden, wenn nicht Litauer als allzu willige Vollstrecker mitgemacht hätten. An insgesamt 223 Orten in Litauen gab es jüdische Gemeinden. An 42 Orten wurden Juden noch vor Ankunft der Deutschen... more...

Ein Blick nach Osten

von Ellen Presser, October 9, 2008
«Jüdisches Leben in Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik gestern und heute» steht im Mittelpunkt der 13. Jüdischen Kulturtage in München. Das ambitionierte Programm der Gesellschaft zur Förderung Jüdischer Kultur und Tradition geht in Vorträgen und Filmreihen, in musikalischen und literarischen Beiträgen der Frage nach, wie sich jüdisches Leben und der Umgang mit jüdischer Kultur und Geschichte in den benachbarten osteuropäischen Ländern darstellt.

Gewissermassen als Präludium wurde im Filmmuseum neben einem Filmbogen, der von «Golem - wie er in die Welt kam» (1920) bis «Austeria» (Die Herberge, 1983) nach einem Roman von Julian Stryjkowski reichte, die israelische Dokumentarfilmreihe «PO-LAN-YA» gezeigt, eine Hommage an die... more...

Nicht die Juden, sondern Europa kämpft gegen die Rechtsextremen

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Die Drohungen der Europäischen Union und der Amerikaner mit Sanktionen konnten erwartungsgemäss den Einzug von Joerg Haiders FPÖ in die neue österreichische Koalition nicht verhindern. Diesmal stehen die Juden im Kampf gegen den Rechtsextremismus nicht im Zentrum, aber es werden Erinnerungen an den jüdisch geprägten Feldzug gegen Präsident Kurt Waldheim in den 80er Jahren wach.
Die Kontroverse um Joerg Haider weist Ähnlichkeiten mit der Affäre Waldheim auf, doch in verschiedenen Hinsichten unterscheiden sich die beiden Angelegenheiten deutlich voneinander. Waldheim bezog seine Unterstützung zu einem guten Teil aus einem zum Teil offen mit antisemitischen Tönen... more...

Schleichender Rückzug in Raten

von George Szpiro, October 9, 2008
Laut einem Vorhaben, das noch von der Regierung bestätigt werden muss, sollen kommende Woche zwei arabische, unweit von Jerusalem gelegene Dörfer in die palästinensische Autonomie entlassen werden. Eine Entscheidung über den künftigen Charakter der Stadt Jerusalem rückt näher.
Nach mehreren Anläufen soll kommende Woche die sogen. zweite Rückzugsphase stattfinden. Dabei sollen zum ersten Mal palästinensische Ortschaften in der Nähe von Jerusalem in die Autonomie entlassen werden. Laut Plan sollen die Dörfer Beitunia im Norden und Ubeidiya im Süden den... more...

Nazistischer Terror gegen Missliebige

October 9, 2008
Zu vier Monaten Gefängnis bedingt verurteilte vergangene Woche das Basler Strafgericht den 79-jährigen WalterG. Stoll. Das einstige Mitglied der Waffen-SS hatte als «Die Feldjäger vom Hochrhein» Basler Juden und Linke mit rassistischen bzw. antisemitischen Droh- und Hetzbriefen bedient. Stoll kündigte bereits Rekurs an.
«Dass sie endlich Ruhe geben», dies sei das Motiv seiner Schreiberei gewesen, erklärt Walter G. Stoll. Deshalb sandte er während Jahren Droh- und Hetzbriefe an jüdische oder linke Baslerinnen und Basler, die sich in Leserbriefen gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus wandten oder... more...

«Vergangenheit darf sich nicht wiederholen»

von Nicolas Penchaszadeh, October 9, 2008
Beim ersten Aufenthalt in den USA seit seinem Amtsantritt im vergangenen Dezember wiederholte der argentinische Präsident Fernando de la Rua die an die Juden gerichtete Bitte um Vergebung dafür, dass sein Land nach dem Weltkrieg Nazi-Verbrechern Unterschlupf gewährt hatte. De la Rua sprach mit jüdischen Gemeinde-Persönlichkeiten im Washingtoner Holocaust-Museum.
Viele von Hitlers Anhängern, unter ihnen so prominente wie Adolf Eichmann und Dr. Josef Mengele, fanden nach dem Weltkrieg Zuflucht in Argentinien. «Ich möchte im Namen des Landes um Entschuldigung bitten», sagte Präsident de la Rua, «für die Nazis, die bei uns untergeschlüpft sind. In der... more...

Sharon will die Regierung Barak unbedingt stürzen

Jacques Ungar, October 9, 2008
Israels Oppositionsführer Ariel Sharon verfolgt sein Ziel - ein Sturz der Regierung Barak und die Ausschreibung von Neuwahlen - unbeirrt. Am Montag wird die Knesset in einer Sondersitzung die Verhandlungen mit den Palästinensern und Baraks «Säuberungsaktion» im Aussenministerium diskutieren, und inzwischen versucht Sharon, in Gesprächen mit «wackligen» Knessetabgeordneten die 61 Stimmen zusammenzukriegen, die erfür die Annahme eines Misstrauensvotums gegen Ehud Barak braucht. Überschattet wird aber alles von Äusserungen Rabbi Ovadia Yosefs, dem geistigen Mentor der Shas-Partei. Seine inzwischen halbwegskorrigierte Behauptung, die Holocaust-Opfer seien Sünder, die zurückgekommen seien, um ihre Vergehen zu korrigieren, hat helle Empörung ausgelöst.
Likud-Chef Ariel Sharon macht offenbar ernst mit seiner Ankündigung, der wackligen, von Premier Barak geleiteten Koalition keine ruhigen Sessionsferien zu gönnen. Der Opposition jedenfalls ist es gelungen, die 20 Unterschriften zu mobilisieren, die nötig sind, um während der Ferien eine... more...

Das Gebet, Mittelpunkt der Synagoge

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Fast voll bis auf den letzten Platz war die Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinschaft Zürich, als am Sonntag- abend in einer schlichten, aber ergreifenden Feier des 75. Jahrestages der Errichtung des Gotteshauses an der Freigutstrasse gedacht wurde. Neben «Stammkunden» der alltäglichen Gebete sah man auch Leute unter den Anwesenden, die zwar noch Mitglieder der IRGZ sind, seit langem aber schon die zahlreichen grösseren und kleineren Minjanim frequentieren, die in den letzten Jahrzehnten wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Vertreter anderer Gemeinden, u. a. ICZ-Präsident Werner Rom, machten der jubilierenden IRG ihre Aufwartung, und nicht zuletzt auch Dr. Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes.
Umrahmt von gekonnten und ans Herz gehenden Darbietungen des Jugendchors «Pirchei Simcho Boys Choir Zurich» der Agudos Jisroel sprachen Gemeinderabbiner Daniel Levy und Rabbiner Schmuel Akiwa Schlesinger, Strassburg. Beide stellten Sinn und Wesen des Gebetes in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen,... more...

Tischa Beaw und die Erlösung

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Es gibt im jüdischen Schrifttum eine interessante Beziehung des Trauertages vom 9. Aw (Tischa Beaw) mit dem Kommen des Messias. Somit spannt der Tag für die Juden unmittelbar den Bogen von Vergangenheit zur Zukunft. Der folgende Artikel soll der Frage der Verbindung dieses Tages mit dem Gedanken der Erlösung nachgehen.
Im Jerusalemitischen Talmud (Traktat Berachot 2,4) wird von der Mutter des Messias erzählt, die klagt, weil am Tag der Geburt ihres Sohnes der Tempel zerstört worden sei. Es wird ihr beruhigend geantwortet, wenn der Sohn an der Zerstörung des Tempels einen Anteil habe, dann würde er auch seinen... more...

Ohne Aufsehen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Zu Beginn dieser Woche weilte der israelische Minister für Raumplanung, Yitzchak Levy, zu einem Arbeitsbesuch in der Schweiz. Im Mittelpunkt stand ein Treffen im Bundesamt für Raumplanung. Daneben standen ein Empfang bei Botschafter Mayer und ein privater Besuch in St. Gallen auf dem Programm.
Yitzchak Levy ist der erste israelische Repräsentant, der seit dem Regierungswechsel die Schweiz besucht. Nach der kurzfristigen Absage des lange angekündigten Besuchs des damaligen Premiers Netanyahu im November 1999 wartete man bisher vergeblich auf einen erneuten Termin eines Staatsbesuchs.... more...

Denkpause für ICZ

von Gisela Blau, October 9, 2008
Nein, ausgestanden ist die Krise in der ICZ noch nicht. Genau wie das neue Jahrhundert bei Null zu beginnen, ist auch gar nicht angesagt. Zu tief sind die Risse, die vor und nach den Vorstandswahlen entstanden sind. Nach allem ist jetzt eine Denkpause nötig. Aber eine äusserst aktive: Über... more...

Eine Partei sackt ab

October 9, 2008
Die Führer der israelischen Zentrumspartei (dort betrachtet sich jeder als wichtige Persönlichkeit) gleichen immer mehr den Passagieren, die versuchen, von einem sinkenden Schiff zu springen. Im Gegensatz zu den im Schiffsverkehr sonst üblichen Verhaltenskodex sind es bei der Zentrumspartei aber... more...

Auszahlungen

von Gisela Blau, October 9, 2008
Noch vor Beginn der Pessach-Feiertage sollen mehr als 100 000 bedürftige Holocaust-Überlebende in Israel einen ersten Check des humanitären Schweizer Fonds über 372 US-Dollars erhalten, den Gegenwert von 1500 Schekel.

Der von den World Jewish Restitution Organisations für Israel errechnete Gesamtbetrag von 59 Millionen Dollar konnte aus der Schweiz überwiesen werden und kam vergangenen Freitag auf einer israelischen Bank an. Die Wiedergutmachungsorganisationen in Israel nahmen 145 000 Antragsformulare entgegen;... more...

Leiden am «sterbenden Barbaropa»

von Walter Labhart, October 9, 2008
Als M.Y. Ben-Gavriêl im Jahre 1961 die «Ausgewählten Aufsätze» von Albert Ehrenstein herausgab und den 1932 in die Schweiz emigrierten, ein Jahr später praktisch verstummten Sprachkünstler zu den «Wortführern der Expressionisten» zählte, existierte der Autor der einst aufsehenerregenden selbstanalytischen Erzählung «Tubutsch» (1911) und der Gedichtsammlung «Der Mensch schreit» (1916) nur noch in lyrischen Anthologien.
In seinen sprachlichen Qualitäten vielleicht nur mit seinen Vorbildern Hölderlin und Rimbaud sowie mit Mynona und Trakl vergleichbar, führt er heute ein Schattendasein, von dem ihn die paar spärlichen Neuausgaben von Prosatexten aus der Zeit des engagiert mitgestalteten Expressionismus nicht zu... more...

Ein Rufer in der Wüste ist abgetreten

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Im Alter von 86 Jahren starb am 13. Juli in Washington Jan Karski, ein Held des polnischen Widerstandes, der vergebens versucht hatte, die Alliierten während des Krieges von den Nazi-Grausamkeiten des Holocausts zu überzeugen.
Juden wie Nichtjuden trauern gleichermassen um Jan Karski, den Helden des polnischen Widerstandes im 2. Weltkrieg, der letzte Woche in Washington im Alter von 86 Jahren gestorben ist. «Sich an Karski zu erinnern», sagte Prof. Michael Steinlauf aus Gratz, «ist gleichbedeutend mit der Erinnerung an... more...

Zwischen Panzertüren und Sicherheitskameras

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Vor den Hauptsynagogen in Rom und Wien schieben bewaffnete Polizisten rund um die Uhr Wache. Gottesdienstbesucher an den Hohen Feiertagen müssen sich in Rom und Milano einer Durchsuchung unterziehen, bevor sie das Gebäude betreten dürfen. Und wer in Budapest die Zentralsynagoge, das Jüdische Museum und Büros der jüdischen Gemeinde betreten will, muss durch einen Metalldetektor schreiten und sich erst noch eine Leibesvisitation gefallen lassen. Besucher der Gemeindebüros müssen darüber hinaus den Reisepass oder einen anderen Ausweis abgeben. Und auch in der Schweiz sind die Sicherheitsvorkehrungen in den letzten zehn Jahren beträchtlich erhöht worden.
Der letztwöchige Anschlag eines weissen Rassisten gegen ein jüdisches Gemeindezentrum in Los Angeles hat unter amerikanischen Juden Sorge über die Sicherheit in Synagogen und anderen jüdischen Institutionen in den USA ausgelöst. In Europa und anderen Orten der Welt demgegenüber gehören... more...

Fatale Manuskripte

von Tom Tugend, October 9, 2008
50 Jahre lang lagerten sie im Keller einer kleinen kalifornischen Bibliothek, und nicht einmal Holocaust-Forscher wussten etwas davon. Nun aber sind die Original-Manuskripte der Nürnberger Nazi-Gesetze in einem jüdischen Museum von Los Angeles ausgestellt und der ganzen Welt zugänglich.
Anfang der Woche gab das Skirball Cultural Center bekannt, dass es als zeitlich unbeschränkte Leihgabe das vierseitige Manuskript mit Adolf Hitlers Unterschrift erhalten hat, das 1935 die Juden Deutschlands jeglichen gesetzlichen Schutzes beraubt hatte. «Es ist, als hätten wir eine Originalkopie... more...

Entschädigung für Christoph Meili?

von Gisela Blau, October 9, 2008
Christoph Meili soll aus dem Vergleich der Schweizer Grossbanken mit jüdischen Organisationen eine Entschädigung erhalten. Elan Steinberg bestätigte der JR eine entsprechende Meldung der Agentur Reuters: «Wir befürworten sicherlich, dass Meili etwas von diesem Geld erhält, in Anerkennung seiner mutigen und selbstlosen Tat.» Steinberg wollte sich allerdings nicht auf einen Zeitpunkt oder gar eine Summe festlegen.

Meili hatte im Januar 1997 Dokumente vor der Vernichtung bewahrt, die im Keller der damaligen Bankgesellschaft (heute UBS) an der Zürcher Bahnhofstrasse im Shredderraum lagen. Sie zeigten, dass sich die Bank nicht an das kurz vorher vom Parlament verfügte Aktenvernichtungsverbot hielt. Im Mai 1997... more...

Gerangel um die Notstandsregierung

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Vielleicht wird Ehud Barak seine Notstandsregierung noch vor dem Wochenende verkünden, doch am Mittwoch sah es noch eher danach aus, als ob die an den Verhandlungen Beteiligten vor allem die Förderung ihrer eigenen politischen Karriere im Auge hatten und weniger das Schicksal der Nation. Für... more...

«Freiheit ist kein Geschenkartikel»

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Hannah Arendts Beiträge für den «Aufbau», in denen sie sich unter anderem für einen Staat in Palästina einsetzte, der auf die arabischen Einwohner Rücksicht nehmen würde, liegen erstmals in einem Buch gesammelt vor: «Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher. Beiträge für die deutsch-jüdische Emigrantenzeitung "Aufbau" 1941-1945.»
Als Hannah Arendt mit ihrem Mann und ihrer Mutter im Mai 1941 in New York ankam, lagen eine Verhaftung in Deutschland, das französische Exil und die Flucht aus dem Internierungslager Gurs hinter ihr. Hatte die Philosophie- und Theologiestudentin die «Judenfrage» noch langweilig gefunden und... more...

Baraks Fehler

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Schwenken wir für einmal in den Meinungspfad der breiten Öffentlichkeit ein und machen uns die Annahme zu eigen, Ariel Sharon werde zum neuen Premier Israels gewählt. Wie konnte es dazu kommen?Wenn ein weithin als «Kriegsgurgel» geltender Mann, dem die Formulierung und Verfolgung langfristiger... more...

Israels Europaträume haben Grenzen

von Joseph Canaan, October 9, 2008
In einem Interview mit dem wichtigen deutschen Wochenblatt «Welt am Sonntag» hat Israels Präsident Mosche Katzav unter anderem den Wunsch geäussert, die Europäische Union (EU) möge Israel als volles Mitglied aufnehmen. Schliesslich sei der jüdische Staat ein demokratisches Land und er könne nur hoffen, die Europäer werden gegen Israels Mitgliedschaft keine Bedenken anmelden. Das ist zwar ein frommer Wunsch, den viele teilen, jedoch die Chancen für die Realisierung dieses Anliegens sind gleich null.
Die Gründe sind politischer und wirtschaftlicher Natur. Vor allem ist zu berücksichtigen, dass Israel kein europäisches Land ist, denn laut den Statuten der EU kann nur ein Land in Europa Vollmitglied mit allen Rechten und Pflichten sein. Darüber hinaus ist Euroland bei der Aufnahme neuer... more...

Die Wiener Lektion

October 9, 2008
Europa hat seine Sanktionen gegen Österreich nicht aufgehoben, weil die Union zum Schluss gekommen wäre, in die Irre geführt worden zu sein oder weil Österreich sich irgendwie verändert hätte. Europa hat seinen Bann gegen Wien aufgehoben, weil die meisten europäischen Länder ihre Ausländer... more...

Tage hochgespannter Ungewissheit

October 9, 2008
Die bedrückenden Entwicklungen der letzten Wochen, die sich schon geraume Zeit vor dem umstrittenen Besuch Sharons auf dem Tempelberg angekündigt hatten, werfen viele Fragen auf; manche werden noch lange unbeantwortet bleiben. Sie sind nicht neu, doch solange der 1991 in Madrid eingeleitete und so... more...

«Wir sind gekommen, um zu helfen»

von Aluf Benn und Amira Hass, October 9, 2008
Nach den ersten Treffen Jerusalemer Offizieller, inkl. Premier Ehud Barak, mit den von ex-Senator George Mitchell geleiteten Fact Finding-Mission, welche die Ursachen der jüngsten Gewaltausbrüche eruieren will, scheinen die schlimmsten israelischen Befürchtungen ausgeräumt zu sein. Auch auf palästinensischer Seite gibt man sich zufrieden.
Möglicherweise wird ein Mitglied der Mitchell-Kommission, die in Israel und den Gebieten den Ursachen für die jüngsten Gewaltausbrüche auf den Grund gehen soll, permanent in Israel stationiert sein. Die Palästinenser, welche die Meldung verbreitet haben, sprechen in diesem Zusammenhang von... more...

Nicht das Ende der Welt

von Nitzan Horowitz und Daniel Sobelman, October 9, 2008
Der zumindest in seinem Ausmass überraschende Wahlsieg Ariel Sharons hat heftige Reaktionen in aller Welt ausgelöst. Während die neue amerikanische Administration gemischte Signale ausstrahlt, ist Yasser Arafat nicht unbedingt der Ansicht, die Wahl des Likud-Chefs zum neuen israelischen Premierminister müsse unbedingt das Ende des Friedensprozesses bedeuten. Eine eher abwartende Haltung stellt man in Europa fest.
Die Nachricht vom überwältigenden Wahlsieg Ariel Sharons hat in der neuen republikanischen US-Administration zu grundsätzlich zwei Reaktionen geführt. Auf der einen Seite sind jene Funktionäre, die an eine Fortsetzung des Friedensprozesses glauben, während andere sich pessimistischer äussern.... more...

«Koscherfleisch ist bis nach Pessach definitiv gesichert»

von Olivier R. Lasowsky, October 9, 2008
Koscherfleisch in der Schweiz kommt aus Frankreich. Nicht mehr lange - sagen Pessimisten. Sie prophezeien, dass sich die Maul- und Klauenseuche wie ein Lauffeuer über das europäische Festland ausbreiten wird und befürchten, dass das Bundesamt für Veterinärwesen ein Importverbot für französisches Frischfleisch verhängen wird. Die Verantwortlichen beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und den Koschermetzgereien hingegen sprechen von allgemeiner Panikmache durch die Medien und unrealistischen Massnahmen seitens des Bundes. Der SIG betont, dass die Maul- und Klauenseuche keine Gefahr für die Menschen darstelle, und deshalb ein Importverbot für Frischfleisch und Fleischwaren eine Überreaktion wäre.
Seit gut einem Monat wütet die Maul- und Klauenseuche (MKS) in England. Als sich diese Nachricht verbreitete, ergriff das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) präventive Massnahmen und erliess ein Einfuhrverbot von englischen Klauentieren, Frischfleisch und Fleischwaren. Obwohl auch die... more...

Ungefragte Fragen

October 9, 2008
Zu den politischen Gepflogenheiten der USA gehört es, dass jeder Kandidat für das Präsidentenamt (oder jedes andere öffentliche Amt) die Öffentlichkeit über seine Vergangenheit in Kenntnis setzt. Die Medien pflegen die Kandidaten mit früher gemachten Statements zu konfrontieren, mit ihren... more...

«Es besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs»

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
In Damaskus geboren, verfolgt der Nahostexperte Bassam Tibi den israelisch-palästinensischen Friedensprozess seit Jahrzehnten und kennt viele Protagonisten persönlich. Tibi lebt seit 1962 in der Bundesrepublik Deutschland, wo er an der Universität Göttingen als Professor für Internationale Beziehungen lehrt. Seit 1988 ist er "Bosch Fellow" der Universität Harvard. Im jetzt beginnenden Wintersemester hat er eine Gastprofessur am "Mosche Dayan Center" der Universität Tel Aviv. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann sprach mit Bassam Tibi über ein drohendes Ende des Friedensprozesses, die Figur Arafats und die Möglichkeit einer Rückkehr an den Verhandlungstisch.
jüdische rundschau: Alle kennen wir die Bilder der Gewalt in Israel der letzten Tage. Was spielt sich aus ihrer Sicht hinter den Kulissen zwischen der israelischen und der palästinensischen Führung ab?bassam tibi: Die Ereignisse spielen sich auf zwei Ebenen ab. Zwischen dem israelischen und... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
SIG-Nichtigkeitsbeschwerde. Gaston-Armand Amaudruz ist ein Altnazi und Holocaust-Leugner, ein Volksverhetzer, Rassist und Antisemit. Trotzdem soll er nach dem Willen des Kassationshofs des Waadtländer Kantonsgerichts nur drei und nicht 12 Monate ins Gefängnis. Die höhere Strafe war vom Lausanner... more...

Israels Rechtsextremisten regen sich

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Je mehr der Jerusalemer Tempelberg in den Mittelpunkt des religiös-politischen Tauziehens zwischen Juden und Moslems rückt, desto mehr machen Spekulationen die Runde, die von Attentatsplänen jüdischer Fanatiker gegen die Moscheen auf dem Berg sprechen.

Von systematischen Plänen rechtsextremer Organisationen oder Gruppen für Anschläge gegen moslemische heilige Stätten auf dem Jerusalemer Tempelberg könne keine Rede sein. Das erklärten anfangs Woche hochrangige israelische Polizeikreise als Reaktion auf Spekulationen in der Presse. Allerdings... more...

Arithmetik der Sinnlosigkeit

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Ein Rabbiner muss her für die Israelitische Gemeinde Basel (IGB). Nicht weil die beiden Kandidaten für den letzten Wahlgang Bokov und Jonas sonderlich gut wären. Nein, weil der dritte Kandidat - das Absolute Mehr - noch schlechter ist. Ein Rabbiner muss her, weil nicht er die Identität der... more...

Der Minister bleibt optimistisch

von Ruth Sinai und Haim Bior, October 9, 2008
166 300 Erwebsfähige waren im Juli in Israel als arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat musste eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 1,1% registriert werden. Seit Beginn des laufenden Jahres beträgt die Zunahme gar 2,2%. Der zuständige Minister glaubt trotzdem, die Arbeitslosigkeit senken zu können.
Mit fast 20% Arbeitslosen führt schon zum dritten aufeinander folgenden Monat die arabische Ortschaft Kafr Manda in Galiläa die Tabelle der von der Arbeitslosigkeit besonders geplagten israelischen Städte und Orte an. Bezeichnenderweise handelt es sich bei der Hälfte der 14 ersten Ortschaften... more...

«Der Rote Davidstern gehört zum Frieden im Nahen Osten»

von Bundespräsident Adolf Ogi, October 9, 2008
Wir stehen am Vorabend von Rosch Haschana 5761. Zeit der Besinnung, der Gedanken, Zeit der Wünsche. Im folgenden Grusswort wendet sich Bundespräsident Adolf Ogi anlässlich des jüdischen Neujahrfestes an die Jüdinnen und Juden der Schweiz und würdigt das wiederaufblühende jüdische Leben in Europa.
Das jüdische Volk begeht das Neujahrsfest 5761! Ich empfinde es seit früher Jugend als einen Reichtum des Lebens, dass verschiedene Kalender nebeneinander bestehen: Sie erlauben die Anteilnahme an den Traditionen und an der Kultur des Anderen - und für jeden Menschen gibt es den Anderen, die... more...

Arafat opfert seine Kinder

October 9, 2008
Alle israelischen Regierungen und Koalitionen waren sich, ungeachtet ihrer Zusammensetzung, in einem Punkte immer einig: In der extremen Unzulänglichkeit der Public Relations-Richtlinien des Landes. Meistens musste der Vorwurf nicht den mit der Umsetzung dieser Richtlinien beauftragten Agenturen... more...

Wie weiter?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Nach rund zweijähriger Arbeit der Rabbinerfindungskommission (Rafiko) beschlossen die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), dass nun über die drei nominierten Kandidaten Avigdor Bokov, Joël Jonas und David Zadok abgestimmt werden soll. Ein Entscheid, der nach einer intensiven... more...

Sonderbare Strafe für Verspätung

von Richard Allen Greene, October 9, 2008
Der Londoner Laurent Weinberger, ein jüdischer Broker, hat seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Brokerfirma Tullet & Tokyo Liberty, wegen rassistisch motivierter Diskriminierung verklagt. Gemäss der Anklageschrift wollte die Firma den Mann als Bestrafung für verspätetes Erscheinen zwingen, in Nazi-Uniform zur Arbeit zu kommen. Weinberger weigerte sich.
Laurent Weinberger, dessen Grossmutter in Auschwitz starb, wirft der Brokerfirma Tullet & Tokyo Liberty nicht nur vor, ihn zum Tragen einer Nazi-Uniform gezwungen zu haben, weil er zu spät zum Arbeitsplatz erschienen war. Darüber hinaus hätten sein Vorgesetzter und ein Kollege ihn auch... more...

Demokratie ist kein Luxus

October 9, 2008
Ob Ariel Sharons «Regierung Nationaler Einheit» dem Etikett gerecht sein wird, bleibt abzuwarten. Die ungewöhnlichen Umstände, unter denen sie gebildet wurde, spiegelt die Situation wider, in der ihre Arbeit begann. Zurückhaltung und Vorsicht sind diesmal besonders geboten; der Trieb, zu früh... more...

Zur Geschichte der Zukunft im Judentum

von Anton Legerer, October 9, 2008
Mit seiner jüngsten Ausstellung deckt das Jüdische Museum in Wien gleich mehr als sechs Jahrtausende ab. Die jungen Ausstellungsmacher Werner Hanak (Kurator) und Christian Prasser (Architekt) setzen den Beginn der Zukunft mit einer Rauminstallation von George Segal bei der «Vertreibung aus dem Paradies», dem Garten Eden an: Eva und Adam als die ersten Menschen, die mit einem unsicheren Morgen konfrontiert sind.
Am anderen Ende steht die Zukunft, verkörpert durch eine Millenniumsuhr, die die verbleibenden Tage bis zum Jahr 2000 der herkömmlichen und die knapp 240 verbleibenden Jahre zum Jahr 6000 der jüdischen Zeitrechnung zählt. Dazwischen: der Mensch in seinem jeweiligen Zeitrahmen, der durch die... more...

Kampf um das Feuilleton

von Heinz Roschewski, October 9, 2008
Zum 100-jährigen Bestehen des Verbandes Schweizer Presse, der Organisation der Zeitungsverleger, erschien kürzlich ein Buch mit Beiträgen von rund 50 Schweizer Schriftstellern und Schriftstellerinnen, von Josef Victor Widmann und C. A. Loosli über Hermann Hesse und Carl Spitteler bis Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch und Adolf Muschg zum Thema «Journalismus und Literatur im Zeitungsland Schweiz».
Der Herausgeber, Charles Linsmayer, selbst Literat und Zeitungsredaktor, wollte anhand von Beispielen und Meinungsäusserungen eine Ahnung davon vermitteln, was es in der Schweiz für Schriftsteller heisst, «für den Tag zu schreiben», bzw. in der Tagespresse zum Gegenstand von Kritik und... more...

Milch, Honig und auch Erdgas

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Jetzt ist es amtlich: Der Staat Israel verfügt über Erdgasreserven, die nach dem gegenwärtigen Stand die volle Versorgung der Wirtschaft für die kommenden 15 Jahre gewährleisten. Diese vom Minister für Nationale Infrastrukturen, Eli Suissa (Schas) unterzeichnete Mitteilung symbolisiert den Beginn eines ganz neuen Kapitels in der Geschichte des jüdischen Staates. Laut der Bibel ist Israel ein Land, in dem Milch und Honig fliessen. Jetzt gibt es auch Erdgas.
Bisher hat die Öffentlichkeit auf dieses Ereignis mit Zurückhaltung reagiert. Viele wollten es nicht so recht glauben, denn 52 lange Jahre haben Behörden und die explorierenden Gesellschaften an ihrer Glaubwürdigkeit Zweifel aufkommen lassen. Wiederholt veröffentlichten sie Zweckmeldungen, man... more...

Der Paukenschlag der grossen Steuerreform

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Für Israels Finanzminister Abraham Schochat und seine grosse Steuerreform beginnt jetzt der innenpolitische Countdown. Es gilt zahlreiche Hürden zu nehmen, um das Reformwerk termingerecht zum Jahresbeginn 2001 umzusetzen. In den kommenden sieben Monaten steht eine der heftigsten parlamentarischen Schlachten ins Haus. Die ersten Scharmützel haben bereits begonnen. Interessenten und Lobbysten blasen zum geballten Angriff auf die Reform, die ihre Privilegien und Protektionen bedroht.
Was Kassenchef Schochat beabsichtigt, ist praktisch das erste grosse innenpolitische Reformwerk der Regierung Barak, die seit einem Jahr an den Machthebeln in Jerusalem sitzt. Diese Reform soll die Wirtschaft umkrempeln. Ihre Kernstücke sind mehr soziale Gerechtigkeit durch Entlastung der hoch... more...

Für kulturelle Zwecke

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Zwei ungarische Synagogen, die während Jahrzehnten leergestanden haben oder für andere Zwecke benutzt worden sind, sollen renoviert werden. Gemäss den Plänen werden die Gebäude generellen kulturellen Zwecken dienen.
Zwei seit Jahrzehnten leerstehende Synagogen in Ungarn sollen renoviert und kulturellen Zwecken dienen. Zum Andenken an die im Holocaust zerstörten jüdischen Gemeinden soll der jüdische Charakter der Gebäude beibehalten werden. Die Synagoge in der Ortschaft Kunszentmarton südlich von Budapest... more...

«Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt»

October 9, 2008
Er hat mit seinen Büchern Millionen in Bann gezogen: Johannes Mario Simmel. Der Name ist Programm auf Bestsellerlisten. Der Erfolg stellte sich ein mit Themen aus der Realität: geistig behinderte Kinder, Umweltzerstörung, Computerviren, im Stich gelassene Jugend, landesvernichtende multinationale Gesellschaften, Gefahren der Genmanipulation und immer und immer wieder die Verbrechen der Nazis und der Neonazis. Mittlerweile hat er über 30 Bücher mit einer Weltauflage von rund 74 Millionen geschrieben, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann unterhielt sich mit Johannes Mario Simmel über die aktuellen Ereignisse in Deutschland, die Wirkung von Literatur und seine Beziehung zum Judentum.
Jüdische Rundschau: Johannes Mario Simmel, an was arbeiten Sie gerade?Johannes Mario Simmel: Ich habe in meinem Leben viele politische Essays geschrieben, Reden gehalten und sogar von Kanzeln gepredigt. Wenn ich sehe, was gerade in Deutschland und in anderen Ländern geschieht, habe ich oft das... more...

Unterscheiden, nicht spalten

von Rabbiner Michael Goldberger, Düsseldorf, October 9, 2008
Ganz anders als alle anderen Völker der Welt führen die Juden die gegenwärtige Jahreszahl auf die Schöpfungsgeschichte zurück. Die Zeitrechnung der Christen beginnt mit der Geburt von Jesus. Moslems begingen im vergangenen April ihr Neujahr. Sie schreiben seither das Jahr 1420. Ihre Zeitrechnung geht auf die Reise Mohammeds von Mekka nach Medina zurück. Auch die anderen Völker bestimmten für den Beginn ihrer Zeitrechnung ein für sie spezifisches Ereignis. Im Gegensatz dazu zählen wir die Jahre seit der Schaffung der ersten Menschen.
Adam und Eva waren keine Juden. Sie sind vielmehr die Ureltern aller Menschen dieser Welt. Das jüdische Volk wählte also ein Ereignis als Beginn der Zeit, welches alle Völker verbindet und drückt damit gleichsam aus, wie wichtig uns das Wohl der gesamten Welt ist. Wenn wir Rosch Haschana... more...

Politik und Religion

von Lev Krichevsky, October 9, 2008
Seine jüdischen Wurzeln wären ihm hinderlich bei seiner Kandidatur für das Parlament. Das sagte Lev Beresowski, einer der mächtigsten und reichsten Wirtschaftsmagnaten Russlands. «Natürlich existiert dieses Problem für mich in bezug auf die nächste Wahlkampagne», meinte Beresowski am Wochenende gegenüber der russischen TV-Station ORT, die er angeblich kontrolliert. In der Schweiz wird unter anderem gegen eine seiner Firmen ermittelt.
Letzte Woche hatte Lev Beresowski bekanntgegeben, dass er bei den Wahlen vom kommenden Dezember für die Duma, das russische Unterhaus, kandidieren werde. Allgemein wird angenommen, dass der Unternehmer vor einigen Jahren zum russisch-orthodoxen Glauben übergetreten ist. Trotzdem wird er von vielen... more...

Am Ende doch Recht gehabt

October 9, 2008
Die mit Pannen und chaotischer Geschäftsführung mittlerweile reich gesegnete bundesdeutsche Landschaft ist um eine unerfreuliche Affäre reicher geworden: Die umstrittene, von Rechtsaussen, aber auch von konservativer Seite gescholtene Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung... more...

Zukunft in der Wüste

October 9, 2008
In den Regalen der israelischen Buchhandlungen stehen Bände, die sich nicht so sehr mit dem gerade zu Ende gegangenen Millennium als mit dem letzten Jahrhundert beschäftigen: das Jahrhundert des Zionismus. Die Helden auf den Titelseiten sind Theodor Herzl und David Ben Gurion. Der Traum Herzls,... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Spät. In der NZZ erschien am Mittwoch ein Inserat, das ein Europäisches Bürgerforum in Basel offenbar von österreichischen Persönlichkeiten übernahm, die ihrerseits auf eine Art Kontaktanzeige der neuen schwarz-blauen Regierung reagiert hatten. Es wird gebeten, Bundespräsident Ogi... more...

Ursula Kochs letzter Auftritt

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Niemand hätte ahnen können, dass es ihr letzter Auftritt als SP-Parteipräsidentin sein würde. Denn wenige Stunden nach dem Freitagabendessen des Verbands Jüdischer Studenten Zürichs (VSJZ), liess Ursula Koch an der Parteivorstandssitzung in Bern brieflich ihren Rücktritt verkünden. Mit offenen und sehr persönlichen Worten beeindruckte Ursula Koch die Jugendlichen im «Haus der jüdischen Jugend».
«Es war schwierig, mit der Identitätsfrage aufzuwachsen», schilderte Ursula Koch in einem äusserst offenen Gespräch ihre persönliche Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte. Als Tochter eines aus Osteuropa stammenden Juden und einer christlichen Schweizerin war die Idenditätsfrage ... more...

Begegnungen aus 35 Jahren

von Gabi Rosenberg, October 9, 2008
Vor knapp drei Jahren berichtete die JR über eine Fotoausstellung von Erling Mandelmann in Zürich. Damals war die Rede von einem geplanten Buchprojekt (JR 30/1997), welches jetzt erfreulicherweise realisiert worden ist. Realisiert zudem genauso, wie es Mandelmann plante: als handliches, lebendiges Zeugnis von Begegnungen mit Menschen unserer Zeit.

Gute Portraitfotografie fasziniert immer wieder. Vielleicht, weil sie uns etwas von dem erhaschen lässt, was das Besondere eines Menschen ist. Als Laien können wir noch so viele Fotos unserer Lieben schiessen, sie werden nur ganz selten das erreichen, was ein Profi zustande bringt. Erling... more...

Stadt ohne Frieden

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Hoffnung, Sehnsucht, Erlösung, Frieden – Begriffe, welche Juden in aller Welt seit hunderten von Jahren mit Jerusalem verbinden. Doch die Geschichte der Heiligen Stadt war blutig, geprägt von Tod, Zerstörung und Trauer. Drei Fasttage erinnern daran, der höchste Trauertag am kommenden... more...

Die Schweiz auf der «Zuschauerbank» der Geschichte?

von Jacques Picard, October 9, 2008
Die Neutralität war ein kriegs- und konfliktbewältigendes Strategiemittel, das auf eine verlässliche Friedens- und Sicherheitsarchitektur zielen sollte. Die Gestalt des Krieges hat sich im Verlaufe der letzten hundert Jahre aber grundlegend gewandelt. Er entspricht gewiss nicht mehr jenem topografisch genau abgesteckten Feld, auf dem sich - wie zuweilen das Reden über die Neutralität evozieren will - zwei gegnerische Mannschaften gegenüber stehen, während der Neutrale als Zuschauer draussen bleibt, obwohl er von sich selbst glaubt, genau so gut spielen zu können.
Die Geschlossenheit des schweizerischen Neutralitätsverständnisses gründet in der Absicht, den Nationalisierungsprojekten der europäischen Grossmächte mit einem Gegenentwurf zu begegnen, der in der Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges einen neuen Höhepunkt in der Metaphorik erreichte.... more...

Bald Einigung mit Versicherungen

von George Szpiro, October 9, 2008
Die «Internationale Kommission für Versicherungsansprüche aus der Holocaust-Ära» hat vergangene Woche in Jerusalem ihre vierte Sitzung abgehalten. Die Kommission, die von dem ehemaligen amerikanischen Aussenminister Lawrence Eagleburger geleitet wird, ist paritätisch mit Versicherungsgesellschaften und mit Vertretern der amerikanischen Versicherungsaufsicht und jüdischer Organisationen besetzt.
Neben den Schweizer Unternehmen «Zürich» und «Winterthur», die allerdings nur eine untergeordnete Rolle spielen, sind auf seiten der Assekuranz die deutsche Allianz, die französische Axa und die italienische Generali vertreten. Aufgabe der Kommission ist es, zu prüfen, ob und wie... more...

Weit weg von der Wahrheit

von Ellen Presser, October 9, 2008
Seit Jahren recherchiert der strebsame Junganwalt Peter Rohm (Kai Wiesinger) für eine Mengele-Biografie. Das ist auch einem 87-jährigen Greis in der argentinischen Pampa nicht verborgen geblieben, der die Chance sieht, seine medizinischen Experimente im Schlachthaus Auschwitz zu erklären. Josef... more...

Ein echter sefardischer Wohltäter

von Marilyn Henry, October 9, 2008
Der Milliardär Edmond Jacob Safra, ein Bankier und Wohltäter, der am Freitag letzter Woche in seinem Penthaus in Monaco bei einem Brand erstickte, vereinigte in sich sefardische Toleranz und den konservativen Stil der Alten Welt. In den 67 Jahren seines Lebens gelang es Safra, das Imperium, das seine Familie noch im Ottomanischen Reich gegründet hatte, auszubauen. Am Montag gestand Safras Krankenpfleger, dass er den Brand legte, der zum Tod des Bankiers führte.
Edmond Safra, der an Parkinsonscher Krankheit litt, hatte eigentlich vorgehabt, sich aus dem Bankgeschäft zurückzuziehen. Der Verkauf seiner Republic National Bank of New York für den stolzen Betrag von 9,9 Milliarden Dollar an einen britischen Finanzgiganten stand vor dem Abschluss. Vor allem in... more...

Die Luftwaffe wird immer wichtiger

von Edgar Asher, Isranet, October 9, 2008
Israels Premierminister Ehud Barak hat wiederholt erklärt, seine Truppen bis Juli dieses Jahres aus dem Libanon zurückziehen zu wollen, und zwar unabhängig von einer Regelung mit Syrien oder Libanon. So wie die Dinge jetzt stehen, liegt die Erzielung irgendeiner Art von Abkommen mit Beirut bzw. seinem wahren Herrn und Meister in Damaskus in relativ weiter Ferne. Sicher ist zurzeit nur eines: Nach einem einseitigen Rückzug wird die Rolle der israelischen Luftwaffe (IAF) bei der Bewahrung der Integrität der Nordgrenze an Wichtigkeit gewaltig zunehmen.
Seit Beginn dieses Jahres wurden in Südlibanon zwar einige IDF-Soldaten in gut geplanten Attacken der Hizbollah-Miliz getötet oder vewundet, doch dank des Einsatzes der Luftwaffe (IAF) hat sich das Gesamtbild in den letzten zwölf Monaten eindeutig gebessert. Basierend auf sorgfältig... more...

Offene Fragen

October 9, 2008
Acht Jahre nachdem terroristische Bomben die israelische Botschaft in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zerstört hatten, geloben die örtlichen Behörden einmal mehr, die Verbrecher zu finden und der Justiz zu überstellen. Die Fragen nach Hintermännern der Tat bleiben aber vorerst unbeantwortet.

«Für alle Argentinier ist das eine offene Wunde», meinte Staatspräsident Fernando de la Rua an einer Zeremonie aus Anlass des achten Jahrestags des Anschlags auf die israelische Botschaft. An der Stelle, an der das Gebäude gestanden hatte, wurde ein öffentlicher Platz eingeweiht. Neben... more...

Nur Geist und Gottesglaube sind von Dauer

von Rabbiner Roland Gradwohl, October 9, 2008
Jerusalem ist gefallen. Im Jahre 70 erobert der römische Feldherr Titus die Stadt nach langer Belagerung. Tausende von Verteidigern sind tot. Der herodianische Tempel, eines der schönsten Baudenkmäler der Antike, wird ein Raub der Flammen. Wer heute Jerusalems Ausgrabungsstätten besucht, sieht die gewaltigen, vom Feuer angesengten Steinblöcke, die beim Brand den Abhang des Tempelbergs hinuntergerollt sind.
Für viele Juden beginnt mit der Zerstörung des Tempels die Zeit der zwangsweisen Deportation und Zerstreuung in alle Welt. Den im Lande Zurückbleibenden wird von Roms Gnaden eine gewisse interne Autonomie zugebilligt. Das Synhedrion, die geistig-religiöse Repräsentanz, bleibt erhalten, auch... more...

«Bösartig und verzerrend»

October 9, 2008
Die israelische Zeitung «Maariv» brachte dieser Tage die absonderliche Geschichte von Arbeitern des Keren Kayemeth Leisrael (Jüdischer Nationalfonds), die an einem Pflanzungszentrum bei Jerusalem von Touristen für zehn Dollar das Stück gepflanzte Setzlinge wieder ausgegraben und der nächsten Touristengruppe wieder zum Pflanzen offeriert hatten. Die Sache hat einige Diskussionen ausgelöst und den KKL offensichtlich in Verlegenheit gebracht. Wir veröffentlichen nachstehend die Stellungnahme des Jerusalemer KKL-Direktoriums im Wortlaut. Der «Maariv»-Artikel wird dabei als «bösartig und verzerrend» bezeichnet.
Mit der Art und Weise, wie «Maariv» die Fakten in seinem Artikel «Der grosse Baumbetrug» präsentiert hat, hat er dem langjährigen, landesweiten Baumpflanzungsprogramm des KKL Unrecht getan. Im Rahmen dieses Programms werden jedes Jahr 2,5 Millionen Setzlinge gepflanzt, inkl. 80 000 durch das... more...

Kontroverse in der Schweiz

von Gisela Blau, October 9, 2008
400 Dollar. Die Geldverteilung in Russland ist angelaufen. Der Schweizer Fonds für bedürftige Opfer von Holocaust/Schoa stellt jedem Begünstigten 400 Dollar zur Verfügung. Kein so kleiner Betrag, wie er hier wirken mag, denn russische Rentner erhalten im Jahr kaufkraftmässig höchstens zwischen... more...

Nizza / Gemeinden - Erste Generalversammlung des "European Jewish Council of Jewish Communities" Europas Juden auf der Suche nach neuer Identität

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Fast 600 jüdische Gemeindepersönlichkeiten und Vertreter aus 39 Ländern haben sich am letzten Wochenende zur ersten Generalversammlung des European Council of Jewish Communities (ECJC) im französischen Ferienort Nizza versammelt. Der Anlass wird als wichtiger Schritt in Richtung auf das formulierte Ziel der Schaffung einer neuen europäisch-jüdischen Identität gesehen.
Organisatoren und Teilnehmer der Versammlung von Nizza erklärten, der Anlass unterstreiche auch die neue Vision vom europäischen Judentum als \"dritte Säule\" des Weltjudentums neben den Juden Israels und der USA. Das Treffen war präzedenzlos, was Grösse, behandelte Themen und Zielsetzungen... more...

«Juden sollten nur in Erez Israel leben»

von Sid Singer, October 9, 2008
«Ein wenig ironisch ist es schon», meinte Gidon Sapir (34) gegenüber der Zeitung «Chicago Sun», «ich bin Hauptmann in der israelischen Infanterie, habe in Libanon und der Westbank gedient, und jetzt werde ich in Chicago niedergeschossen.» Sapir ist einer der sechs Juden, die am vergangenen Freitagabend in West Rogers Park, dem Viertel von Chicago mit der grössten orthodox-jüdischen Bevölkerung, auf dem Heimweg von der Synagoge vom weissen Rassisten Benjamin Nathaniel Smith (21), Mitglied der sogenannten «Weltkirche des Schöpfers», unter Beschuss genommen worden sind. Smith, der im Verlauf seines Amoklaufes noch zwei Asiaten erschiessen konnte, nahm sich später das Leben.
In der Vergangenheit war er mehrmals für die Verteilung von antisemitischer und Anti-Minderheiten-Literatur seiner Organisation verhaftet worden, zum letzten Mal im April. Die Anti-Diffamationsliga des Bnai Brith (ADL) hatte schon lange auf das von der «Weltkirche» verbreitete Hassmaterial... more...

Nichts Neues aus Zürich

von Hans Stuz, October 9, 2008
«Wie Recht er doch hat» lobte der SVP-Exponent Christoph Blocher im März 1997 ein Büchlein des Basler Holocaust-Leugners Jürgen Graf. Nach der Zweitveröffentlichung des Lobes sieht sich die SVP als Opfer einer «Schmutzkampagne» und will vergessen lassen, dass sie den Schmutz selbst geschaffen hat.
In Oerlikon-Zürich hatte Christoph Blocher seine Brandrede gegen die kritische Aufarbeitung der Schweizer Geschichte um den Zweiten Weltkrieg gehalten und auch die nationalistischen und antisemitischen Phantasien eines Teiles seiner Zuhörer und Anhänger bedient, da erhielt er den Brief eines... more...

«Grosse Völker mit alter Geschichte»

von Sharon Kanon, October 9, 2008
Auch als die politischen Beziehungen zwischen Israel und China unterkühlt waren - Peking unterstützte die nationalistischen palästinensischen Gruppen und unterhielt eine Botschaft in Gaza - blieben die militärischen und landwirtschaftlichen Kontakte unbeeinträchtigt. «Nicht jeder, der ein Freund meines Feindes ist», sagte Israels Präsident Ezer Weizman, ein überzeugter Verfechter der «chinese connection», «muss auch mein Feind sein.» Der wirtschaftliche Verkehr begann zu boomen, als China und Israel 1992 formelle diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten. Heute sind mindestens 100 israelische Firmen mit einem Büro in China vertreten, was im Vergleich zu den 270 dort repräsentierten US-Firmen beeindruckt. 1999 dürften Israels Exporte nach China einen Wert von 300 Mio. Dollar erreichen.
Auch wenn buchstäblich Welten liegen zwischen Israel und China - denken wir doch nur an Begriffe wie Grösse, Bevölkerung, Bedürfnisse und Politik - haben die beiden Länder viel gemeinsam. «Die chinesische Nation und die jüdische Nation», sagt Wang Changyi, der chinesische Botschafter in... more...

Europastrudel

von Gisela Blau, October 9, 2008
Ob es den «Herrn Doktor Haider» beeindrucken wird, wenn ich von nun an den heiss geliebten Apfelstrudel weder backen noch essen mag? Wenn Freunde Bedenken bekommen, ihre Ski- oder Golfferien wie bisher in Österreich zu verbringen? Wenn Prominente ihre Auftritte in Wien absagen? Es geht nicht um... more...

Klein aber fein

von Esther Müller, October 9, 2008
Der Vorlesungssaal war dicht besetzt, als am Montagabend die Wanderausstellung «Juden in Polen» offiziell in Basel eröffnet wurde. Judentum in Polen, so der Rektor der Universität, Ulrich Gäbler, weckt viele Assoziationen - positive wie die der Stetl-Kultur, schreckliche wie die von Auschwitz oder Treblinka.

Gäbler sprach von «Gefühlen der Scham und des Versagens» angesichts des Leidens und der Ermordung von Millionen Juden und damit auch dem Untergang einer reichen, farbigen Tradition und Kultur. Die in Krakau konzipierte und gestaltete Wanderausstellung wird vom Historischen Seminar der... more...

Erinnern Sie sich?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Erinnern Sie sich an die Intifada der 80er Jahre? Palästinenser in der Westbank und im Gazastreifen bewarfen israelische Soldaten mit Steinen, Molotow-Cocktails und anderen Gegenständen. Die IDF-Truppen antworteten mit Tränengas, Gummikugeln und scharfer Munition; nicht selten gelangte auch der... more...

Vom ungewissen ins Ungewisse

von George Szpiro, October 9, 2008
Im politischen Umkreis um Ehud Barak wird es immer einsamer. Die Shas-Partei, die Nationalreligiöse Partei und die Einwandererpartei haben die Regierung verlassen, und Aussenminister Levy hat Baraks Verhandlungsmethode desavouiert. Ministerpräsident Barak konnte am Montag einen Misstrauensantrag in der Knesset nur knapp überstehen, da das absolute Mehr nicht erreicht wurde. Am Abend reiste er nach Camp David.
Seit Dienstag befindet sich der israelische Ministerpräsident Barak in Camp David, wo er unter tatkräftiger Beihilfe der Amerikaner die israelisch-palästinensischen Verhandlungen um die Zukunft der autonomen und der besetzten Gebiete begann. Die Abreise war um einige Stun-den verschoben worden,... more...

Vision ohne Risiko

October 9, 2008
Wären Worte gleichbedeutend mit Taten, stände man in Nahost vor einem Durchbruch. In 15 Monaten, so sagte Ehud Barak, seien die wichtigsten Probleme zwischen Israel und den arabischen Führungen gelöst; in einem Jahr werde Israel seine Truppen aus Libanon zurückziehen, die wichtigsten Punkte des... more...

Enttäuschung nach den Abstimmungen

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die Juristinnen und Expertinnen Gabriela Riemer-Kafka und Carolyne Elbaum analysieren für die JR nach der Ablehnung der Mutterschaftsversicherung und der Annahme beider Asylvorlagen, was jetzt getan werden muss.
Die erste Reaktion der Genfer SP-Ständerätin Christiane Brunner, die Mutterschaftsversicherung (MSV) wenigstens in den annehmenden welschen Kantonen einzuführen, hält ihre Zürcher Parteikollegin Gabriela Riemer-Kafka für sehr verständlich, aber nicht für aussichtsreich. Eine... more...

Ex-Ku-Klux-Klan-Chef predigt in Moskau

von Lev Gorodetsky, October 9, 2008
David Duke, ein ehemaliger Chef der rassistisch-amerikanischen Organisation Ku-Klux-Klan verbreitet seine antisemitische Botschaft in Russland. Das bestärkt die Vermutungen, wonach die Zusammenarbeit zwischen russischen Extremisten und ihren ideologischen Partnern im Ausland sich immer enger gestaltet.
Zu Aktionen gegen den «Welt-Zionismus, den Hauptfeind der arischen Rasse», rief David Duke, der ehemalige Chef des Ku-Klux-Klan, zu Beginn seiner einmonatigen Reise durch Russland in einem Moskauer Museum auf. Die Juden hätten «uns auf die Knie gezwungen», fügte Duke laut dem Verein der... more...

«Wir gehören alle zusammen»

von Igal Avidan, October 9, 2008
Als Reaktion auf den Anschlag auf die Synagoge in Berlin-Kreuzberg verschärfte die Polizei die Schutzmassnahmen um dieses 1916 errichtete Gotteshaus. Berliner Polizeipräsident Hagen Saberschinsky sagte der JR, dass ein «palästinensischer Hintergrund» für den Anschlag am frühen Freitagmorgen (6. Oktober) denkbar sei, bei dem drei Glasscheiben durch Pflastersteine zerstört wurden.

Berlins Polizeipräsident Saberschinsky gab bekannt, dass 278 Polizisten sowie 16 israelische Sicherheitsmitarbeiter (deren Zahl auf 21 erhöht wird) täglich die 49 jüdischen und israelischen Einrichtungen in Berlin schützen. Bisher wurde die Kreuzberger Synagoge, anders als die zentral liegenden... more...

Der Not gehorchend...

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zahlreich sind die Erklärungen für Ehud Baraks überraschenden Schritt, vorgezogene Neuwahlen auszuschreiben und damit dem Likud, der den Premierminister gerne gestürzt hätte, einen Strich durch die Rechnung zu machen.Der am höchsten dekorierte israelische Soldat habe es, wie der «Haaretz» am... more...

Bye-bye, Bill!

von Gisela Blau, October 9, 2008
Schade, dass er gehen muss! Wann vorher gab es einen amerikanischen Präsidenten, der so viel Lebensfreude ausstrahlte wie Bill Clinton? Und dennoch - meistens - politische und wirtschaftliche Weitsicht zeigte? Er war so ganz anders als seine Vorgänger und sein Nachfolger. Er las nach eigenem... more...

Sharon sorgt für Freude, Frustration und Enttäuschung

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nachdem die Arbeitspartei die ihr zustehenden acht Ministerposten mit Aussenminister Shimon Peres und Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer schon letzte Woche intern verteilt hatte, nahte am Dienstag die grosse Stunde für die Abgeordneten des Likuds. Nicht alle waren dabei erfreut über die von Premier Sharon getroffenen Entscheidungen. So gehören die National-religiösen, David Levy und Dan Meridor dem neuen Kabinett nicht an, dessen Vereidigung für den späten Mittwochabend vorgesehen war.
Weil das gestern Mittwoch der Knesset vorgestellte israelische Kabinett mit 26 Mitgliedern so gross wie keines seiner Vorgänger in der modernen Geschichte des jüdischen Staates ist, mussten Schreiner in den letzten Tagen Überstunden machen, um rechtzeitig einen zweiten Tisch anzufertigen, damit... more...

Neuer Börsenstar

von Samuel Laster, October 9, 2008
Der Börsengang von Compugen vom vergangenen Freitag verlief sehr erfolgreich. Die in Tel Aviv beheimatete Firma hat 50 Millionen $ Kapital durch den Verkauf von 5 Millionen Aktien erwirtschaftet. Der Ausgabepreis betrug 10 $ per Aktie.

An der Wall Street legte der Kurs zu und erreichte 11.13 $. Damit erzielte Compugen eine Steigerung von 11.25% am ersten Tag der Notierung vor dem Wochenende. Nach Aussage von Nurit Benjamini, Abteilungsleiterin für Investor Relations, wurde für Compugen, Tickersymbol CGEN, ein Wert von 277... more...

Besorgnis in Israels Luftwaffe

von Amir Oren, October 9, 2008
Ein neues Kapitel im Rüstungswettkampf begann am vergangenen Samstag, als Syrien erfolgreich den ersten Test mit einer nordkoreanischen Boden-Boden-Rakete vom Typ Scud-D durchführte. Die Rakete wurde gegen den Nordwesten des Landes abgefeuert.
Der syrische Raketentest vom letzten Samstag war von Israel erwartet worden, gehörte er doch zur routinemässigen Praxis der Syrer zur Erprobung ihres Potenzials. Hingegen waren die zuständigen militärischen Kreise überrascht vom Typ der getesteten Rakete. Sie betonen aber, die von den USA und... more...

Gedanken zum Nach-Denken

von Gabriel H. Cohn, October 9, 2008
Diese Tage voll politischer und militärischer Unruhen in Israel stimmen uns alle nachdenklich. Die Friedenspläne werden erneut überdacht und manche politischen Konzepte müssen geändert werden. Auch ich habe mir – wie viele Israelis – in den letzten Wochen über das Geschehen Gedanken... more...

Raufhändel in Wiener Synagoge

von Anton Legerer, October 9, 2008
Der umstrittene Wiener Rabbiner Moishe-Ayre Friedman behauptet, er sei beim Beten in der Synagoge von IKG-Mitgliedern körperlich bedroht und spitalreif zusammengeschlagen worden. Mit dieser Anschuldigung wandte er sich letzten Freitag an die österreichische Presseagentur APA. Friedman habe das Gebäude schliesslich unter dem Schutz der zur Bewachung des Gebäudekomplexes postierten Polizisten verlassen müssen. Der Vorfall in der Wiener Synagoge Tempelgasse 3 schlug vor allem Wellen im israelischen Fernsehen - in Wien hingegen wurde er kaum wahrgenommen.

Im Gespräch mit der Rundschau bekräftigte Friedman das Bedrohungsszenario. Der Vorfall habe sich ereignet, als er letzten Freitag, wie jeden anderen Tag auch, um 7.00 Uhr morgens zum Gebet in die Synagoge gekommen und daraufhin zum Verlassen des Gotteshauses aufgefordert worden wäre. «Es war... more...

100 000 Claims erwartet

von Gisela Blau, October 9, 2008
Für die neue Liste nachrichtenloser Vermögen vom 5. Februar werden für die 21 000 Konti nicht weniger als 100 000 Ansprüche erwartet. Das sagt Alexander Jolles, Generalsekretär des Schiedsgerichts, des Claims Resolution Tribunals (CRT) in Zürich, zur JR. Bereits vor der Publikation der neuen... more...

Flick-Museum - geschenkt!

von Gisela Blau, October 9, 2008
Am 4. April wird über ein ganz neues Thema gesprochen: Dürfen mit «Blutgeld» erworbene Geschenke angenommen werden? Vorbei die Zeiten, als nicht gefragt wurde, woher die Mittel für grosszügiges Mäzenatentum stammten. Als Friedrich Christian «Mick» Flick seine anscheinend ansehnliche Sammlung zeitgenössischer Kunstwerke der Stadt Zürich schenken wollte, gab es umgehend Proteste.
Auch nicht sein Versprechen, für die mehr als 2500 Exponate ein privates Museum beim Rotterdamer Star-Architekten Rem Kolhaas zu bestellen und zu bezahlen, täuschte die Zürcher Theater- und (wenigstens einen Teil) der Kunstszene nicht über die dubiose Herkunft des Flickschen Vermögens hinweg.... more...

Streitfall wegen «Jud»

von Ralph Hug, October 9, 2008
Die Wendung «einen Jud bauen» für unsaubere Arbeit ist im Malergewerbe immer noch gebräuchlich. Einer hat sich nun gegen solchen Antisemitismus gewehrt - mit Erfolg. Das St. Galler Bezirksgericht sprach einem Maler vier Monatslöhne und eine Genugtuung zu.
H. arbeitete während längerer Zeit in einem St. Galler Malergeschäft mit Filialen in der Ostschweiz. Auf den Baustellen leistete er gute Arbeit. Nur eins konnte er nicht leiden: Wenn Kollegen sagten, sie hätten «einen Jud gebaut». Die Redewendung bezieht sich auf nicht deckende Flächen, die... more...

Ein teures Risiko

October 9, 2008
Hafez el-Assad lässt sich nicht zu einem Treffen mit Ehud Barak herab. Sein Aussenminister weigert sich, dessen Hand zu schütteln, doch der israelische Regierungschef besteht nicht auf dem diplomatischen Protokoll. In seinem Streben nach einem Abkommen mit dem syrischen Diktator scheint er bereit... more...

Gegen Haider, Blocher, Le Pen

von Gisela Blau, October 9, 2008
Interessante Einblicke in die Meinungs- und Gefühlslage anderer europäischer Gemeinschaften bot der Montagabend in der ICZ. Die gesamte Geschäftsleitung des SIG war dem Anlass fern geblieben. Im Vorfeld der Veranstaltung kam es letzte Woche zu Unstimmigkeiten (die JR berichtete).
«Wir sind in Europa bereits über die Anfänge hinaus!» warnte Michel Friedmann eindringlich. Der Vizepräsident des Europäisch-Jüdischen Kongresses (EJC) und Mitglied im Vorstand des Zentralrats der Juden in Deutschland, konfrontierte die mehr als 200 Zuhörenden mit seiner «Ungeduld nach 50... more...

Israel und PLO wollen Verhandlungen beschleunigen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Innenpolitisch war die Pessachwoche in Israel gekennzeichnet durch wenig erfolgreiche Versuche, die drohende Fortsetzung des Ärztestreiks abzuwenden. Auf aussenpolitischer Ebene stand die Visite des jordanischen Königs Abdullah II in Eilat im Mittelpunkt. Der Monarch bekundete ein direktes Interesse seines Landes an den Ergebnissen der israelisch-palästinensischen Verhandlungen. Diese sollen am Sonntag (auch in Eilat) mit grösserem Elan fortgesetzt werden.
Von der während des Pessachfestes in Israel normalerweise herrschenden Ruhe des öffentlichen Lebens war dieses Jahr nicht viel zu spüren gewesen. Innenpolitisch gingen die krampfhaften Bemühungen des Finanzministeriums weiter, eine Lösung für den schon fast zwei Monate alten Streik der... more...

Zuerst Macht, dann Frieden

von Zeev Schiff, October 9, 2008
Egal, ob der Machtkampf in Damaskus mit einem Sieg von Assads Sohn Bashar endet oder nicht: Der Friedensprozess zwischen Israel und Syrien wird auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt sein. Jeder Nachfolger Hafez el-Assads wird sich anfänglich auf die Konsolidierung seines Regimes und auf die Unterdrückung der Opposition zu Hause konzentrieren müssen. Vor diesem Hintergrund muss bezweifelt werden, dass er bereit sein wird, mit der Zustimmung zu einem Kompromiss mit Israel irgendwelche Risiken einzugehen. Sicherlich wird auch er wissen, dass ein solcher Schritt zum jetzigen Zeitpunkt extrem gefährlich für ihn sein muss.
Die Berichte über Assads Gesundheitszustand führten dazu, dass Offizielle in Israels Sicherheitsestablishment sich mit dem Thema der Nachfolgeregelung in Damaskus zu beschäftigen begannen. Die Offiziellen fragten sich, ob es besser sei, den Frieden mit einem kranken Assad zu bewerkstelligen oder... more...

Das Ende vom Anfang

von Anton Legerer, October 9, 2008
Am 4. Februar erfolgte die von ungewöhnlichen Umständen begleitet Angelobung der Regierungskoalition von FPÖ und ÖVP. Der Koalitionsvertrag enthält die Unterschriften des damaligen FPÖ-Obmannes Jörg Haider, ebenso eine vorangegangene «Präambel» über die Einhaltung von Grundregeln demokratischer Zivilisation, die von Präsident Klestil eingefordert worden war. Rücblick auf sechs Monate neue Regierung Österreichs.
Für die rund 15 000 Juden in Österreich - etwa die Hälfte sind Mitglieder der IKG - hat sich die Lage seither bzw. seit dem aufgeheizten Wahlkampf vor den Wahlen vom 3. Oktober 1999 normalisiert: die Beteiligung prominenter österreichischer Juden und von IKG-Präsident Muzicant an... more...

Ende gut, alles gut

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Gestern Mittwoch öffnete die «Friedensschule Yitzchak Rabin» in Mizpe Ramon die Tore für den regulären Schulbetrieb. Dies ein Jahr nachdem eine hochkarätige Schweizer Delegation an die Eröffnungsfeier in den Negev gereist war. In einem Artikel kritisierte die JR vor vier Wochen (vgl. Nr. 31) die Schulleitung in Mizpe Ramon wegen deren saloppen Umgang mit Zusagen an den KH Schweiz. Denn die Schweizer Verantwortlichen wurden nie über Schwierigkeiten informiert, die zu einer Verzögerung bei der Inbetriebnahme des Schulbetriebs führten.
Der Keren Hajessod Schweiz (KH) unterstützte die «Friedensschule Mizpe Ramon» mit 2,5 Millionen Franken, rund der Hälfte der Baukosten. Ein wichtiges Projekt, gibt es doch in der Wüstenstadt neben einer alten Schule weit und breit keine moderne Unterrichtseinrichtung. Vor allem seitdem die... more...

«Ich will nicht Jude und ICZ-Mitglied zweiter Klasse sein»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Ein bewusster Jude mit einer nichtjüdischen Partnerin kandidiert für eine Vakanz im Vorstand der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ). Die Meinungen unter den Mitgliedern sind gespalten: Geht das oder geht es nicht? Als der Kandidat vor fünf Jahren in die Baukommission gewählt wurde, gab es keinerlei Aufruhr. Für das höhere Amt wird er jedoch von vielen nicht als wählbar betrachtet.

Tagesgespräch in Zürich: die Kandidatur des Architekten David Vogt für die Ersatzwahlen in den Vorstand der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ). Er ist ICZ-Mitglied, seit fünf Jahren sitzt er in der Baukommission, sechs Jahre lang übte er das Amt eines Vorstands im Fussballclub Hakoah... more...

Recht statt Gerechtigkeit

von Gisela Blau, October 9, 2008
Der abgewiesene jüdische Flüchtling Joseph Spring wurde am 21. Januar vom Bundesgericht nicht im Namen der Gerechtigkeit, sondern nur im Namen des Rechts abgeurteilt. Seine Klage gegen die Eidgenossenschaft ist abgewiesen, doch er wird die 100 000 Franken erhalten, die er gefordert hat. Aber nur als Prozessentschädigung. Nicht als Genugtuung dafür, dass er als Jugendlicher nur dank eines Wunders das Vernichtungslager Auschwitz und zwei Todesmärsche überlebte, obwohl ihn die Schweizer Grenzwächter noch Ende 1943 einer deutschen Patrouille übergeben hatten.
«Das war aber eine merkwürdiges Urteil, nicht?» sagte Joseph Spring lächelnd am vergangenen Freitag, als er nach vier Uhr den Verhandlungssaal im Bundesgericht verliess. Die vier Bundesrichter und eine Bundesrichterin der zweiten öffentlichen Abteilung hatten soeben seine Klage mit vier Stimmen... more...

Juden zu «Tätern» machen

von Gisela Blau, October 9, 2008
«Zündstoff» ortet der «Beobachter» in seiner neuesten Ausgabe, die morgen Freitag erscheint: Es wird behauptet, dass der damalige Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) angeblich mit der restriktiven Flüchtlingspolitik der Schweizer Behörden einverstanden gewesen sein soll. Diese «Erkenntnis» will der Autor, der die gleichen Thesen in der gestrigen NZZ aufstellte, aus «unbekannten», «erst seit kurzem zugänglichen Akten» gewonnen haben. Seine Behauptungen und Schlussfolgerungen sind weitgehend falsch. Und die Akten des SIG sind seit Jahren zugänglich. Das bestätigt Jacques Picard, Mitglied der Unabhängigen Expertenkommission sowie des Stiftungsrates der Stiftung Jüdische Zeitgeschichte am Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich, wo das SIG-Archiv aufbewahrt wird. Gisela Blau, auch sie beruflich vertraut mit den SIG-Dokumenten, befragte für die JR den Historiker.
Jüdische Rundschau: Jacques Picard, ist etwas dran an den Behauptungen in der neuesten «Beobachter»-Ausgabe, dass der SIG der Jahre 1936 bis 1941 mit der Flüchtlingspolitik der Schweizer Behörden einverstanden gewesen sei?Jacques Picard: 1938 behauptete Heinrich Rothmund dem Bundesrat... more...

Taktieren und Abwägen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Ehud Baraks Bemühungen, seine Regierungskoalition zusammenzuhalten, können derzeit in etwa mit den verzweifelten Anstrengungen von spielenden Kindern im Sandkasten verglichen werden, das Ausfliessen von Wasser aus einer Giesskanne zu verhindern. Jedesmal, wenn es den kleinen Fingern gelingt, ein Loch zuzuhalten, strömt das Nass umso stärker aus einem anderen Loch heraus. Dennoch wäre es falsch, bereits jetzt das Ende des Regierungsbündnisses zu beweinen bzw. zu feiern. Vor dem Hintergrund dieser Probleme versuchen israelische und palästinensische Unterhändler derzeit in Eilat, einer definitiven Regelung näherzukommen.
Den in der Sache kaum zu heilenden Konflikt zwischen der ultra-orthodoxen Shas-Partei und der links-liberalen Meretz-Partei will Regierungschef Ehud Barak offenbar «lösen», indem er Shas einige Dutzend Millionen Shekel zur Finanzierung ihres maroden Schulsystems «El Hama\'ayan» zuschiebt und... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Vorstoss Nr. 1. Die Sommersession geht zu Ende, und das Parlament, besonders der Ständerat, befasste sich erneut mit «jüdischen» Themen. Zwei ältere Interpellationen über den Erlass von Rechtsgrundlagen für nachrichtenlose Vermögen der SP-Nationalräte Paul Rechsteiner und Christian Grobet... more...

«Schwächliche Demokratie, mangelnde Zivilcourage»

von Igal Avidan, Berlin, October 9, 2008
Fast eine Woche nach dem Bombenanschlag in Düsseldorf haben die deutschen Ermittler bereits mehr als 100 Zeugen befragt, aber noch immer keine heisse Spur gefunden. Beim Anschlag am vergangenen Donnerstag wurden zehn Einwanderer aus den GUS-Staaten verletzt, darunter sechs Juden. Sieben Zuwanderer lagen am Montag noch im Krankenhaus. Für den 28-jährigen Michail L. aus der Ukraine besteht nach wie vor Lebensgefahr. Seine 26-jährige Frau Tatjana hatte bei dem Anschlag ihr ungeborenes Kind verloren.
Die Sicherheitskräfte ermittelten, dass die mit Metallsplitter gefüllte Bombe zwischen den Gitterstäben der Fussgängerbrücke, die zum S-Bahnhof «Am Wehrhahn» führte, befestigt war. Die Bombe explodierte gegen 15 Uhr, als die Einwanderer vom Deutschunterricht an der Schule in der Nähe des... more...

Wenn Hynkel und Herring die Wahrheit sagen…

von ellen presser, October 9, 2008
Die Welt als Spielball eines wahnsinnigen Diktators: Die Szene, in der Diktator Hynkel alias Charlie Chaplin nach einer selbstvergessenen Tanzeinlage mit einem überdimensionalen federleichten Globus ein geplatzter Luftballon bleibt, gehört zu den markantesten Szenen der Filmgeschichte. Der erste Tonfilm von Charlie Chaplin, «Der grosse Diktator», wurde nach seiner Premiere 1940 ein Kassenerfolg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs räumte das Filmgenie allerdings ein: «Hätte ich etwas von den Schrecken in den deutschen Konzentrationslagern gewusst, ich hätte den ‹Grossen Diktator› nicht zustande bringen, hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können.» Rückblick auf die Entstehung eines Jahrhundertfilms.
Auf die Idee, Hitler satirisch aufs Korn zu nehmen, war Charlie Chaplin schon 1937 gestossen. Alexander Korda hatte eine «Story um eine Personenverwechslung» angeregt, «da Hitler denselben Schnurrbart habe wie der Tramp». Chaplin erwähnt in seiner Autobiographie «Die Geschichte meines... more...

Akten in Polen von höchster Symbolik

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die Unabhängige Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (UEK) steht vor der zweiten Halbzeit ihres Ende 2001 auslaufenden Mandats. Die zweite Hälfte ihrer Tätigkeit wird geprägt sein durch den Abschluss der Recherchen mit Hilfe der gegenwärtig noch 30 Forschenden in der Schweiz sowie 10 im Ausland, auch durch Konsolidierung, Produktion - und Finanzprobleme. Von höchster Symbolik für die jüdische Welt ist die Tatsache, dass erstmals auch Akten in Polen aufgearbeitet werden können.
Die zweite Halbzeit der UEK scheint nicht nur geprägt von befriedigender Forschungstätigkeit und Beginn der Schlussredaktion, sondern erstaunlicherweise auch durch finanzielle Sorgen. Eine zu grosse Summe muss von der Kommission in die Übersetzungen investiert werden, zu denen sich... more...

Kommt es im November zum Streik bei Swissair Israel?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Treten am 2. November die 50 Angestellten von Swissair in Israel in den Streik, und müssen von da an im Extremfall Reisende, die eigentlich mit der schweizerischen Gesellschaft fliegen wollen, kurzfristig auf andere Unternehmen umgebucht werden? Diese Möglichkeit wird nach Meinung der Angestellten immer wahrscheinlicher, sind Schlichtungsversuche zwischen Swissair einerseits und dem Betriebsrat und dem Histadrut-Gewerkschaftsbund andererseits bisher doch im Sande verlaufen. Die Angestellten kämpfen im Hinblick auf drohende Entlassungen um einen Gesamtarbeitsvertrag und um bessere Abgangsentschädigungen.
In der Tel Aviver Niederlassung von Swissair herrscht dicke Luft. Der Haussegen hängt bedenklich schief, seitdem die rund 50 lokalen Angestellten vor rund einem Jahr dem Histadrut-Gewerkschaftsbund beigetreten sind und nun angesichts drohender Entlassungen um bessere Abgangsentschädigungen... more...

Wahnsinnsmarsch der Offiziere

October 9, 2008
Wir stecken mitten in Nebelschwaden der Konfusion und Verwirrung, welche die Regierung verbreitet hat. Auf der einen Seite hören wir die verängstigten Aufschreie der Bewohner des Golans und der Leute, die Erez Israel treu sind. Auf der anderen Seite sind die hin- und herschwankenden Hoffnungen... more...

Sanfte Revolution

von Yves Kugelmann und Jaques Ungar, October 9, 2008
Über zwanzig Jahre nach dem Sturz des iranischen Schahs Reza Pahlewi zeitigt eine langsame aber stetige Entwicklung die Rückkehr zur Aufbruchstimmung in Persien. Nach den Parlamentswahlen und dem Wahlerfolg der Kandidaten rund um Präsident Khatami vom letzten Wochenende macht sich Reformstimmung... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Einladung. Die Hauptpersonen wussten am Dienstag noch nichts von ihrem «Glück». Charles Sonabend erfuhr durch die JR, dass Bundesrat und Finanzminister Kaspar Villiger ihn und seine Schwester Sabine zu einem Gespräch empfangen will, wie es der Zürcher Anwalt der Geschwister, Marc R. Richter,... more...

Wie ein Albtraum beendet wurde

von Yossi Melman, October 9, 2008
Es mag paradox tönen, doch wahrscheinlich wird die südlibanesische Sicherheitszone in den Augen des israelischen Verteidigungsestablishments ihre höchste Wirksamkeit jetzt erreichen, nachem die IDF-Truppen abgezogen sind. Das geschieht mit Hilfe der zehntausenden der meist schiitischen Bewohner, die in ihre Dörfer im Süden zurückkehren - Dörfer, die sie auf Anweisung der «Südlibanesischen Armee» (SLA) oder in der Folge von militärischen Aktionen der IDF verlassen hatten oder aus denen sie vertrieben worden waren.
Die jetzt nach Südlibanon zurückkehrenden Flüchtlinge werden ihr Land bearbeiten, ihre Kinder grossziehen und ein ruhiges Leben führen wollen. Die Wahrheit, die sie kennen, ist klar und einfach: Wenn die Bauern auf der benachbarten israelischen Seite ihre Felder nicht bestellen und kein... more...

Ressentiments eines palästinensischen Intellektuellen

von George Szpiro, October 9, 2008
Die Bir-Zeit Universität in Westbank ist eine Kaderschmiede für die angehenden Führer der palästinensischen Gesellschaft. Bei einem Pressegespräch erging sich dessen Präsident in Klagen gegen die israelische Besetzung, während er Verfehlungen des jetzigen Machthabers, der palästinensischen Behörde, fast völlig ausklammerte.
Die über die Grenzen hinaus bekannte Bir-Zeit Universität in der Nähe von Ramallah in Westbank ist eine höhere Lehranstalt der Palästinenser von Format. Dieser Tage empfing Hana Nasr, der Präsident der Lehranstalt, einige Vertreter der Auslandspresse zu einem Gespräch. Der elegante und... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Banken-Deal. - Genau vor einem Jahr, am 12. August 1998, wurde bekannt, dass die beiden Schweizer Grossbanken mit den jüdischen Organisationen und Sammelklagen-Anwälten einen Deal abgeschlossen hatten. Die Welt, vor allem die Schweiz, staunte nicht schlecht: Die Banken zahlten. Und zwar so viel,... more...

Basel / Universität - Symposiun des Instituts für Jüdische Studien

von Esther Müller, October 9, 2008
Am Dienstag endete in Basel das vom Institut für Jüdische Studien (Basel) und dem Gottlieb-Schumacher-Institut (Haifa) organisierte Symposion zum Thema «Das Erwachen Palästinas im 19. Jahrhundert». Im Zentrum standen Motive und Auswirkungen staatlicher und privater Initiativen aus Europa, die Palästina im letzten Jahrhundert als Wirkungsfeld «entdeckten». Neben dem akademischen Marathon hervorragender internationaler Experten sorgte der Auftritt Sir Peter Ustinovs für einen Glanzpunkt.
Im Verlaufe der zweieinhalbtägigen Veranstaltung, die von einer angenehm offenen Atmosphäre geprägt war, gab es auch kontroverse Diskussionen. So bemängelte Adel Manna (Hebräische Universität Haifa), der über den Beitrag muslimischer Eliten zur Modernisierung Palästinas sprach, den für ihn... more...

Wenn die Erinnerung kommt

von Katarina Holländer, October 9, 2008
In der Slowakei sollte der Schriftsteller L’udo Ondrejov auf Vorschlag namhafter Institutionen zum 100. Geburtstag mit einer Gedenkmünze geehrt werden. Dass er während des Zweiten Weltkriegs auf rücksichtslose Art eine renommierte Buchhandlung arisierte und mehrere Menschen wörtlich in den Tod schickte, wollte man dabei vergessen haben. Das ist aber nicht mehr gelungen.
Hoch über der slowakischen Hauptstadt steht der Slavín, ein Denkmal für die sowjetischen Helden, die gefallenen natürlich. An die 7000 «Helden» der Roten Armee, die die Slowakei 1945 befreit hat, sind hier begraben. Ein monumentaler Ort der Erinnerung sollte es sein, gebaut in einer Zeit, als... more...

Bunt, orientalisch und kritisch

von Gisela Blau, October 9, 2008
Dorit Rabinyan ist mit ihren 28 Jahren die jüngste Bestsellerautorin Israels und der Shooting Star in der an Talenten nicht gerade armen israelischen Literaturszene. Sie hat erst zwei Romane und ein TV-Skript veröffentlicht, aber sie hat für die beiden Romane bereits drei Preise eingeheimst. Das erste Buch, «Die Mandelbaumgasse», wurde von einem grossen israelischen Verlag publiziert, als sie erst 21 war. Die deutsche Übersetzung des zweiten Romans, «Unsere Hochzeiten», hat Dorit Rabinyan zu einer Lesereise nach Deutschland geführt. Doch die erste Station war Zürich.
Sie verliess Israel sehr ungern, sagt sie, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem die Gewalt eskalierte. «Ich fühle mich nur in Israel sicher. Im Ausland spüre ich grosse Unsicherheit.» Doch der Ruhm einer erfolgreichen Autorin hat seinen Preis. Auf der Frankfurter Buchmesse, die diese Woche... more...

Wenn nicht jetzt, wann dann?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Wenn nicht jetzt, wann dann? Unter diesem Motto offerieren das Touristik-Unternehmen «Israel einmal anders» (Rene Kirchheimer), das Offizielle Israelische Verkehrsbüro Zürich und die Fluggesellschaft El Al vom bekannten Muster abweichende – eben: einmal anders – verlängerte Wochenenden in Israel (vgl. das dieser Ausgabe der JR beiliegende Zirkular).

Die JR hat sich, wie auch das Zürcher Israelitische Wochenblatt, entschlossen, die Aktion «Wenn nicht jetzt, wann dann» publizistisch zu unterstützen, geht es hier doch um mehr als um ein rein touristisches Unternehmen: Israel-Freunden in der Schweiz wird Gelegenheit geboten, dem momentan in... more...

Für Steine sterben?

October 9, 2008
Unter den Argumenten zugunsten der Aufgabe israelischer Souveränität über den Tempelberg findet sich auch jenes, wonach diese historische Stätte lediglich ein «Symbol jüdischen Stolzes» und es nicht zu rechtfertigen sei, dass junge Leute für diese Steine sterben müssen. Solche Argumente... more...

Jüdisches Museum in Gefahr?

von Gisela Blau, October 9, 2008
Der Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, der promovierte Judaist Thomas Krapf, wurde im Juli 2002 von der Stadtverwaltung Knall auf Fall entlassen und freigestellt. Letzte Woche gewann er vor dem Arbeitsgericht Feldkirch seine Klage gegen die Stadt Hohenems in allen Punkten. Der Kündigungsgrund: Der Direktor war und ist nicht einverstanden, dass nach dem Wunsch aus Vorstandskreisen das Jüdische Museum in ein weniger auffälliges «Heimatmuseum» umfunktioniert werden soll. Die Zukunft von Krapf wie die des Museums sind jetzt trotz gewonnener Klage ungewiss.
Die letzten Juden von Hohenems wurden vor und während dem Zweiten Weltkrieg mit tatkräftiger einheimischer Hilfe deportiert. Sie alle fanden einen gewaltsamen Tod in NS-Vernichtungslagern. Seit 1991 erinnert das Jüdische Museum Hohenems an diesen schlimmen Teil der Stadtgeschichte. Es befindet... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Zustupf. Die Nestlé AG in Vevey wird sich solidarisch an der von den Schweizer Banken ausgehandelten endgültigen Regelung aller Ansprüche aus dem 2. Weltkrieg beteiligen, die unter anderem auch die Frage der Zwangsarbeiter abdeckt, wie am 28. August in Vevey bekannt wurde. Und zwar sehr... more...

«Fotografie ist keine Kunst»

von Gabi Rosenberg, October 9, 2008
Fotografieren sei keine Kunst, sondern ein künstlerisches Handwerk. Eine typische Feststellung von Gerda Meyerhof, so trocken wie deutlich. Mit ihren inzwischen 86 Lenzen könnte sie wissen, wovon sie spricht. Mit der Schenkung ihres gesamten Werkes an die Schweizerische Stiftung für die Photographie vertraut sie nun die Erschliessung, Erhaltung und Verwaltung ihrer «Handwerkskunst» einer Institution an, welche sich selbiges seit rund 30 Jahren auf die Fahne geschrieben hat.

Mit einer Ausstellung in deren ZWISCHENraum» bei Scalo wird ihr Werk nun «zum erstenmal in Zürich einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt» (Zitat Pressetext). Eine etwas ungenaue Formulierung: 1994 präsentierte eine engagierte Zürcher Gruppe in ihrem «BildRaum» bereits einen guten... more...

Von Oslo zur el Aqsa-Intifada

von Moshe Arens, October 9, 2008
Eine direkte Linie führt von den zwischen der Regierung Rabin und der PLO vor acht Jahren in Oslo unterzeichneten Abkommen zur so genannten el Aqsa-Intifada, die Yasser Arafat seit einigen Wochen gegen Israel betreibt, wobei er Waffen benutzt, die Israel ihm als Teil des Olsoer Abkommens zur Verfügung gestellt hat. Die Linie passiert die Abkommen von Hebron und Wye, welche die Regierung Netanyahu geschlossen hat. Das erste setzt die jüdische Gemeinschaft Hebrons auf gefährliche Weise dem Feuer palästinensischer Schützen aus, während das zweite eine übertrieben amerikanische Einmischung in die palästinensisch-israelischen Verhandlungen sicherstellt, was letztlich eine US-Unterstützung für palästinensische Unterhändler und Forderungen zur Folge hatte.
Die Linie setzt sich fort bis zu den weitreichenden Konzessionen, die Barak an dem auf sein Betreiben einberufenen Gipfel von Camp David präsentiert hat, und sie endet mit den nächtlichen Attacken gegen das Jerusalemer Viertel von Gilo, das jüdische Viertel von Hebron und die Siedlung Psagot bei... more...

Menschen, die keiner haben will

von Zvi Barel, October 9, 2008
Über 3,7 Millionen palästinensische Flüchtlinge leben laut Angaben des UNO-Flüchtlingswerks UNRWA im ganzen Nahen Osten verstreut, inkl. der Westbank und dem Gazastreifen. Die Palästinenser selber sprechen von 5,2 Millionen Flüchtlingen, denen das Recht auf Rückkehr gewährt werden muss, und zwar auch nach Israel. In einem sind sich Jordanien, Libanon und Syrien einig: Die Lösung des Flüchtlingsproblems wird nicht zu Lasten ihres eigenen souveränen Territoriums geschehen.
«Wenn sich mit einem Male Arafats Besuche in Jordanien häufen», sagt der Redaktor einer jordanischen Zeitung, «dann beginnen wir uns zu fragen, was vor sich geht. Wenn Arafat die Souveränität über den Tempelberg haben will, braucht er dazu Jordanien nicht. Schliesslich gibt es kaum noch... more...

Klein, fein und (rassen-)«rein»

von Rita Schwarzer, October 9, 2008
Bill Clintons Besuch im «Indian Creek Country Club» hat den exklusiven Zirkel unweit von Miami in die Schlagzeilen gerückt. Nicht zum ersten Mal. Jetzt aber droht dem antisemitisch und rassistisch verrufenen Golfclub erstmals Widerstand auf breiter Front.
Miami Beach - Leonhard Miller besitzt ein Traumhaus. Doch wenn er den Fuss über seine Türschwelle setzt, wird er daran erinnert: Hier ist er im Grunde unerwünscht. Denn Leonard Miller ist jüdisch. Und Juden mag man nicht im Golfclub vor seiner Haustür. «Kein gutes Gefühl, an einem solchen Ort... more...

Israel kurz vor dem Ziel?

von Gisela Blau, October 9, 2008
Am Dienstag wurden die Einladungsbriefe verschickt: Auf den 25. und 26. Oktober beruft der Bundesrat eine diplomatische Konferenz der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften nach Genf ein. Ziel des hochkarätigen Treffens ist es, ein drittes Protokoll als Zusatzabkommen zu den Genfer Konventionen anzunehmen, das den israelischen Roten Davidstern (« Magen David Adom»),als drittes Schutzsymbol zulassen würde. Bis dahin sind Konsultationen mit widerstrebenden Staaten fällig.
In Genf und Bern herrscht Vorsicht. Euphorie findet nur in Israel statt. Ob die israelische Schutzorganisation Magen David Adom noch dieses Jahr Mitglied der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften werden kann, hängt nicht zuletzt vom Geschick der Schweizer Diplomaten ab, die sich... more...

Tote in Ulster

von Gisela Blau, October 9, 2008
Wann haben Sie zum letzten Mal einen Leserbrief gesehen, der die unverhältnismässigen Schiessereien und die zahlreichen toten Zivilisten in Ulster beklagte? Nein, Ulster liegt in Nordirland. Aber auch die vielen Bürgerkriegs-Toten in Sri Lanka und Ost-Timor, die gegenwärtig ihr Leben verlieren,... more...

Sharon gegen Netanyahu auf verlorenem Posten

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Hochspannung im Likud-Zentralkomitee war physisch fühlbar, als am Dienstagabend Benjamin Netanyahu erstmals seit seiner Wahlniederlage gegen Ehud Barak vor anderthalb Jahren wieder offiziell politisch in Erscheinung trat. Der umjubelte ehemalige Premierminister forderte die Auflösung der Knesset und Neuwahlen, was alle Probleme rund um seine Kandidatur für das Amt des Premiers aus dem Wege räumen würde. Die Rede Ariel Sharons war zwar feurig und voller versteckter Seitenhiebe gegen Netanyahu, doch man wurde den Eindruck nicht los, als ob am Dienstag der Abschied des heutigen Likud-Bosses von der politischen Bühne begonnen habe.
«Danke, aber lieber nicht.» Diese Botschaft vermittelte ein emotionales Zentralkomitee der Likud-Partei am Dienstagabend dem derzeitigen Parteichef Ariel Sharon. Was die ZK-Mitglieder betrifft, kann Sharon, wie Yossi Verter am Mittwoch in der Zeitung «Haaretz» schrieb, einpacken und nach Hause... more...

Bauhäusler und Visionär

von Alexis Canem, October 9, 2008
Wie verwandelt man einen Hund in eine Giraffe? Ganz einfach, indem man den Hals und die Beine um ein Vielfaches verlängert. Gliedertiere aus Holz waren lange Zeit begehrtes Kinderspielzeug. Doch auch Erwachsene haben bis heute Spass daran, aus vorgefertigten Einzelteilen kleine Tiere oder andere Figuren zusammensetzen zu können.
Den Prototypen kann man zurzeit in einer Ausstellung im Frankfurter Jüdischen Museum sehen. Schon Anfang der 20er Jahre befasste sich Ludwig Hirschfeld-Mack mit neuartigem Spielzeug für Kinder. Auch eine Puppenstube wird gezeigt, die aus vielen bunten Einzelteilen zusammenzusetzen ist. Selbst die... more...

Das Erbe Abrahams

von Prof. Ernst Ehrlich, October 9, 2008
Es gibt noch merkwürdige Wunder und Zeichen: Derjenige, der vor nicht langer Zeit viele seiner Mitchristen verletzt hat, veröffentlichte vor kurzem, freilich nur auf Italienisch, im «Osservatore Romano» ein Loblied auf die Juden. Es handelt sich hier um keinen andern als Joseph Kardinal Ratzinger.
Ratzinger rekapituliert die biblische Geschichte von Abraham an und sieht die Aufgabe des erwählten Volkes Israel darin, allen anderen Völkern seinen Gott zu schenken, den einzigen und wahren Gott.Und dann heisst es wörtlich: «Unser Dank gilt daher unseren jüdischen Brüdern, die trotz der... more...

Der Rahmenvertrag ist fix

von Anton Legerer, October 9, 2008
Mittwochabend letzter Woche haben sich die Opfervertreter (Anwälte, Opferverbände aus Israel und den USA, die IKG und die Claims Conference) mit Vertretern der österreichischen Regierung und der österreichischen Wirtschaft unter der Vermittlung des US-Vizefinanzministers Stuart Eizenstat auf ein Gesamtpaket für die Entschädigung von «Arisierungen» geeinigt. Mit der von (fast) allen Beteiligten angenommenen Rahmenvereinbarung sollen alle materiellen Ansprüche aus den nationalsozialistischen Enteignungen abgegolten werden. Die Vereinbarung sieht Kompensationszahlungen an Überlebende und Erben, die «Naturalrestitution» von Vermögen in öffentlichem Besitz sowie die Verbesserung von Sozialleistungen für Holocaust-Überlebende aus Österreich vor.
Im Detail: Ein «General Settlement Fund» wird eingerichtet und mit insgesamt 360 Mio. Dollar (knapp 600 Millionen Franken) dotiert. Davon werden knapp 250 Millionen Franken für die Entschädigung von entzogenen Mietrechten, Hausrat und persönlichen Wertgegenständen verwendet. Jeder einzelne... more...

Die bedeutungsvolle Umkehr eines Propheten

von Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, October 9, 2008
Wiedergeburt eines Menschen - so etwa liesse sich der Sinn der Jona-Geschichte überschreiben. Wiedergeburt als Folge eines die gesamte Existenz in Frage stellenden Ereignisses. Wiedergeburt als Resultat einer Abkehr von begangener Schuld. Gedanken zum Tag der Versöhnung - Jom Kippur.
Jona ben Amital erhält von Gott den Auftrag, in eine heidnische, dem Götzendienst und der Sittenlosigkeit verfallenen Stadt zu ziehen und die Kunde auszurufen: Noch 40 Tage und Ninive wird zerstört. Wie Moses und Jeremia sucht auch Jona, sich dem Gotteswort zu entziehen. Doch nicht in einem... more...

Gut geölte Propagandamaschinerie der Palästinenser

von George Szpiro und Beit Jala, October 9, 2008
Das Orient House in Jerusalem, das als eine Art inoffizielles Aussenministerium der palästinensischen Behörde fungiert, hat am vergangenen Wochenende europäische Diplomaten zu einer Besichtigung der Beschädigungen in den beiden Ortschaften Beit Jala und Beit Sahur im autonomen palästinensischen Gebiet eingeladen. Die Beschädigungen entstanden bei massiven Beschiessungen durch israelische Maschinengewehre und Kampfhelikopter, nachdem aus den Ortschaften mehrmals gegen israelische Ziele, namentlich gegen das Quartier Gilo in Jerusalem und eine Militärbasis, geschossen wurde. Einige Journalisten schlossen sich der Tour an.
Beit Jala und Beit Sahur sind mehrheitlich von Christen bewohnte Städte, die 1995 in die palästinensische Autonomie entlassen wurden. Die Bewohner besassen im Allgemeinen gute Beziehungen zu Israel geschäftlicher und auch freundschaftlicher Art. Aus den jüngsten Zusammenstössen hielten sie sich... more...

«La Muhammad, La Makka»

von Zvi Barel, October 9, 2008
Als die britische Supermarkt-Kette Sainsbury im vergangenen Jahr den ägyptischen Ladenkonzern Edge kaufte, konnte Kairos Minister für Wirtschaft und Aussenhandel sich vor Freude kaum halten. Man sprach vom «Magnet Ägypten» und von den optimistischen Aussichten für die Geschäftswelt des Landes. Sainsbury, so dachte der Minister, war nur der Anfang. Er und alle anderen Optimisten haben aber die Rechnung ohne die Intifada der Palästinenser gemacht.
Nachdem der britische Supermarkt-Konzern Sainsbury die 63 Geschäfte der ägyptischen Ladenkette Edge erworben hatte, folgte mit dem Kauf von ABC Supermarkte Expo (5 Läden in Kairo) ein weiterer Schritt auf dem ägyptischen Markt. Geplant war die Eröffnung von 100 weiteren Verkaufsstätten.... more...

Was ist aus Gestapo-Chef Müller geworden?

von Tom Tugend, October 9, 2008
Höchstwahrscheinlich lebt Gestapo-Chef Heinrich Müller (Jahrgang 1900) nicht mehr? Das Simon-Wiesentahl-Zentrum hat den US-Kongress aber um die Einleitung einer Untersuchung zur Lösung eines der letzten Geheimnisse aus der Nazi-Zeit gebeten: das Verschwinden Müllers nach Kriegsende. Wurde er zum amerikanischen oder sowjetischen Agenten?
Es gibt Beweise dafür, dass Gestapo-Chef Heinrich Müller im April 1945 in Berlin im gleichen Bunker war, in dem Hitler sich das Leben genommen hat. Über das, was anschliessend mit Müller geschah, gehen die Meinungen auseinander. Einige der möglichen Szenarien:- Müller, der direkte Vorgesetzte... more...

Ein Traum geht zu Ende

October 9, 2008
Der chinesischen Regierung wäre es lieber gewesen, wenn der Knessetvorsitzende in dieser Woche auf einen Gast verzichtet hätte. Aber Avraham Burg blieb bei seiner Einladung des Dalai Lama - trotz seines geplanten Treffens am Tag darauf mit der Nummer zwei der Kommunistischen Partei Chinas, Li... more...

Was steckt hinter der Eskalation?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Drei israelische Soldaten starben am Montag in ihrer Stellung in der südlibanesischen «Sicherheitszone» durch Beschuss der Hizbollah, vier weitere wurden verletzt. Am Tag davor wurde der zweithöchste Offizier der mit Israel alliierten «Südlibanesischen Armee» Opfer eines Sprengstoffanschlags. Will Syrien Israel mit Kanonendonner an den Verhandlungstisch zurückzwingen, oder kommt Damaskus ein längerer Unterbruch im Friedensprozess gar nicht so ungelegen? In Israel mehren sich Stimmen, die eine Erneuerung der Verhandlungen von einem Waffenstillstand in Südlibanon abhängig machen wollen.
Die Wogen in der Knesset schlugen recht hoch am frühen Montagabend. Opposition und Koalition lieferten sich verbissene Wortgefechte. Zur Diskussion stand ein Misstrauensantrag des Likuds vor dem Hintergrund des Skandals rund um die unsaubere Finanzierung der Wahlkampagne zahlreicher Parteien, inkl.... more...

Wie viele Schweizer Antisemiten?

von Matthias Steinmann und Ralph Weill, October 9, 2008
Erhebungen in den letzten 25 Jahren zeigen 7-9% Antisemiten in der Schweiz. In ihrer letzte Woche veröffentlichten Studie findet die Gesellschaft für praktische Sozialforschung (GfS) nun aktuell 16% die «voll» und 60% die «teilweise» antisemitisch sind - haben sich die Schweizer so verändert? Zwei Kenner der Materie hinterfragen im folgenden Diskussionsbeitrag die Interpretation der Studienergebnisse und die Definition von «Antisemitismus».
1978 hat die SRG zum ersten Mal zusammen mit KONSO AG eine Erhebung über Judenfeindschaft durchgeführt. Seither gab es mehrere solche Erhebungen (vgl. Tabelle). Der Anteil, der als Antisemiten gemessenen Bevölkerung, hat sich gemäss diesen Werten in besagten 20 Jahren nur unwesentlich... more...

Der Präsident geht noch dieses Jahr

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Seitdem Israels Staatspräsident Ezer Weizman in Misskredit geraten ist, weil er keine Rechenschaft über grosse Geldzuwendungen aus dem Ausland gemacht hatte, rechnete man mit seiner frühzeitigen Demission. Nun bestätigte Weizman, dass er noch im Verlaufe des Jahres 2000 seinen Hut nehmen werde.

«Ich werde dieses Jahr zurücktreten, doch den genauen Termin werde ich erst nach Konsultationen mit meiner Familie und dem Regierungschef fixieren.» Mit dieser am Dienstag vor Journalisten abgegeben Erklärung überraschte Israels Staatspräsident Ezer Weizman (79) kaum jemanden. Seitdem vor... more...

«Israel ist die Nummer eins»

von Simon Griver, October 9, 2008
Israel ist überzeugt, dass die Wirtschaft eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung des Friedensprozesses spielen wird. Dieser Optimismus basiert auf der Tatsache, dass Israel heute schon Handelsbeziehungen zu zwölf arabischen Staaten und der Palästinensischen Autonomie unterhält, obwohl nur zu Ägypten und Jordanien volle diplomatische Beziehungen bestehen. Die positivere Atmosphäre, die seit dem Regierungswechsel von 1999 herrscht, hat den Handel zwischen Israel und der arabischen Welt beflügelt.
Es sind eher die Industriellen als die Politiker, welche den Frieden vorantreiben können. Diese Meinung vertritt Moshe Nahum, Direktor der Abteilung für Aussenhandel und internationale Beziehungen des israelischen Unternehmerverbandes. Stimmt diese Annahme, dann hat Israel allen Grund,... more...

Die virtuelle Rekonstruktion einer zerstörten Architektur

Esther Müller, October 9, 2008
Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zeigte die Früchte eines ehrgeizigen Projektes. Als 1994 nicht nur die BRD durch einen Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge tief erschrak, beschlossen Studenten der Technischen Universität Darmstadt, ein Kapitel der deutschen (Bau-)geschichte zu rekonstruieren - von den Nationalsozialisten zerstörte Synagogen sollten zu neuem Leben erwachen.
1994 beginnt in einem Seminar unter dem Titel «Die Rekonstruktion des Zerstörten» die Arbeit, deren Ergebnisse nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In der Reichspogromnacht 1938 werden über 1400 deutsche Synagogen und Bethäuser von den Nationalsozialisten systematisch zerstört.... more...

Judentum 2000

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Historisch und theologisch hat die sagenumwobene Millenniumsgrenze für das Judentum keine Bedeutung. Und so stellt der Titel «Judentum 2000» ein Paradox dar. Abseits von medialer Hochkonjuktur über Schreckensszenarien, Endzeitbeschwörungen oder kommerzieller Ausschlachtung bedeutet das Ende des... more...

Keinen Sand, bitte

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Wenn es Schulkindern gelingt, dem Postboten die Luft aus dem Fahrrad zu lassen, freuen sie sich, wie eben nur Kinder sich freuen können. An dieses Gefühl erinnerten US-Präsident Bill Clinton und Israels Premier Ehud Barak an ihrer Pressekonferenz vom Montag abend, als sie den Journalisten und... more...

Erstes israelisches Unternehmen am neuen Markt in Deutschland

von Gudrun C. Vogt und Hans Dankwart, October 9, 2008
Im Frühjahr dieses Jahres wagte das israelische Unternehmen WizCom Technologies den Schritt an die Börse - und sorgte für eine kleine Sensation: Als erste israelische Gesellschaft überhaupt entschloss sich WizCom für den deutschen Neuen Markt. Die Wahl fiel auf Frankfurt, weil es bereits eine ganze Reihe israelischer Hightech-Unternehmungen an der NASDAQ gab und sich der nordamerikanische Markt nicht gerade in einer Euphorie befand. Die Zeitverschiebung von lediglich einer Stunde zwischen Europa und dem Nahen Osten und kürzere Reisezeiten als nach Nordamerika waren ebenfalls ausschlaggebend.
Unterstützt wurde der Börsengang von der Bank Vontobel. Die renommierte Zürcher Privatbank qualifizierte sich durch extrem kurze Vorbereitungsfristen als optimaler Partner für den IPO (Initial Public Offering). «Normalerweise rechnet man mit ca. 4 bis 6 Monaten bis zum Börsengang. Wir konnten... more...

«Mit einer Stimme sprechen»

October 9, 2008
Am letzten Sonntag wurde Paul Spiegel zum neuen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt. Er tritt die Nachfolge des im Sommer verstorbenen Ignatz Bubis an. Im Vorfeld der Wahlen kam es teils zu heftigen Personaldebatten. JR-Korrespondent Igal Avidan unterhielt sich mit dem neuen Präsidenten in Berlin.
Jüdische Rundschau: Herr Spiegel, am vergangenen Sonntag wurden Sie neuer Präsident der jüdischen Gemeinde in Deutschland. Sie haben schon angekündigt, dass sie nicht an der «Omnipräsenz» Ihres Vorgängers, Ignatz Bubis, gemessen werden möchten. Was werden Sie anders tun als Bubis?Paul... more...

Die Amerikaner sind gefordert

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Auf den ersten Blick scheint alles verfahren zu sein. Der amerikanische Friedenskoordinator Dennis Ross verliess Israel, ohne dass es ihm gelungen wäre, die Verhandlungen mit den Palästinensern wiederzubeleben. Auch an der syrisch-libanesischen Front dominieren Vorwürfe, Proteste und Zwischenfälle. Hinter den Kulissen aber arbeitet Washington bereits an der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Jerusalem und Damaskus.
Mit leeren Händen flogen in der Nacht zum Dienstag US-Friedenskoordinator Dennis Ross und sein Team nach Washington zurück. Intensive Verhandlungen mit der israelischen und der palästinensischen Führung haben nicht zum erhofften Durchbruch und der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den... more...

Eine starke Frau

von Regula Rosenthal, October 9, 2008
Mit «Anna Bolena» von Gaetano Donizetti konnte man letzten Sonntag im Zürcher Opernhaus Belcanto vom Feinsten geniessen. Die weltbekannten Opernstars Edita Gruberova und Vesselina Kasarova waren in den weiblichen Hauptpartien zu hören. Sie überzeugten als grossartiges Duo.

Es ist beiden gut gelungen, das Publikum emotional zu fesseln. Die beiden Stars sind schon öfters gemeinsam aufgetreten. Sie sind inzwischen Freundinnen geworden und fühlen sich nicht zuletzt durch ihre slawische Heimat verbunden. Laszlo Polgar, (die JR hat schon über ihn berichtet) einer der... more...

Auf der Suche nach einer Bedeutung

von Andreas Schürer und Olivier R. Lasowsky, October 9, 2008
Für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen Antisemitismus ist man auf eine differenzierte Sprache angewiesen, argumentieren die Autoren in ihrem Beitrag. Im folgenden Essay versuchen sie sich der Vagheit des Begriffs anzunähern und für die öffentliche Debatte eine anwendbare Begrifflichkeit zu schaffen.
Ein ganz normaler Auftrag.Natürlich waren wir betroffen von der Aussage, entsetzt über das Resultat, kritisch gegenüber den Schlagzeilen: «Jeder sechste Schweizer ist ein Antisemit.»Die im März erschienene GfS-Studie über den Schweizer Antisemitismus löste heftige Diskussionen aus. Zwei... more...

Irving Moskowitz gerät ins Schwitzen

von Akiva Eldar, October 9, 2008
Auf eine «Reihe fragwürdiger Praktiken» des jüdischen Multimillionärs Irving Moskowitz weist der umfangreiche Bericht einer Revisionskommission der Legislativen von Kalifornien hin. In Israel unterstützt Moskowitz Projekte der Siedler, wie z.B. in Abu Dis oder im Ost-Jerusalemer Viertel von Ras al Amud.
Im Mittelpunkt des 150-seitigen Berichts der Revisionskommission steht das Projekt Irving Moskowitz’, in dem unterentwickelten, vor allem von lateinamerikanischen Menschen bewohnten Hawaiian Gardens 19 km südöstlich von Los Angeles ein Casino zu bauen. Vor rund 20 Jahren soll die... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Sitzung. Mehr oder weniger heimlich trafen sich am Montag Vertreter des Jüdischen Weltkongresses und Vertreter schweizerischer Banken zu Besprechung und Dinner im Zürcher Hotel Savoy. Nach übereinstimmender Meinung von Leuten, die es wissen müssen, handelte es sich um die Vorbereitung der... more...

Im Spiegel der israelischen Literatur

von Helena Flusfeder, October 9, 2008
Für die Verantwortlichen der alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Buchmesse von Jerusalem war es ein echtes Stück Arbeit, rund tausend Verlage miteinander zu koordinieren, 100 000 Bücher auszustellen und kulturelle Rahmenveranstaltungen zu organisieren. Die 19. Buchmesse fand vom 20. bis 25. Juni statt, wobei Bücher und Verleger aus 55 Ländern zugegen waren, die das Jerusalemer Kongresszentrum mit Dutzenden von Sprachen erfüllten.

Zu den Höhepunkten der diesjährigen Jerusalemer Buchmesse zählte u.a. eine Ausstellung zum Thema «50 Jahre israelische Literatur». Dabei kamen Themen vom hebräischen Mickey Mouse bis zu den satirischen Büchern eines Dan Ben-Amotz zur Geltung. Weitere Höhepunkte waren die Ausstellung der... more...

Erika Rothschild zum Gedenken

Zürich / gb, October 9, 2008
Ihren letzten, ganz grossen Auftritt hatte Erika Rothschild im Dezember 1998 in Bern: Sie war persönlicher Gast von Ruth Dreifuss an der Feier zu ihrer Wahl als Bundespräsidentin. Sie sagte damals zur JR: \"Ich hoffe, dass sie die Kraft haben wird, im richtigen Zeitpunkt immer richtig zu... more...

Von den Gebeten ergriffen werden

von Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, October 9, 2008
Am Samstagabend, eine Stunde vor Mitternacht, beginnen die Selichot-, die Bussgebete. Die Grosse Synagoge Jerusalems ist hell erleuchtet, der Vorbeter und der Chor singen, Radio und Fernsehen übertragen einen der Gottesdienste. «Am Ausgang des Sabbats, des Ruhetages, flehen wir Dich, o Herr, zum ersten Mal an», heisst es im Hauptgebet. Zum ersten Mal in diesem Jahre nämlich, ehe dann die Selichot mit Rosch Haschana und Jom Kippur ihren Höhepunkt erreichen. - Nur am Samstagabend findet der Gottesdienst zu später Stunde statt, sonst jeweils früh morgens, wenn die Gläubigen sich in die Synagoge begeben und vor dem eigentlichen Morgengebet.
Was steht in den Selichot und weshalb sind sie für den Glauben so bedeutsam? Die Thora erklärt uns den Sinn der Busse. Im 5. Buch Mose, Kap. 30 stehen die folgenden Worte: «Wenn alle diese Dinge - der Segen und der Fluch, den Ich (Gott) vor dich hingebe - sich ereignen, so nimm es dir zu... more...

Blut und Frieden

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Es ist nicht nur die trostlose Zeit von Terror, Tod und Blutvergiessen. Es sind vorwiegend die verlorenen Träume und Hoffnungen, die bitter über die Welt hereingefallene Ernüchterung, dass Friede in Nahost, dass ein Leben fernab von Ideologien, vernichtender Rhetorik, grausamer Gewalt im einst... more...

Jüdische Eltern retten arabisches Kind

von Edgar Asher, October 9, 2008
In den vergangenen Wochen spielte sich im Kinder-Krankenhaus Schneider in Petach Tikwah ein Drama ab, das sich problemlos für eine der vielen am Fernsehen ausgestrahlten Ärzteserien geeignet hätte.

Amjed Omar, ein 9-jähriger arabischer Junge, der eine halbe Stunde von Tel Aviv entfernt lebt, litt unter einer chronischen Lebererkrankung, welche die Funktionen dieses Organs praktisch lahmgelegt hatte. Mitte November wurde Amjeds Zustand kritisch, und er musste in die Intensivstation von... more...

Eine apolitische Solidaritätsaktion

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Auf der Strasse 443 gelangt der Autofahrer von Jerusalem nach Tel Aviv. Im Gegensatz zur Strasse Nummer 1 aber, die durch die Jerusalemer Hügel via Shaar HaGai und Bet Shemesh in die Küstenebene hinabführt, durchquert die Strasse Nummer 443 das Nord-Jerusalemer Hinterland: Ramot, Givat Zeev, Givon HaChadasha, Bet Horon und wie die anderen, nach dem Krieg von 1967 erbauten Quartiere und Siedlungen alle noch heissen mögen. Bevor die Reise via Neot Kedumim wieder in die Strasse Nummer 1 einmündet, passiert man noch die Ortschaften rund um Chashmonaim und Kiryat Sefer, sowie Re’ut und Makkabim und schliesslich die innert weniger Jahre aus dem Boden gestampfte Retorten-Stadt Modi’in.
Bis vor wenigen Monaten war die Strasse 443 äusserst beliebt. Nicht nur hatten verschiedene Regierungen sie in den letzten Jahren stark ausgebaut, verbessert, und palästinensische Dörfer auf dem Weg durch Umfahrungen rechts oder links liegen gelassen. Hinzu kommen die landschaftlichen Reize der... more...

Risiko für eine neue Zukunft

Von George Szpiro, October 9, 2008
Die Altstadt von Jerusalem macht letztens einen sehr verlassenen Eindruck, denn Touristen sind seit Beginn der Intifada vor vier Monaten eher selten zu sehen. Nur ganz allmählich beginnt das Leben in der Heiligen Stadt wieder zu erwachen. Ibrahim Abu-Khalaf ist Stoffhändler in Jerusalem. Trotz dem schlecht gehenden Geschäft lässt er sich keinen Missmut anmerken.
Ibrahim Abu-Khalaf lädt Besucher sofort zu Tee und Kaffee ein, für die Kinder gibt es Sahlaf, ein süsses Milchgetränk mit Zimt und Kokusgewürz. Der Laden liegt in der «Christian Quarter Street 98A» in einer der winkligen Gassen unweit der Via Dolorosa. Niemand würde vermuten, dass man unter... more...

Medien-Eigentor

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Dass Arieh Deri, der ehemalige Chef der ultra-religiösen Shas-Partei, anfangs Woche mit Pauken und Trompeten seine Gefängnisstrafe angetreten hat, wissen inzwischen sehr wahrscheinlich auch die letzten Kannibalen auf Papua-Neuguinea. Die Lorbeeren für diesen zweifelhaften Erfolg darf sich einmal... more...

Die Kehrseite des Schmitta-Jahres

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Der Auftakt des Schmitta-Jahres 5762 hat in Israel viel Staub aufgewirbelt und auf Anhieb zu harten Differenzen zwischen den Gemeinden charedischer Juden und den Vertretern der Landwirtschaft geführt. Es regnete gegenseitige Anschuldigungen, es gab rhetorische Feuerwerke und sogar Drohungen mit Cherem (Bann) gegen den sefardischen Oberrabbiner Elijahu Bakschi-Doron, der deshalb auch mit Rücktritt drohte. Es war ein blanker Versuch religiöser Eiferer, ihre Vorstellungen mit Druck und Einschüchterung durchzusetzen.
Diese Entwicklung hat in religiösen Kreisen nicht nur für Aufsehen, sondern vor allem für Betroffenheit und Bedauern gesorgt und die überwiegend säkularen Kreise in Israel zur Behauptung veranlasst, in der religiösen Bevölkerung seien die Ultras und Scharfmacher auf dem Vormarsch, indem sie... more...

Für die Kranken, gegen die Krankheit

von Regula Rosenthal, October 9, 2008
Letztes Wochenende fand in der Deutschen Oper Berlin eine Operngala zu Gunsten der Deutschen Aids-Stiftung statt. Der festliche Abend, der bereits zum siebten Mal zelebriert wurde, ist längst zu einem gesellschaftlichen Höhepunkt von Deutschlands Hauptstadt geworden. Initiatoren, Veranstalter und Sponsoren der Operngala, die unter der Schirmherrschaft von Rita Süssmuth steht - sie ist Kuratoriumsvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung - erhoffen sich, an die Erfolge der vergangen Jahre anzuknüpfen. Mit den Erlösen - letztes Jahr waren es zirka 900 000 DM - soll ein möglichst grosser Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen HIV-infizierter und an AIDS-erkrankter Menschen Deutschlands einfliessen.
David Goldberg, einer der Initiatoren meinte gegenüber der JR, er sei überzeugt, dass er mit seinem Engagement anderen zu helfen, auch weitere Menschen dazu motivieren könne, dasselbe zu tun. Der Berliner Juwelier, der viel Erfahrung in Benefizveranstaltungen hat, betreut erfolgreich diverse... more...

Mammutprozess gegen Israeli

von Igal Avidan, October 9, 2008
Am Montag begann in München ein Mammutprozess gegen einen Israeli, der beschuldigt wird, seine deutsche Ehefrau ermordet zu haben. Der 30-jährige Elektrotechniker Ilan T. soll die gebürtige Münchnerin und promovierte Biologin Ursula Glück «heimtückisch und aus Habgier» erschossen haben, um ihre Lebensversicherungen von etwa 1,5 Millionen Mark zu erhalten. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld und behauptet, Glück sei von zwei Männern überfallen und ermordet worden. «Ich bin ein Opfer zweier Tragödien», sagte er vor kurzem der israelischen Zeitung Maariv. «Ich habe nicht nur meine Frau, sondern auch meine Freiheit verloren.»

Tessler und Glück haben sich 1992 in der Stadt Rehovot in Israel kennen gelernt, wo die acht Jahre ältere Biologin am Weitzman-Institut promovierte. Obwohl sich die Tesslers, die den Holocaust überlebt hatten, gegen die Beziehung waren, heiratete das Paar in New York drei Jahre später. Glück... more...

Als Berliner Frauen ihre Männer vor Hitler bewahrten

von Walter L.J. Rosen, October 9, 2008
An der Rosenstrasse in Berlin-Mitte ist Besonderes zu entdecken. Ein Mahnmal für einige Hundert «arische» Berliner Frauen, die ihre jüdischen Männer, Geliebten, Söhne, auch einige Töchter, den erbarmungslosen Klauen der Gestapo entrissen - es erinnert an einen Akt des Aufbäumens, wie ihn ein Barde der Antike hätte besingen können.

Die Opfer waren bereits selektioniert für den Abtransport nach Auschwitz. Die mutigen Berlinerinnen wählten für ihren Kampf das gewaltlose Mittel der Demonstration; vom 28. Februar bis zum 16. März 1943 - es war die erste deutsche Frauendemo. Und die SS, sie stand Gewehr bei Fuss. Indes, der... more...

18 Prozent - Nein!

von Gisela Blau, October 9, 2008
Sprengsätze bei ausländerfeindlichen Rechtsextremen. Sprengstoff vor der Abstimmung über die Ausländer-Quote. Die Schweiz, ein Teil ihrer Bevölkerung, ist in Aufruhr. Sie lebt zwar seit jeher von den Ausländern, sofern sie zahlende Touristen oder Käufer unserer Produkte sind. Sie lebt... more...

Stellung und Berufung des Menschen

von Oberrabbiner Alexandre Safran, October 9, 2008
Am Rosch Haschana feiern die Juden die Erschaffung der Welt und die Erschaffung des Menschen. Als Er sich die Schaffung der Welt vornahm, an deren Spitze Er den Menschen setzen würde, begründete Gott die Zeit. Diese ist ein unsichtbares, nicht wahrnehmbares Element, unabdingbar jedoch dafür, dass der Mensch sich seiner Existenz in der Welt bewusst werden kann. Der abstrakte Begriff der Zeit ist untrennbar von der konkreten Realität des Menschen. In der anthropologischen Weltanschauung des Rabbi Eliyahu, des Gaon von Wilna (1720–1797) sind der Mensch und die Zeit ein unzertrennliches Paar.
Die Zeit ist mehr als ein Rahmen, innerhalb dessen die Dauer der Existenz eines menschlichen Wesens abläuft: Sie ist eine Erinnerung einerseits an die Unsicherheit wie anderseits an die Grösse der menschlichen Existenz. Es trifft zu, dass das Buch Genesis den Begriff der Zeit unter Beweis stellt,... more...

Hoffnung und Schrecken

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Über 100 000 Israelis haben am Gedenkanlass für Yitzchak Rabin teilgenommen, der vor genau 5 Jahren auf dem heute nach ihm benannten Platz im Herzen Tel Avivs nach Abschluss einer Friedensdemo ermordet worden war. Seit damals waren nie mehr so viele Menschen an eine Kundgebung gekommen wie am... more...

Geldwäschern geht es an den Kragen

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Die US Steuerbehörde IRS bläst zum Angriff auf Steueroasen und Geldwäscher. Sie ist entschlossen, Ländern, die diese Praktiken sanktionieren, das Fürchten zu lehren. Dabei stützt sie sich auf die «schwarze Liste», die die OECD kürzlich veröffentlichte und in der auch Israel als beliebtes Schlupfloch für Steuerhinterzieher und Geldwäscher einen Platz einnimmt. Absicht der US-Steuerfahnder ist, Bürger ihres Landes, oder Ausländer, die in US-Wertpapiere oder andere Vermögenswerte investieren und davon profitieren, zur Kasse zu bitten. Dazu benötigt sie die Kooperation ausländischer Banken. Die sind jedoch - gestützt auf ihr Bankgeheimniss - nicht bereit, den Amerikanern Einsicht in ihre Geheimnisse zu gewähren.

Um widerborstige und unkooperative Banken im Ausland gefügig zu machen, haben sich die Steuereintreiber der IRS etwas einfallen lassen: für Amerikaner, die über israelische Banken Kapitalerträge in den USA erzielen, verlangen sie mit Wirkung vom 1. 1. 2001 für die von US Steuerbürgern bei... more...

Geht, bleibt oder kommt Barak zurück?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Trotz diverser Scharmützel taktischer Natur und einigen mehr oder weniger grossen Krisen in der Verhandlung scheinen die Gespräche über einen Beitritt von Ehud Baraks Israelischer Arbeitspartei (IAP) zur Regierung Sharon schon so gut wie beendet und die Bildung einer grossen Koalition nur noch eine Frage von Tagen zu sein. Das entstehende politische Regierungsprogramm ist wässrig genug, um sowohl Likud als auch IAP als Feigenblatt zu dienen und erst noch einigen rechts-nationalen Klein-Parteien das Mitmachen fürs Erste zu ermöglichen. Das ganze spielt sich vor einer gefährlichen Eskalation der Gewalt in den Gebieten ab.
Alle Einzelheiten waren am Mittwoch früh zwar noch nicht unter Dach und Fach, und die eine oder andere Krise kann nicht ausgeschlossen werden. Doch daran, dass es dem designierten israelischen Premierminister Ariel Sharon letztlich gelingen würde, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden,... more...

Machen wir Tachles!

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Im weltweiten Gesamtbild der jüdischen Presse nimmt die schweizerische quantitativ wie bedeutungsmässig einen relativ bescheidenen Platz ein. Und dennoch: Wenn am 6. April auf einen Schlag zwei bewährte Titel durch einen neuen ersetzt werden, der sich erst noch behaupten muss, dann lässt das... more...

Holocaust-Zeugnisse zugänglich machen

von Tom Tugend, October 9, 2008
In einem riesigen Zelt auf dem Gelände der Universal-Studios enthüllte ein von hochmoderner Computereinrichtung und riesigen TV-Bildschirmen umgebener Steven Spielberg seinen High-Tech-Plan zur Verbreitung und Bewahrung des lebendigen Zeugnisses von Holocaust-Überlebenden. Hollywoods erfolgreichster Filmemacher vermittelte einen Einblick in die Arbeit der Stiftung «Survivors of the Shoa Visual History Foundation», die er vor fünf Jahren im Anschluss an das gewaltige Echo seines Films «Schindlers Liste» gegründet hatte.
Bis jetzt sind, wie Spielberg erklärte, total 50 441 Zeugnisse in 57 Ländern und in 32 Sprachen auf Video aufgenommen worden. Insgesamt wurden fast 116 000 Stunden Zeugnisse von Überlebenden festgehalten. Eine Einzelperson würde zwölf Jahre und zehn Monate brauchen, um sich das ganze Material... more...

Lehren und Lernen

October 9, 2008
In vielen Ländern wird über das Erziehungswesen geklagt, doch nur wenige gleichen Israel in Bezug auf objektive Schwierigkeiten und individuell-sektorale Sonderwünsche. Vor der inhaltlichen Diskussion des Themas ist zu erinnern (in dieser Hinsicht unterscheidet sich Israel nicht von anderen),... more...

Anachronistisches Denken

October 9, 2008
Am 28. Juni 1967 verdreifachte Jerusalem seinen Umfang. Als Regierung und Knesset beschlossen, die Altstadt und die angrenzenden Zonen zu annektieren, kamen fast 70 000 Dunam zu den 37 200 Dunam hinzu, welche bis dahin Jerusalem ausgemacht hatten. Die neue Stadt wurde zu einem Sammelsurium... more...

Arafat und der zionistische Traum

October 9, 2008
Sollten wir im Laufe des nächsten Jahres mit einem Abkommen über die Gründung eines Palästinenser-Staates überrascht werden, müsste man Yasser Arafat mit dem Entzünden einer Kerze am nächsten Jom Ha\'azmaut auf dem Herzl-Berg beehren. 52 Jahre nach der Deklaration von Israels... more...

Barak unter Druck und Drohungen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Trotz Rücktrittsdrohungen einiger seiner Minister scheint Israels Premier Barak entschlossen zu sein, den Dreiergipfel mit Arafat und Clinton zwecks Erzielung einer dauerhaften Lösung abzuhalten. Über den möglichen Inhalt dieser Lösung ergehen die israelischen Medien sich in den wildesten Spekulationen. Nicht weniger wild war am Dienstagabend eine grosse, gegen die USA gerichtete Siedler-Demo, und der Konflikt zwischen Washington und Jerusalem rund um israelisch-chinesische Rüstungsgeschäfte nimmt langsam bedrohliche Formen an.
Lernen die Israelis tatsächlich nie aus der Geschichte? Diese Frage drängt sich beim Anblick der Bilder auf, die verschiedene Zeitungen am Mittwoch von der Kundgebung brachten, die rund 3000 Siedler und Sympathisanten am Vorabend in Jerusalem vor dem Hotel durchführten, in dem US-Aussenministerin... more...

Jüdische Beiträge zur Dada-Musik

Walter Labhart, October 9, 2008
Unter dem Motto «Terra incognita - Land in Sicht» machen die vom 18. bis 27. August dauernden 17. Musikalischen Begegnungen Lenzburg mit allerlei Raritäten bekannt. Zwischen einem Chorkonzert mit Werken der Familie Bach und italienisch inspirierten Kompositionen von J. S. Bach, Othmar Schoeck und Igor Strawinsky werden hierzulande unbekannte Stücke australischer Herkunft von Liza Lim und Richard Meale vorgestellt.

Viel musikalisches Neuland gibt es auch im «Klaviermusik aus Böhmen und Mähren» betitelten Rezital des in Basel lebenden Pianisten Tomás Dratva in einer Sonate von J. V. H. Vorísek (1825) und in einem Stück des Mozart-Zeitgenossen Leopold Kozeluh zu entdecken.Die vielleicht grössten... more...

Juden haben keine Angst vor Haider

von Anton Legerer, October 9, 2008
«Deprimierend», fasste IKG-Präsident Ariel Muzicant seine Empfindungen nach der Wahl zum österreichischen Nationalrat am Sonntag zusammen. Ausser starken Verlusten der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ), dem Ausscheiden der Liberalen und leichten Gewinnen der Grünen zeigt die vorläufige Stimmenauszählung - das Endergebnis, zu dem noch 200 000 Wahlkartenwähler zählen, davon 80 000 ausserhalb Österreichs lebende Wahlberechtigte, wird erst am kommenden Dienstag feststehen - einen nochmaligen Anstieg der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) unter Jörg Haider.
Nach 13-jähriger Obmannschaft Jörg Haiders und zahlreichen Zugewinnen in der Vergangenheit konnte diese Partei mehr als ein Viertel der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen (27%). Damit liegt die FPÖ gleichauf mit der konservativen Volkspartei (ÖVP), in relativ geringer Distanz zur noch immer... more...

Nach den ersten Zeichen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Am Rande der Beisetzung König Hassans II von Marokko kam es nicht zum erhofften Treffen zwischen Israels Premier Barak und Syriens Präsident Assad. Das Gespräch mit dem algerischen Präsidenten Bouteflika und der Besuch des palästinensischen Parlamentsvorsitzenden Abu Alah in der Knesset sind... more...

Jüdische Museen und Identität

von Hanna Rheinz, October 9, 2008
Mahnmale, Gedenkstätten, Museen. Die Orte der Erinnerung sind zahlreich in Deutschland. Zu diesen Orten der Erinnerung treten die Objekte der Erinnerung. Und hier scheiden sich die Interessen, denn die Nachkommen der Täter und Mitläufer haben ein anderes Interesse an den Objekten als die Nachkommen der Opfer, die Touristen aus Israel und den USA, die ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt, die Mitglieder der jüdischen Gemeinden, die Zuwanderer, die oft noch auf einer Warteliste der Mitgliedschaft in die betreffende Gemeinde stehen. Für diese Menschen kann das Jüdische Museum ein wichtiger Schritt auf dem Weg sein, die eigene Identität auch materiell durch Kultgerät zu begreifen.
Am Umgang mit diesen Objekten der Erinnerung lassen sich, wie bei einem Lackmus-Test, die unterschiedlichen Erwartungen ablesen, die an die jüdische Existenz in einer deutschen Umwelt gestellt werden. Wird sie jemals selbstverständlich werden? Werden die Zeremonialobjekte wieder ihren eigentlichen... more...

Guten morgen Deutschland

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Stück um Stück legt die fortschreitende Zeit das Ausmass der CDU-Spendenaffäre frei. Die Kette der Verstrickungen reicht von Lügen, Fälschungen und Vertuschung bis hin zu versteckten Bankkonten - auch in der Schweiz -, illegalem Geldtransfer und somit Verstoss gegen das Parteispendengesetz... more...

Antisemitische Post für SIG

von Gisela Blau, October 9, 2008
Unappetitliche Folgen zeitigte der Brief an Bundesrat Joseph Deiss, in dem der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) am 7. Februar ersucht hatte, mit dem Empfang des neuen österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel durch die Landesregierung noch zu warten: SIG-Präsident Rolf Bloch erhielt mindestens 20 üble antisemitische Briefe, nachdem die Medien, auch die elektronischen, über das Schreiben berichtet hatten. Obwohl der SIG den Wortlaut bis heute nicht veröffentlichte, hatte die Zeitung «Le Temps» davon erfahren und ihn publik gemacht.
«Ich hätte mir nie vorstellen können, was anschliessend geschah», sagt der SIG-Präsident zur JR. Weil Bloch in den Berichten persönlich die Sorgen und Bedenken der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz erläutert hatte, erhielt er auch persönlich unangenehme Post. «Leider kam nicht einmal... more...

Nachruf auf die Redlichkeit

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Kein Skandal, keine Affäre, kein politisches Fiasko zwangen Ursula Koch zum Rücktritt vom SP-Parteipräsidium; Redlichkeit und ihre Gesundheit waren es. Ursula Koch ist sich und der Parteibasis auch im höchsten SP-Amt treu geblieben. Und deshalb musste sie zurücktreten. Wenn jetzt die Kommentare... more...

Ernste und heikle Fragen

October 9, 2008
Wer glaubt, mit der Schliessung des «Fatma-Tores» an der israelisch-libanesischen Grenze sei auch das libanesische Kapitel von Israels Geschichte beendet, der macht sich etwas vor. Die Jerusalemer Regierung steht vielmehr vor einer Reihe ernster und heikler Fragen.Beispiel: Bedeutet der Rückzug... more...

Eine späte Entdeckung

von Gabi Rosenberg, October 9, 2008
Mit der Portraitfotografie hatte sie sich jahrzehntelang die Brötchen verdient. Jetzt, mit sage und schreibe über 85 Jahren, gibt es für die Zürcher Fotografin Thea Goldmann ein neues Thema, das sie ganz kribblig macht: Wasserspiegelungen. Einige davon hängen noch bis 19. August in einer Gruppenausstellung der Thalwiler Hof-Kunst zum Thema Seeblick.
In einer Einzelausstellung bei Claudine Hohl kann man nun ihr Gesamtwerk kennen lernen (vom 25. Juli bis 10. August). 36 Wasserspiegelungen sind mit dabei. Sie sei wohl die älteste Grossmutter hier, meinte die zierliche, schmale Frau schmunzelnd anlässlich der Thalwiler Vernissage, «nur habe ich... more...

Auf gutem Wege Richtung Ziel

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Je näher der Besuch von US-Aussenministerin Madeleine Albright in Israel und die palästinensische Autonomie rückt, umso sichtbarer werden die Bemühungen Israels und der PLO, die Differenzen auf dem Weg zur Verwirklichung des Wye-Abkommens auszuräumen. Nach wie vor sind die palästinensischen Sicherheitsgefangenen und der Terminkalender für Wye die Haupthindernisse für einen echten Durchbruch.
Je näher der 1. September rückt, an dem US-Aussenministerin Madeleine Albright ihre nächste Nahostreise startet, umso offensichtlicher wird es, dass Israelis und Palästinenser entschlossen sind, ihr eine praktisch unterschriftsreife Vereinbarung über die Verwirklichung des Wye-Abkommens... more...

«Die Todesstrafe gehört zur Tagesordnung»

von Marc D. Herzka, October 9, 2008
In den kommenden Tagen veröffentlicht die weltweit grösste unabhängige Menschenrechtsorganisation, Amnesty International (AI), ihren aktuellen «Jahresbericht 1999» in deutscher Sprache. Der im Buchhandel erhältliche Report untersucht kritisch die Menschenrechtssituation in über 100 Ländern, darunter auch in Israel, den Palästinensischen Autonomiegebieten und zahlreichen arabischen Staaten. Die Jüdische Rundschau hat den Vorabdruck des über 600 Seiten starken Werkes studiert und mit einem Vertreter von Amnesty International Schweiz über neue Entwicklungen in Israel und den an Israel angrenzenden arabischen Ländern gesprochen.
Der neue Jahresreport von Amnesty International («Jahresbericht 1999», jetzt als Fischer Taschenbuch Nr. 14 445 im Buchhandel erhältlich, Frankfurt am Main, Juli 1999, Fr. 19.90.) zählt über 600 Seiten und gilt unter Experten als eines der wichtigsten Werke zum Thema Menschenrechte. Nachdem... more...

Dunkle Flecken auf Amerikas Holocaust-Weste

von Michael Sshapiro, October 9, 2008
Neu entdeckte Dokumente über die Plünderung eines mit Wertsachen ungarischer Juden gefüllten Zuges durch US-Soldaten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges könnten andere Länder veranlassen, in einem Versuch, Wiedergutmachung zu leisten, dunkle Kapitel ihrer eigenen Geschichte zu durchforschen. Zu diesem Schluss gelangten Mitglieder der von US-Präsident Clinton eingesetzten Kommission, die das Schicksal des «ungarischen Goldzuges» untersuchten, der voller Wertgegenstände war, welche die Nazis ungarischen Juden abgenommen hatten, und die schliesslich bei amerikanischen Wehrmännern landeten.
«Als wir diese Kommission bildeten, wussten wir, so glaube ich, dass wir einige dunkle Flecken auf unsrer eigenen Weste entdecken würden», erklärte Finanz-Unterstaatssekretär Stuart Eizenstat, der in Bezug auf die Rückerstattungsfrage von Holocaust-Wertsachen die Administration Clinton... more...

Licht auf die Schattenseiten

von Walter Labhart, October 9, 2008
Ihre während eines knappen Jahrzehnts geschaffenen Fotografien hielt sie für «weder besonders bedeutend noch eigentlich modern»: Marianne Breslauer, die Gattin des Kunsthändlers Walter Feilchenfeldt und selber in diesem Berufe tätig, wurde für ihr fortschrittliches fotografisches Wirken am 30. Oktober dieses Jahres mit dem Hanna-Höch-Preis des Landes Berlin geehrt.
Eine rund vierzig ausgewählte Arbeiten umfassende Einzelausstellung der Schweizerischen Stiftung für die Fotografie macht hierzulande erstmals mit den zwischen 1927 und 1938 in Berlin und Paris entstandenen Hauptwerken der jahrzehntelang vergessenen Fotografin bekannt. Bis zum 8. Januar 2000 zeigt... more...

Edel-Schnorrer Michael Levy

von Sharon Sadeh und Yossi Verter, October 9, 2008
Lord Michael Levy, der wichtigste Geldsammler für den britischen Premierminister Tony Blair, soll auch in die Finanzierung der Wahlkampagne von Israels Regierungschef Ehud Barak involviert gewesen sein. Das zumindest schreibt die Londoner «Sunday Times» in ihrer letzten Ausgabe.
Lord Michael Levy, der 1996 für Tony Blairs Wahlkampagne rund 40 Millionen Pfund Sterling mobilisieren konnte, spendete, wie die Londoner «Sunday Times» schreibt, «beträchtliche Summen für israelische Politiker, deren Parteien derzeit wegen der Finanzierungspraxis ihrer Wahlkampagnen... more...

«Haider ist ein Populist, aber kein Antisemit»

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Der Antrittsbesuch des österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel in der Schweiz verlief ruhig, zu ruhig könnte man meinen. Denn die wochenlangen lauthalsen Proteste, Unterschriftensammlungen und das politische Hickhack gegen den Arbeitsbesuch liessen anderes vermuten. Letztlich nutzte Wolfgang Schüssel den vermeintlichen Schweizer Spiessrutenlauf für einen souveränen Auftritt. Die JR traf den österreichischen Bundeskanzler zum kurzen Gespräch.
Viele haben sich das wohl etwas anders vorgestellt, als der wochenlang geschmähte Bundeskanzler Schüssel vergangenen Freitag seinen Fuss nach Bern setzte. Denn abgesehen von einer eher kläglichen Kundgebung auf dem Berner Bundeshausplatz hatte Schüssel allerhöchstens noch gegen kritische... more...

Die bitteren Früchte des Zorns

October 9, 2008
Alle Israelis, speziell aber die in Galiläa lebenden Bürger, leiden heute unter den Konsequenzen des unseligen Abkommens, das im Vorfeld der Wahlen von 1996 nach der Operation «Früchte des Zorns» von der Regierung der Arbeitspartei mit der Hizbollah-Miliz abgeschlossen worden ist. Das Abkommen... more...

Gefährlich schlau und wahnsinnig komisch

von Ellen Presser, October 9, 2008
Im Alter von 79 Jahren erlag Walter Matthau in der Nacht zum 1. Juli in einem Krankenhaus im kalifornischen Santa Monica einem Herzinfarkt. Am 1. Oktober wäre der Schauspieler 80 Jahre alt geworden. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Jack Lemon («Der Glückspilz», «Ein seltsames Paar») hat ihn als grossen Komödianten in die Filmgeschichte eingehen lassen. 1968 erhielt Matthau für die Darstellung eines geldgierigen Winkeladvokaten in der Billy-Wilder-Komödie «Der Glückspilz» einen Oscar als besten Nebendarsteller.
Als Sohn russisch-litauischer Einwanderer in der East Side in New York geboren, gehörte Walter Matuschanskayasky - so sein bürgerlicher Name - zu den Unterprivilegierten. Seine Mutter Rose schuftete als Näherin in einem der berüchtigten sweat shops. Dazu Matthaus späterer Kommentar: «Als meine... more...

Vom Umgang mit Spendengeldern

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Eine der wichtigen Mitzwot (Gebote) im Judentum ist es, einen Teil des Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden. Schweizer Jüdinnen und Juden tun dies in grossem Masse. Sie spenden und unterstützen im In- und Ausland mit ungebrochenem Engagement u.a. jüdische und israelische Institutionen.... more...

Ein kontroverser Journalist tritt ab

von Nicolas Penchaszadeh, October 9, 2008
Jacobo Timerman, ein ehemaliger politischer Gefangener, ist an den Folgen einer Herzattacke in Buenos Aires im Alter von 76 Jahren gestorben. Er war sein ganzes Leben lang ein überzeugter Zionist gewesen und sorgte mit seinen Recherchen für öffentliches Interesse.
Der diese Woche in Argentinien verstorbene Jacobo Timerman galt als offener und kontroverser Journalist. Berühmt geworden ist er durch sein 1981 im israelischen Exil veröffentlichtes Buch «Prisoner Without a Name, Cell Without a Number», in dem er sich mit seiner Zeit in Gefangenschaft befasst.... more...

Undurchsichtige Verbindungen

von George Szpiro, October 9, 2008
Präsident Weizmann, der sich wegen der Annahme von Geldgeschenken einer Untersuchung unterziehen muss, hält trotz Aufforderungen zum Rücktritt stur an seinem Posten fest. Gegen den ehemaligen Justizminister Tzachi Hanebgi wird demnächst Anklage wegen Bestechlichkeit oder Vertrauensbruch erhoben.
Der israelische Präsident Ezer Weizman gerät vom Regen in die Traufe. Wie erinnerlich wird ihm vorgeworfen, von einem französischen Millionär in den Jahren 1989-1993 Geldgeschenke in der Höhe von fast einer halben Million Dollar erhalten zu haben. Weizman stritt die Annahme der Geldgeschenke... more...

«Israel braucht unsere Hilfe»

von Alexis Canem, October 9, 2008
Noch zu Lebzeiten hatte Ignatz Bubis s. A. die Idee, Keren Hayessod mit einem besonderen Projekt zu unterstützen. Er wollte in Givat Masua eine Tagesstätte für Kinder einrichten, die sonst tagsüber unbeaufsichtigt wären, weil beide Eltern arbeiten. Diesen Vorschlag griff Keren Hayessod Deutschland auf und begann im südwestlichen Teil Jerusalems, wo viele ärmere Einwanderer aus Nordafrika, der früheren Sowjetunion, Südamerika und Europa leben und die Kriminalrate höher als in anderen Stadtteilen ist, mit dem Bau eines nach dem verstorbenen Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland benannten «Ignatz Bubis Tageszentrum», damit die Kinder bessere Chancen für die Zukunft haben.

Zuschüsse für dieses Projekt wurden erneut in Frankfurt a. Main, der nach Berlin zweiten Station der diesjährigen Maghbit-Eröffnung neben den allgemeinen Spenden gesammelt.«Nach wie vor», so der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Dr. Salomon Korn, «braucht Israel unsere Hilfe.»... more...

Chaos auf dem Flughafen und in den Passbüros

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Dem «Auszug aus Ägypten», wie die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft im Volksmund genannt wird, ist Pessach gewidmet. Blickt man allerdings auf das, was sich in den Tagen vor dem Feste in Israel, konkreter gesagt auf dem Ben-Gurion-Flughafen abspielte, ist man geneigt, nicht mehr vom Auszug aus Ägypten, sondern eher vom «Auszug aus Israel» zu sprechen.
Nach Schätzungen israelischer Touristikkreise haben vor dem Pessachfest über 200 000 Mitbürger und -bürgerinnen das Land zu Ferienzwecken verlassen, bzw. werden es während des Festes verlassen. Exodus nach USA und EuropaDie bevorzugten Ziele in diesem Jahr sind London, Paris, Prag, die USA... more...

Deutsche Verantwortung für Israel

von Alexis Canem, October 9, 2008
Nur mit Deutschen, sonst mit keiner anderen Armee der Welt, trainieren Israels Streitkräfte zusammen. «Inzwischen ist das selbstverständlich geworden», sagt der israelische Offizier, der die Kadetten ausbildet. Vor drei Jahren mussten die Bundeswehrsoldaten am Flughafen noch bis zu ihrem Bus von Militärs eskortiert werden. «Da gab es einen Medienrummel, als wären Popstars gelandet», erinnert er sich. Nun sieht man dieses Pilotprojekt als einen Quantensprung in der deutsch-israelischen Beziehung.

Von den 230 Jahrgangsbesten der deutschen Bundeswehr haben sich hundert für eine Spezialausbildung in Israel beworben, die eine der besten Armeen der Welt hat. Nur sechzehn Mann wurden dann ausgewählt, die gegenseitig für drei Wochen zusammen mit den Streitkräften Israels trainieren. Die... more...

Reklame für Hitler

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Die unkommentierte Ausgabe von Adolf Hitlers «Mein Kampf» in der Tschechischen Republik ist heftig umstritten. Der Verleger wurde von der Polizei verhört, die Auflage ist beschlagnahmt worden. Jedoch gerade solche Massnahmen sowie die sie begleitende Medienaufmerksamkeit erwiesen sich als absatzfördernd – man spricht von einem Bestseller.
In der Juli-Ausgabe von «Rosch Chodesch», dem monatlich erscheinenden Organ der Jüdischen Gemeinden in Böhmen, Mähren und der Slowakei, wird die Vermutung geäussert, es sei die umfangreichste öffentliche Debatte der letzten Jahre, die sich in Tschechien einem nicht politischen Thema widme:... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Volcker-Komitee. An den letzten beiden August-Tagen traf sich das Komitee «eminenter Persönlichkeiten» unter Vorsitz von Paul Volcker zu seinem 13. Meeting in New York. Möge die Zahl Glück bringen, denn die Mitglieder berieten über ihren abschliessenden Bericht. Sie liessen sich von jeder der... more...

Steht die charedische Gesellschaft Israels vor einer Revolution?

von Herb Keinon, October 9, 2008
Das mit Fanfaren angekündigte und abgeschlossene Koalitionsabkommen über das Verhältnis zwischen Jeschiwa-Studenten und der israelischen Armee mag für letztere kaum etwas bedeuten. Für die charedische Gesellschaft aber grenzt es an eine Revolution. Eine Betrachtung mit Ausblicken.
Würden Aktien technologischer Schulen an der israelischen Börse ebenso gehandelt wie Aktien von Chemiefirmen oder Internet-Gesellschaften, wären die Chancen durchaus gegeben, dass der Preis für Aktien von Rabbi Yecheskel Fogels Charedischem (ultra-religiöses) Zentrum für Technologische Studien... more...

Gepolter von rechts

von Gisela Blau, October 9, 2008
Ein Interview nach den Wahlen in einer israelischen Zeitung erregt die Gemüter: SVP-Nationalrat Christoph Blocher zog ungefragt einen Vergleich zwischen dem angedrohten Banken-Boykott vor knapp anderthalb Jahren und dem Nazi-Boykott jüdischer Geschäfte. Allerdings manipulierte «Jediot Achronot» auf äusserst unzulässige Weise das Interview, indem Blocher ein Zitat untergejubelt wurde, das er nie geäussert hat.
Zeigte Christoph Blocher sein wahres Gesicht erst nach den Wahlen? Jedenfalls zog er auf die Frage eines israelischen Korrespondenten, ob sich jetzt die jüdische Bevölkerung der Schweiz fürchten müsse, einen Vergleich zwischen der ursprünglich von amerikanischen Juden initiierten und von... more...

Cézanne als anregende Vaterfigur

von Walter Labhart, October 9, 2008
Bekannte sich der Maler Paul Cézanne (1839-1906) zu seinem jüdischen Mentor Camille Pissarro als seinem wichtigsten Lehrmeister, so wurde der provenzalische Vorläufer des Kubismus später selber zu einem der wichtigsten Vorbilder. Paul Cézanne hat wie kaum ein zweiter Künstler entscheidenden Einfluss auf mehrere Stilrichtungen und zahlreiche Maler ausgeübt, ohne selber Unterricht zu erteilen.
Was der eher kontaktarme, scheue Maler aus Aix-en-Provence mit seiner Verselbständigung von Farbe und Form einerseits, mit der Herauskristallisierung kubischer Konturen andererseits bewirkte, bringt noch bis zum 9. Januar die auf das ganze 20. Jahrhundert zurückblickende Schau «Cézanne und die... more...

Wer darf nach Berlin gehen?

von Yossi Verter und Zvi Zrahiya, October 9, 2008
Das Ernennungskomitee der Kommission für Zivilangestellte wies am Montag die Nominierung des Abgeordneten Yossi Katz (Ein Israel) zum israelischen Botschafter in Deutschland zurück. Das löste verärgerte Reaktionen im Büro des Premierministers und in der Führungsspitze von Ehud Baraks Partei «Ein Israel» aus.
Der Beschluss der zuständigen Kommission, die Ernennung des Abgeordneten Yossi Katz zum Botschafter in Berlin zurückzuweisen, brachte Pläne Ehud Baraks und seines Aussenministers David Levy durcheinander, ein Revirement in der Knesset herbeizuführen. Es war die Rede davon gewesen, Motti Mishani... more...

Multikulturell, nicht nur religiös

von Douglas Davis, October 9, 2008
Die Juden Grossbritanniens sollten sich selber nicht nur in rein religiösen Begriffen definieren, sondern als eine Gruppe, die kulturell, historisch und sozial zusammengehört. Zu diesem Schluss gelangt eine letzte Woche in London veröffentlichte Studie. die mit Vorschlägen
«Wenn wir uns darstellen wollen, sollten wir eine umfassende Definition des jüdischen Volkes annehmen und uns als ethnische Gruppe präsentieren.» Das ist die Quintessenz einer vom Institute for Jewish Policy Research in London veröffentlichten Studie. Der Bericht fordert auch die Schaffung... more...

«Man muss seine eigene Persönlichkeit auf die Bühne stellen»

von Ellen Presser, October 9, 2008
Der 92-jährige Schauspieler Leon Askin ist ein Urgestein seiner Branche. Er studierte in Wien, bekam sein erstes Engagement in Düsseldorf, begegnete in seinen Pariser Jahren Darius Milhaud, Max Colpet, Marlene Dietrich, arbeitete am Broadway und in Hollywood mit Stars wie Richard Burton und Jean Simmons, James Cagney und Dany Kaye. Seit 1994 in seine Geburtsstadt Wien zurückgekehrt, verfolgt die aktuellen Entwicklungen mit Beklemmung, enthält sich aller politischen Kommentare und doch ist sein Schweigen sehr beredt, wenn er froh darüber ist, seine amerikanische Staatsbürgerschaft zu haben: «Der Rest ist "Silence".»
Für den Schauspieler Leon Askin verbinden sich mit seiner Geburtsstadt Wien die schönsten und wichtigsten, aber auch die dramatischsten und schrecklichsten Erinnerungen. Darum war es für das Kulturzentrum der IKG München und die Pasinger Fabrik, in der unter dem Motto «Sag beim Abschied...»... more...

Der Agent mit der Lizenz zum Löten ist frei

von Gisela Blau, October 9, 2008
Nach mehreren international stark beachteten Prozesstagen vor dem Bundes-Strafgericht in Lausanne wurde ein Mossad-Agent zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt und damit faktisch freigesprochen. Die Kaution, die von Israel für seine Entlassung aus der Untersuchungshaft hinterlegt worden war, wird zurückbezahlt.
Kennen Sie den Witz von Moische Kohn, dem Spion? Anfang Juli wurde er in Lausanne gespielt. Einer der merkwürdigsten Bundesgerichts-Prozesse ist vorüber, und alle sind happy: Der Vize-Bundesanwalt Felix Bänziger, weil ein israelischer Spion in allen Punkten schuldig gesprochen wurde, und obwohl... more...

Kritik als Sprachkunstwerk

von Walter Labhardt, October 9, 2008
Unter den vielen jüdischen Wiener Kritikern mit spitzer Feder nahm Karl Kraus (1874-1936) eine Sonderstellung ein. Er attackierte nicht nur die Missstände im Adel, Beamten- und reichen Bürgertum so wie in der Literaturszene, sondern gab auch eine entsprechend streitbare Zeitschrift heraus. Mit der «Fackel», deren erste Nummer im April 1899 in Wien erschien, schuf Kraus ein literarisches Forum mit der Funktion eines Anti-Mediums. Hundert Jahre nach dem ersten Erscheinen der allein schon ihres roten Umschlages wegen auffallenden «Fackel» erinnert das Jüdische Museum Wien mit einer vorbildlich gestalteten Sonderausstellung an den grossen Kritiker und seine Verdienste als Herausgeber dieser erst wenige Wochen vor seinem Tode mit der Nummer 922 eingestellten Zeitschrift.
Noch während seines Studiums der Rechte an der Wiener Universität begann sich der als Sohn eines jüdischen Papierfabrikanten und einer Arzttochter in Ji×cin (Böhmen) geborene Literat als Journalist zu betätigen. Im Café Griensteidl, dessen späteren Abbruch er in der Satire «Wien wird zur... more...

Jüdisch ist «trendy»

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Sie schiessen in Europa geradezu wie Pilze aus dem Boden, jüdische Museen, Festivals, Denkmäler, Institute und Hochschulen. Anscheinend ist ein unglaublicher Nachhol- und Konservationsbedarf an jüdischer Kultur vorhanden, der sich gerade in Deutschland manifestiert, zumindest auf akademischer... more...

Pardon für Österreichs Regierung

von Anton Legerer, October 9, 2008
Der dreiköpfige Expertenrat der 14 EU-Partnerländer Österreichs, der erst im Juli vom Präsident des Internationalen Gerichtshofs für Menschrechte in Strassburg, Luzius Wildhaber aus der Schweiz, eingesetzt worden war, lieferte letzten Freitag, 8. September, sein Gutachten über die österreichische Regierung und die FPÖ ab. Alles in allem stellt der Bericht des Expertenteams - bestehend aus dem früheren finnischen Präsidenten, dem zuletzt als Vermittler im Kosovo-Konflikt tätigen Martti Ahtisaari, dem ehemaligen EU-Kommissar aus Spanien, Marcelino Oreja, und dem Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Jochen A. Frowein - eine Überraschung für alle Beteiligten dar.

In diesem Bericht wird die gegenwärtige österreichische rechtskonservative FP/VP-Regierung pardoniert und die - von den EU-14 nicht erbetene - Einschätzung vermittelt, wonach die Sanktionen «kontraproduktiv» seien, weil sie nationalistische Ressentiments geweckt hätten. Die EU-14, allen voran... more...

Verunbildung

von Gabriel H. Cohn, October 9, 2008
Wer die Palästinensischen Medien kennt und mit den neuen Schulbüchern in den autonomen Gebieten vertraut ist, kann sich über den Rosch-Haschana-Aufstand der Palästinenser nicht wundern. Schon seit langer Zeit wird in jeder möglichen (und unmöglichen!) Form Gewaltanwendung gegen Israel... more...

Eine Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts

von Alexis Canem, October 9, 2008
Es gibt viele Fotos von der Schriftstellerin Anna Seghers. Ein Passbild von 1947 berührte mich besonders. Das Gesicht ist gekennzeichnet von Kummer, Verzicht und grosser Enttäuschung. Nur die traurigen, dunklen Augen leuchten und zeigen eine ungebrochene Entschlossenheit. Es ist das Jahr ihrer Rückkehr aus dem Exil nach Deutschland. Vierzehn Jahre war sie mit ihrer Familie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Lebte in Paris, Martinique, Santo Domingo und reiste über New York schliesslich ins mexikanische Veracruz. Sie überlebte, ihre Eltern und Schwäger nicht. Die Mutter starb in Theresienstadt, die Grossmutter in Piaski, wohin man die 62-Jährige deportierte.
Als Anna Seghers zurückkam, war sie bereits eine international renommierte Schriftstellerin und ihr Roman «Das 7. Kreuz» in viele Sprachen übersetzt worden. Für Deutschland jedoch war sie erneut eine Unbekannte. Man hatte vergessen, dass sie schon 1928 den «Aufstand der Fischer von St.... more...

Ein Basler als Abteilungsleiter am Laniado-Spital

October 9, 2008
Seit 1998 leitet der Basler Arzt Dr. Claude Picard die Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Laniado-Krankenhaus in Netanya. Unter seiner Ägide entwickelte die Abteilung sich aus sehr bescheidenen Anfängen zu einem wichtigen Bestandteil des Spitals, das einer Bevölkerung von einer Viertel Million dient. Am 3. Februar (vgl. S. 15) findet in Basel ein Filmabend zugunsten von VOLAN (Verein für Orthopädie und Traumatologie im Laniado-Spital) statt, an dem Claude Picard anwesend sein wird.<br><br>Für die JR unterhielt Jacques Ungar sich mit Claude Picard.
Inside: Sie leiten die Abteilung für Orthopädie und Traumatologie des Laniado-Krankenhauses in Netanya.Claude Picard: Als ich Anfang 1998 hier begann, existierte in dem sonst vollständigen Spital noch keine Orthopädie-Abteilung. Mein Hauptziel war die Einrichtung einer Notfallstation, um... more...

Geschichtsbewältigung in der Zeitschleife

von Martin Droschke, October 9, 2008
Das Andenken an die 1000-jährige Jüdische Geschichte Deutschlands in wissenschaftlichen Sammlungen zu konservieren, hätte der BRD schon vor Jahrzehnten gut gestanden. Die Existenz eines jüdischen Museums in Deutschland artikuliert ganz automatisch in ihrem Subtext das simple und schmerzhafte Eingeständnis: Deutschlands jüdisches Leben wurde zwischen Reichspogromnacht und Befreiung vernichtet. 1990. Im nordbayerischen Fürth wird der Trägerverein «Jüdisches Museum Franken» gegründet.
Die Kleinstadt kann sich als Standort durchaus an Frankfurt oder Berlin messen, wo zeitgleich ähnliche Häuser geplant werden. Während ihrer historischen Blühtezeit im 18. Jahrhundert waren ein Fünftel der Fürther Bevölkerung Juden. In der Produktion religiöser Buchdrucke rangierte Fürth im... more...

«Die Verhandlungen können nicht ewig andauern»

October 9, 2008
Man könne nicht von Verhandlungsrunde zu Verhandlungsrunde, von Gipfel zu Gipfel schreiten, denn die Zeit sei beschränkt. Diese Ansicht vertrat Shlomo Ben-Ami, der amtierende israelische Aussenminister, vor der Auslandspresse in Jerusalem. Ben-Ami warnt auch davor, sich wegen des Tempelbergs in einen Religionskrieg hineinziehen zu lassen. Für die JR nahmen Jacques Ungar und Edgar Asher (Isranet) am Gespräch mit dem Minister teil.
Jüdische Rundschau: Wie beurteilen Sie die Situation nach Camp David?Shlomo Ben-Ami: Wir stehen an einer Wegkreuzung. Was die wichtigsten Themen betrifft, hat Camp David einige Fortschritte erbracht. Das gilt für Komplexe wie Grenzen, Sicherheit und Siedlungen. Zudem haben wir mit unseren... more...

Ein Jahrzehnt deutscher Einheit

October 9, 2008
Dass Deutschland ein wichtiger Partner Israels ist, in Europa schlechthin der wichtigste, bedarf keiner Betonung mehr. Selbst wenn sie von grundsätzlichen Vorbehalten weiterhin nicht frei sind, erkennen heute viele der einst harten Gegner des «Brückenschlages», dass die unter einmalig... more...

Finanzielles Trostpflaster für Barak?

von Sharon Samber, October 9, 2008
Vor dem Hintergrund unsicherer politischer Situationen in den USA und Israel hat das Weisse Haus dieser Tage den Kongress ersucht, die Vergabe einer zusätzlichen Finanzhilfe von 450 Millionen Dollar an Israel zu bewilligen. Der Entscheid dürfte im Dezember fallen, wenn der Kongress wieder zusammentritt.
Unter normalen Umständen wäre das Gesuch um mehr Finanzen für Israel Routine gewesen, vor allem da die Gelder in erster Linie zur Deckung der Kosten bestimmt sind, die Jerusalem im Zusammenhang mit dem Abzug aus Libanon enstanden sind - ein Schritt, der in den USA weitgehende Zustimmung... more...

Rückkehr = Rückschritt

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Viele Details im Vermittlungsvorschlag des US-Präsidenten (vgl. S. 1) stossen sowohl den Palästinensern als auch den Israelis sauer auf. Mit seiner Bemerkung, die Flüchtlinge dürften nicht nach Israel zurückkehren, wird Clinton sich vor allem bei den Palästinensern kaum neue Freunde geschaffen... more...

Angeregte Diskussionen in Berlin

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Auf den Schultern der Juden Europas lastet die Bürde der Suche nach einer eigenen Zukunft. Dieses Gefühl nahmen die Teilnehmer eines Wochenend-Treffens mit nach Hause, an dem in Berlin Vertreter der grössten jüdischen Dachorganisation der USA und jüdische Persönlichkeiten aus 18 europäischen Staaten zusammensassen.
Die Juden Europas müssen ihre Institutionen der Zeit anpassen, die Kontakte untereinander stärken, politische Aktivitäten koordinieren und gemeinsame Zielsetzungen ausarbeiten, um zu einer wichtigen Kraft innerhalb des Weltjudentums zu werden. Das sagten Teilnehmer einer Wochenend-Diskussion in... more...

Israel muss radikal umdenken

October 9, 2008
Noch ist es zu früh, um beurteilen zu können, ob die Politik von Premierminister Ariel Sharon Palästinenser und Israelis wieder an den Verhandlungstisch zurückbringen wird. Die zentrale Frage lautet zurzeit: Wollen die Palästinenser wirklich in Frieden und Harmonie leben? Obwohl Ehud Barak als... more...

Die Absurdität der18-Prozent-Initiative

October 9, 2008
Es ist einfacher, für die NZZ einen Artikel über die Volksinitiative «für eine Regelung der Zuwanderung» (18-Prozent-Initiative) zu schreiben als für die «Jüdische Rundschau». In der NZZ werden die berechtigten wirtschaftlichen Argumente gegen diese Vorlage besonders herausgestrichen. Für... more...

«Die palästinensische Seite in unsist eine Tatsache»

von Sharon Gal, October 9, 2008
Während die israelische Armee nach Ansicht von Beobachtern bei den Unruhen in den Gebieten das Geschehen insofern kontrolliert, als dass Eskalationen der Gegenseite mit eigenen Massnahmen gekontert werden können, ist man sich in Jerusalem darin einig, dass die Konfrontation mit den israelischen Arabern (18% der Gesamtbevölkerung) viel gefährlicher ist und mit zunehmender Dauer ausser Kontrolle geraten könnte. Noch nie seit 1948 haben beispielsweise arabische Bürger des jüdischen Staates mit scharfer Munition auf Polizisten geschossen. «Die arabische Bevölkerung ist nicht extremistisch geworden, sie hat nur zu viel gelitten», meint dazu der Knessetabgeordnete Abdulmalik Dahamshe.
Das Interview mit dem Abgeordneten Abdulmalik Dahamshe von der Vereinigten Arabischen Liste hätte am Sonntag in seinem Heim in Kafr Kana in Galiläa stattfinden sollen. Als der vereinbarte Termin herannahte, hüllte jedoch eine dicke schwarze Wolke das Dorf ein. An der Kreuzung Beit Rimon unweit... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Bohrung. Professor Jean-François Bergier, Präsident der nach ihm benannten Kommission zur Erforschung des Themas Schweiz - Zweiter Weltkrieg, hat dem «Beobachter» ein Interview gegeben, das am 10. November erschien. Darin wehrt sich Bergier gegen akrobatisch extrapolierte «neue... more...

«Zerfall von Staat und Demokratie»

October 9, 2008
Jedes Jahr werden vom Menachem-Begin-Heritage-Center in Jerusalem Preise für «aussergewöhnliche Beiträge von Gruppen oder Einzelpersonen für den Staat Israel und das Jüdische Volk» vergeben. Dieses Jahr verlieh Israels Präsident Moshe Katsaf im Beisein von Jerusalems Bürgermeister Ehud Olmert und vielen Mitgliedern der Knesset den Begin-Preis an Arthur Cohn (für die Produktion des Filmes «One Day In September»), Deborah Lipstadt (für ihren mutigen Kampf gegen Holocaust-Leugner), Hulda Gurevitz (für ihre Betreuung von verwundeten israelischen Soldaten) sowie an das Erziehungsinstitut Or-M’Ofir (für die Absorbierung von Einwanderern aus Äthiopien).Die JR veröffentlicht die in den Medien vielbeachtete politische Rede Arthur Cohns nach der Preisvergabe, die u.a. vom israelischen Armeeradio Galei Zahal live übertragen wurde.
«One Day In September», der die Olympischen Spiele 1972 in München zum Thema hat, wurde dieses Jahr mit dem Oscar ausgezeichnet und hat zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen gewonnen, aber dieser Begin-Preis, vergeben durch Israels Präsidenten Moshe Katsav, ist für mich von ganz... more...

Nazi-Seiten gesperrt

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die Hartnäckigkeit der «Aktion Kinder des Holocaust» und ihres Gründers Samuel Althof hat sich gelohnt: Die grossen Schweizer Anbieter sperrten den Zugang zu 754 antisemitischen, rassistischen und Nazi-Adressen im Internet für Schweizer Benützer.

754 Nazi-Websites sowie andere rassistische und antisemitische Internet-Seiten sind in der Schweiz seit einer Woche gesperrt, auch der e-mail-Kontakt ist unterbrochen. Ein mutiger Schritt für die drei grossen Schweizer Provider, ein harter Schlag für die virulente Nazi- und Skinhead-Szene, die nun... more...

80 Jahre für die Musik

October 9, 2008
Die grandiose Künstlerlaufbahn Arthur Rubinstein begann mit dem Berliner Debüt des 13-Jährigen im Jahre 1900. Erst mit der Entwicklung der elektrischen Aufnahmetechnologie Mitte der zwanziger Jahre begann der Pianist damit, die eigenen Aufnahmen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unerhört beeindruckt von der Möglichkeit, den «goldenen Klang des Klaviers» getreu festhalten zu können, begann Rubinstein nun seine 50-jährige Aufnahmetätigkeit. Dieser Tage nun ist eine grosse «Rubinstein Collection» erschienen, die das Plattenerbe des grossen Musikers auf 94 CDs neu zugänglich macht.
Die in der Collection enthaltenen mehrfachen Versionen einzelner Werke bieten eine faszinierende Gelegenheit, die Weiterentwicklung von Rubinsteins technischem und interpretatorischem Stil zu erforschen. Dank der Beziehung zu seinem Mentor Joseph Joachim - der eine direkte Verbindung zu Brahms und... more...

Offener Brief an Ehud Barak

October 9, 2008
Israel hat sich täglich mit vielen Problemen auseinanderzusetzen, aber letztlich stehen die Verhandlungen mit Syrien im Zentrum. Dieses Thema weckt Hoffnungen und Zweifel, und ich möchte in diesem Brief an Sie einige Gedanken äussern, die mich - und wahrscheinlich viele Israelis - in diesen... more...

Wie das Unmögliche möglich wurde

October 9, 2008
Am letzten Wochenende erlebte der Schweizer Dokumentarfilm «Closed Contry» in Zürich Premiere. In Anwesenheit der Geschwister Sonabend und deren Anwalt Marc Richter beeindruckte der Film die Zuschauer - darunter Jean-François Bergier, Jacques Picard, Cécile Bühlmann, Sigi Feigel, Richard Dindo und Rolf Lyssy - zutiefst. Patrizia Imhof und Susanna Merkle befragten den Regisseur Kaspar Kasics und den Historiker Stefan Mächler über die Entstehung, die Hintergründe und die persönlichen Gefühle der beiden Filmschaffenden. Patricia Imhof war an der Entstehung des Filmes mibeteiligt, da sie zahlreiche Übersetzungen aus den Original-Interviews übernommen hatte. als Enkelin eines damaligen Grenzwächters beschäftigen sie der innere Konflikt zwischen Pflichtbewusstsein und Gewissen seit langem. Susanna Merkle, Lyrikerin und Sprachlehrerin, ist Schweizer Jüdin mit ungarischen Wurzeln, in ihrer Familie gab es zahlreiche Opfer der Shoah.

Jüdische Rundschau: Wie kam es zu Ihrem Filmprojekt?Stefan Mächler: Als wir uns 1994 begegneten, war die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg kein aktuelles Thema. Als Historiker hatte ich mich bereits jahrelang mit der Asyl- und Flüchtlingspolitik der Schweiz während der Kriegsjahre... more...

Leichter Rückgang der Attacken

von Yair Sheleg, October 9, 2008
Die Zahl der antisemitischen Zwischenfälle ist im Jahre 1999 leicht zurückgegangen. Zu diesem Schluss gelangt der Jahresbericht des Forschungsinstitutes für Antisemitismus der Tel Aviv Universität. Im einzelnen aber hat die Gewalt zugenommen, die Zahl der Attacken ging aber zurück.
Der Bericht für das Jahr 1999 des Forschungsinstituts für Antisemitismus der Tel Aviv Universität über die weltweiten antisemitischen Aktivitäten registriert 32 physische Attacken mit Feuerwaffen. Gegenüber dem Vorjahr, als 36 solche Angriffe festgehalten worden waren, bedeutet dies ein... more...

«Die Tragikomödie der jüdischen Demokratie»

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
In seiner Rede «Die jüdische Situation» verurteilte der Emigrant Arnold Schönberg am 1. Dezember 1933 in den USA dezidiert den in seinen Augen nutzlosen Kampf gegen den Antisemitismus. Seine Forderung nach einer jüdischen Einheitspartei unter der Führung führender Persönlichkeiten hinterlässt jedoch bei heutigen Forscherinnen und Forschern einen schalen Nachgeschmack.
«Weder der Antisemitismus noch die Antisemiten, weder der Hass noch die Hasser dürfen Gegenstand unserer Betrachtung sein. Es gibt nur einen Feind, der vernichtet werden muss, vernichtet um jeden Preis. Aber wer ist dieser Feind? Dieser stärkste, unbedachteste, gefühlloseste, törichteste,... more...

Er kann die Erwartungen nicht mehr erfüllenmehr erfüllen

Arye Dayan, October 9, 2008
In den 70er Jahren hatte der letzte Woche zurückgetretene israelische Aussenminister David Levy den orientalischen Durchbruch ins Zentrum der politischen Arena des Landes symbolisiert. Heute gilt er aber eher als das Paradebeispiel für die grosse verpasste Gelegenheit der Orientalen Israels.
Das vor zwei Wochen abgehaltene Treffen der demokratisch-orientalischen «Rainbow»-Aktivisten stand im Zeichen eines beunruhigenden Themas, das seit einiger Zeit diese Organisation von Juden aus moslemischen Ländern in Israel beschäftigt. Das Motto auf der Einladung - «Die Rainbows und Shas» -... more...

Gegen die Entmenschlichung

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Die Ermordung des Schriftstellers Gustav Landauer im Frühjahr 1919 bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik war einer von mehreren Aufsehen erregenden politischen Gewaltverbrechen in der Weimarer Republik. Margarete Susman (1872-1966), die mit Landauer seit 1912 in Korrespondenz gestanden hatte, schrieb einen Nachruf, der heute noch dazu angetan ist, die grosse Gestalt Landauers wieder würdigen zu ehren.
Margarete Susman, die seit 1912 verschiedentlich in der Schweiz gelebt hatte, zog 1919 wieder nach Deutschland - erst vierzehn Jahre später, mit dem Beginn des Dritten Reiches, kam sie nach Zürich zurück, wo sie dann bis an ihr Lebensende lebte. Sie ist somit auch aus Schweizer Sicht eine der... more...

Juden, Christen und Moslems gegen Hass

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Führende jüdische, christliche und moslemische Persönlichkeiten des ehemaligen Jugoslawien und anderer Balkan-Staaten haben eine permanente interreligiöse Kommission gebildet, die den Bemühungen zum Wiederaufbau dieser kriegszerrissenen Region eine geistige Dimension verleihen soll.

Nach einem eintägigen Treffen in Budapest unterstrichen jüdische, christliche und moslemische Persönlichkeiten die Notwendigkeit für Erziehung zur Verhinderung «religiöser und kultureller Feindseligkeit». Die Teilnehmer der Tagung appellierten an die «Integrität religiöser Führer in der... more...

Roter Davidstern bald salonfähig?

October 9, 2008
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) trägt sich mit der Absicht, dem israelischen «Magen David Adom» die volle Mitgliedschaft zu gewähren. Hinter dieser Entwicklung steht starker amerikanischer Druck. Nach wie vor hat das IKRK mit Vergangenheitsproblemen zu kämpfen, wie sich zeigte.
Im Verlaufe einer internationalen Versammlung in Genf drängten Offizielle des amerikanischen Roten Kreuzes letzte Woche darauf, dem «Magen David Adom», dem israelischen Pendant des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes, die volle Mitgliedschaft im Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)... more...

Die Rechnung ohne den Wirt gemacht?

von George Szpiro, October 9, 2008
Ministerpräsident Barak ist am Dienstag von einwöchigen Gesprächen mit dem syrischen Aussenminister nach Israel zurückgekehrt. Laut Aussenminister Levy seien zwar keine konkreten Ergebnisse erzielt worden, doch habe man die gegenseitigen Standpunkte «näher kennengelernt». Die israelische Delegation versucht hochgeschraubte Erwartungen hinunterzuspielen. Die Verhandlungen werden am 19. Januar in Shepherdstown wieder aufgenommen. Doch während sich Barak über eine Beilegung des seit einem halben Jahrhundert dauernden Konfliktes bemüht, droht ihm in Israel eine Desavouierung durch die eigenen Bürger.
Der gänzliche Abzug Israels von den Golanhöhen ist zwar für die Syrer eine sine qua non Bedingung für die Beendigung des Kriegszustandes und eine Normalisierung der Beziehung, doch zur Zeit ist es fraglich, ob sich die israelische Bevölkerung mit einem solchen Zugeständnis einverstanden... more...

Der aus der Stadt der Toten sang

von Jens Brüning, October 9, 2008
Hermann Adler ist tot. Er starb im 89. Lebensjahr nach langem Aufenthalt im Basler Altersheim «La Charmille». Der studierte Pädagoge und Schriftsteller machte sich erstmals einen Namen, als während des Zweiten Krieges sein Gedichtband «Gesänge aus der Stadt der Toten», Gedichte aus dem Ghetto Wilna, in der Schweiz publiziert wurden. Jens Brüning, in Berlin lebender Journalist und langjähriger Freund Hermann Adlers, blickt auf Leben und Werk zurück.
Wenn ich an Hermann Adler denke, denke ich auch an seine Frau Anita Distler. 56 Jahre waren sie verheiratet, als Anita im Oktober 1997 starb, und die Hochzeit war eine Registrierung im Ghetto von Wilna 1941. Es war schön, den beiden zuzuhören, wenn sie über diese Episode ihres Lebens berichteten.... more...

Verdiente Strafe, wichtiges Zeichen

von Hans Stutz, October 9, 2008
Am vergangenen Montag verurteilte das Lausanner Bezirksgericht den Holocaust-Leugner Gaston-Armand Amaudruz zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von zwölf Monaten. Das Urteil ist ein wichtiger Schritt in der Anwendung der Rassismus-Strafnorm, doch Gefängnis schützt vor Geschichtsfälschung nicht.
Gefängnis bis zu drei Jahren, so weit reicht der Strafrahmen der Rasssismus-Strafnorm und er ist bis anhin niemals annähernd ausgeschöpft worden, weder beim Vielschreiber Jürgen Gra, noch beim Lausanner Gaston-Armand Amaudruz. Antisemit, aber kein «Führer»15 Monate Gefängnis unbedingt, also... more...

Vom hässlichen Entlein zum Schwan

von Gail Lichtman, October 9, 2008
Zwei Ereignisse beeinflussten Jerusalems Entwicklung ganz besonders: Die Gründung Israels 1948 und die Wiedervereinigung der Stadt 1967. Die erste Periode war geprägt von einem Gefühl der Erlösung, von einer Generation, die nach Jahrtausenden der Zerstreuung nach Hause kommt, um ihre Kapitale aufzubauen. Nach der Wiedervereinigung von 1967 geriet Jerusalem in eine Euphorie&#059; die Stadt wandelte sich von einem Provinznest zu einer Metropole mit vielen architektonischen Sehenswürdigkeiten. Wir sprachen mit dem Jerusalemer Architekten, Städteplaner und Architektur-Historiker David Kroyanker über die Veränderungen im Jerusalemer Stadtbild seit 1967.
Seit über 30 Jahren ist der heute 61-jährige Jerusalemer Architekt, Städteplaner und Architektur-Historiker David Kroyanker tief in die Renovations- und Wiederaufbauarbeiten seiner Geburtsstadt verwickelt. Nach dem Studium an der Architectural Association School of Architecture in London begann... more...

Durchgangsstation für immer

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Einst waren es Juden in Deutschland unmittelbar nach der Shoa, die wenigen, die der Vernichtung entkommen waren und noch lebten, geschwächt, traumatisiert, als Fremde und entfremdet zurückkehrten. Die wenigsten wollten bleiben, doch die meisten blieben. Heute sind es deutsche Juden, die nach dem... more...

«Klar antisemitisch motivierte Tat»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Das Messer-Attentat auf einen israelischen Computeringenieur in Zürich wühlt die Schweiz auf und macht auch in Israel Schlagzeilen. Das Opfer ist ausser Lebensgefahr, aber jüdische Kreise nennen Rechtsaussen-Parteien mit ihrer politischen Propaganda als «geistige Brandstifter». SVP-Präsident Ueli Maurer fühlte sich angesprochen und liess sich am Mittwochmorgen auf Radio DRS zur Aussage hinreissen, es sei im Gegenteil gut, wenn politische Kreise heisse Eisen aufgriffen und die Ängste der Bevölkerung thematisierten&#059; das diene «als Ventil».
Eli Naftaly reiste am Montag aus seinem Ferienort Arosa mit seiner Frau Dora für einen Tag nach Zürich. Für den 49jährigen Computeringenieur aus Nof Ayalon zwischen Tel Aviv und Jerusalem endete der Ausflug beinahe tödlich: In der Altstadt, auf der «besseren» linken Seite, wollte das Ehepaar... more...

Bonn / Diplomat - Israels Botschafter Avi Primor verabschiedet sich von Diplomatie und Fettnäpfchen

von Samuel Laster, October 9, 2008
Am Mittwoch versammelten sich zum Abschiedsempfang für den scheidenden israelischen Botschafter, Avi Primor, in Bonn, die Spitzen der deutschen Politik und Gesellschaft. Der weltgewandt wirkende, durchaus im Umgang verbindliche Spitzenakademiker und Buchautor wurde von vielen in Deutschland mit Wehmut verabschiedet.
Die Vorbehalte seiner Generation Deutschland gegenüber beschrieb Primor in seinem Buch «Mit Ausnahme Deutschland». Die Entwicklung umfasst Wiedergutmachung und Jugendbegegnung, vom totalen Boykott der späten Fünfziger bis zum fast ungezwungen wirkenden Verhältnis der heutigen jungen Generation... more...

Die Geschichte des Kindertransports

von Tom Tugend, October 9, 2008
Für die Produzentin eines neuen Dokumentarfilms über den Transport von rund 10 000 Flüchtlingskindern nach Grossbritannien am Vorabend des 2. Weltkriegs hat die Geschichte einen persönlichen Aspekt. Deborah Oppenheimers Mutter Sylvia war gerade erst 11 Jahre alt, als ihre Eltern sie in Deutschland in den Zug setzten und versprachen, man würde sich bald wieder sehen - was leider nicht der Fall war.
90% der Buben und Mädchen, die vor Ausbruch des 2. Weltkrieges im so genannten «Kindertransport» per Eisenbahn von Deutschland nach England gebracht wurden, sahen ihre Eltern nie wieder. Rund 60 Jahre später wurde dieses wenig bekannte Kapitel in der Geschichte der Rettung von Menschenleben im... more...

Abschied der Araber von «Oslo»?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Ausser Spesen nichts gewesen. Dieses abgegriffene Klischee lässt sich in Bezug auf zwei Schlüsselereignisse der letzten Woche anwenden: Auf den Waffenstillstands-Gipfel von Sharm el-Sheikh und auf den kurz darauf folgenden Araber-Gipfel von Kairo. Während die in Sharm mit grossem Pomp verkündete Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern nie zustande kam, haben die Strategen von Kairo unter Führung des ägyptischen Präsidenten Mubarak ebenfalls eine politische Maus geboren.
Die arabisch-palästinensische Strasse erging sich im Anschluss an den Araber-Gipfel von Kairo in frustrierten Reaktionen, weil die verabschiedeten Resolutionen ihrer Meinung nach viel zu zahm mit Israel verfuhren. Vor allem sind die Fundamentalisten in Amman und Kairo enttäuscht darüber, dass der... more...

Von beiden Seiten geächtet

Interview Paul Uri Russak, October 9, 2008
Vor gut einem Monat, nach Beginn der Unruhen arabischer Bürger Israels, trat einer von ihnen in einem Fernsehinterview auf. Sein Name war Miro und seine Anklage an die Adresse der demonstrierenden Araber Israels erregte Aufsehen. Am 2. Oktober wurden er und jüdische Gäste in seinem Restaurant angegriffen, Möbel und sein Auto zerstört. Sein Betrieb war für einen Monat geschlossen. Die JR sprach mit ihm über die Ereignisse.
Jüdische Rundschau: Kürzlich haben Sie Ihr Restaurant wieder geöffnet. Wie läuft es?Miro: Schlecht. Ich habe sehr wenig Gäste und wenig Freunde, die mich besuchen. Diejenigen, die kommen, sprechen mir Mut zu, Gäste würden wieder zurückkommen, es werde alles wieder in Ordnung sein. Aber im... more...

Auf das Taba-Hoch folgte das Davos-Tief

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Noch nie seien die Positionen von Israelis und Palästinensern einander so nahe gewesen wie jetzt, behaupteten die Unterhändler nach der im Übrigen nutzlosen Verhandlungsrunde von Taba. Auf dem Fuss folgte die kalte Dusche: In Davos warf Yasser Arafat Ehud Barak vor, einen «barbarischen Krieg» gegen die Palästinenser zu führen, und die Fatah-Aktivisten versprachen für die Tage bis zum 6. Februar mehr Gewalt gegen Israel. Im Wahlkampf lassen Sharon und Barak kein gutes Haar am Gegner. Trotzdem spricht man beim Likud von einer grossen Koalition mit der Arbeitspartei, während Barak ein solches Ansinnen ablehnt - zumindest vorerst.
Ausser Spesen nichts gewesen. Dieses abgegriffene Sprichwort charakterisiert wohl am treffendsten die Ergebnisse der mehrtägigen israelisch-palästinensischen Verhandlungen von Taba. Selten zuvor in der Gegenwartsgeschichte des Nahen Ostens haben Teilnehmer an einer Gesprächsrunde ein... more...

Schlechte Presse

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Amerikaner und Europäer blasen ins gleiche Horn und kritisieren, zusammen mit israelischen Menschenrechtsorganisationen, die Umzingelung palästinensischer Städte durch IDF-Soldaten. Zu Recht, denn die Fotografien verzweifelter Eltern, die ihr krankes Baby zum Arzt in eine andere Stadt bringen... more...

(Bitte) warten!

von Anton Legerer, October 9, 2008
Ende letzter Woche fanden in New York und in Washington eine ganze Serie von Verhandlungen über die Entschädigung von Zwangsarbeitern und von Arisierungsopfern aus Österreich statt. Daran teilgenommen haben praktisch alle bisher Involvierten: jüdische Opfervertreter, die Claims Conference, der WJC unter Israel Singer und der Bund der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich, Sammelklagen-Anwälte aus Ost und West der USA, am prominentesten erneut Edward Fagan, der österreichische Sonderbotschafter in Sachen Arisierungsentschädigung, Ernst Sucharipa, und US-Vizefinanzminister Stuart Eizenstat.

Die Ergebnisse lassen die schlimmsten Befürchtungen der Betroffenen wahr werden: eine Lösung ist in weiter Ferne. Zwar herrscht prinzipiell Einigkeit darüber, dass die bislang noch nie Gegenstand von Kompensationszahlungen gewesenen geraubten Mietwohnungen und deren Einrichtung sowie der Hausrat... more...

Vor allem die Jugend bereitet Sorgen

von Eliahu Salpeter, October 9, 2008
Nach jeder Welle antisemitischer Zwischenfälle taucht bei einigen Prominenten unter den Juden Deutschlands die Frage auf, ob es richtig war, in dem Land, in dem die Endlösung sich abgespielt hatte, jüdische Gemeinden von neuem aufzubauen. Ignatz Bubis, der frühere Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hatte in seinem Vermächtnis angeordnet, seine sterblichen Überreste in Israel und nicht in der BRD zu begraben. Er hatte Angst, Antisemiten würden die Grabstätte schänden.
Als es kürzlich in Deutschland zu Brandanschlägen gegen zwei Synagogen und zu anderen Zwischenfällen kam, warf Paul Spiegel, der heutige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Frage auf, ob es richtig war, jüdisches Leben in der BRD nach dem Krieg zu erneuern. Das berührt eine... more...

Bombendrohung riss Loch in die Kasse

von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Normalerweise hat uns ein Wizo-Wochenende gut über 250 000 Franken eingebracht, doch für dieses Jahr müssen wir solche Summen leider vergessen.» Bedauernd stellte dies eine der vielen Damen fest, die seit Tagen rund um die Uhr im Einsatz gewesen waren, um dem traditionellen Basler Wizo-Flohmärt zum verdienten Erfolg zu verhelfen. Auch dieses Jahr hatte man/frau gehofft, am Flohmärt, der vom 9.-11. Dezember in der Halle 401 der Mustermesse über die Bühne ging, wiederum einen stolzen Betrag für die Wizo-Hilfswerke in Israel mobilisieren zu können.
Eine Bombendrohung am Abend des 9. Septembers machte den zahllosen freiwilligen Helfern und Helferinnen der Wizo und den kauffreudigen Scharen aber einen traurigen Strich durch die Rechnung. Der Betrieb hatte erst so richtig angefangen ins Rollen zu kommen, als die Halle wegen besagter Drohung (die... more...

Das Zielband winkt Ariel Sharon

October 9, 2008
Politik ist keine exakte Wissenschaft. Dass sie oft Unerwartetes bringt, heisst nicht, dass das Unerwartete immer überrascht. Noch vor nicht langer Zeit hätten nur wenige Israelis in «Arik» Sharon einen ernsthaften Anwärter auf das Amt des Regierungschefs gesehen. Seit ein, zwei Monaten jedoch... more...

Die Vorstellung muss weitergehen

October 9, 2008
Nach einem missglückten Experiment haben die Israelis wieder auf die bewährte Repertoire-Politik zurückgegriffen. Die Bilder auf dem Theaterplakat für das nächste Stück aber lassen eines in der Schwebe: Soll man lachen oder weinen?Der Star der revidierten Version einer Tragödie aus dem Jahre... more...

Antifaschismus gepredigt und Faschisten gedeckt

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Die Medien bezeichnen ihn als einen der grössten Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet der Tschechoslowakei: Der Fall des Nazis Werner Tutter ist kürzlich und erst lange nach seinem Tod an die breitere Öffentlichkeit gelangt. Als Deutschland die Unterlagen zu diesem Fall forderte, deckten den faschistischen Verbrecher ausgerechnet die «Antifaschisten» des Ostblocks.

Offiziell führten die sozialistischen Länder und mit ihnen auch die ehemalige CSSR einen unerbittlichen und an Reden reichen Kampf gegen den Faschismus. Wie sehr dieser Kampf im Kommunismus mitunter zu einer ideologischen Hohlformel geworden war, ist nicht unbekannt. Nun ist es aber erstmals... more...

Warnung vor islamischer Terrorwelle

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zwar hat die Gewalt in den Gebieten und im arabischen Sektor Israels am Dienstag deutlich abgenommen, doch Sicherheitskreise warnen eindringlich vor Terrorakten islamischer Fundamentalisten (Vgl. auch den Artikel von Danny Rubinstein auf Seite 3). Die Amerikaner setzen ihre hektischen Bemühungen um eine Wiederaufnahmeder israelisch-palästinensischen Verhandlungen fort, und am Mittwoch waren die Medien des Landes voll mit Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden Besuch Clintons in der Region.
US-Präsident Bill Clinton beabsichtige, dieser Tage in den Nahen Osten zu kommen und Gespräche in Israel und der palästinensischen Autonomie zu führen, die er mit einem Dreier-Gipfel mit Ehud Barak und Yasser Arafat abschliessen will. Mit dieser Meldung wartete am Dienstagabend das 1.... more...

Woher und wohin?

von Esther Müller, October 9, 2008
Morgen Freitag beginnen in Basel die 18. Basler PSI-Tage zum Thema «Wiedergeburt - Wahn oder Wirklichkeit?» Im Vorfeld des Kongresses, der sich als Plattform für «Grenzgebiete der Wissenschaft» in der äusserst heterogenen New-Age-Szene etabliert hat, sind einmal mehr die Schwierigkeiten der vom Westen adaptierten Form der Reinkarnationslehre klar hervorgetreten.
Die Basler PSI-Tage ziehen seit vielen Jahren ein buntes Völkchen an. «Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was ist unsere Aufgabe in diesem Leben? Gibt es Sinnhaftigkeit in Geschehnissen oder unterliegen wir alle dem Zufall?», diese und andere existentielle Fragen mehr begleiten die Menschheit... more...

Mit Bildung gegen Rechts

von Gisela Blau, October 9, 2008
«Dies ist nicht der Vorabend einer Machtergreifung&#059; es gibt keine historischen Parallelen», behauptete Moderator Roger Köppel als Auftakt zu einem Podiumsgespräch des «Tages-Anzeigers» am Dienstagabend, obwohl erst wieder u.a. die «Kapelle einer Synagoge» angezündet worden sei (es war die Abdankungshalle eines jüdischen Friedhofs. GB). Der Chefredaktor des «Magazin» stellte unter dem Titel «Rechtsextreme - dumme Szene oder ernsthafte Bedrohung?» prominente Teilnehmer vor: Die Bundestagsabgeordneten Heiner Geissler (CDU) und Cem Özdemir (Sprecher der Grünen), den Historiker Georg Kreis, Urs von Däniken, Chef der Bundespolizei, Hans Rauscher, Kolumnist des Wiener «Standard» sowie Philipp Löpfe, Chefredaktor des «Tages-Anzeigers». Der angekündigte Chef der «Süddeutschen», der dritten organisierenden Zeitung, war nicht anwesend.
Geissler bezeichnete die jungen Rechtsradikalen und auch die Rechtsextremen, die er auf 20 Prozent bezifferte, als Gefahr, die einen langen Arm in die Gesellschaft hinein habe. Sie verträten die Mentalität von rund 60 Prozent der Bevölkerung, wie Georg Kreis aus einer Studie des... more...

Einheit ohne Einheit

von Charles Krauthammer, October 9, 2008
Stellen Sie sich vor, Ronald Reagan hätte 1980 am Tag nach seinem überwältigenden Wahlsieg gegen Präsident Carter diesem den Job des Verteidigungsministers offeriert, den besiegten Vize-Präsidenten Walter Mondale zum Aussenminister machen und die Macht für die nächsten vier Jahre mit den... more...

Londoner Gruppe gelangt an Menschenrechts-Gericht

Magnus Bennett, October 9, 2008
Der Konflikt um einen jüdischen Friedhof in Prag sei ein Menschenrechts-Thema, meint das Komitee für die Bewahrung jüdischer Friedhöfe in Europa, eine in London domizilierte orthodox-jüdische Gruppe, die nun beim Europäischen Gericht für Menschenrechte eine Klage eingereicht hat.

Das Komitee für die Bewahrung jüdischer Friedhöfe in Europa, eine in London ansässige orthodox-jüdische Gruppe, hat beim Europäischen Gericht für Menschenrechte wegen des geplanten Baus eines Bürohauses über einem der ältesten jüdischen Friedhöfe eine Klage eingereicht. Seit Monaten... more...

Frischer Wind im SIG

von Gisela Blau, October 9, 2008
In der neuen Geschäftsleitung (GL) des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) herrscht Aufbruchstimmung. Bob Dylans «Wind of Change» scheint das erste neue Leitmotiv zu sein. Jedenfalls wirkten die GL-Mitglieder im Mediengespräch motiviert und tatendurstig. Das zweite Leitmotiv: Die GL will «mit einer Stimme sprechen, damit wir gehört werden». Medienauskünfte erteilen der Präsident (Alfred Donath), der Leiter Kommunikation (Thomas Lyssy) und der Generalsekretär (Martin Rosenfeld). Von allen dreien wurden den Medien die Koordinaten zugestellt - erstmals komplett mit Natel-Nummer und e-mail-Adresse. Die Kommunikation nach innen und nach aussen soll intensiviert werden. Die e-mail-Information von Gemeinden und CC-Mitgliedern hat bereits eingesetzt.

Wichtigste Neuerung: Die Stellung des Generalsekretärs ist beträchtlich aufgewertet worden. Im Gegensatz zu früher wird er von administrativen Pflichten entlastet. Das Zürcher Büro-Team unter Leitung von Darina Langer ist so kompetent, dass es zahlreiche Arbeiten selbständig erledigen und... more...

Wird die Nahostkrise die Wähler beeinflussen?

von Matthew E. Berger, October 9, 2008
Je näher der kommende Dienstag rückt, an dem die Amerikaner ihren neuen Präsidenten wählen, umso deutlicher zeichnet sich ab, dass die Nahostkrise das Verhalten der US-Bürger an der Wahlurne beeinflussen kann. Sowohl aus Al Gores Umgebung als auch beim Gegenkandidaten George W. Bush vertritt man die Meinung, der Konflikt, bzw. die Rolle der USA in ihm würde dem eigenen Kandidaten zum Vorteil gereichen. Beide Lager sind überzeugt, ihr Kandidat repräsentiere jenes Mass an Führungskraft, nach dem Amerika in Zeiten einer Krise Ausschau hält.
Bis vor kurzem galt der demokratische Kandidat Al Gore als seinem Rivalen George Bush in aussenpolitischen Fragen klar überlegen. In der letzten TV-Debatte aber strafte Bush mit seiner Kenntnis von Namen, Orten und Ereignissen jene Kritiker Lügen, die ihn für ein aussenpolitisches Leichtgewicht... more...

Shas jagte Netanyahu ins Bockshorn

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Freunde des klassischen Hornberger Schiessens in Israel hatten in den vergangenen Tagen, vor allem aber in der Nacht vom Montag zum Dienstag Hochsaison. Am Schluss stand fest, dass Benjamin Netanyahu sich dank eines Doppelspiels von Shas nicht um das Amt des Likud-Chefs bewerben und dass Ariel Sharon für den Likud ins Rennen um den Job des Premiers gehen wird. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums liebäugelte Shimon Peres noch am Mittwoch mit der Idee einer Kandidatur, obwohl das Wahldatum vom 6. Februar ihm wenig Zeit für eine ordentliche Kampagne lässt.
Nachdem Benjamin Netanyahu mit dem sich für ihn gehörenden Medienrummel letzte Woche die Absicht verkündet hatte, sich um das Amt des Premierministers bewerben zu wollen - und damit Ariel Sharon, dem offiziellen Kandidaten des Likuds, die Stirne zu bieten -, begannen seine Anhänger in der... more...

Neue Namen von 21000 alten Konten

von Gisela Blau, October 9, 2008
Ein Sigmund Freud aus Wien, eine Hannah Arendt in Paris und ein Albert Einstein in Deutschland befinden sich auf der neuen Liste mit Namen von 20 825 Konto-Inhabern aus der NS-Zeit. Dabei handelt es sich möglicherweise um Leute mit dem zufällig gleichen Namen... Die Liste ist seit Montagnachmittag auf dem Internet nachzulesen. Die Anmeldefrist läuft bis August. Dann sollen erste Auszahlungen erfolgen. Die Beschleunigung dieses Verfahrens wird auch von der Schweizerischen Bankiervereinigung gewünscht.
Die 20 825 Namen, die seit dem 5. Februar auf der Homepage der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) publik sind, sollen es Nazi-Opfern oder deren Erben ermöglichen, Ansprüche auf Vermögenswerte zu erheben, die auf Schweizer Banken zwischen 1933 und 1945 deponiert wurden. Die Liste enthält... more...

Bergiers Erfahrungen

von Gisela Blau, October 9, 2008
Obwohl am vergangenen Donnerstagabend nicht weniger als drei Veranstaltungen durchgeführt wurden, die das gemeinsame Interesse eines jüdischen wie nichtjüdischen Publikums wecken konnten (zusätzlich: Omanut-Jubiläumskonzert in der Tonhalle und ein Referat über den Flüchtlingspfarrer Paul Vogt in einer offenen Loge), war der Kunsthaussaal sehr gut gefüllt mit Menschen,welche Professor Jean-François Bergier lauschen wollten.
Der Präsident der nach ihm benannten Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg sprach über seine Erfahrungen, die er durch diese Arbeit während den vergangenen vier Jahren gesammelt hatte. Eingeladen hatten ihn die Gesellschaft Schweiz-Israel (GSI), Sektion Zürich, die... more...

Von Generation zu Generation

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Ja, es geschieht zurzeit ausgerechnet in Schweden, im liberalen Südskandinavien, das tausende von Juden vor der Vernichtung der Schoa rettete, dessen König zu Pferde gegen Hitler protestierte, das Land, das noch vor kurzem landesweit ein Aufklärungsbuch über den Zweiten Weltkrieg publizierte und... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Buch. Der Kreis schliesst sich: Die bekannte Schweizer Fotografin Vera Isler hat eine Autobiografie geschrieben: «Auch ich…» (Verlag Edition Ost, Berlin). Am 6. Februar liest sie daraus anlässlich der Vernissage ihrer ganz besonderen Foto-Ausstellung in einer Galerie in Berlin, der Stadt ihrer... more...

Gekauft

von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Verflucht sei Haman, verflucht sei Yossi Sarid. Man muss ihn von der Welt ausreissen. Der Ewige wird seinen Namen von der Welt auslöschen.» Nicht irgendein im Vor-Purimrausch dahertorkelnder Gassenjunge zog diese Parallele zwischen einem der schlimmsten Feinde des jüdischen Volkes und dem... more...

Arnold Schönbergs verborgene Seite

von Walter Labhart, October 9, 2008
Schönberg antwortete u. a. mit den gewichtigen Sätzen, deren Inhalt sich in der noch bis zum 28. Mai dauernden Sonderausstellung («Schönberg, Kandinsky, Blauer Reiter und die Russische Avantgarde - Die Kunst gehört dem Unbewussten» im Arnold Schönberg Center in Wien) in den meisten der über... more...

Ich komme als Amerikaner und gehe als Jude

October 9, 2008
Am 25. Juni wurde Michael Blumenthal zum Ehrenbürger Oranienburgs, seiner Geburtsstadt, ernannt. Vor drei Jahren kam der Amerikaner nach Berlin und übernahm die Leitung des Jüdischen Museums. «Ich komme als Amerikaner nach Berlin und gehe als Jude», sagt der 74-Jährige im Interview mit der Jüdischen Rundschau, in welchem er über seine Arbeit im Museum, sein Buch und sein Verhältnis zu Deutschland und Deutschen spricht.
Jüdische Rundschau: Sie sind mit Ihrer Familie mit einem Schiff 1939 nach Shanghai gekommen und 1947 in die USA ausgereist. Ihre Muttersprache ist Deutsch. Haben Sie zu Hause die ganze Zeit und auch später deutsch gesprochen?Michael Blumenthal: Wir haben in Shanghai zu Hause deutsch gesprochen,... more...

«Vom Nationalsozialismus geschädigt»

Anton Legerer, October 9, 2008
Als bei der Diskussion um die Finanzierung des euphemistisch «Versöhnungsfonds» genannten Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter (die JR berichtete laufend) die Beteiligung der in Österreich bis heute dominierenden römisch-katholischen Kirche diskutiert wurde, waren die ersten Stellungnahmen von Kirchensprechern ablehnend.

Die Kirche wäre selbst «vom Nationalsozialismus geschädigt», zahlreiche Klöster konfisziert und Geistliche verfolgt und hingerichtet worden. Es bestünde also keine Veranlassung, in den Fonds einzuzahlen. Diese reflexartige Verleugnung der gleichzeitigen Partizipation am NS-Regime zu Beginn der... more...

Neue Wege des Daseins suchen

von Gabriel H. Cohn, Jerusalem, October 9, 2008
Es ist äusserst aufschlussreich, der Frage nachzugehen, welche Prophetenabschnitte (Haphtarot) zur Vorlesung an den Hohen Feiertagen gewählt wurden. Warum wird die Geschichte von der Geburt Samuels und den Gebeten seiner Mutter Hanna am ersten Tag Rosch Haschana vorgelesen? Viele Antworten wurden auf diese Frage gegeben. Es scheint, als wolle dieses Prophetenkapitel uns deutlich machen, welches die Kennzeichen wahren Betens sind, und wie wichtig es ist, von Hanna zu lernen, die Routine des Lebens zu durchbrechen und neue Wege des Daseins zu suchen.
Hanna ist kinderlos. Nach vielen Jahren der Ehe nimmt Elkana, ihr Mann, eine zweite Frau, Penina, ins Haus, um so für die Fortsetzung der Familie zu sorgen. Das Haus füllt sich mit Kindern. Das religiöse Leben der Familie Elkanas verläuft in routinemässigem Rhythmus. Jedes Jahr zieht Elkana mit... more...

Beunruhigendes Schweigen

von Lev Krichevsky, October 9, 2008
Im Gegensatz zu Persönlichkeiten in Israel und den USA, die das Attentat auf einen Juden in der Moskauer Choral-Synagoge letzte Woche rasch und unmissverständlich verurteilt haben, hüllten russische Politiker sich zunächst in beunruhigendes Schweigen. Inzwischen ist bei allen jüdischen Städten Moskaus der Polizeischutz verstärkt worden.
Für Pavel Feldblum, den Vizepräsidenten der Moskauer jüdischen Gemeinde, ist die Stille der Moskauer Politiker im Anschluss an das Attentat ein «schlechtes Zeichen». Er erklärt dies damit, dass die Politiker fürchten, Stimmen zu verlieren, «wenn sie ihre Stimmen gegen den Antisemitismus... more...

«Die einzige Spende, die wächst»

von Yves Kugelmann, Frankfurt, October 9, 2008
Schon lange ist der Keren Kajemet LeIsrael (KKL) mehr als die «Blaue Büchse» und die Aufforstung Israels mit Bäumen. Die Wassererschliessung und die Errichtung von Wasserreservoirs sowie der Einsatz für die Umwelt werden seit Jahren ebenso vom KKL gefördert. Am vergangenen Sonntagabend lud der KKL Deutschland zum ersten Gala-Dinner für den Negev im Frankfurter Hotel Hilton ein.
Dass der KKL Deutschland sich einer breiten Unterstützung erfreut, zeigte die illustre Gästeliste am ersten Gala-Dinner am vergangenen Sonntagabend in Frankfurt. Neben dem hessischen Umweltminister Wilhelm Dizel, Salomon Korn, Präsident der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Paul Spiegel und Michel... more...

Der Isolation entfliehen

von Richard Allen Greene, JTA, October 9, 2008
Die 2000-köpfige Jüdische Gemeinschaft Kroatiens begrüsst das Ergebnis der letztwöchigen Wahlen und hofft, der Regierungswechsel werde die Isolation des Landes beenden. Der Sieg der Mitte-Links-Koalition bei den Parlamentswahlen führte zur Ablösung des stark nationalistischen Regimes des verstorbenen Präsidenten Franjo Tudjman.

Die neue kroatische Koalition, zu der die Sozial-Demokraten unter Ivica Racan ebenso gehören wie die von Drazen Budisa angeführten Sozial-Liberalen, hat versprochen, Brücken zum Westen zu bauen. Das ist, wie der Historiker Ivo Goldstein es formuliert, eine frohe Botschaft für die 2000 Juden... more...

Ungewisses Schicksal der Inhaftierten

von Julie Wiener, October 9, 2008
Amerikanische Advokaten, die sich für die 13 im Iran unter dem Verdacht der Spionage für Israel inhaftierten Juden einsetzen, begrüssen einerseits den Sieg der Reformkräfte bei den iranischen Parlamentswahlen, sind sich aber nicht im Klaren darüber, ob aufgrund dieses Resultats die Freilassung der Gefangenen nähergerückt ist. Das Rechtswesen werde, so betonen sie, nach wie vor von Ayatollah Ali Khameini, einem Vertreter der harten Linie kontrolliert.

Für Malcolm Hoenlein, den Vize-Vorsitzenden der Präsidentenkonferenz der wichtigen jüdischen Organisationen der USA, beseitigt die Bildung eines relativ gemässigten Parlamentes in Teheran die Gründe für die «Ausreden», die Präsident Mohammad Khatami bisher für die Verzögerung der... more...

Mit den Kinder durch die jüdische Geschichte

October 9, 2008
Pessach gilt als das Fest der Freiheit, an dem der Befreiung des Volkes Israel vom ägyptischen Joch gedacht wird. Wie kein anderer Feiertag ist Pessach aber auch das Fest der Familie. Jung und alt versammeln sich rund um den Sedertisch und vertiefen sich in die Haggada, versuchen, sich als... more...

Kammermusikalische Meilensteine von Mendelssohn Bartholdy und Ullmann

von Walter Labhart, October 9, 2008
Als der Zürcher Pianist, Komponist und Musikpädagoge Werner Bärtschi vor zwei Jahrzehnten die Konzertreihe «Rezital» ins Leben rief, stand für ihn fest, dass er auf Aussergewöhnliches und auf Besonderheiten in zeitgenössischen und in klassisch-romantischen Werken einen speziellen Akzent setzen würde. An dieses Prinzip hielten sich in der Zwischenzeit auch die vielen namhaften Gäste dieser unvergleichlichen Veranstaltungsreihe.

Unter dem Motto «Unter Freunden» fand kürzlich im Kleinen Saal der Tonhalle Zürich ein zweiteiliges «Fest der Kammermusik» statt, das einmal mehr sowohl der Programmideen als auch der hervorragenden Interpretationen wegen faszinierte. Zeigte das erste Konzert unter Einbezug von Werken Werner... more...

Ringen um fragile Fluchtwege

von Samuel Laster, October 9, 2008
Ein gross aufgemachter Bericht der Boulevardzeitung «Yedioth Acharonot» von Freitag letzter Woche schlug hohe Wellen zwischen Wien und Jerusalem. Die Korrespondentin des Blattes, Lilly Bergmann, berichtet über aus dem Iran in Wien befindliche Juden, die im «Armenviertel der Stadt hausen, verwahrlost und von Krankheiten gezeichnet». Hauptangriffspunkt des Artikels sind die Chassidim von Satmer, die als streng antizionistisch gelten. Die Affäre mündete zuletzt gar in einer Anfrage der Knessetabgeordneten Naomi Blumenthal.
Nach widersprüchlichen Berichten versuchte die JR in den letzten Tagen die Mauer des Schweigens um die Juden aus dem Iran zu brechen. Der Bericht in «Yedioth Acharonot» wird von «Raw Tov», der Organisation der Satmer Chassidim, als unrichtig kommentiert. Die Leopoldstadt, das traditionelle... more...

«Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Am 1. September 1939 überfiel Hitlerdeutschland Polen. Damit begann der blutigste Krieg dieses Jahrhunderts, der bis zum Sommer 1945 praktisch die ganze Welt in Mitleidenschaft reissen sollte. An seinem Ende nach sechs schrecklichen Jahren standen grauenhafte Funde in Konzentrationslagern, ausgemergelte, heimatlose Überlebende der Vernichtungsmaschinerie, der Abwurf von Atombomben auf zwei japanische Städte, wirtschaftliche Not und rasche Boomjahre, die Ächtung der Schweiz durch die Alliierten und der einsetzende Kalte Krieg, der dies wieder in Vergessenheit versinken liess. Gleichentags begann in der Schweiz die Generalmobilmachung. Mobilisiert waren bereits die Grenzschutztruppen. Doch die Armee befand sich punkto Material nicht in bester Verfassung. Auch die Moral war nicht überall gleich gut - es gab eine ganze Reihe deutschfreundlicher Offiziere und Soldaten, die teilweise erst durch die deutschen Niederlagen eines Besseren belehrt wurden. Das Verhalten von Armee und Regierung vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg gehört heute zu den meist diskutierten Themen der Zeitgeschichte.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs traf die Schweiz organisatorisch nicht unvorbereitet. Am 23. August hatte der Nichtangriffspakt zwischen Hitler-deutschland und der stalinschen Sowjetunion die Welt erschüttert. Am 30. August 1939 wählte und vereidigte die Bundesversammlung den Westschweizer... more...

«Den Steinen einen Sinn geben»

von Igal Avidan, October 9, 2008
Nachdem der Bundestag mit deutlicher Mehrheit am Freitag dafür votiert hatte, in Berlin den Entwurf des US-Architekten Peter Eisenman für ein Mahnmal für die ermordeten Juden Europas zu errichten, konzentriert sich nun die Debatte auf technische Details des Mahnmals. Gleichzeitig schlug Bundestagspräsident Wolfgang Thierse vor, am 27. Januar 2000, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, den Bau zu beginnen.
Berlins Bürgermeister Eberhard Diepgen, der den Eisenman-Entwurf abgelehnt hatte, sagte, dass der Beschluss des Bundestages «noch Fragen offen lässt, die weiterer Erörterungen bedürfen». Unter anderem geht es um die ergänzenden Informationen zum Mahnmal sowie um die Stiftung, die das Projekt... more...

Beinharter Geschäftsmann und Mäzen

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Der am vergangenen Wochenende in Tel Aviv verstorbene israelisch-amerikanische Multimillionär Ted (Theodor) Arison hat noch zu Lebzeiten sein Haus gut bestellt. «Ich habe aus der Tragödie der Familie Eisenberg gelernt und hoffentlich die richtigen Konsequenzen gezogen», sagte er in einem der wenigen Interviews mit dem israelischen Fernsehen. «Nach meinem Tod soll es zwischen den Erben keine Diadochenkämpfe geben, die Familien zerstören und Vermögen vernichten», verkündete der Patriarch hoffnungsvoll. Ob sich seine Erwartungen erfüllen werden, bleibt abzuwarten.
Wenige Stunden nach Arisons Ableben übernahm seine Tochter Schari (Scharon) Dorfsman (42) den Vorsitz der Arison-Dankner-Investment-Gruppe, die alle Vermögenswerte und Investitionen in Israel kontrolliert, während Sohn Micky (48) an der Spitze der US-Dependanz steht, die sich hauptsächlich aus... more...

Flecken auf der Weste

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Immer wieder wird Israel als Vorbild für ein demokratisches Staatswesen im Nahen Osten angeführt. Nicht selten erhält Israel sogar den Titel der einzigen wirklich funktionierenden Demokratie in der Region verliehen. Messen wir die «Gesundheit» der israelischen Demokratie an Kriterien wie dem... more...

Der unsichtbare Kain

von Aalfred Bodenheimer, October 9, 2008
Das kurze Gedicht «Mit Bleistift im versiegelten Waggon geschrieben» des israelischen Dichters Dan Pagis (1930-1986) zählt zu den berühmtesten hebräischen Gedichten des 20. Jahrhunderts. Eine kurze Betrachtung soll versuchen, sich dem Verständnis dieses Gedichts zu nähern.
Hier in diesem Transportbin ich Evamit Abel meinem Sohnseht ihr meinen grossen SohnKain, Adams Sohn,sagt ihm, dass ichWären die Namen dieses 1970 erschienenen Gedichts andere, wäre das Datum des Transports vermerkt, der Leser wäre überzeugt, hier wörtlich ein in Gedichtform ungewandeltes... more...

Der erste Meilenstein

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
Ein entscheidender Durchbruch bei den Verhandlungen zur Entschädigung von Zwangsarbeitern ist in Berlin erreicht worden. «Es ist geschafft», sagte der Verhandlungsführer der Bundesregierung Otto Graf Lambsdorff in der letzten Woche. Die Einigung nach den elf langen Verhandlungsrunden in Washington und Berlin bezieht sich vor allem auf den Verteilungsmodus unter den verschiedenen Opferverbänden und das Stiftungsgesetz der Bundesregierung. Hieran drohten in den letzten Monaten die Gespräche zu scheitern. Einig ist man sich zwar geworden, wie die 8,1 Milliarden der Entschädigungssumme, jeweils zur Hälfte aufgebracht von der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft, verteilt werden, doch es bleiben noch eine Reihe von Unsicherheiten.
Zu der Gesamtsumme sollen noch 50 Millionen Mark Zinseinkünfte aus der Zeit zwischen Ein- und Auszahlung kommen sowie auf Vorschlag vom amerikanischen Unterhändler Stuart Eizenstat 100 Millionen Mark aus den nachrichtenlosen Vermögen von NS-Opfern bei Schweizer Banken.Die 240 000 überlebenden... more...

Vernetzt für den Frieden

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Europäische Union (EU), Vereinte Nationen (UNO), Europäische Freihandelszone (EFTA), Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Internationaler Währungsfond (IWF), Nato, Internationales Komittee vom Roten Kreuz (IKRK), World Trade Organisation (WTO), Europäische... more...

Für die Alten

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Noch vor rund zehn Jahren galt es in Zürich als das Projekt der Zukunft, die Errichtung des jüdischen Pflegeheims «Esra». Es war ein Gemeinschaftswerk zwischen städtischen und kantonalen Instanzen und der jüdischen Gemeinschaft Zürichs, das damals vorwiegend mit Spendengeldern neben dem Areal... more...

Sonne und Kaschrut

von Michael W. Sasser, October 9, 2008
Der US-Staat Florida, bekannt als Refugium für jüdische Pensionierte, versucht nun, sich ein Koscher-Image zu verpassen. Grelle Etiketten mit der Aufschrift «Kosher From Florida» finden sich immer häufiger in Geschäftsvitrinen und auf Produkten im ganzen Staat. Sie gehören zu einem neuen Programm des Departementes für Landwirtschaft und Konsumentendienste, das nach Angaben einer öffentlichen Verlautbarung allen Konsumenten helfen soll, «in Florida produzierte Koscherprodukte rasch und leicht identifizieren zu können».
Shlomo Stein, Manager der South Florida Kosher Meats Inc., bezeichnet die neue Entwicklung als «sehr positiv». Dass der Staat Florida das Programm unterstützt, sage genug aus über «das Wachstum der Koscherindustrie». Kreise der Lebensmittelvermarktung schätzen das nationale Verkaufsvolumen... more...

Russen-Alijah steigt

Jerusalem / kh, October 9, 2008
Im ersten Quartal des laufenden Jahres trafen 7933 Immigranten aus Russland in Israel ein, verglichen mit 3673 in der Vergleichsperiode 1998. Der Zuwachs beträgt unglaubliche 116%. In den ersten vier Monaten 1999 kamen total 16 389 Olim aus den GUS-Republiken nach Israel, gegenüber 13 336 im... more...

Wachsende Zuversicht

von Werner Knecht, October 9, 2008
Der an Dynamik gewinnende nahöstliche Friedensprozess beflügelt die jordanische Tourismusindustrie. Mövenpick wird in Aqaba, in Sichtweite von Eilat, demnächst das dritte Hotel in Betrieb nehmen. Die Perspektiven sind recht vielversprechend, der Glaube an eine friedliche Zukunft ist grösser denn je.
Augenschein in Aqaba. Vor den Toren der Boomtown Eilat entsteht momentan das dritte Mövenpick-Hotel auf jordanischem Territorium. Eine gigantische Baustelle - direkt am Roten Meer - empfängt die Journalisten aus der Schweiz; überall wird unter brütender Sonne gehämmert, Beton gegossen und ein... more...

Polemik um Bubis Nachfolge

von Igal Avidan und Yves Kugelmann, October 9, 2008
Am kommenden Sonntag wird das neunköpfige Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland in Berlin aus den eigenen Reihen einen neuen Präsidenten wählen. Der letzte Präsident, Ignatz Bubis, ist im vergangenen August im Alter von 72 Jahren verstorben. Einige Tage vor der Wahl bezeichnete Michael Fürst, Direktoriumsmitglied im Zentralrat der Juden, die zwei Kandidaten für Bubis Nachfolge, Charlotte Knobloch aus München und Paul Spiegel aus Düsseldorf, als «Zwischenlösungen». Gleichentags steht die Nachfolgewahl für die Präsidentschaft des European Jewish Congress (EJC) in Brüssel an. Bubis präsidierte das Gremium im vergangenen Jahr.
Anders als Knobloch sei Bubis eine Führungspersönlichkeit qua Person gewesen, sagte Fürst der Illustrierten «Stern». Nach Einschätzung Fürsts wird Spiegel als Präsident durch das Präsidiumsmitglied Michel Friedman fremdgesteuert werden. «Spiegel hat nicht die Stärke, sich gegen Friedman... more...

Gelebte Menschlichkeit und Jüdischkeit

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Wenn er zu sagen pflegte, dass er keine Nachrufe, keinen Hesped, wünschte, dann war das keine Floskel, sondern Ausdruck seiner zurückhaltenden und bescheidenen redlichen Art. Am Mittwoch morgen vergangener Woche verstarb JR-Herausgeber, Heinrich Ungar-Abisch (Chaim ben Mordechai), nach schwerer Krankheit in seinem 80. Lebensjahr. Über 50 Jahre lang führte er die Zeitung und wandelte sie vom Sportblatt zur international angesehenen Wochenzeitung. Ein Rückblick auf Leben und Werk, der kein Nachruf sein will, sondern Erinnerung an einen wertvollen Menschen.
Die Sonne schien hell und vielleicht auch trügerisch an jenem frühsommerlichen Julimorgen im Jahre 1938. In Wien geboren und aufgewachsen war jener Tag der Einschnitt in seinem Leben, auf den sich sein künftiger Werdegang immer wieder wie das Wasser am Felsen in der Brandung zurückbesinnen... more...

«Ich glaube nicht an Gaskammern»

von Hans Stutz, October 9, 2008
Der bald 80jährige Lausanner Altfaschist Gaston-Armand Amaudruz gehörte über Jahrzehnte zu den zentralen Figuren der Schweizer Nazis und Neonazis seit Ende des Zweiten Weltkrieges.
Amaudruz hatte bereits in den Kriegsjahren die ersten politischen Projekte vorangetrieben und war von der Bundespolizei als «Nationalsozialist» eingeschätzt worden. Auch unterhielt er, gemäss Beobachtungen der Bundespolizei, 1944 Kontakte mit einem Mitarbeiter der nazideutschen Gesandtschaft in... more...

Der letzte IDF-Soldat hat Libanon verlassen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Kurz vor 4 Uhr am Mittwochmorgen verliess der letzte IDF-Soldat den Libanon. Damit hat eine 22jährige, blutige und international weitgehend umstrittene israelische Präsenz in der &quot;Sicherheitszone&quot; ihr Ende gefunden. Die Gretchenfrage dürfte sich nun auf das künftige Verhalten der Hizbollah, und damit der Syrer, konzentrieren: Wird die Schiiten-Miliz sich mit der Entfernung der israelischen Truppen von libanesischem Territorium begnügen, oder wird sie den Kampf nach Israel hinübertragen wollen? Aeusserungen des Hizbollah-Generalsekretärs lassen wenig Gutes erwarten. Ehud Barak warnt und schiebt schon jetzt den Syrern die Verantwortung zu.
Nicht schlecht staunten die Bewohner von Metulla an der israelisch-libanesischen Grenze, als die Strassen ihres Ortes sich am Mittwochmorgen, kurz nach ein Uhr mit Tanks und anderen Militärfahrzeugen, aber auch mit Autobussen zu füllen begannen. Als sie sich der Fahrtrichtung der Kolonne - von... more...

Die ganze Wahrheit

von David Landau, October 9, 2008
Die Stunde der Wahrheit wird sich wahrscheinlich, ähnlich dem ganzen Friedensprozess seit Oslo, über Wochen oder sogar Monate hinweg erstrecken. Die Sorgen btr. Ehud Baraks politischer Stärke nagen an den Chancen eines erfolgreichen Gipfeltreffens mit Arafat und Clinton.Ein Mittel, das dem... more...

Kontroverse in der SchweizWochenrückblickWochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Gold. Sigi Feigel, der eine breit abgestützte Kampagne zugunsten der Stiftung Solidarische Schweiz (Solidaritätsstiftung) ins Leben gerufen hat, will dieses Anliegen mit einer anderen Verteilung des Nationalbank-Goldes retten. Alle kontroversen Ansprüche, die zunächst in einer Ablehnung des... more...

Nervosität und Aktivität nehmen zu

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nach eingehender Prüfung, und nachdem zuerst versucht worden war, abseits der Scheinwerfer der Öffentlichkeit etwas zu erreichen, bestätigt Jerusalem offiziell, dass keiner der 13 in Iran verhafteten Juden für Israel spioniert habe. Weltweit nehmen die Aktivitäten zugunsten dieser Menschen, von denen der jüngste gerade 16 Jahre alt ist, täglich zu. Kompliziert hat sich die Affäre durch die Enthüllung iranischer Diplomaten, wonach nicht nur Juden, sondern auch Moslems verhaftet worden seien.
Die offizielle Stellungnahme des Jerusalemer Aussenministeriums, wonach keiner der 13 in Iran verhafteten Juden im Alter zwischen 16 und 49 Jahren in Spionagetätigkeit für den jüdischen Staat verwickelt war, wurde erst nach «sorgfältiger und eingehender Prüfung mit den zuständigen Stellen»... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Anzeige. Der Zürcher Bezirksrichter Bruno Steiner, Vorsitzender der 4. Abteilung, der ein aufsehenerregendes Urteil gegen Christoph Blocher verfasst hatte, zeigt den Zürcher SVP-Präsidenten laut der Zeitung «Bund» vom Mittwoch wegen des Verdachts auf Rassendiskriminierung und möglicher... more...

Wie stark ist der Rechtsradikalismus?

von Sabine Pfenng-Engel, October 9, 2008
Eine Reihe von Anschlägen auf Synagogen erschütterte in der letzten Woche Deutschland. Demonstrationen gegen die Rechte Gewalt und Gegendemonstrationen prägten die Ereignisse. Anschläge auf die Synagogen Düsseldorf, Berlin-Kreuzberg rüttelten die Öffentlichkeit auf. Die Politik reagierte, Bundeskanzler Schröder bekundete seine Solidarität in Düsseldorf mit dem Ruf nach einem «Aufstand der Änständigen». Zugleich wurde die Diskussion um ein Verbot der NPD unter den Parteien und Politikern kontrovers diskutiert. Am Dienstag nahm die Polizei die zwei Täter fest, die letzte Woche einen Anschlag auf die Gedenkstätte Buchenwald verübt hatten. Die JR erläutert die Hintergründe, gibt Stimmungen und Stimmen wieder und sprach mit dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden Michel Friedman.
Im Gespräch der JR mit Michel Friedman lag nach dieser Woche die erste Frage auf der Hand: «Müssen Juden in Deutschland wieder Angst haben?» Friedmann antwortete in dem gleichen Tenor, wie es Politiker zuvor in der Woche taten. Es sei kein Anschlag «nur» auf Synagogen, es sei ein Anschlag auf... more...

Gelingt Beendigung des Konfliktes?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Mit einem ganzen Katalog von Erleichterungen für die Palästinenser wartete die israelische Regierung diese Woche aus Anlass des Beginns des moslemischen Fastenmonats Ramadan auf. Gleichzeitig liess Ehud Barak einen Versuchsballon in der Form neuer Lösungskonzepte für den Konflikt mit den Palästinensern steigen. Diese haben aber schon abgewinkt.
Unter dem Motto «Israelische vertrauensbildende Massnahmen, Ramadan-November 2000» enthüllte Aussenminister Shlomo Ben-Ami vor in Israel stationierten ausländischen Diplomaten u.a. die folgenden Erleichterungen, die Israel in den kommenden Tagen einführen will, und die vor allem den Bewohnern... more...

Tauziehen zwischen Wahlkampf und Intifada

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Auf den ersten Blick hat sich in den letzten Tagen kaum wesentliches geändert an der beinahe surrealistischen Situation, die nun seit Monaten zwischen Israelis und Palästinensern herrscht: Die Palästinenser setzen ihre Intifada gegen Israel fort, und die israelische Seite reagiert. Einmal sind die Aktionen der Palästinenser heftiger, ein anderes Mal vermitteln sie den (trügerischen) Eindruck, als stünde man vor einer Beruhigung. Wer hingegen etwas genauer hinblickt und -hört, der stellt Nuancen fest, die nicht dazu angetan sind, der Zukunft besonders zuversichtlich entgegen zu sehen. Auch der nun offiziell angelaufene Wahlkampf trägt kaum etwas zur Hebung der Stimmung bei.
Bei allem Verständnis für die unablässigen Bemühungen der Regierung Barak, möglichst bald einen Frieden mit den Palästinensern hinzukriegen, bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück, wenn angesichts der Ermordung eines Israelis in einer Siedlung des Gazastreifens der Unterbruch der... more...

Die Esther-Exegese im Sturm der Zeit

von Gabriel H. Cohn, October 9, 2008
Die Esther-Rolle hat wegen ihres dramatischen Inhalts (welcher die gespannten Beziehungen zwischen den Juden in Persien und ihren nichtjüdischen Nachbarn beschreibt) die Exegeten in allen Generationen zu interessanten (oft auch sehr umstrittenen!) Kommentaren angeregt. Die vielen Midraschim und die weit über den Text hinausgehenden aramäischen Übersetzungen (sogar die LXX übersetzt das Buch mit vielen Zusätzen!) ergänzen die Erzählung des Buches in sehr farbvoller Weise1. Im Mittelalter war das Buch für die klassische jüdische Exegese von grossem Interesse, hat es doch die oft in grossen Gefahren lebenden Juden in der Diaspora in ihrem Glauben und ihrer Hoffnung gestärkt2. - Im nachfolgenden Artikel werden wir die (vor allem christliche!) Esther-Exegese der letzten hundert Jahre darstellen, wobei wir erstaunt feststellen werden, dass sich diese Exegese im Lauf der Zeit völlig geändert hat.
Während die meisten der Kommentare in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Mordechai, Esther und überhaupt der jüdischen Gemeinschaft jener Zeit äusserst kritisch gegenüberstanden und ihre Handlungsweise in schärfster Art verurteilten, sind in den letzten Jahrzehnten ganz andere Stimmen... more...

«Bashar Assad will neue Gespräche»

von Aluf Benn, Daniel Sobelman, Yossi Verter, October 9, 2008
Der jordanische König Abdullah II absolvierte am Dienstag seinen zweiten Israel-Besuch, seitdem er im Februar 1999 die Nachfolge seines Vaters, König Hussein, angetreten hat. Drei Stunden lang hielt der Monarch sich bei Ehud Barak inTel Aviv auf&#059; im Mittelpunkt stand der Friedensprozess. Oppositionschef Ariel Sharon und Präsident Moshe Katsav boykottierten den Besuch, weil der König nicht nach Jerusalem kommen wollte.
In der Begleitung hochrangiger Offiziere, Parlamentarier und Minister landete König Abdullah II am Dienstagnachmittag mit seinem Helikopter auf dem Tel Aviver Flughafen Sde Dov, nachdem er zuvor in Ramallah mit Yasser Arafat konferiert hatte. «Wie wir wiederholt schon gesagt haben», erklärte der... more...

Neonazis in der Bundesverwaltung

von Gisela Blau, October 9, 2008
Zwei einschlägig bekannte Nazifreunde in der schweizerischen Bundesverwaltung wurden von «Blick» und «Bund» enttarnt und recht schnell entlassen. Einer von ihnen heisst laut Medienberichten Hanspeter Sutter, 56. Er arbeitete 50 Prozent als Ursprungs-Experte beim Zoll in Bern, der Bundesrat Kaspar Villigers Finanzdepartement untersteht. Unter dem Namen «Admiral» beteiligte er sich an einer Internet-Plauderbox namens Swisstalk, in der er sich antijüdisch und nazifreundlich äusserte. Swisstalk wurde vom Provider jetzt für ihn gesperrt.
Vor genau einem Jahr, im September 1999, wurde Sutter bereits vom «Blick» entlarvt. Anwalt Sigi Feigel verklagte ihn wegen Verletzung des Antirassismus-Gesetzes (ARG). Sutter hatte dieses online als «Maulkorbgesetz» bezeichnet. Erstaunlicherweise durfte er dennoch weiterhin als Zoll-Experte... more...

Oslo hat seine Pflicht getan

von Jossi Beilin, October 9, 2008
Mit aller Kraft verkündet Israels Rechte den Tod der Osloer Vereinbarungen, während die Linke behauptet, Oslo lebe und es gehe ihm gut. Oslo ist aber weder ein religiöses Glaubensbekenntnis noch eine Ideologie. Vielmehr bedeutet es aus Sicht Jossi Beilins die Verwirklichung der 1978 in Camp David verabschiedeten Klausel für «Rahmenbedingungen für einen Frieden im Nahen Osten». Diese Klausel wurde de facto in die Grundsätze integriert, die 1991 zur Madrider Konferenz führten. Beilin brachte den Prozess 1992 in geheimen Kanälen in Bewegung, um die Hindernisse der Madrider Gespräche zu überwinden, die sich in Washington im Schneckentempo fortbewegten. Ein Analyse des «Architekten von Oslo».
Einerseits setzte Oslo Camp David von 1978 in die Tat um: Autonomie für 5 Jahre, eine starke lokale Polizeikraft und die Anfänge von Gesprächen über ein dauerhaftes Abkommen, einige Jahre nach der Unterzeichnung des Interimsabkommens. Andererseits enthielt Oslo einige neue Punkte wie die... more...

Nicht unterkriegen lassen

von Lev Gorodetsky, October 9, 2008
Trotz der letzte Woche erfolgten Verhaftung von Vladimir Gussinsky in Spanien ist der Russisch-Jüdische Kongress (RJC), dessen Präsident und Haupt-Geldgeber der Inhaftierte ist, fest entschlossen, seine Aktivitäten wie bisher fortzusetzen. Diverse jüdische Persönlichkeiten allerdings warnen vor einem Zusammenbruch der Organisation, die dem kontinuierlichen Druck auf Gussinsky nicht mehr lange standhalten könne.
Als Vladimir Gussinsky letzte Woche aufgrund eines Interpol-Haftbefehls in Spanien festgenommen wurde, erklärte Alexander Osovtsov, der Vize-Präsident des RJC, die wichtigsten Projekte des Kongresses würden planmässig fortgeführt. Möglicherweise lässt sich die Verhaftung eher mit dem Wunsch... more...

Volles Haus mit Finkelstein

von Gabi Rosenberg, October 9, 2008
Bücher werden gedruckt und sollen Leser sprich Käufer finden. Zu diesem Zweck reisen Autoren von Ort zu Ort. Momentan ist der Politologe Norman Finkelstein mit seinem Buch «Die Holocaust-Industrie» allgegenwärtig. Jedenfalls auf dem TV-Bildschirm, was ihn «live» erst recht zum Publikumsmagneten macht. Das Konservatorium von Zürich war denn auch überbesetzt, als er kürzlich dort auftrat.

Zu einer Diskussion, die keine wurde: Moderiert vom NZZ-Redaktor Dr. Max Frenkel, kam es zwischen ihm und Dr. Rolf Bloch höchstens zu einem freundlichen Geplänkel. Finkelstein - nach etlichen vorangegangenen Veranstaltungen und Interviews darin geübt - hatte trotz seiner ermüdend gesetzten... more...

Eine winzige Gemeinde ruft zum Frieden auf

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Vor dem Hintergrund der immer heftigeren Auseinandersetzungen zwischen mazedonischen Truppen und albanischen Rebellen, die zu einem neuen balkanischen Krieg zu werden drohen, ruft die winzige jüdische Gemeinde Mazedoniens die Juden der Welt auf, zur Erhaltung des brüchigen Friedens beizutragen.
«Wir, die Juden Mazedoniens, machen uns grosse Sorgen über die gegenwärtige Gewalt, welche die multi-ethnische Harmonie und den demokratischen Dialog zu zerstören droht, die das kleine, aber stolze und unabhängige Land, in dem wir leben, bisher geprägt haben.» Das erklärte Viktor Mizrachi,... more...

60 000 gegen Rassismusauf der Strasse

von Anton Legerer, October 9, 2008
Als Nachwirkung auf den Ausgang der österreichischen Nationalratswahl vom 3. Oktober, bei der die rechtspopulistische Freiheitliche Partei (FPÖ) unter ihrem charismatischen Führer Jörg Haider zweitstärkste Partei nach Stimmen wurde, fand vergangenen Freitag unter dem auf die anstehende Regierungsbildung anspielenden Motto «Keine Koalition mit dem Rassismus» eine grosse Kundgebung in Wien statt.
60 000 Demonstranten (Zahlenangaben der Medien- und Polizeiberichte variieren beträchtlich) bekundeten ihren Unwillen vor allem über rassistische und ausländerfeindliche Inhalte des FPÖ-Wahlkampfes, bei dem unter anderem der aus der Schweiz entlehnte Slogan «Stopp dem Asylmissbrauch» sowie auf... more...

Bertelsmann und die Tücken der eigenen Firmengeschichte

von Samuel Laster, October 9, 2008
Vor etwas mehr als einem Jahr gab es eine Überraschung. Der Medienriese Bertelsmann ist nicht im Naziwiderstand tätig gewesen, wie dies die offizielle Firmengeschichte kundtat. Im Gegenteil: im Stammhaus in Gütersloh, in Belgien, den Niederlanden, Litauen und Lettland wurden sogenannte Landserhefte gedruckt. Firmenchef Mohn war kein Widerstandskämpfer, sondern ein SS-Mann. Der in Bochum lehrende Norbert Frei ist bei der inzwischen eingesetzten Historikerkommission für den Aufbau des Archivs zuständig und sieht Heinrich Mohns Mitgliedschaft in der SS als die eines «Förderndes Mitgliedes». Die Kommission mit Sitz in München umfasst 4 Mitglieder und 6 Mitarbeiter.
Die Pressekonferenz, die am Montag an der Münchner Universität stattfand, erregte grosses Medieninteresse. Nicht zuletzt die Querelen um das Hannah Arendt Institut in Leipzig brachten den Leiter der Kommission, Saul Friedländer, in die Schlagzeilen. Die Veröffentlichung eines Mitarbeiters des... more...

Tiefststand des Dollars

Mark Kostman (Haaretz) und Jacques Ungar, October 9, 2008
Der Dollar fiel am Dienstag gegenüber dem israelischen Shekel auf einen seit September 1998 nicht mehr verzeichneten Tiefstand. Damals sank der Dollar im Zuge der weltweiten Krise auf den Kapitalmärkten auf NIS 4,038. Der offizielle Mittelkurs wurde mit NIS 3,999 pro Dollar fixiert. Bankexperten glauben nicht, dass damit die Talsohle bereits erreicht ist.

Der dominierende Faktor für die Stärkung des Shekels gegenüber dem Dollar und anderen ausländischen Währungen ist der Zufluss von Kapital nach Israel, vor allem durch ausländische Investoren. Diese Entwicklung scheint den Effekt der fallenden lokalen Zinssätze und die sich dadurch verengende... more...

Einen hohen, aber nicht jeden Preis

October 9, 2008
Recht lauwarm reagierte kürzlich Israels Führung auf die überraschende Erklärung des libanesischen Verteidigungsministers Ghazi Zaiter, sein Land könnte Syrien ersuchen, nach einem israelischen Rückzug Truppen nach Südlibanon zu entsenden. Die Reaktion israelischer Spitzenpersönlichkeiten... more...

Unentschuldbar

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Kurz vor der Entscheidung hinsichtlich der Zukunft von Ehud Baraks Koalition erreichte das psychologische Hickhack zwischen Mitgliedern dieser Koalition einen neuen, betrüblichen Höhe- bzw. Tiefpunkt. In einem klaren Versuch, das Klima anzuheizen, die Atmosphäre noch mehr zu vergiften und Barak... more...

Lösung eines grossen Rätsels

von Avi Ahmul, October 9, 2008
Türkische Taucher behaupten, die Überreste der «Struma» gefunden zu haben, des Dampfschiffs, das auf dem Weg nach Palästina mit 779 «illegalen» Einwanderern an Bord sank, als es im Februar 1942 von einem russischen Torpedo getroffen wurde. Nur ein Passagier hatte die Katastrophe überlebt.

Nach dreieinhalb Jahren der Suche und Nachforschungen behaupten die Türken nun, in einer Tiefe von fast 90 Metern die Überreste des Dampfers «Struma» geortet zu haben, der im Februar 1942 sank, als er von einem russischen Torpedo getroffen wurde. An Bord befanden sich 779 rumänische Juden, die... more...

Psalmen, Schabbatlieder und stille Tränen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Hartgesottene israelische Soldaten, Ärzte, Journalisten - keiner schämte sich der Tränen in den Augen. Einige begannen, Psalmen zu rezitieren, andere stimmten ein Schabbatlied an, wiederum andere hingen still ihren Gedanken nach, unfähig, sie zu Worten zu formen. Nach über 100 Stunden, die sie nach dem schrecklichen Erdbeben (vgl. JR Nr. 33) in den Ruinen des Wohnhauses im türkischen Ferienort Cinarcik zugebracht hatte, wurde das 9jährige israelische Mädchen Shiran Franco lebend geborgen.
Nachdem das katastrophenerfahrene israelische Team tagelang mit grösster Vorsicht vorgegangen war und den türkischen Wunsch nach Einsatz der grossen Bulldozer kompromisslos zurückgewiesen hatte, wurde die Arbeit am Samstagmorgen belohnt. Zuerst sahen die Retter einen kleinen, sich bewegenden... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Abschluss. Bis Ende September 1999 sollten die Geschäfte des Humanitären Fonds für bedürftige Opfer von Holocaust/Schoa abgeschlossen sein, hofft Präsident Rolf Bloch. «Die Gelder sollten bis dann zugewiesen sein, aber noch nicht ausbezahlt.» Beispiel: In Israel beginnen die Zahlungen erst... more...

Es regnet durchs Dach

von Gisela Blau, October 9, 2008
Eine neue Auseinandersetzung um den Umbau bzw. die Renovation des ICZ-Gemeindehauses steht an der Budget-Gemeindeversammlung vom 29. November bevor. Der Vorstand legt der Gemeinde das Ersuchen um einen Kredit für die dringendsten Renovationsarbeiten vor. Die Kerngruppe Offener Brief (KGOB), die gegen das ursprünglich umfassendere Umbauprojekt opponiert und die Gemeinde vor einem halben Jahr von einer Ablehnung und Neuprojektierung überzeugt hatte, findet das Kreditbegehren von zwei Millionen Franken zu hoch. Wie auch die GV ausgeht: Es herrscht nicht nur sinnbildlich Feuer im Dach. Im ICZ-Gemeindehaus regnet bzw. schneit es ganz real durch dasselbe. Die JR holte Stellungnahmen des ICZ-Vorstands und der KGOB, die am Dienstagabend tagte, ein.
Die Kerngruppe Offener Brief (KGOB) reagierte nach ihrer Sitzung mit einem Communiqué. «An der ICZ-GV im Mai 1999 hat eine deutliche Mehrheit den Vorstand beauftragt, bis im November das Gemeindehaus-Renovationsprojekt mit Alternativen bezüglich Saal, Empfangs-Desk und Fremd-Vermietung nochmals... more...

Zalman Shoval ist endgültig abgetreten

von Michael Shapiro, October 9, 2008
In den letzten Wochen hat Zalman Shoval, bis vor wenigen Tagen Israels Botschafter in den USA, seinen zweiten diplomatischen Aufenthalt in Washington gebührend würdevoll beendet: Er hielt eine Rede im Nationalen Presseclub, gab in seiner Residenz einen Empfang für 400 geladene Gäste und wurde im eleganten Heim des Kosmetik-Erben Ronald Lauder von der jüdischen Führungsspitze gefeiert.
Zalman Shoval (69) rechnet damit, dass der Abschied ein endgültiger sein wird. Er glaubt nicht, dass er als erster Israeli dreimal auf den Botschafterposten in Washington berufen werden wird. «Als ich das letzte Mal abreiste», sagte er in einem Interview, bevor er die US-Kapitale verliess,... more...

Absolute Fakten, Relativität der Geschichtsschreibung

von Hanna Zweig, October 9, 2008
Bei ihren Buch-Recherchen über Wirken und Leben von Nationalrat David Farbstein zwischen den 1920er und 1940er Jahren untersuchte die Autorin Hanna Zweig die in den letzten Monaten oft diskutierte Stellung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) während des Nationalsozialismus. Im folgenden Essay stellt Zweig das Handeln der offiziellen Vertretung des Schweizer Judentums in den politischen Kontext der damaligen Jahre und plädiert für eine historische Beurteilung der Fakten, die nicht isoliert, sondern unter Einbezug äusserer Einflüsse zu geschehen hat.
Der kürzlich erschienene Flüchtlingsbericht der Bergier-Kommission legte den Schwerpunkt seiner Untersuchungen vorwiegend auf die Sicht der Schweizerischen Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg aus dem Blickwinkel von Opfern und Helfern. Die enthaltenen Berichte über Täter machten die... more...

Ein empfindliches Dreieck

October 9, 2008
Das Verhältnis zwischen Jerusalem und Beijing stand jahrzehntelang unter einem ungünstigen Stern. Als erstes Nahostland hatte Israel die Volksrepublik China zu Beginn der 50er Jahre anerkannt (wie manche anderen nichtkommunistischen Staaten, z.B. Grossbritannien und die Schweiz); es hatte nie... more...

«Aus Zion kam die Software, und Mikrochip aus Jerusalem»

von Samuel Laster, October 9, 2008
Mehr als hundertzwanzig Firmen aus einem kleinen Land im Nahen Osten waren an der Technologiebörse NASDAQ. Sie erraten schon, es ist Israel. In den letzten 20 Jahren hat die «Orangenrepublik» landwirtschaftliche Exporte sukzessive durch High-Tech ersetzt. Eine eigene Unternehmerkultur, Hemdsärmligkeit, grosse Direktheit à la SABRE scheinen gut fürs Geschäft. Die grosse Einwanderung aus der Sowjetunion wirkt sich hier positiv aus, gutgeschulte Naturwissenschaftler finden neue Herausforderungen. Der Staat unterstützt Unternehmensgründungen als Inkubator. Für aussichtsreiche Projekte stellt das Wirtschaftsministerium 300 000 USD Kredit zur Verfügung, möchte dafür mit 5-7% an den Firmen beteiligt sein. Private Initiativen sind als «Geburtshelfer» sehr erfolgreich.
Ein Beispiel für eine Privatinitiative ist die Yazam-Gruppe des Expiloten Shlomo Kalisch, bisher etwa 40 «Startups» auf die Sprünge helfen. «Wir garantieren eine Antwort für ein Projekt in sechs Wochen», sagt Marketingleiter Israel Schorr. Durchschnittlich 4 Millionen US-Dollar ist der... more...

Ein Porträtist von europäischem Rang

von Walter Labhart, October 9, 2008
Hundert Jahre nach seinem Geburtstag ist der Maler Varlin im Ausland, wo er so oft lebte und arbeitete, immer noch soviel wie unbekannt. Aus der einzigen Retropektive zu diesem Jubiläum, der 125 Ölbilder zählenden Präsentation im Aargauer Kunsthaus, geht eindeutig hervor, dass der in Zürich häufig mit Bildnissen von Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Leo Gantenbein und Hugo Loetscher aufgefallene Künstler den grossen Porträtisten des 20. Jahrhunderts zugerechnet werden muss.
Wie Kirchner, Kokoschka, Modigliani und Picasso hat Varlin gerade auf diesem Gebiet so viel Hervorragendes geschaffen, dass sein Fehlen in den bedeutenden europäischen Galerien und Museen schwer zu begreifen ist.Am 16. März 1900 zusammen mit seiner Zwillingsschwester Erna als Bürger von Lengnau... more...

Über Nacht im Wiener Gestapo-Hotel

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die Medaille der «Gerechten unter den Völkern» wird der israelische Botschafter Yitzhak Mayer am 6. Mai an fünf Persönlichkeiten überreichen, drei davon postum. In Anwesenheit des Schweizer Aussenministers, Bundesrat Joseph Deiss, wird als einer der Gerechten Harald Feller geehrt. Er versteckte und verpflegte als Privatmann mehr als zehn jüdische Personen in seinem Budaer Wohnhaus. Und er rettete als Erster Sekretär der Schweizer Gesandtschaft in Budapest durch eine mutige Aktion im Sommer und Herbst 1944 Eva Koralnik-Rottenberg, heute eine der bekanntesten Literaturagentinnen Europas, und ihre jüngere Schwester, Bundesrichterin Vera Rottenberg Liatowitsch, zusammen mit der Mutter Bertha Rottenberg-Passweg und drei weiteren mit ungarischen Juden verheirateten Schweizerinnen.
1938 und 1939 verbrachte der Ungar Willi Rottenberg mit seiner aus der Schweiz stammenden Ehefrau Bertha und der kleinen Tochter Eva die Sommerferien in St. Gallen bei der Schwiegermutter. Sie beschwor ihn, vor allem 1939, nicht nach Ungarn zurückzukehren. Es drohe ein Krieg, und dann würden die... more...

Wenn ich ein Rothschild wär...

von Eva Burke, October 9, 2008
Als «Top-Ereignis der Auktionssaison» wurde die Versteigerung des österreichischen Rothschild-Kunstschatzes in der internationalen Presse angekündigt (die JR berichtete), und das war sie denn auch. Der Name Rothschild, dem seit Jahrzehnten der Hauch von Hochfinanz, teurem Wein, Geschichte und Tradition anhaftet, verfehlte auch diesmal seine Wirkung nicht. Was sich im Auktionshaus Christie’s letzte Woche abspielte, war auch für gewiefte Auktionsbesucher einmalig: aus allen Ecken der Welt kamen Journalisten und Einkäufer, um diese einmalige Auktion mitzuerleben.
Zum Verkauf angeboten waren «Gemälde, die von den Wänden eines der besten Museen der Welt abgehängt worden sind». Die erwähnten Wände befanden sich in den beiden von den Wiener Rothschilds bewohnten Palais an der Heugasse und an der Theresianumgasse, in denen Politiker, Philosophen,... more...

Zeichen mit Licht und Hoffnung

von Patrick Kury, October 9, 2008
Ohne Zweifel zählt sie zu den bekanntesten und am meist verbreiteten Fotografien sowohl des ersten Präsidenten der zionistischen Vereinigung als auch - was den Hintergrund betrifft - der Stadt Basel: die Aufnahme von Theodor Herzl (1860-1904) auf dem Balkon des Hotels «Drei Könige». Zu Tausenden reproduziert, wurde sie in Form von Postkarten rund um den Erdball verschickt&#059; hundertfach nahmen Imitationen das Motiv auf und gestalteten Ungewohntes inmitten des Vertrauten. Und noch immer stellen sich israelische Politiker und Repräsentanten jüdischen Lebens auf dem Balkon in «Herzl-Pose», um die geistige Verbundenheit mit seinen Ideen zu dokumentieren.
Doch worauf gründet der Erfolg ausgerechnet dieser einen Fotografie, bei der es sich möglicherweise bereits um eine Montage gehandelt hatte und von der weder ein Originalnegativ erhalten geblieben ist noch das genaue Entstehungsdatum bekannt ist? Am 10. Januar 1902 schrieb Theodor Herzl dem... more...

Ist Vladimir Putin gut für die Juden

von Lev Gorodetzki, October 9, 2008
Während die Russen allgemein den Machtantritt Vladimir Putins als überraschendes Neujahrs-Geschenk betrachten, reagieren jüdische Beobachter sowohl in Russland als auch in den USA entschieden differenzierter. Einige stimmen voll in die Begeisterung über den Wechsel von Jelzin zu Putin ein, doch andere warnen vor einem möglichen Aufkommen des Antisemitismus und einem Abrücken von der Demokratie.
Als Putin im vergangenen August zum Premierminister Russlands ernannt wurde, war wenig über ihn bekannt. Mit dem Beginn des Tschetschenien-Krieges im September aber nahm seine Popularität zu, und in den letzten Wochen stieg sie raketenhaft auf 80 Prozent an. Allgemein gilt der amtierende... more...

Baraks Stern im Sinken

von George Szpiro, October 9, 2008
Ehud Barak hat acht Monate nach seiner Wahl zum Regierungschef noch nicht viel Konkretes vorzuweisen. Die Friedensprozesse befinden sich in Sackgassen, es herrscht eine Rezession, und eine Parteispendenaffäre droht sich auszuweiten. Einzig der vorgesehene Abzug der Truppen aus Südlibanon bleibt als Lichtblick.
Die arabischen Staaten reagieren mit Unmut auf die vor zwei Wochen durchgeführten Angriffe gegen Einrichtungen der libanesischen Infrastruktur. Ägyptens Präsident Mubarak stattete dem Libanon am vergangenen Wochenende eine Blitzvisite ab - der erste Besuch eines ägyptischen Staatschefs in Beirut... more...

Im Wartezimmer zur Humanität

von Esther Müller, October 9, 2008
Die im letzten November im Verlauf einer Internationalen Versammlung von den Amerikanern begonnene Debatte um die Vollmitgliedschaft Israels im IKRK (JR Nr. 45) und damit auch um die Aufnahme des «Magen David Adom» neben dem Roten Kreuz, dem Roten Halbmond und dem Roten Löwen als gleichberechtigtes Symbol für humanitäre Hilfe, hat in den USA erneut Wellen geschlagen.

Bernadine Healy, Präsidentin des Roten Kreuzes der USA, bezeichnete die vom IKRK immer wieder ins Feld geführte Besorgnis, dass die Aufnahme eines neuen Symbols neben dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond zu einer «Proliferation neuer Symbole» führen könnte als «Heuchelei». Laut... more...

Antisemitismus, kein quantitatives Problem für die Schweiz

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Im Zentrum ihres viertägigen, als privat deklarierten Aufenthaltes in Israel stand für Bundesrätin Ruth Dreifuss sicher die Entgegennahme des Ehrendoktortitels der Hebräischen Universität. Die Politikerin fand daneben aber noch Zeit, an der Eröffnung eines Schweizer Zentrums für Konfliktforschung teilzunehmen, Vorträge zu halten, einen Abstecher in die palästinensische Autonomie zu machen, und an einer Pressekonferenz aktuelle Fragen zu beantworten.
«Die politischen Institutionen der Schweiz sind so gefestigt, dass sie nicht von den Pendelbewegungen kleinerer Parteien zu beeinflussen sind.» Mit diesen Worten beantwortete Bundesrätin Ruth Dreifuss am Sonntag an einer improvisierten Pressekonferenz in Jerusalem die Frage nach einer möglichen... more...

Jerusalem, der erwartete Prüfstein

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Während im amerikanischen Camp David das Ringen um eine definitive Regelung zwischen Israelis und Palästinensern auch am Mittwochmorgen noch nicht beendet war, beschloss Knessetsprecher Avraham Burg, die Gesetzesvorlage zur Auflösung des Parlamentes noch in der Sommersession vors Plenum zu bringen. Seine Meinung, die von diversen kleineren und mittleren Parteien geschaffene Situation seien nicht länger tragbar, wird von vielen israelischen Bürgern geteilt. - In Camp David erwies sich Jerusalem erwartungsgemäss als der eigentliche Prüfstein für die Friedensbemühungen.
Nachdem die Knesset erst vor drei Wochen Vorschläge zur Auflösung des Parlamentes und zur Ausschreibung von vorgezogenen Neuwahlen von der Tagesordnung abgesetzt hatte, hätte Avraham Burg (Arbeitspartei), der Sprecher der Knesset, es in der Hand gehabt, die Behandlung neuer Vorlagen zum gleichen... more...

Wie anti-israelisch ist Peter Hain wirklich?

von Douglas Davis, October 9, 2008
Peter Hain (49), der neue britische Minister, der innerhalb des Foreign Office für den Nahen Osten zuständig ist, hatte einst für die «Demontage» des Staates Israel aufgerufen. Heute versucht er, die jüdische Gemeinschaft zu beschwichtigen. Wie anti-israelisch ist Peter Hain tatsächlich?
Peter Hain, ein führender britischer Antirassist, der am 29. Juli zum Minister mit Verantwortung für den Nahen Osten ernannt worden ist, sagte, seine ausdrückliche Befürwortung für die Schaffung eines Palästinenserstaates zu Lasten der Existenz Israels sei durch die Veränderung in den... more...

Iran / Hintergrund - Spannung beherrscht das jüdische Leben nicht erst heute

von Julia Goldmann, October 9, 2008
Der Perserkönig Kyros eroberte Babylonien im Jahre 538 v.Chr., befreite die Juden aus der Gefangenschaft und stellte die Mittel für den Wiederaufbau des Tempels zu Jerusalem zur Verfügung. Das zeitgenössische Persien - Iran - zählt heute zu den am heftigsten antizionistischen Ländern, aus denen sogar ein Telefonanruf nach Israel unmöglich ist. Wenn also 13 Juden verhaftet und der Spionage für Israel und die USA bezichtigt werden, kann man zweifelsohne von einer düsteren Situation sprechen.
Gemäss Angaben der Anti-Diffamationsliga (ADL) des Bnai Brith sind seit der Islamischen Revolution von 1979 in Iran mindestens 17 Juden, inkl. Gemeindeführer, hingerichtet worden. Viele von ihnen waren der Spionage zugunsten Israels oder der USA angeklagt worden. Das grösste Aufsehen erregte laut... more...

Über das katholische Heil

von Ernst L. Ehrlich, October 9, 2008
Die Glaubenskongregation der römischen Kirche hat es für notwendig gehalten, eine Erklärung herauszugeben «Über die Einzigartigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche». In diesem Text wird postuliert, dass es nur eine einzige wahre Kirche gibt, und dies sei die katholische. Dadurch sind vor allem die protestantischen Kirchen betroffen, denen die neue Erklärung den wahren Kirchencharakter abspricht. Im Übrigen wird der Absolutheitsanspruch dieser katholischen Kirche einmal mehr herausgestellt.

Die christliche Ökumene ist dadurch beeinträchtigt, und daher haben sich auch protestantische Persönlichkeiten gegen diese neue Verlautbarung gewandt. Die Gründe für das Erscheinen dieses Textes mögen interne Richtungskämpfe innerhalb des Vatikans sein sowie Auflösungserscheinungen in... more...

Im Jenseits brechen die Brände aus

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Der polnische Schriftsteller Andrzej Szczypiorski ist im Mai dieses Jahres gestorben. Immer wieder wurden seine eigenen Erinnerungen an Polen, Deutsche, Russen, Juden und an das Warschau der Kriegszeit in seinen Büchern thematisiert. Nun ist sein letzter Roman auf deutsch erschienen. «Feuerspiele» ist ein brennende Liebeserklärung an die Erinnerung.
Als das jüdische Pferd auftaucht, hält der Boss, der normalerweise für Brandstiftung, Beseitigung und totale Vernichtung zuständig ist, nun aber in seinem Büro diskret das Verpacken von Kunstwerken überwacht, das erst gar nicht für möglich. Und in der Tat: In seiner Welt war es nicht... more...

«Israel, letzte Besatzungsmacht»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Palästinenser haben sich mit der Gründung eines Staates auf «22% der Fläche des historischen Palästinas» und mit der Existenz des Staates Israel auf den restlichen 78% einverstanden erklärt, meinte Saeb Erekat, der Chef-Unterhändler der Palästinenser, am Dienstag. Dieser «schmerzvolle historische Kompromiss» bedinge jedoch den Rückzug Israels auf die Grenzen vom 4. Juni 1967 und die Anerkennung Ost-Jerusalems als die Hauptstadt der Palästinenser.
Eine recht zwiespältige Botschaft über den derzeitigen Stand der israelisch-palästinensischen Beziehungen vermittelte am Dienstag in Ost-Jerusalem Saeb Erekat, der Chef-Unterhändler der Palästinenser einer Gruppe von Auslandskorrespondenten. Die derzeitigen innenpolitischen Querelen in Israel... more...

Hilfe aus Amerika

von Samuel Laster, October 9, 2008
Die litauische Regierung bemüht sich um die Auslieferung des mutmasslichen Nazi-Kriegsverbrechers Antanas Gecas aus Schottland. Diplomatischer Druck wird auf die baltische Republik aus Washington ausgeübt. Der scheidende Vizepräsident Al Gore ist der Mann im Hintergrund, wie Sunday Times nunmehr enthüllt.

US-Vizepräsident al Gore traf sich zusammen mit Justizministerin Janet Reno mit hohen regierungsvertretern aus Wilna. Sprecher in Wilna bestätigten, dass sich die Regierung Litauens um eine Auslieferung von Gecas bemühen werde. Der Druck aus Washington auf Wilna wurde auf Botschafterebene lange... more...

Ein Buch, erschienen wie gerufen

October 9, 2008
Auch zweifelhafte Bücher können Diskussionen auslösen, vor allem dann, wenn sie latente gesellschaftliche Bedürfnisse aufwecken können.«Wäre Finkelstein nicht jüdisch, wäre sein Buch in den Redaktionen sofort als rechtsextremistisches Pamphlet im Abfall versenkt worden», schrieb Alain... more...

«Wir werden weder vergessen noch vergeben»

von Aryeh Dayan, October 9, 2008
Als Aharon Barak, Präsident des Obersten israelischen Gerichtshofes, vor einigen Wochen den Haftbeginn für Arieh Deri, den ehemaligen Chef der Shas-Partei, hinausschob, hatte das Aktionskomitee von Shas eigentlich alles schon vorbereitet. Dann wurden die Pläne schubladisiert, aber jetzt, nachdem Deri (voraussichtlich) am Sonntag, den 3. September nun tatsächlich seine dreijährige Strafe wird antreten müssen, kann Israel sich auf einiges gefasst machen.
Der Grossteil der Pläne, mit denen Shas seinen Protest gegen die Inhaftierung Deris ins Volk hinaustragen will, ist noch geheim. Damit wollten die Organisatoren den Überraschungseffekt beibehalten. Vielleicht gibt es aber noch einen anderen Grund, zielen einige der Aktionen doch darauf ab, das... more...

Mehr als 100 000 Besucher

October 9, 2008
Am Sonntag, den 3. September 2000 fand der Europatag der jüdischen Kultur in 17 Ländern statt in Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsamt «Agence du Développment Touristique du Bas-Rhin», mit B’nai B’rith Europa und dem Europäischen Rat der Jüdischen Gemeinden sowie der «Red de Juderias de Espana» (die JR berichtete ausführlich).

Deutschland, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Republik Tschechien, Rumänien, Grossbritannien, Slowakien, Schweiz und Spanien waren die teilnehmenden Länder. 500 Veranstaltungen wurden am gleichen Tag in 17 Ländern und 200... more...

Generation X2

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
9. November 2000 in der Schweiz: Aber hallo? Was läuft denn hier ab. Rund sechs Wochen nach Ausbruch der jüngsten Nahostkrise publizierten 76 junge Jüdinnen und Juden vergangene Woche in der JR einen Offenen Brief - eigentlich mit guter Intention aber entlarvender Argumentation - an die... more...

Brief mit politischem Sprengstoff

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zu einem Zeitpunkt, der für den arg unter Druck stehenden israelischen Premierminister Ehud Barak ungünstiger nicht sein könnte, griff Elyakim Rubinstein, der Rechtsberater der Regierung, die Versuche Baraks, noch vor den Wahlen vom 6. Februar ein Abkommen mit den Palästinensern zu erzielen, in unerwartet scharfen Worten an.
In einem persönlichen Brief, der schon letzte Woche geschrieben worden war, den Weg in die Medien aber erst am Dienstag fand, noch bevor Barak sich Gedanken über eine eventuelle Antwort machen konnte, stellte Rechtsberater Elyakim Rubinstein sowohl die moralische Autorität des Premiers infrage,... more...

Klare Stellungnahme beziehen

von Gabriel H. Cohn, October 9, 2008
Die täglichen Probleme in Israel erfordern (leider!) ständig unsere Aufmerksamkeit. Jetzt, nach den Wahlen, wäre es jedoch sehr wichtig, auch jene tiefergreifenden Themen zu erörtern, die dem alltäglichen Geschehen zugrunde liegen. Dies vor allem deshalb, weil die Wahl Sharons nicht so sehr Ausdruck einer Begeisterung für seine Persönlichkeit ist, sondern vielmehr ein eindeutiges Misstrauensvotum gegen Barak und seinen politischen Weg. Jetzt ist es Zeit, Klarheit für die komplizierte Situation in Israel zu schaffen und Verständnis für seinen Lebenskampf zu fördern. Im vorliegenden Artikel wollen wir zwei Themenkreise darstellen, die nicht nur für Israel wichtig sind, sondern indirekt auch für das Judentum in der Diaspora zentrale Bedeutung haben.
Arafat und seine Mitarbeiter wollen den Juden das Recht auf Israel und vor allem Jerusalem absprechen. Was sagte zum Beispiel der von der PLO ernannte Mufti von Jerusalem in einem Interview mit der «Welt» (17. 1. 01): «Es gibt keinen auch noch so kleinen Hinweis auf die Existenz eines jüdischen... more...

Nicht ganz koscher

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Wer kennt sie nicht, die teils ramponiert aussehenden Verpackungen von Koscherprodukten an den verschiedenen jüdischen und anderen Verkaufsstellen, die unzulängliche Deklaration der Inkredienzen, fehlende Produktions- oder Ablaufdaten, von Händlern willkürlich mit Etiketten überklebte... more...

«Wir sind hier, sie sind dort»

von Danny Rubinstein, October 9, 2008
Viele Israelis unterstützen das Konzept einer Trennung zwischen ihrem Staat und den Palästinensern. Einer von Yitzchak Rabins Wahlslogans im Jahre 1992 lautete: «Gaza aus Tel Aviv entfernen.» Er wurde zum Hit. Israelis sehen es nicht gerne, wenn Massen von Arabern aus der Westbank und dem Gazastreifen ihre Strassen bevölkern. Ehud Barak hat folgende Variation zum Thema kreiert: «Wir sind hier, sie sind dort.» Im Anschluss an das jüngste Blutvergiessen hat der Vorschlag an Dynamik gewonnen: Wir (die Israelis) müssen uns von ihnen (den Palästinensern) trennen.
Letzte Woche wies Premier Barak seine Ministerien an, das Konzept der Trennung von den Palästinensern näher zu prüfen. Am stärksten macht sich dabei die Sicherheitsüberlegung bemerkbar: Die Angst vor der Infiltration von Terroristen mit den zehntausenden von palästinensischen Arbeitern,... more...

Kurz vor dem Chaos

October 9, 2008
In den ersten Wochen der militärischen Auseinandersetzung mit den Palästinensern hatten einige Israelis mit der Idee gespielt, Yasser Arafat zum Verlassen der Gebiete zu zwingen. Da Arafat so oft ins Ausland reist, sollte es, wie sie argumentierten, nicht allzu schwer sein, sein Flugzeug bei der... more...

Idealisierte Sehnsucht nach Wien

von Walter Labhart, October 9, 2008
Was Berlin und Paris für die russischen Intellektuellen und Künstler bedeuteten, war Wien für die galizischen Juden aus dem heutigen Gebiet Polens und der Ukraine: die Stadt der Verheissung. Auf welche Weise der Zustrom der Ostjuden das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Stadt Wien beeinflusste und wie die alteingesessenen Wiener Juden auf ihre Glaubensgenossen reagierten, zeigt bis zum 18. Februar auf höchst anschauliche Weise eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien.
Nach der Teilung Polens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte Galizien zu Österreich. Von der Bevölkerung Galiziens, dem der ihm entstammende Dichter Joseph Roth im Buch «Juden auf Wanderschaft» 1927 ein unvergleichliches literarisches Denkmal gesetzt hatte, war mehr als zehn... more...

Das jüdische Umfeld des Dichters Georg Heym

von Walter Labhart, October 9, 2008
Mit Jakob von Hoddis (Hans Davidson), Ernst Stadler und Georg Trakl bildete er die sehr einflussreiche Quadriga der ebenso früh reifen wie früh gestorbenen Expressionisten: Georg Heym war erst 24-jährig, als er beim Schlittschuhlaufen in der Havel ertrank. Zu seinem frühen Ruhm trugen nebst dem ungewohnten Tod und dem wortgewaltigen Talent zahlreiche jüdische Freunde und ihm wohlgesinnte Kritiker in beträchtlichem Masse bei. Dies wird anhand vieler Dokumente ersichtlich, von denen etliche erstmals in der von der Literaturwissenschafterin Nina Schneider konzipierten und mit einem Begleitbuch versehenen Ausstellung «Georg Heym (1887–1912). Der Dichter und seine Zeit» in der Bibliothek der Universität Basel zu sehen sind, die bis zum 6. April dauert.
Beeindruckend, was sich trotz zweier Weltkriege alles an Lebensspuren des promovierten Juristen aus Hirschberg erhalten hat. Seine dichterischen Anfänge und die später auf Gerichtsakten, Buchumschlägen und sogar Packmaterial notierten lyrischen Einfälle sind in der überaus informativen... more...

Was ist objektiv, was ist subjektiv?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Israel steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt des Medieninteresses. Journalisten fangen vor Ort Eindrücke und Bilder ein, berichten, kommentieren, analysieren, gewichten. Wie dies die Schweizer Medien seit Ausbruch der el Aksa-Intifada im September vergangenen Jahres tun, hat der «Forschungsbereich... more...

Zweimal rot

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nein, Ariel Sharon hat mit seinem Besuch auf dem Tempelberg die anschliessenden Unruhen nicht ausgelöst. Deren Ausbruch war angesichts des politischen Tretens an Ort sowieso nur noch eine Frage der Zeit gewesen. Deswegen allerdings hat Sharon (der ja auch in Sabra und Shatilla nicht selber... more...

Religionsmissbrauch?

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die beiden orthodoxen Gemeinden Zürichs, die Agudas Achim und die Israelitische Religionsgesellschaft (IRGZ), weigern sich, die SIG-Umfrage an ihre Mitglieder zum Ausfüllen zu versenden. Diese betrübliche Tatsache steckt hinter einer harmlos verklausulierenden Formulierung im SIG-Communiqué, wie der SIG-Generalsekretär Martin Rosenfeld auf Anfrage der JR bestätigte.

Das SIG-Communiqué verschlüsselt den Boykott der vor einem Monat lancierten Umfrage: «Die Durchführung der SIG-Umfrage hat im Centralcomité zu Diskussionen über die Aussagerelevanz einer solchen Befragung geführt. Der SIG möchte auf diesem Weg in Erfahrung bringen, was die jüdische... more...

Offiziell für einen Palästinenserstaat

von Michael S. Arnold, October 9, 2008
Nur wenige Tage, bevor er am 20. Januar das Weisse Haus endgültig verlassen wird, unterbreitete Präsident Bill Clinton der Öffentlichkeit seine Vorstellungen von einem Frieden im Nahen Osten. Vor dem der Israelischen Arbeitspartei (IAP) nahestehenden «Israel Policy Forum» (IPF) meinte er, diese Richtlinien, zu denen auch die Anerkennung eines Palästinenserstaates gehört, würden auch richtungsweisend für spätere amerikanische Verwaltungen sein.
Im Gegensatz zu früheren Vermutungen, Clintons Bemühungen um eine Regelung im Nahen Osten würden mit seinem Verlassen des Weissen Hauses ihr Ende finden, betonte der Präsident anlässlich eines Gala-Dinners des «Israel Policy Forum» (IPF) in New York, die «wesentlichen, schmerzvollen, aber... more...

Der erste Bagdad-Test des Sohnes

October 9, 2008
Wenn in der labilen Struktur von Emotionen und Reaktionen im Nahen Osten eine amerikanische Bombe auf Bagdad fällt, geht in Ramallah in der Westbank stolz und trotzig eine irakische Fahne am Mast auf.Palästinensische Proteste in den Gebieten gegen Bomben auf Irak sind im letzten Jahrzehnt zur... more...

Hitler-Buch nach wie vor ein Bestseller

von Douglas Davis, October 9, 2008
Mit Zufriedenheit reagiert das Simon-Wiesenthal-Zentrum auf den Beschluss des Internet-Buchladens Amazon.com, die Vertreibung von Hitlers «Mein Kampf» in Deutschland einzustellen. Obwohl das Buch in der BRD verboten ist, zählt es nach wie vor zu den via Internet am meisten gesuchten Titeln deutscher Leser.
Nach Angaben, die der Internet-Buchladen Amazon.com an der letzten Frankfurter Buchmesse machte, liegt «Mein Kampf» in der Beliebtheit bei deutschen Kunden auf Platz zwei hinter Elizabeth George’s Detektivroman «In Pursuit of the Proper Sinner». Barnesandnoble.com, der stärkste Konkurrent von... more...

Kläger haben zu lange gewartet

von Amichai Alperovich, October 9, 2008
Jahrelang haben sie darum gerungen. Doch die Familien der Opfer des Münchner Terroranschlags von 1972 auf die israelische Olympia-Mannschaft werden keinerlei Kompensation erhalten. Zu diesem Schluss gelangte der Oberste Gerichtshof von Bayern am vergangenen Freitag.
Zum Abschluss eines sechs Jahre dauernden Prozesses gelangte der in München domizilierte Oberste Gerichtshof Bayerns zu einem für die Hinterbliebenen der israelischen Olympia-Opfer sicher enttäuschenden Urteil. Die Familien hatten die deutsche Regierung, den Freistaat Bayern und die Stadt... more...

«Wo der Ewige sein Zelt aufgeschlagen hat»

October 9, 2008
Als spiritueller Höhepunkt in seiner bisher 22jährigen Amtszeit darf der Besuch von Papst Johannes Paul II in Israel bezeichnet werden. Trotz des ausdrücklichen Wunsches des Vatikans aber erhielt der Papst schon am Dienstag bei seiner Ankunft in Israel eine Kostprobe davon, wie sehr die Politik den Alltag im jüdischen Staate, aber auch bei den Palästinensern bestimmt.
Für die Empfangszeremonie für Papst Johannes Paul II. auf dem Flughafen Ben-Gurion hatte sich der Grossteil der sekulären Elite Israels, zusammen mit moslemischen und christlichen religiösen Persönlichkeiten eingefunden. «Willkommen im Heiligen Lande», rief Premierminister Ehud Barak aus,... more...

Mehr als nur Medien-Spekulation?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Israel und die Palästinenser sollen sich über die meisten Themen im Zusammenhang mit der definitiven Lösung schon geeinigt haben. Das zumindest berichtet die französische Zeitung «Le Monde» in grosser Aufmachung. Sowohl israelische als auch palästinensische Stellen weisen die Geschichte als pure Spekulation zurück, doch das muss nicht unbedingt viel heissen.
War der Artikel anfangs Woche in der französischen Zeitung «Le Monde» wirklich nur ein «israelischer Versuchsballon», wie Prominente in der Westbank es am Dienstag nannten, oder steckt mehr dahinter? Unter Bezugnahme auf «glaubwürdige Quellen» berichtete das Blatt, die meisten Themen der... more...

Lauschangriff wie im Kino  

von Gisela Blau, October 9, 2008
Sie werden sich im Bundesgericht abwechseln: Mordechai Rodgold, Erster Sekretär, und Eli Jiffrach, Konsul der israelischen Botschaft in Bern, verfolgen die ganze nächste Woche den «Mossad-Prozess» in Lausanne. Nur als Beobachter zwar, aber sie werden dort sein, weil es sich beim Angeklagten um einen israelischen Staatsbürger handelt.

Das wenigstens ist ganz sicher. Sonst handelt es sich um einen Spionagethriller wie im Kino. Man weiss nämlich nicht viel über den Angeklagten, ausser dass er, wie er selber zugab, Agent des weltberühmten israelischen Geheimdienstes Mossad ist, wenn auch selber eher kabarettreif agierend. Er... more...

Die Klage hat nie das letzte Wort

Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, October 9, 2008
«Schabbat Nachamu», Sabbat des Trostes, heisst der Schabbat dieser Woche. Er ist benannt nach dem Anfang des Prophetenabschnitts, der am Schabbat Morgen nach der Vorlesung aus der Thora als Haftara vorgetragen wird. In Jesaia, Kap. 40 heisst es: «Nachamu, nachamu, Ami» - «Tröstet, tröstet mein Volk, spricht Euer Gott. Sprecht zum Herzen Jerusalems und ruft ihm zu: Erfüllt ist seine Dienstzeit, gesühnt seine Schuld, empfangen hat es vielfach aus der Hand des Ewigen um aller seiner Sünden willen.»
Die geschichtliche Situation, in der das prophetische Trostwort dieses Schabbats gesprochen wird, ist deutlich. Israel ist im Exil und fiebert der Rückkehr in die Heimat entgegen. Es hat sich gegen Gott schwer versündigt, durch seine Untreue, durch den Abfall in die Götzenverehrung. Doch nun ist... more...

«Jude ist nicht nur, wer die Mitzwot praktiziert»

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Jeder kennt in Frankreich Rabbiner Josy Eisenberg. Denn mit seiner Sendung «La Source de Vie» (Quelle des Lebens) hat er es geschafft, seit über 37 Jahren das Judentum in all seinen Facetten darzustellen. Einst Gemeinderabbiner und Assistent des französischen Oberrabbiners, leitet der Rabbiner heute seine eigene Produktionsfirma. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann unterhielt sich mit Eisenberg in seinem Pariser Produktionsstudio über das Verhältnis der Juden in der Diaspora und Israel, Perspektiven jüdischen Lebens und das jüdische Selbstverständnis am Ende dieses Jahrhunderts.
Jüdische Rundschau: Ihre Sendung «La Source de Vie» ist ein Meilenstein in der Fernsehgeschichte. Seit über 37 Jahren vermitteln Sie mit modernster Methodik Judentum.Rabbiner Josy Eisenberg: Der Wunsch, das Judentum so weit wie möglich zu verbreiten, war meine Motivation, die Sendung im Jahre... more...

Heraus aus der Isolation

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Sowohl israelische als auch amerikanische Sprecher bezeichnen Ehud Baraks US-Reise als «sehr erfolgreich». Die alt-neuen Freunde sind sich aber bewusst, dass Barak seinem nun schon mehrere Male betonten Friedenswillen recht bald schon Taten wird folgen lassen müssen. Ob sich das in der vom israelischen Premier vorgegebenen Frist von 15 Monaten bewerkstelligen lässt, ist fraglich. Der Likud kritisiert den neuen Regierungschef, der noch vor Verhandlungsbeginn zu viele Konzessionen in Aussicht gestellt habe. Die Kette ermutigender Signale aus Syrien reisst nicht ab, und in den kommenden Wochen und Monaten werden ausländische Politiker sich in Jerusalem die Klinke reichen
Auf den ersten Blick darf Israels Premierminister Ehud Barak mit den Ergebnissen seiner US-Reise mehr als zufrieden sein. Zunächst einmal ist es ihm gelungen, die Beziehungen zum grossen Alliierten aus dem «Kühlschrank» zu befreien, in die sie im Verlaufe der Ära Netanyahu verbannt worden... more...

Maon war der Anfang

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nach tagelangem Zögern und der Gewährung einer «letzten Frist» um die andere hat Regierungschef Ehud Barak am frühen Mittwochmorgen den (unbewaffneten) Soldaten und der Polizei endlich den Befehl erteilt, die illegal errichtete Siedlung Maon in den Hebroner Bergen zu räumen. Dass die um... more...

Querverbindung zur Nimrodi-Affäre

October 9, 2008
Jerusalem / GZS. Israels Präsident Weizman sieht sich mit neuen Einzelheiten über die fragwürdige Annahme von Geldgeschenken konfrontiert, und obwohl Knessetabgeordnete vor der Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens zurückschrecken, wird es dem trotz allem immer noch sehr populären... more...

Gedanken unter Minderheiten

von Peter Schmid, October 9, 2008
Vor einem Jahr ist in Basel die CJP ins Leben gerufen worden. Letzte Woche fand im «Wildschen Haus» die 1. Jahrestagung statt. Gerade die Anwesenheit von Vertretern aus der Politik vermittelte eindringlich, wie sehr in Basel versucht wird, den christlich-jüdischen Dialog auch in den Alltag einfliessen zu lassen. Neben Ansprachen von Pfarrerin und CJP-Präsidentin Patricia Remy, den CJP-Vorstandsmitgliedern Ueli Vischer (Regierungsrat Basel Stadt) und Felix Liatowitsch (IGB-Präsident) und von Israels Botschafter Yitzchak Mayer, hielt der Regierungsrat und Vorsteher der Erziehungs- und Kulturdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Peter Schmid, das Hauptreferat. Die JR druckt die beachtenswerte Rede von Schmid nachfolgend leicht gekürzt ab.
Die bekannte deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» stellte ihr Dossier in der Ausgabe vom 5. Januar 2000 unter das Thema «Was heisst hier jüdisch?». In ihrem Beitrag erzählte die Münchner Buchhändlerin Rachel Salamander einen Witz: «Woran kann man als Partygast erkennen, dass die Gastgeber... more...

Ein janusköpfiger Maler und Wortkünstler

von Walter Labhart, October 9, 2008
«Mich erblickte das Licht der Welt am 16. März 1900. Als Fisch geboren, mit einer Zwillingsschwester in Zürich an der Schützengasse, bis 50 knochen Stier, war mit 4 Sternzeichen die Voraussetzung für ein kommendes Genie gegeben.» Mit diesen geistvollen Formulierungen beginnt die Kurzbiografie, mit der sich Willy Guggenheim selber vor- und verstellte. An seiner Legende feilte er, von der unzählige Anekdoten im Umlauf waren, mit mehr Ausdauer als an seinen Bildern und Zeichnungen, die verblüffend rasch entstanden, aber sehr spät Anerkennung fanden.
Als das Kunstmuseum Luzern ihm eine erste Einzelausstellung widmete, zählte er 50 Jahre, den Kunstpreis der Stadt Zürich - sie war stets das Kernstück seiner leidenschaftlichen Hassliebe - nahm der längst zu einer viel diskutierten Lokalgrösse herangewachsene Einzelgänger, der nie einer... more...

Kann Barak sich noch retten?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Seit Wochen schon erklären Sprecher der ultra-religiösen Shas-Partei, eigentlich würden vorgezogene Neuwahlen ihnen ganz gelegen kommen. Man halte sich vor Augen: Die Regierung Barak ist kaum ein Jahr alt, und Shas sitzt mit in der Koalition. Weil aber die von Rabbi Ovadia Yosef geistig geführte Partei einerseits mit 17 Mandaten die zweitstärkste Fraktion in der Knesset ist und andrerseits mit den finanziellen Problemen ihres Schulwerks «El HaMa\'ayan» nicht fertig wird, zählt man eins und eins zusammen und droht mit einem Austritt aus der Koalition, wenn der Staat nicht unverzüglich hilft, das Bildungssystem von Shas zu sanieren. Jetzt ist Barak der Kragen geplatzt.
Wochenlang fanden Gespräche zwischen Emissären von Premier Ehud Barak und Shas-Leuten statt, unzählige Kompromissvorschläge wurden unterbreitet und von Shas zurückgewiesen. Dazwischen suchte Barak einmal auch Rabbi Ovadia Yosef auf. Anfang Woche nun scheint dem Premierminister der Kragen... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Eugenik-Schweizer. «Ein verdrängtes Kapitel amerikanischer Geschichte» hiess ein Artikel in der NZZ vom 14. Juli 2000. Der Berichterstatter erwähnte, dass «England, Skandinavien, Südamerika und Japan» die «Vorreiterrolle Amerikas» bezüglich Eugenik nachahmten, verschwieg jedoch die Rolle... more...

Funktionalität und Freiheit

von Walter Labhart, October 9, 2008
Zusammen mit der Sonderausstellung «Was wir umbringen. &quot;Die Fackel&quot; von Karl Kraus» und «Carl König 1841-1915. Ein neubarocker Grossstadtarchitekt in Wien zur Zeit Otto Wagners» sorgt im Jüdischen Museum Wien eine dritte Ausstellung für starke Beachtung. Bis zum 5. September veranschaulicht eine kleine, aber sehr feine Schau anhand von Ritualgegenständen für die Synagoge und den Gebrauch zu Hause, welchen hohen Stand das israelische Design in jüngster Zeit erreicht hat. Dargestellt wird dies am Beispiel des religiösen Schaffens in der Kunstschule Bezalel (Jerusalem), das sich bezüglich des Umgangs mit Materialien und entsprechenden ästhetischen Lösungen in qualitativer Hinsicht mit dem besten Design aus Italien oder Skandinavien vergleichen lässt.
Ihren Namen leitet die 1906 von Boris Schatz, einem aus Litauen stammenden Bildhauer, ins Leben gerufene Kunstschule Bezalel vom ersten jüdischen Künstler her, welcher in der Bibel genannt wird. Bemühte sich der am geistigen Aufbau des Zionismus in Palästina beteiligte Gründer anfänglich um... more...

Recht gegen Geschichte

von Anton Legerer, October 9, 2008
Letzten Montag haben die ressortzuständige Ministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, Elisabeth Gehrer, und der mit dem Restitutionsgesetz 1998 für Restitutionen von Kunstgegenständen eingerichtete sechsköpfige Beirat gegen die Ausfolgung von fünf Gustav-Klimt-Gemälden im geschätzten Wert von 100 bis 200 Millionen Franken aus der Sammlung Bloch-Bauer entschieden.
Die Entscheidung gegen die Rückgabe wird mit dem Testament der 1925 verstorbenen Adele Bloch-Bauer, Gattin des Prager Zuckerindustriellen Ferdinand Bloch-Bauer, begründet. Der entscheidende Satz lautet: «Meine zwei Porträts und die vier Landschaften von Gustav Klimt bitte ich meinen Ehegatten... more...

«Judenmöbel» als Zeugnis

von Anton Legerer, October 9, 2008
Im Wiener Museum «Kaiserliches Hofmobiliendepot» sind bis 19. November Fotos und Dokumente ausgestellt, die Zeugnis über die Verstrickung des österreichischen Mobiliendepots in die Arisierung von Hausrat in jüdischen Wohnungen und Häusern geben und zugleich exemplarisch die Arisierung des Hausrats von insgesamt 80 000 jüdischen Wohnungen illustrieren. Bis in die Gegenwart versorgt das Mobiliendepot österreichische Amtsräume auf der ganzen Welt mit repräsentativen Einrichtungsgegenständen, wie Möbel, Teppiche, Lampen und Uhren. Das Mobiliendepot verleiht Objekte aus seinem Fundus, aber auch an Institutionen, Botschaften anderer Staaten oder an Privatpersonen.
Acht prominente wie vermögende Wiener Familien, jene des ehemaligen Wiener Finanzstadtrates Hugo Breitner, dessen Fiskalpolitik die Wohnungspolitik des «roten Wien» ermöglichte, des Bankiers Viktor Ephrussi, der Textilhändler Wilhelm Goldenberg und Moritz König, des Geschäftsmannes Oskar... more...

Attentate und Ermordungen

von George Szpiro, October 9, 2008
Obwohl die Zahl und Intensität der Zusammenstösse zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Armee Ende der vergangenen Woche etwas abzuebben schien, lässt die Gewalt nicht nach. Zusammenstösse zwischen demonstrierenden Palästinensern und israelischen Soldaten führen auf palästinensischer Seite immer noch täglich zu Toten und Verletzten. Die zumeist gut verschanzten und ausgerüsteten israelischen Soldaten kamen allerdings in den meisten Fällen nicht zu Schaden. Der Blutzoll auf der anderen Seite ist aber hoch. Während dem vergangenen Wochenende kamen vier Palästinenser ums Leben, am Sonntag waren es ebenfalls vier, am Montag drei. Doch der Kampf der Palästinenser gegen Israel wird letztens noch auf einer neuen Ebene geführt. Neben den Zusammenstössen gehören nun auch Attentate und Ermordungen fast zur Tagesordnung.
Am Montag wurde in Ostjerusalem vor dem Büro des Sozialamtes ein schwerwiegender Anschlag gegen zwei Aufseher ausgeübt. Laut den Angaben kam der Attentäter zum Eingang des Amtes und schoss aus nächster Nähe auf die Aufseher, die nicht einmal Gelegenheit hatten, ihre Waffen zu ziehen. Einer der... more...

Die denkbar schlechteste Alternative

von moshe arens, October 9, 2008
Während Israel die schlimmste Krise seiner jüngsten Geschichte durchmacht, spielen seine Politiker, angefangen vom Premierminister bis hinab zum einfachen Abgeordneten, Spiele, um sich gegenseitig auszutricksen und alle im Ungewissen zu halten. In der Luft schwirren so viele Gerüchte umher, dass... more...

Zeichen an der Wand

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Neben der eindeutigen politisch-ideologischen Botschaft, die Ariel Sharons überwältigender Sieg in alle Welt hinaus trägt, beinhaltet das Ergebnis des Urnengangs vom 6. Februar auch diverse Zeichen an der Wand für den internen israelischen Hausgebrauch. Seitdem der Staat Israel Wahlen... more...

Hammer und Amboss

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Scherbenhaufen oder Chance - das ist hier die Frage: In der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) will einfach keine Tagesordnung mehr einkehren. Vielmehr absorbiert die Einheitsgemeinde alle Kräfte und viel Substanz für die Rabbinersuche, während seit Jahren andere Themen links (oder rechts)... more...

Barak setzt Arafat unter Zeitdruck

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Am Rande des UNO-Millenniumsgipfels gab Israels Premierminister Ehud Barak PLO-Chef Yasser Arafat den Tarif: Die Erreichung eines Abkommens mit den Palästinensern könne noch Wochen, aber keine Monate mehr dauern. Für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen liebäugelt Barak bereits ganz offen mit der Bildung einer grossen Koalition, möglicherweise sogar mit dem Likud. Der Friedensprozess war in den letzten Tagen in Israel aber nur ein nebensächliches Thema. Allen die Schau gestohlen hat zweifelsohne Arie Deri mit seinem an einen Triumphzug erinnernden Einzug ins Gefängnis.
Israels Premierminister Ehud Barak setzte die von seinen Vorgängern im Amt ausgeübte Tradition fort und garnierte diese Woche den Aufenthalt in New York aus Anlass der UNO-Vollversammlung - sie wurde dieses Jahr zum Millenniumsgipfel empor stilisiert - mit zahllosen offiziellen und inoffiziellen... more...

Einheit nur unter äusserem Druck

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Deutlich hörbar ging ein Aufatmen durch Israels Bevölkerung, als Premier Ehud Barak während des vergangenen Wochenendes immer klarer von der Bildung einer Einheitsregierung zu sprechen begann. Egal, ob er damit eine effektive Regierung der nationalen Einheit meinte, oder eine Notstandsregierung,... more...

In Verbindung mit dem Nahen Osten

von Bill Gladstone, October 9, 2008
Als den «schlimmsten konzentrierten Ausbruch antisemitischer Gewalt, vor allem gegen religiöse Institutionen seit dem Zweiten Weltkrieg», bezeichnen viele Beobachter die antisemitische Welle, von der gegenwärtig die jüdische Gemeinschaft Kanadas heimgesucht wird.
Mindestens 50 Fälle von Brandstiftung, Vandalismus oder dem Anbringen von Graffiti hat der Kanadisch-Jüdische Kongress (CJC) seit dem Ausbruch der Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern Ende September gezählt. In Montreal kam es zu vier tätlichen Angriffen: In einer U-Bahn-Station... more...

Tief im Judentum verwurzelt

von Matthew E. Berger, October 9, 2008
Es ist eher eine Ausnahme, dass der Sprecher eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten einen seiner Gegner verteidigt. Ari Fleischer aber, der von George W. Bush zum neuen Pressesprecher des Weissen Hauses ernannt worden ist, hat genau das getan. Als nämlich ein Vertreter der «National Association for the Advancement of Colored People» antisemitische Äusserungen gegen den demokratischen Vize-Präsidentschaftskandidaten Joseph Lieberman von sich gab, kritisierte Fleischer als Sprecher der Bush-Kampagne dies als «dummes Geschwätz».
Das Einstehen des republikanischen Juden Fleischer für einen demokratischen (ebenfalls jüdischen) Opponenten darf aber nicht falsch interpretiert werden. Ari Fleischer (40) ist sehr politisch veranlagt, und die Religion spielt dabei meistens die zweite Geige. «Ich glaube tief an meine Religion»,... more...

Mit US-Waffen gegen Palästinenser

von Matthew E. Berger, October 9, 2008
Das amerikanische State Department untersucht derzeit den allfälligen Einsatz von US-Waffen durch Israel in den Auseinandersetzungen mit den Palästinensern. «Die Angelegenheit kommt seit Jahren immer zur Sprache», meinte ein Offizieller des State Departments. «Wir nehmen die Sache sehr ernst, doch ist sie äusserst kompliziert.»
Seit Jahren schon verfolgt das offizielle Washington mit Aufmerksamkeit den Einsatz von durch Israel in den USA erworbenen Waffen gegen die Palästinenser. Die nun seit mehr als fünf Monaten dauernde el-Akza Intifada hat dem Thema neue Aktualität und Dringlichkeit verliehen. Gruppen, die gegen die... more...

Ganz schlecht für die Schweiz

von Gisela Blau, October 9, 2008
Am 24. September stimmen die Schweizerinnen und Schweizer nicht nur über drei Energie-Vorlagen ab, sondern vor allem über eine Volksinitiative, welche die Quote von maximal 18 Prozent Ausländern in der Verfassung verankern will, Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge inklusive. Die meisten Meinungsträger plädieren für ein Nein. Doch Politik und Wirtschaft sind vier Wochen vor der Abstimmung besorgt.
Philipp Müller ist bereits fast sicher, dass seine Initiative am 24. September abgelehnt wird. So äussert er sich neuerdings in den Medien. Er ist der Erfinder des Volksbegehrens, das den Ausländeranteil der Schweiz auf 18 Prozent begrenzen will. Mit diesem Ansatz traf Müller einen Nerv bei... more...

Unerschütterliche Verpflichtung

October 9, 2008
An der Schwelle des Neuen Jahres 5761 erneuere ich gegenüber der jüdischen Familie in aller Welt meine unerschütterliche Verpflichtung, für unser Volk einen echten und dauerhaften Frieden anzustreben. Gemeinsam beten wir für ein starkes und sicheres Israel im Frieden, das unseren Kindern die... more...

«Geschichte auch als Motivation betrachten»

October 9, 2008
Am Donnerstag vor einer Woche ehrte die Anti Defamation League (ADL) Deutschlands Verteidigungsminister Rudolf Scharping mit dem «Human Rights Award» (vgl. Kasten). JR-Chefredaktor Yves Kugelmann begleitete Scharping nach New York und sprach mit ihm während des Besuchs über sein politisches Engagement gegen Ausgrenzung, die historische Bedeutung des 9. Novembers 52 Jahre nach der «Kristallnacht» und 10 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, die politische Situation im Nahen Osten und Deutschlands Rolle in Europa.
Jüdische Rundschau: Herr Scharping, Sie haben sich in den letzten Jahren immer wieder für jüdische und israelische Themen engagiert, waren in Israel zu Besuch. Woher - gerade auch in Ihrer Funktion als Verteidigungsminister - dieses Engagement? Rudolf Scharping: Es spielen mehrere Dinge eine... more...

Traditionsrettung und Traditionsbruch

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
«Weshalb Chanukka?» fragt der Talmud im Traktat Schabbat. Während das einzige andere nach der Niederschrift der Thora geschaffene Fest, Purim, ein eigenes Traktat erhalten hat, wird Chanukka im Talmud nur sehr diskret erwähnt und scheint sogar legitimierungsbedürftig. Kaum ein anderes Fest aber hat in der jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte ähnlich starke Konsequenzen gezeitigt.
Man kann heute Juden aller Schattierungen nach dem Sinn von Chanukka fragen. Die Antwort lautet praktisch konstant übereinstimmend im Grundtenor so: Chanukka drückt aus, dass die Juden zu dieser Zeit der geistigen Unterdrückung und Erdrosselung des Judentums Widerstand geleistet haben. Die einen... more...

Mehr Intoleranz gegen arabischen Judenhass gefordert

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Holocaust-Leugner kurbeln ihre Aktivitäten im Nahen Osten an. Ende März organisiert das in Kalifornien domizilierte «Institute of Historical Review» (IHR) in der libanesischen Hauptstadt Beirut die erste internationale Konferenz der Holocaust-Leugner in einem arabisch sprechenden Land. Abe Foxman, Direktor der Anti-Diffamationsliga (ADL*), fordert von Israel ein «höheres Niveau der Intoleranz» gegenüber dem Antisemitismus in den Araber-Staaten.
Die Juden in aller Welt, und nicht zuletzt der Staat Israel, müssen dem arabischen und islamischen Antisemitismus gegenüber härter auftreten. Das forderte anfangs Woche Abe Foxman, Direktor der Anti-Diffamations Liga (ADL), anlässlich eines Gesprächs mit Journalisten in Jerusalem. «Was den... more...

Alles steuert auf eine Explosion hin

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Rechtzeitig auf das arabische Gipfeltreffen von Amman hin haben die Palästinenser ihre Aktivität gegen israelische Ziele wesentlich intensiviert. Hebron, Jerusalem und Petach Tikwa waren anfangs Woche die Schauplätze der terroristischen Gewalt. Sharon verspricht Gegenmassnahmen, doch will er offenbar das Ende des Araber-Gipfels und den «Tag der Erde» der Israel-Araber vom Freitag abwarten. Diese Zurückhaltung hat ihm schwere Vorwürfe der israelischen Rechten eingetragen.
Die USA würden Druck auf die Palästinenser ausüben, damit diese dem Terrorismus ein Ende bereiteten. Mit diesen Worten reagierte US-Präsident George W. Bush in der Nacht zum Mittwoch am Telefon auf die Vorhaltungen des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon, während Israel die gegen die... more...

Untilgbare Kränkung

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Der Brief des exilierten Dichters Karl Wolfskehl (1869-1948) an seinen in Deutschland verbliebenen einstigen Freund Emil Preetorius zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs zählt zu jenen Dokumenten, die auf selten präzise Weise darlegen, wo der Bruch zwischen jenen verlief, die das Dritte Reich - im besten Fall - in der Emigration überlebt, und jenen, die sich auf irgendeine Weise mit dem NS-Regime arrangiert hatten.
In der Abgeschiedenheit seines Neuseeländer Exils, wo er seit 1938 in grosser Bedürftigkeit lebte, erhielt Karl Wolfskehl nach dem Krieg wieder Lebenszeichen ehemaliger Gefährten und Freunde aus Deutschland. Einer von ihnen war Emil Preetorius (1883-1973), ein Jurist, der aber in der Weimarer... more...

Prozess kaum vor iranischen Wahlen

von Julie Wiener, October 9, 2008
Trotz Berichten in den iranischen Medien von einem unmittelbar bevorstehenden Beginn des Prozess gegen die 13 der Spionage für die USA und Israel bezichtigten Juden glauben amerikanische Anwälte der Inhaftierten nicht, dass vor den Wahlen in Iran Ende des Monates etwas Wesentliches geschehen wird.

«Die iranischen Presseberichte müssen nicht unbedingt auf eine Entwicklung hinweisen», meint Malcolm Hoenlein, Vize-Vorsitzender der Präsidentenkonferenz wichtiger jüdischer Organisationen der USA. «Die Familien haben bis jetzt keinerlei Hinweise erhalten, und es ist unwahrscheinlich, dass in... more...

Parking, Gräber und Rabbiner

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Die Auseinandersetzung um den vor einiger Zeit entdeckten mittelalterlichen Friedhof in Prag eskaliert. Wie nicht selten in Zusammenhang mit Problemen, die jüdische Interessen tangieren, hat man die Frage der Erhaltung des einmaligen Friedhofs auf die Frage zu reduzieren versucht, «ob das Weltjudentum» bereit sei, die angewachsenen Spesen zu übernehmen.
In Israel gehört es zum Alltag der Archäologen: Sobald sich bei Ausgrabungen eventuelle Grabfunde abzuzeichnen beginnen, treten Orthodoxe auf den Plan und beginnen zu mahnen, zu belagern, einzuschreiten. Es kann auf beiden Seiten, auf der säkularen, wissenschaftlich arbeitenden sowie auf der der... more...

Wadee hade dude da v/s Ping-Pong

von Louis Hanhart, October 9, 2008
Was für Deutschland der TV-Klamaukmann Nummer eins, Stefan Raab ist, soll beim Eurovision-Finale am 13. Mai in Schweden für Israel die Gruppe «Ping-Pong» sein&#059; ein Gewinner! Auch sie machen mit unkonventionellen Mitteln und Originalität auf sich aufmerksam.

Die Truppe Ping-Pong - bestehend aus Roy, Guy, Ahel und Yifat - wird am kommenden Samstagabend Israel beim alljährlichen Liederwettstreit der Eurovision in Stockholm vertreten. Dabei hoffen natürlich auch sie, genau wie die Vertreter der restlichen 23 Länder, auf den Sieg und den damit... more...

Das neue Gleichgewicht mit Israel

von Yair Sheleg, October 9, 2008
Im Gegensatz zu früheren Schätzungen, die von einer konstanten Abnahme der jüdischen Weltbevölkerung ausgeht, stellt sich heraus, dass in den letzten zwei Jahren eine Zunahme um rund 100 000 auf 13,2 Millionen registriert werden konnte.
In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der Juden in aller Welt um rund 100 000 von 13,1 auf 13,2 Millionen erhöht. Nach Professor Sergio DellaPergola von der Hebräischen Universität, einem Experten für jüdische Demografie, werden damit frühere Schätzungen widerlegt, die von einem... more...

Von der Stärke, eine Minderheit zu sein

Shimon Sieber, Bonn, October 9, 2008
Karl-Heinz Lambertz ist Ministerpräsident - wer seinen Namen noch nie gehört hat, steht nicht alleine. Denn Karl-Heinz Lambertz regiert 70 000 Bürger und Bürgerinnen, welche die deutschsprachige Minderheit in Belgien bilden.

Dass Belgien zwei Sprachgruppen beherbergt, deren Auskommen nicht immer das Beste ist, wissen alle. Dass es aber neben Flamen und Wallonen auch noch eine dritte Sprachgruppe im kleinen Benelux-Staat gibt, gehört nicht unbedingt zum Allgemeinwissen. Dabei hat dieser Teil Ostbelgiens seit 25 Jahren... more...

Premiere mit historischem Anstrich

von Toby Axelrod, October 9, 2008
Sechzig Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hat der deutsche Bundeskanzler Schröder bekannt gegeben, dass Israels Regierungschef Ehud Barak als erster ausländischer Staatsmann Berlin, der alt-neuen Hauptstadt des vereinten Deutschlands, eine offizielle Visite abstatten wird. Der Besuch soll am 21. September stattfinden, einen Tag nach Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag.
Die Ankündigung vom Berlinbesuch Baraks machte Kanzler Gerhard Schröder im Rahmen einer Pressekonferenz aus Anlass des 60. Jahrestages der deutschen Invasion Polens. Dieser Schritt habe, so Schröder, zu «einem der schrecklichsten Verbrechen der deutschen Geschichte» geführt. Die Einladung an... more...

Unverkennbare Öffnung

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Anlässlich des Begräbnisses von König Hassan II. in Marokko (vgl. S. 6) kam es zu einem kurzen Gespräch zwischen Mitgliedern der israelischen Delegation und dem algerischen Präsidenten Buteflika. Der kurze Wortwechsel signalisiert eine Öffnung Algeriens in Richtung des jüdischen Staates. Weiter verdeutlichte der Besuch Abu Alas in der Knesset die Öffnung in der neuen Regierung.
In Israel sieht man die Reise einer offiziellen Delegation des jüdischen Staates zu den Bestattungsfeierlichkeiten für König Hassan II. in Marokko als weiteres Indiz dafür, dass Israel drauf und dran ist, als gleichwertiger Partner in die Region eingegliedert zu werden. Die israelische... more...

417 000 Kinder unter der Armutsgrenze

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Während Israels Zentralbank-Gouverneur Jacob Frenkel die bittere Pille seines für die Öffentlichkeit unerwarteten Rücktritts mit Hinweisen auf seine erfolgreiche monetäre Politik zu versüssen versuchte, lassen neue Fakten über die anhaltend steigende Arbeitslosigkeit und die wachsende Zahl von unter der Armutsgrenze lebenden israelischen Kindern die sozio-ökonomische Szene des Landes in einem eher düsteren Licht erscheinen. In politischer Hinsicht stand die für Montag geplante Verschiebung eines weiteren israelischen Rückzugs aus der Westbank im Vordergrund.
Vielleicht war es Zufall, vielleicht aber Absicht. Am gleichen Tag nämlich, an dem Israels Zentralbank-Gouverneur Prof. Jacob Frenkel seinen Rücktritteinreichte (vgl. Artikel auf S. 3), wurde bekannt, dass die Zahl der Arbeitssuchenden im Oktober um 1,5 Prozent oder rund 2500 Personen zugenommen... more...

Damaskus pflegt den Nervenkrieg

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Für ein paar Tage wurde die Aufmerksamkeit der Israelis diese Woche vom politischen Hickhack zwischen Jerusalem, Washington, Damaskus und Gaza abgelenkt. Schuld daran waren die Meteorologen und die Lehrer. In politischer Hinsicht stach dieser Tage die Verschiebung der dritten israelisch-syrischen Verhandlungsrunde hervor sowie das ausführliche Gespräch vom Montagabend zwischen Ehud Barak und Yasser Arafat. Israel möchte die Frist vom 15. Februar für das Rahmenabkommen über die definitive Regelung um zwei Monate hinausschieben.
Israels Meteorologen hatten schon am Sonntag für die Wochenmitte schwere Niederschläge (Regen, Schnee und Hagel), Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern und Wellenhöhen von bis zu 6 Metern am israelischen Mittelmeerstrand vorausgesagt. Die stetige Wiederholung entsprechender... more...

Ein fragwürdiger Schritt

October 9, 2008
Die Entwicklung in Österreich unterstreicht eine Problematik, mit der sich Israel seit seiner Frühzeit oft auseinandersetzen muss, und die gelegentlich zu Spannungen mit den besten Freunden führen kann. Erfordern schwerwiegende politische Entscheidungen, die die Beziehungen Israels mit anderen... more...

Polizei hat «glaubwürdige» Zeugen

von Nicole Krau, October 9, 2008
Bei ihrer Empfehlung, Transportminister Yitzchak Mordechai wegen sexueller Angriffe auf Mitarbeiterinnen vor Gericht zu stellen, stützt die israelische Polizei sich auf detaillierte und «glaubwürdige» Zeugenaussagen dreier Frauen ab. Ihre Geschichten lassen ein systematisches Verhaltensmuster des Ministers und ehemaligen hohen Offiziers erkennen.
Zwischen den drei Fällen, welche als Basis für die Empfehlung an die Staatsanwaltschaft benutzt werden, bestehen nach Angaben aus Polizeikreisen «starke Ähnlichkeiten». Jedesmal hat Mordechai demnach die Frauen auf sein «Heimgelände» gelockt, einmal in sein Büro und zweimal in sein... more...

Israel macht sich grosse Sorgen

von Zeev Schiff, October 9, 2008
Die Bemühungen, die Verbreitung nuklearer Waffen weltweit zu kontrollieren, haben dieser Tage einen ernsten Rückschlag erlitten, als Russlands Präsident Vladimir Putin seinem Land erlaubte, jeder interessierten Nation nukleares Material zu verkaufen, vorausgesetzt, sie verspricht, das Material nicht für die Herstellung von A-Waffen zu benutzen.

Der plötzliche Wandel in der russischen Haltung hat unter Israels Wissenschaftern und Geheimdienstlern grosse Sorge ausgelöst. Israelische Experten vertreten die Ansicht, die Kehrtwende Moskaus könnte Iran bei der Entwicklung eigener Nuklearwaffen behilflich sein. Mit Putins Beschluss sind... more...

Dem Leiden ein Denkmal setzen

von Monique Sauter, October 9, 2008
«Yama» - Grube, wie oft bin ich schon hier gestanden und habe über die namenlosen Schicksale nachgedacht. Männer, Frauen, Kinder, Alte, Junge sind hier, an dieser Stelle, einfach ausgelöscht worden. Tausende von Juden hat man bei der Liquidation des Minsker Ghettos 1942 in diese Grube geführt und erschossen. Tagelang hätte die Erde noch geatmet, weil nicht alle tot waren. Ein schrecklicher, ein geschichtsträchtiger Ort.
Am Montag, 10. Juli soll hier ein Mahnmal eingeweiht werden. Heute ist Freitag, 7. Juli: es wird gearbeitet. Steine werden herbeigetragen, Zement angerührt, hinter einem Plastikvorhang wird geheimnisvoll geflüstert. Ich schaue zu und fange an zu zweifeln, ob das noch alles rechtzeitig fertig... more...

«...alle seine Soldaten, ohne Unterschied der Konfession...»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Zürich - Am 2. September 1939 erschien in der «Neuen Zürcher Zeitung» ein Leitartikel von Chefredaktor Willy Bretscher, einem jener mutigen Medienleute, die den Nazis - und nicht wenigen schweizerischen Anpassern sowie den Zensoren - ein Dorn im Auge waren. Er trug die Überschrift... more...

Barak will Mut zum Frieden beweisen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Avraham Burgs Wahl zum Knessetsprecher ist eine erste politische Niederlage für Ehud Barak. Sie ist um so peinlicher, als sie dem neuen Premier von seinen eigenen Parteigenossen zugefügt worden ist. Generell löste Baraks Ämterverteilung unter den alt-neuen Ministern zunächst Enttäuschung und Frustration aus. Nur die wenigsten haben die Jobs erhalten, auf die sie tatsächlich reflektierten. Einer von ihnen ist Finanzminister Avraham Shochat, dessen Ernennung in Finanz- und Wirtschaftskreisen wenig Begeisterung hervorruft. Zwischen Barak und Shimon Peres herrscht dicke Luft, weil Peres nicht das gewünschte Ausmass an Einfluss und Autorität zugesprochen erhielt. - In den nächsten Tagen und Wochen wird Ehud Barak mit Arafat, Mubarak, König Abdullah II. und Clinton konferieren.
Bereits einen Tag vor der formellen Vereidigung seines Kabinetts in der Knesset am Dienstagabend erlitt der neue israelische Regierungschef Ehud Barak seine erste Niederlage, die um so empfindlicher ausfiel, als sie ihm von den eigenen Parteigenossen zugefügt worden ist. Das Büro der Arbeitspartei... more...

«Fremdkörper in unserer Sammlung»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Mit gutem Beispiel geht das Bündner Kunstmuseum Chur in Sachen Raubkunst voran: Am Montag beschloss die Stiftung Bündner Kunstsammlung, der Erbin des ursprünglichen Besitzers Max Silberberg das 1876 entstandene Ölgemälde «Nähschule im Waisenhaus Amsterdam» des deutschen Künstlers Max Liebermann (1847-1935) «vorbehaltlos und so rasch wie möglich» zurückzugeben.
Aufgrund der Raubgüterkonferenz in Washington von Ende 1998 und entsprechenden Bemühungen des Bundesamtes für Kultur wurden die Bestände in Chur auf ihre Vergangenheit hin geprüft. Der Liebermann wäre auf ersten Blick wohl kaum verdächtig erschienen, doch dann kam ein Rückerstattungsgesuch... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Überlebende. Dass der rechtsaussen politisierende Zürcher SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer in seiner letzten Gazette «Schweizerzeit» die Historiker der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg als «Lausbuben» bezeichnete, die «eine gehörige Tracht Prügel» verdienten, sei... more...

Vertrauen und Unterstützung

von Henri Shimon Sieber, October 9, 2008
Der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping brach am 2. Februar zu einer dreitägigen Reise in den Nahen Osten auf, um bilaterale Gespräche mit König Abdullah II. von Jordanien, dem israelischen Präsidenten Ezer Weizman sowie Ehud Barak und dem Vorsitzenden der PLO, Yassir Arafat, zu führen. Scharping, ein exzellenter Kenner der Lage im Nahen Osten, reiste mit der Absicht, den sicherheitspolitischen Dialog mit Israel und der arabischen Welt auszubauen und zu vertiefen. Er plädierte für eine «umfassende Sicherheitspartnerschaft» zwischen Israel und den Arabern. Scharping besuchte als erster deutscher Verteidigungsminister die palästinensischen Gebiete.
Es war nicht sein erster Besuch in Israel. Dass der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping allerdings in der heissen Phase der israelisch-palästinensischen Verhandlungen in der Region weilte, war nicht geplant. Aber, so Scharping, «es macht die Sache natürlich umso spannender». Der ... more...

Vor einer ungewissen Zukunft

von George Szpiro, October 9, 2008
Vorrangigstes Ziel seiner Amtszeit ist für Ministerpräsident Barak der Abschluss eines Friedensvertrages mit Syrien. Dabei wird eine Rückgabe grosser Teile der Golanhöhen - wenn nicht die ganzen eroberten Gebiete - unumgänglich sein. Die Farmer, die den dortigen Boden seit über einem Vierteljahrhundert bebauen, schwanken zwischen Hoffnung und Resignation.
Auf den Golanhöhen wächst neben Gemüse und Obst auch schon die dritte Generation von Israeli heran. Die ersten Farmer kamen kurz nach dem Yom-Kippurkrieg, um sich auf den Hügeln und Hängen niederzulassen, wo sie noch vor kurzem gekämpft und Kameraden verloren hatten. Ermuntert durch die... more...

Zwischenhalt in Montreux

October 9, 2008
Mit Jordaniens König Abdullah II und Prinz Albert von Monaco unterstützen zwei sehr prominente Monarchen die Ralley London-Jerusalem von Auto-Veteranen, welche der Keren Kayemeth Leisrael (KKL) Grossbritannien dieser Tage schon zum dritten Mal durchführt. Am 14. Mai starteten die 25 Boliden auf dem Londoner Wateloo Place, tags darauf machten sie Zwischenhalt in Montreux, bevor sie am Mittwoch in Monaco eintrafen.
Zusammen mit den Botschaftern Israels, Jordaniens, Griechenlands und Italiens - Länder, die sie im Verlaufe von drei Wochen besuchen werden - verabschiedete der Lord Mayor von Westminster am Sonntag die 25 Auto-Veteranen, die sich an der diesjährigen Rallye London-Jerusalem des KKL... more...

Als Israeli in Oberammergau - eine Glosse

October 9, 2008
Viel hatte ich gehört und gelesen über diesen bayerischen Ort, der durch die Passionsspiele zu Weltruhm gelangt ist. Jetzt bin ich hier, zum ersten Mal - und fühle mich als Jude und Israeli in eine kuriose Welt versetzt. Über das Christentum haben wir in Israel so gut wie nichts gelernt. Gut,... more...

Innenpolitische Gratwanderung

von George Szpiro, October 9, 2008
Ministerpräsident Barak kann nun verschiedene Koalitionsversprechen wahrmachen, nachdem eine Gesetzesvorlage zur Erweiterung des Kabinetts von der Knesset angenommen wurde. Die israelische Regierung erwartet von den Palästinensern mehr Bereitschaft zur Abänderung gewisser Paragraphen des Wye-Abkommens.
Am Sonntag hat das israelische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das dem Ministerpräsidenten die Möglichkeit gibt, die Anzahl der Minister im Kabinett von zurzeit 18 auf 24 zu erhöhen. Nach einer Marathondebatte stimmten 68 Delegierte für die Vorlage, 32 dagegen. Zur Änderung dieses... more...

Wochenrückblick

Gisela Blau, October 9, 2008
AppellEinen eindringlichen Brief an alle Ständerätinnen und Ständeräte schrieb am Dienstag der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG). Darin appellierten Präsident Rolf Bloch und Vizepräsident Thomas Lyssy an die Mitglieder der Kleinen Kammer, sich am 16. Juni für die Aufhebung der... more...

«Die Stadt gehört Ihnen»

von Ruth Werfel, October 9, 2008
Weil es noch keinen elektrischen Strom gab und die Klingel nicht funktionierte, musste John Boxer, in der Kampfuniform der US-Army und mit Helm, den geschlossenen Gartenzaun vor dem Haus überklettern. Auf sein wiederholtes Klopfen wurde die Tür geöffnet und er trug sein Anliegen vor. Darauf bat ihn Theodor Heuss herein. Nach einem intensiven Gespräch über die Möglichkeiten und Probleme des kulturellen Wiederaufbaus in Deutschland sagte Heuss zu seiner Frau: «Ich glaube, jetzt ist es soweit.» Sie stieg in den Keller und kam mit der letzten Flasche Wein herauf, die sie sich für das Ende des Dritten Reiches aufgespart hatten. Sie tranken sie zu viert: Theodor Heuss, Frau Heuss, John Boxer und sein Fahrer des Jeeps.
Dies trug sich 1945 in Heidelberg zu, John Boxer, jüdisch-amerikanischer Verbindungsoffizier, war als Mitarbeiter der Information Control Division, einer Einheit, die zur psychologischen Kriegsführung gehörte, seit kurzem als erster in der US-Zone von Deutschland mit dem Auftrag unterwegs,... more...

«Wenn die Rückgabe Krieg verhindert, erhöht dies Israels Sicherheit»

Interview Andreas Schürer und Olivier R. Lasowsky, October 9, 2008
Laut einer Meinungsumfrage der Universität Tel Aviv stemmt sich etwa 60% der israelischen Bevölkerung gegen eine Rückgabe der Golan-Höhen als Gegenleistung für einen vollen Frieden mit Syrien. Diese Mehrheit ist auch der Meinung, dass der jetzige Zustand - die Besetzung der Golan-Höhen ohne ein Friedensabkommen mit Syrien -auf unbegrenzte Zeit beibehalten werden kann. Die Jüdische Rundschau hat nachgefragt und mit Anthony H. Cordesman, Direktor des Nahostdepartements des «Center for Strategic and International Studies» in Washington D.C., ein Gespräch über die strategisch-militärische Situation rund um die Golan-Höhen geführt.
Jüdische Rundschau: «Sicherheit über alles» lautet die Devise der Israelis in den Friedensverhandlungen mit Syrien. Würde die Rückgabe der Golan-Höhen für Israel eine militärische Bedrohung bedeuten?Athony H. Cordesman: Das ist eine sehr schwierige Frage. Und man muss vorsichtig sein, wie... more...

«Das Ende einer Tragödie»

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
Der liberale Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin ist fristlos entlassen worden. «Das hat mich überrascht», so der Rabbiner in einem Gespräch mit der JR. «Es gab Gerüchte, es ging darum, die Kommunikation zu verbessern, man redet miteinander, wenn man verschiedener Meinung ist.» Als «das Ende einer anderthalbjährigen Tragödie» bezeichnet der Gemeindevorsitzende Nachama die fristlose Kündigung. Die Repräsentantenversammlung hatte sich auf ihrer Sitzung am 16. Februar für die fristlose Kündigung ausgesprochen, die der Vorstand sodann vollzog. «Die Kündigung ist nicht endgültig, mir wurden keine Gründe mitgeteilt, mein Anwalt hat Widerspruch eingelegt», so der Rabbiner.
Mit inhaltlichen Begründungen hielt man sich gegenüber der JR zurück. So wollte die Stellvertretende Vorsitzende Norma Drimmer gar keine Stellungnahme gegenüber der JR abgeben und verwies auf die Repräsentantenversammlung. Deren Vorsitzender Hermann Simon sagte der JR: «Das ist Sache des... more...

Der Geschichte ein Gedächtnis geben

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Die Kamine rauchen nicht mehr, schon lange nicht mehr, die Schreie sind verhallt, der Hunger, die Kälte, der Terror, das Morden nicht mehr fassbar, der Zeugen nur noch wenige. Die Geschichte, die Wahrheit klammert sich an die Erinnerung, die Erinnerung an die Nachkommen. Der Holocaust geschah im... more...

Fremde unter uns

von Rachel Manetsch, October 9, 2008
Obwohl sie zu unserem Alltag gehören, leben wir doch eher nebeneinander. Gemeint sind die Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Schweiz. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) hat sich die Aufklärung der Bevölkerung und die Integration der Flüchtlinge zur Aufgabe gemacht. Am 17. Juni 2000 findet zu diesem Thema der «nationale Flüchtlingstag» mit vielen Veranstaltungen verteilt über die Schweiz statt.
Das Motto des diesjährigen «nationalen Flüchtlingstages» bleibt wie in den vergangenen Jahren unverändert: es geht um die Menschenwürde. Den Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltungen setzen die Organisatoren auf junge Asylsuchende und Flüchtlinge. Menschen, die in einer schwierigen und... more...

Protestwahl

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Im Grunde genommen sollte man Moshe Katzav, der am Montag zum achten Präsidenten Israels gewählt wurde, von ganzem Herzen bedauern. Die Freuden- und Jubelszenen, die nach Bekanntwerden des Resultates sowohl in den Gängen der Knesset als auch in Kiryat Malachi, wo Katzav mit seiner Familie lebt,... more...

«Geht nicht zu Burger King»

October 9, 2008
Einen Tag, nachdem die amerikanische Schnellimbiss-Kette Burger King der Filiale in der israelischen Westbank-Stadt Maaleh Adumim untersagte, das Firmensymbol weiterzuführen, riefen Siedler am letzten Wochenende zu einem weltweiten Boykott der Restaurants von Burger King auf.
Nachdem arabische Amerikaner mit einem Boykott der Schnellimbiss-Kette Burger King gedroht hatten, falls deren vor drei Monaten in Betrieb genommene Filiale in der israelischen Westbank-Stadt Maaleh Adumim geöffnet bleiben sollte, erklärte das Unternehmen in seinem Hauptquartier in Miami, nicht... more...

Stehen die Beziehungen vor Bewährungsproben?

von Matthew Dorf, October 9, 2008
Sobald sich der Staub gelegt hat, den das offizielle Washington mit seiner Euphorie für die neue israelische Regierung aufgewirbelt hat, dürften politische Meinungsverschiedenheiten die Qualität der Beziehungen zwischen Bill Clinton und Ehud Barak einer ersten Bewährungsprobe unterziehen. Unterschiedliche Positionen in so grundlegenden Fragen wie Siedlungen, Flüchtlinge und Grenzziehung könnten eine entscheidende Phase im israelisch-amerikanischen Verhältnis einläuten.
Wird US-Präsident Bill Clinton die Haltung von Israels Verhandlungspartnern unterstützen, wenn Jerusalem mit Volldampf auf eine umfassende Regelung mit Syrien, Libanon und den Palästinensern hinsteuert? Oder wird er sich zurückhalten, wenn es ihm und Barak, was zu erwarten ist, an diesem... more...

Haiders Opportunismus

October 9, 2008
In den letzten zwei Wochen hat die Aussicht auf einen Regierungsbeitritt von Jörg Haiders österreichischer Freiheitspartei in Israel zahlreiche hysterische Kommentare ausgelöst. Es gab Drohungen mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen oder zumindest mit einer Neuüberprüfung des... more...

Ferien für die jüdische Seele

von Deborah Grünberger, October 9, 2008
Jeder weiss, was er zu tun hat, wenn er einfach einmal ausspannen will. Wer keine Lust hat, selbst eine Reise zu planen, bucht ein Paket bei einem Reisebüro oder fährt in einen Ferienclub. Zimmer mit Aussicht, gutes Essen, Sonnenbrand und lachende Gesichter, verewigt im Fotoalbum. Doch was, wenn man eine andere Art von Urlaub sucht? Ferien für den Geist, eine Gelegenheit, die jüdische Identität zu stärken und Gespräche mit Menschen des eigenen Glaubens zu führen?
Dafür hat Club Med keine Angebote, und auch ein Reiseagent wird nicht sehr hilfreich sein. Die Lösung: Limmud, eine viertägige Veranstaltung in England, die seit Jahren ein ständig wachsendes Publikum anzieht. Letzte Woche wurde Limmud 1999 auf dem riesigen Campus der Universität von Nottingham... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Angebot. Das Finanzdepartement hat Marc Richter, dem Zürcher Rechtsanwalt der Geschwister Charles und Sabine Sonabend, ein geradezu beleidigendes Angebot unterbreitet: Der Bund wolle die Anwaltskosten der 1942 ausgewiesenen und im Gegensatz zu den Eltern wie durch ein Wunder am Leben gebliebenen... more...

Schleichend, aber nachhaltig

von Margie Schmidli, October 9, 2008
Nach seinem letzten erfolgreichen Werk «Die Unruhe der Stella Federspiel» brachte Peter Stephan Jungk, Vertreter der eher raren Spezies «jüdischer Autor deutscher Muttersprache», vor einigen Monaten sein neues Buch «Die Erbschaft» heraus. Vorweg sei festgehalten: Er schliesst damit nahtlos an die hohen Qualitäten des Vorläufers an.
Die Jagd nach dem Schatz am Ende des Regenbogens, die Suche nach einer dem Protagonisten und Antihelden - unverkennbar jüdischer Ausprägung - Daniel Löw legitim zustehenden, kaum erreichbaren Erbschaft kennzeichnet den Plot des Buches. Daniel, in London lebender, mässig erfolgreicher Dichter,... more...

Witz, Charme und Tiefe

von Walter Labhart, October 9, 2008
In den deutschsprachigen Musiklexika sucht man umsonst nach seinem Namen, in der Konzertpraxis scheint er nicht zu existieren, nur gerade zwei Sammelprogramme auf CDs erinnern hundert Jahre nach seiner Geburt an ihn: Leo Smit ist ein Vergessener der Neuen Musik, zu der er viel Eigenes beigetragen hatte, bevor er dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer fiel.

Der als Sohn holländischer Juden mit portugiesischer Abstammung am 14. Mai 1900 in Amsterdam zur Welt gekommene Musiker studierte bei Bernard Zweers und Sem Dresden am Konservatorium seiner Geburtsstadt, wo er 1922 sein Klavierexamen bestand und 1924 ein Diplom mit der Bewertung «summa cum laude»... more...

Steht der Fortschritt auf dem Spiel?

von Michael J. Jordan, October 9, 2008
Nach beinahe 75 Jahren der kommunistischen Unterdrückung, während welchen kaum ein Pulsschlag jüdischen Lebens zu spüren war, ist das russische Judentum in den letzten zehn Jahren mit einer Energie zu neuem Leben erwacht, die Beobachter in- und ausserhalb Russlands gleichermassen überrascht hat. Die verschiedensten Skandale können diesen Forschritt nun aber mit einem Male wieder aufs Spiel setzen.
Zwei Kontroversen der letzten Zeit haben die Juden in Russland unvermittelt ins nationale Scheinwerferlicht gerückt, und die Auswirkungen könnten höchst unangenehm sein. Am 13. Juni wurde überraschenderweise Vladimir Gussinsky, der Präsident der Russisch-Jüdischen Föderation unter dem... more...

«Studien sind nicht mehr zu verhindern»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Von «Machtkämpfen» innerhalb der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (UEK) wird offen und weniger offen gesprochen. Jacques Picard soll sich im Gefüge der Kommission neu positioniert haben, was Spekulationen verursachte, die Unabhängigkeit der UEK sei in Gefahr geraten. Eine Untersuchung der Jüdischen Rundschau.
«Machtgerangel in der Bergier-Kommission» lautete kaum einen Monat nach dem Halbzeitgespräch der UEK - nach ihrem Präsidenten auch Bergier-Kommission genannt - am 23. Juli die Schlagzeile auf der Frontseite der «Berner Zeitung». Forschungsleiter Jacques Picard sei «teilentmachtet» und... more...

Money für Tele 24

von Gisela Blau, October 9, 2008
Roger Schawinski hat sich einen verdienten finanziellen Spielraum gegenüber seinen demnächst auf dem Markt erscheinenden Konkurrenten im Bereich des Schweizer Privatfernsehens verschafft: Der internationale Private Equity Fonds der Credit Suisse First Boston (CSFB) erwirbt 40 Prozent der Aktien der Belcom Holding AG, der Firma des Zürcher Medienunternehmers.

Über die Kaufsumme kann höchstens spekuliert werden; sie dürfte jedoch komfortabel hoch sein, denn die CSFB will «die erheblichen Wachstumsmöglichkeiten in der schweizerischen Medienbranche ausschöpfen». Die Beteiligung ist ein grosses Kompliment für Schawinski, ist die Grossbank doch «vom... more...

«Idee der Einheitsregierung ist tot»

von Yossi Verter, October 9, 2008
Israels Premierminister Ehud Barak will den Friedensprozess durch die Bildung einer auf einer Minderheitskoalition von 50 Abgeordneten basierenden Regierung vorantreiben, die zusätzlich durch zehn arabische Parlamentarier von aussen unterstützt würde. Das enthüllte Barak am Dienstagabend an einer Sitzung mit Ministern seiner «Ein Israel»-Partei.
Die Koalition, mit der Barak das Ziel eines Friedensabkommens mit den Palästinensern erreichen will, würde sich aus den folgenden Parteien zusammensetzen: Ein Israel (ohne die Gesher-Fraktion der Gebrüder David und Maxim Levy), Meretz, Zentrumspartei, Shinui, Demokratische Wahl und Eine Nation.... more...

Der Schiiten-Boss sagt die Wahrheit

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Elchanan Tennenbaum, der sich seit letzter Woche in der Gewalt der Hizbollah-Milizen in Libanon befindet, ist 54 Jahre alt, wohnt im vornehmen Nord-Tel Aviv und leidet an chronischem Asthma, und vielleicht sogar an Krebs, weshalb er täglich Medikamente einnehmen muss und einen Inhalator mit sich führt. Viel mehr weiss man nicht über den Mann, und mit seinem Verbot, weitere Einzelheiten über die Affäre zu veröffentlichen, hat ein Tel Aviver Gericht am Sonntag zusätzliches Öl ins Feuer der Gerüchte gegossen. Ist Tennenbaum, dem enge Geschäftsbeziehungen zu arabischen Kreisen nachgesagt werden, ein Waffenhändler, ein Mossad-Agent, beides oder keines von beidem?
Hizbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah beharrte dieser Tage mehrere Male hartnäckig auf seiner Version, dass Elchanan Tennenbaum erstens als Geheimdienstler versucht habe, in die Reihen der Schiiten-Miliz zu infiltrieren, und dass er zweitens gar nicht entführt, sondern, ausgerüstet mit... more...

Abstraktes zum Anfassen

von Rachel Manetsch, October 9, 2008
Violeta Fiorino, 1973 in Buenos Aires geboren, entdeckte ihre Leidenschaft zur Kunst bereits im Alter von 16 Jahren. Ihr Lehrer hatte sie und die Mitschüler aufgefordert mit Bleistift, Kreide oder Draht zu arbeiten. Da Violeta die Arbeit mit Bleistift und Kreide bereits kannte, entschloss sie sich, sich dem Eisendraht anzunehmen. So betrat sie Neuland und schuf mit Begeisterung an der Materie einige grosse Skulpturen, die sogar in der Ausstellung der Schule Anklang fanden.
Violeta Fiorino absolvierte ihr Architekturstudium am Pratt-Institute in New York. Dann zog es die junge Künstlerin nach Israel, wo sie sich hauptsächlich wieder der Malerei mit Ölkreide widmete. Nach zwei Jahren in Tel-Aviv führte sie das Schicksal, ein Männerherz, in die Schweiz, wo sie bis... more...

Israels Cyber-Szene in Turbulenzen

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Die Euphorie an den Aktienmärkten, die in den letzten Jahren den Hochtechnologiesektor gekennzeichnet hat, verpufft. Die Kurse fahren Achterbahn und verunsichern Investoren, Unternehmer, Wagnisfonds und alle, die an diesem dynamischen Sektor beteiligt sind. Die Investmentbank Goldman-Sachs warnt vor einem scharfen Rückgang der Erträge. Die fetten Jahre der israelischen Firmen seien vorüber. Zum ersten Mal seit zwei Jahren rechnen Analysten mit sinkenden Firmengewinnen und die Ergebnisse unter dem Strich bestätigen diese Prognose.

In der Vergangenheit waren die Jahresberichte der überwiegenden Mehrheit der High-Tech-Firmen wie Bilderbücher - sie signalisierten schnelles und dynamisches Wachstum, zweistellige Zuwachsraten, hohe Gehälter und üppige Renditen, saftige Boni und viele Schnäppchen, die sich nur Firmen leisten... more...

Korruption und Chaos in Israels Hinterhof

von Josef Canaan, October 9, 2008
Die Europäische Union schlägt Alarm. Auch in der Staatskanzlei in Jerusalem flackern viele rote Warnlampen auf. US Aussenminister Colin Powell erwähnte das akute Problem während seines ersten Blitzbesuches in Nahost: Die palästinensische Selbstverwaltung ist wirtschaftlich pleite. Sie hängt am ausländischen Tropf und ist auf schnelle Spenden internationaler Geldgeber angewiesen. Inzwischen beschloss Israels neuer Ministerpräsident Ariel Sharon die Überweisungen von Steuergeldern an die palästinensische Verwaltung einzustellen bis ihr Präsident Jassir Arafat die Zügel nicht länger schleifen lässt und den Befehl zur Einstellung der Terrorattacken gegen Israel erteilt.
Allein die Tatsache, dass in Israels Hinterhof das Chaos droht erweckt Besorgnis. Hunger, Verelendung und Aussichtslosigkeit sind bewährte Rezepte, um Menschen unter der Armutsschwelle in die breit geöffneten Arme der radikalen Fundamentalisten zu treiben, die in Gaza und dem Westjordanland ein... more...

Scharfer Rückgang in den USA

von Julie Wiener, October 9, 2008
An der diese Woche in Washington abgehaltenen Versammlung von Bnai Brith International kam es zu einer Premiere für diese 157 Jahre alte jüdische Dienstleistungsorganisation: Erstmals musste sich der amtierende und sich für eine weitere Kadenz zur Verfügung stellende Präsident mit einem Gegenkandidaten auseinandersetzen. Vor allem in den USA steckt die Organisation in einer ernsthaften Krise.

Richard Heideman, der amtierende Präsident von Bnai Brith International (BBI), gewann die Wahl gegen seinen Herausforderer Daniel Frank mit 236:111 Stimmen. Alleine die Tatsache aber, dass es erstmals in der 157jährigen Geschichte dieser grössten jüdischen Dienstleistungsorganisation der Welt zu... more...

Martin Indyk ist kein Spion

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Weder gebe es «Hinweise auf Spionage» noch seien irgendwelche Geheimdienst-Informationen in falsche Hände gelangt. Mit diesen Worten nahm am Dienstag Richard Boucher, Sprecher des US-State Departments zur Affäre um Botschafter Martin Indyk Stellung.

Am Wochenende wurde Martin Indyk, dem amerikanischen Botschafter in Israel, die Unbedenklichkeitserklärung in Sicherheitsfragen vorläufig aberkannt. Bis zur Klärung des Falles muss Indyk in Washington bleiben. Dabei geht es dem Vernehmen nach nicht nur um vertrauliche Information, die Indyk als... more...

Clintons Erbe

October 9, 2008
Der nächste amerikanische Präsident steht vor einer schwierigen Aufgabe. Von seinen Geschäften mit der Welt lässt Bill Clinton eine Mischung aus Erfolgen und Enttäuschungen zurück, die sein Nachfolger nur mit Mühe wird nachvollziehen bzw. auflösen können. Erfolge wie Misserfolge sind... more...

Gedenken an 100 000 000

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Ende des Jahrtausends, des Jahrhunderts. Blicken wir mit Freude oder in Trauer auf Letzteres? Der technologische Fortschritt und Kriege, eine Dekade der Extreme liegen hinter uns. Über 100 000 000 Menschen fielen im letzten Jahrhundert Kriegen zum Opfer, Millionen verloren ihre Heimat, wurden ihren... more...

Verlierer Arafat

October 9, 2008
In den Berichten aus Israel heisst es oft, in den Monaten der letzten Gewalt seien rund 400 Menschen ums Leben gekommen, meistens Palästinenser. Effektiv waren es bis jetzt 350 Palästinenser und 50 Israelis. Warum haben die Israelis denn so überwältigend für den rechtslastigen Hardliner Ariel... more...

Haiders FPÖ am Ende?

von Anton Legerer, October 9, 2008
Mit ihrer Wahlentscheidung haben die rund 1,1 Millionen wahlberechtigten Wiener (Wahlbeteiligung: 65,6%) letzten Sonntag ein überraschendes Votum geliefert: die Sozialdemokraten konnten 47% der Stimmen erringen, fast 8 Prozentpunkte mehr als bei dernletzten Gemeinderatswahlen vor fünf Jahren, während die Freiheitliche Partei (FPÖ) ebenso viele Prozentpunkte verlor und nun 20% der Stimmen hält. Dabei hatte sich im Endspurt FPÖ-Zampano Jörg Haider in den Wahlkampf mit antisemitischen Aussagen in Richtung IKG-Präsident Ariel Muzicant eingemischt. Naht das Ende der politischen Sprengkraft des Jörg Haider?

Die Erleichterung unter IKG-Mitgliedern ist allerorts hörbar: Mit Antisemitismus ist nicht nur keine Wahl mehr zu gewinnen, vielmehr haben ausgerechnet jene Parteien, deren Vertreter sich am deutlichsten gegen die wiederholten Angriffe Haiders auf Muzicant ausgesprochen haben, die grössten... more...

Brutkästen für innovative Ideen

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Wie man aus der Not eine Tugend macht, demonstrierte Rina Pridor vom Büro des wissenschaftlichen Beraters im Ministerium für Industrie und Handel in Jerusalem. Der Anfang war bescheiden, wie in vielen Fällen und wurde von den Vorgesetzten mit viel Skepsis bewertet. Jedoch es waren die objektiven Zwänge, die sie veranlassten, dem Projekt grünes Licht zu erteilen. Denn mit der Einwanderungswelle aus der ehemaligen UdSSR landeten in Israel auch zahlreiche Wissenschaftler, Ingenieure, geschulte Techniker und Menschen mit neuen Ideen, die sie umsetzen wollten. Ihnen wollte man eine Chance geben.
Das war eigentlich die Geburtsstunde des Projekts «Brutkästen für technologische Initiativen». Dieses Vorhaben hat sich bald zum Testlabor der New Economy gemausert und inzwischen die in ihn gesteckten Hoffnungen übertroffen. Bester Beweis für diese Erfolgsstory ist der massive Einstieg... more...

Aus der «Besatzungsarmee» wurden «zionistische Banden»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Änderungen im letzten Moment vorbehalten, kommen heute Donnerstag Premier Ehud Barak und PLO-Chef Yasser Arafat, eventuell in Begleitung der US-Aussenministerin Madeleine Albright, auf Einladung des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak nach Sharm el-Sheikh, wo einmal mehr eine «letzte Chance» zur Rettung der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen wahrgenommen werden soll. Schon gestern Mittwoch hatte in Paris eine Dreierrunde Barak-Arafat-Albright auf dem Programm gestanden. In den Gebieten war von diesen Bemühungen zunächst wenig zu spüren.
Der diplomatische «Nahost-Blitz» auf höchster Ebene findet vor dem Hintergrund einer katastrophalen Situation im Felde statt. Über 60 Palästinenser sind in den ersten sechs Tagen der so genannten «el-Aqsa Intifada» bis Dienstagabend bei Zusammenstössen mit Israels Sicherheitskräften... more...

Ewige Wiederkehr?

von Louis Bloch, October 9, 2008
Wer den Empfang kennt, den der französische Staat deutschen Juden 1940 bereitete, wird die teils ungastliche Haltung der Schweiz nicht weiter verurteilen. Es begann am 15. Oktober 1940. Damals beschlossen die Gauleiter Wagner und Bürckel, Ministerpräsidenten von Baden und Saarland-Pfalz, ihre Provinzen judenfrei zu machen. Unter einer eigenwilligen Interpretation der Waffenstillstandsabkommen, welche die Regierung von Vichy zwang, auf ihrem Territorium die vom Reich ausgewiesenen Elsässer und Lorrains zu dulden, deportierten sie insgesamt 6504 Juden dorthin, 5617 allein aus Baden. Die geheime «Bürckel-Operation» wurde mit einer Razzia in den frühen Morgenstunden von Hashana Rabba, am 22. Oktober 1940, gestartet.
Hanna Moses erinnert sich: «Ich wohnte mit Eltern und jüngerer Schwester in Karlsruhe. Mein Vater war Rechtsanwalt. An jenem Dienstag, den 22. Oktober 1940, war ich daheim. Weil wir die öffentliche Schule nicht mehr besuchen durften, gingen wir in die jüdische Schule, aber es war Sukkoth, wir... more...

Gute Nachbarschaft im Wiederaufbau

von Paul Uri Russak, October 9, 2008
Die innerisraelische jüdisch-arabische Verständigung ist nach den Oktober-Unruhen noch immer gestört - sogar bei «aufgeklärten» jüdischen Israelis. Hundert muslimische Familien im arabischen Dorf Faradis haben die Initiative an sich gerissen und ein Verständigungsprogramm lanciert.

Auf Initiative der arabischen Zweigstelle der israelischen Jugendorganisation «Noar Oved VeLomed» und organisiert durch Beauftragte von Faradis und Zichron Ya’akov, wurden hundert jüdische Familien aus Zichron von hundert Familien aus Faradis zu sich nach Hause eingeladen. Es war kein... more...

Die Stadt Jerusalem steht im Mittelpunkt

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Gleich zwei Premieren können im Vorfeld der 16. Maccabiah-Spiele (16.-26. Juli 2001) verzeichnet werden: Mit der Südafrikanerin Jane Futerin wurde erstmals eine Frau an die Spitze der Maccabi-Weltunion (MWU) gewählt, und erstmals in der Geschichte der jüdischen Sportbewegung findet der Eröffnungsabend nicht in Ramat Gan, sondern in Jerusalem statt.
Mit Erleichterung nahmen die im Konferenzsaal des Jerusalemer Stadthauses versammelten Delegierten der Maccabi-Weltunion (MWU) und Journalisten am vergangenen Montag die Erklärung Tom Danos’, des Präsidenten des australischen Maccabi-Verbandes zur Kenntnis, wonach Maccabi Australien die kommende... more...

Ethische Kontroversen und Sorge um Jugendliche

von Alain Nordmann, October 9, 2008
Am 14. November fand im Marriott Marquis Hotel in Manhattan eine durch das National Institute of Judaism and Medicine organisierte hochkarätig besetzte internationale Konferenz über aktuelle Probleme in der Medizin aus speziell jüdischer Perspektive statt. Die diskutierten Themen beinhalteten neben der Kontroverse um ethische Fragen am Ende des Lebens auch soziokulturelle Probleme jüdischer Jugendlicher, welche in den USA und Israel auch in orthodoxen Kreisen ein besorgniserregendes Ausmass angenommen haben.
Der erste Themenblock war einem gesellschaftlichen Problem gewidmet, das lange Zeit verharmlost und in der Vergangenheit nie richtig ernst genommen wurde. Unter dem Titel «Children at risk» berichtete der Psychologe Norman Blumenthal über eine alarmierende Zunahme von Drogenmissbrauch in Yeshiva-... more...

Superbowl ohne jüdischen Touch?

von Joël Wüthrich, October 9, 2008
Die American Football Saison neigt sich dem Ende zu und alles wartet auf das grösste Sportfest der Welt, das an einem Tag stattfindet: Superbowl! Viele jüdische NFL-Cracks und Clubbesitzer sind mit dem Traum einer Teilnahme in die Saison gestartet, aber nur einer hat es geschafft: Chad Levitt von den St. Louis Rams. Auch andere jüdische NFL-Stars haben in dieser Football-Saison Akzente gesetzt.
Seit einem Monat befindet sich die US-Sportgemeinschaft im Ausnahmezustand: Die NFL-Playoffs faszinieren wie jedes Jahr die Massen. Die Stars der «Pille für den Mann» werden vergöttert und bewundert. So ist es auch bei Chad Levitt, 24jähriger jüdischer Running Back des Meisterschaftsfavoriten... more...

Hohe Erwartungen, wenig Substanz

von Ernst Ludwig Ehrlich, October 9, 2008
Als Grundlage für die Erklärung des Papstes am 12. März erschien vor wenigen Tagen ein Papier mit der Überschrift «Erinnern und Versöhnen, die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit». Das Dokument wurde von der internationalen theologischen Kommission in Rom erarbeitet. In diesem Text von 107 Seiten findet sich auch ein Abschnitt von zwei Seiten über das Verhältnis der Kirche zu den Juden. Dabei wird festgestellt, dass eine besondere Gewissenserforschung unausweichlich sei, weil es sich um eine schmerzliche Geschichte handelt und die Bilanz der Beziehungen in zwei Jahrtausenden leider negativ sei. Ferner wird einiges wiederholt, was früher bereits vor allem auch von Papst Johannes Paul II. gesagt wurde.
Was die Schoa anbetrifft, wird behauptet, sie entstamme ganz und gar heidnischer Ideologie. Weiter heisst es: «Dennoch kann man sich fragen, ob die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten doch nicht auch von altjüdischen Vorurteilen begünstigt wurde, die in den Köpfen und Herzen... more...

Die Messer werden gewetzt

von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Sso Arzeinu» (Das ist unser Land), die «Frauen in Grün», der Aktionsstab «Mateh Ma\'amatz» und wie sie alle noch heissen mögen, die nationalistischen Extremisten Israels. 1995, vor dem Rabin-Mord, beherrschten sie die Szene, verbarrikadierten Strassen im ganzen Lande und organisierten... more...

Wo menschliches Denken beginnt

von Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, October 9, 2008
Als Gott die Welt erschaffen wollte - so eine Legende - traten die 22 Buchstaben des jüdischen Alphabets vor Ihn und sagten: «Durch mich erschaffe die Welt, mit mir soll der Bericht der Schöpfung, den die Thora überliefert, beginnen.» Gott sah jeden Buchstaben an und entschied sich für das Bet, den zweiten Buchstaben. Den ersten, das Aleph, wollte er für sich behalten.
Mit einem Aleph beginnt das Wort «anochi» (ich) im ersten Vers der Zehn Gebote: «Anochi Haschem» - ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten, aus dem Haus der Knechte herausgeführt hat.» Mit dem Bet hingegen setzt die Thora ein: «Bereschit» - am Anfang schuf Gott den Himmel und die... more...

Soll Hebron judenrein werden?

Jacques Ungar, October 9, 2008
Einen «kompromisslosen Kampf mit allen Mitteln» gegen eine Evakuierung der jüdischen Bewohner Hebrons kündigten Sprecher der Siedlerbewegung am Mittwoch an. Eine solche Evakuierung hat Ehud Barak nach palästinensischen Angaben in Camp David zugesagt. Baraks Büro dementiert.
«Israel hat in Camp David vorgeschlagen, im Rahmen einer definitiven Lösung Hebron von Siedlern zu reinigen.» Mit dieser, in einem Interview mit der palästinensischen Zeitung «Al-Hayat al Jadida» gemachten Äusserung hat Saeb Erekat, der Chef-Unterhändler der Palästinenser, die jüdischen... more...

«Ausserdem sind sie ja auch Menschen»

von Alexis Canem, October 9, 2008
Am 28. August 1749 wurde der Dichter Goethe geboren. Seinen 250. Geburtstag nehmen zahlreiche Kulturstätten vor allem in Deutschland, aber auch in Frankreich und in der Schweiz zum Anlass, Veranstaltungen, Symposien, Ausstellungen, Theaterinszenierungen und Dichterlesungen zu organisieren. Mehr als sonst wird über Goethe geschrieben und publiziert, Goethe als Maler, Goethe als Botaniker, als Schriftsteller, als Politiker, als Liebhaber von Frauen, Goethe und die Postmoderne und die elektronischen Medien - die Themen sind vielfältig. Doch ein Gebiet wird geflissentlich dabei übersehen: die Beziehung Goethes zu den Juden.

Geboren und aufgewachsen ist Goethe in Frankfurt am Main, einer Stadt, in der auch viele Juden lebten. Bekannt war die Mainmetropole auch als das «Nordische Jerusalem». Beschlüsse des Frankfurter Rabbinats waren bindend für die jüdische Welt in ganz Europa. In der Jugendzeit Goethes begannen,... more...

«War es Pietät?»

von Gabi Rosenberg, October 9, 2008
Endlich ist es soweit: Nachdem 1996 in der ehemaligen Synagoge die Aussenstelle Schnaittach eröffnet worden ist, laden die Stadt Fürth und der Trägerverein Jüdisches Museum Franken - Fürth & Schnaittach e.V. - jetzt ein in die Königsstrasse 89 zur grossen Museumseröffnung: Mit im Rampenlicht stehen Werner Gundelfinger und seine Frau Suzanne aus Zürich. Als Stifter ihrer Judaica-Sammlung haben sie einen nicht geringen Anstoss für diesen Anlass gegeben.
Kurz bevor die Stifter nach Fürth fuhren, wollte die JR von ihnen wissen, wieso es zu einem solchen Engagement kam. Immerhin ist mit der Nazizeit in Fürth eine über 400jährige Geschichte prosperierenden jüdischen Lebens mit nicht weniger als acht Synagogen völlig ausradiert worden. «Die... more...

Monroes Überbleibsel unter dem Hammer

October 9, 2008
New York / RR. - Das Auktionshaus Christie’s bietet vom 27.-28. Oktober in New York alles feil, was vom Sexsymbol unseres Jahrhunderts Marilyn Monroe noch übrig geblieben ist. Die etwa 1000 Dinge, wie etwa Kleider, Schuhe, Fotos und Bücher, und der von Ehemann Nummer zwei, Joe Di Maggio, dem... more...

«Ich habe schon viele Tragödien erlebt»

Interview Regula Rosenthal, October 9, 2008
Der Absturz einer Crossair-Maschine kurz nach dem Start von Zürich bestürzt die Öffentlichkeit nur 16 Monate nach der Swissair Katastrophe in Halifax. Gefragt sind nun Experten, die Ursache und Hergang des Absturzes eruieren. Die JR unterhielt sich mit Hans Ephraimson, der seine Tochter 1983 bei einem Unglück der Korean Airline verloren hat und sich seither um Opfer von Flugzeugkatastrophen und die Betreuung von Hinterbliebenen kümmert.
Jüdische Rundschau: 1983 verloren Sie Ihre 23-jährige Tochter Alice beim Absturz der Korean Airline (KAL). Seither kümmern Sie sich um die Rechte von Absturzopfern, das heisst um deren Hinterbliebene. Wie war das genau?Hans Ephraimson: Meine Tochter hatte gerade ihr Studium in den USA, China,... more...

Eine einzigartige Persönlichkeit

von Ernst Ludwig Ehrlich, October 9, 2008
Letzte Woche besuchte der deutsche Bundespräsident Johannes Rau Israel und die palästinensischen Gebiete. Diese Visite mag äusserlich mit vielen anderen vergleichbar sein. Johannes Rau jedoch hat seit langem ein inniges Verhältnis zum Judentum und zum Staat Israel. Ein Rückblick auf die Nahostreise des Bundespräsidenten Rau von einem ihm freundschaflich verbundenenen Wegbegleiter und Kenner der politischen Szene in Deutschland.

Der Besuch von Präsident Rau in Israel ist ein Markstein in den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staate Israel. Zum ersten Mal hat ein deutscher Politiker in der Knesset in deutscher Sprache gesprochen. Einige Abgeordnete verliessen zwar den Raum, aber die Mehrheit ist... more...

Alles auf die Palästinenser-Karte

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Mit vier Stunden dauerte das Gespräch, das US-Präsident Bill Clinton und der israelische Regierungschef Ehud Barak in der Nacht zum Mittwoch in Washington führten, viel länger als ursprünglich geplant. Kurz vor ihrem Rückflug nach Israel definierten Offizielle aus der Umgebung Baraks die Unterredung als «sehr gut», während Clinton sich «ermutigt» gab.

Nach dem augenscheinlichen Scheitern des Genfer Gipfels zwischen den Präsidenten Clinton und Assad war niemand überrascht, dass im Mittelpunkt des 18stündigen Blitzbesuchs des israelischen Premierministers Ehud Barak in Washington in der Nacht zum Mittwoch neben den Verhandlungen mit den... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Iran. Der jüdische Frauen-Dachverband der Schweiz, der BSJF, verabschiedete an seiner Delegiertenversammlung vom 21. Mai eine von allen Teilnehmerinnen unterzeichnete Resolution, in der die Öffentlichkeit um Intervention zugunsten der - wegen Hochverrats und Spionage zugunsten Israels - vor einem... more...

240-jähriges Tabu durchbrochen

von Richard Allen Greene, October 9, 2008
Erstmals in seiner 240-jährigen Geschichte hat der Board of Deputies, die Dachorganisation der britischen Judenheit, eine Frau zur Vorsitzenden gewählt. Jo Wagerman, eine bisherige Vizepräsidentin, wurde einstimmig und ohne Gegenkandidat für den wichtigen Posten bestimmt.
Jo Wagerman, die am Sonntag für drei Jahre zur ersten weiblichen Vorsitzenden des die Mehrheit der britischen Juden repräsentierenden Board of Deputies gewählt worden ist, will in erster Linie die jungen, nicht affilliierten Juden erreichen und integrieren. Nicht nur die jüdische Gemeinschaft,... more...

Eine Regierung der Generäle

October 9, 2008
Kürzlich sagte mir ein europäischer Diplomat folgendes über die neue israelische Regierung: «Israel wird tatsächlich zu einem richtigen nahöstlichen Land. Man braucht sich nur vor Augen zu halten, wieviele Generäle den Laden schmeissen!»Die Zahl dieser Generäle ist soeben bedeutend erhöht... more...

Zur Lage: Gisela Dachs

October 9, 2008
Mehr als fünf Wochen nach den Wahlen hat Israel immer noch keine neue Regierung, und auch über die Persönlichkeit von Ehud Barak wird weiterhin gerätselt. Der gewählte Ministerpräsident tritt nur selten vor die Kameras, lächelt bevorzugt mit geschlossenen Lippen und trägt so zur mysteriösen... more...

Das Spielmit den Ängsten

October 9, 2008
Welche Ängste gehen denn in der Schweiz weiterhin um, dass wir uns erneut mit einer Überfremdungs-Initiative zu befassen haben, die bald zur Abstimmung steht?Im Prinzip sind es wohl immer dieselben: Ängste vor einer eigenen unsicheren Zukunft oder derjenigen der Seinen, Ängste die auf... more...

Viel liegt im Nebel

October 9, 2008
Die von Präsident Clinton in Sharm el-Sheikh verkündeten Massnahmen sowie die zwischen palästinensischen und israelischen Sicherheitsoffiziellen erzielten Übereinkünfte sind allgemein gehalten, um nicht zu sagen vernebelt. Ihr Erfolg wird zu einem grossen Teil vom guten Willen der beiden Seiten... more...

Die Zigeuner und die Velofahrer

von Gisela Blau, October 9, 2008
Hand aufs Herz: Nehmen Sie jene Menschen wahr und ernst, die im unhöflichen Volksmund «Zigeuner» heissen? Sie sind nämlich nicht nur Figuren in Operetten, Volksliedern und Heftli-Romanen. Sie erlitten ein ähnliches Schicksal wie die Juden durch die NS-Verbrecher und ihre einheimischen Schergen.... more...

Israels konstruktive Rolle bei der Konfliktlösung

Interview Yves Kugelmann, October 9, 2008
Eine von der Anti-Diffamationsliga (ADL) des Bnai Brith Zürich und des Schweizerischen Gemeindebundes (SIG) beim «Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög)» der Universität Zürich in Auftrag gegebene Studie untersuchte die Medienberichterstattung der Schweizer Medien seit dem Ausbruch der el Aksa-Intifada (vgl. JR Nr. 5).
Jüdische Rundschau: Was war Ihre Motivation, zum jetzigen Zeitpunkt eine solche Studie zu lancieren?Roman Rosenstein: In der Nahost-Berichterstattung der meisten Medien war nach Ausbruch der el Aksa-Intifada ein für die meisten jüdischen Zeitungsleser schmerzlich hohes Mass an Kritik an der... more...

Israel bereitet sich auf Eskalation vor

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Ein rasches Ende der jetzt bald ein halbes Jahr alten Intifada ist nicht in Sicht&#059; die Situation könnte im Gegenteil noch eskalieren. Diese Meinung teilen die wichtigsten politischen und militärischen Entscheidungsträger in Israel. Sie weisen auf zwei Schlüsselereignisse der nächsten Wochen hin: Auf das arabische Gipfeltreffen vom 27. März in Jordanien, und auf den «Tag der Erde», an dem die israelischen Araber, wie jedes Jahr, gegen Landenteignungen durch die Jerusalemer Regierung protestieren und an die Menschen erinnern werden, die in vergangenen Jahren bei Demonstrationen und Zusammenstössen mit israelischen Sicherheitskräften umgekommen sind.
Die beide «heissen» Daten der nächsten Wochen, der Araber-Gipfel vom 27. März und der «Tag der Erde» Ende Monat, will Yasser Arafat, so vermutet man in Jerusalem, vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen in den Gebieten begehen. Auf diese Weise werden ihm, so hofft er, einerseits die... more...

Leumis verschwundene Safes

von Yair Sheleg, October 9, 2008
Die Knessetkommission, welche das Schicksal der in Israel deponierten Vermögenswerte von Holocaust-Opfern untersucht, hat sich in den letzten Monaten ganz besonders mit den Wertsachen in Safes beschäftigt, die europäische Juden vor dem 2. Weltkrieg bei verschiedenen lokalen Banken im damaligen Palästina deponiert hatten.
Das Interesse der parlamentarischen Untersuchungskommission konzentrierte sich auf die Bank Leumi, die Zentralbank des Vorstaat-Israels. Als vor einigen Jahren die Kampagne zur Rückerstattung der von Banken und Firmen in Europa gehaltenen Vermögenswerte von Holocaust-Opfern gestartet wurde,... more...

Mr Funky and Mrs Soul

von Regula Begert, October 9, 2008
Tanja und Phil Dankner waren als «Soul Affair» seit Jahren fester Bestandteil der Schweizer Musikszene. Nun nennt sich das talentierte Basler Geschwisterpaar selbstbewusst «dankner» und hat am vergangenen Mittwoch im Zürcher «Kaufleuten» das gleichnamige Album getauft.
Mit unbeschwertem Lebensmut und naiver Neugierde blicken die runden dunklen Augen einen an. Sie gehören einem zerzausten Schimpansen-Baby und buhlen derzeit allüberall um Aufmerksamkeit. Man begegnet ihnen in Zeitungsinseraten, auf Plakatwänden und in den Schaufenstern von Musikgeschäften. ... more...

Ahmed Hubers Kampf

von Hans Stutz, October 9, 2008
Vergangene Woche wurde bekannt, dass der missglückte Brandanschlag auf die jüdische Synagoge in Düsseldorf nicht von Rechtsradikalen verübt wurde. Als Täter wurden ein 19-jähriger staatenloser Jordanier und ein 20-jähriger Marokkaner verhaftet. Gemäss Informationen des Nachrichten-Magazins «Der Spiegel» hätten die Kriminalbeamten in den Wohnungen der Verhafteten eingeritzte Hakenkreuze, selbstgebastelte Hitler-Bilder und eingeritzte nazistische Slogans gefunden. Indizien für Beziehungen zu rechtsextremistischen Organisationen oder Personen liessen sich keine nachweisen.
Zwar gibt es gelegentlich Hinweise auf Vernetzungen zwischen deutschsprachigen Rechtsextremisten und islamistischen Fundamentalisten, ohne dass eine «Organisation im Hintergrund» (Generalbundesanwalt Kay Nehm) existiert. Diese Vernetzer verweisen jeweils gerne auf historische Konstanten: Bereits... more...

Israelische Promis mischten kräftig mit

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Eine Welle des Unmutes hat im offiziellen Washington die von Bill Clinton in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft verfügte Begnadigung des jüdischen Finanzmannes Mark Rich ausgelöst. Wie sich jetzt herausstellt, haben diverse israelische Prominente das Begnadigungsgesuch unterstützt.

In Washington rumort es. Zahlreiche Kongressabgeordnete können sich anscheinend nicht mit der Begnadigung abfinden, die Bill Clinton kurz vor seinem Abschied aus dem Weissen Haus dem bis dahin u.a. wegen Steuerhinterziehung seit 1983 vom FBI gesuchten Financier Mark Rich gewährt hat (vgl. JR Nr.... more...

Alle gegen IKG-Präsident Muzicant

von Anton Legerer, October 9, 2008
Wiens IKG-Präsident Ariel Muzicant wird zunehmend zum Feindbild für die regierende österreichische Politik. Zuletzt hat selbst Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der bis zu seinem Amtsantritt im Februar 2000 keine Gelegenheit ausgelassen hatte, die jüdische Gemeinde zu hofieren, eine halbherzige Entgegnung von Jörg Haiders Attacke seinerseits mit einem Angriff auf Muzicant in Sachen Entschädigungsforderung verbunden. Damit hat Schüssel das von antisemitischer Intention geprägte Wortspiel Haiders, das dieser letzten Donnerstag noch durch ein antisemitisches Stereotyp ergänzte, legitimiert und damit bewiesen, dass Österreichs Toleranz gegenüber seiner jüdischen Gemeinde spätestens dann ein abruptes Ende findet, wenn es um die unbewältigte Nazi-Vergangenheit – und ums Geld geht.
Die verbale Eskalation begann mit Jörg Haiders intellektuell beschränktem Wortspiel bei seiner traditionellen Rede zum Beginn der christlichen Fastenzeit am 28. Februar, als er IKG-Präsident Muzicant «Dreck am Stecken» vorhielt, weswegen dieser nicht den Namen eines bekannten Waschmittels als... more...

Eine Idee von Elie Wiesel

von Peter Ephross, October 9, 2008
Ein polnischer Arzt arbeitete im Warschauer Ghetto bevor er nach Treblinka und Dachau deportiert wurde. Die Familie eines jüdischen Mädchens aus Holland benutzte Diamanten, um sich ihren Weg durch Europa freizukaufen und landete schliesslich in Miami. Ein jüdisch-deutscher Teenager traf 1939 mit einem Kindertransport in England ein und arbeitete nach dem Krieg mit Überlebenden in Lager für «Displaced Persons». Das sind einige Beispiele der rund 200 Erinnerungsgeschichten, die bisher beim Projekt «Holocaust Survivors’ Memoirs» eingetroffen sind. Eine Idee Elie Wiesels kommt zum Tragen.
Seit Jahren hat Nobelpreisträger Elie Wiesel nach Möglichkeiten gesucht, Geschichten und Memoiren von Holocaust-Überlebenden zu sammeln. Dank einer Spende in Höhe von einer Million Dollar des Random House konnte das vom Jüdischen Weltkongress lancierte Projekt «Holocaust Survivors’... more...

Image-Sorgen der Schweiz

October 9, 2008
Ein Land kann noch so klein sein - es wird immer von sich reden machen. Allerdings gilt das für Kleinstaaten wie die Schweiz meistens nur in den eigenen vier Wänden, sprich in den eigenen Landesgrenzen. Während es unser Kleinstaat normalerweise «nur» zu Schlagzeilen in der ausländischen... more...

Krise und Wirtschaft

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Mehr als sechs Wochen nach dem Beginn der el Akza Intifada, die bereits hunderte Todesopfer auf beiden Seiten und tausende Verletzte gefordert hat, ist der Zeitpunkt gekommen, eine Bilanz zu ziehen. Schliesslich sind die Ereignisse auch an der starken israelischen Wirtschaft nicht spurlos vorbeigegangen. Besonders geschädigt sind die Branchen Fremdenverkehr, Landwirtschaft, persönliche Dienstleistungen und einige Industriezweige, die als «old economy» eingestuft werden, wie Baumaterialien, Kunststofferzeugnisse, Nahrungsmittel und Getränke. Jedoch die überwiegende Mehrzahl der Industrie Israels ist bisher ohne Dellen, Kratzer oder finanzielle Einbussen davongekommen.
Eine davon ist die High-Tech-Branche, die als Zuglok der expandierenden Wirtschaft gilt und in diesem Jahr rekordbrechende Zuwachsraten melden kann. Dazu sagte der JR Amiram Shore, der Vorsitzende des Fachverbandes Elektronik und Software: «Die Turbulenzen zwischen Israelis und Palästinensern, die... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Preisrätsel. Mit dem Präsidenten wechseln in den USA meist auch die Inhaber der unteren Chargen. In Washington (und in den betroffenen Ländern) gilt es deshalb als Preisrätsel, ob Stuart Eizenstat als Chefunterhändler für Restitution sein Amt behalten wird oder nicht. Die Zeichen ständen gut,... more...

Mit den Rechts-Nationalen harzt es noch

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nachdem die Israelische Arbeitspartei (IAP) sich überraschend deutlich für eine Beteiligung an Ariel Sharons grossen Koalition entschieden hat, kann der designierte Premier sich nun auf die Verhandlungen mit den religiösen und rechts-nationalen Parteien konzentrieren. Diese Gespräche erweisen sich als schwieriger als erwartet. Vom neuen US-Aussenminister Colin Powell hörte Sharon nicht nur Erfreuliches, und die Rüstungs-Informationen aus Bagdad erfüllen Israel mit Sorge.
Morgen Freitag wird die Zentrale der Israelischen Arbeitspartei (IAP) in zwei geheimen Wahlgängen die Vergabe der acht Ministerposten bestimmen, welche Ariel Sharon, Likud-Boss und designierter Premierminister, dem wichtigsten Partner in seiner langsam Gestalt annehmenden Koalitionsregierung... more...

Washington will weiter mitmischen

Zeev Schiff, October 9, 2008
Ohne ein Abkommen erzielt zu haben, kehrte eine israelische Delegation aus Washington zurück, wo sie die amerikanischen Forderungen nach einer Beschränkung militärisch-technologischer Transfers durch Israel diskutiert hatte. Die USA waren auch nicht bereit, Israel vorgängig zu Exporten militärischer Güter in arabische Staaten zu konsultieren.
Eine von Amos Yaron, dem Generaldirektor des Tel Aviver Verteidigungsministeriums, angeführte israelische Delegation kehrte ohne Abkommen von Gesprächen aus Washington zurück. Zur Diskussion gestanden hatten die amerikanischen Forderungen nach einer Beschränkung technologisch-militärischer... more...

«Wir Juden sind Aufgabe genug»

October 9, 2008
Das Centralcomittée (CC) des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) hat einen neuen Präsidenten. An seiner Sitzung von Donnerstag letzter Woche wählte das CC Felix Liatowitsch, der seit 1993 Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel ist. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann sprach mit Liatowitsch über sein neues Amt, Funktion und Zukunft des CC sowie über aktuelle Geschäfte des SIG.
Jüdische Rundschau: Sie sind bereits Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel. Wer - oder viel mehr was - hat Sie motiviert, jetzt auch im CC das Präsidium zu übernehmen?Felix Liatowitsch: Mir ist ein gut funktionierender SIG schon immer am Herzen gelegen, und das CC, dessen Ruf derzeit, um... more...

«Paint. Das Gedächtnis der Malerei»

von Walter Labhart, October 9, 2008
Mit weit über die Landesgrenzen hinaus beachteten Präsentationen wie «Equilibre», «Hodler-Mondrian. Eine Begegnung» oder der grossen Varlin-Retrospektive in diesem Sommer hat das Aargauer Kunsthaus bewiesen, was auch für die bis zum 19. November dauernde Ausstellung «Paint. Das Gedächtnis der Malerei» gilt. Dank eigenständigen Ideen, Konzentration auf monografische Ausstellungen und guten Kontakten zu Leihgebern in aller Welt vermag auch ein ausserhalb der eigentlichen Kunstzentren liegendes Museum internationalen Standard zu erreichen und eine markante Position einzunehmen, die nur mit derjenigen der allgemein bekannten Kunstmuseen in Grossstädten oder den oft abseits gelegenen renommierten privaten Stiftungen gleichen Ranges verglichen werden kann.

Mit den «besten Werken der eigenen Sammlung» hat Beat Wismer, seit 1985 Direktor des Aargauer Kunsthauses, in Zusammenarbeit mit der Kunstwissenschafterin Sibylle Omlin den Grundstock zu einer über 300 Gemälde vereinigenden Ausstellung geschaffen, die mit rund 180 Künstlerinnen und Künstlern... more...

Naher Osten und Lieberman gaben den Ausschlag

von Sharon Samber, October 9, 2008
Bei den US- Präsidentschaftswahlen vom vergangenen November genoss der designierte Präsident George W. Bush gemäss einer dieser Tage veröffentlichten Umfrage die Unterstützung der arabisch-amerikanischen Gemeinschaft. Auch Ralph Nader, dessen Wurzeln im Libanon sind, vereinigte überdurchschnittlich viele Stimmen aus diesem Sektor auf sich.
Obwohl eine leichte Mehrheit der Amerikaner arabischen Ursprungs der Demokratischen Partei angehören, zog dieser Sektor der Bevölkerung bei den Wahlen vom vergangenen November den Republikaner George W. Bush Jr. dem Demokraten Al Gore vor. Das ergab eine am Ausgang der Wahllokale durchgeführte... more...

Sundance-Preis für «The Believer»

von Tom Tugend, October 9, 2008
«The Believer», ein Film über einen Juden, der zum Anführer einer antisemitischen Bande wird, hat am Sundance-Filmfestival in Los Angeles den höchsten Preis für ein Drama erhalten. So unglaublich es tönen mag: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte.
Im Mittelpunkt des am Sundance-Festival mit dem Drama-Preis ausgezeichneten Films «The Believer» steht ein jüdischer Schüler und Barmizwa-Junge, der zum Anführer einer neo-nazistischen Bande wird. Und so unglaublich es tönen mag: Der Film, dessen ursprünglicher Titel «The Jewish Nazi»... more...

Sei stark und mutig! - Jüdische Jugendbewegungenugendbundszertifikat.

von Anton Legerer, October 9, 2008
Die jüngste Ausstellung des Jüdischen Museums der Stadt Wien trägt den Titel «Sei stark und mutig!» («Chasak we’ emaz!») und illustriert das Wirken der jüdischen Jugendbewegungen. Als Teil der mit dem Ende des 19. Jahrhunderts entstehenden Jugendkultur stand für die jüdischen Jugendbewegungen zwar die Konfrontation mit der Elterngeneration an zentraler Stelle - mindestens ebenso bedeutend war aber die Thematisierung der eigenen jüdischen Identität. Zumeist folgte das Ideal der organisierten jungen Juden den aufkommenden zionistischen Ideen und Programmen, und die Treffen waren der (Aus-)Übung bzw. Neubewertung jüdischer (hebräischer) Tradition gewidmet. Die Jugendgruppen waren dabei oft strikt, fast militärisch organisiert. Mittels organisierter und oftmals abenteuerlicher Auswanderungsaktionen retteten die zionistischen Jugendbewegungen während der nationalsozialistischen Judenverfolgung zahlreichen Mitgliedern das Leben.
Ausstellungskuratorin Naomi Lassar wählte einen empathischen Zugang. Von ihrer eigenen Erfahrung als Mitglied des HaShomer HaZair ausgehend nähert sie sich dem Phänomen der jüdischen Jugendbewegungen als Teil der allgemeinen Jugendkultur, die im deutschsprachig beeinflussten europäischen... more...

Friedensprozess und Nimrodi-Skandal

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Wenn US-Aussenministerin Madeleine Albright am Sonntag eine weitere Nahost-Pendelmission beginnt, geschieht dies vor dem Hintergrund stagnierender Verhandlungen (mit den Palästinensern) beziehungsweise seit Jahren suspendierter Gespräche (mit den Syrern). Die Palästinenser bezichtigen Israel, unter dem Deckmantel des Friedensprozesses die Besatzungspolitik gezielt voranzutreiben, während die Syrer immer neue Forderungen für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen stellen. Die Aufmerksamkeit der Israelis wird derzeit aber nicht von politischen Vorgängen in Anspruch genommen, sondern von dem sich ausweitenden Skandal, in dessen Mittelpunkt Ofer Nimrodi, der verhaftete Herausgeber der Zeitung «Maariw», steht.
Der kaum verhüllte Pessimismus, den politische Kreise in den USA jüngstens in Bezug auf die Chancen auf eine Wiederbelebung der israelisch-syrischen Verhandlungen geäussert haben, fand diese Woche erneute Nahrung in einer Botschaft Syriens an die Adresse der Amerikaner. Wenige Tage, bevor... more...

Pension von den Briten für Nazi

von Douglas Davis, October 9, 2008
Alexander Schweidler, ein Mann, der angeblich im KZ Mauthausen Menschen umgebracht hatte, ist in England im Alter von 78 Jahren gestorben. Wenige Tage vor seinem Tode hatte der «Holocaust Educational Trust» eine Untersuchung seiner Aktivitäten während des Weltkrieges gefordert.
Dem aus der Slowakei stammenden Alexander Schweidler, der in der britischen Ortschaft Milton Keynes gelebt hatte, wurde vorgeworfen, als Mitglied des SS-Totenkopf-Kommandos im österreichischen KZ Mauthausen, in dem 80000 Menschen umgekommen sind, Grausamkeiten verübt zu haben. Wenige Tage vor dem... more...

«Verflucht sei Yossi Sarid»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Recht umständlich und darauf bedacht, sich ja keine publizistische Blösse zu geben, versuchen Shas und Meretz, die Hauptakteure der jüngsten israelischen Koalitionskrise, vom hohen Ast herabzuklettern, auf den sie sich gegenseitig hinaufkatapultiert hatten. Eine Versöhnung wäre aber nur ein vorläufiger Burgfrieden.
Ausgebrochen war die Krise am vergangenen Schabbatabend, als Rabbi Ovadia Yosef, das geistige Oberhaupt der Shas-Partei, Erziehungsminister Yossi Sarid von der links-liberalen Meretz-Partei aufs ärgste beschimpfte (vgl. Editorial). Obwohl der Rabbiner kurz darauf betonte, er sei gegen physische... more...

Ignorieren!

von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Mit Blut und Feuer werden wir Dich erlösen, Palästina», oder «Der Jom Ha\'azmaut ist ein Tag des Unglücks für das palästinensische Volk». Sätze wie diese gaben am Sonntag nicht etwa Terroristen-Häuptlinge in Damaskus oder einem Flüchtlingslager von sich. Nein, arabische Abgeordnete des... more...

Jüdischer Antisemitismus

von Jacuqes Ungar, October 9, 2008
In klaren Worten verurteilte ein sehr prominenter orthodoxer Rabbiner Israels den Brandanschlag vom letzten Samstagabend gegen eine Synagoge der konservativen Bewegung im Jerusalemer Ramot-Viertel. Mit seiner Bemerkung, er lehne jede Form der Gewalt ab, ging der Mann konform mit dem Sturm der... more...

Der neue Präsident tritt ins Fettnäpfchen

Dalia Shehori, October 9, 2008
Zu den zahlreichen israelischen Prominenten, die in letzter Zeit mit ungeschickten Äusserungen auf sich aufmerksam gemacht haben, gesellt sich nun auch der neue Staatspräsident Moshe Katsav hinzu, der sekuläre Juden auf despektierliche Weise aufgefordert hat, die Religion zu respektieren. Inzwischen hat Katsav sich entschuldigt.
Israels neuer Präsident Moshe Katsav hat Bedauern über die verunglimpfende Bemerkung zum Ausdruck gebracht, mit der er in dem in einer charedischen Zeitung erschienenen Interview «die Tommy Lapids und Yossi Sarids» aufgefordert hat, die Religion zu respektieren. Er hätte die Bemerkung nie... more...

Militär gibt der Wirtschaft den Input

von Gudrun Vogt und Hans-Ludwig Dankwardt, October 9, 2008
Unmittelbar nach der Staatsgründung Israels war die Landwirtschaft der bedeutendste volkswirtschaftliche Sektor des Staates. Dies hat sich in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen geändert. Innerhalb kürzester Zeit wurde eine High-Tech-Industrie im Telekommunikationsbereich, Software- und Elektronikbereich aufgebaut. Neben dem High-Tech-Bereich ist der Tourismussektor ebenfalls stark gewachsen, dies nicht zuletzt dank der religiösen und historischen Bedeutung Israels für den Islam, das Christentum und das Judentum.
Israels enge Beziehungen mit den USA, begünstigt durch ein Freihandelsabkommen, resultierten 1998 in Exporten mit einem Wert von 8,3 Mrd. $, bei Importen mit 5,9 Mrd. Europäische Länder spielen traditionell ebenfalls eine wichtige Rolle als Handelspartner. Ein ebenfalls bestehendes... more...

Es bläst ein frischer Wind

October 9, 2008
Es bläst ein frischer Wind. Zuerst kommt der Friede, und erst dann kann die Regierung sich mit dem Verhältnis zwischen Religiösen und Säkularen befassen. Das erklärte Premierminister Ehud Barak in New York vor Vertretern der amerikanisch-jüdischen Presse. Die israelische Gesellschaft sei, so... more...

Alter jüdischer Friedhof in Gefahr

von Katarina Holländer, October 9, 2008
In Prag ist ein mittelalterlicher Friedhof auf der Parzelle einer Versicherungsanstalt gefunden worden. In ganz Europa gibt es nur sehr wenige solcher Stätten, die untersucht worden sind: Bauinteressen, Forschung und Halacha liegen über den Toten in Widerstreit.

Es sah so aus, als würde der kaum entdeckte Friedhof gleich nach seiner Entdeckung liquidiert. Wie die JR bereits im Dezember 1997 meldete, sind in Prag zunächst Grabsteinfragmente und rund ein Jahr später im Zentrum der Stadt in situ Reste des ältesten jüdischen Friedhofs des Landes gefunden... more...

Ein Schnitt ins eigene Fleisch

von Shachar Ilan, October 9, 2008
Kürzlich hat fast der ganze Rat der Thoraweisen der israelischen ultra-Orthodoxie eine bindende rabbinische Erklärung unterschrieben, welche eine «ernste Warnung gegen die schrecklichen Gefahren» enthielt, die Computern, CD-ROMs, Filmen und dem Internet innewohnen würden.
Die Erklärung des Rats der Thoraweisen gegen Computer, CD, Film und Internet enthält eine lange Liste von Restriktionen bzgl. des Gebrauchs von Computern und verfügt ein striktes Verbot gegen die Benutzung des Internets, das eine «schreckliche Gefahr für das jüdische Volk» darstelle. Weit... more...

«Verpasste Chance»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Fehlen wird eine gewichtige Stimme der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz am Abend des 6. März, wenn im Grossen Saal des ICZ-Gemeindehauses über die Befindlichkeit der Juden in Europa, ganz besonders jener in Österreich, aber auch in Deutschland und der Schweiz berichtet wird. Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), wird der Veranstaltung fern bleiben. Er erhielt, genau wie die anderen Mitglieder der SIG-Geschäftsleitung und des Central-Comités, eine offizielle, unpersönliche Einladung ohnehin erst am Montag dieser Woche.
So kurzfristig, sagt Rolf Bloch, könne er sich nicht mehr frei machen. Inoffiziell wusste er schon etwas länger von der Veranstaltung, wie viele andere Leute auch, nicht zuletzt wegen eines Inserats in den jüdischen Medien. Aber ganz offensichtlich gefällt es Bloch nicht, dass das Referat über... more...

Zwischen Zionismus und Demokratie

October 9, 2008
Zionismus und Demokratie sind die beiden Säulen Israels. Auf diesen zwei Fundamenten basiert das israelische Leben; ihre Erfüllung und Verwirklichung hängen voneinander ab. Gemäss diesem Grundsatz versuche ich zu handeln. Für viele mag sich dieses Statement eher wie ein Slogan anhören als wie... more...

Qualitätskontrolle «à l’israëlienne»

von Margie Schmidli, October 9, 2008
Irgendwann in nächster Zeit steht in der Knesset die Debatte darüber, ob in Israel nebst dem öffentlich-rechtlichen ersten und dem privat-kommerziell betriebenen zweiten Kanal noch ein dritter, ebenfalls privater Sender zugelassen werden soll. Vor diesem aktuellen Hintergrund sprach die JR über den Status quo und Perspektiven der TV-Landschaft Israels mit einem der Verantwortlichen und Macher der ersten Stunde, Yoachanan Zangen.
Yochanan «Tommy» Zangen ist C.E.O. der NCP (Network, Communication and Production), Channel 2 Israel, in Herzliya. Seit dem Abschluss seines Studiums macht der grossgewachsene, sympathische und souverän-intelligent auftretende Mann ohne jegliche TV-Tycoon-Allüren Fernsehen an vorderster Front,... more...

Barak vor innenpolitischem Scherbenhaufen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Premierminister Barak, der am Mittwochabend mit leeren Händen aus Camp David zurück erwartet wurde, wird kaum Zeit haben, sich die Wunden zu lecken, die er sich während des 15tägigen amerikanischen Verhandlungsmarathons zugefügt hat. Zu dringend steht er vor der Notwendigkeit, seinen innenpolitischen Scherbenhaufen aufzuräumen und eine regierungsfähige Koalition auf die Beine zu stellen. Ob er in einer Regierung der nationalen Einheit die Lösung für seine Probleme sieht, wird sich zeigen. - Am Montag wählt die Knesset einen neuen Staatspräsidenten, höchst wahrscheinlich Shimon Peres.
«Nichts wurde erreicht, doch alles hat sich verändert.» Mit dieser Schlagzeile umschreibt die «Washington Post» am Mittwoch die Situation nach dem geplatzten Gipfel von Camp David treffend. Yasser Arafat und Ehud Barak flogen mit leeren Händen in den Nahen Osten zurück; die Komplimente, die... more...

Hüte dich vor deinen Wünschen

October 9, 2008
Ihre Flitterwochen waren kürzer, als man gedacht hatte. Die Blüten sind abgefallen, die Seidenhandschuhe wurden abgestreift. Yasser Arafat beklagt einen «Versuch, die genaue und ehrliche Erfüllung des Abkommens von Wye zu vermeiden». Ehud Barak seinerseits bezichtigt Arafat der «Sturheit» und... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Ansprüche. Bis zum 22. Oktober sollen Holocaust-Geschädigte ihre Ansprüche aus dem Deal der Schweizer Banken und jüdischen Organisationen und Sammelklagen-Anwälten in den USA anmelden. Die Formulare können im Internet unter www.swissbankclaims.com oder der Schweizer Gratis-Telefonnummer... more...

Warnungen zur Wachsamkeit

von Jacques Ungar, October 9, 2008
In der Eröffnungsrede der Wintersession der Knesset wiederholte Premier Barak seinen Appell an den syrischen Präsidenten Assad, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Verhandlungen wieder aufzunehmen. - Um Verluste möglichst zu vermeiden, verlegt im Südlibanon die israelische Armee ihre Tätigkeit mehr und mehr vom Boden in die Luft. - Mit der Unterzeichnung des Abkommens über die «sichere Passage» von Gaza nach Hebron kann ein konkreter Durchbruch in den israelisch-palästinensischen Verhandlungen verbucht werden. In Jerusalem hofft man, dass dies islamische Extremisten nicht zu einer Intensivierung ihrer terroristischen Akte veranlasst. Auch Warnungen vor einem gross angelegten Anschlag des Islamischen Jihads tragen zur steigenden Wachsamkeit unter israelischen Sicherheitskreisen bei.
Etwa zur gleichen Zeit, da Syriens Aussenminister Faruk a-Sharaa sich in Beirut einer Notoperation am offenen Herzen unterziehen musste, appellierte Israels Regierungschef Ehud Barak am Montag vom Plenum der Knesset aus einmal mehr an den syrischen Präsidenten Hafez el-Assad, gemeinsam durch die... more...

Ohne Politik läuft nichts in Israel

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zwei Ereignisse lenkten in den letzten Tagen das öffentliche Interesse der Israelis kurzfristig vom politischen Geschehen ab: Erstens das Auffinden der sterblichen Überreste zweier im Jom-Kippur-Krieg gefallener israelischer Soldaten unweit des Suezkanals und zweitens die katastrophalen Waldbrände, die Anfang Woche die Abhänge des Carmel-Berges bei Haifa heimsuchten. Damit die Politik aber nicht ganz an die Wand gedrückt würde, absolvierte US-Aussenministerin Madeleine Albright diese Woche eine Nahostreise, die vor allem im Zeichen eines Verhandlungsunterbruchs der Palästinenser stand, die mit diesem Schritt ihrem Unmut über die israelische Bautätigkeit in der Westbank Ausdruck verleihen wollen.
26 Jahre nachdem die Korporäle Nadiv Mordechai und Leon Cohen starben, als ihr Tank während des Yom-Kippur-Krieges am Suezkanal von einer ägyptischen Rakete getroffen worden war, entdeckte ein israelisches Suchteam die sterblichen Überreste mit Hilfe von Luftaufnahmen aus dem Krieg und... more...

1:0 für Haider

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Haider ohne Ende. Doch der FPÖ-Populist ist nicht das eigentliche Problem, sondern die sogenannt konservative Regierung unter dem neuen Bundeskanzler Schüssel, die aus reiner Machtgier das unliebsame Bündnis mit ganz rechts einging. Schüssel lässt unzweideutig erkennen, dass es ihm mehr um... more...

Vom Haus zur Heimat, vom Entwurzelten zum Flüchtling

von A. B. Jehoshua, October 9, 2008
Mit zunehmendem Optimismus blickt die Welt auf den nahöstlichen Friedensprozess. Wenn die politischen Parameter gergelt sind, rückt aber unweigerlich auch die lange ruhen gelassene Frage nach den arabischen Flüchtlingen aufs Verhandlungsparkett. Der israelische Schriftsteller und JR-Kolumnist A.B. Jehoshua sucht im folgenden Essay Lösungsansätze, indem er die Geschichte von Juden und Palästinenser differenziert verarbeitet. Letztlich bleibt die Frage nach «Heimat» im Verständnis des Konflikts wesentlich.
Bei den kommenden Verhandlungen über den «final status» wird die Frage der arabischen Flüchtlinge eines der zentralen Traktanden sein. Es handelt sich da um ein kompliziertes und schwieriges Problem, das zu ernsthaften Meinungsverschiedenheiten führen und dessen Lösung von politischen... more...

Vor Neuauflage der Intifada?

von George Szpiro, October 9, 2008
Das israelische Kabinett und die Knesset hiessen die Entlassung dreier Dörfer an der Stadtgrenze Jerusalems in die palästinensische Autonomie gut. Gleichzeitig wurden bei Zusammenstössen in den Gebieten mindestens fünf palästinensische Polizisten erschossen. Hunderte von Demonstranten, Soldaten und Polizisten erlitten Verletzungen.
Nach den Siegen, die Ministerpräsident Barak am Montag im Kabinett und in der Knesset errang, muss er nun die Scherben auflesen. Zwar gelang es ihm, die Transferierung von drei Dörfern an der Stadtgrenze von Jerusalem an die Palästinenser sowohl vom Kabinett als auch vom Parlament gutheissen zu... more...

Zweite Etappe in der Militärdebatte

von George Szpiro, October 9, 2008
Die israelische Regierung konnte am Montag Abend ein Misstrauensvotum abwenden. Anlass war die erste Lesung eines Gesetzes über die Befreiung orthodoxer Rekruten vom Militärdienst. Die Meinungsverschiedenheiten über das Gesetz gingen quer durch die Parteien. Gegner kritisieren, dass das Gesetz bloss die momentane unbefriedigende Situation formalisiere.
Am Montag Abend hat die israelische Regierung eine überraschend angesetzte Vertrauensabstimmung mit bequemem Mehr überstanden. 52 Abgeordnete stimmten mit der Regierung, 43 dagegen. Anlass für das Votum war die erste Lesung eines Gesetzes, in dem die Befreiung orthodoxer Männer vom... more...

Heldensinfonie im KZ

von Douglas Davis, October 9, 2008
Wenn das Philharmonische Orchester Wien im kommenden Mai ein Konzert auf dem Gelände des Konzentrationslagers Mauthausen veranstaltet, dürfte damit in Österreich das beginnen, was Kanzler Victor Klima die Konfrontation mit «diesem dunkeln Kapitel unserer Geschichte» nennt. Das Konzert unter der Leitung des britischen Dirigenten Sir Simon Rattle soll am 5. Mai stattfinden, dem Jahrestag der Befreiung des Lagers, in dem rund 100 000 Juden, Zigeuner und Homosexuelle umgebracht wurden.
Auf einige Kritik stösst allerdings der Beschluss der Philharmoniker, das Konzert mit Beethovens Neunter zu beginnen, einer Symphonie, die während des 3. Reichs als Prunkstück des teutonischen Triumphes gegolten hatte. Diese Taktlosigkeit sei dazu angetan, historische Wunden noch zu vertiefen.... more...

Israel / Innenpolitik - Koalitionsverhandlungen sind in vollem Gang Likud und /oder Shas?

von George Szpiro, October 9, 2008
Der designierte Ministerpräsident Ehud Barak arbeitet auch noch zwei Wochen nach den Knessetwahlen intensiv an der Zusammensetzung seiner künftigen Regierung. Sowohl der schwer angeschlagene Likud wie auch die überraschend starke Shas-Partei bieten sich als Koalitionspartner an. Bei der Auswahl der Regierungsmitglieder hat die linke Meretz-Partei ein gewichtiges Wort mitzusprechen.
Zwei Wochen nach den Wahlen haben die Verhandlungen mit den Parteien, die hoffen, in Ehud Baraks Regierung aufgenommen zu werden, noch keinen Höhepunkt erreicht. Der ehemalige Knessetabgeordnete und Rechtsprofessor David Libai wurde von Ehud Barak mit der Führung der Verhandlungen beauftragt.... more...

Der Lapsus

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Es ist also ein kurzer Brief, den der SVP-Nationalrat Christoph Blocher mit viel Mediengetöse und noch mehr parlamentarischer Theatralik zu Fall bringen soll; notabene und wohl kaum zufälligerweise knapp eine Woche vor den Wahlen.Noch nicht lange ist es her, da war es ruhig um Blocher, keiner... more...

Fahrt gewinnen

October 9, 2008
Auch im Heiligen Land ist nicht alles Gold, was glänzt - am wenigsten in der israelischen Politik. Die jüngsten Entwicklungen seit dem Regierungswechsel, der nicht nur den Abschied von Israels in Ungnade gefallenem Ex-Premier Bibi Netanyahu, sondern auch den mit Pauken und Trompeten eingeläuteten... more...

«Man muss den Horror individualisieren»

Interview: Ellen Presser, October 9, 2008
Als Nachfolger Kafkas gewürdigt, gilt Aharon Appelfeld heute als Israels bedeutendster Autor der Gegenwart. Nicht erst seit der Debatte um das Buch «Bruchstücke» von Benjamin Wilkormirsky alias Bruno Doessekker steht zur Frage, inwieweit der Holocaust in einer Fiktion aus Ausgangspunkt verwertet werden darf. Im Gesräch mit dem israelischen Autoren Aharon Appelfeld hinterfrägt JR-Mitarbeitrin Ellen Presser die Berechtigung der Fiktion im literarischen Umgang mit dem Holocaust, Benjamin Wilkomirsky und über Appelfelds neuestes Buch «Der eiserne Pfad».
Jüdische Rundschau: Herr Appelfeld, sind Sie ein Schoa-Romancier?Aharon Appelfeld: Ich bin ein jüdischer Schriftsteller, kein Holocaust-Autor, selbst wenn ich über diese Zeitspanne schreibe. Ich schreibe darüber, weil mein Leben eng damit verbunden ist. Es gibt ein Buch von Gabriel Garcia... more...

Hitlers «Mein Kampf» auf tschechisch

von Magnus Bennett, October 9, 2008
Trotz heftiger Proteste von jüdischer Seite, Menschenrechtsgruppen und den deutschen Behörden hält der Prager Verlag Otakar II an seiner Absicht fest, eine tschechische Übersetzung von Hitlers «Mein Kampf» in einer Erstauflage von 10 000 Exemplaren zu veröffentlichen, und zwar ohne irgendwelche Fussnoten oder Distanzierungen.
Der Verlag Otakar II, der Hitlers «Mein Kampf» in tschechischer Übersetzung publiziert, hält das Buch für ein «historisches Dokument». Demgegenüber verurteilt der Bund jüdischer Gemeinden in der tschechischen Republik das Unternehmen, und Tomas Kraus, der Exekutivdirektor des Bundes,... more...

Sechs Dollar für ein Pfund Koscher-Huhn

von Miriam Widman, October 9, 2008
Eines schönen Sonntags sassen Gus Axelrod und Stuart Magloff zusammen mit ihren Familien und assen Lachs mit Bagels. An sich nichts Bemerkenswertes, hätte das fröhliche Treffen sich nicht in Shanghai zugetragen. Neben den rund 13 Millionen ständigen, meist chinesischen Einwohnern beherbergt Shanghai im Durchschnitt auch rund 200 Juden. Die meisten, wie die Axelrods und die Magloffs, sind Geschäftsleute. In den letzten Jahren hat sich in Shanghai ein recht reges jüdisches Gemeindeleben entwickelt.
«In China kann man in seiner Karriere früher als in den USA eine wichtigere, verantwortungsvollere Rolle übernehmen», sagt Michael Goldman aus Philadelphia, der seit neun Jahren in China lebt. Magloff, der für die Firma Johnson and Johnson in China arbeitet, war vor allem besorgt darüber, ob... more...

Sind die Gräben überbrückbar?

von George Szpiro, October 9, 2008
Israel hält seine so genannten roten Linien, die sie bei den Verhandlungen in Camp David nicht überschreiten will, geheim, um seine Verhandlungsposition nicht zu schwächen. Eine palästinensische Tageszeitung stellte kürzlich die angeblichen Ausgangspositionen beider Seiten dar. Die Gräben sind noch breit, scheinen aber nicht unüberbrückbar.
Betreffend seiner Verhandlungs-position für die Verhandlungen in Camp David lässt sich die israelische Seite nicht in die Karten schauen. Als der Führer der Shas-Partei am Montag von Ministerpräsident Barak Aufschluss über die roten Linien erhalten wollte, die bei den Verhandlungen in Camp... more...

Vom wahnhaften Ordnungssystem

von Gisela Blau, October 9, 2008
Der Historiker Stefan Mächler und der Filmer Kaspar Kasics waren die ersten, die Recherchen über die antisemitische schweizerische Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs betrieben, darüber schrieben und einen Film drehten. «Closed Country» wird in der deutschen Version dreimal am Filmfestival von Locarno gezeigt. Die Zeitzeugen werden an der ersten Vorführung anwesend sein.
Alle reden nur vom Spielfilm, wenn vom gestern gestarteten Filmfestival von Locarno die Rede ist. Dabei wird am übernächsten Wochenende (12./13./14. August) im Rahmen der «Perspective Suisse» ein Schweizer Dokumentarfilm gezeigt, der bereits im Ausland Aufsehen erregte: «Closed Country», im... more...

Werden Sicherheitskontrollen am Schuleingang unvermeidlich?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Polizeidetektive in Zivilkleidung werden unangekündigte Besuche in Schulklassen durchführen, und sollten sie Informationen über Schüler erhalten, die kalte Waffen mit sich führen, werden die Verdächtigten und ihre Taschen usw. mit Metalldetektoren untersucht. Diesen Vorschlag hat die vom Knessetabgeordneten Matan Vilnai (Arbeitspartei) geleitete Kommission zur Eindämmung der Gewalt unter Jugendlichen ausgearbeitet. Werden Israels Schüler sich demnächst schon der gleichen Untersuchung unterziehen müssen, an die Passagiere auf vielen Flughäfen der Welt sich auch nach Jahrzehnten noch nicht gewöhnt haben?
Mitten in Israels Gesellschaft tickt eine ausserordentlich gefährliche Zeitbombe. Die sechs Jugendlichen, die vergangene Woche in Ober-Nazareth einen Altergenossen zu Tode prügelten, und der 19jährige, der wenige Tage darauf in Jerusalem einen knapp 15jährigen Jüngling erstach, deuten auf ein... more...

Für die Würde der Menschen

von Ursula Haller, October 9, 2008
Die Berner Nationalrätin Ursula Haller setzte sich innerhalb der SVP vehement für ein Nein zur «18-Prozent-Initiative» ein. Dennoch fasst die Partei am Genfer Parteitag die Ja-Parole. Die engagierte Gemeinderätin zeigt im folgenden Artikel auf, dass die differenzierte Betrachtung rund um die Asyl- und Ausländerfrage neue politische Lösungsansätze benötigt und sie plädiert für mehr Platz für Emotionen in der Politik.
Die Volksinitiative «für eine Regelung der Zuwanderung» operiert zwar mit einer klaren Zahl (18 Prozent), doch gleichzeitig auch mit Begriffen, die, weil häufig unklar oder ungenau, einer umfassenden Interpretation bedürfen. Hinter der 18-Prozent-Initiative verbirgt sich jedoch nicht rationale... more...

Endgültige Sicherheit gibt es nicht

von Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, October 9, 2008
Rosch Haschana und Jom Kippur liegen hinter uns. Voller Ernst hat sich der gläubige Jude mit dem Geschehen des vergangenen jüdischen Jahres beschäftigt und über seine Taten Rechenschaft abgelegt. Er suchte, mit sich und seinen Mitmenschen ins Reine zu kommen. Am Jom Kippur hat er neue Hoffnungen geschöpft und den Glauben an die Sinnhaftigkeit seines Daseins. Sukkot vollendet diesen Prozess.
Auf die Tage der Besinnung folgen nicht zufällig die Tage der Freude: Das Laubhüttenfest Sukkot und als Abschluss der Festreihe Schemini Azeret und Simchat Thora, das Fest der Thora. Im 5. Buch Mose (Kap. 16) steht Folgendes: «Das Fest der Hütten sollst du dir begehen sieben Tage, wenn du... more...

Rote Zahlen jenseits der «grünen Linie»

von Yair Sheleg, October 9, 2008
Je länger die so genannten El Aqsa-Intifada andauert, umso stärker betroffen wird die wirtschaftliche Struktur der Siedler in der Westbank und im Gazastreifen. Viele Leute können ihre Arbeitsplätze in Israel oft nicht erreichen, der Tourismus hat aufgehört zu existieren, palästinensische und ausländische Arbeitskräfte bleiben fern und der Maschinenpark in den Fabriken leidet zusehends. Mit einer Kompensation aber dürfen die Siedler im Allgemeinen nicht rechnen.
Bis anfangs November arbeitete R., die in einer Siedlung westlich von Ramallah in der Westbank wohnt, als Lehrerin in einer Primarschule in einer jüdischen Ortschaft im Osten von Ramallah. Zweimal täglich musste sie durch eine Anzahl arabischer Dörfer fahren. Die Unruhen der letzten zwei Monate... more...

«Die Chancen für jüdisches Leben in Deutschland»

Interview Peter Wallach, October 9, 2008
Der Tod von Ignatz Bubis im Sommer 1999 stellte in der Bundesrepublik Deutschland für Juden und Nichtjuden den Verlust einer Identifikationsfigur, einer moralischen Stimme dar. Seit einem Jahr steht Paul Spiegel dem Zentralrat der Juden in Deutschland vor. Im Gespräch mit der JR blickt er auf ein bewegtes Jahr als Zentralratsvorsitzender zurück, die von rechtsextremen Ausschreitungen bis zu landesweiten Solidaritätsmanifestationen reichten.
Jüdische Rundschau: Wie empfinden Sie sich als Nachfolger von Ignatz Bubis?Paul Spiegel: In einer nicht leichten Situation, da die Erwartungshaltung nicht nur von jüdischer Seite aus gross gewesen ist. Ich habe nie versucht, Ignatz Bubis zu kopieren, es war vielmehr mein Anliegen, die Arbeit, die... more...

SIG-Präsident bei der WHO

von Gisela Blau, October 9, 2008
Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) ist ein ausgewiesener Experte in Nuklearmedizin. Das verschaffte ihm eine Anstellung bei der Weltgesundheits-Organisation der Uno (WHO) in Genf, zunächst für sechs Monate.

«Als Ende 1999 bei den ausländischen Truppenkontingenten in Kosovo eine Panik ausbrach, schrieb ich für die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (Deza), für die ich ohnehin tätig bin, einen Bericht über die Literatur und den Wissensstand zur abgereicherten Uran-Munition», berichtet... more...

Angst vor dem nächsten Anschlag

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Seit letzter Woche herrscht in Israels Städten, vor allem in Jerusalem und Tel Aviv, wieder einmal Terror-Alarm. Patrouillierende Polizisten und Soldaten prägen das Strassenbild, und die Durchsuchungen von Fahrzeugen aus der Westbank und dem Gazastreifen wurde merklich verschärft. Zur Steigerung der Nervosität beigetragen hat auch eine Warnung des amerikanischen State Departments an seine Bürger, bei Besuchen Israels und der Gebiete Vorsicht walten zu lassen.
Heute kennen wir die Hintergründe für die jüngsten Sicherheitsmassnahmen in Israels Grossstädten mehr oder weniger. In den letzten Wochen und Monaten haben der israelische Geheimdienst Shabak und die palästinensischen Sicherheitsorgane über 20 Personen aus den Gebieten, aber auch israelische... more...

Einmal mehr - Die letzte Chance?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nach dem wenig spektakulär verlaufenen Tete-a-tete zwischen Barak und Arafat vom Montagabend sitzen nun israelische und palästinensische Unterhändler irgendwo bei Washington und versuchen, mit Hilfe der Amerikaner einmal mehr eine «letzte Chance» zur Erreichung eines Abkommens wahrzunehmen. Zur gleichen Zeit hat in Israel Rechtsberater Rubinstein mit seinem Beschluss, Benjamin Netanyahu nicht vor Gericht zu stellen, möglicherweise wichtige Weichen für das innenpolitische Geschehen im Lande gestellt.
Die Diskrepanzen zwischen Israel und den Palästinensern seien unverändert gross, und der Ball liege jetzt in der israelischen Hälfte des Feldes. Das meinte Abu Ala, Chef-Unterhändler der Palästinenser für das Abkommen über die definitive Regelung, im Anschluss an die Unterredung zwischen... more...

Berühmt durch eine simple Fanfare

von Walter Labhart, October 9, 2008
Sein Ziel hatte er erreicht, Musik zu schreiben, «die sofort als amerikanisch in ihrem Wesen erkannt wurde»: Aaron Copland bildet zusammen mit seinem Freund Leonard Bernstein und mit George Gershwin das Dreigestirn jener Komponisten, welche der amerikanischen Musik des 20. Jahrhunderts ihren Stempel aufdrückten.
Obschon er abendfüllende Bühnenwerke wie die Oper «The Tender Land» und die Ballette «Apalachian Spring» und «Billy the Kid» schrieb, mit seinen drei Sinfonien und mit je einem Klavier- und Klarinettenkonzert grossen Erfolg erzielte, wurde der am 14. November 1900 als Sohn... more...

Die Gretchenfrage - Lernen und/oder arbeiten?

von Shachar Ilan, October 9, 2008
Im Gegensatz zur Situation in Israel begnügen sich in den USA die meisten ultra-orthodoxen Männer nach der Heirat mit einigen wenigen Jeschiwa-Jahren. Einer der Gründe dafür ist der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard. Ein weiterer Grund ist in der Erwartung der Eltern des Paares zu finden, wonach der Ehemann für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen hat. Das amerikanische Modell könnte ein Vorbild für Israel sein.
An der Spitze der Gegner des Unterrichts in allgemeinen Fächern in Mittel- und Hochschulen Israels steht der litauische Zweig der Ultra-Orthodoxie. Als vor einigen Jahren eine ultra-orthodoxe Jeschiwa namens «Ma’arava» in ihr Lernprogramm auch allgemeine Fächer einschloss, lancierte Rabbi... more...

Sharon muss die Talfahrt der Wirtschaft bremsen

von Josef Canaan, October 9, 2008
Die Hiobsbotschaften von der Wirtschaftsfront setzen den designierten Ministerpräsidenten Ariel Sharon unter Druck. Die übliche Gnadenfrist von 100 Tagen, die jedem neu gewählten Regierungschef gegönnt wird, fällt diesmal weg. Nicht einmal 100 Stunden stehen dem Likudboss zur Verfügung, um seine aussen-, sicherheits- und wirtschaftspolitische Marschroute abzustecken. Der Terminkalender lässt ihm keine Verschnaufpause. Die Realitäten zwingen ihn, unter denkbar ungünstigen Rahmenbedingungen Beschlüsse zu fassen.
Er muss laut Gesetz bis zum 27. März eine aktionsfähige Regierung auf die Beine stellen und bis zum 31. März den Haushalt 2001 mit Stimmenmehrheit verabschieden lassen. Sollte ihm dieser Kraftakt misslingen - was in der parlamentarischen Realität Israels absolut möglich ist - stehen Neuwahlen... more...

Schindluder von der Knesset bis zum KH

von Jacques Ungar, October 9, 2008
«Drei Juden wurden im Jemen ermordet, nachdem die jemenitischen Behörden sie der Zusammenarbeit mit Alijah-Gremien in Israel verdächtigten.» Mit dieser vermeintlichen Sensationsmeldung wartete letzte Woche ein gewisser Moshe Nahum vor der Knessetkommission für Einwanderer und Absorption auf.... more...

Frankreichs Vermittlerfunktion

von Hïm Musicant, October 9, 2008
Am 13. November wurde zum 15. Mal das festliche Abendessen des CRIF (Conseil représentatif des institutions juives de France) abgehalten, traditionsgemäss in Gegenwart des französischen Premierministers, diesmal mit einer Rekordzahl von 600 Gästen, darunter fünf Minister und viele Repräsentanten aller demokratischen politischen Parteien. Auch 25 Botschafter gaben sich die Ehre, jener von Algerien zum ersten Mal.
Das Dîner, an dem Lionel Jospin nun zum dritten Mal teilnahm, gibt dem Präsidenten des CRIF jedes Jahr die Gelegenheit, in seiner Rede auf diejenigen Anliegen einzugehen, die die jüdische Gemeinschaft Frankreichs speziell beschäftigen, und ebenso dem Ministerpräsidenten, zu diesen im Namen der... more...

«O Wiederkehr! O Wiederkehr!»

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Arnold Zweigs (1888-1968) 1913 entstandene Erzählung «Quartettsatz von Schönberg» ist ein Dokument der Zerrissenheit zwischen dem erträumten Palästina und dem Kulturbegriff «Europa». Sie gibt ein Bild von den breit gefächerten und einander oft widersprechenden Sehnsüchten eines jungen Zionisten zu Beginn dieses Jahrhunderts.
Die Erzählung kann als letzte eines dreiteiligen Zyklus gelesen werden, der 1912-13 entstand und dessen Protagonist der junge Ostjude Eli Saamen ist. Beschäftigen sich die ersten beiden mit dessen Kindheit in Osteuropa, so wird Saamen in der letzten Erzählung als «Chemiker aus Russland, erzogen... more...

Ohne Visionen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Am letzten Montag in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ): Ein vollbesetzter grosser Saal. Thema: «Europas Juden an der Jahrhundertwende». Referenten: Michael Kohn, Michel Friedman, Ariel Muzicant, Werner Rom (vgl. S. 5). Endlich, nach Jahren der Holocaust-Debatte, machen sich jüdische... more...

Der couragierte Korporal

von Gisela Blau, October 9, 2008
Mit 95 Jahren ist er vergangene Woche in Bern verstorben, bis zuletzt witzig und aktiv, einer der weltläufigsten und unkonventionellsten, auch einer der couragiertesten Schweizer. Den Zweiten Weltkrieg erlebte August R. Lindt am eigenen Leib und – obwohl er «nur» Korporal war - an besonders privilegierter und exponierter Stelle.
Die NZZ widmete Lindt einen feinen Nachruf, den er auch verdiente. Er hat ein vielfältiges Leben geführt, als Diplomat zumal, aber auch als Flüchtlingshelfer an verschiedenen Krisenherden und als Uno-Flüchtlingshochkommissar und IKRK-Delegierter. Berühmt wurde er wegen seines Einsatzes im... more...

Hat der Berg mehr als nur eine Maus geboren?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Der Rat der Thoraweisen der Shas-Partei hat seine vier Minister angewiesen, bei der nächsten Kabinettssitzung, die spätestens am nächsten Sonntag stattfindet, ihre Rücktrittsschreiben zu unterbreiten. Auf den ersten Blick eine dramatische innenpolitische Entwicklung in Israel, doch auf den zweiten Blick könnte sich hinter diesem Schritt eine weitere Finte verbergen, mit welcher Shas dem auf eine möglichst breite Koalition angewiesenen Ehud Barak noch mehr Zugeständnisse abringen will. Barak hat sich inzwischen vom Kabinett mittels telefonischer Abstimmung eine Frist von 14 Tagen für die Entlassung der Shas-Minister geben lassen.
Hat der Berg mehr als nur eine Maus geboren? Diese Frage drängt sich auf, wenn man sich die Verlautbarung zu Gemüte führt, welche der Rat der Thoraweisen der Shas-Partei am Dienstag nach einer Dringlichkeitsberatung hinsichtlich der Koalitionskrise veröffentlichen liess. Pro memoria: Letzte... more...

Spektakuläre Anschläge der Hamas verhindert

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Den palästinensischen Sicherheitsorganen ist es gelungen, in der Westbank-Stadt Nablus ein riesiges Sprengstofflager, vermutlich von der Islamischen Bewegung Hamas, zu entdecken. Dadurch konnte nach Ansicht israelischer Sicherheitskreise eine Reihe spektakulärer Anschläge vereitelt werden.
Zahlreiche Tonnen chemischer Materialien, mit denen mehrere hundert Kilo Sprengstoff hätten hergestellt werden können, hat der palästinensische Geheimdienst dieser Tage in der Westbank-Stadt Nablus entdeckt. Es handelt sich um eines der umfangreichsten Labors von Terroristen, das in den letzten... more...

Der letzte Kick am Fernsehhimmel

von David Braginsky, October 9, 2008
Das visuelle Musikfieber begann in den 80er Jahren. Da eilten die Schüler nach Unterrichtsschluss nach Hause, warfen den Schulranzen in die Zimmerecke und knipsten schon beinahe reflexartig auf Kanal 30 der Fernsehfernbedienung. Während der Aufgaben, dem Essen oder Telefonaten dröhnte fortan ein Musikfeuerwerk aus Pop und Rock in den feinen Stuben der Eltern. Wer dazwischen einen Blick auf die Mattscheibe wagte, musste sich an eine radikal neue Schnitttechnik gewöhnen. Nun ist mit «Swizz» auch die Schweiz auf den Geschmack gekommen.
Videoclips nannte sich ein Novum auf den Bildschirmen und sollte schliesslich trendiger Ausdruck einer neu orientierten Generation der 80er werden. Der britische Musiksender MTV eroberte weltweit die Herzen der Teenies und avancierte zu einem Milliardenkonzern. Wenig Jahre später übernahm der... more...

Keine Rede mehr von einer Sensation

von Jim G. Tobias, October 9, 2008
Michael Diefenbacher, der Leiter des Nürnberger Stadtarchivs, versteht die ganze Aufregung über das wiedergefundene angebliche Original der «Nürnberger Rassegesetze» nicht. Letzte Woche tauchte das Dokument überraschend aus dem Tresor eines amerikanischen Privatmuseums auf (die JR berichtete). «Keinen Pfennig würde ich dafür ausgeben», sagte der Archivar in einem Gespräch mit der Jüdischen Rundschau. Unter Insidern ist seit langem bekannt, dass die Nürnberger ein Original-Manuskript des Nazi-Gesetzes in ihrem Besitz haben.
Doch die Aktenlage ist etwas verzwickt. Von den «Nürnberger Gesetzen», die den Anfang vom Ende der europäischen Juden bedeuten sollten, existierten vier Fassungen. Bereits 1961 publizierte der ehemalige «Rassereferent» im Reichsinnenministerium, Bernhard Lösener, in den... more...

Russisches Fabergé, made in Jerusalem

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Fabergé genannte Gold- und Silberschmiede-Technik stammt ursprünglich aus Russland, doch hat sie in der Jerusalemer Judaica-Szene einen höchst erfolgreichen Anwender gefunden: Bei «Yossi’s Master’s Workshop» gegenüber dem geschichtsträchtigen King David Hotel verbindet man althergebrachte Goldschmiede-Tradition mit Fabergé und hochmodernen High-Tech-Methoden. Mit hörbarem Stolz erzählt «Yossi’s»-Marketingchef Danny Singer, dass das Unternehmen als «der Rolls-Royce unter den Judaica-Geschäften» gilt.
Schon von aussen strömt «Yossi’s Master’s Workshop» an der Jerusalmer King-David-Strasse Eleganz und Besonderheit aus. Beim Betreten des Ladens, der einzeln und auf Bestellung angefertigte Kunstwerke und Judaica offeriert, erlebt der Besucher eine eindrückliche Bestätigung dieses Eindrucks.... more...

Oase für Kängurus

von Doris Herrmann, October 9, 2008
Kängurus in Israel? Nein, das ist keine skurrile Idee, sondern Realität. Im Norden Israels liegt eine Oase der australischen Tier- und Pflanzenwelt. Begonnen hat alles mit der Liebe eines Mannes zur Flora und Fauna des fünften Kontinents. Entstanden ist ein Park, der Jung und Alt zum Verweilen einladet und es den Besuchern erlaubt, auf Tuchfühlung mit den hüpfenden Zeitgenossen zu gehen.
Am Gittertor steht in hebräischen Buchstaben «GAN-GAROO-PARK». Ein würziger Duft steigt in die Nasen der Besucher. Eukalyptusbäume und australische Sträucherarten versetzen die Eintretenden in eine andere Welt. Dass dieser malerische Park seit drei Jahren existiert, ist dem Traum eines Mannes... more...

Unredlicher Umgang mit alten Fakten

von Gisela Blau, October 9, 2008
Unglaublicher Angriff eines Redaktors der Zeitschrift «Beobachter» auf die jüdische Gemeinschaft der Schweiz: Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) der späten dreissiger und frühen vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts soll angeblich die antisemitische Flüchtlingspolitik der Behörden gut geheissen haben. Doch der Artikel, der morgen erscheint, bleibt den Beweis schuldig.

Der «Beobachter» und sein Redaktor Urs Rauber versuchen, einen reisserischen journalistischen «Primeur» zu landen, indem sie den Schweizer Juden eine Mitschuld an der judenfeindlichen Flüchtlingspolitik zwischen 1938 und 1942 in die Schuhe zu schieben versuchen. Doch das ist gründlich daneben... more...

Nicht alle Fragen beantwortet

von Joshua Schuster, October 9, 2008
Der jüngst veröffentlichte Bericht der staatlichen Matteoli-Kommission über die Entwendung von Wertgegenständen aus jüdischem Besitz unter dem pro-nazistischen Vichy-Regime in Frankreich geht zwar weiter als alle bisherigen Berichte, doch nach Meinung zahlreicher Experten konnte Frankreich sich auch mit diesem Bericht noch nicht ganz reinwaschen. Vor allem der Jüdische Weltkongress reagiert kritisch.
Der dieser Tage publizierte Matteoli-Bericht über das Verhalten des Vichy-Regimes gegenüber jüdischem Besitztum im 2. Weltkrieg beantworte nicht alle Fragen, meint der Jüdische Weltkongress (JWK). Vor allem geht es darum, ob die staatlichen Kunstmuseen Frankreichs zugegeben haben, von Juden... more...

Junior-Botschafter für den Frieden

von Esther Müller und Rachel Manetsch, October 9, 2008
Am Freitag vor einer Woche trafen in der Schweiz vier Jugendliche aus Israel zu einer ganz besonderen Mission im Dreiländereck am Oberrhein ein. Die zwei Mädchen und zwei Jungen sollen dort gemeinsam mit 2000 weiteren Jugendlichen zu «Junior-Botschafter des Friedens» ausgebildet werden.
Das Jahr 2000 ist von der UNO zum Jahr der «internationalen Friedenskultur und Gewaltlosigkeit zum Wohle der Kinder der Welt» ausgerufen worden - unter diesem Stern steht auch die Veranstaltung, die sich «kinder-welt-festival» nennt. Sie dauert vom 16. bis zum 25. Juni. Gemeinsam mit Kindern aus... more...

Jüdische Geschichte, Kämpfe, Erfolge

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
«Habt Vertrauen in das Leben, denn das Leben ist stärker als der Tod, und die jüdische Religion betont das Leben ganz besonders.» Diese Botschaft will Lucia Servadio Bedarida der Jugend vermitteln. - Tribut an eine ganz spezielle Frau, die vor kurzem ihren 100. Geburtstag feiern konnte.
«Wenn ich eine Botschaft für die jungen Leute der Gegenwart habe, dann wäre es die folgende: «Habt Vertrauen in das Leben, denn das Leben ist stärker als der Tod, und die jüdische Religion betont das Leben ganz besonders.» Lucia Servadio Bedarida, eine kleine, weisshaarige Ur-Urgrossmutter,... more...

«Es war keine Erpressung»

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Pierre Weill, Wirtschaftsredaktor der «Basler Zeitung» und früher Chefredaktor der Jüdischen Rundschau, legt am 6. September sein erstes Buch vor: «Der Milliarden-Deal» (Weltwoche ABC Verlag). Es handelt vom Vergleich, den die Schweizer Grossbanken mit den jüdischen Organisationen und Sammelklägern in den USA im August 1998 aushandelten. Es behandelt auch die Vorgeschichte, welche die Schweiz in eine Staatskrise stürzte. Die JR sprach mit Pierre Weill.
Jüdische Rundschau: Pierre Weill, warum ein Buch zu diesem Thema?Pierre Weill: Das Thema beschäftigte während rund drei Jahren die Schweiz und auch das Ausland, vor allem die USA. Besonders jüdische Menschen waren betroffen. Es hiess, dies sei die grösste Krise der Schweiz seit dem Zweiten... more...

«Israels Erlösung durch \'Propheten\'»

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Innerhalb des Kreises der Pioniere der Zionistischen Bewegung gehörten der Schriftsteller Achad Ha’am (alias Ascher Ginsberg, 1856-1927) und Martin Buber, die sogenannten Kulturzionisten, zu den heftigsten Widersachern Theodor Herzls und Max Nordaus. Vor allem Achad Ha’am argumentierte von Anfang an gegen das nationale Konzept und die Staatsidee Herzls. Dass er dabei, wie zuweilen behauptet wird - und wie Buber es teilweise tatsächlich tat -, den Begriff «Judentum» bloss mit «romantischen» Inhalten gefüllt und sie den «pragmatischen» politischen Ideen Herzls gegenübergestellt habe, ist eine Unterstellung, wie eine Lektüre seiner Kritik am Ersten Zionistenkongress von 1897 zeigt.
Dass jemand vor dem langfristigen Urteil der Geschichte Unrecht behält, heisst noch nicht, dass seine Situationsanalyse zu ihrer Zeit falsch war. Achad Ha’am schrieb im Anschluss an den Ersten Basler Zionistenkongress eine kurze Kritik, die so scharf ausfiel, dass er sich nach den empörten... more...

Grosses Stück vom türkischen Kuchen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Im Vordergrund der israelischen Aussenpolitik standen in der Berichtswoche die sich immer enger gestaltenden Beziehungen zwischen Ankara und Jerusalem. Premier Barak stattete der Türkei Anfang Woche einen Blitzbesuch ab, wobei neben einer Steigerung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet des High-Tech und der Wasserwirtschaft vor allem engere Beziehungen im Rüstungsbereich stehen. Was den Friedensprozess angeht, so bedeuten die diese Woche erfolgte Öffnung einer Transitstrasse vom Gazastreifen in die Westbank und die Ernennung eines israelischen Chefunterhändlers sicher Fortschritte, doch generell läuft alles eher zähflüssig ab.
Der Besuch von Israels Premierminister Ehud Barak in der Türkei dauerte am Montag zwar weniger als 24 Stunden, doch stufen alle Beteiligten ihn als sehr wichtig ein. Vordergründig galt die Visite der Einweihung einer Wohnsiedlung, die Israel den kürzlich von einer Erdbebenkatastrophe... more...

Rabbiner und Golan

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Golanhöhen seien ein integraler Bestandteil des Landes Israel, das «den Stämmen Israels durch göttliche Fügung übergeben worden sei, wie es in unserer heiligen Torah geschrieben steht». So lautet der Kernsatz einer Verlautbarung prominenter zionistischer Rabbiner in Israel unter Führung... more...

Vom Schiff ins Lager

von Edgar Asher, October 9, 2008
Dort, wo einst an Israels Mittelmeerküste, 15 Kilometer südlich von Haifa, das Internierungslager Atlit für illegale Immigranten gestanden hat, ist es heute ruhig und still. Zwischen 1939 und 1948 lebten dort die von den Briten aufgebrachten Einwanderer in 80 langen, rechteckigen Holzhütten. In jeder Hütte wohnten etwa 40 Menschen. Nach der Gründung des Staates Israel wurde Atlit zu einem Transitlager für Neueinwanderer. In den 70er Jahren hob man das Lager auf, und es fiel allmählich in sich zusammen. Von den ursprünglichen Gebäuden blieben nur ganz wenige übrig, und heute kann man sich nur noch schwer vorstellen, dass dort einst tausende von Juden einsassen, die bei ihrem Versuch, ins Land Israel zu immigrieren, den Briten in die Hände geraten waren.
1939 veröffentlichte Grossbritannien als Mandatsmacht über Palästina ihr sogenanntes «Weisspapier», das die Zahl der jüdischen Einwanderer für die kommenden fünf Jahre auf 75000 fixierte. Zwischen Mai und September jenes Jahres waren bereits 15000 «Illegale» eingetroffen. Die Briten... more...

«Wir sind an die Gesetze gebunden»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
In Äthiopien, einem von Hungersnöten und Krankheiten heimgesuchten Land, warten rund 26 000 Falashmura-Juden, die aus diversen Gründen zum Christentum konvertiert sind, jetzt aber wieder zur ursprünglichen Religion zurückkehren wollen - auf die Einwanderungserlaubnis nach Israel, wo die meisten von ihnen Familienangehörige haben. Innenminister Natan Sharansky, der diese Woche in Äthiopien weilte, schliesst aber die Aufnahme aller Falashmura kategorisch aus.
Israel wird nicht alle der rund 26 000 Falashmura, die heute in Lagern in der äthiopischen Hauptstadt Adis Abeba und in der Provinz Gondar auf die Immigrationspapiere des jüdischen Staates warten, aufgrund des Rückkehrergesetzes oder des Einreisegesetzes zwecks Familienzusammenführung nach... more...

Eine Regierung in der Schwebe

October 9, 2008
Die Spannungen, die die Vorbereitung des Abzugs der israelischen Kräfte aus dem Libanon begleiten, die schweren Unruhen in weiten Teilen der Autonomie-Gebiete und die andauernden Koalitionskrisen waren drei der Gründe für Baraks Beschluss, seinen Besuch in Washington zu verschieben. Es war... more...

Baraks Mandat vom Volk

October 9, 2008
Historisch ist ein Wort, das im Hinblick auf den Gipfel in Camp David oft benutzt wird. Von der «Stunde der Wahrheit» sprechen nicht nur die Unterhändler, die seit Jahren nach akzeptablen Lösungen für die grossen Streitpunkte suchen: die künftigen Grenzen, der Status von Jerusalem, das... more...

«Belastende Beschäftigung»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Gegenwärtig prüfen fünf europäische Versicherungskonzerne, darunter die «Winterthur» und die «Zürich», ob sie die Kommission verlassen sollen, die von Lawrence Eagleburger, ehemaliger amerikanischer Aussenminister, präsidiert wird und die Ansprüche von Holocaust-Opfern behandelt.
Kommissionspräsident Eagleburger lehnte alle Vorschläge der Versicherer ab, stellte sich auf die Seite der Opfer und teilte den Konzernen am vergangenen Freitag mit, wie er seine Auffassung in vier Hauptbereichen durchsetzen will. Es geht um Versicherungsverträge aus Osteuropa und welchen Wert... more...

Knesset / Regierungsbildung - Die Verteilungvon Ämtern und Ministerien steht erst noch bevor

von Georg Szpiro, October 9, 2008
Noch bis zum 9. Juli hat Ehud Barak Zeit, sein Kabinett zu bilden, und ungeachtet aller Schwierigkeiten wiederholte der designierte Regierungschef noch am Dienstag seine Entschlossenheit, dies vor dem ihm gesetzten Termin zu tun. Dabei ist er sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass ihm in bezug auf die Ämterverteilung nicht zuletzt auch innerhalb der eigenen Reihen noch ernsthafte Probleme erwachsen könnten, stehen ihm letzten Endes nur noch gerade drei Ministerposten zur Verteilung unter seinen Parteigenossen zur Verfügung.
Unaufhaltsam rieselt der Sand in Ehud Baraks parlamentarischer Sanduhr herab, und noch immer ist in Jerusalem kein «weisser Rauch» zu sehen. Der designierte israelische Premierminister, dessen (allerdings verlängerbare) Frist für die Bildung einer Regierung am 9. Juli abläuft, ist zwar nach wie... more...

Israel im Korb

von Olivier R. Lasowsky, October 9, 2008
Am 11. Oktober 2000 wird an der Schweizer Börse SWX Swiss Exchange der «Israeli New and Old Economy Basket 5761» für den Handel freigegeben. Philippe Bollag, First Vice President der Bank Hofmann, war die treibende Kraft hinter der Planung und Realisierung des weltweit ersten israelischen «Investmentkorbes» mit «New und Old Economy»-Titeln. Die Zeichnungsfrist dauert bis am 22. September 2000.
Die Aktien- und Kapitalmärkte Israels regen schon seit einigen Jahren Philippe Bollags professionelles Interesse. Aus seiner Sicht bietet die wirtschaftliche Lage Israels zum jetzigen Zeitpunkt eine Investitionsnische. Zwar berge die politische Lage im Nahen Osten noch immer ein «gewisses... more...

Bücher und Ausstellung

von Alexis Caneem, October 9, 2008
Es gibt Fotos, die in der jüdischen Welt wohl fast jeder kennt. Zu diesen gehört auch der«Schabbesklopfer» (Shabes klaper), ein einfach gekleideter Mann, der mit einem Hammer an einen etwas schäbigen Fensterladen klopft. Dieses Bild, das 1926 von dem Fotografen Alter Kaczyne aufgenommen, einen Ausschnitt aus dem Leben polnischer Juden in Byale zeigt, kann man gegenwärtig in einer Ausstellung im Hessischen Rundfunk in Frankfurt/Main gemeinsam mit 150 weiteren Aufnahmen betrachten, die «Polyn, eine untergegangene jüdische Welt» zeigen. Anlass für diese Fotoschau, die ansonsten im New Yorker Yivo-Archiv aufbewahrt wird, ist die Präsentation eines neuen Bildbandes vom Aufbau-Verlag, der pünktlich zur Frankfurter Buchmesse der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Über 7000 Verlage aus mehr als hundert Ländern bieten diesmal ihre Werke an, von denen viele Neuerscheinungen sind. CD-ROM und andere neuen Medien werden verstärkt vorgestellt und ein Projekt der Buchmesse «Faszination Comicî wirbt dafür als Kunstform ernst genommen zu werden. Auch wird die... more...

Kairo und Jerusalem

October 9, 2008
Zum zweiten Mal seit Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Ägypten und Israel vor über zwanzig Jahren rief Kairo seinen Botschafter unbefristet ab und liess die Vertretung auf der bescheideneren Geschäftsträger-Ebene. Das erste Mal geschah es während des Libanon-Krieges, nach dem... more...

«Wir haben Grund für Optimismus»

von Sharon Samber, October 9, 2008
Während George W. Bush sich auf die Übernahme des höchsten Amtes der USA vorbereitet, verbreitet sich unter den orthodoxen Juden Amerikas die Hoffnung, in den nächsten Jahren im Weissen Haus auf ein offeneres Ohr zu stossen, als dies in der Ära Clinton der Fall gewesen ist. Gruppen wie die Agudat Israel und die «Orthodox Union» bauen darauf, dass Bush und seine Leute der Religion einen zentralen Platz im öffentlichen Leben einräumen.
Schon sehr frühzeitig machen die orthodox-jüdischen Gruppen der USA sich beim designierten Präsidenten Bush bemerkbar. Das zeigt, wie sehr ihnen daran gelegen ist, Bush bei Angelegenheiten wie den so genannten Schul-«Voucher» für sich zu gewinnen. Dabei geht es um staatliche Finanzen für die... more...

21 Organisationen geächtet

von Richard Allen Greene, October 9, 2008
Jüdische Gruppen in Grossbritannien begrüssen ein neues Gesetz, das 21 Organisationen verbietet, die nach Ansicht der Londoner Regierung terroristischen Aktivitäten nachgehen. Auf der Liste befinden sich Namen wie der militärische Flügel von Hamas und die Hizbollah.

Nachdem in Grossbritannien letzte Woche die neue anti-Terror Gesetzgebung in Kraft getreten ist, hat Innenminister Jack Straw eine Liste vermuteter Terrororganisationen veröffentlicht. Falls das Parlament die Liste verabschiedet, wird es zum Verbrechen werden, diesen Organisationen anzugehören,... more...

Armes Palästina

von Jaques Ungar, October 9, 2008
Kaum einen anderen Länderpavillon habe ich an der Weltausstellung «Expo 2000» in Hannover genauer betrachtet als den palästinensischen. Gleich zweimal habe ich mir den Palästina-Film zu Gemüte geführt und vesucht, dabei objekiv und distanziert zu bleiben. Es ist mir leider nicht gelungen. Der... more...

Der Judenmord von Payerne

von Hans Stutz, October 9, 2008
Arthur Bloch, Viehhändler, seit fünfundzwanzig Jahren verheiratet mit Myria geborene Dreifuss und Vater zweier Töchter, Liliane und Eveline, wohnhaft in Bern, Monbijoustrasse 51, verlässt vier Tage vor Adolf Hitlers dreiundfünfzigstem Geburtstag kurz vor fünf Uhr morgens seine Wohnung. Er werde gegen zwei Uhr nachmittags zurückkehren, sagt er zu seiner Frau. Zu Fuss geht er den kurzen Weg zum Bahnhof und steigt in den Frühzug, der über Kerzers und Avenches nach Payerne fährt. Fahrplanmässige Ankunft 6 Uhr 18. Er beruhigt Myria mit einem Telefonanruf, er sei gut gereist und wohlbehalten angekommen.
Seit rund dreissig Jahren besucht Arthur Bloch die Viehmärkte der Schweiz, kauft und verkauft Rinder, Stiere und Kühe. Und seit Jahren plagt Myria die Ahnung, ihrem Gatten werde einmal etwas Furchtbares passieren, wenn er in Geschäften über Land reist.Am 16. April 1942, frühmorgens, liegt... more...

«Verhandelt wird erst, wenn die Waffen schweigen»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Der grosse Saal der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) war am Dienstagabend gut besetzt. Sogar Pensionäre des Alterswohnheims Sikna waren mit Direktor Kaufmann und Jolanda Emch gekommen, um die Meinungen der zweibekannten Israel-Korresspondenten Jacques Ungar (JR undRadio DRS) sowie George Szpiro (NZZ und JR) zu hören. Das Thema des von der scheidenden ICZ-Kulturchefin Gabrielle Rosenstein organisierten Abends lautete: «Wie weiter in Nahost?» Die Fragen aus dem Publikum moderierte zum Schluss der Journalist Sacha Wigdorovits.

Die Palästinenser hätten den israelischen Rückzug aus dem Libanon als Lehrstück betrachtet, und ihr Präsident Yassir Arafat habe beim Treffen von Camp David keine Vollmacht für Kompromisse besessen. Ausserdem schiesse er gerne aus der Hüfte und habe sich die Gewalt immer als Hintertür... more...

«Ich bin fest entschlossen, Premier zu werden»

October 9, 2008
Knessetsprecher Avraham Burg hat sich bereits entschieden und seinen Beschluss der Familie mitgeteilt. Jetzt geht er an die Öffentlichkeit. Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wird er seine Kandidatur für das Amt des israelischen Premierministers erklären. «Wenn ich die Möglichkeit habe», sagt er, «das Leben auch nur eines Israeliten oder Ismaeliten zu retten, muss ich es tun. Mache ich es nicht, bin ich ein halber Mörder, bin ich halb schuldig.» - Das Gespräch mit Avraham Burg führte Ari Shavit.
Jüdische Rundschau: Avrum Burg, werden Sie in ein paar Jahren Premierminister sein?Avraham Burg: Ja. Ich spüre, dass die israelische Mentalität heute grösstenteils bereit ist, ein neues Modell des Premierministers zu akzeptieren - ein ziviler Premier, der nicht in den Schützengräben geformt... more...

Ein umstrittenes Büro

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Seit sieben Jahren schon leitet Annick Tonti das schweizerische Verbindungsbüro zur palästinensischen Autonomie. Das ist viel länger als normalerweise üblich. Einmal hat die Eidgenossenschaft die Kadenz der Entwicklungshelferin auf deren Wunsch hin verlängert, doch jetzt kam man «im... more...

Für Sharon ist Arafat ein «Feind, Lügner und Mörder»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Der israelische Wahlkampf lässt die Bevölkerung mehrheitlich gleichgültig, und es macht den Anschein, als ob das Rennen eigentlich schon gelaufen sei. Die leichte Verbesserung der Position Baraks in den Meinungsumfragen darf nicht überbewertet werden&#059; nach wie vor verfügt Sharon über einen gewaltigen Vorsprung. Das hat wahrscheinlich die Palästinenser veranlasst, sich noch einmal mit den Israelis an den Tisch zu setzen (diesmal in Taba), denn die «echte Katastrophe» eines Sharon-Siegs (Originalton Arafat) will man nach Möglichkeit abwenden. Ob die Zeit dazu noch reicht, ist allerdings eher zweifelhaft, vor allem nachdem Barak die Verhandlungen am Dienstagabend nach der Ermordung zweier Israelis in der Westbank zunächst suspendiert hat.

Ohne noch übermässiges Interesse zu erwecken oder wesentliches an bereits gefassten Meinungen ändern zu können, plätschert der israelische Wahlkampf vor sich hin. Etwas Leben ins Geschehen können höchstens noch die regelmässig durchgeführten Umfragen bringen, oder «Spezialereignisse», wie... more...

Provokativ?

von Edgar Asher, October 9, 2008
Was ist provokativ an einem kurzen Besuch von sieben Likud-Abgeordneten an der heiligsten Stätte des Judentums? Die von der Palästinensischen Behörde orchestrierte Reaktion ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Palästinenser ein echter, dauerhafter Friede mit Israel gar nicht interessiert.... more...

Auch Internet hat seine Grenzen

von Joshua Schuster, October 9, 2008
Frankreich hat die Behauptung widerlegt, Internet kenne keine Grenzen. In Paris bestätigte ein Richter einen früheren Gerichtsbeschluss, wonach der amerikanische Internet-Portal Yahoo! in Frankreich den Zugang zu Auktionen verschliessen muss, in welchen Nazi-Souvenirs zum Kauf offeriert werden.
Der Beschluss der französischen Gerichtsbarkeit gegen Yahoo! ist eine Stärkung für die wachsende Meinung, mit Gesetzen und Beschränkungen die Vorgänge im Internet unter Kontrolle zu bekommen. Das gilt vor allem für die Verbreitung von Hass-Informationen und -Materialien. Unter Bezugnahme auf... more...

De facto hat Arafat «nein» gesagt

October 9, 2008
Zweimal ersuchte US-Präsident Clinton PLO-Chef Yasser Arafat am vergangenen Wochenende um klare Antworten auf seine Vorschläge. Arafat wich aber zweimal aus. Clinton wollte, dass die Palästinenser dem Beispiel Israels folgten und ihm eine eindeutige Antwort übermittelten. Alles aber, was von... more...

Briten haben kalte Füsse bekommen

von Richard Allen Ggreen, October 9, 2008
Auch verschiedene hochrangige Solidaritätsreisen nach Israel können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der britische Tourismus in den jüdischen Staat seit Ausbruch der el Aksa-Intifada Ende September letzten Jahres drastisch zurückgegangen ist.

Thomson Travel, der grösste britische Anbieter von Reisearrangements nach Israel, hat zum Jahresende alle Israel-Pläne gestrichen, und wegen des gesunkenen Interesses hat die Fluggesellschaft El Al einen Teil ihrer wöchentlichen Flüge annulliert. Thomas Cook, eines der grössten Reisebüros in... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Erpressung? Eigenartig: Wenn zwei dasselbe tun, ist es offenbar in der Schweiz nicht das Gleiche. Als amerikanische Finanzbeamte in den letzten beiden Jahren mit dem Boykott von schweizerischen Banken und Unternehmen drohten, wenn nicht eine Zahlungsvereinbarung zugunsten von Holocaust-Überlebenden... more...

90 Minuten Dokumentar-Thriller

von Tom Tugend, October 9, 2008
«One Day in September», der Film, den die Londoner Passion Pictures zusammen mit dem Basler Produzenten Arthur Cohn herstellte, kombiniert Spannung und dokumentarische Authentizität. Zahlreiche überlebende Teilnehmer der deutschen, israelischen und arabischen Seite rund um das Münchner Olympia-Massaker von1972 rekonstruieren das blutige Geschehen, enthüllen, was sich hinter der Szene abspielte und beantworten Fragen, die mehr als 27 Jahre ein Rätsel gebildet hatten.
Der 90 Minuten lange Streifen «One Day in September», dessen Produktion mehr als zwei Jahre beanspruchte und in dem Michael Douglas als Erzähler auftritt, wurde vor der Basler Vor-Premiere von heute Donnerstagabend zugunsten der Emunah bisher erst einmal im privaten Rahmen in Los Angeles gezeigt,... more...

Revolutionäres Urteil

October 9, 2008
Das Urteil des Obersten israelischen Gerichtshofes, das der Bodenbehörde untersagt, bei der Vergabe von Staatsland zwischen jüdischen und arabischen Bürgern zu diskriminieren, ist ein Tribut an das Prinzip der Gleichberechtigung. Der Fall betrifft das israelisch-arabische Ehepaar Qadan, dessen... more...

Es war falsch, zu lachen

October 9, 2008
Als mir 1995 in einem Brief mitgeteilt wurde, David Irving wolle mich verklagen, weil ich ihn einen Holocaust-Leugner genannt hatte, reagierte ich genau gleich wie 20 Jahre zuvor, als ich zum erstenmal überhaupt von Holocaust-Leugnern gehört hatte: Ich lachte. Warum sollte ich das ernst nehmen?... more...

Teheran macht unbeirrt weiter

von Amir Oren, October 9, 2008
Gemäss Vermutungen des israelischen Geheimdienstes wird Iran in den kommenden Wochen einen zweiten Test seiner ballistischen Boden-Boden-Rakete «Shihab 3» unternehmen. Die Vorbereitungen für diesen Versuch mit der rund 1300 km weit fliegenden Rakete lösen in Israel und im Westen Beunruhigung aus. Der erste Test dieses Geschosses, das jeden Punkt in Israel treffen kann, fand im Juli 1998 statt.
Der israelische Lenkungsausschuss für Waffenkontrolle trat kürzlich unter der Leitung von Generalmajor (Res.) Gideon Shefer, dem amtierenden Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrates, zusammen, um sich mit dem iranischen Raketenprogramm zu befassen. Dem Ausschuss gehören Vertreter der... more...

«Die Todesstrafe muss weltweit abgeschafft werden»

Marc D. Herzka, October 9, 2008
Der neue Jahresbericht Amnesty International ist soeben erschienen. Während die Verfasser dieses Menschenrechtsberichtes Israel - im Vergleich zum Vorjahr - etwas bessere Noten erteilen, gehen sie mit den meisten arabischen Staaten hart ins Gericht. Insbesondere Saudiarabien und dem Iran, aber auch Ägypten und Syrien werden massive und systematische Verletzungen der Menschenrechte vorgeworfen.
Israel hält Amnesty International (ai) in seinem jüngsten Jahresbericht zugute, dass der Oberste Gerichtshof im September 1999 verschiedene Verhörtechniken des Allgemeinen Geheimdienstes (General Security Service - GSS) für ungesetzlich erklärte, wodurch die «Praxis der von offizieller Seite... more...

Noch 240 Jahre bis zum Millennium

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Für das jüdische Volk steht der sechste Millenniumswechsel bevor: in 240 Jahren. So lange - noch rund zehn Generationen - dauert es bis zum Jahr 6000 des jüdischen Kalenders. Routine, möchte man annehmen, nicht zu vergleichen mit der Hektik und der sich im Aberglauben verheddernden Nervosität der westlichen Hemisphäre vor dem Datumswechsel am kommenden 31. 12. 1999 (vgl. Editorial). Die unentwegte Flucht in die Tagespolitik verhindert allerdings die Wahrnehmung von Chancen oder Bedrohungen. Beide stehen uns in den nächsten Jahren bevor und beide haben sie denselben Ursprung in der Erkenntnis deren Vorhandenseins. Am Vorabend zu Rosch Haschana muss daher abseits der Tagesgeschehen der Versuch unternommen werden, einen Blick in die langfristige Zukunft zu wagen.
Fünfzig Jahre nach den Zäsuren Shoa und der Staatsgründung Israels wäre es verfehlt mit sorgloser Gewissheit dem Jahr 6000 entgegenzublicken. Ganz im Gegenteil und zum Trotz all derjenigen, die sich dem fatalen Tagesgeschäft vermeintlicher jüdischer Existenzsicherung verschrieben haben: Nach... more...

Mossad-Prozess in Lausanne?

von Gisela Blau, October 9, 2008
In einer ruhigen Winternacht, am 19. Februar 1998, erwachte in Köniz bei Bern eine ältere Dame wegen eines ungewohnten Geräusches: ein Auto mit laufendem Motor, in der Schweiz ein unerhörtes Vergehen. Sie rief die Polizei an. Und damit nahm eine Geschichte ihren Lauf, die bis heute nicht aufgedeckt ist.
Zwei Uniformierte in einem Streifenwagen erschienen und sahen eine Anzahl Leute in merkwürdigen Situationen. Vor dem Wohnblock schien ein Mann einen Herzanfall zu erleiden, und eine Frau kümmerte sich um ihn. Im Keller waren eine weitere Frau und zwei Männer in eine heisse Liebesszene vertieft.... more...

Hoher Zeitdruck, viele Probleme

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Trotz des relativ glimpflich verlaufenen Anschlags vom Sonntag in Netanya haben israelische und palästinensische Verhandlungsteams wie vorgesehen am Montag die Gespräche über die permanente Regelung begonnen. Beide Seiten machen sich keine Illusionen über die abgrundtiefe Kluft zwischen den Positionen, glauben aber dennoch, die Rahmenbedingungen termingerecht bis zum 15. Februar 2000 abstecken zu können. Für die Palästinenser stellt bekannterweise die Siedlungstätigkeit das Haupthindernis auf dem Weg zu einer stabilen Lösung dar, aber auch Ehud Barak dürfte mit den Siedlern zusehends Probleme bekunden. Mit dem Befehl zur Räumung des illegalen Aussenpostens Maon liess er am Mittwoch durchblicken, dass er sich nicht durch ideologische Hardliner von seiner Friedenspolitik abbringen lassen wird.
Yasser Arafats Spekulation, der Sprengstoffanschlag vom letzten Sonntag in Netanya, bei dem 34 Personen verletzt wurden, sei Bestandteil von Auseinandersetzungen innerhalb der israelischen Mafia, dürfte sich kaum erhärten. Israelische Sicherheitskreise vermuten hinter dem wie durch ein Wunder... more...

Hat der Mossad Assads Urin geprüft?

von Douglas Davis, October 9, 2008
Als Hafez el-Assad im letzten Februar aus Anlass von König Husseins Beerdigung in Amman weilte, soll es dem israelischen Geheimdienst Mossad gelungen sein, sich eine Urinprobe des syrischen Präsidenten zu beschaffen. Das zumindest behauptet die Londoner «Sunday Times».

Möglicherweise war Syriens Präsident Hafez el-Assad mächtig beeindruckt, als er feststellte, dass speziell für ihn eine Toilette installiert worden war, als er im vergangenen Februar in Amman weilte, um an der Beerdigung des jordanischen Königs Hussein teilzunehmen. Sicher wäre er weniger... more...

«Historisches Verantwortungsgefühl»

von Naomi Segal, October 9, 2008
Aus einem «historischen Verantwortungsgefühl» heraus hat Israel beschlossen, die Memoiren zu veröffentlichen, die Adolf Eichmann 1962 vor seiner Hinrichtung in der israelischen Gefängniszelle geschrieben hat.
Der Beschluss, die Eichmann-Notizen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, folgte auf Beratungen im israelischen Justizministerium zur Frage, ob die amerikanische Wissenschafterin Deborah Lipstadt die Unterlagen in dem Londoner Prozess benutzen darf, in dem sie vom britischen Holocaust-Leugner... more...

Ein ahasverischer Dichter

von Walter Labhart, October 9, 2008
Er hiess Isaac Lang, nannte sich Iwan Lazang, Tristan Torsi und Johannes Thor, ging aber als Iwan Goll in die Geschichte der modernen deutschen und französischen Literatur ein, die er zu verschiedenen Zeiten mitschrieb. Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod, der am 27. Februar 1950 in Paris erfolgte, nachdem Leukämie die letzten Lebensjahre im amerikanischen Exil überschattet hatte, ist von seinem umfangreichen Schaffen im Buchhandel kaum mehr etwas lieferbar.
Mit Gedichten, die auf Paul Celan und jüngere Autoren starken Einfluss ausübten, mit pazifistischen Manifesten und Romanen, mit Bühnenstücken wie dem auf das absurde Theater vorbereitenden satirischen Drama «Methusalem oder Der ewige Bürger» (1922) und mit Erzählungen, die er teilweise mit... more...

Baraks Wette

October 9, 2008
Auf die Frage, ob sie angesichts des erzwungenen raschen Rückzugs aus Libanon ein Gefühl der Niederlage hätten, antworteten mit einer Ausnahme alle befragten hohen IDF-Offiziere, sie stünden unter dem Eindruck, einen Misserfolg erlebt zu haben.Das ist verständlich, aber nicht unbedingt... more...

«Katalysator für historische Selbstreflexion»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Bereits am mit Spannung erwarteten Schlussbericht samt einzelnen Studien arbeitet die Unabhängige Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (UEK), die nach ihrem Präsidenten auch Bergier-Kommission heisst. An einem Werkstattgespräch erläuterten Kommissionsmitglieder und wissenschaftliche Mitarbeiter den Stand der Arbeit.
Hohe Ansprüche an die Lesbarkeit werden beim Schlussbericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz- Zweiter Weltkrieg (UEK) vorherrschen, sagte Professor Jakob Tanner am Werkstattgespräch der vergangenen Woche. Die Abschlussarbeit (gegen 6000 Seiten) wird aus 22 einzelnen Forschungsarbeiten... more...

Ziel war der Jude

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Was die Motive des Messerstechers betrifft, dem in Zürich der israelische Tourist Yehuda Eli Naftali beinahe zum Opfer gefallen wäre, tappen die Behörden grösstenteils noch im Dunkeln. Immerhin hat der Mann zugegeben, es auf einen Juden abgesehen zu haben; was die Diskussion bereits einengt und... more...

Ist das der Tod der Kurdenfrage?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Mit dem erstinstanzlichen Richterspruch «Tod durch Erhängen» gegen Kurdenführer Öcalan geht in Europa wieder die Debatte um die Todesstrafe los. Zuletzt war dies hier in den 60er Jahren der Fall, als Adolf Eichmann, der «Konstrukteur der Konzentrationslager», in Jerusalem vor Gericht sass.... more...

Baraks seltsame Zick-Zack-Politik

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Bis zum 30. Oktober, dem Beginn der Wintersession der Knesset, hat Israels Premierminister Ehud Barak Zeit, das Unmögliche doch noch möglich zu machen und eine lebensfähige Koalition auf die Beine zu stellen. Nach diesem Datum dürfte der Likud in seinen Bemühungen, Barak zu stürzen, kaum noch aufzuhalten sein. Dem Bestreben Baraks stehen die eskalierenden Spannungen zwischen der Israelischen Arbeitspartei einerseits und dem religiösen Block und den israelischen Arabern andererseits im Wege sowie die offensichtlich weiter stagnierenden Verhandlungen mit den Palästinensern. Hier offerierte Barak am Dienstag ein seltenes Beispiel für politische Zick-Zack-Politik, unterbrach er die Verhandlungen doch zuerst, kam nach wenigen Stunden aber wieder auf seinen Beschluss zurück.
Sind die israelischen Abgeordneten am 30. Oktober erst einmal zu ihrer Wintersession zusammengetreten, wird die Opposition mit Volldampf versuchen, ihre derzeitige wichtigste Raison-d’être, den Sturz der Regierung Barak, zu verwirklichen. Bereits haben 60 Parlamentarier, die Hälfte des Plenums... more...

Klare, offene Strategie

von Charles Krauthammer, October 9, 2008
Einmal mehr erscheint über dem Nahen Osten die grosse Sphinx. Yasser Arafat stellt alle vor ein Rätsel. Die meisten Menschen im Westen sind nun mit der Wirklichkeit konfrontiert, hat doch Arafat, wenige Wochen nachdem ihm ein grosszügiger Frieden offeriert worden war, einen Krieg vom Zaune... more...

Antisemitische Attacken ohne Ende

von Jeremy Jones, October 9, 2008
Jüdische Persönlichkeiten in Australien sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der nicht abreissenden Kette antisemitischer Akte in ihrem Lande und dem Geschehen im Nahen Osten. Seit anfangs Oktober wurden über 100 Zwischenfälle gemeldet.

Die antisemitische Welle, die Australien gegenwärtig heimsucht, macht sich vor allem in Neu-Südwales bemerkbar, dem am dichtesten bevölkerten Staate des Landes, in dem auch die Millionen-Stadt Sydney liegt. Mehr als 50 derartiger Zwischenfälle wurden seit anfangs Oktober alleine in Neu-Südwales... more...

Ein Jahr Wiener-Regierung

von Anton Legerer, October 9, 2008
Am kommenden Sonntag feiert die Mitte-Rechts-Regierung in Wien - eine Koalition aus der Freiheitlichen Partei FPÖ und der konservativen Volkspartei ÖVP unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) - ihren ersten Geburtstag. Trotz internationaler Buh-Rufe und bilateraler Boykott-Massnahmen, die... more...

Jüdischen Kunden geht es besser

von Richard Allen Greene, October 9, 2008
Zumindest was die Maul- und Klauenseuche betrifft, ist es in Grossbritannien gut, der jüdischen Religion anzugehören. Seit Ausbruch der Seuche im letzten Monat, haben Juden, die die Kaschrut-Gesetze beachten, wenige Nachschubprobleme bekundet, als der Rest der britischen Bevölkerung.

Um den unter Tieren extrem ansteckenden Virus unter Kontrolle zu bekommen, haben die britischen Behörden die Bewegungsfreiheit des Viehs stark eingeschränkt. So können die Tiere nicht vom Bauernhof zum Schlachthaus transportiert werden, was für viele Metzgereien mit einem rasanten Schwund des... more...

«Ich webe euch ein Leichentuch»

von Andrea Wamsler, October 9, 2008
Im Museum im Lagerhaus in St. Gallen sind bis zum 28. Oktober rund 200 Werke von Rosemarie Ko zy zu sehen.In ihren Zeichnungen will die 1939 in Recklinghausen geborene Deutsch-Jüdin an die in den Nazi-Konzentrationslagern Ermordeten erinnern und jeden Einzelnen würdig beerdigen.
Vor dem fast schwarzen, wellenartigen, eine textile Struktur nachahmenden Hintergrund zeichnet sich der schmale, abgemagerte Körper einer menschlichen Gestalt ab. Vergeblich suchten die übergrossen Hände den nackten Körper mit einer umarmenden Geste zu schützen. Riesige, stumpfe Augen... more...

«Der katastrophale siebte Tag»

October 9, 2008
Der Philosoph Jeshajahu Leibowitz ( gestorben 1998) galt über Jahre hinweg als einsamer Mahner bezüglich der sich für Israel langfristig fatal auswirkenden Situation nach dem Sechs-Tage-Krieg. Leibowitz, orthodoxer Jude, engagierte sich vehement gegen die Gewaltanwendung und rüttelte mit provokativen Äusserungen die israelische Gesellschaft auf. Die JR publiziert nachstehend Auszüge aus dem Band «Gespräche über Gott und die Welt», die Michael Shashar mit Leibowitz bis zum Jahre 1987 führte und die Einblicke in Leben und das weitsichtige Werk des Gelehrten geben.
Michael Shashar: Prof. Leibowitz, wie sieht Ihr politisches Programm für die Lösung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern aus?Jeshajahu Leibowitz: Mein politisches Programm fordert die Teilung des Landes zwischen dem jüdischen und dem palästinensischen Volk. Ich lehne den... more...

Balanceakt oder feiges Taktieren

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Schlagzeilen der israelischen Zeitungen präsentierten sich am Dienstag in etwa wie folgt: Zuoberst figurierte die schwere Verletzung einer 24-jährigen Frau, die am Fenster ihrer Wohnung im Jerusalemer Viertel Gilo von palästinensischen Kugeln getroffen worden war. Dann wurde in grosser Aufmachung über die Schüsse auf ein Taxi berichtet, das auf einer Brücke in Nord-Jerusalem in Richtung Pisgat Zeev fuhr. Direkt darunter zitierten die Blätter den israelischen Aussenminister Shlomo Ben-Ami, der in Paris nach Geheimgesprächen mit palästinensischen Politikern von einer sich abzeichnenden Reduktion der Gewalt zu berichten wusste. Besser als mit dieser Kombination von Schlagzeilen hätte die Verwirrung kaum dargestellt werden können, die derzeit in Israel herrscht. Das gilt für die breiten Volksschichten ebenso wie für das politische Establishment.
Während Ehud Barak versucht, mit den verschiedensten parlamentarischen Winkelzügen und mit regelmässigen Hinweisen auf die Möglichkeit eines Verhandlungsfriedens mit den Palästinensern seine staatsmännische Karriere doch noch zu retten, ist die Öffentlichkeit tagtäglich konfrontiert mit... more...

Ariel Sharon vor recht kniffligen Aufgaben

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Eine Stimmbeteiligung, die mit knapp 59% so niedrig wie nie zuvor in der Geschichte des Staates Israel war, und ein fast totaler Boykott des Urnengangs durch die Israel-Araber (nur 18% gaben ihre Stimme ab), besiegelten Ehud Baraks politisches Schicksal in drastischer Weise: 62,5 Prozent der Stimmen gingen an Ariel Sharon, rund 25 Prozent mehr als der bisherige Premierminister auf sich vereinigen konnte. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, ob Sharon sein erklärtes Ziel - die Bildung einer Einheitsregierung - wird verwirklichen können. Die Chancen werden allgemein als gering eingeschätzt.
«Knock-Out». Mit dieser lakonischen Schlagzeile umschrieb die «Jerusalem Post» das Ergebnis des Wahlgangs vom Dienstag wohl am treffendsten. Die Geschehnisse des 6. Februars waren gleich in mehrfacher Hinsicht ein Knock-Out. Das Resultat von 62,5:37,5 Prozent der Stimmen zugunsten von Ariel... more...

«Eine spannende Herausforderung»

Interview Yves Kugelmann, October 9, 2008
Mit dem Aufruf zum Leereinlegen hat Ofek nachdrücklich die Wahl eines neuen Gemeinderabbiners verhindert. INside unterhielt sich mit Valérie Rhein, Co-Präsidentin von Ofek, über die Konsequenzen und die Zukunft der IGB.

Inside: Keiner der Kandidaten ist als IGB-Rabbiner gewählt. Ofek hat ihr Ziel erreicht. Sind Sie glücklich?Valérie Rhein: Nein, und ich denke niemand ist glücklich, so lange es keine mehrheitsfähigen Rabbinerkandidaten gibt.Inside: Wie beurteilen Sie die grosse Zahl von Leereinlegern?Valérie... more...

Das andere Minjan im Container

von Gisela Blau, October 9, 2008
Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit stieg ein bisher unbekannter, neuer schweizerischer TV-Versuchssender namens «Tele 25» bereits 24 Stunden vor TV-3 in das Abenteuer «Big Brother» ein. Obwohl die wesentlichsten Voraussetzungen noch nicht erfüllt sind, starteten am letzten Schabbat-Ausgang 10 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger rechtzeitig ihre eigene Sendung, um bildhaft zu zeigen, dass auch die Juden bloss Schweizer sind, denen es ums Geld geht. Eine saritische Betrachtung eines ernstzunehmenden Themas.
Ungelöst bleibt das Problem, wie die Sendung heissen soll. «Groisser Brider» schien der Jury zu jiddisch und daher unverständlich für die Schweizer Jeckes. Mit Ausnahme der Super-Jeckes von Endingen und Lengnau leben sie im Schnitt seit mindestens drei Generationen im Lande sowie nach der... more...

«Glaube an Frieden erschüttert»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Sehr kritisch zu Gericht ging der amtierende israelische Aussenminister Shlomo Ben-Ami mit Palästinenserführer Yasser Arafat. Das Verhalten der Palästinenser habe, so meinte Ben-Ami am Dienstag, unter den Israelis links von der Mitte den Glauben an die Solidität des Friedensprozesses gefährlich erschüttert. Arafat, der mit Hilfe des Blutes palästinensischer Opfer versuche, Imagepolitik zu betreiben, solle endlich aufhören, in regelmässigen Abständen Krisen vom Zaume zu brechen.

Das Verhalten Arafats und seiner Leute habe den Glauben der «Israelis links von der Mitte» an die Solidität des Friedensprozesses arg erschüttert. Das erklärte der amtierende israelische Aussenminister Shlomo Ben-Ami am Dienstag. «Wir sind im festen Glauben an die Möglichkeit des Friedens... more...

In die Sprache entschwunden

von Dr. Hermann Zingg, October 9, 2008
Paul Antschel mit dem Dichternamen Paul Celan wurde am 23. November 1920 in Czernowitz in der Bukowina geboren&#059; er starb vermutlich am 20. April 1970, an Hitlers Geburtstag, den Freitod in Paris: Alles, was Celan dichterisch geschrieben hat, trägt nämlich seinen «20. Jänner» eingebrannt. Am 20. Januar 1942 beschlossen die Nazis auf der so genannten Wannsee-Konferenz in Berlin die planmässige Ausrottung der Juden. Im September des selben Jahres wurde sein Vater, am Jahresende seine Mutter im Lager Michailowka östlich des Bug von SS-Leuten durch Genickschuss umgebracht.
Auf den «20. Jänner» nimmt Celan in seiner Büchnerpreis-Dankesrede vom 22. Oktober 1960 Bezug. Jenes ist auch das Datum, an dem Georg Büchner seinen Dichter Lenz - den Zwillingsbruder Celans - «durchs Gebirg» gehen lässt. Zeit seines ganzen Lebens bezieht sich Celan auf diese Verdoppelung... more...

Allmählich senkt sich der Vorhang

von Eliahu Salpeter, October 9, 2008
Mit Erleichterung reagierten Rumäniens Juden im vergangenen Monat auf die Niederlage des Antisemiten Vadim Tudor von der Gross-Rumänien-Partei im Kampf um das Amt des Staatspräsidenten und auf den Sieg des Sozial-Demokraten Ion Iliescu. Dessen ungeachtet sind die Zukunftsperspektiven für die jüdische Gemeinde in diesem Lande alles andere als erfreulich.
Nicht lange hielt unter den Juden Rumäniens das Gefühl der Erleichterung an, das nach dem Sieg des Sozialdemokraten Ion Iliescu über seinen Gegner, den Antisemiten Vadim Tudor, im Kampf um das Amt des Staatspräsidenten zu verspüren gewesen war. Wenige Tage nach den Wahlen drangen Vandalen ins... more...

Als die Avantgarde vornehmlich jüdisch war

von Walter Labhart, October 9, 2008
Es waren mehrheitlich jüdische Maler, Bildhauer, Zeichner und Fotografen, welche im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zur Entstehung der so genannten «Ecole de Paris» beitrugen. Mit über 220 Exponaten von mehr als 80 Künstlern erinnert das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris noch bis zum 11. März an jene von Chagall, Modigliani und Soutine überstrahlte Epoche.
Mit dem Einzug Picassos ins Atelierhaus «Bateau-Lavoir» auf dem Montmartre im Jahre 1904 begann die abenteuerliche Geschichte einer künstlerischen Schule, die keine war, jedoch Schule machte. Was als «Ecole de Paris» in die moderne Kunstgeschichte einging, war ein unvergleichlicher... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Schuld. Ich sage es hier deutsch, deutlich und direkt: Es ist unverzeihlich und unannehmbar, irgend jemanden zu verteidigen, der den Opfern die Schuld am Holocaust zuweist. Zumal innerhalb der eigenen Reihen. Genau das hat jedoch ein Mann namens Ariel Wyler am Montag in der NZZ getan. Er schwang... more...

Historische Entscheidung

October 9, 2008
Am Vorabend von Rosh Hashana ist es mir eine Ehre, Ihnen die besten Wünsche für ein glückliches und gesegnetes neues Jahr zu übermitteln - ein Jahr, in dem wir hoffentlich die Erfüllung unseres historischen Traums und unserer nationalen Bestrebungen erleben.Der Staat Israel steht schweren und... more...

Mischehen als Realität

von Olivier R. Lasowsky, October 9, 2008
Die Mehrheit der amerikanischen Jüdinnen und Juden hat kein Problem mit der steigenden Anzahl der Mischehen in Amerika, so der Befund einer Umfrage des American Jewish Committee (AJC). Vielmehr sehen viele der Befragten die Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden als eine unausweichliche Realität der amerikanischen Gesellschaft, stellt das AJC fest.

Einmal pro Jahr fühlt das American Jewish Committee (AJC) den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern des Landes auf den Zahn. Mittels einer repräsentativen Telefonumfrage werden rund 1000 Personen zu ihren Positionen bezüglich Israel, Antisemitismus, Politik und jüdischer Identität befragt. Das... more...

Sieben Wochen nach dem Überfall

von Barbara Sofer, October 9, 2008
Wenn Familie Suissa sich dieses Jahr zu Chanukka in ihrer Jerusalemer Wohnung versammelt, werden die Segenssprüche über das Chanukka-Wunder eine doppelte Bedeutung haben. Die Menorah seines im Unabhängigkeitskrieg von 1948 umgekommenen Grossvaters Shabtai wird nämlich Itai Suissa (22) entzünden, dem Terroristen vor sieben Wochen vier Kugeln ins Gesicht und eine in den Bauch geschossen hatten. «Ich war bei Bewusstsein und spürte, dass ich dem Tode nahe war», sagte Itai, während er den alten steinernen Leuchter auf dem Küchentisch vorbereitete. «Ich glaubte nicht, dass ich den Tag überleben würde, geschweige denn Chanukka würde feiern können.»
Itai Suissa, der in einer Elite-Einheit der Armee gedient hatte, sparte für eine Auslandsreise nach dem Militärdienst. Zu diesem Zweck arbeitete er als Wache in der Ost-Jerusalemer Filiale der Nationalversicherung, welche der arabischen Bevölkerung der Stadt dient. Die Terroristen waren offenbar... more...

Arie Deri bald wieder auf freiem Fuss

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Mit 48:47 Stimmen verabschiedete die Knesset am Dienstagabend nach einer tumultartigen Debatte in dritter Lesung ein Gesetz, das die Freilassung von Häftlingen schon nach der Verbüssung der Hälfte ihrer Strafe ermöglicht. Bisher konnte dieser Gnadenakt erst nach zwei Dritteln der Strafe ins Auge gefasst werden. Weil es Shas-Abgeordneten gelungen war, das Gesetz für retroaktiv zu erklären, erhielt es den Übernamen «Deri-Gesetz». Ehud Baraks Reaktion: «Ein schwarzer Tag für Israel und die Knesset.»
Das Drama rund um die Abstimmung zum so genannten Deri-Gesetz erreichte am Dienstagabend seinen Höhepunkt, als der Rechtsberater der Knesset eingeschaltet werden musste, bevor das Resultat verabschiedet werden konnte. Das Ganze war nötig geworden, nachdem der Koalitions-Vorsitzende und... more...

Menschenrechts-Konferenz bleibt vorerst Wunschtraum

von Jacques Ungar, October 9, 2008
In den Gesprächen mit der israelischen Führung machte der schweizerische Aussenminister, Bundesrat Joseph Deiss, aus seinem Herzen keine Mördergrube und kritisierte die Siedlungspolitik Israels ebenso wie den wirtschaftlichen Druck, den Israel auf die Palästinenser ausübt und die Exekution palästinensischer Aktivisten. Trotzdem herrschte während der ganzen Visite eine sehr gute, freundschaftliche Atmosphäre, und auch Differenzen bzgl. des Standortes des schweizerischen Verbindungsbüros zu den Palästinensern konnte daran wenig ändern.
Grosse Schlagzeilen verursachte der Besuch, den der schweizerische Aussenminister Joseph Deiss vom 23.-27. März in der palästinensischen Autonomie und im Staate Israel absolvierte, in der israelischen Presse zwar nicht, doch sollte die Bedeutung der Visite deswegen nicht unterschätzt werden. Die... more...

Ein halber Satz Vorwürfe

von Gisela Blau, October 9, 2008
Am Dienstagabend wurde der endgültige Schlussbericht des Volcker-Komitees von den Mitgliedern abgesegnet, sodass er am 6. Dezember unterzeichnet und veröffentlicht werden kann. Am 10. Dezember folgt die Publikation des Flüchtlingsberichts der Bergier-Kommission (vgl. Seite 1). Die jüdische Gemeinschaft, aber auch politische Kreise der Schweiz sehen diesen kurzen zeitlichen Abstand mit Sorge, weil beide schon im Vorfeld für Polemik und Kontroversen sorgten. Es wird befürchtet, dass die Abwehrfront sich nun doppelt formieren könnte.
Wie die JR erfuhr, musste der mehrfach verschobene Schlussbericht noch im Dezember 1999 vorliegen, weil Kommissionspräsident Paul Volcker das Mitte 1996 erteilte Mandat endgültig Ende 1999 abschliessen will. Dem Bundesrat erschienen die vier Tage zwischen dem 6. Dezember (Volcker-Bericht) gerade... more...

Bannmeile für Idioten

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
Mit einem Marsch von etwa 700 Neonazis durch das Brandenburger Tor macht Berlin derzeit weltweit von sich reden. Der Aufmarsch der Rechten mit Fahnen, Spruchbändern und antisemitischen Parolen am letzten Samstag entlang des geplanten Holocaust-Denkmals war von der Polizei zunächst verboten, jedoch vom Oberverwaltungs-gericht genehmigt worden.
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Andreas Nachama, riet den Oberverwaltungsrichtern während seiner Neujahrsanspracheam letzten Montag zu historischem «Nachhilfeunterricht». Kulturstaatsminister Naumann erinnerte sich in einem Gespräch mit der JR an seine Studentenzeit, «als es nicht... more...

Vom Judentum genährt auf Ich-Suche

von Hanna Rheinz, October 9, 2008
Am 23. März würde Erich Fromm seinen 100. Geburtstag feiern. In der Lebensgeschichte dieses grossen Humanisten des 20. Jahrhunderts bündeln sich die Themen des letzten Jahrhunderts, die Fromm selbst vom Judentum zur Psychoanalyse, zum Sozialismus und schliesslich zum Zen-Buddhismus führten.
Erich Pinchas Fromm, am 23. März 1900 in Frankfurt am Main geboren, stammte aus einem religiösen Elternhaus. Seine Grossmutter väterlicherseits war eine Tochter des berühmten «Würzburger Raw», einem der wichtigsten Vertreter des süddeutschen Judentums im 19. Jahrhundert, der seine Abstammung... more...

Sieben Regierungsräte für 6 Oscars

Regierungsratspräsident Ralph Lewin, October 9, 2008
Für einmal ging es am letzten Dienstag im Basler Regierungsrat nicht um Politik, sondern um Film. Geladen hatte die Regierung den Basler Filmproduzenten Arthur Cohn, der im März für seinen Dokumentarfilm «One Day in September» über das Olympia-Attentat auf Israels Sportler 1972 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Regierungsratspräsident Ralph Lewin hielt an der Ehrenstunde mit anschliessendem Mittagessen die Laudatio, welche die JR hier veröffentlicht.
Es ist dem Regierungsrat eine grosse Freude und Ehre, Dich hier im Rathaus zu empfangen. Für mich persönlich hat dieser Empfang auch insofern eine spezielle Bedeutung, als wir uns schon sehr lange kennen und ich einen meiner ersten offiziellen Auftritte als Regierungspräsident anlässlich der... more...

Kunst ist eine Frage der Existenz

von Regula Rosenthal, October 9, 2008
Galerist Jan Krugier kam 1928 in Radom, Polen zur Welt. Krugier ist seit den Anfängen der Art Basel dabei. Seine Galerie ist in Genf, wo er auch wohnt. Er hat zwei erwachsene Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Die Jüdische Rundschau hat den Galeristen getroffen und sich mit ihm über Kunst unterhalten.
Jüdische Rundschau: Die Art Basel besteht seit 31 Jahren. Was ist das besondere daran?Jan Krugier: Diese Messe ist immer besser geworden. Es wird auf eine strenge Selektion geachtet und das garantiert hohe Qualität. Es ist die beste Kunstmesse der Welt.Jüdische Rundschau: Wie erklären Sie sich,... more...

Die Erziehung soll gefördert werden

Moti Basok, October 9, 2008
Der letzte Woche von Finanzminister Avraham Shochat veröffentlichte israelische Staatshaushalt für das Jahr 2001 im Gesamtumfang von 194,2 Milliarden Shekel (knapp 83 Mrd. Franken) legt das Schwergewicht auf die Sektoren Erziehung, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung. Das Defizit soll von 2,5% im laufenden Jahr auf 1,75% sinken, die Inflation wird irgendwo zwischen 2,5 und 3,5% erwartet (Prognose 2000: 3-4%). Und schliesslich dürfte die Arbeitslosigkeit leicht von 8,5 auf 8,1% zurückgehen.
Die gesamten Staatsausgaben für das Jahr 2001 veranschlagte Israels Finanzminister Avraham Shochat an einer Pressekonferenz letzte Woche auf 194, 2 Milliarden Shekel, verglichen mit 166 Mrd. für das laufende Jahr. Die totale Steuerlast soll aber um rund NIS 2 Mrd. zurückgehen. An der... more...

Mehr Fragen gestellt, mehr Antworten gefordert

von Michael S. Arnold, October 9, 2008
Die Zeiten scheinen vorbei zu sein, in denen die National-Religiöse Bewegung die religiöse Überzeugung ihrer Jugend als selbstverständlich und unverrückbar betrachten darf. Teenager stellen immer mehr Fragen und fordern Antworten, die sich in die moderne Welt integrieren lassen.
Einen immer zentraleren Platz in den Überlegungen der national-Religiösen Gemeinschaft Israels nimmt das Problem der «Kippot Srukot», der weggeworfenen Kippot ein (hebräisches Wortspiel: «Kippot Srugot» nennt man die gehäkelten, meist bunten Käppchen, seit Jahrzehnten der... more...

«Die Nationalmannschaft ist für mich das Wichtigste»

October 9, 2008
Chaim Revivo ist der begehrteste und international erfolgreichste israelische Fussballer. Mit seinen wichtigen Toren im Uefa-Cup und vielen Treffern für seinen spanischen Verein, dem erstligisten Celta Vigo (5. Rang) gilt er im internationalen Geschäft als einer der gefragtesten Transferkandidaten. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann unterhielt sich mit Revivo über dessen Topkarriere, den israelischen Fussball und die neue Regierung Barak.
Jüdische Rundschau: Zurzeit jagen sich die Gerüchte über Transferangebote von den spanischen Spitzenclubs. Haben Sie solche Angebote von Barcelona oder Real Madrid erhalten?Chaim Revivo: Ich bekam wirklich einige Angebote letztes Jahr. Es ist aber sehr schwierig, das Team zu wechseln wegen der 40... more...

EDITORIAL

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
«Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei.» Was wäre, wenn Franz Biberkopf nochmals durch Berlin gehen würde? Was hätte sich für ihn geändert? Die Moderne, ja; die Geschichte, nein. Er wüsste nichts von Weltkrieg und Kaltem Krieg. Ja, der entlassene Gefängnisinsasse Franz... more...

«Wir wollen Israels führende Umweltschutzorganisation werden»

October 9, 2008
Mit dem Bau von Wasserreservoiren verlagert der KKL seinen Schwerpunkt auf die akute Wasserfrage in Israel. Einst gegründet, um im damaligen Palästina Land zu kaufen und es für die Landwirtschaft aufzubereiten, stand der KKL über Jahrzehnte für die Begrünung Israels. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann sprach mit dem Weltvorsitzenden Yehiel Leket über die Neuorientierung der Organisation, Israels Umweltschutz und die erfolgte Umstrukturierung des Hauptbüros in Jerusalem.
Jüdische Rundschau: Es gab eine Restrukturierung des KKL-Israel. In Europa war zu vernehmen, dass diese Restrukturierung Probleme mit sich brachte, sogar Stellen abgebaut wurden. Wie ist Ihre «innere» Sicht dieses Prozesses?Yechiel Leket: Es war eine positive Erfahrung. Es liefen parallel zwei... more...

Multiperspektivität im Zentrum

von Tanja Kröni, October 9, 2008
«Multiperspektivität steht im Zentrum des Bergier-Berichts», so Jacques Piccard. Dabei geht es nicht nur um die Perspektiven der damaligen Behörden, sondern auch um die Erfahrungen der Grenzbeamten, Soldaten, der Hilfswerke und nicht zuletzt die der Flüchtlinge. Kontraste ergeben sich vor allem in der Nutzung des Handlungsspielraums bei Einzelpersonen.

Die Frage nach der Nutzung des Handlungsspielraumes (Moderator Mike Sommer, Bieler Tagblatt) zugunsten oder ungunsten der Flüchtlinge brachte grosse Unterschiede beim individuellen Handlungsspielraum zu Tage. In den Kantonen Thurgau und Genf wurden die restriktiven Gesetze viel härter angewendet... more...

Hitler übernimmt die Rolle des Pharao

von Peter Ephross, October 9, 2008
Die kürzlich in New York veröffentlichte Haggada schildert den Exodus der Juden aus Ägypten nicht im herkömmlichen Stil. Vielmehr benutzt die «Haggada eines Überlebenden», die ein Holocaust-Überlebender in den Jahren 1945 und 1946 in Deutschland geschrieben hat, die Sprache des traditionellen Exodus, berichtet aber über den Holocaust und das Wiedererwachen jüdischen Lebens in den Lagern für «displaced persons» (DP) nach dem 2. Weltkrieg. Die «Haggada eines Überlebenden» ist nun von der New Yorker Jewish Publication Society wieder publiziert worden.
In der von Yosef Dov Sheinson aus dem litauischen Kovno verfassten «Haggada eines Überlebenden» übernimmt Hitler, der «seine hungrigen Hunde auf die Kinder Israel ansetzt und so ihre Zahl reduziert», die Rolle des Pharao. Die Juden, die in der ihnen gewohnten Rolle als Opfer auftreten,... more...

Auf dem Weg zur dritten Säule

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Experten unterstreichen, dass das europäische Judentum Wege finden muss, um seine Führungskräfte besser zu schulen, wenn es neben Israel und Nordamerika zur vollausgebauten «dritten Säule» des Weltjudentums werden will. Das war eine der Erkenntnisse eines Treffens des European Council of Jewish Communities (ECJC), an dem in Barcelona fast 120 Delegierte von 51 jüdischen Gemeinden aus 34 Ländern teilnahmen.
«Europas Juden als Individuen sind ausgesprochen talentiert und in guter Form, doch das Kollektiv - die Gemeinden - bekundet Probleme», meinte Barry Kosmin, Exekutivdirektor des Londoner Institute for Jewish Policy Research. «Die Wissensbasis muss verbessert werden, damit das \"Team\" besser... more...

Bad Boy of Music

von Walter Labhart, October 9, 2008
Wie die europäische moderne Musik mit Satie, Prokofjew und Hindemith, so hatte auch die amerikanische moderne ein gegen den bürgerlichen Geschmack rebellierendes «Enfant terrible». Das im Juli 1900 in Trenton (New Jersey) zur Welt gekommene Multitalent George Antheil war sogar so stolz darauf, dass er sein erfolgreichstes Werk damit betitelte, die 1945 erschienene Autobiographie «Bad Boy of Music», die es zu Bestsellerehren brachte.

Mit blosser Bekanntheit hätte sich der am Sternberg-Konservatorium in Philadelphia und von Ernst Bloch ausgebildete Komponist und Pianist nicht zufrieden gegeben. Als exaltierter Klavierspieler, der sein Instrument mit den Fäusten traktierte, wollte und erreichte er mehr, galt er doch nach seiner... more...

Der Beginn der dunklen Zeit

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall von Hitlerdeutschland auf Polen der Zweite Weltkrieg. Gleichentags und in den folgenden Tagen standen in der Schweiz die meisten Männer bereits unter den Waffen. Darunter befanden sich zahlreiche Schweizer Juden, die ihren Dienst am Vaterland so... more...

Keine Bürger zweiter Klasse

October 9, 2008
Der Umgang mit Minderheiten ist ein Prüfstein für die Qualität demokratischer Regimes. Damit ist nicht nur die Gewähr formaler gesetzlicher Gleichberechtigung gemeint, sondern ebenso die des Mitwirkens von Bürgern aus Minderheitsgruppen an entscheidungsbefugten Staatsorganen. In der... more...

Auf den Spuren von Ignatz Bubis

von Alexis Caneem, October 9, 2008
In Deutschland beginnt in den Vorständen der Jüdischen Gemeinden gegenwärtig ein Generationenwechsel. Vor zwei Jahren löste Andreas Nachama den Holocaust-Überlebenden Jerzy Kanal ab. In Frankfurt/Main wählten die Vorstandsmitglieder nun den 56-jährigen Salomon Korn zum neuen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Damit ist er der Nachfolger von Ignatz Bubis, der bis zu seinem Tod auch Vorsitzender seiner Frankfurter Heimatgemeinde war. «Viel», so Korn, der vor seiner Wahl bereits seit 13 Jahren Vorstandsmitglied war, «wird sich nicht ändern. Die Kontinuität der Gemeindepolitik, die Ignatz Bubis vorgezeichnet hat, wird beibehalten.»
Als wichtigste Aufgabe bezeichnet Korn es, «die tätige Solidargemeinschaft zu stärken». Hierbei denkt er vor allem an die Integration der jüdischen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, aber auch an alle anderen Mitglieder. Nach dem Krieg war die jüdische Solidargemeinschaft für die... more...

Von Meili bis Nazis

von Gisela Blau, October 9, 2008
Der Volcker-Bericht liegt vor. Autorisiert ist vorläufig nur die offizielle englische Fassung. Er ist, wie vorausgesagt wurde, weit glimpflicher für die Banken ausgefallen als diese befürchtet hatten. Allerdings gibt es Beispiele darin, die schmerzlich die Berichte von Überlebenden bestätigen. Aber sie werden von den Revisoren als Ausnahmen bezeichnet.
Georg Krayer, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, deren Mitglieder die gegen eine Milliarde teure Untersuchung bezahlten und auch das Schiedsgericht für die hängigen Fälle weiter finanzieren, entschuldigte sich in seiner eigenen Pressekonferenz nach jener des Volcker-Komitees für... more...

Boykott oder Aufklärung?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Mit der Abberufung seines Botschafters aus Wien und der Veröffentlichung einer scharfen Erklärung nach der Kabinettsitzung will Israel es nicht bewenden lassen. Immer mehr Organisationen rufen zu boykottähnlichem Verhalten auf, wobei die Zionistische Welt-Exekutive den schärfsten Ton anschlägt und die österreichischen Juden zur kollektiven Alijah aufruft.

«Israel betrachtet es als seine Aufgabe, an der Spitze der Nationen zu stehen und vor der schwerwiegenden Erscheinung einer westeuropäischen Regierung zu warnen, die neo-nazistische Elemente enthält.» Nach dieser Erklärung, die das israelische Kabinett im Anschluss an seine sonntägliche... more...

Jerusalem will Truppenabzug mit UNO koordinieren

von Aluf Benn, October 9, 2008
Die UNO werden Israel bei der Verwirklichung von Resolution 425 des Sicherheitsrates helfen, die den Abzug der israelischen Truppen aus Südlibanon fordert. Das sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag in Genf dem israelischen Aussenminister David Levy im Verlaufe eines 90 Minuten dauernden Gesprächs zu.
Die Vereinten Nationen hätten ein «Mandat», zur Verwirklichung von Resolution 425 beizutragen, erklärte UNO-Generalsekretär Kofi Annan gegenüber Aussenminister David Levy. Die Organisation werde, so fügte Annan hinzu, einen Mechanismus einrichten, der eine Zusammenarbeit mit Israel im... more...

«Alle Archive öffnen»

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
«Wesentliche Fortschritte» bei der Untersuchung veröffentlichter Dokumente des Vatikans im Zusammenhang mit dem Holocaust hat ein Team jüdischer und katholischer Wissenschafter nach eigenen Angaben erzielt. Gleichzeitig wiederholte das Team seinen Appell an den Vatikan, die bisher geschlossenen Archive aus der Kriegszeit Forschern zugänglich zu machen.
«Wir sind nach wie vor an einer vollumfänglichen Öffnung des Archivmaterials interessiert», erklärt die Internationale Katholisch-Jüdische Historikerkommission in einer Verlautbarung im Anschluss an eine viertägige Konferenz in London. Der Kommission, die einmal zuvor getagt hatte, gehören... more...

Eine Heimstatt für Tradition und Anderssein

von Alexis Canem, October 9, 2008
Kassel hat eine neue Synagoge. Sie ist modern und zweckmässig und besteht aus einem grossen Sakralbau mit deutlich voneinander getrennten Plätzen für Männer und Frauen und einem genau darunter liegenden grossen Raum, der als Begegnungsstätte gedacht ist. Innen und aussen ist die Synagoge mit Holzplatten verkleidet und erinnert damit an das Gebot «Aus den Zedern des Libanon sollst du meinen Tempel bauen».
Die Synagoge von Kassel ist das jüngste Werk des Architekten Alfred Jacoby, der als «Deutschlands Synagogenbauer» bereits die Gotteshäuser von Darm-stadt, Heidelberg, Offenbach und Aachen errichtet hat. Jedes Gebäude ist anders. Das Besondere an Kassel ist der Thoraschrein, der zwar einen... more...

«Voller Neid auf Syriens Kolleginnen»

von Larry Derfner, October 9, 2008
Warum sind Frauen im politischen Alltag Israels trotz anderslautender Versprechen von Premierminister Ehud Barak noch immer drastisch untervertreten? Sogar in Syrien, Bangladesh und in Teilen Afrikas hat es das «schwache Geschlecht» in dieser Beziehung besser. Je länger sich in Israel die Frauen emanzipieren, desto weniger stark sind auf politischen Posten vertreten. Ein Phänomen, das auch Gründe hat.
Als Shlomo Ben-Ami, der neue Minister für innere Sicherheit, dieser Tage meinte, der Anteil der Frauen im israelischen Kabinett habe «Drittwelt-Niveau», war er noch recht grosszügig. Nicht nur liegt Israel um Lichtjahre hinter Skandinavien, Westeuropa und den USA, sondern auch hinter Ländern... more...

Basel / Musik - Eine kritische Würdigung zum Tod von Paul Sacher

von Walter Labhart, October 9, 2008
Mit dem Tod des Dirigenten, Musikförderers und Wirtschaftsmagnaten Paul Sacher am 26. Mai verlor nicht nur die Schweiz eine ihrer kulturell einflussreichsten und prägnantesten Gestalten. Der nach längerer Krankheit in seiner Geburtsstadt Basel gestorbene Grossaktionär des Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche galt ebenso im Ausland als einer der bedeutendsten Mäzene sowohl auf dem Gebiet der Musik als auch der bildenden Künste. Zusammen mit mehr als 200 Kompositionen, die in seinem Auftrag entstanden und von ihm uraufgeführt wurden, erinnert das vor drei Jahren in Basel eröffnete Tinguely-Museum an ihn. Mit der 1973 gegründeten Paul-Sacher-Stiftung rief der für seine Musikerhandschriftensammlung international bekannte Ehrendoktor der Universität Oxford (1992) eine einzigartige Forschungsstätte mit einer Vielzahl von Nachlässen gewichtiger Komponisten des 20. Jahrhunderts ins Leben.
Als Sohn eines Spediteurs und einer Bäuerin am 28. April 1906 in Basel zur Welt und später als Musiker auf den Geschmack an alter Musik gekommen, gründete Paul Sacher als Zwanzigjähriger das \"Basler Kammerorchester\" zur Förderung unbekannter Klassiker und ebensolcher Zeitgenossen. Geist und... more...

Vorsichtiger Optimismus

von George Szpiro, October 9, 2008
Die israelisch-palästinensischen Gesprächsrunden nehmen kein Ende, doch hoffen Israeli, Palästinenser und auch die Amerikaner, dass bald ein Abkommen über die Umsetzung des Wye-Memorandums unterzeichnet werden kann. Täglich wurde während der vergangenen Tage von Fortschritten in den Gesprächen berichtet, die auf israelischer Seite von dem Rechtsanwalt Gilad Sher und auf der palästinensischen Seite von Saeb Erekat geleitet wurden. Doch gleich danach hiess es jeweils wieder, dass die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind und weitergeführt werden müssen. Entgegen der offenbar von Zweckpessimismus beeinflussten, schwarzseherischen Beurteilung über den Stand der Verhandlungen durch Erekat herrschte jedoch sowohl in Israel als auch bei den Palästinensern vorsichtiger Optimismus über einen baldigen Durchbruch.
Offenbar trug ein Ultimatum der Israeli zu dem Stimmungsumschwung bei. Ein Sprecher des Ministerpräsidenten hatte erklärt, dass Israel das Wye-Abkommen unilateral implementieren würde, so wie Israel es für richtig halte, falls sich die Palästinenser nicht umgehend zu Kompromissen herbeiliessen.... more...

Schlüsselwort «Abschreckung»

October 9, 2008
Gegen den Entscheid, im Anschluss an die jüngste Serie von Raketenangriffen gegen Israels Norden «die Lichter in Beirut auszulöschen», regte sich kaum Widerstand. Die Kritik, die zu hören war, konzentrierte sich vielmehr darauf, dass der scheidende Premier Netanyahu nicht schon viel früher... more...

Retter und Geächteter

von Toby Axelrod, October 9, 2008
Die Entdeckung von Dokumenten des berühmten Oscar Schindler in einem alten Koffer in Hildesheim ist eines der Zeichen dafür, dass der Holocaust noch längst kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte ist. Die Papiere vermitteln eine weitere Botschaft: Sie zeigen, wie ein Mann, der für die Rettung von Juden bekannt war, von seinen Zeitgenossen nach dem 2. Weltkrieg geächtet und zurückgewiesen worden war.
«Für die heutigen Deutschen ist Oskar Schindler ein sehr positives Beispiel», sagt Stefan Braun, ein Reporter der «Stuttgarter Zeitung», die dieser Tage mit der Veröffentlichung einiger der Dokumente begonnen hat. «Nach dem Krieg aber hatten die Menschen kaum Interesse an seiner Geschichte.... more...

Weizman im Kreuzfeuer der Kritik

von George Szpiro, October 9, 2008
In Israel sieht sich Präsident Ezer Weizman mit immer heftigeren Vorwürfen konfrontiert, da er vor zehn Jahren Geldgeschenke von einem französischen Millionär annahm. Weizman, der den Tatbestand zwar zugibt, ist sich aber keiner Schuld bewussst. Verärgert erklärt er, seine Kadenz bis ins Jahr 2003 voll dienen zu wollen. An einen Rücktritt denke er nicht.
Während sich Israels Regierungschef in Shepherdstown mit dem Friedensprozess befasst, sieht sich Staatspräsident Ezer Weizman mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Am Donnerstag vor einer Woche gab der Journalist Yoav Yitzhak bekannt, dass seine Recherchen mögliche Verfehlungen des Präsidenten... more...

Juden in der Doppelmühle

von Anton Legerer, October 9, 2008
Mit einem deutlichen «Nein, wir leben nicht unter Bedrohung» antwortete der Präsident des Bundes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs und der IKG Wien, Ariel Muzicant, im Telefonat mit der JR auf die Frage, ob sich IKG-Mitglieder von der aktuellen politischen Lage bedroht, oder, wie die israelische Einwanderungsministerin Juli Tamir am Montag formulierte, «unter Verfolgung lebend» fühlten. Vor allem ältere Mitglieder der IKG - Überlebende der Shoa - würden durch diese «kontraproduktiven Aufrufe» aus Israel, die zur sofortigen Alija aufrufen, noch mehr verunsichert und seelisch belastet werden. Muzicant zeigte sich enttäuscht über die «Profilierungssucht» einiger israelischer Politiker und darüber, dass kein Kontakt mit der IKG gesucht und keine Stellungnahme der IKG eingeholt worden wäre.

Mit einem deutlichen «Nein, wir leben nicht unter Bedrohung» antwortete der Präsident des Bundes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs und der IKG Wien, Ariel Muzicant, im Telefonat mit der Rundschau auf die Frage, ob sich IKG-Mitglieder von der aktuellen politischen Lage bedroht, oder,... more...

«Die Völker sind in uns gestellt»

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Im Alter, da andere Autoren ihr Spätwerk schreiben, verfasste Gerson Stern (1872-1956) seinen Romanerstling «Weg ohne Ende». In seinem Erscheinungsjahr 1934 machte er ihn unter den Juden Deutschlands über Nacht berühmt, während die gleichgeschaltete offiziöse Kritik ihn totschwieg. Mit der Vertreibung und Vernichtung der deutschen Juden verschwand auch das Buch aus dem öffentlichen Bewusstsein. Von den zehntausend Exemplaren, die einst gedruckt wurden, überlebten nur wenige den Krieg - meist solche, die emigrierte Juden ins Exil genommen hatten. Ein solches Exemplar, das einer neuseeländischen Bibliothek übergeben worden war, gab Anlaß zu einem Neudruck.
Wie die meisten Germanisten hatte auch Friedrich Voit, Professor an der Universität von Auckland, nie etwas von Gerson Stern gehört, als er den Roman in der dortigen Universitätsbibliothek fand. Die Lektüre bewegte ihn dazu, den Roman über sechzig Jahre nach dessen Erscheinen der deutschen... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Stiftung. «Schon von Anfang an hat die SVP diese erpresserische Stiftung abgelehnt», heisst es im anonymen Editorial des neuesten SVP-Pressedienstes. Unterstellt das nationale SVP-Büro in Bern etwa dem steifleinenen, überkorrekten damaligen Justizminister und Bundespräsidenten «Noldi» Koller,... more...

Erinnerungen an einen Staatsgründer

von Moshe Sneh, October 9, 2008
Am kommenden Sonntag jährt sich zum dreissigsten Male der Todestag von Moshe Chajim Shapiro, dem langjährigen Innenminister des Staates Israel und Gründer der Nationalen Religiösen Partei. Aus diesem Anlass veröffentlicht die JR persönliche Worte von Moshe Sneh, der dem linksextremen Flügel der Mapam angehörte und dessen Respekt und Hochachtung vor Shapiros Persönlichkeit besondere Beachtung verdienen.
Der Tod von Moshe Chajim Shapiro, Innenminister und Chef der Nationalen Religiösen Partei, löste bei vielen Menschen - auch ausserhalb der Kreise, denen er als hingebungsvoller und vielbewunderter Anführer diente - grosse Trauer aus. Ich bin einer dieser Trauernden. Die Freundschaft zwischen... more...

Eingesackt

von Igal Avidan, October 9, 2008
Ein führendes Mitglied der israelischen Egged-Buskooperative soll mehrere Millionen US-Dollar Bestechungsgelder vom deutschen Konzern Mercedes-Benz erhalten haben. Der ehemalige Egged-Direktor Shlomo Levin wurde wegen des Verdachtes festgenommen, er habe seit Beginn der 80erJahre Busaufträge ausschliesslich an Daimler-Crysler vergeben, berichteten israelische Zeitungen.
Gegenüber der JR sagte ein Sprecher des Daimler-Chrysler-Konzerns, das Unternehmen habe keine Zahlungen an irgendeinen Egged-Mitarbeiter geleistet. Der 63jährige Levin und sein Sohn Amit, ein Rechtsanwalt, wurden am Sonntag in Israel festgenommen und später gegen eine Kaution von einer Million... more...

Sieg? Was für ein Sieg?

October 9, 2008
Die Verträge sind unterzeichnet. Die Truppen rücken ein. Sieg. Sieg?

Am Vorabend des Kosovo-Krieges umriss der Präsident der Vereinigten Staaten die Zielsetzung: «Schutz von Tausenden unschuldiger Menschen im Kosovo vor einer sich zusammenbrauenden militärischen Offensive». Das würde ein bis zwei Tage in Anspruch nehmen. Wir würden die Serben von einer... more...

Von der Möglichkeit, so oder anders zu sein

October 9, 2008
Zurzeit ist im Schweizerlande viel von Rechtsextremismus die Rede. Die meisten dürften dabei an so genannte «Glatzköpfe», Skinheads, bedrohlich wirkende eher jüngere Menschen denken - und diese Vorstellung dürfte ja u.a. einigermassen zutreffen. Darüber sollten wir nicht vergessen, dass es... more...

Sharm ohne Charme - und was nun?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Nachdem Ehud Barak und Yasser Arafat in Sharm el-Sheikh dem von US-Präsident Bill Clinton vorgelegten Papier zugestimmt haben - ohne es allerdings zu unterschreiben -, warten nun alle gespannt auf die Verwirklichung des Waffenstillstandes an den Fronten. Die Geschehnisse vom Dienstag und die Reaktionen der palästinensischen Strasse lassen aber ein Herabsetzen des Hoffnungspegels als empfehlenswert erscheinen. In Israel sind die Aussichten auf die Bildung einer Notstandsregierung wieder gesunken - zumindest für die nächsten Tage...
Etwa zur gleichen Zeit, als am Dienstag im ägyptischen Sharm el-Sheikh US-Präsident Clinton, sein ägyptischer Amtskollege Mubarak, der jordanische König Abdallah II, UNO-Generalsekretär Anan und Sonder-Botschafter Solana von der Europäischen Union mit allen Mitteln versuchten, die beiden... more...

Nicht ganz alltäglicher Alltag

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Feste feiert man bekanntlich wie sie fallen, und so begaben wir uns zusammen mit vielen anderen Geladenen in die Jerusalemer Emek Refaim-Strasse im Süden der Stadt, um in einem hübsch hergerichteten Saal Amichais Barmizwa zu begehen. Alles war, wie es sich gehört. Ein reichhaltiges Buffet,... more...

Mit Blick auf das Jahr 2020

von Avi Shmoul, October 9, 2008
Yehuda Rotem, Generaldirektor der Entwicklungsbehörde für Galiläa, unterbreitete dem Büro des israelischen Premierministers unlängst einen umfassenden Entwicklungsplan für Galiläa und die Nordregion Israels. Der Plan enthält alle für die Region vorgesehenen Projekte bis zum Jahr 2020.
Der Entwicklungsplan für Galiläa ist von der Planungsverwaltung des Innenministeriums abgesegnet worden. Demnächst wird er in den im Entstehen begriffenen nationalen Gesamtplan Nr. 35 integriert werden. Einige der wichtigsten Punkte des Planes für Galiläa: - Erhöhung der Bevölkerung um 300... more...

Ein Test für Israels Gesellschaft

von Ze’Ev Schiff, October 9, 2008
Der palästinensische Terrorismus innerhalb der «grünen Linie» sollte nicht als isolierte Arbeit von Hamas oder Islamischem Jihad angesehen werden. Vielmehr ist er das gemeinsame Werk dieser Gruppen mit Fatah, Tanzim und verschiedenen anderen Teilen der Sicherheitsdienste der Palästinensischen... more...

Arafat hätte lieber eine extremere Resolution gehabt

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zum Abschluss einer eintägigen Sitzung im marokkanischen Ferienort Agadir veröffentlichte die Jerusalem-Kommission der Organisation der Islamischen Staaten eine Resolution, die in Israel mit relativer Erleichterung aufgenommen wurde. Arafats Handlungsspielraum in Bezug auf Jerusalem wurde nicht eingeschränkt.
«Die Kommission fordert die Wiederaufnahme der Friedensgespräche auf der Basis der UNO-Resolution \"Land für Frieden\". Die Kommission bestätigt ihre Unterstützung für einen palästinensischen Staat und seiner Souveränität über al-Kuds und alle heiligen Stätten des Islams und des... more...

«Ich möchte die Herzen der Menschen umarmen»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Rund 600 Fans und Freunde von Achinoam Nini (Noah) hatten sich am vergangenen Sonntagabend ins Lörracher Burghof-Theater begeben, um «Blue touches Blue», das neueste Programm der zierlichen israelischen Sängerin mitzuerleben. Mit «Eine himmlische Melange aus Pop und fernöstlichen Klangfarben» hatte das Theater in einem Flyer das Konzert angekündigt. Diese Definition ist sicher richtig, doch bot Noah dem Zuschauer in ihrem anderthalbstündigen Auftritt viel mehr.
Egal, ob sie alleine vor dem Publikum steht, von ihrem Gitarristen Gil Dor begleitet wird, oder ob die ganze, vierköpfige Band sie unterstützt - die israelische Sängerin Achinoam Nini, die sich im Ausland Noah nennt, füllt die Bühne von einem Eck zum anderen aus. Ihrer übersprühenden Energie,... more...

«Wer Synagogen schändet, würde auch töten»

Interview Yves Kugelmann, October 9, 2008
Die Anti Defamation League (ADL) kämpft in den USA seit über 80 Jahren gegen Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus und zählt inzwischen zu den etabliertesten Menschenrechtsorganisationen in den USA. Die JR befragte ADL-Präsident Abe Foxman zu den jüngsten Terroranschlägen in Europa.
Jüdische Rundschau: Wie beurteilen Sie die Lage in Europa in Bezug auf die jüngsten antisemitischen Tendenzen?Abe Foxmann: Europa hat sich nie vollständig vom Antisemitismus befreien können. Der Unterschied zu den Vereinigten Staaten besteht diesbezüglich darin, dass hier der Antisemitismus nie... more...

Baraks Weg führt über den Tempelberg

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Einzelheiten, die bis Mittwoch über den amerikanischen Vorschlag zur Vermittlung zwischen Israelis und Palästinensern durchgesickert sind, lassen zwei Eckpfeiler des Planes erkennen: faktische Aufgabe des Tempelbergs durch Israel und Verzicht der Palästinenser auf ein physisches Recht auf Rückkehr seiner Flüchtlinge. In Israel stösst der Plan auf grossen Widerstand, doch Ehud Barak will ihn durchsetzen, da er nur so am 6. Februar mit einer Wiederwahl rechnen kann - aber auch dann sind seine Chancen aufgrund der heutigen Gegebenheiten sehr gering.
Ausser vielleicht Ariel Sharon und seine Leute hat wohl niemand in Israel übermässige Freude an der Perspektive, am kommenden 6. Februar schon wieder einen Premierminister wählen zu müssen. Dessen ungeachtet ist der Wahlkampf in den letzten Tagen mit eine Schärfe lanciert worden, die für die... more...

Computer-Riese gerät unter Beschuss

von Sharon Samber, October 9, 2008
Eine Klage, die in den USA gegen den Computer-Riesen IBM wegen angeblicher Hilfeleistung für die Nazis im Weltkrieg eingereicht worden ist, lenkt die Aufmerksamkeit einmal mehr auf den Anteil amerikanischer Firmen beim Aufbau und Betrieb der Todes-Maschinerie der Deutschen. Ein soeben erschienenes Buch untermauert die Position der Kläger.
Der Computer-Riese IBM habe Hitler die Technologie zur Verfügung gestellt, mit der er im Holocaust Millionen von Menschen verfolgen und umbringen konnte. Das ist die Quintessenz einer am Wochenende in New York eingereichten Sammelklage. Die Gesellschaft war, wie es in der Klageschrift heisst,... more...

45 Prozent weniger als vor einem Jahr

von Lev Gorodetsky, October 9, 2008
In den ersten zehn Wochen des laufenden Jahres trafen etwas über 5500 Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion in Israel ein. Das sind rund 45% weniger als in der letztjährigen Vergleichsperiode. Allgemein wird die nach und nach wieder einkehrende Stabilität in Russland für diese Entwicklung verantwortlich gemacht.
Vladimir und Marina sind immer noch entschlossen, im nächsten Monat mit ihrer 13-jährigen Tochter nach Israel einzuwandern. Weder die seit dem letzten Herbst in der Region herrschende Gewalt noch die geringen Chancen, im angestammten Beruf einen Job zu finden, konnten daran etwas ändern. «Wir... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Liste. Rätselraten herrscht rund um die Sitzung von Mitgliedern des Volcker-Komitees dieser Woche in Zürich, und so wird es wohl auch in der nächsten Woche bleiben, für die Elan Steinberg, Direktor des Jüdischen Weltkongresses, laut der Nachrichtenagentur Reuters eine Folge-Redaktionssitzung in... more...

Zwischen Gedenken und Politik

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
Der heutige 27. Januar ist der Holocaust-Gedenktag in Deutschland. An diesem Tag 1945 wurde Auschwitz von den russischen Truppen befreit und im Januar 1996 proklamierte der damalige Bundespräsident Roman Herzog im Deutschen Bundestag den Holocaust-Gedenktag. Dazwischen liegen immerhin 51 Jahre, bis eine staatliche deutsche Institution einen solchen Tag für notwendig hielt. Vielleicht auch deshalb, weil der seit Bestehen der Bundesrepublik schon fast traditionelle Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus, der 9. November, dem deutschen Jubeltag, dem symbolischen Tag der Wiedervereinigung Deutschlands weichen musste. Dies zeigte sich besonders deutlich am 9. November 1999.

Heute Donnerstag sprechen in einer Gedenkstunde Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident, und Elli Wiesel im Bundestag, der mittlerweile im ehemaligen Reichstagsgebäude ansässig ist. Sicher hätte es auch dem neuen Bundespräsidenten Johannes Rau gut angestanden, zu diesem Tag der deutschen... more...

«The institution of marriage liegt sowieso in der Erd...»

Interview Odette Rosenberg, October 9, 2008
Eigentlich wäre Wien der Tagungsort gewesen. Doch als Reaktion auf die politischen Ereignisse in Österreich werden sich nun rund 300 Rabbiner im März in Bratislava treffen. Darüber, was zur Sprache kommen soll und über die Frage des Get hat sich JR-Mitarbeiterin Odette Rosenberg mit dem Rabbiner der ICZ, Zalman Kossowsky, unterhalten.
Jüdische Rundschau: Statt in Wien wird die Konferenz nun vom 12. bis 15. März, in Bratislava stattfinden. Rund 300 Rabbiner werden sich treffen. Welche Themen werden voraussichtlich behandelt?Zalman Kossowsky: Das Hauptthema wird dieses Mal Kiruv-Arbeit sein, die Frage, wie man Leute dem Judentum... more...

Der Antisemitismus der Pseudo-Intellektuellen

von Alan Achwartz, October 9, 2008
Mit grösster Freude erzählte der SS-Wächter uns immer wieder, dass wir keine Chancen hätten, das Ganze zu überleben, und nach dem Krieg würde die Welt sowieso nicht glauben, was geschehen ist. Wohl werde es Gerüchte und Spekulationen geben, doch keine klaren Beweise, und die Menschen würden zum Schluss gelangen, dass Schlechtes in diesem Ausmass schlicht nicht möglich wäre. - Im Laufe der Jahre haben die Holocaust-Leugner ihre Techniken laufend verfeinert, wie sich zuletzt auch im «Fall Irving» zeigte. Der Jom Haschoa, das Gedenken an den Holocaust, steht nicht mehr nur gegen das Vergessen, sondern je länger desto mehr gegen die systematische Verleugnung der Geschichte.
Die Leugnung des Holocausts ist die letzte Waffe im Arsenal der zeitgenössischen Antisemiten. Seitdem sie vor rund einer Generation begonnen hat, ihr hässliches Gesicht zu zeigen, ist die Leugnung des Holocausts laufend raffinierter geworden, ohne deswegen ihre Berechnung und ihren Zynismus zu... more...

«Herrgott, was war das für eine Musik!»

von Walter Labhart, October 9, 2008
Was gibt es vier Jahrzehnte nach des grossen russischen Dichters Tod noch Unbekanntes zu sagen? Längst sind alle Hintergründe des von seiner späten Liebe Olga Iwinskaja inspirierten Bürgerkriegsromans «Doktor Schiwago» in einer international breitgefächerten Sekundärliteratur aufgedeckt und die biografischen Fakten des 1958 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Autors jüdischer Herkunft bis ins kleinste Detail erforscht. Unbeachtet geblieben ist Pasternak einzig als Komponist.
Die Musik spielte im Leben des vor 40 Jahren in Peredelkino bei Moskau verstorbenen Lyrikers und Romanschriftstellers schon seit frühester Kindheit eine bedeutsame Rolle. Seine Mutter Rosa Kaufmann war eine hervorragende Pianistin und der Vater, der Maler Leonid Pasternak, erfreute sich... more...

Sie schlugen den Peres-Sack und meinten den Barak-Esel

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Das gibt es wahrscheinlich nur in Israel: Alle Meinungsumfragen ergaben eine deutliche Mehrheit im Volk für Shimon Peres als Staatspräsident. Gewählt wurde aber Moshe Katzav, der Kandidat des Likuds. Auch am Tag nach der Ausmarchung in der Knesset durfte Peres, als Trostpflaster sozusagen, noch feststellen, dass eine klare Mehrheit der Israelis unverändert hinter ihm stehen. Internes Ränkespiel und persönliche Vergeltungen, kombiniert mit dem bekannt opportunististischen Verhalten gewisser Parteien, ermöglichten aber das überraschende Ergebnis. Jetzt muss Ehud Barak besser heute als morgen eine lebensfähige Koalition auf die Beine stellen, will er vermeiden, dass der Ruf nach Neuwahlen auch im eigenen Lager immer lauter wird.
70% der israelischen Bürger hätten gerne Shimon Peres als nächsten Staatspräsidenten gesehen. Das ergaben Erhebungen im Vorfeld des unerwarteten Sieges des Likud-Kandidaten Moshe Katzav vom Montag. Aber auch am Dienstag, nach geschlagener Schlacht also, sprachen sich laut einer in der Zeitung... more...

Ein Brief in der Sonntagsmesse

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
In einem im Verlauf der letzten Sonntagsmesse in Polen verlesenen Brief bitten Vertreter der römisch-katholischen Kirche des Landes um Vergebung dafür, dass die Kirche den Antisemitismus toleriert hat, sowie für andere religiös-diskriminatorische Handlungen durch polnische Katholiken.
Den fünfseitigen Brief haben polnische Bischöfe als Teil der Akte der Selbstprüfung, Entschuldigung und Reue veröffentlicht, welche die Kirche im Millenniums-Jahr begeht. Dieser Brief geht nach allgemeiner Ansicht weiter als eine 1991 von der polnischen Kirche veröffentlichte Entschuldigung. Er... more...

Israels bekanntester Dichter ist tot

von Avi Katzman und Saguy Green, October 9, 2008
Im Alter von 76 Jahren erlag in Jerusalem der weltbekannte Dichter Yehuda Amichai einem Krebsleiden. Er wurde am Sonntag unter grosser Anteilnahme zu Grabe getragen. Amichai spielte nicht nur in Israels Literaturbetrieb eine führende Rolle, sondern prägte auch die politische-ideologische Diskussion im Lande massgeblich mit.
Yehuda Amichai kam in Deutschland als Kind einer religiösen Bauernfamilie zur Welt. 1936 wanderte er nach Palästina aus und liess sich in Jerusalem nieder. Während des 2. Weltkrieges ging Amichai freiwillig zur Jüdischen Brigade in der britischen Armee, und später beteiligte er sich als... more...

«Wir sollten für unsere Taten, nicht für unsere Gedanken beurteilt werden»

Interview Regula Rosenthal, October 9, 2008
Jüdische Rundschau: Sir Ustinov, letztes Jahr hielten Sie am Institut für jüdische Studien der Universität Basel einen Vortrag. Dabei erzählten Sie eine bisher unbekannte Geschichte von Ihrer Familie.Sir Peter Ustinov: Es war mir nicht klar, was man von mir erwartete, als man mich zu diesem... more...

Schüsse und Bomben verhärten Barak

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Unaufhaltsam rückt der 6. Februar näher, der Tag, an dem das israelische Volk aufgerufen ist, einen neuen Premierminister zu wählen, ev. einen alt-neuen. Und mit jedem Tag, der verstreicht, nehmen Verwirrung und Frustration in der israelischen Öffentlichkeit zu. - Yasser Arafat und Bill Clinton hielten in Washington zwei Gesprächsrunden ab, doch Ehud Barak will ohne vorherige Wiederaufnahme der Sicherheits-Kooperation zwischen den beiden Seiten wahrscheinlich nicht in die USA reisen. Generell glaubt er nicht mehr an die Unterzeichnung eines Vertrags mit den Palästinensern in den nächsten Wochen.
Abgesehen davon, dass immer mehr Bürger der Ansicht sind, die Wahl des Premiers ohne gleichzeitige Neubestellung der Knesset müsse bei der heutigen Kräfteverteilung im Parlament innenpolitisches Stückwerk bleiben, führt die unablässige, von palästinensischer Seite verübte terroristische... more...

«Eine vertiefte Beziehung zwischen Bild und Betrachter»

von Regula Rosenthal, October 9, 2008
Bis zum 29. April zeigt die Fondation Beyeler in einer Retrospektive 75 Bilder von Mark Rothko, die grösste ihrer Art in Europa. Für Galerist Ernst Beyeler geht mit der Ausstellung ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Rothko gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus.
Er emigrierte in die USA. Mark Rothko, 1903 als Markus Rothkowitz in Dvinsk an der russischen Grenze geboren, wanderte mit seiner Familie zwischen 1912 und 1913 nach New York aus und studierte an der Yale University.Rothko widmete sich dem Studium der Schauspielerei und der Malerei. Aus seiner... more...

Einigung um Entschädigung von Zwangsarbeitern noch in diesem Jahr

von Igal Avidan, October 9, 2008
Eine Einigung um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter soll noch in diesem Jahr erreicht werden, sagten Verhandlungsführer von deutscher und jüdischer Seite. Die nächste Verhandlungsrunde wird in Washington am 8. Dezember stattfinden. Das Entschädigungsangebot für rund 900 000 vor allem ost-europäische Sklavenarbeiter soll etwa 10 Milliarden Mark betragen. Bisher haben sich 60 Firmen bereit erklärt, am Entschädigungsfond der deutschen Industrie teilzunehmen, wobei nur 17 genannt werden wollten.
Nachdem in Israel bekannt worden war, dass unter den 2500 Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben, sich auch die deutsche Lufthansa befindet, erklärte die Fluggesellschaft sich bereit, dem Fond beizutreten. Die Zeitung «Neues Deutschland» veröffentlichte auf fünf Seiten eine Liste mit... more...

Das Reden von «Menschenrassen»

von Nico Rubeli-Guthauser, October 9, 2008
Ausgelöst durch die Neuauflage des Buches «Rätsel des Judentums» und eine Zusammenstellung von Zitaten aus dem Werk Rudolf Steiners entstand eine Debatte bezüglich der Haltung der Anthroposophen zum Judentum. Letzte Woche luden die Anthroposophische Gesellschaft - Zweig am Goetheanum und Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft zu einer öffentlichen Veranstaltung mit prominenten Diskussionsteilnehmern zur Verständigung von Judentum und Anthroposophie.
Anthroposophen tun sich im Umgang mit Antisemitismus schwer. Eine einschlägige Monografie zum Thema veröffentlichte 1931 der Steiner-Schüler Ludwig Thieben unter dem Titel «Rätsel des Judentums». Thieben konvertierte vom Judentum zum Christentum, um sich dann der Anthroposophie zuzuwenden.... more...

Augen zu, Ohren zu

von Hans Stutz, October 9, 2008
Am vergangenen Freitag organisierte der Verein «Wahrheit und Recht», ein Zusammenschluss von Schweizer Holocaust-Leugnern, einen öffentlich angekündigten Vortrags- und Diskussionsabend über den Bergier-Flüchtlingsbericht. Rund fünfzig Personen, darunter rund ein Dutzend Skinheads, lauschten Vereinspräsident Jürgen Graf sowie weiteren Rednern.

Die Polizei habe von der rechtsextremen Veranstaltung nichts gewusst und «keine besonderen Massnahmen» getroffen, erklärt auf Anfrage Markus Rieder, Stellvertretender Pressechef der Walliser Kantonspolizei. Weiter behauptet er, es sei den Holocaust-Leugnern «freigestellt, eine Versammlung zu... more...

Er kam, um für den Staat zu kämpfen

von Wendy Elliman, October 9, 2008
Am 10. Mai, dem 52. Unabhängigkeitstag Israels, wird Prof. Hillel Daleski den Israel-Preis für sein literarisches Forschen erhalten. Die Auszeichnung wird für hervorragende Leistungen auf wissenschaftlichem, humanitärem und künstlerischem Gebiete sowie für besondere Leistungen zugunsten der Gesellschaft und des Staates Israel verliehen. In Daleskis Fall handelt es sich um eine doppelte Leistung: Im April 1948 wurde er insgeheim für die Haganah (die Vorläuferin der Armee) rekrutiert. Er traf als Student der Hebräischen Universität in Israel ein. Daleski war jedoch nicht gekommen, um zu studieren, sondern um für das Land zu kämpfen. Wie Israel selber hat auch Daleski vom ersten Unabhängigkeitstag bis heute einen weiten Weg zurückgelegt. Damals brauchte das Land ihn als Soldaten. Heute feiert es ihn wegen seiner akademischen Leistungen.
Die 40-jährige Karriere hat schon nationale und internationale Anerkennungen gesehen. Angefangen hat es jedoch mit einer faustdicken Lüge. Im April 1948 gelang es dem 21-jährigen Südafrikaner Hillel Daleski, sich eines der seltenen Visa für Mandats-Palästina zu verschaffen. Er gab an, er wolle... more...

«Ich freue mich schon jetzt, die Berner Synagoge zu besuchen»

October 9, 2008
Von diesem Sommer an amtiert Daniel Halevy-Goetschel als Nummer zwei, d.h. als erster Sekretär, an der israelischen Botschaft in Bern. Halevy-Goetschel ist in Strasbourg geboren. Er hat das Wirtschaftsstudium an der Hebräischen Universität mit einem M.A. abgeschlossen und wohnt seit 1981 in Israel. Für die JR sprach Nicole Izbicki-Straus mit Halevy.
Jüdische Rundschau: Wie haben Sie Ihren Weg ins israelische Aussenministerium gefunden?Halevy-Goetschel: Das Aussenministerium schrieb eine Stelle aus, und obwohl ich erst relativ kurze Zeit in Israel gelebt hatte, wurde meine Kandidatur angenommen. 1988 begann ich meine zweijährige... more...

Der Halbgott ist der Verlierer

October 9, 2008
Alle, die die laufende Woche mit der Frage begonnen haben, ob die regulären Erdumdrehungen und Shimon Peres’ Wahl zum israelischen Präsidenten gleichzeitig vonstatten gehen können, haben am Montag eine einfache Antwort, vielleicht eine Bestätigung erhalten: Nein.Nein, die Gesetze der Natur... more...

Tausend Körbe mit 50-80 Millionen Bienen

von Sharon Kanon, October 9, 2008
Kurz vor Rosch Haschana, als die Nachfrage nach Honig traditionsgemäss am höchsten war, besuchte die Autorin die Bienenfarm der Familie Lin im Moschaw Bilu bei Rechovot. Dabei lernte sie zahlreiche honigverwandte Produkte kennen. Darüber hinaus brachte man ihr aber auch bei, wie viel Bienenkraft für die Herstellung eines Glases Honig nötig ist. Ansicht eines natürlichen faszinierenden Prozesses.
Haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht, wie viele Bienen arbeiten müssen, um ein Glas mit 100 Gramm Honig herzustellen, und wie viel Zeit sie dazu benötigen? In der Hoffnung auf ein süsses Jahr taucht an Rosch Haschana jede traditionelle jüdische Familie in Israel und im Ausland Äpfel... more...

Die Regierung Barak

October 9, 2008
Es gab in Israel nie eine bessere und angenehmere Zeit als die 50 Tage, die zwischen den Wahlen vom 17. Mai bis zur Einsetzung der neuen Regierung am 6. Juli verstrichen ist - eine Periode ohne Regierung. Die Regierung Netanyahu war gefallen, und die neue Regierung Barak noch nicht im Amt. Ich... more...

Antisemitismus- und Rassismusalarm

von Anton Legerer, October 9, 2008
85 «physische» Übergriffe gegen Juden seien in den zwei Wochen vor und nach der Nationalratswahl vom 3. Oktober in Wien registriert worden. Drohbriefe und Schmähungen seien auf das Zehnfache gestiegen. Das sagte IKG-Präsident Ariel Muzicant im Rahmen einer Pressekonferenz der neu gegründeten Plattform «Demokratische Offensive» am letzten Freitag. Diese Mitteilung sei exemplarisch für das sich zuspitzende gesellschaftliche Klima in Österreich zu verstehen, man könne sich daher leicht ausmalen, so Muzicant, wie es Ausländern erginge, die nicht über eine so starke Vertretung, wie es die IKG für die Juden ist, verfügten. Zur Illustration verteilte Muzicant Kopien anonymer, an die IKG gerichteter Hetzbriefe an die anwesenden Journalisten.
Während die österreichischen Medien einen Sprecher des Innenministeriums zitieren, der von keiner Zunahme tätlicher Angriffe wissen möchte, bestätigte Amtsdirektor Avshalom Hodik gegenüber der JR die Zunahme von Übergriffen. Vor allem orthodoxe Juden - ihrer Kleidung und Haartracht wegen... more...

KKL-Land in Syrien

October 9, 2008
Der Jüdische Nationalfonds (Keren Kayemeth Leisrael, KKL) besitzt in Syrien Land im Umfang von rund 53 000 Dunam, was in etwa der Grösse der Stadt Tel Aviv entspricht. Das bestätigte KKL-Präsident Shlomo Gravetz, der präzisierte, der Boden südöstlich von Damaskus sei in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts von Baron Rothschild gekauft worden.
Der Baron habe es dann an syrische Bauern verpachtet und die vom Gesetz vorgeschriebenen Steuern an die französische Regierung abgeführt. Als Syrien 1946 unabhängig wurde, hat es das betreffende Land offenbar verstaatlicht, obwohl es im syrischen Bodenverzeichnis (Tabu) schon vor 1946 registriert... more...

Heinrich Ungar s.A.

October 9, 2008
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich vergangene Woche die Nachricht vom Tode unseres Freundes Heinrich Ungar, Chaim ben Mordechai sl. Wohl wussten wir um seine angeschlagene Gesundheit, doch als er in jüngster Zeit doch wieder sporadisch zur Tefila in «seine» so geliebte Synagoge kam, hatten wir... more...

Wer ist Jude?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Nach der verheerenden Hungersnot von 1984 bahnt sich in Ostafrika erneut eine humanitäre Katastrophe an. Damals starben in Äthiopien über eine Million Menschen. Soweit ist es diesmal noch nicht, doch dem schleichenden Inferno fallen schon jetzt täglich dutzende Kinder zum Opfer, während die... more...

Dokumente vom Flohmarkt

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Dokumente, die kürzlich auf einem Flohmarkt in Rom entdeckt worden sind, sollen beweisen, dass der während des 2. Weltkriegs amtierende Papst Pius XII regelmässig Informationen über die Grausamkeiten der Nazis erhalten hat und über die Judenvernichtungs-Pläne im Bilde gewesen sein soll.
Funde auf einem Römer Flohmarkt, die darauf hinweisen sollen, dass Papst Pius XII über die Vernichtung der Juden durch die Nazis regelmässige Informationen erhalten haben soll, könnte die Diskussion zu diesem Thema und zur Frage, ob Pius XII nicht mehr Juden hätte retten können, weiter... more...

«Shihab-3»-Rakete kurbelt Aufrüstung an

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Der erfolgreiche Test der ballistischen Rakete «Shihab-3» durch Iran kommt für die zuständigen Stellen in Israel nicht überraschend. Dessen ungeachtet warnt Jerusalem in eindeutiger Sprache vor den verheerenden Folgen, die ein weiterer Fortschritt des iranischen Raketenprogramms für die ganze Region haben kann.
Teheran kann zwar nicht von heute auf morgen Israel mit Raketen beschiessen, doch seit dem erfolgreichen Test der ballistischen Langstreckenrakete Shihab-3 vom vergangenen Samstag (Vgl. auch «Zur Lage») ist aus der bisher theoretischen iranischen Bedrohung eine grundsätzlich praktische geworden.... more...

Vergleich spitzt sich zu

von Anton Legerer, October 9, 2008
Der an einem New Yorker Gericht hängige Vergleich mit Österreichs grösster Bankengruppe Bank Austria/Creditanstalt (BA/CA) droht in einem Fiasko zu enden. Was von der Bankengruppe und den Anwälten als grosszügige Vereinbarung für betroffene Geschädigte und deren Nachkommen propagiert wird, empfinden jüdischen Organisationen und Verbänden, allen voran der Jüdische Weltkongress (WJC) und die Claims Conference, als zu billiges Davonstehlen vor der historischen Verantwortung und als Falle für die Betroffenen.

13 von den Anwälten Edward Fagan, Robert Swift und Michael Witti vertretene Kläger - Geschädigte der BA/CA-Bankengruppe - haben namens einer unbekannt grossen Zahl von Betroffenen unter Aktenzahl 3938/98 eine Sammelklage beim Bundesbezirksgericht Südlicher Bezirk New York gegen BA/CA... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
alptraum. Nun muss auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) für die Hetze der SVP und ihr Nahestehender herhalten. «Dieser moralisierende Aufruf ist unhaltbar und muss entschieden zurückgewiesen werden», heisst es in einer Kolumne namens «Schlusspunkt» der «Schweizerzeit» der... more...

Gegen das Gesetz?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Am vergangenen Montag strahlte die 2. israelische TV-Kette den Film «One Day in September» aus, der das Massaker an den israelischen Olympia-Sportlern im Jahre 1972 in München zum Thema hat. Produzent des mit einem Oscar ausgezeichneten Streifens ist der Basler Arthur Cohn. Bis heute haben die Familien der toten Sportler sich nicht damit abgefunden, dass der Film schockierende Bilder von den Leichen ihrer Angehörigen zeigt.

Während Arthur Cohn und sein Team weltweit uneingeschränktes Lob für ihren Film «One Day in September» entgegennehmen dürfen, ist das Verhältnis zwischen dem Produzenten und den israelischen Familienmitgliedern der Opfer angespannt. Grund ist die zunächst unretouchierte Verwendung von... more...

Politzirkus um Jörg Haider

von Anton Legerer, October 9, 2008
Die erste grosse Wahlniederlage der FPÖ seit Beginn der Ära Jörg Haiders 1986 bei der Landtagswahl in der Steiermark letzten Sonntag brachte mit 12% der abgegebenen Stimmen, das ist ein Stimmenverlust von mehr als einem Viertel im Vergleich zur letzen Wahl vor vier Jahren, die Partei ins Trudeln. Und soll Haider zu einem Comeback verhelfen. Offiziell hat er ja nach Unterzeichnung des Regierungsübereinkommens auf Bundesebene mit der ÖVP Anfang Februar als Parteiobmann seit April abgedankt und beschränkt sich auf seine Rolle(n) als «einfaches Parteimitglied», Mitglied des Koalitionsausschusses und Landeshauptmann von Kärnten.
Nach der erlittenen narzistischen Kränkung drohte Haider Bundeskanzler Wolfgang Schüssels ÖVP mit dem Bruch der Koalition und sprach von vorgezogenen Neuwahlen. Schüssel solle in seiner Partei «Ordnung schaffen». Grund für die auch von der formellen Parteispitze mit Vizekanzlerin Susanne... more...

Kaum jemand will wirklich vorgezogene Wahlen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Wer versucht, eine möglichst treffende Umschreibung für das zu finden, was sich auf der innenpolitischen Bühne Israels abspielt, seitdem Premierminister Ehud Barak am Dienstag letzter Woche in der Knesset seine Zustimmung zu vorgezogenen Wahlen erteilt hat, der stösst recht bald schon auf Begriffe wie «Kindergarten» oder «orientalischer Markt».

Eines ist heute schon so gut wie sicher: Keiner der direkt betroffenen Parteien und Politiker ist begeistert von der Idee, das israelische Volk im kommenden Frühling schon wieder an die Urnen zu zitieren. Die Geister, die der Likud zuerst geweckt hat, die dann aber von Barak persönlich... more...

Verlagsmitteilung

October 9, 2008
Liebe Leserin, lieber LeserDie Schweiz braucht ein jüdisches Medienprodukt, das den spezifischen Informationsbedürfnissen der jüdischen Gemeinschaft nachkommt und die Brücke zum nichtjüdischen Publikum in und ausserhalb der Schweiz schlägt. Bisher haben die «Jüdische Rundschau» und das... more...

Keren Hayessod fordert Entschädigung

von Igal Avidan, October 9, 2008
Der Wohltätigkeits-Verein «Keren Hayessod» in Deutschland fordert von einem deutschen Lokalbesitzer Schadenersatz in Höhe von 100 000 Mark, weil er im letzten Moment einen Benefizabend mit der Enkelin von Itzhak Rabin s.A., Noa Ben-Artzi, verunmöglichte. Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Gastwirt Rudolf Fischer, der die jüdische Organisation mit der rechtsextremen Partei DVU (Deutsche Volksunion) verglichen hat. Inzwischen hat sich der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude bei Ben-Artzi für den rassistischen Vorfall entschuldigt. Die Benefizveranstaltung fand schliesslich am Sonntagabend mit 120 Gästen und vielen Journalisten in einem anderen Münchner Lokal statt.

Im vergangenen Dezember hat Keren Hayessod mit Fischer Kontakt aufgenommen, um in seiner Gaststätte «Julieta» eine Wohltätigkeitsveranstaltung am 11. 3. für die Gruppe «Young Leadership» zu organisieren. Da das Lokal sonntags geschlossen ist, konnten es die Gäste ganz für sich haben.... more...

Von der Assimilation zur Renaissance

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Mehrere hundert Persönlichkeiten aus Politik, Religion und dem akademischen Bereich nahmen am 10. und 11. September an einem internationalem Symposium unter dem Motto «Von der Assimilation zur Renaissance» teil. Die Organisation lag in den Händen des 1996 gegründeten Internationalen Zentrums für die jüdische Identität der Bar Ilan-Universität.
«Auch wenn in den meisten Staaten der Welt der Antisemitismus rückläufige Tendenzen aufweist und der Status der Juden heute besser denn je ist, drohen zahlreiche Faktoren, die Assimilation in den kommenden Generationen zu beschleunigen.» Mit dieser Warnung eröffnete Dr. Yaacov Eliav, Vorsteher... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Schoa-Memoiren. Elie Wiesel und der Jüdische Weltkongress wollen mit einer Million Dollar des amerikanischen Verlags Random House nun Memoiren von Holocaust-Überlebenden in aller Welt sammeln, auf Englisch übersetzen lassen und in einer elektronischen Datenbank archivieren. Es war Wiesels Idee,... more...

Alt-neuer Netanyahu

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Mit ihrem kurzsichtigen und egoistischen Vorgehen ist es den Palästinensern nicht nur gelungen, den Nahen Osten gefährlich in die Nähe eines neuen Krieges zu rücken. Sie beeinflussen zudem das innenpolitische Geschehen in Israel weit mehr als sie zuzugegeben bereit sind, und vor allem in einer... more...

Wer handelt mit «Blut-Diamanten»?

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Immer wieder machen wilde Gerüchte über gezielte Verstösse gegen UN-Auflagen und das Verbot des Handels mit Rohdiamanten aus afrikanischen Ländern, die sich im Kriegszustand befinden, die Runde. Bisher wurden nur wenige Beweise geliefert und dennoch brodelt es in der Gerüchteküche der Branche. Die Unterstellungen und Anschuldigungen führen zu Verärgerung und oft auch zu harten Reaktionen.
Die israelische Diamantenindustrie sieht in den kursierenden Gerüchten eine gezielte Verleumdungskampagne interessierter Kreise in Antwerpen, die wahrscheinlich selbst involviert sind, und gerade deshalb versuchen, oft durch unlautere Methoden, andere in den Kreis der Mitschuldigen zu ziehen, die... more...

Tod oder Geld?

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
«Es ist ein Skandal, dass die Wirtschaft durch ihre mangelnde Zahlungsmoral erst die Rechtssicherheit gefährdet und jetzt die fehlende Rechtssicherheit als Begründung für ihre Nicht-Zahlung anführt», sagte der SPD-Fraktionschef Peter Struck in dieser Woche. Das sei «zynisch, doppelzüngig und unmenschlich». Die Aufregung ist gross in Wirtschaft und Politik, denn die amerikanische Richterin Shirley Kram hatte in der letzten Woche doch recht unerwartet eine Sammelklage von NS-Opfern gegen deutsche Banken mit dem Hinweis nicht abgewiesen, dass die deutsche Wirtschaft noch nicht die volle Summe in den Fonds eingezahlt hätte. Der Verhandlungsführer der Bundesregierung, Graf Lambsdorff, war sich noch Anfang März «ziemlich sicher», dass das Gericht einen streitigen Fall abweisen würde. Jetzt gibt es eine Reihe von Vorschlägen, wie man so schnell wie möglich eine Schadensbegrenzung herbeiführen kann. Paul Spiegel forderte eine sofortige Auszahlung aus den Zinserträgen. Bundeskanzler Schröder spricht diese Woche mit den 16 Gründungsmitgliedern.

1,4 Milliarden Mark fehlen noch, die die deutsche Wirtschaft - das sind zurzeit 5970 Firmen - noch nicht in den Fonds der Stiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» eingezahlt hat. Spekuliert wird darüber, dass die Unternehmen nunmehr nicht 1 Prozent ihres Jahresumsatzes, sondern 50 Prozent... more...

«Ich habe keine Ahnung von Musik»

Interview: Regula Rosenthal, October 9, 2008
Zum 35. Mal findet in diesen Tagen in Cannes, Frankreich, das Internationale Musikfestival «Midem» statt. Weltweit das grösste und wichtigste Festival dieser Art lockt über 12 000 Besucher der Musikbranche, darunter 800 Journalisten und zirka 1000 Künstler, an die Côte. Auch dieses Jahr wird «Midemnet» - das sich ganz der Musik im Internet widmet - mit von der Partie sein. Verschiedene Konzerte zeigen Trends auf und stellen neue Künstler vor, die auf dem Gebiet der klassischen Musik, Jazz, Rock, Pop und Ethnomusik ihr Können darbieten. Zahlreiche Pressekonferenzen, Podiumsgespräche, Preisverleihungen und andere Events informieren am laufenden Band Liebhaber jeglicher Musiksparte. Umrahmt wird der Mega-Anlass von Empfängen und Cocktailpartys, die bis weit in die Nacht dauern.

Jüdische Rundschau: Herr Grubmann, es heisst, dass Sie einer der mächtigsten Anwälte in der Musikbranche sind. Wie haben Sie das geschafft?Allen Grubman: Was es dazu braucht ist: «Sechel und Maazel.» Hat man einen guten «Kopf» und zusätzlich noch etwas Glück, um zur richtigen Zeit am... more...

Besorgnis über die Gewalt in Israel

von Olivier R. Lasowsky, October 9, 2008
Am vergangenen Montag suchte das Eidgenössische Departement des Äussern (EDA) ein Gespräch mit dem israelischen Botschafter in Bern. Anlass für die Zusammenkunft: Die anhaltenden Gewalttätigkeiten in den besetzten Gebieten und in Israel. Die JR sprach mit Israels Botschafter Itzchak Mayer.

Der israelische Botschafter, Itzchak Meyer, und eine Vertreterin des EDA, Lise Favre, trafen sich am Montag zu einem Gespräch in Bern. In der Besprechung übergab Favre dem Botschafter eine Stellungnahme der Schweizer Regierung bezüglich der eskalierenden Gewalt in den vergangenen Tagen in Israel... more...

Feind Nummer eins

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Ist das, was sich derzeit zwischen Israelis und Palästinensern abspielt, grotesk, bizarr oder kafkaesk? Oder vielleicht etwas ganz anderes? Abstrahieren wir einmal von der seit Wochen für die Araber, aber auch den Grossteil der westlichen Welt feststehenden «Tatsache» von Israels Schuld an der... more...

Dialog-unfähig

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Zeit: Montag, kurz vor 18 Uhr. Der Ort: Der Zionsplatz im Zentrum von Jerusalem.Ein dichter Strom von Menschen bewegt sich durch die Jaffa-Strasse in Richtung auf die Altstadtmauern, wo die Kundgebung für die Einheit der Stadt bevorsteht. Mit einem Male beginnen 20-30 Polizisten auf dem Platz... more...

Eidtkuhnen, Wien, Kilchberg

von Katharina Kerr, October 9, 2008
Die vor etwas mehr als einem Jahr verstorbene Brugger Historikerin Marthi Pritzker-Ehrlich hat mit einer Veröffentlichung aus dem Briefnachlass ihrer Familie eine bewegende Dokumentation der Emigration ihrer Wiener Grossmutter in die Schweiz von 1938/39 vorgelegt.
Im Oktober 1936 heiratet der Zürcher Obergerichtssekretär Dr. Kurt Ehrlich die Wiener Medizinstudentin Eva Mittler, Tochter des 1931 aus dem Leben geschiedenen, aus Ungarn stammenden Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Hans Mittler und der in Eidtkuhnen/Ostpreussen geborenen Rosa Mittler-Schidorsky.... more...

«Deutschland müsste mehr tun»

Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, wirft den deutschen Bürgern und Politikern vor, im Kampf gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus nicht genug zu tun.

«Wir hätten uns nie träumen lassen, dass es für die demokratische deutsche Gesellschaft ein halbes Jahrhundert nach dem Holocaust so schwierig sein würde, sich dem Rechtsextremismus entgegenzustellen.» Mit diesen Worten reagierte Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in... more...

«Den Betroffenen zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung»

von Tanja Kröni, October 9, 2008
Diese Worte des Berner Ständerats Samuel Schmid bei der Einweihung der Gedenkstätte auf dem Areal des Interniertenlagers Häftli galten vor allem den während des Zweiten Weltkriegs dort internierten polnischen, russischen, italienischen und französischen Soldaten. Erstellt worden war es 1940, um möglichst viele ausländische Soldaten auf kleinem Raum, in 120 Baracken, unterzubringen. Ab 1942 kamen auch zivile Flüchtlinge, darunter knapp 1000 Jüdinnen und Juden, dazu, die Schmid mit keinem Wort erwähnte.

Es waren vor allem jüdische Flüchtlinge, die oft nach mehren Fluchtjahren und Aufenthalt im französischen Lager Gurs, bei Genf illegal über die Grenze kamen. Nach Historiker Jürg Stadelmann, der letztes Jahr ein Buch über das Bürener Internierungslager veröffentlichte, war bereits die... more...

«Unerschöpfliche Kenntnisse»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die Holocaust-Forscherin Sybil Milton ist auf dem jüdischen Friedhof in Chevy Chase, Washington DC, beigesetzt worden. Sie wurde nur gerade 59 Jahre alt, und sie hinterlässt eine schmerzliche Lücke, bei Freunden, Kollegen und auch in der Bergier-Kommission, deren Vizepräsidentin sie war. Sie war ein wunderbarer Mensch und eine unbestechliche Historikerin.

«Wir sind alle sehr traurig», sagt Jean-François Bergier, Präsident der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (UEK). «Sybil Milton war für uns nicht nur eine Kollegin, sondern auch eine Freundin. Wir wussten, dass sie schwer krank war, aber wir dachten nicht, dass sie uns... more...

Weder Marshall noch Haig

von Amir Oren, October 9, 2008
1983, als der jetzt neu nominierte US-Staatssekretär Colin Powell in der Reagan-Administration als Militärsekretär des amerikanischen Verteidigungsministers amtierte, kam er zum ersten Mal mit Ehud Barak zusammen, der Washington eine Visite als neu ernannter Chef des militärischen Abwehrdienstes Israels abstattete. Das Treffen war der Anfang einer herzlichen Freundschaft zwischen den beiden Militärs, die es noch an die Spitze ihrer Armeen schaffen würden, bevor sie den Sprung in die politische Arena wagen sollten.
Seit dem 2. Weltkrieg kam es erst zweimal vor, dass ehemalige amerikanische Generalstabchefs zum Staatssekretär ihres Landes ernannt wurden. Einer war George Marshall, der andere Alexander Haig. Marshall, der keine eigenen politischen Ambitionen hatte, fügte der Administration Truman... more...

Auf der Suche nach Bezugsberechtigten

von Magnus Bennett, October 9, 2008
Die holländischen Behörden suchen nach Personen, die von der Stiftung profitieren könnten, welche errichtet worden ist, um Juden zu entschädigen, deren Besitztum im Weltkrieg von den Nazis geplündert worden war.

326,2 Millionen Dollar haben die Regierung de Niederlande, Versicherungsgesellschaften, Banken und die niederländische Börse bereit gestellt, um holländische Juden, deren Eigentum während des 2. Weltkrieges von den Nazis geplündert worden ist, zu entschädigen. Der Kompensationsplan ist gegen... more...

«Die Sicherheit der ganzen Region ist unterwandert»

October 9, 2008
In ihren Gesprächen mit Regierungschef Ariel Sharon brachten Vertreter des US-Kongresses am Dienstag ihre volle Unterstützung für Israels Haltung zum Ausdruck, die Verhandlungen mit den Palästinensern solange nicht wieder aufzunehmen, wie die Gewalt andauert. Vor seiner Unterredung mit Präsident Bush breitete Sharon an der Versammlung der pro-israelischen Lobby AIPAC sein politisches Credo aus, das wir nachstehend gekürzt veröffentlichen. Die Übersetzung und Bearbeitung besorgte Jacques Ungar.
Im Bestreben, die Israelis zu einen, habe ich eine Regierung der nationalen Einheit gebildet, doch Einheit unter Juden ist von weltweiter Bedeutung. In der Einheit liegt unsere Stärke begründet. Das jüdische Volk besitzt ein kleines, winziges Land; es ist der einzige Ort in der Welt, in dem Juden... more...

Menora und Chanukkia - Symbole des jüdischen Volkes

von Marc David Herzka, October 9, 2008
Um den Verbleib der von den Römern geraubten Menora, die in Jerusalem Salomons Tempel schmückte, ranken sich zahlreiche Legenden. Manche Historiker vermuten die Tempelmenora in den Kellergewölben des Vatikans. Historisch belegt ist einzig, dass der ganz aus Gold erschaffene siebenarmige Leuchter im Jahre 70 unserer Zeitrechnung vom römischen Kaiser und Feldherrn Titus nach Rom gebracht wurde. Er ist bis heute auf dem grossen Triumphbogen, den Titus in Rom errichten liess, abgebildet - als ein weiteres Beutestück unter tausend anderen. Während der Jahrhunderte ist die siebenarmige Menora zu einem wichtigen Symbol des Judentums geworden. Zu einem Symbol, das jeweils an Chanukka in Millionen jüdischer Haushalte als achtarmiger Leuchter in neuem Glanz erstrahlt.
Ganze Generationen von Historikern haben nach ihr gesucht, gefunden hat sie bis heute noch niemand: Die siebenarmige Menora (hebr. für Leuchter, Plural: Menorot) des Zweiten Tempels zu Jerusalem wurde zuletzt bei Titus’ Triumphzug vor über 1900 Jahren in Rom gesehen. Was die römischen... more...

Eine Trumpfkarte, die nicht sticht

von Zeev Schiff, October 9, 2008
Diplomatische Gelegenheiten haben im Nahen Osten in der Regel eine kurze Lebenserwartung. Stets taucht irgendetwas auf, das den Prozess stört und die Verhandlungen noch schwieriger gestaltet. Dieses Szenario hat sich in den letzten Jahren oft abgespielt, und man kann daher kaum von Überraschungen sprechen.
Die Syrer haben dies 1996 am eigenen Leibe erfahren. Im Anschluss an eine Reihe schwerer Hamas-Anschläge in Israel wurden die Verhandlungen mit den Syrern in Wye Plantation suspendiert, und bis zu ihrer Wiederaufnahme verstrichen einige Jahre. Zuvor hatten die Bombardierung von Kiryat Shmoneh durch... more...

«Treffen der letzten Chance»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Als «Treffen der letzten Chance» bezeichnen US-Kreise das Gipfeltreffen, das die Präsidenten Clinton und Assad am Sonntag in Genf veranstalten werden. Noch sind die Divergenzen zwischen Israel und Syrien beträchtlich, doch scheint man jetzt tatsächlich die Stagnation durchbrechen zu wollen. Washington fürchtet Unruhen nach einem allfälligen Machtwechsel in Damaskus.
Zwar kommt es in der Schweiz (noch) nicht zum israelisch-syrisch-amerikanischen Dreiergipfel, von dem man noch letzte Woche in Bern spekuliert hatte, doch das Treffen Clinton-Assad vom kommenden Sonntag in Genf - das erste derartige Rendez-vous seit sechs Jahren - ist auch nicht ohne. In Washington... more...

Das Opfer hat noch immer Angst

von Gisela Blau, October 9, 2008
Exemplarische Bedeutung habe dieser Prozess, sagte Anwalt Marc R. Richter in seinem engagierten Plädoyer, nicht zuletzt wegen der rassistischen und antisemitischen Natur der Tat. Richter vertritt den israelischen Ingenieur, der im August des vergangenen Jahres an der Zürcher Strehlgasse von einem Bäcker-Konditor aus dem Schaffhausischen mit einem Teigmesser hinterrücks niedergestochen worden war. Die farbige Fotografie aus dem Universitätsspital, die das 23 cm lange Messer bis zum Heft im Rücken des Opfers zeigte, weckte Erschauern. Der Ingenieur überlebte nur, weil die Klinge wichtigste Organe nur um Haaresbreite verfehlt und vor allem, weil sie erst im Spital herausgezogen worden war.
Dennoch geht es dem Israeli noch heute sehr schlecht, berichtete Richter anhand eines ärztlichen Zeugnisses aus Israel: Der früher lebensfrohe und reiselustige Mann hat noch immer Angst, getraut sich nicht mehr auf die Strasse, hat Angst, es könnte ihn wieder jemand von hinten überfallen. Zudem... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Flüchtlinge. Das Schweizerische Jugendschriftenwerk SJW und der Berner Lehrmittel- und Medienverlag BLMV stellten gestern je eine neue Publikation zur Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs vor, die sich an Jugendliche ab 13 Jahren und selbstverständlich auch an Erwachsene richten. An... more...

Im Namen Gottes

October 9, 2008
Ein Vergleich von Rabbi Ovadia Yosef mit Holocaust-Leugnern wie Thies Christopherson, Paul Rassinier, Jürgen Graf oder David Irving ist terminologisch nicht zulässig. Und doch: Rabbi Yosef zweifelte am vergangenen Samstag abend in einer via Satellit in alle Welt verbreiteten Rede vorsätzlich und... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Heisser Herbst. Die Banken alimentieren gegenwärtig die Medien mit ihren Befürchtungen angesichts der angekündigten, nochmals verschobenen Publikation des Volcker-Berichts. Aus durchgesickerten Informationen wurde deutlich, dass die Revisoren in den kontrollierten Banken nicht weniger als 62 000... more...

Ein Kaleidoskop berühmter Gesichter

von Walter Labhart, October 9, 2008
Seit 1967 lebte er mit seiner Frau Miriam in Männedorf am Zürichsee, fotografierte für «Times» und «Time Life» und fand daneben noch Zeit, Kunst, Bücher und Autographen zu sammeln und sein fotografisches Lebenswerk zu ordnen, bis er 1994 starb: Eric Schaal wurde kaum beachtet, als er diese Welt verliess und unzählige Erinnerungen an Dutzende von Berühmtheiten, die er einst in Fotoporträts festgehalten hatte, mit ins Grab nahm. Noch ist sein Name in den einschlägigen Quellenwerken nicht zu finden, ist der Fotograf ein Unbekannter, nur wenigen Eingeweihten vertraut.
Die Auswahl von Porträts renommierter Musiker, Maler, Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler und sogar Sportler, mit der das Präsidialdepartement der Stadt Zürich im Stadthaus bis zum 27. August an Eric Schaal und seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Porträtfotografie... more...

Eine eigene Sprache finden

von Tom Tugend, October 9, 2008
Während auf der einen Seite der Nazi-Konzentrationslager die Vernichtungsmaschinerie auf Hochtouren lief, betrieben die jüdischen Insassen auf der anderen Seite Theater, Orchester und Kabaretts. Der sprichwörtliche Sinn für Humor hat Juden schon immer geholfen, ihren Unterdrückern, aber auch sich selbst, sogar in den schlimmsten, oft letzten Momenten des Lebens in die Augen blicken zu können. Heute versuchen immer mehr Filmemacher, diesen Aspekt des Holocausts auf Zelluloid zu bannen und die ärgste jüdische Tragödie des Jahrhunderts zu entmythologisieren und dafür den menschlichen Aspekt ins Zentrum zu stellen.
Angesichts von Tod, Verzweiflung und Entmenschlichung betrieben die Juden des Wilnaer Ghettos ein Theater, ein Orchester und sogar ein Kabarett. Bis zu den letzten Tagen, als die Nazis das Ghetto liquidierten und die überlebenden Insassen in Vernichtungslager überstellten, fanden die Vorstellungen... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Prozess. Am 21. Januar kämpft Joseph Spring aus Melbourne in Lausanne vor dem Bundesgericht mit Hilfe seines Rechtsanwalts, des St. Galler SP-Nationalrats Paul Rechsteiner, gegen die Eidgenossenschaft um sein Recht. Und um symbolische 100 000 Franken Genugtuung für die Ermordung von zwei Cousins.... more...

Vom Aids-Virus in die Knie gezwungen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Enthüllung, wonach die israelische Sängerin Ofra Haza letzte Woche im Alter von 41 Jahren an Aids gestorben ist, ist ein Schock für ihre zahllosen Anhänger und Anhängerinnen in Israel und in aller Welt. Keiner kann verstehen, wie diese wegen ihres makellosen Lebenswandels geliebte und verehrte Frau dieser Krankheit zum Opfer fallen konnte. Dessen ungeachtet hat Ofra Haza sich mit ihrem künstlerischen Wirken ein Denkmal gesetzt, zu dem noch viele Generationen aufblicken werden.
Der Kontrast hätte stärker nicht sein können. Das Massenblatt «Yediot Achronot» veröffentlichte am Montag ein halbseitiges Bild vom blumenüberdeckten Grab der letzte Woche im Alter von nur 41 Jahren verstorbenen Sängerin Ofra Haza und schrieb dazu, dass nach wie vor täglich tausende von... more...

Der Präsident hat nun doch genug

von Dalia Shehoriund Gideon Alon, October 9, 2008
Er glaubt nicht, dass er bis zum Ende seiner zweiten Kadenz im Jahre 2003 im Amte bleiben werde, doch wolle er sich auf ein exaktes Rücktrittsdatum noch nicht festlegen. Das erklärte der israelische Staatspräsident Ezer Weizman Anfang Woche. Die Verwicklung in eine polizeiliche Untersuchung scheint ihm doch mehr zugesetzt zu haben als er eingestehen will.

Israels Präsident Weizman scheint entschlossen zu sein, in nicht mehr allzu ferner Zukunft den Platz zu räumen und nicht bis zum Ablauf seiner zweiten Kadenz im Jahre 2003 im Amte zu bleiben. Gegenüber Reportern meinte er Anfang Woche jedoch, bevor er einen genauen Termin fixiere, wolle er noch... more...

Empört über milde Urteile

von Jeremy Jones und Jacques Ungar, October 9, 2008
Zu unbedingten Strafen zwischen neun Monaten und einem Jahr und neun Monaten wurden vier der Angeklagten im Prozess verurteilt, der die Schuldfrage nach dem Einsturz der Brücke bei der Eröffnung der Makkabi-Sportspiele 1997 in Ramat Gan untersuchte. Ein fünfter Angeklagter kam mit sechs Monaten Arbeit im Dienste der Öffentlichkeit glimpflicher weg. In Australien ist man empört über die, wie es heisst, milden Urteile, und ruft zum Boykott der 16. Makkabi-Spiele auf. - 1997 waren beim Brückeneinsturz 4 australische Athleten umgekommen, und dutzende erlitten Verletzungen.
«Ich bin empört über die milden Urteile, das ist eine Schande.» Mit diesen Worten reagierte am Montag in Australien Colin Alterman auf die Strafmasse, die ein Tel Aviver Gericht gegen die fünf Verantwortlichen für den Brückeneinsturz bei der Eröffnungszeremonie der Makkabi-Sportspiele 1997... more...

Die Shihab-Gefahr

October 9, 2008
Unlängst behauptete Teheran, es besässe drei Einheiten ballistischer Raketen vom Typ Shihab-3, die imstande seien, Ziele in Israel zu treffen. Es ist kaum zu glauben, dass die am letzten Samstag erfolgreich getestete Rakete schon in betriebsbereite Batterien integriert wird. Es ist aber nur eine... more...

Kontroverse um Bucherscheinung

von Daniel Kurtzman, October 9, 2008
Hinterbliebene der Opfer des Münchner Olympia-Attentats von 1972 bedrängen amerikanische Buchverkäufer, das Werk des Organisators des Attentats auf die israelischen Sportler an den Olympischen Spielen von München 1972 weder auszustellen noch zu verkaufen. Das Thema hat eine Debatte zwischen Buchhändlern und Familien der Opfer ausgelöst. Die Händler halten an ihrem Recht fest, das Buch zu vertreiben, während die Familienangehörigen finden, ein angeklagter Verbrecher sollte von seinen Taten nicht noch profitieren.
In seinem Buch «Palestine: From Jerusalem To Munich» gibt Abu Daoud, auch bekannt als Mohammed Oudeh, zu, die Geiselnahme an den Olympischen Spielen 1972 von München geplant zu haben. Bei der Aktion kamen elf israelische Sportler ums Leben. Unter den Opfern befand sich auch David Berger, ein... more...

Vorerst Ruhe

von Hans Stutz, October 9, 2008
Die Chancen des Basler Holocaust-Leugners Jürgen Graf, längere Zeit in einer Gefängniszelle verbringen zu können, bleiben intakt: Das Aargauer Obergericht hat die erstinstanzliche Verurteilung Grafs wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm bestätigt: 15 Monate Gefängnis unbedingt, dazu 8000 Franken Busse und Ablieferung eines Teiles des Verkaufserlöses. Graf kündigte Nichtigkeitsbeschwerde ans Bundesgericht an.
Wie bereits vor dem Bezirksgericht Baden spielte der 48jährige Philologe Jürgen Graf, einst Lehrer und Übersetzer, auch vor dem Aargauer Obergericht die Rolle des biederen Wissenschafters: «Wenn wir Meinungs- und Forschungsfreiheit hätten, wäre ein solcher Prozess nicht möglich.» Ein... more...

Kofferpacken oder kämpfen?

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Na und? Österreich hat gewählt. Der Rechtsrutsch kam nicht unerwartet, er war von langer Hand vorbereitet. Nein, tun wir also nicht so, als seien wir überrascht und hüllen uns in Weltuntergangsstimmung. Auf der Suche nach Gründen stellt sich nun also die folgende Frage: Ist der Erfolg der FPÖ... more...

Grosjean / Doessekker / Wilkomirski

von Eric Bergkraut, October 9, 2008
Als er sich im Jahre 1996 daran machte, eine Dokumentation nach Motiven des Buches «Bruchstücke» zu verfilmen, wusste Filmemacher Eric Bergraut noch nicht, dass die Hauptfigur BinjaminWilkomirski nicht derjenige war, den er zu sein vorgab. Im folgenden Essay blickt der Autor auf die monatelange Diskussion um die Entlarvung einer Fiktion zurück und schildert sehr persönlich, seine Rolle im «Fall Willkonski».
Als Stefan Schwartz gestorben ist, habe ich in jener Galerie, in der seine Bilder noch einmal ausgestellt wurden, ein paar Worte gesprochen. Der Mann, den ich als Binjamin Wilkomirski kennen gelernt hatte, spielte auf der Klarinette. Die Bekanntschaft von Stefan Schwartz hatte ich in Zürich an... more...

Tausende flohen aus Kyriat Shmoneh

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Fünf israelische Soldaten starben innert nur acht Tagen in der südlibanesischen «Sicherheitszone», zahlreiche weitere wurden teils erheblich verletzt. Vor diesem Hintergrund kam der Luftangriff von der Nacht auf den Dienstag gegen libanesische Elektrizitätswerke nicht überraschend. Israels Opposition klatschte Beifall, die Hizbollah schwor Rache, Syrien warnte vor einer drastischen Verschlechterung der Situation. Umfangreiche iranische Waffenlieferungen an die Hizbollah-Miliz deuten auf die Möglichkeit einer länger dauernden Kampfrunde hin.
Das Gefühl des «deja vu» war überwältigend. Am Montagabend erhielten die knapp 300 000, zwischen Naharyia und Metulla an der Grenze zu Libanon lebenden Israelis die Anweisung, sich in die Unterstände zu begeben. In Erwartung des Kommenden hatten zuvor schon tausende von Menschen aus Kiryat... more...

Er kam , sah und...

October 9, 2008
Er kam ins Heilige Land, sah und, tatsächlich, er siegte auch, der greise, von Krankheit gezeichnete Papst Johannes Paul II. Er sah, wie Viele dies- und jenseits der «grünen Linie» mehr oder weniger plump versuchten, die Pilgerreise politisch auf ihre Mühle zu lenken. Und er siegte, indem er... more...

Washingtons gezielte Indiskretionen

von Reuven Pedatzur, October 9, 2008
In einem absichtlichen, zeitlich genau kalkulierten Schachzug liess das Pentagon, das amerikanische Verteidigungsministerium, vor zwei Wochen durchsickern, Israel habe eine ballistische Rakete getestet, die ein im Mittelmeer kreuzendes Schiff der US-Marine nur knapp verfehlte. Hinter dieser Indiskretion steht der geplante Verkauf israelischer Aufklärungsflugzeuge an China, den Washington strikte ablehnt.
Zur amerikanischen Indiskretion über die israelische Jericho-Rakete sorgten das Weisse Haus und das Pentagon dafür, dass Vermutungen über israelische Abhörtätigkeiten in den USA die Runde zu machen begannen. Auf diese Weise nimmt die US-Administration jede Gelegenheit wahr, Israels... more...

Vor Massenexodus aus Shiraz?

von Aluf Benn, Shlomo Shamir und Jacques Ungar, October 9, 2008
Israel kritisierte Iran scharf für die Verurteilung von 10 der 13 Juden von Shiraz wegen angeblicher Spionage zugunsten Israels. Premierminister Ehud Barak verurteilte die überrissenen Strafmasse für «völlig unschuldige Menschen». Ähnliche Reaktionen waren in der ganzen freien Welt zu hören.
Möglicherweise werde es jetzt zu einer Massenauswanderung unter den 6000, in der südiranischen Stadt Shiraz lebenden Juden kommen. Das meinte Maurice Mutamed, das einzige jüdische Mitglied des Teheraner Parlamentes am Samstag nach der Verkündung der harten Urteile im «Spionageprozess» gegen... more...

Brückenbauer zwischen zwei Zeitaltern

October 9, 2008
Der Tod des marokkanischen Königs Hassan II., der nach 38 Jahren auf dem Thron seines Landes gestorben ist, dürfte das Ende eines ganzen Herrscherstils im Nahen Osten bedeuten. Als Hassan 1961 an die Macht gelangte, war die Zeit für einen Monarchen in der Region keine besonders günstige.... more...

Der Weg zur Regierungsbildung

October 9, 2008
Vierzehn Tage sind seit den Wahlen vergangen. In einer Beziehung schufen sie klare Verhältnisse. Baraks Sieg überzeugte, doch noch überzeugender war die Absage an seinen Vorgänger, dessen Amtszeit in späteren Jahren für viele nicht mehr als eine Fussnote in der Geschichte Israels gewesen sein... more...

Für die einen zuviel, für die anderen zuwenig

von George Szpiro, October 9, 2008
Am Dienstag hätte der erste illegal erstellte Vorposten einer Siedlung in Cisjordanien geräumt werden sollen. Lautstarke Proteste von Demonstranten verhinderten aber den Abriss, der auf freiwilliger Basis durch die Siedler selber erfolgen sollte. Für Barak beginnt somit ein politischer Seiltanz mit offenem Ausgang.
Am Dienstag hätte in Cisjordanien der erste illegal erstellte Vorposten einer Siedlung geräumt werden sollen. Demonstranten platzierten jedoch Felsen auf den Zufahrtsstrassen, um die Traktoren an der Arbeit zu hindern, und protestierten gegen das Vorhaben. Daraufhin verkündete die... more...

Parodie erregt heftige Reaktionen

von Samuel Laster, October 9, 2008
Im Holocaust Memorial Museum in Washington kann man im Souvenirshop für 18 Dollar die Compact Disc «Lieder aus dem Kaunasser Ghetto» kaufen. Die Ausstellung «The hidden History of Kaunas Ghetto» läuft seit Ende 1997. Auf der vor einem Jahr eingespielten CD singt ein Chor auf Litauisch nach der Melodie der litauischen Nationalhymne von Vincas Kudirka («Litauen, unser Vaterland») eine Parodie der Hymne unter dem Titel «Litauen, blutiges Land», in der das litauische Volk nicht gerade gut wegkommt.
Fast alle Exponate der Ausstellung wurden aus Litauen herangeschafft, darunter auch ein Notizbuch von 1942 mit Zeichnungen und Liedern der ehemaligen Ghettohäftlinge. Eines der Lieder ist «Litauen, blutiges Land». Die umfangreiche Beteiligung von Litauern am Judenmord führte zu der... more...

Der Präsident denkt nicht an Rücktritt

von Akiva Eldar, October 9, 2008
Ermutigt von der Ansicht der Staatsanwältin Edna Arbel, der Staatspräsident würde nicht vor Gericht gestellt werden, hat Ezer Weizman am Montag sein normales Arbeitsprogramm wieder aufgenommen und sich mit 25 Gesuchen zur Begnadigung und Reduktion von Urteilen lebenslänglich im Gefängnis sitzender Bürger befasst.
Aus der Umgebung von Staatspräsident Ezer Weizman verlautete dieser Tage, die Affäre Saroussi - der Präsident hat in den Jahren 1988-93 vom französischen Industriellen Edouard Saroussi grosse Geldsummen entgegengenommen - habe zum Entschluss geführt, alle Pläne für eine frühzeitige Demission... more...

Amerikaner machen Faust im Sack

von Aluf Benn, Amnon Barzilai und JTA, October 9, 2008
Während einer Pressekonferenz zusammen mit dem amerikanischen Verteidigungsminister William Cohen bestätigte Israels Premier- und Verteidigungsminister Ehud Barak am Montag in Tel Aviv, dass die USA sich besorgt zeigten über geplante israelische Waffenverkäufe an China. Barak war aber nicht bereit, von einer Annullierung der Geschäfte mit den Chinesen zu sprechen.
Die Differenzen zwischen Israel und den USA über die Lieferung israelischer Frühwarnsysteme an China konnten auch während des Besuchs von US-Verteidigungsminister William Cohen in Tel Aviv nicht ausgeräumt werden. Cohen brachte seine Besorgnis über das labile Gleichgewicht zwischen China und... more...

Warmer Empfang für Sonabends

von Gisela Blau, October 9, 2008
Bern - Es sei ein «persönliches und warmes Gespräch» gewesen, sagten Sabine und Charles Sonabend (links) nach dem Empfang durch Bundesrat Kaspar Villiger (rechts) und Bundesrätin Ruth Dreifuss am Dienstagnachmittag: «Es wird uns immer in Erinnerung bleiben.» Der Empfang habe eine wichtige... more...

Clintons letzter Balance-Akt

von Akiva Eldar, October 9, 2008
Es überrascht nicht, dass die meisten Ratgeber Bill Clintons ihm für den Fall, dass er Selbstmord begehen möchte, empfehlen würden, besser jetzt gleich vom Dach des Weissen Hauses zu springen als den ganzen Sommer in Camp David zu schwitzen und erst dann zu springen.
Präsident Clinton ist schon gefordert, bevor Premier Ehud Barak und Palästinenserführer Yassir Arafat ihre Verhandlungen über eine Einigung zum permanenten Status beginnen. Und die Mission des amerikanischen Präsidenten wird erst dann erfolgreich abgeschlossen sein, wenn die Palästinenser und... more...

Eine bedrohliche Liaison

von Douglas Davis, October 9, 2008
Im sich entwickelnden Friedensprozess im Nahen Osten, der international starke Beachtung erfährt, tauchen verstärkt Ängste vor einer möglichen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Türkei und dem Iran auf. Der sich anbahnende Konflikt zwischen den beiden nichtarabischen Nationen, der Türkei, Israels engstem regionalen Verbündeten, und dem Iran, Israels bitterstem Widersacher, dreht sich um ein kleines Territorium, das an die Türkei, den Iran und den Irak grenzt.
Israels militärische Analysen und Strategien drehen sich nun um die Frage, ob Israel sich aus einem Konflikt zwischen der Türkei und dem Iran heraushalten könnte, falls dieser sich zu einem Krieg ausweiten würde. Gemäss der Türkei, die das Gebiet letzten Monat zweimal bombardiert hat, gehört... more...

Nach Deri-Rücktritt kann Barak aufatmen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Der Rücktritt Arieh Deris vom Amt des Shas-Parteichefs ebnet Ehud Barak den Weg zu einer soliden Koalition von 70 Mandaten. Jetzt kann der designierte Premier vielleicht sogar sein Versprechen erfüllen, sein Kabinett noch vor dem Stichtag vom 9. Juli zu bilden. Er ist möglicherweise sogar in der Lage, Spannungen wegen der Ämterverteilung in den eigenen Reihen zu verhindern, indem er die Zahl der Minister von 18 auf 24 erhöht und so mehr Parteigenossen berücksichtigen kann als zunächst angenommen
Eine eintägige Pause in den Koalitionsverhandlungen schaltete der designierte israelische Regierungschef Ehud Barak am Mittwoch ein. Er wollte abwarten, wie der Rat der Torah-Weisen, das oberste Gremium der Shas-Partei, am Mittwochnachmittag auf den am Abend zuvor von Parteichef Arieh Deri vor... more...

Reiz und Fremde jüdischer Kultur

von Heinz Roschewski, October 9, 2008
Das 150-Jahr-Jubiläum der jüdischen Gemeinden des Kantons Bern war vor zwei Jahren Anlass zu zahlreichen kulturellen, sozialen, religiösen und politischen Veranstaltungen, auch von nichtjüdischen Institutionen. Nachdem die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Bern bereits ihre Vorlesungs- und Diskussionsreihe über den kirchlichen Antijudaismus in einem wichtigen Buch publiziert und der Jüdischen Gemeinde Bern gewidmet hatte, ist noch eine weitere Publikation zu melden. Die kulturhistorischen Vorlesungen 1998/99 im Rahmen des Collegium generale der Universität Bern unter dem Titel «Reiz und Fremde jüdischer Kultur» sind, herausgegeben von den Professoren Georg Eisner und Rupert Moser, nunmehr gedruckt erschienen.

Darin behandelt beispielsweise der führende deutsche Antisemitismusforscher Prof. Wolfgang Benz (Berlin) den «Mythos vom mächtigen und reichen Juden». Die Ausführungen von Prof. Axel Knauf-Belleri (Bern) sind dem Hebräischen als Sprache der Bibel gewidmet, diejenigen von Prof. Michael Graetz... more...

«Viele dunkle Gefühlsmächte»

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Sigmund Freuds «Ansprache an die Mitglieder des Vereins B’nai B’rith», die er am 6. Mai 1926 bei einer Feierstunde zu seinem 70. Geburtstag dort vorlesen liess, gehört inzwischen zu den vielbeachteten Dokumenten, was seine Beziehung zum Judentum betrifft. Es zeigt ihn zwischen tiefer Emotion und kühler Rationalität.
Der B’nai B’rith war, so schildert es Freud in seiner Ansprache, jener «Kreis von auserlesenen, hochgestimmten Männern», wo er nach 1895, nach dem Beginn der Entwicklung der Psychoanalyse Aufnahme und Gehör fand, als «ich den grössten Teil meiner damaligen menschlichen Beziehungen... more...

Stehaufmännchen Netanyahu?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Zumindest ein Israeli hatte am Dienstagabend allen Grund, guter Laune zu sein: Ex-Premierminister und ex-Likud-Chef Benjamin Netanyahu. Er befand sich auf dem Weg zu einer Vortragstournee in San Francisco, als er von der Absicht Baraks in Kenntnis gesetzt wurde, vorgezogene Wahlen für die Knesset und das Amt des Regierungschefs auszuschreiben. Der heutige Likud-Boss Ariel Sharon wird Netanyahu kaum bremsen können, und ob Barak (bzw. jeder andere Spitzenkandidat der Arbeitspartei) dazu imstande sein wird, ist noch völlig offen.
Hätte Ehud Barak, was durchaus gesetzeskonform gewesen wäre, am Dienstagabend seine Demission unterbreitet anstatt Neuwahlen anzukünden, hätte er Netanyahu den Weg zurück in die aktive Politik verbaut. Die geltenden Regelungen sehen in diesem Falle nämlich innert 60 Tagen die Wahl eines neuen... more...

Hadassah nimmt eine erste Hürde

von Michael J. Jordan, October 9, 2008
Zwar hat die UNO die berüchtigte Resolution, die den Zionismus mit Rassismus gleichsetzte, schon vor fast zehn Jahren annulliert, doch einige jüdische Organisationen haben noch immer ein ungutes Gefühl. Umso wichtiger ist es deshalb, dass am Dienstag eine Kommission des einflussreichen UNO-Rates für Wirtschaft und Soziales (Ecosoc) empfahl, Hadassah, der Zionistischen Frauenorganisation Amerikas, den Beraterstatus zu verleihen.
An seiner Jahresversammlung wird der UNO-Rat für Wirtschaft und Soziales (Ecosoc) im Juni in Genf höchstwahrscheinlich endgültig beschliessen, Hadassah, der Zionistischen Frauenorganisation Amerikas, den Beraterstatus zu verleihen. Nicht weniger als dreimal im vergangenen Jahr haben verschiedene... more...

Reiseagenten schockiert über Zeevis Nominierung

von Iris Rosenblum, October 9, 2008
Schockiert und unwillig reagierten an der Berliner Tourismus-Messe (ITB) europäische Reiseagenten über die Nominierung von Rechawam Zeevi (Ghandi) zum neuen israelischen Minister für Tourismus. Aber auch Politikern ist die Sache nicht unbedingt geheuer. «Wie kann ich mit dem Mann gemeinsam auftreten», fragte etwa der jordanische Tourismus-Minister Aquel Biltaji. - Israels Tourismus-Perspektiven für das Jahr 2001 sind düster.
Mit dem österreichischen Rechts-Politiker Jörg Haider vergleichen europäische Medien und Reiseagenten an der internationalen Tourismus-Messe in Berlin (ITB) den neuen israelischen Tourismus-Minister Rechawam Zeevi (Ghandi), der für einen Transfer der arabischen Bevölkerung aus Israel und den... more...

«Der Schmerz ist noch nicht verebbt»

von Alexis Canem, October 9, 2008
Ein ganzes Jahr hat es gedauert. Jetzt entschied sich die Stadt Frankfurt/Main eine Brücke nach Ignatz Bubis zu benennen. Bis zu seinem Tod im August 1999 wirkte der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland von der Mainstadt aus, wo er auch ehrenamtlicher FDP-Stadtrat war.
Der Gedanke, eine Brücke nach Ignatz Bubis zu benennen, war lange Zeit sehr umstritten. Gleich nach Bekanntwerden seines plötzlichen Ablebens schlug die Politikerin der Partei der «Grünen», Stadträtin Jutta Ebeling vor, eine Brücke nach ihm zu benennen, weil Bubis wie «ein Brückenbauer... more...

Die Gegner haben noch nicht gewonnen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Die Scheinwerferlichter sind erloschen, Helferinnen und Helfer der Gegner sammeln zufrieden Plakate und Werbematerial der «18-Prozent-Initiative» ein. Das Duell gegen rechts ist gewonnen. Das Resultat kann auch in der Welt vorgezeigt werden. Das Ziel, die Quote gegen Unmenschlichkeit zu... more...

Für die friedliche Koexistenz

von Teddy Kollek, October 9, 2008
Israel und die palästinensische Autonomie erleben schwere Zeiten und sind grossen Spannungen ausgesetzt. Jerusalem nimmt dabei eine besonders exponierte Stellung ein. Die oft sehr einseitige Berichterstattung in den internationalen Medien über die bewaffneten Angriffe tausender von Palästinensern... more...

Judenhass der nichtrassistischen Art

von Alfred Bodenheimer, October 9, 2008
Zwei der profiliertesten deutschsprachigen Antisemitismusforscher der jüngeren Generation, Olaf Blaschke und Arman Mattioli, haben in diesem Herbst ein Buch zum katholischen Antisemitismus im 19. Jahrhundert herausgegeben. Der differenzierte Blick auf gesamteuropäische und nationale Entwicklungen des Antisemitismus und auf die Rolle Roms schon vor der Herausforderung der Schoah wird damit geschärft.
«Der römisch-katholischen Kirche war es ein Anliegen, sich für die Haltung zu entschuldigen, welche ihre Würdenträger der Schoah gegenüber eingenommen hatten, doch vom historischen Standpunkt aus sind solche Entschuldigungen wenig sinnvoll: Dass die Katholiken die Massendeportation von Juden... more...

Lasst uns unsere Energie sinnvoller einsetzen

von A. B. Jehoshua, October 9, 2008
Natürlich werden Soziologen und Statistiker bald analysieren, weshalb Ehud Barak die Wahlen so deutlich verloren hat. Sie können die Zahlen besser lesen als ich. Doch eines weiss ich bestimmt: Die Art und Weise, mit der die israelische Gesellschaft reagiert und Ehud Barak einen Korb erteilt hat, ist ein ungesundes Zeichen. Man kann zwar sagen, wie manche behaupten, es sei jedem Volk anheim gestellt, einen Regierungschef nach Hause zu schicken, der seine Erwartungen nicht erfüllt hat.
Doch es stellt sich erstens die Frage, was danach kommt, und zweitens, weshalb und wie es ihn abwählt. Letztlich geht es doch darum, dass wir schlussendlich alle Möglichkeiten gründlich abklären müssen, die uns einen Frieden mit den Palästinensern ermöglichen. Und da muss ich gleich... more...

«Der Scopus Award ist mein wichtigster Preis»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
München - im Kaisersaal der Residenz verlieh die Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität in Jerusalem der Schauspielerin Iris Berben den diesjährigen Scopus Award. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Saul Bellow und Senator Edward Kennedy, Bob Hope und Frank Sinatra, Zubin Mehta und Billy Crystal.
In der Ehrenurkunde, überreicht vom Vizepräsidenten der Hebräischen Universität Moshe Arad und dem Vorsitzenden des bayrischen Freundeskreises Ron Jakubowicz wurde der Beitrag der wohl prominentesten und meistbeschäftigten deutschen Schauspielerin (u.a. bekannt als Kommissarin Rosa Roth) zum... more...

Ungehörig

von Gisela Blau, October 9, 2008
Musste es wirklich so kommen? Der Fall Wilkomirski wird zum Casus gegen die Schoa deklariert. Ist er das auch? Da erfindet ein biederer Schweizer eine Kindheit in zwei Konzentrationslagern, eine Unterdrückung im Schweizer Adoptiv-Elternhaus, eine Leidensgeschichte sondergleichen, und schon wird mit... more...

Keiner sang so wie er

von Sabine Pfennig-Engel und Ernst L. Ehrlich, October 9, 2008
Die goldene Stimme Berlins ist verstummt. In der letzten Woche verstarb im Alter von 81 Jahren Estrongo Nachama, Oberkantor der Jüdischen Gemeinde Berlin. Nach Angaben seines Sohnes Andreas Nachama, seit 1997 Gemeindevorsitzender, verschlief der Oberkantor friedlich während einer Autofahrt mit Ehefrau Lilli in Berlin. Seit über fünf Jahrzehnten begeisterte Estrongo Nachama seine Zuhörer mit seiner warmen, klangvollen Stimme, sei es in Synagogen, bei Beerdigungen, Festen und in Konzertsälen in ganz Europa und Übersee. Mit seiner Stimme wollte er versöhnen und vermitteln, jedoch nicht vergessen. Seine kraftvolle Stimme liess ihn Auschwitz überleben.

Am 4. Mai 1918 wurde Estrongo Nachama im griechischen Saloniki als Sohn eines Getreidehändlers geboren. Das väterliche Geschäft konnte er nicht mehr übernehmen, denn im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung wurde die Familie 1943 nach Auschwitz deportiert. Die Familie, Eltern, Schwester... more...

Droht dem Kabinett ein Sex-Skandal?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Steht Israels Kabinett vor dem Ausbruch eines Sex-Skandals? Die Mitarbeiterin von Verkehrsminister Yitzchak Mordechai hat sich über sexuelle Angriffe ihres Vorgesetzten beklagt, und die Polizei hat beschlossen, eine Untersuchung einzuleiten. Andere Sorgen, mit denen Ehud Barak sich derzeit herumschlagen muss, betreffen die Kontroverse um den Einschluss der Werke eines palästinensischen Schriftstellers in den Lernstoff jüdischer Schulen des Landes, sowie der nach wie vor nicht beigelegte Streit mit der Shas-Partei. Hinzu kommt die in der Luft hängende Drohung der Hamas mit Terrorattacken und die negativen arabischen Reaktionen auf den Beschluss der Regierung, IDF-Soldaten bis Juli aus Südlibanon abzuziehen.
«Untersuchung gegen hochrangigen Minister, der im Verdacht steht, eine Mitarbeiterin sexuell angegriffen zu haben». Mit einer passenderen Schlagzeile hätte die Zeitung «Yediot Achronot» am Dienstag nicht aufwarten können, stand am Dienstag doch die Sonderdebatte in der Knesset aus Anlass des... more...

Milliarden-Waffendeal mit den Syrern

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Einen Umfang von 2 Milliarden Dollar soll das Rüstungsgeschäft zwischen Russland und Syrien aufweisen, über welches die Zeitung «Vremja Novosty» berichtet. Verständlicherweise hat die Geschichte am Wochenende ein starkes Echo in der israelischen Presse ausgelöst, bedeutet sie doch die Wiederaufnahme grossangelegter Waffenlieferungen Moskaus an Damaskus.
Bereits Ende nächster Woche soll eine Flotte hochmoderner russischer Kampfjäger vom Typ «Suchoi 27» in Damaskus eintreffen. Das schreibt am Sonntag die Zeitung «Yediot Achronot» unter Berufung auf das in Moskau erscheinende Blatt «Vremja Novosty». Die Lieferung der Flugzeuge wäre demnach... more...

Vormarsch oder Rückzug der Orthodoxie in Israel?

von George Szpiro, October 9, 2008
Aus der Asche des Holocaust entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Staat Israel. Dieser Staat wurde ausdrücklich als jüdischer Staat, als Heimat für die in alle Welt zerstreuten Juden gegründet. Im ersten Teil der Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948 hiess es «der Staat Israel steht Juden aus allen Staaten, in die sie verstreut wurden, zur Einwanderung offen». Im so genannten «Gesetz zur Rückkehr» (Law of Return) vom Juli 1950 wurde dieser Grundsatz gesetzlich verankert: die Knesset verabschiedete ein Gesetz, laut dem jeder Mann und jede Frau, die jüdische Müttern haben oder zum Judentum übergetreten sind, das Recht auf Einwanderung haben. Rückblick auf eine bewegte Geschichte.
Die Formulierung des Gesetzes beruht auf der Halacha. Doch im Jahr 1970 musste es einer Revision unterzogen werden. Ein Mann namens Oswald Rufeisen berief sich auf sein Recht auf Einwanderung. Rufeisen war zwar Jude, doch er war zum Christentum übergetreten und wirkte unter dem Namen «Bruder... more...

Das hohe Amt

October 9, 2008
In wenigen Tagen wird die Knesset Israels achten Staatspräsidenten wählen. Normalerweise wäre das kein allzu bedeutsames Geschehen; diesmal erweckt es beträchtliches Interesse, und trotz ihrer Nähe machen die äusseren Umstände der Wahl den Ausgang ungewiss. Zu erwarten ist jedoch mit einiger... more...

Herrscherin über die Galaxie

von Yves Kugelmann, New York, October 9, 2008
Wenn heute Donnerstag in den Schweizer Kinos Folge 4 des Weltraumepos «Star Wars» startet, wird auch der Stern der Hauptdarstellerin Natalie Portman heller leuchten als jemals zuvor. Im Kampf gegen das Böse rettet sie in der Rolle der Königin Amadala die Föderation an der Seite der Jedis vor aussergalaktischen Angreifern. Mit ihren 18 Jahren gilt Portman als Hollywoods grösste Nachwuchshoffnung. Den Spagat zwischen Ruhm und Normalität möchte sie allerdings zu Gunsten Letzterem entscheiden.
Sie ist unscheinbar, das sympathische 18jährige Mädchen von nebenan. Unauffällig gekleidet, mittlere Grösse, zierliche Statur, braune Augen und lange Haare. Beginnt sie zu sprechen, redet da eine scheue, aber selbstbewusste, unnahbare junge Frau. In Amerika wird sie bereits als die Nachfolgerin... more...

Abscheu vor Rabin

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Wenige Tage vor der Vereidigung des Kabinetts Barak stand ich erstmals an Yitzchak Rabins Grab. Es war der 95. Todestag Theodor Herzls, und die bevorstehende politische Wachtablösung bot mir den passenden Anlass, längst Fälliges nachzuholen.Auf dem Weg zu Rabins Grabstätte fragte ich einen Mann... more...

Geschlossene Kirchen im Heiligen Land

von George Szpiro, October 9, 2008
Die Kirchen in Israel blieben aus Protest gegen den geplanten Bau einer Moschee in Nazareth während zwei Tagen geschlossen. Obwohl Israel in dem Konflikt zwischen Christen und Moslems bloss zu vermitteln suchte, versuchen die Kirchenfürsten dem jüdischen Staat den schwarzen Peter zuzuschieben.
Aus Protest gegen den geplanten Bau einer Moschee in Nazareth hatten die Kirchen in Israel am Montag einen Streik begonnen, der auch am Dienstag anhielt. Alle heiligen Stätten des Landes blieben geschlossen. Auch Bethlehem im autonomen palästinensischen Gebiet schloss sich dem Ausstand an. Einzige... more...

Ehud Barak gibt geheime Landkarte in Auftrag

von Zeev Schiff, October 9, 2008
Auf Anforderung von Premier Ehud Barak hat der israelische Generalstab unlängst eine streng geheime Landkarte angefertigt, die den Grenzverlauf zwischen Israel und Syrien zeigt, wie er sich am 4. Juni 1967, am Vorabend des Sechstagekrieges, präsentiert hatte. Diese Linie ist jene, auf welche Israel sich nach syrischer Interpretation zurückzuziehen hat.
Mit der Hilfe von Luftaufnahmen, Vermessungen im Felde und Augenzeugenberichten hat der Geheimdienst-Zweig des israelischen Generalstabs unlängst eine höchst vertrauliche Landkarte über den Verlauf der israelisch-syrischen Grenze angefertigt, wie sie sich am 4. Juni 1967 präsentiert hatte. Nur... more...

An CH-Konferenz nicht interessiert

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Offenbar wenig Interesse bekundet Jerusalem an der von Bundesrat Joseph Deiss lancierten Idee einer syrisch-israelischen Verhandlungsrunde in der Schweiz. Eine solche Konferenz müssten die Schweizer wohl ohne israelische und syrische Beteiligung abhalten, meinte unverblümt gegenüber der JR ein Offizieller aus der Umgebung von David Levi, der diese Woche als erster Aussenminister Israels seit 1993 der Eidgenossenshaft eine offizielle Visite abstattete.
«On verra» (man wird sehen). Mit dieser vage gehaltenen Formulierung beantwortete der schweizerische Aussenminister, Bundesrat Joseph Deiss, die Frage der JR nach einer eventuellen amerikanisch-schweizerischen Koordinierung im Nahost-Friedensprozess. Ohne eine solche Koordinierung könne man aber... more...

Emblemstreit vor Humanität

von Esther Müller, October 9, 2008
Die am vorvergangenen Donnerstag und Freitag in Genf tagende Arbeitsgruppe der Standing Commission der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, die sich mit der Aufnahme Israels als Vollmitglied und damit verbunden mit der Frage um die Anerkennung des Magen David Adom als Emblem neben dem Roten Kreuz, dem Roten Halbmond und dem Roten Löwen beschäftigt hat, ist zum Beschluss gekommen, die Einführung eines neuen Emblems zu empfehlen. Ziel dieser Idee ist es, mit einem neutralen Emblem all jenen Staaten, die aus ethnischen oder religiösen Gründen weder das Rote Kreuz noch den Roten Halbmond verwenden können, einen gangbaren Weg aus dem Dilemma zu bieten. In dieses Emblem könnte dann ein anderes Symbol, so bei Israel der rote Davidstern, integriert werden.
Die Anerkennung eines neuen Emblems muss von den 188 Signatarstaaten der Genfer Konvention im Rahmen einer diplomatischen Konferenz mit einer Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden. Dem könnte dann die Aufnahme der israelischen Gesellschaft, die bis jetzt über einen Beobachterstatus verfügt,... more...

Kommt die Rettung aus der Türkei?

von Amiram Cohen und Jacques Ungar, October 9, 2008
Anfangs August wird der Wasserspiegel des Kinneret-Sees, des grössten Süsswasserreservoirs Israels, auf die «rote Linie» abgesunken sein. Vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Meldung bereiten die zuständigen Stellen Notstandsmassnahmen vor, wie ein Verbot der Bewässerung von Ziergärten, des Waschens von Fahrzeugen mit Schläuchen usw. Man verhandelt aber auch mit der Türkei über den Kauf von Wasser in grossem Massstab.
Als in den Jahren 1991 und 1992 Israels Wasserreserven auf ein alarmierendes Minimum zu sinken drohten, veröffentlichte der damalige Landwirtschaftsminister Rafael Eitan drastische Sparmassnahmen. Unter anderem schlug er vor, man solle stets zu zweien duschen. Diese Idee war zwar belächelt worden,... more...

Eng verbunden mit der Gemeinde und Israel

October 9, 2008
Letzte Woche verschied in Basel im Alter von 75 Jahren Leo Abisch-Frenkel. Wir veröffentlichen im folgenden den Nachruf, den Werner Meyer, ein langjähriger enger Freund, an der Bahre des Verstorbenen gehalten hat.
Mit Dir, lieber Leo, habe ich einen vertrauten Freund verloren. Ich kann es noch nicht glauben, dass wir uns nie mehr wiedersehen werden. In meinem Herzen wirst Du weiterleben. Leo und ich, wir kennen uns seit unserer Jugendzeit. Wir trafen uns während des 2. Weltkrieges auf dem Gempenstollen im... more...

Verfehlter Einladungstext trübt Stimmung

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die Tagung «Palästina/Israel: Fair reisen!» (vgl. untenstehenden Artikel) hat einigen Staub aufgewirbelt und die Gemüter erhitzt. Sowohl die Tagung als auch der Leitfaden (Tipps und Anregungen für faires Reisen) sind Resultat einer Zusammenarbeit vieler verschiedener Stellen, unter anderem aus dem kirchlichen Spektrum. Die Veranstaltung wurde mit 31 500 Franken von der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (Deza) im Rahmen ihres Palästinaprogramms unterstützt.
Die auf der Tagungseinladung zu findende Aussage «Das (Un-)Heilige Land ist heute von Feindseligkeit, Ungerechtigkeit und Apartheid geprägt» hat den israelischen Botschafter Yitzach Mayer dazu veranlasst, im Namen Israels «dem EDA gegenüber seinen Unwillen zum Ausdruck zu bringen, da eine der... more...

Scheinheilige Alibiübung

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Die Debatte um die von der UNO verhängte Konferenz zur Einhaltung der 4. Genfer Konvention in den besetzten Gebieten Israels (vgl. JR Nr. 27) ist endgültig zur Farce verkommen. Bis gestern Mittwoch abend dauerten die von der Schweiz geleiteten Konsultationen, in denen sich 25 Länder über... more...

Der neue Europamarsch

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Wenigstens gehört die Schweiz seit letztem Sonntag in Bezug auf die zunehmende Rechtstendenz zu Europa. Mit der FPÖ und dem Font National streicht nun auch die SVP im Orchester mit. Gewählt ist gewählt, seit den definitiven Ergebnissen rechnen, analysieren, erklären und legitimieren Strategen,... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Chefin. Bundesrätin Ruth Dreifuss soll an der Spitze einer erstklassigen Delegation nach Stockholm an eine Holocaust-Konferenz reisen (26. bis 28. Januar). Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), wird sie begleiten, ebenso die grüne Luzerner Nationalrätin... more...

Massive Terrorwelle vereitelt

von Amos Harel, October 9, 2008
Trotz der Stagnation der politischen Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern (vgl. Seite 3) funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsorganen offenbar. Jedenfalls gelang, wie erst jetzt bekannt wurde, im Verlaufe einiger Wochen die Verhaftung mehrerer Dutzend militanter Hamas-Aktivisten, die kürzlich Attentate in Hadera und Netanya verübt und weitere spektakuläre Anschläge geplant hatten.
Am Dienstagabend hob der «Shabak»-Geheimdienst das Verbot auf, über eine der erfolgreichsten gemeinsamen Aktionen der israelischen und palästinensischen Sicherheitsorgane der letzten Zeit zu berichten. Im Anschluss an die Verhaftung eines Palästinensers aus dem Flüchtlingslager Anabta in der... more...

Die ganz alltägliche Diskriminierung

October 9, 2008
Dass Meinungsumfragen die Realität nur bedingt abbilden, weiss man nicht erst seit heute. Fragen kann man so oder so stellen. Entsprechend werden die Antworten ausfallen, entsprechend die Interpretationen und Analysen, die sich aus diesen Antworten ergeben. Ohne hermeneutischen Kontext sind nackte... more...

Gebildet, wohlhabend und integriert

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus sind Ungarns Juden gut gebildet, wohlhabend und bestens integriert in die zentralen Strömungen der Gesellschaft. Zu ihrer jüdischen Identität haben die ungarischen Juden aber ein ambivalentes Verhältnis, und vom jüdischen Gemeindeleben wollen sie in der Regel herzlich wenig wissen.
Die Erinnerung an den Holocaust und die antisemitischen Verfolgungen sind die wichtigsten Faktoren im jüdischen Zugehörigkeitsgefühl der ungarischen Juden. Immerhin kann gesagt werden, dass die jüngere Generation wieder mehr eine Verbindung zu den Traditionen sucht. Dieses Profil ergibt sich aus... more...

Der Mann hinter den Bildern mit den Geschichten

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Der Tod ist in den Medien oft nicht viel mehr als eine profane Information, wie so vieles andere. Nur selten schreckt ein Meldung, eine Story noch auf, nur selten werden Emotionen geweckt. Routine - nichts schlechtes - nennt sich das. Als jedoch die Meldung vom Ableben des Presseagenten Frank Dukas letzte Woche per Fax in die Schweizer Redaktionsstuben flatterte, war dies für viele abgebrühte Redaktoren ein Stich ins Herz. Für die meisten war er zwar nur die Stimme vom Telefon, über Jahrzehnte hinweg. Für ganz wenige ein Vertrauter, Berater und Freund. Doch alle wussten: ein wichtiger Zeuge, ein elementares Stück Schweizer Pressegeschichte, ein liebevoller Mensch mit Zivilcourage ist gegangen. Erinnerungen an eine unbekannte Geschichte.
Abschied war seine Sache nicht. Am Telefon, wenn man sich traf, die Verabschiedung geriet zur Nebensache. So auch letzte Woche, und für alle wie aus heiterem Himmel, als Frank Dukas nach kurzer Krankheit verstarb. Abschied nahm er nicht, keine Trauerfeier, keine Todesanzeigen; er wollte dies nicht.... more...

Verfilzte Strukturen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
In der Nacht auf den Dienstag einigten sich die Arbeiter der staatlichen israelischen Wassergesellschaft «Mekorot» und Vertreter des Finanzministeriums auf ein Zweijahres-Abkommen. Damit fanden Wochen voller Streiks und Sanktionen ein vorläufiges Ende. Den Höhepunkt hatten die Helden von... more...

Zürich / Würdigung - Erinnerung an Elsie Attenhofer

von César Keiser, October 9, 2008
Elsie Attenhofer, die grosse alte Dame des Schweizer Cabarets, ist von der Bühne des Lebens abgetreten. Zum letzten Mal traf Kabaretist César Keiser sie im vergangenen Herbst, als sie von der Zürcher Regierung die Goldene Ehrenmedaille erhielt, «kurz vor meinem Ableben», wie sie damals gerührt und ironisch feststellte. Die beiden verband eine lebenslange Freundschaft. Für die JR blickt César Keiser auf diese Zeit sowie Leben und Werk der als «Cornichon»-Mitglied bekanntgewordenen Kabaretistin.
Körperlich vom Alter gezeichnet, aber geistig präsent und voller Kraft, hat Elsie Attenhofer damals in der Kriche von Bassersdorf die seltene Ehrung genossen, und ich erinnerte mich dabei, wie ich sie kennengelernt und im Lauf eines Lebens immer wieder erlebt habe:Es muss zu Beginn des Zweiten... more...

Beunruhigender Widerspruch

von Jaques Ungar, October 9, 2008
Die Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern stocken; Arafat hat unter westlich-arabisch-israelischem Druck die Ausrufung seines Staates noch einmal - wahrscheinlich zum letzten Male - verschoben. Daran, dass er kommen wird, eher früher als später, zweifeln heute weder Befürworter... more...

Sind Frankreichs Juden bedroht?

von Haïm Musicant, October 9, 2008
Seit Rosch Haschana registrierte die französische Polizei mehr als achtzig Übergriffe auf jüdische Stätten, in Paris wie in ganz Frankreich. Die Vorfälle begannen am 1. Oktober, demselben Tag, an dem sich die israelische Polizei mit palästinensischen Demonstranten auf dem Tempelplatz in Jerusalem konfrontiert sah. An diesem ersten Tag des jüdischen Jahres verzeichnete man fünf feindliche Akte gegen Juden, wenngleich von unterschiedlichem Gewicht. Ein Blick hinter die Ereignisse
Seit Rosch Haschana kamen die Übergriffe zu keinem Ende; sie wurden im Gegenteil gewalttätiger. Mehrere Synagogen wurden bestohlen oder angezündet. «Es weckt Erinnerungen an die Kristallnacht», bemerkt ein Verantwortlicher einer jüdischen Organisation, der weiter feststellt, dass solche... more...

Was Juden von Vicente Fox erwarten

von Rhona Statland De Lopez, October 9, 2008
Wenn morgen Freitag Vincente Fox (58) als neuer Präsident Mexikos vereidigt wird, hat das Land erstmals seit über hundert Jahren wieder ein aktives römisch-katholisches Staatsoberhaupt. Nach über 70 Jahren hat die konservative Nationale Aktionspartei (PAN) in den Wahlen vom Juli die Institutionelle Revolutionspartei (PRI) wieder besiegt. Was bedeutet diese Veränderung für die jüdische Gemeinde Mexikos?

Wenn es um Politik geht, pflegen Mexikos Juden sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Als der designierte Präsident Vincente Fox kurz nach seiner Wahl mit jüdischen Persönlichkeiten zusammenkam, schrieben die Zeitungen von einem «diskreten» Treffen, und die Namen der Juden, die daran... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Zielgerade. Die Zielgerade kommt für die Bergier-Kommission langsam in Sicht: Die einzelnen Studien, wissenschaftliche Bausteine des abschliessenden Berichts der Unabhängigen Experten-Kommission, beginnen in wenigen Monaten eine nach der anderen zu erscheinen. Und zwar im renommierten Zürcher... more...

Haider traditionell

von Anton Legerer, October 9, 2008
In seiner traditionellen Aschermittwochsrede (Aschermittwoch ist der Tag nach der Fasnacht und markiert den Beginn der christlichen Fastenzeit) vor zweitausend Anhängern in der oberösterreichischen Stadt Ried hatte Haider im Zusammenhang mit den Entschädigungszahlungen an Nazi-Opfer IKG-Präsident Ariel Muzicant geschmäht. Wörtlich sagte Haider: «Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel heisst, so viel Dreck am Stecken haben kann.»
Haiders Wortspiel zielt auf eine bekannte Waschmittelmarke ab, die mit Muzicants Vorname identisch ist. Haider folgt damit seiner zuletzt verstärkten antisemitischen Wortwahl: schon im Januar hatte er - ebenfalls im Zusammenhang mit der Restitutionseinigung - von der «Ostküste» gesprochen, seit... more...

Der Premier fühlt sich weiter stark

von Aluf Benn und Daniel Sobelman, October 9, 2008
Israels Premierminister Ehud Barak ist weiterhin überzeugt davon, auch falls die Knesset sich für vorgezogene Wahlen entscheiden sollte, sowohl juristisch befugt zu sein, mit den Palästinensern einen Vertrag zu unterzeichnen, als auch die Unterstützung der israelischen Öffentlichkeit zu diesem Schritt zu geniessen. Das erklärte eine hochgestellte diplomatische Persönlichkeit in Jerusalem.
Der amerikanische Präsident Bill Clinton und andere in den Nahostverhandlungen engagierte Kreise sind sich nach Ansicht hochgestellter diplomatischer Quellen in Jerusalem der Position des israelischen Regierungschefs Ehud Barak voll bewusst. «Die Regierung ist stets voll handlungsbefugt, so lange... more...

Eine positive Bilanz?

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
In der Nacht vom 9. November fiel die Mauer in Berlin. Das Ende des Kalten Krieges und der Beginn der Zusammenführung von Ost- und Westeuropa. Was die damalige Sowjetunion und die USA unterstützten, beobachteten die umliegenden europäischen Nationen mit kritischen Augen, nicht wenige Intellektuelle kommentierten das historische Ereignis nicht nur mit Euphorie. Das ist 10 Jahre her, begleitet mit ebenso viel Hoffnungen und Erwartungen wie Enttäuschung und Skepsis. Ein Rückblick auf zehn bewegte Jahre.
Sie war friedlich, die Revolution von Bürgergruppen, politischen und kirchlichen Initiativen. Das war das Wichtigste. Die westdeutsche Politik wurde eher überrascht von den Ereignissen in der DDR. Längst hatte man sich mit den zwei deutschen Staaten abgefunden. So gab es auch nicht wenige... more...

Rechte fordert «Sieg gegen Arafat»

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Während die diplomatischen Bemühungen um eine Rettung des nahöstlichen Friedensprozesses nicht abreissen - Clinton will sogar versuchen, Arafat und Barak zusammen einzuladen -, lässt die Gewalt in den Gebieten um keinen Deut nach. Israels Rechtslager fordert immer lauter einen militärischen Sieg gegen die Palästinenser, doch Barak hält vorerst an seiner Politik der Zurückhaltung fest.

Während auf der einen Seite ein Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern nicht nur nicht abzusehen ist, sondern auf den ersten Blick täglich in weitere Ferne zu rücken scheint, erreichen die Bemühungen um eine Beruhigung der Lage auf politisch-diplomatischer Ebene neue Höhepunkte.... more...

Zwischen zwei Urnengängen

October 9, 2008
Wichtiger als die personelle Entscheidung der bizarren Wahlen in Amerika ist der Schlusspunkt, den sie der Clinton-Ära setzten - richtiger den acht Bill-Clinton-Jahren. Die frischgebackene New-Yorker Senatorin wird ja bereits für eine eventuelle Rückkehr im Jahr 2005 in ihre «alten vier Wände»... more...

Trauriges Ende einer prächtigen Karriere

von Jacques Ungar, October 9, 2008
In Briefen an den Generalsekretär seiner Arbeitspartei und an Likud-Chef Ariel Sharon gab Ehud Barak in der Nacht zum Mittwoch den Rücktritt von allen Ämtern und den Verzicht auf den Job des Verteidigungsministers unter Sharon bekannt. Wachsender Partei-interner Druck und zunehmende Proteste im Volk gegen seine Person haben Barak keine Wahl mehr gelassen. Die Chancen auf die Bildung einer Einheitsregierung stehen damit wieder besser. Das innenpolitische Karussell dreht sich vor dem Hintergrund einer nicht nachlassenden Intifada-Gewalt.
41 Jahre lang hat Ehud Barak im Dienste der Öffentlichkeit gestanden. Er war der meist dekorierte Kämpfer des Landes, er war Kommandant, Minister, Partei-, Oppositions- und Regierungschef. Sein am Dienstagabend endgültig gewordener Abgang von der politischen Bühne aber ist kläglich und... more...

Ohne Abkommen gibt es nur die Trennung

von Shlomo Avineri, October 9, 2008
Viele Israelis machen sich Sorgen wegen des Misserfolgs des ernsthaftesten, bisher je unternommenen Versuchs, ein Friedensabkommen mit den Palästinensern zu erzielen. Sogar wenn in letzter Minute noch ein vage formuliertes Grundsatzpapier zusammengebraut werden sollte, wird immer klarer, dass auf der Basis der derzeitigen palästinensischen Positionen keine Aussichten auf einen substantiellen Friedensvertrag bestehen. Auf der anderen Seite hat Israel in Bezug auf das Eingehen von Konzessionen seine Grenzen bereits erreicht, oder sogar überschritten.
Der Unwillen der Palästinenser, zu Themen wie dem Tempelberg, das Schicksal der Siedlungen oder das Recht auf Rückkehr Kompromissformeln zuzustimmen, erinnert an 1947: Vor dem Hintergrund einer israelischen Kompromissbereitschaft geben die Palästinenser sich unbeugsam stur. Für viele Israelis... more...

Was hat den Brand ausgelöst?

von Ariel Sharon, October 9, 2008
Mit scharfen Worten weist Likud-Chef Ariel Sharon den Vorwurf zurück, mit seinem Besuch auf dem Tempelberg die jüngsten Unruhen ausgelöst zu haben. Die JR veröffent Auszüge aus einem Kommentar, den der Chef der israelischen Likud-Partei am 3. Oktober in der Zeitung «Yediot Achronot» veröffentlicht hat.
Alles steht in Flammen, und anstatt sich geeint dieser Gefahr entgegenzustemmen, diskutieren die Bürger Israels darüber, wer nun wohl den Brand gelegt haben mag. Wie es die Tradition will, suchen die Juden dabei jüdische Schuldige.Umfassende KampagneDer Generalstabchef und der Polizeichef haben... more...

Deutsche Leitkultur in ausländerfreien Zone

October 9, 2008
Einer Binsenweisheit entspricht die Erkenntnis, dass sich unter Belastungssituationen machtvoll zu Wort meldet, was seit längerem verdrängt worden ist. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint das Auftauchen nationaler Höhenflüge ein wenig verfrüht, denn die Christdemokraten befinden sich in der... more...

Öffentlich anerkannt

von Agnes Bohm, October 9, 2008
Ungarns Regierung hat ein Abkommen mit lokalen jüdischen Persönlichkeiten unterzeichnet, das die «politische, soziale und wirtschaftliche Stabilität» der Juden des Landes fördern soll.

Im Budapester Parlamentsgebäude hat die ungarische Regierung während Chanukka mit lokalen jüdischen Persönlichkeiten ein Abkommen zur Förderung der «politischen, sozialen und wirtschaftlichen Stabilität der Juden des Landes» unterzeichnet. Ähnliche Abkommen hat Ungarns Regierung bereits mit... more...

Ein Hauch von Hollywood

von Sabine Pfennig-Engel, October 9, 2008
Die 51. Berlinale ist vorüber, Goldene und Silberne Bären vergeben und diesmal fegte sogar ein Hauch von Hollywood durch die Strassen am Potsdamer Platz. Neben vielen Schauspielern, Produzenten und anderen Prominenten trug dazu ein Mann ganz besonders bei: Kirk Douglas, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Der 84-Jährige kam in die Stadt und besiegte alle Herzen, ob Jung oder Alt, selbst die der Journalistenschar. Denn wann gab es das schon einmal, dass bei einer Pressekonferenz die Journalisten mit einer Standing Ovation einem Promi derart Respekt zollten. Seine Vitalität und sein Charme überzeugten, trotz eines Hubschrauberabsturzes vor zehn und einem Schlaganfall vor drei Jahren.
Kirk Douglas hatte für alles nicht nur die passende, sondern einzig richtige Antwort. Beispiele: wie er es nach dem Schlaganfall geschafft hätte, wieder zu sprechen - weil ein Schauspieler, der nicht sprechen könne, nutzlos sei. Warum sich der 1916 geborene Issur Danielovitch einen anderen Namen... more...

Von der Wiener Megilla bis zu holländischen Thorarollen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Judaicasammler und Auktionsfreunde haben sich den 9. Dezember schon lange rot in ihrem Kalender angestrichen. An diesem Tag nämlich veranstaltet das Auktionshaus Sotheby’s in Tel Aviv eine der prächtigsten Versteigerungen der letzten Jahre von Judaica aus privaten Sammlungen. Dabei gelangen Objekte der höchsten Qualität aus den Bereichen Manuskripte, Kultgegenstände und Kunstwerke unter den Hammer.
In seiner Vorschau nennt das Auktionshaus Sotheby’s die auf den 9. Dezember nach Tel Aviv angesetzte Versteigerung von Judaica «eine der wichtigsten Verkäufe von Judaica in der letzten Zeit». Ein Blick auf das Angebot untermauert diese Beschreibung vollumfänglich, und der Titel «Magnificent... more...

Gemeinsame Interessen

von Jacques Ungar und Yves Kugelmann, October 9, 2008
Die israelische Fluggesellschaft El Al und das schweizerische Luftverkehrsunternehmen Swissair haben Ende letzter Woche ein Code-Sharing-Abkommen unterschrieben. Das bestätigte Joel Feldschuh, Generaldirektor von El Al, gegenüber der israelischen Presse. Das bedeutet, dass Swissair und El Al täglich drei gemeinsame Flüge durchführen.
Bis vor kurzem waren die beiden Fluggesellschaften Swissair und El Al auf den Strecken von der Schweiz nach Israel harte Konkurrenten. Seit Monaten verhandelten die beiden nun über ein sogenanntes Code-Sharing-Abkommen. Letzten Donnerstag abend war es dann soweit. In Zürich einigten sich die... more...

Die Erforschung des Alltäglichen

von Ellen Presser, October 9, 2008
Berühmt geworden ist Alphons Silbermann als Soziologe und Kommunikationswissenschaftler, genauer gesagt als Begründer der Massenkommunikationsforschung. Konsequenterweise wurde er darum auch schlagfertiger Altersstar in Fernsehtalkshows. Die «Erforschung des Alltäglichen» von der Wohn-, Schlaf- und Badezimmerkultur der Deutschen bis zur «Soziologie des Antisemitismus» war sein ganz eigener Versuch, das Wesen einer Nation auszuloten, die ihn einst radikal ausgestossen hatte. «Glücklich und bedeutend sein» - das war sein Lebensmotto. Der Tenor der Nachrufe auf den am 4. März 90-jährig Verstorbenen spricht dafür, dass es doch wahr geworden sein dürfte.
Rechtzeitig zu seinem 90. Geburtstag am 11. August 1999 legte Alphons Silbermann zu seiner Autobiographie «Verwandlungen» unter dem Motto «Flaneur des Jahrhunderts. Rezitative und Arien aus einem Leben» eine Selbstreflexion in dreizehn Kapiteln vor über Werte, Erfolg, Glück, Arbeit und... more...

Wie echt ist das erste «Geständnis»?

von Daniel Sobelmann und Jacques Ungar, October 9, 2008
Der Prozess gegen die 13 Juden, die der Spionage für Israel und die USA angeklagt sind, wurde nach zweiwöchigem Unterbruch am 1. Mai in der südiranischen Stadt Shiraz hinter verschlossenen Türen wieder aufgenommen. Beeinträchtigt werden könnte das Verfahren durch die steigenden Spannungen zwischen Konservativen und Reformisten. Ernste Zweifel werden in Israel an der Echtheit des ersten «Geständnisses» eines der Angeklagten erhoben.
«Kein Zweifel, dass dieses Geständnis mit Gewalt und Folter erpresst worden ist. Kein Gericht sollte ihn aufgrund dieses Geständnisses aburteilen». Mit diesen Worten reagierte am Dienstag ein Iran-Experte gegenüber der «Jerusalem Post» auf das Geständnis des 30-jährigen Danny Tefillin, der... more...

Österreich isolieren oder Europa spalten

October 9, 2008
In seiner letzten Ausgabe schreibt der Londoner «Economist», die Europäische Union sollte die «absurde Isolation» beenden, die sie gegen Österreich verhängt hat. Das Magazin wirft den 14 EU-Staaten u.a. vor, sich lächerlich gemacht und «heuchlerisch und peinlich» gehandelt zu haben. Auch... more...

Regierung gibt grünes Licht für umstrittenes Projekt

Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Polen wird den Bau eines umstrittenen Shopping-Centers gegenüber der Stätte des KZ Auschwitz genehmigen. Der Präsident des Projektes in der südpolnischen Stadt Oswiecim soll gesagt haben, das Einkaufszentrum würde den hunderttausenden von Menschen dienen, die jedes Jahr das Museum und die Gedenkstätte von Auschwitz besuchen.
«Wir haben uns den Forderungen der Regierung gebeugt und das Projekt so verändert, dass es den Besuchern des Museums dient», sagt Janusz Marszalek, Präsident der Gesellschaft Maja, die für die Errichtung des Einkaufszentrums gegenüber der Stätte des Nazi-Todeslagers bei Auschwitz... more...

Wolken über der Koalition

October 9, 2008
Es war nicht zu erwarten, dass dem mühsam errichteten Haus langfristige Harmonie beschieden sein würde; zu mannigfaltig waren seine Bausteine für ein Übermass an Zuversicht. Dass es in der Wohngemeinschaft schon so schnell bröckeln würde, kam allerdings eher überraschend.Israels Regierungen... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
«Holocaust-Industrie». Eigenartig: Der Direktor der berühmten Anti Defamation League (ADL) des Bnai Brith in New York ist ein Schoa-Überlebender, der dieses persönliche Argument wirkungsvoll in dieWagschale zu werfen weiss. Kürzlich ist Abe Foxman in Jerusalem allerdings in beissenden Worten... more...

«Niemand kann den Umfang dieses Problems ermessen»

von Alexis Canem, October 9, 2008
Kürzlich gab die Stiftung Preussischer Kulturbesitz zum ersten Mal seit ihrem Bestehen ein Kunstwerk zurück, das einst einem Juden gehörte. Jahrzehntelang hatte die inzwischen 85-jährige Gerta Silberberg nach dem Verbleib der von den Nationalsozialisten geraubten und dann zwangsversteigerten Kunstsammlung ihres Schwiegervaters, des Breslauer Industriellen und Kunstsammlers Max Silberberg, geforscht, der in einem Konzentrationslager ermordet wurde. Rückgegeben wurde, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, nur ein einziges Bild: «Olivenbäume» von Vincent van Gogh. Dennoch könnte dies ein Signal für weitere Rückerstattungen sein.
Bis heute ist die Rückgabe von Kunst, die jüdischen Eigentümern in den Jahren 1933-38 bei «Judenauktionen» zu Schleuderpreisen von den Nazis abgepresst oder ihnen ohne einen Gegenwert direkt gestohlen wurde, in Deutschland gesetzlich noch immer nicht geregelt. Zwar wurde unmittelbar nach der... more...

Neue Führung, neue Basis

von Izchak Gutwirth, October 9, 2008
Der European Jewish Congress (EJC) steht vor einem Neubeginn. Mit Henri Hajdenberg (Frankreich) hat er einen neuen Präsidenten. Mit neuen Statuten, ausgearbeitet von einer EJC-Strukturkommission unter der Leitung von Michael Kohn (Schweiz) hat er ein modernes Pflichtenheft und eine solide konstitutionelle Basis erhalten. Unter den Sachgeschäften ragten Fragen des Umgangs mit dem wachsenden Rechtsextremismus und der europaweiten Wiedergutmachung zugunsten der Holocaust-Opfer hervor.
Nach dem Ableben von Ignatz Bubis war das Präsidium des EJC verwaist. Die ausserordentliche Generalversammlung, an welcher rund 100 Delegierte aus 26 Ländern teilnahmen, wählten ohne Gegenstimme Rechtsanwalt Henri Hajdenberg, Präsident des Verbandes CRIF zum neuen Präsidenten. Er war der... more...

Ehud Baraks schwarze Stunde

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Vor einer der schwärzesten parlamentarischen Stunden seit der Bildung seiner Koalition stand Premierminister Ehud Barak am Mittwoch. Vor der Abstimmung in erster Lesung in der Knesset über eine Vorlage des Likud-Abgeordneten Silvan Shalom stand nämlich schon fest, dass mit Shas, Israel be-Alijah und den National-religiösen drei wichtige Koalitionspartner Baraks mit der Opposition stimmen würden. Nimmt man noch drei Abgeordnete anderer Koalitionsparteien hinzu, die sich noch nicht entschieden hatten, war schon vor der Debatte klar, dass Barak am Mittwoch die empfindlichste Niederlage seit der Übernahme des Amtes des Premierministers erleiden würde, ausser natürlich, es wäre ihm vor der Abstimmung noch gelungen, die Dissidenten mit Hilfe finanzieller oder Prestige-Zückerchen zurückzupfeifen.
Laut Radio Israel standen die Chancen dafür aber schlecht, wies Shas dem Vernehmen nach doch am Dienstag eine Offerte Baraks zurück, zu seinen bisherigen drei einen weiteren Ministerposten zu erhalten. Im Übrigen vertraten politische Experten die Meinung, Rabbi Ovadia Yosef, die graue Eminenz von... more...

Der Wein ist noch unberührt...

von Rabbiner Roland Gradwohl, October 9, 2008
Dieser Schabbat am Vorabend des Pessachfestes trägt den Namen Schabbat Hagadol, der «Grosse Schabbat» oder - in abweichender Übersetzung - der «Schabbat des Grossen», nämlich des Rabbi und Schriftgelehrten, der die Gemeinde über die besonderen Pessach-Gesetze instruieren muss.
Nach alter Tradition wird im Morgengottesdienst des Schabbat Hagadol nach der Torahlesung ein Abschnitt aus dem 3. Kapitel des Prophetenbuches Maleachi vorgetragen, der mit den Worten schliesst: «Gedenket der Lehre meines Dieners Mose, die ich ihm am Horeb-Berg für ganz Israel geboten habe:... more...

Durch die Archive gewühlt

von Tom Tugend, October 9, 2008
Rund 100 000 Unterlagen, die Auskunft erteilen über von den Nazis geraubte Wertsachen, sind auf eine Web Site aufgenommen worden, die Holocaust-Opfern und deren Erben hilft. Zusammen mit dem Wiesentahl-Zentrum gab dies die Organisation «Risk International Services» dieser Tage an einer Pressekonferenz in New York bekannt.
Informationen über die rund 100 000 Unterlagen im Zusammenhang mit Nazi-Raubgut, die aus Archiven in Berlin, Frankfurt und Hamburg gewonnen werden konnten, sind unter der Adresse www.LivingHeirs.com einsehbar. Das Projekt Living Heirs und die Web Site wurden vor einem Jahr als ein... more...

Vor dreissig Jahren starb Otto Abisch

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Am 16. Juni jährte sich der Todestag von Otto Abisch, dem Mitbegründer der Jüdischen Rundschau, zum dreissigsten Male. 1938 als mittelloser Emigrant mit seiner Familie aus Nazi-Berlin nach Basel gekommen, stellte Otto Abisch seine kaufmännischen Talente schon bald in die Dienste des in Basel... more...

Barak soll neues Grundsatzpapier vorbereiten

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Offiziell kommen die israelischen und palästinensischen Unterhändler nicht vom Fleck, doch scheint man in Kontakten hinter den Kulissen bereits beträchtliche Fortschritte erzielt zu haben. Jedenfalls wird angenommen, dass eine Lösung für die Verwirklichung der Abkommen von Wye auf dem Tisch liegen wird, bis US-Aussenministerin Madeleine Albright am 1. September in die Region kommt. Inzwischen droht Baraks Koalition Gefahr von rechts, wollen religiöse Parteien das Bündnis doch verlassen, wenn Schwertransporte der Elektrizitätsgesellschaft weiterhin am Schabbat durchgeführt werden.
Offiziell sprechen Israelis von «Fortschritten in grundsätzlichen Fragen», während Palästinenser die immer noch vorhandenen Differenzen hervorstreichen, dabei aber zugeben, dass die Verhandlungen sich in einer guten Atmosphäre abwickeln. Auch wenn noch immer kein «weisser Rauch» von den... more...

Sieg über ein Klischee

von Claus Stephani, October 9, 2008
Es war der rumänische Rabbiner Moses Rosen, der auf einer Tagung 1991 in Bukarest gesagt hatte, dass der wiedererwachte osteuropäische Antisemitismus eigentlich gar keine Juden mehr bräuchte: «Was sich einmal in den hohlen Köpfen an Vorurteilen eingenistet hat, wuchert auch so immerzu.» Besucht man die Ausstellung «Deutsche Jüdische Soldaten», die derzeit im bayerischen Hauptstaatsarchiv, München, gezeigt wird, könnte man zu den Worten des weisen Rabbis noch hinzufügen: Auch das alte Vorstellungsklischee vom «feigen Juden» wuchert noch im Denken von sogenannten Durchschnittsbürgern und auch von solchen, die sich selbst zu einer geistig gehobenen Schicht zählen.
Der stereotypen, vom Nationalsozialismus propagierten Meinung will die wissenschaftlich sorgfältig konzipierte Dokumentarschau entgegenwirken. Auf 69 grossformatigen Standtafeln und in vier Vitrinen wird anhand eines reichen Materials - Urkunden, Handschriften, Fotos, Reproduktionen von Gemälden... more...

In Zürich formiert sich Widerstand

von Odette Rosenberg, October 9, 2008
Ein Brief der Coop-Verwaltung flatterte dem Sekretariat der ICZ auf den Tisch. Freundlich drückte erstere ihr Bedauern darüber aus, dass sie sich «leider dazu gezwungen sehe, die Koscherabteilungen in ihren Zürcher Filialen aufzuheben». Der Grund: die Lebensmittelverordnung des Bundes würde nicht eingehalten. Offensichtlich entspricht das Angebot nicht den Anforderungen, die Coop und das Lebensmittelinspektorat, aber auch die Konsumenten, an Produkte stellen. Eine Galgenfrist eingeräumt erhielt lediglich die nicht sehr anmächelige Koscherabteilung im Coop-Supercenter Wiedikon. Im St. Annahof an der Bahnhofstrasse ist das Gestell bereits ausgeräumt.
Der Entscheid von Coop ist eine logische Konsequenz. Und es wäre nicht verwunderlich, würde auch die Migros Brunau, im Zürcher Stadtkreis drei, demnächst ihre Koscherabteilung aufheben.Reklamation der ICZJacques Lande, Vorstandsmitglied der ICZ und Präsident der Synagogenkommission, bestätigte... more...

Unglaubliche Medien-Raserei in den Gebieten

von Danny Rubinstein, October 9, 2008
Zumindest was die von Israelis und Palästinensern über die Gewalttaten verbreitete Information und Propaganda betrifft, herrscht Krieg in der Westbank und im Gazastreifen. Alle Medien sind in diesen Kampf verwickelt. Angesichts der täglich in der Presse der Autonomie erscheinenden Berichte über die Missetaten der Israelis verwundert es nicht, dass die palästinensische Öffentlichkeit zornig ist.
Seit über zwei Wochen publiziert die palästinensische Zeitung «Al Iyam» eine tägliche Chronik des Kampfgeschehens. Den Kopf jeder Zeitung ziert das Logo der Chronik: Das Foto des 12-jährigen Mohammed al Duri, der an der Netzarim-Kreuzung tot in den Armen seines Vaters liegt. Weiter unten auf... more...

Protest aus Israel gegen Vatikanbesuch

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Das für Ende Monat geplante Treffen zwischen Papst Johannes Paul II und dem rechtslastigen österreichischen Politiker Jörg Haider stösst auf wachsende Proteste jüdischer Kreise. Jetzt hat auch der Staat Israel vor den Konsequenzen einer solchen Zusammenkunft gewarnt.
Jörg Haider, der umstrittene Spitzenpolitiker der österreichischen Freiheitspartei, wird höchst wahrscheinlich am 16. Dezember im Vatikan von Papst Johannes Paul II empfangen werden, wenn er dem Vatikan einen vor langer Zeit bereits zugesagten Weihnachtsbaum überbringen wird. Die Aussicht eines... more...

Der Tag, an dem Auschwitz befreit wurde

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Von Grossbritannien bis Italien, von Schweden bis Deutschland sind die Europäer offenbar bestrebt, aus den Schrecken der Vergangenheit Lehren für die Zukunft zu ziehen. Die Zeremonien anlässlich des 56. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz wurden in einigen Ländern zum offiziellen Holocaust-Gedenktag umfunktioniert, während man sich anderswo mit einer Versammlung Überlebender an der Stätte des ehemaligen Todeslagers beschränkte. Auschwitz war am 27. Januar 1945 von der sowjetischen Armee befreit worden.
An offiziellen Zeremonien in Deutschland, Italien, Grossbritannien und Schweden gedachte man am 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, der Schoah, erinnerte aber auch an die Opfer anderer Verfolgungen und Genozide. Das Ziel war es, den Holocaust zu einem Zeitpunkt des Wiederaufflackerns... more...

Richter Anthony Gubbay hat genug

von Suzanne Belling, October 9, 2008
Anthony Gubbay (68), der jüdische Oberrichter von Zimbabwe, nimmt ab sofort Urlaub, der bis zu seiner Pensionierung Ende Juni dauern wird. Er wird keine Fälle mehr übernehmen. Damit hat Präsident Robert Mugabe einen wichtigen Sieg gegen das Rechtswesen seines Landes erzielt.
Der Konflikt zwischen dem Rechtswesen in Zimbabwe und der Regierung Mugabe brach im vergangenen Jahr aus, nachdem weisse Farmer sich gegen die Invasion ihres Landes durch schwarze «Veteranen» zu wehren begannen. Diese «Veteranen», von denen sich nur wenige wirklich am Unabhängigkeitskrieg des... more...

Der jüdische Biss der deutschen Kultzeitschrift «Simplicissimus»

von Hanna Rheinz, October 9, 2008
Was ist der Unterschied zwischen einem Mops und einer Bulldogge? Eine Ausstellung in München zeigt das Werk des grossen Malers, Zeichners und Majestätsbeleidigers Theodor Thomas Heine, dem Mitbegründer und Ideengeber der berühmten satirischen Zeitschrift «Simplicissimus», deren Signum, die rote Bulldogge, aus seiner Feder stammte.
Die Bulldogge, so wie der Maler, Zeichner und Karikaturist Thomas Theodor Heine sie sah, nämlich als Kampfhund der Jahrhundertwende, sollte den behäbigen Bürgern an die Gurgel gehen und sie zum kritischen Nachdenken bewegen, der Mops hingegen, für manche Inbegriff der deutschen Spiessigkeit,... more...

«Israel will sich in Europa verankern»

October 9, 2008
Im Rahmen einer Blitzreise durch den Nahen Osten führte Bundeskanzler Gehard Schröder am Dienstag Gespräche in Israel, während am Mittwoch Treffen in der Palästinensischen Autonomie auf dem Programm standen. In einem Exklusiv-Interview mit der JR beurteilt Avi Primor die Bedeutung der Kanzler-Reise aus israelischer Sicht. Primor, heute Präsident der Tel Aviv Universität, war Mitte der 90er Jahre Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union. Für sein Engagement für den Abbau von Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit erhielt er 1998 den Kulturpreis Europa verliehen. Für die JR sprach Jacques Ungar mit Avi Primor.
Jüdische Rundschau: Wie beurteilen Sie Schröders Nahostreise aus israelischer Sicht?Avi Primor: Als sehr positiv. Der Bundeskanzler versucht, die Beziehungen zwischen Israel und der BRD, ebenso wie zwischen Israel und der EU trotz der derzeit schwierigen Lage und der verschlechterten allgemeinen... more...

Israels Menschenrechte

von Peter Abelin, October 9, 2008
Bis auf den letzten Platz war der grosse Stadtsaal im Berner Kornhaus gefüllt, als Eitan Felner, Direktor der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, auf Einladung des «Forums für Menschenrechte in Israel und Palästina» über «Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht im Oslo-Prozess» sprach. Die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft hatte den Anlass unterstützt.

Der Referent, der am gleichen Tag auch mit Interviews in der «Berner Zeitung» und im «Echo der Zeit» von Radio DRS eine Plattform erhielt, kritisierte namentlich die exzessive Gewaltanwendung der israelischen Armee, die auch scharfe Munition einsetze, wenn die Palästinenser «nur» mit Steinen... more...

Den Nahen Osten gibt es schon

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Israels Wahlschlacht ist geschlagen. Die Werbeagenturen können sich wieder mit der Vermarktung eleganter Autos, nahrhafter Cornflakes oder saugkräftiger Windeln befassen, und die Transparente werden eingerollt und versorgt. Für mindestens zwei Jahre, wenn man den Anhängern des neuen israelischen... more...

Rabbiner Niemand hat gewonnen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Für die einen bedeutet es den nahenden Untergang der IGB, für die anderen die Chance: das Absolute Mehr hat die offiziellen Rabbinerkandidaten am vergangenen Sonntag geschlagen. Nicht vordringlich die Unzufriedenheit mit den Kandidaten hat dazu geführt, sondern die falsche Strategie des Gemeindevorstands. Das kategorische Nein zum formellen Dialog hat die Opposition in den Bann gezogen und eine zu verhindernde Eigendynamik etabliert. Somit stehen der IGB in den nächsten Monaten strapaziöse Grundsatzdiskussionen ins Haus. Wichtige Traktanden werden angesichts einer neuen Rabbinerrunde auch weiterhin hinten anstehen müssen. Und ein neuer «Kandidat» wird zum Kronfavorit: Rabbiner Israel Meir Levinger.
Eigentlich hat Rabbiner Joël Jonas die Rabbinerwahlen vom letzten Sonntag gewonnen. Wäre da nicht die Hürde des absoluten Mehrs. Denn mit 43,1% hat er mehr Stimmen gemacht als der Zweitplazierte: der brachiale Anteil von 33,1% Leereinlegern. «Ich stehe weiterhin als Kandidat zur Verfügung»,... more...

Europas Vision für Nahost-Frieden

von Louis Bloch, October 9, 2008
Knessetsprecher Avraham Burg und sein palästinensischer Amtskollege Abu Ala machten diese Woche gemeinsam dem Europaparlament in Strassburg ihre Aufwartung. Dabei wurden in der Diskussion einige interessante Gedanken entwickelt.
Am 5. September, um präzise 11.30 Uhr betrat Nicole Fontaine, Präsidentin des Europaparlaments, eingerahmt von ihren Gästen Abraham Burg und Abu Ala, den imposanten Halbkreis des Plenarsaales in Strassburg. Zuvor hatte der für Europa-Angelegenheiten verantwortliche französische Minister Pierre... more...

Arafats wahre Kriegsmotive

von Charles Krauthammer, October 9, 2008
Kämpfe seien im Nahen Osten ausgebrochen, lesen wir. Diese Methode der passiven Formulierung, die wir bei fast allen Medien-Berichten über die Gewalt in Israel antreffen, ist eine Art, vorsätzlich die Ursache der Kämpfe unter den Tisch zu wischen.

Es ist ein Skandal. Etwa vergleichbar mit der Formulierung, dass am 1. September 1939 an der deutsch-polnischen Grenze der Krieg «ausbrach».Nur wenige Kriege brechen spontan aus, und bei diesem war dies sicher nicht der Fall. Glaubt wirklich jemand, dass Ehud Barak, der den Palästinensern in Camp... more...

Ein Bau soll versöhnen

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Im nordböhmischen Liberec (Reichenberg) wurde 62 Jahre nach der Zerstörung der dortigen Synagoge in der so genannten Kristallnacht auf den Resten der Ruine ein «Bau der Versöhnung» eingeweiht. Er vereinigt eine neue Synagoge und eine Bibliothek. In der ehemaligen Hauptstadt des Sudetengaues leben heute etwa 120 Juden.

Eine an die Klagemauer erinnernde fensterlose Wand aus Steinquadern, in die in der linken Ecke eine Öffnung, der Eingang, geschlagen zu sein scheint, empfängt einen von der Strasse her. Über der Tür zieht sich ein eingemeisseltes Schriftband um den Bau - Jonas betet im Bauch des Fisches. Der Bau... more...

Künstler sind wie Oliven

Interview Regula Rosenthal, October 9, 2008
Leonard Bullock ist 1956 in North Carolina, USA geboren, wo er sein Studium an der «Memphis Academy of Art» in Tennessee begann und später in New York fortsetzte. Er erhielt ein Stipendium für die renommierte Yale-Universität in Connecticut. Später besuchte er die «School of Visual Arts» und die «New School of Social Research in New York. Er war an unzähligen Kunsthochschulen in den USA sowie in Europa als Lehrer tätig. Gleichzeitig stellte Bullock in bekannten Galerien in den USA und Europa seine Werke aus. Er pendelt zwischen der Neuen und Alten Welt. Oft hält er sich in Köln, Berlin und New York auf, aber auch in Holland und Frankreich. Sehr gerne hält er sich in Basel auf, denn er liebt hier vor allem das angenehme Klima und das Licht. Sein Vater war als Schauspieler am Broadway in New York tätig.
Jüdische Rundschau: Herr Bullock, Sie sind im Süden der USA geboren und aufgewachsen. Wieso sind Sie damals nach New York übersiedelt?Bullock: Für die bildende Kunst ist es unumgänglich dort hinzugehen.Jüdische Rundschau: Wie wichtig für Ihre Karriere war dieser Aufenthalt?Bullock: New York... more...

Ein grosser Freund Israels ist gestorben

von Walter L. Blum, October 9, 2008
Am 20. Februar starb alt Regierungsrat Albert Mossdorf in seinem 90. Lebensjahr. Die Gesellschaft Schweiz-Israel (GSI) trauert um ihren Ehrenpräsidenten und ehemaligen Zentralpräsidenten. Es steht ausser Frage: Mit Albert Mossdorf ist einer der grössten Freunde Israels und der jüdischen Gemeinschaft von uns gegangen. Während Jahrzehnten hat er die Tätigkeit der GSI geprägt. Sein Herz schlug für Israel. Schweizer Patriot im guten Sinne, liebte er den jungen Staat im Nahen Osten, mit dem er so eng verbunden war. Sein Engagement war so stark, dass er auch in kritischen Situationen Ereignisse in der israelischen Politik, die er als Fehler empfand, nie öffentlich, sondern nur im engsten Freundeskreis und gegenüber israelischen Politikern im direkten Gespräch ansprach. Sein Einstehen für Israel,war so gradlinig, dass wir den Eindruck gewannen, er habe den Grundsatz «Right or wrong, my country!» zur Richtschnur seines israel-politischen Engagements gemacht.
Albert Mossdorf leistete als Wachtmeister Aktivdienst. Er hat immer wieder betont, dass ihn dieses Erlebnis, und das Erkennen, wie viel Grausamkeit in dieser Zeit dem jüdischen Volk angetan wurde, zum Judentum hingeführt habe. Denn er war ein Vertreter jener Aktivdienstgeneration, die aus dem... more...

Schnelles Wachstum, hohe Rendite

von Samuel Laster, October 9, 2008
Die Firmen «Mercury Interactive» und «Comverse Technology» sind in der renommierten Wirtschaftszeitung «Fortunes» unter den 100 Firmen mit den höchsten Wachstumsraten weltweit aufgelistet worden. «Mercury Interactive», die Nummer 13 auf der Fortunes-Liste, ist ein Unternehmen, das sich mit der Beobachtung und Überprüfung von Internetseiten befasst.
Der Ertrag pro Aktie wuchs in den letzten drei Jahren um 79% , die ordentlichen Erträge wuchsen im gleichen Zeitraum um 55%, die Gewinne durch Aktienverkauf um 196%. Die in Sunnyvale, Californien, beheimatete Firma hat eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung in OR Yehuda, Israel. Amnon Landan,... more...

Von der Freiheit oder Hitlers letztem Sieg

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Die Tatsache, dass die meisten Jüdinnen und Juden nach dem gregorianischen Kalender leben, hat zur Folge, dass auch historische Ereignisse in den Kategorien dieser Zeitrechnung eingestuft und gar die eigene Identität daran festgemacht wird. Das Wechselspiel zwischen der jüdischen und der allgemeinen Zeitrechnung hat umittelbaren Einfluss auf Denken und Bewertung der Zeit, in der wir Leben. Doch wer sind wir, was macht das Individuum und was die Gemeinschaft in der Zeit aus, ist die Idendität von der Zeit ablösbar oder nicht? Gedanken zur fatalen, aber unfreiwiligen Abkeher von den jüdischen Wurzeln.
Hitler ist tot, die Schoa liegt 60 Jahre zurück. Doch geradezu unentwegt scheinen des Diktators Fänge noch über die Millenniumsgrenze hinaus allgegenwärtig zu sein. Aus der Sicht der Opfer ist die ständige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verständlich, ja geradezu notwendig. Doch... more...

Ist Bush gut oder schlecht für Israel?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
So spannend wie dieses Mal war der Kampf um den amerikanischen Präsidentensessel zum letzten Mal vor 200 Jahren, als Thomas Jefferson obenaus schwang. Der Republikaner George W. Bush Jr. hat zwar nur 49% der Stimmen auf sich vereinigen können, doch wenn er in Florida tatsächlich gewonnen hat, wird die knapp höhere Zahl der Elektoren zu seinen Gunsten entscheiden. Al Gore muss dann seine Niederlage der Tatsache zuschreiben, dass sowohl Arkansas (Heimstaat Clintons) und Tennessee (von dort kommt Gore) für Bush gestimmt haben. Am schwersten ins Gewicht zuungunsten Gores fielen aber die 3% der Wählerstimmen, die der unabhängige Kandidat Ralph Nader ergatterte.
Was auf den ersten Blick wie eine knappe, fast zufällig anmutende Sache aussieht, ist effektiv viel solider, verfügen die Republikaner doch in beiden Häusern des Kongresses über eine Mehrheit, die im Senat allerdings vermutlich extrem knapp sein wird. George W. Bush Jr. kann dann machtmässig... more...

Barak, der einzige Kandidat des Friedenslagers

von A.B. Yehoshua und Amos Oz, October 9, 2008
Es ist ruhig geworden um Israels Linke. Die Stimme für den Frieden aus den 80er und 90er Jahren ist im jüngsten Konflikt fast verstummt. Doch nicht ganz. Die beiden unermüdlichen Kämpfer für Dialog und Friden in Nahost, die Schriftsteller Amoz Oz und JR-Kolumnist A.B. Yehoshua, setzten sich diese Woche gemeinsam zugunsten von Baraks Friedenspolitik ein. Die JR veröffentlicht im nachfolgenden den Text.

Mehr als einmal schon hat Ehud Barak gesagt, er wolle einzig aufgrund der Resultate seines Handelns beurteilt werden. Baraks «Resultat-Test» in Bezug auf die Sicherung des Friedens, aber auch hinsichtlich einiger anderer Themen, erweckt ein Gefühl der Enttäuschung bei vielen der Gruppen, die... more...

Sharon als de Gaulle?

October 9, 2008
Sieben Ratschläge an Ariel Sharon:1. Wenn Sie Ihr Büro beziehen, sollten Sie nicht vergessen, gegenüber Ihrem Schreibtisch Bilder von Ehud Barak und Bibi Netanyahu aufzuhängen. Baraks Konterfei, damit Sie sich immer bewusst sind, wie vergänglich der Ruhm ist, und Bibis Bild, damit Sie wissen,... more...

Für einen Frieden, aber nicht um jeden Preis

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Während Israel von einer palästinensischen Terrorwelle sondergleichen heimgesucht wird (Vgl. Artikel auf Seite 3), veröffentlicht ein palästinensisches Meinungsforschungs-Institut eine Umfrage über die Ansichten der Bevölkerung in der Westbank und im Gazastreifen zur Möglichkeit eines Friedens mit Israel. Die Resultate lösen gemischte Gefühle aus.
Die von gewissen israelischen Kreisen befürwortete physische Trennung von den Palästinensern hat auch auf der anderen Seite der «grünen Linie» ihre Anhänger. 48% der Palästinenser befürworten, wie die Umfrage eines palästinensischen Meinungsforschungs-Instituts in Bet Sachur bei Bethlehem... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Mission Erfüllt. Mehr als 300 000 bedürftige Opfer von Schoa/Holocaust bekamen in den vergangenen zwei Jahren vom gleichnamigen humanitären Schweizer Fonds je nach lokaler Kaufkraft eine Geldspende zwischen 600 und 1000 (Schweiz) bis 2000 Franken (Roma und Opfer in den USA) oder werden sie noch... more...

Glanzvoll gespielter Geniestreich

von Walter Labhart, October 9, 2008
Zu einem randvollen Kleinen Saal in der Zürcher Tonhalle verhalf dem Kammermusikabend der Tonhalle-Gesellschaft der Auftritt von Pinchas Zukermann (Violine und Viola), Ralph Kirshbaum (Violoncello) und Marc Neikrug (Klavier) in Verbindung mit einem geradezu idealen Programm. (23. Jan.) Beliebte Meisterwerke von Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Strawinsky erlebten dabei Interpretationen von beispielhaftem Charakter.

In der 1919 am Genfersee entstandenen und dem Winterthurer Musikförderer Werner Reinhart gewidmeten Suite aus Igor Strawinskys Spiel «L’Histoire du Soldat» gesellte sich zu den regelmässig als Duo auftretenden Musikern Zukerman und Neikrug der Klarinettist Michael Reid hinzu. Ihr... more...

Eine laue Veranstaltung

von Anton Legerer, October 9, 2008
Vom 13. bis 15. März lud die Stadt Wien nach 1996 und 1997 zum dritten Theodor-Herzl-Symposium unter dem diesjährigen Motto «Schalom - Friede» in das kathedrale Wiener Rathaus. Den - entgegen den allgemeinen Erwartungen - so zahlreich wie im Vorjahr erschienenen Besuchern bot sich eine Veranstaltung, die besser nach einem anderen grossen jüdischen Zuwanderer nach Wien, nämlich Sigmund Freud, benannt worden wäre und das Thema «Konflikt und Tabu» behandelt hätte. Die Verzögerung des Friedensprozesses in Israel und die innenpolitische Lage in Österreich sabotierten das ursprüngliche thematische Vorhaben, sodass sich «Die Situation in Österreich» dominierend ins Programm drängte.

Der Mentor der bisherigen Herzl-Symposien, Wiens ehemaliger Bürgermeister Helmut Zilk, deckte in seinem Eröffnungsstatement die österreichische und seine eigene Befindlichkeit ab, und eröffnete dem erstaunten Publikum die zwei Seelen in seiner Brust: jene seiner dem Nationalsozialismus... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Hersch. Wir befinden uns im «Jahre Hersch» - die in Genf tätige Philosophin Jeanne Hersch feiert dieses Jahr ihren 80. Geburtstag und wird deshalb von ihrer Alma mater mit dem Zyklus «Das philosophische Erstaunen» geehrt. Das «Année Jeanne Hersch» besteht aus einer Reihe gewichtiger... more...

Leerstellen als bildnerische Lehrstellen

von Walter Labhart, October 9, 2008
Wie Walter Feilchenfeldt im Katalog zur Ausstellung schreibt, bereitete der Verkauf von Paul Cézannes malerischem Nachlass einst beträchtliche Schwierigkeiten, weil viele Spätwerke ihrer leeren Stellen wegen als unfertig und demzufolge als ungeeignet für den Kunsthandel galten.
Bei der Aufteilung der nachgelassenen Arbeiten scheinen die Brüder Bernheim-Jeune das ausgearbeitete Frühwerk vorgezogen zu haben, während sich Vollard mehr für die Gemälde der letzten, am Geburtsort Aix-en-Provence entstandenen Werke interessierte. Ein Jahr nach dem Tod Cézannes, der von 1839... more...

«Mischen Sie sich ein!»

October 9, 2008
«Mischen Sie sich ein!» beschwört die deutsche Talkmasterin der ARD, Sabine Christiansen, seit zwei Wochen ihre Zuschauerschaft, wenn sie eine weitere Gesprächsrunde über Rechtsextremismus beendet hat. Hinschauen statt wegschauen - das wäre ein gutes Rezept gegen die Glatzen und ihre... more...

Nach der Katastrophe

von Alexander C. Kothe, October 9, 2008
Der Zentralrat der Juden in Deutschland wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt a. M. gegründet, gut ein Jahr nach der Bundesrepublik Deutschland. Doch in den drei Besatzungszonen der Westmächte hatte es schon zuvor ein reges jüdisches Leben gegeben, welches in dem Land, das die grosse jüdische Katastrophe zu verantworten hatte, nicht erwartet werden konnte. Wer aber waren nun die Juden, die in der Spanne zwischen der bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reiches im Mai 1945 und der Gründung des Zentralrates im Sommer 1950 in Westdeutschland lebten - und warum?
Von den ehemals 500 000 deutschen Juden, welche 1933 im Deutschen Reich gelebt hatten, lebten nach Kriegsende vielleicht zwischen 15 000 und 20 000 noch in ihrem alten Heimatland. Der überwiegende Teil derjenigen, die in Deutschland überlebt hatten, konnten dieses aufgrund der Tasache, da ihnen... more...

Für die Macht, gegen Menschenleben

von Douglas Davis, October 9, 2008
Die britische Regierung blockierte einen geheimen amerikanischen Plan, der Tausende von Juden aus den Konzentrationslagern der Nazis gerettet hätte. Gemäss unlängst veröffentlichten britischen Dokumenten fürchtete die Londoner Führung, diese Juden würden nach Palästina gehen und somit Englands Kolonialpolitik unterwandern.
Laut Unterlagen des Londoner Foreign Office, die erst jetzt publiziert worden sind, hätte der geheime Plan der USA den Austausch von in Deutschland oder in von den Deutschen besetzten Ländern inhaftierten Juden mit südamerikanischen Pässen gegen deutsche Bürger in Lateinamerika beinhaltet. Der... more...

«Vernachlässigung der Geschichte ist immer eine grosse Gefahr»

von Yves Kugelmann, October 9, 2008
Im vergangenen Mai wurde der langjährige Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Johannes Rau, als Nachfolger Roman Herzogs zum Bundespräsidenten gewählt. Damit steht Rau der Bundesrepublik im 50. Jahr der Konstituierung der bundesrepublikanischen Verfassung vor und begeht in der kommenden Woche den zehnten Jahrestag seit dem Fall der Berliner Mauer. JR-Chefredaktor Yves Kugelmann sprach mit Bundespräsident Rau auf Schloss Bellevue in Berlin über den Balkankrieg, den deutsch-jüdischen Dialog und geschichtliche Relativität.
Jüdische Rundschau: Herr Bundespräsident, wir befinden uns fünfzig Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, es sind nächste Woche zehn Jahre, seitdem die Mauer gefallen ist. Sie werden dieses Land ins nächste Jahrtausend führen nach einem bewegten Jahrhundert. Was bedeutet das... more...

Das vermeintliche Alibi «Juden»

von Igal Avidan, October 9, 2008
Der CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble hat sich am Dienstag bei den «jüdischen Mitbürgern» für die «Entgleisung» bezüglich der Auslandskonten der Partei im Land Hessen entschuldigt. Die Legende des früheren hessischen CDU-Schatzmeisters Casimir Primz zu Sayn-Wittgenstein um angebliche jüdische Erblasser hatte weltweit empörte Reaktionen ausgelöst. In Israel warnten die Zeitungen vor antisemitischen Vorurteilen. Der frühere hessische CDU-Vorsitzende Manfred Kanther hatte am Freitag eingeräumt, dass die Führung des Landesverbandes in den achtziger Jahren fast acht Millionen Mark auf ein schwarzes Konto ins Ausland transferiert hat. Das Geld sei später als «jüdische Erbschaften« getarnt und zurücküberwiesen worden.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sprach gegenüber der JR von «einer infamen Geschichte, die ich aufs Schärfste verurteile. Ich erwarte eine Entschuldigung oder personelle Konsequenzen». Spiegel forderte den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU)... more...

«Wie werden wir unsere Angst und diese Regierung los?»

von Anton Legerer, October 9, 2008
Die Israelitische Kultusgemeinde Wien lud ihre Mitglieder letzten Donnerstag Abend zu einem «Bürgerparlament» in den Stadttempel, der als historisches Bet Knesseth, dem auch für die Besprechung der Sorgen und Anliegen der Gemeinde dienenden Versammlungsort, fungierte. Das Interesse an der Diskussionsveranstaltung, der sich das Präsidium der IKG Wien mit Präsident Ariel Muzicant an der Spitze stellte, war gross, was Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg zu der Ermunterung veranlasste, die Synagoge «auch an anderen Tagen so gut besetzt» zu sehen.
In seiner Einleitung betonte Muzicant seine eigene «Ratlosigkeit» gegenüber der neuen Regierung, mit der es laut Beschluss des Kultusvorstandes keine direkten Kontakte geben werde, und er zeigte sich «überrascht von der Schnelligkeit und Deutlichkeit der Stellungnahmen der 14... more...

Vor der totalen Vernichtung gerettet

von Rabbiner Dr. Roland Gradwohl, October 9, 2008
Pessach, das Fest, das die jüdische Gemeinschaft heute Mittwochabend zu feiern beginnt, erinnert an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei. Während acht Tagen, in Israel während sieben, isst der fromme Jude die ungesäuerten Brotfladen, die Mazzot, anstelle des sonst üblichen Brots und anderer Mehlspeisen.
Mazzot war das sogenannte «Brot des Elends», mit dem sich die Leibeigenen in Ägypten begnügen mussten, Mazzot gilt aber auch zugleich als das «Brot der Freiheit», in Eile beim Auszug mitgenommen und später an der Sonne notdürftig gebacken. Viel ist an diesem Fest von der Freiheit die Rede,... more...

Die Torah, Wegweiser für ein sinnerfülltes Leben

von Rabbiner Roland Gradwohl, October 9, 2008
Pessach hat dem Volk Israel die körperliche Freiheit gebracht, Schawuot die geistige. Die Freiheit im Zeichen Gottes, der die Fesseln sprengt, die Menschen Menschen anlegen, und den Freigewordenen zuruft: Wirklich frei seid ihr dann, wenn ihr meine Lehre, die Lehre der Mitmenschlichkeit und der Menschenwürde euch zu eigen macht.
Die Freiheit, die den Israeliten an Pessach geschenkt wurde, war keine volle Freiheit. Die ägyptischen Fesseln waren gesprengt, das Zeichen der Leibeigenen - durch die Kleidung sichtbar - war ihnen genommen. Im Denken und Fühlen, in ihrer Mentalität und in ihrem Reden aber war noch kein... more...

«Wozu brauchen wir diesen ganzen Vatikan?»

von Nadav Shragai, October 9, 2008
Am 6. Juni 1967, dem zweiten Tag des Sechstagekrieges, bedrängte Generalmajor Uzi Narkiss, Kommandant des Zentralabschnitts, Verteidigungsminister Moshe Dayan, in die Jerusalemer Altstadt einzumarschieren. «Auf keinen Fall», murmelte Dayan. «Wozu brauchen wir diesen ganzen Vatikan?»
Moshe Dayans Überlegungen bezüglich der Jerusalemer Altstadt waren in erster Linie diplomatischer Natur. Er sah hier ein bedrohliches Mosaik von Kirchtürmen und Mosaikkuppeln mit einem riesigen Potenzial für Probleme. Dessen ungeachtet trat wenige Stunden später Levi Eshkols Regierung zusammen... more...

«Ich wollte den Fahneneid nicht brechen»

von Gisela Blau, October 9, 2008
Die erbosten Angehörigen der Aktivdienstgeneration vergessen etwas Wichtiges, wenn sie sich gegen die Vorwürfe an die Schweiz «aus jüdischen Kreisen» wehren: Auch unzählige jüdische Wehrmänner leisteten tausende von Tagen Aktivdienst zur Verteidigung des Vaterlands. Ihre Frauen und Mütter mussten damals genau gleich schmal durch wie der Rest der Bevölkerung. Die JR sprach mit einem ehemaligen jüdischen Aktivdienst-Fourier.
«Manchmal reut es mich heute beinahe, dass ich während des Krieges fast 1000 Tage Aktivdienst geleistet habe», sagt Raymond Bollag. «Die gehässigen Angriffe auf die Juden wegen der Holocaust-Debatte in den letzten Jahren ärgerten mich. Vor allem aber erzürnt mich die Affäre Keller (die... more...

Drang nach Wahrheitssuche

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Kaum zu glauben, dass seit dem Hinschied des unvergessenen Rabbiners Dr. Roland («Rolli») Gradwohl schon ein Jahr vergangen ist. Am letzten Sonntag lud die Familie zu einem Gedenkanlass in die «Beth Israel»-Synagoge des Jerusalemer Yemin-Moshe-Viertels ein.

Jeder Redner beleuchtete das vielseitige Wirken des Rabbiners, Forschers, Freundes, Kollegen und hingebungsvollen Familienvaters Roland Gradwohl s.A. von einem anderen Blickwinkel her. Die Ausführungen setzten sich wie die Steinchen eines Mosaiks zu einem Gesamtbild zusammen, das dem Verstorbenen... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Gold-Unwahrheiten. Auf dem Titelblatt einer achtseitigen, bunten Zürcher SVP-Wahlzeitung sind die bisherigen acht Nationalräte und der Ständerat als uniformes Blasorchester abgebildet. Im Inneren wird dagegen tüchtig auf die Pauke gehauen – es ist Wahlkampf, und hoffentlich schauen alle hin.... more...

31. Dezember oder 22. Tewet?

von Debra Nussbaum-Cohen, October 9, 2008
Was machen Juden am kommenden Neujahrsabend, den viele Millennium-Abend nennen? Werden sie ihre Wohnung festlich schmücken, ausgehen oder eine Party geben? Oder wird der Abend für sie nicht der 31. Dezember sein, sondern der 22. Tewet, ein weiterer gemütlicher, sonst aber ganz gewöhnlicher Freitagabend?
Gespräche mit amerikanischen Juden aus allen Teilen des jüdischen Spektrums enthüllen, dass der letzte Freitagabend des Millenniums für die meisten ein wenig von beidem sein wird: Der normale Auftakt zu einem Schabbat, der vielleicht aber doch nicht so normal ist.Lilly Rivlin, Filmschaffende und... more...

Unbelehbar Holocaust-Leugner

von Hans Stutz, October 9, 2008
Seit fünf Jahren ist die Leugnung des Holocaust in der Schweiz strafbar. Doch die Leugner lassen sich nicht belehren. In den vergangenen Monaten besonders aktiv der Verein «Wahrheit und Recht», präsidiert von Jürgen Graf. Noch bevor Grafs erste Verurteilung rechtskräftig geworden ist, eröffneten die Basler Untersuchungsbehörden ein neues Strafverfahren.
Am Montag verurteilte das Waadtländer Kantonsgericht den Buchhändler Aldo Ferraglia wegen Holocaust-Leugnung zu zwanzig Tagen Gefängnis. Ferraglia, seit Jahrzehnten in rechtsextremen Zusammenhängen tätig, hatte ein Buch von Roger Garaudy in der Schweiz vertrieben, in dem der Holocaust geleugnet... more...

Er kam als ein Überlebender

October 9, 2008
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Papst sich anlässlich seines Besuchs in Yad Vashem für die Rolle der katholischen Kirche während des Holocausts entschuldigen würde, war etwa gleich gross wie die Wahrscheinlichkeit, dass das Oberste Israelische Gericht den Prozess gegen Jesus neu aufrollen... more...

Die Macht des Fleisches

von Karen Bischof, October 9, 2008
Anlässlich des 10-Jahre-Jubiläums zeigt das Jüdische Museum Wien eine umfassende Ausstellung über den französischen Maler Chaim Soutine. Kurator Tobias G. Natter, der in den letzten Jahren für das Museum bereits mehrere grosse Kunstausstellungen (Max Liebermann, Max Oppenheimer, Tina Blau) erarbeitete, hatte in Österreich Pionierarbeit zu leisten, um diese Schau vorzubereiten. Eine Ausstellung, die gefangen nimmt.
«Es ist die erste Ausstellung über Chaim Soutine, die in Österreich zu sehen ist. Eine Soutine-Ausstellung hat es weder zu Lebzeiten des Künstlers noch nach 1945 gegeben. Sein Werk ist auch in keiner privaten oder öffentlichen Sammlung des Landes vertreten. Nach 1945 waren es dann einige der... more...

Der vermutete Schatz im Toplitzsee

von Anton Legerer, October 9, 2008
Der mehr als 100 Meter tiefe Toplitzsee im steirischen Salzkammergut übernimmt in diesem Sommer die Rolle des schottischen Loch Ness: mit finanzieller Beteiligung des US-Fernsehsenders CBS, der die gesamte Mission - exklusiv - in einem Dokumentarfilm für die Sendung «Sixty Minutes II» verarbeiten will, und des Wiesenthal-Centers in Los Angeles sucht die auf Tiefseebergungen spezialisierte Firma Oceaneering (prominentester Erfolg: die Titanic) nach Dokumenten, die jene bis in die allerletzten Kriegstage hier verschanzt gewesenen Nazi-Grössen versenkt haben sollen. Ziel der Suche sind vorrangig jene Dokumente, die Aufschluss über geraubtes jüdisches Vermögen auf Nazi-Konten in der Schweiz geben könnten.

Die Gerüchte wurden unter anderem von Augenzeugen genährt, die in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 zwei Lastkraftwagen aus dem Konzentrationslager Ebensee beobachtet haben wollen. Die Fahrt soll in einer Sackgasse im Felskessel des Toplitzsees geendet haben, wo SS-Männer die unbekannte... more...

An der Nase herumgeführt

von Jacques Ungar und Yves Kugelmann, October 9, 2008
«Einmal pro Woche kommt eine Putzfrau vorbei, um den ärgsten Staub aufzunehmen&#059; sonst aber ist es hier totenstill.» Dies sagt ein Passant, der seit Jahren in der Ortschaft Mizpe Ramon am Rande der Arava im Süden Israels wohnt, hält seinen Jeep vor dem Haupteingang der «Friedensschule Yitzchak Rabin», in der sich nicht nur wegen der Sommerferien nichts regt.
Vor knapp einem Jahr reiste eine Schweizer Delegation des Keren Hajessod an die Einweihung der neuen Mittelschule in Mizpe Ramon. Zu deren Errichtung hatte der Keren Hajessod der deutschsprachigen Schweiz rund 2,5 Millionen Dollar beigetragen. Tief beeindruckt waren die Teilnehmer damals durch die... more...

Zypern / Militär - Ende einer schmerzlichen Affäre für Israels Marine &quot;Dakar&quot; nach 31 Jahren lokalisiert

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Für eine Weile verloren die Israelis am Wochenende das Interesse an den Koalitionsgesprächen zur Bildung einer neuen Regierung unter Ehud Barak. Die Meldung von der Auffindung der Überreste des U-Bootes &quot;Dakar&quot; im Mittelmeer südwestlich von Zypern rund 500 km vor der israelischen Küste in einer Tiefe von fast 3000 Metern liess die Nation in einem Moment des Gedenkens zusammenrücken.
Die \"Dakar\" war am 9. Januar 1968 mit 69 Mann an Bord vom britischen Hafen Portsmouth, wo sie überholt worden war, in Richtung Israel ausgelaufen. Am 13. Januar wurde ein Zwischenhalt in Gibraltar eingelegt, und in der Nacht vom 24. zum 25. Januar erreichten die letzten Funksignale der \"Dakar\"... more...

Neue Töne, neuer Stil

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Abgesehen von seinem gewandten Auftreten, seiner geschliffenen Sprache und seinem Können, diese je nach Bedarf ruhig, sachlich und knapp oder dann donnernd und blumig einzusetzen, demonstrierte Avraham Burg (44) anlässlich seines ersten Auftritts als Knessetsprecher am Dienstag Nachmittag auch, dass er in der Lage und gewillt ist, neue Töne hören zu lassen.
Alle Anwesenden im Plenum hatten das Gefühl, dass die Gebete, die er zu Beginn und zum Abschluss der Sitzung rezitierte, von Herzen kamen und keine Farce waren. Auch musste Burg sich für die Zitate aus der Bibel nicht speziell ein Käppchen aufsetzen, trägt er dieses doch immer. Als den höchsten... more...

Ein vergessener jüdischer Avantgardist

von Walter Labhart, October 9, 2008
Die für ihre systematische Förderung abstrakt-konkreter Künstler international bekannte Galerie Schlégl in Zürich schuf bereits mehrmals den Zugang zu hier zu Lande nie zuvor gezeigten Werken aus dem engsten Umkreis von Kasimir Malewitsch, dem Begründer des Suprematismus in Russland. Nachdem sie vor ein paar Jahren eine vielbeachtete Erstpräsentation der jüdischen Malewitsch-Schülerin Nina Kogan widmete, macht die entdeckungsfreudige Galerie jetzt mit einem selbst in Fachkreisen nie zu einem Begriff gewordenen Assistenten von Malewitsch bekannt, mit dem Maler und späteren Architekten Jefim Moissejewitsch Rojak (1906-1987).
Der am selben Ort wie Marc Chagall, in Witebsk, 1906 zur Welt gekommene Rojak arbeitet von 1920 an mit Malewitsch zusammen, der einen grossen Einfluss auf sein ungegenständliches Schaffen ausübte. Als eines ihrer jüngsten Mitglieder nahm der Fünfzehnjährige an einer Ausstellung der... more...

Alle Themen werden angegangen

von Aluf Aluf Benn, October 9, 2008
Die Schwierigkeiten, die Israels Regierungschef Ehud Barak in den Verhandlungen mit Syrien vorausgesagt hatte, drangen bereits am ersten Tag in Shepherdstown an die Oberfläche. Ein israelisches Delegationsmitglied zog Parallelen zu den Budgetdebatten in Jerusalem, doch nach dem ersten Gerangel sitzt man nun an den gemeinsamen Tischen.

Kurz nachdem am Dienstag die ersten Bilder um die Welt gegangen waren, welche Barak, Clinton und a-Sharaa beim gemeinsamen Spaziergang über eine idyllische Brücke in Shepherdstown zeigten, realisierten die amerikanischen Gastgeber, dass es Probleme gab. Ursprünglich war geplant gewesen, die... more...

Rasantes Wachstum

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Was die israelische Hochtechnologiebranche bisher nur zu träumen wagte, ist im vergangenen Jahr in Erfüllung gegangen und hat damit selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Die Investitionen von in- und ausländischen Quellen stiegen um rekordbrechende 67% auf 1,03 Mrd. $ und stützten damit die optimistischen Prognosen, die im neuen Jahr mit Kapitalzuflüssen in Höhe von 1,5 Mrd. $ rechnen. Für Se’ev Holzmann, Geschäftsführer des Investmenthauses Giza, ist die Überschreitung der Milliardenschwelle bester Beweis für die internationale Anerkennung der expandierenden Hightech-Branche des jüdischen Staates. Dieser Wirtschaftszweig wächst im Zeitraffertempo.
Eindeutiger Motor des rasanten Wachstums sind ausländische Wagnisfonds und private Investoren. Laut dem vorliegenden Rechenschaftsbericht 1999 konnte der Hochtechnologiesektor hinsichtlich Kapitalaufbringung und Investitionen mit Rekordergebnissen aufwarten. Während die traditionellen... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
Federn. In Christoph Blochers neuester Streitschrift «Freiheit statt Sozialismus - Aufruf an die Sozialisten in allen Parteien» (was immer dies heissen mag) soll vor allem die SPS Federn lassen. Blocher dagegen schmückt sich mit fremden: Wer das Elaborat von der Blocher-Website herunterlädt und... more...

Jahrestagung der Aipac-Lobbyisten

von Sharon Samber, October 9, 2008
Was bedeutet es, Israels Friedensbemühungen zu unterstützen, wenn gleichzeitig die Gewalt in der Westbank wieder aufflammt und die Spannung an Israels Nordgrenze neuen Höhepunkten entgegengeht? Die Jahrestagung des «American-Israel Public Affairs Committee» (Aipac), der wichtigsten pro-israelischen Lobby in den USA, enthüllte diese Woche einige Verwirrung in dieser Hinsicht.

Rund 1500 pro-israelische Aktivisten aus den ganzen USA versammelten sich diese Woche in Washington zur alljährlichen Politik-Konferenz des «American-Israel Public Affairs Committee» oder «Aipac», wie die mächtigste Israel-Lobby in Amerika genannt wird. Die Botschaft an die Delegierten war... more...

Chance oder Wunschtraum?

von Jacques Ungar, October 9, 2008
Die innenpolitische Situation in Israel als Durcheinander bezeichnen zu wollen käme der Untertreibung des Jahrhunderts sehr nahe. Eher angebracht wäre es, von Katastrophe und Skandal zu sprechen. Fast nach Lust und Laune verlassen Parteien die Regierungskoalition und treten ihr nach kurzer Zeit... more...

Vergöttere nicht Sonne und Mond

von Eva Burke, October 9, 2008
Über die kommende Sonnenfinsternis zerbrechen sich Astrologen und Astronomen die Köpfe. Während Wissenschafter dieses rare Ereignis durch Berechnungen und Theorien zu erklären versuchen, haben unsere weisen Vorväter das Thema kurz und bündig mit Aggadot, moralistischen Legenden, abgehandelt. Etwas andere Überlegungen zu einem Thema, dass die ganze Welt beschäftigt.
Eine Mondfinsternis ist, nach den Lehren der Aggadot, ein böses Zeichen für Juden, wobei die Begründung in dem von den Juden befolgten Kalender liegt, der nach dem Mond und nicht nach der Sonne berechnet ist. Gründe für eine Mondfinsternis könnten in vier verschiedenen Sünden gefunden werden:... more...

Der Rabbi muss gehen

von Igal Avidan, October 9, 2008
Der Oberrabbiner Polens, Menachem Joskowicz, musste zurücktreten, nachdem er von Papst Johannes Paul II. gefordert hatte, das sogenannte «Papst-Kreuz» vom Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz entfernen zu lassen. Die Äusserung des orthodoxen Rabbiners hatte in Polen heftige und zum Teil antisemitische Reaktionen ausgelöst, obwohl die Jüdische Gemeinde seinen Rücktritt sehr schnell publik gemacht hatte.
Bei einer Audienz des Papstes für Vertreter verschiedener Religionen hatte Joskowicz, ein Auschwitz-Überlebender, den Papst beleidigt, weil er ihn mit «Herrn Papst» und nicht wie üblich mit «Ihre Heiligkeit» ansprach. Seine Forderung, das letzte Kreuz in der Gedenkstätte entfernen zu lassen,... more...

Zurück zu den Wurzeln

October 9, 2008
Der KKL und das Erziehungsministerium lancieren ein gemeinsames Erziehungsprogramm, wobei schon das jetzt beginnende Schuljahr Aspekte über die Geschichte der Zionistischen Bewegung allgemein und insbesondere über den KKL enthalten wird. Die Zusammenarbeit ist das Resultat einer Anfrage des Ministeriums, welches der Ansicht ist, der KKL solle in den regulären Schulunterricht integriert werden.

Das erste Projekt wird Studienreisen und «grüne Aufgaben» enthalten und wird den seit Jahren durchgeführten «jährlichen Schulausflug» ersetzen. Im Mittelpunkt werden dreitägige Programme in einem der fünf KKL-Jugendzentren für Feld- und Walderziehung (Lavi, Zippori, Nes Harim, Shuni und... more...

Ein schwarzer Tag

October 9, 2008
Der 7. Oktober 2000 wird als schlechter Tag für die israelischen Streitkräfte in die Geschichte eingehen. Trotz Warnungen der militärischen Abwehr und des Generalstabchefs Shaul Mofaz vor Plänen der Hizbollah, an der Nordgrenze einen israelischen Soldaten zu entführen, muss die Armee sich den... more...

«Hoher Standard von Fortschritt und Forschung»

October 9, 2008
Jüdische Rundschau: Prof. Zvirin, wie ist der Kontakt zwischen Haifa und Biel zustande gekommen?Yoram Zvirin: Der Kontakt mit Prof. Jan Cherwinsky, der der Leiter des Labors für Verbrennungsmotoren an der Ingenieurschule in Biel ist, entstand vor einigen Jahren, als er bei einem privaten Besuch in... more...

Weder stressig noch gefährlich

von Rene Kirchheimer, October 9, 2008
Abseits der Hektik der israelischen Strassen gibt es eine Wegverbindung, die weder stressig noch gefährlich ist. Auf der sagenumwobenen Gewürzstrasse brachten alte Völker des Nahen Ostens ihre «Schätze» nach Griechenland, Rom und Ägypten. Die seltenen Pflanzen wuchsen im südlichen Arabien. Es war kommerziell logisch, dass die Bewohner der Wüste Transportwege für die Waren auskundschafteten und anlegten.
Vor 4000 Jahren wurden die kostbaren Waren mit Eseln und Maultieren transportiert, die sich jedoch den heissen und kargen Wüstenbedingungen nicht anpassen konnten. Die Waren mussten durch den «fruchtbaren Halbmond» nordwärts entlang dem Fluss Eufrat, am Rande der syrischen Wüste durch die... more...

Aufräumen

von Jacques Ungar, October 9, 2008
26 Minister und 12 Vize-Minister umfasst das von Premier Ariel Sharon der Knesset vorgestellte Team. Keine andere Regierung in der 52jährigen Geschichte Israels war bisher umfangreicher. Mit seiner grosszügigen Ämterverteilung sicherte Sharon sich die Unterstützung von 73 der 120 Abgeordneten.... more...

Kein Anruf aus Peking

October 9, 2008
Premierminister Ehud Barak wusste genau, weshalb er Shimon Peres, seinen Minister für regionale Zusammenarbeit, nach Peking schickte, um sich die chinesische Unterstützung für Israels Position im Friedensprozess zu sichern. Der Premierminister wollte nicht das Risiko eingehen, dass der... more...

Sind Projektionen völlig wertlos?

von Gayle Horwitz, October 9, 2008
Eine unlängst veröffentlichte Studie über die Entwicklung der jüdischen Weltgemeinschaft bis zum Jahre 2080 (vgl. «Die jüdische Mehrheit wird bis zum Jahre 2080 in Israel leben», JR vom 21. September 2000) hat eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Einige Demografen zweifeln den Wert einer Studie an, die so weit in die Zukunft greift.
«Langfristige Voraussagen von Demografen», meint Gary Tobin, Präsident des «Institute for Jewish and Community Research» in San Francisco, «haben die gleiche Genauigkeit wie die Aussagen von Ökonomen, die heute eine Prognose über die Wirtschaftslage in 80 Jahren anstellen.» Weil die... more...

«Oslo ist nicht tot»

von Haim Musicant, October 9, 2008
Zu einem «ernsthaften Effort zur Rettung der Situation» hat Shimon Peres, israelischer Minister für regionale Zusammenarbeit, am 6. November in Paris aufgerufen. Peres, der zur Einweihung eines den Namen des ermordeten Premierministers Yitzchak Rabin tragenden Gartens in die französische Kapitale gekommen war, benutzte die Gelegenheit zu Gesprächen mit Präsident Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin.
Nach seinen Unterredungen erklärte Peres: «Uns bleibt nicht viel Zeit. Wir müssen also einen ernsthaften Effort zur Rettung der Situation unternehmen, denn der Unterschied zwischen einem Fiasko und dem Erfolg ist minim.» Gleichzeitig forderte der israelische Minister zur «Erneuerung des... more...

Der Weihnachtsbaum des Herrn Haider

October 9, 2008
Vor einigen Jahren wurde vereinbart, dass Kärnten in diesem Jahr für den Vatikan einen Weihnachtsbaum stiften sollte. Damals war Jörg Haider noch längst nicht Landeshauptmann, sondern Christof Zernatto (ÖVP).Anlässlich der Stiftung dieses Weihnachtsbaumes wird Haider auch vom Papst empfangen.... more...

Vom Reden in die Traufe

von Rita Schwarzer, October 9, 2008
Es war die erste öffentliche Rede seit seinem Rücktritt als US-Präsident. Doch was Bill Clinton im Aventura Turnberry Jewish Center bei Miami über den Nahen Osten zu erzählen wusste, war von erstaunlicher Banalität - und überschattet von einer Kaskade aus Peinlichkeiten, Protesten und Pannen.
Miami Beach - Wochenlang hatte Amir Baron, Vizepräsident des Aventura Turnberry Jewish Centers, mit Leuten aus Clintons Staff verhandelt. Zwei Tage nach Ablauf seiner Amtszeit in Washington, am 22. Januar, kam endlich der erlösende Fax: «Wir haben die Zusage!», frohlockte Baron. Kaum war die... more...

Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008
SVP-Experten. Am 26. März teilte der SVP-Pressedienst mit, dass die Partei schon wieder beunruhigt ist über den Flüchtlingsbericht der UEK. Offenbar weil der Bundesrat auf ein Postulat der SVP-Fraktion in der Wintersession 2000 die Rückweisung des Flüchtlingsberichts «ausweichend» und... more...

Nicht reflektiert, sondern verdrängt

von katharina kerr, October 9, 2008
Die Aargauer reformierte Kirche arbeitet ihre jüngere Vergangenheit auf. O Aargau, o Staatsreligion, das Gott erbarm! Die Aargauer Protestanten haben wie die Politiker bei Kriegsende ihr Verhalten in der «Sturmzeit» von 1933-1948 nicht reflektiert, sondern verdrängt. Aber auch in den Reihen der Kirchenleute gab es «Gerechte» wie auch solche, die wegschauten. Dies zeigt eine soeben veröffentlichte historische Studie, die im Auftrag der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Aargau geschrieben wurde.

Auf dem «Hasenberg» ob Bremgarten/Aargau liegt ein Ferienheim. In den zwanziger Jahren wurde es von Badener «Stadtkindern» bewohnt, die in der guten Landluft mit kräftiger Nahrung aufgepäppelt werden sollten. Ab 1938 aber war das Heim eines der rund 80 im Kanton Aargau bestehenden dauernd oder... more...

Bundesrat Villiger will Vergleich

von Gisela Blau, October 9, 2008
Am Dienstagmorgen erhielt der Zürcher Rechtsanwalt Marc Richter einen Anruf aus Bern: Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) von Bundesrat Kaspar Villiger will im Fall von Richters Klienten Sabine und Charles Sonabend «Vergleichsverhandlungen anbahnen», wie Richter der JR bestätigte. Fünf Tage nach dem Prozess Spring vor Bundesgericht (vgl. S. 8) wurde dem Anwalt recht spitzig nahegelegt, er wolle doch sicher nicht ebenfalls einen Prozess vor Bundesgericht verlieren. «Das Finanzdepartement hat gehofft, dass die Klagen von Charles und Sabine Sonabend nun zurückgezogen werden und sie somit Ruhe haben», sagt Richter. Da hat man sich im Bernerhof, dem Sitz des EFD, allerdings getäuscht.
Auf die Mitarbeiter dieses Departements ist der Zürcher Jurist nicht besonders gut zu sprechen: «In meinen zahlreichen in Bern geführten Gesprächen im Fall Sonabend, sei es mit Politikern, mit persönlichen Mitarbeitern der Bundesräte oder mit Bundesräten persönlich, war die Haltung meiner... more...

«Überall dort wo Juden wohnen»

von Alexis Canem, October 9, 2008
Vor zweihundert Jahren wurde in Hanau Moritz Daniel Oppenheim geboren. Den genauen Termin weiss man nicht. Es könnte der «7. oder 8. Jänner» gewesen sein, gibt die «Grosse Jüdische National-Bibliothek» als Geburtsdatum an. Ihm zu Ehren zeigt gegenwärtig das Jüdische Museum in Frankfurt/Main eine umfangreiche Retrospektive mit über 120 Werken. Damit ist diese Schau die bisher grösste Ausstellung über diesen Maler des «jüdischen Selbstbewusstseins», der, wie Direktor Heuberger erklärt, es wie kein anderer vor oder nach ihm «vermochte, bewusst gelebte jüdische Identität mit seiner Arbeit als Künstler zu vereinen.»
Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland kaum einen jüdischen Haushalt, in dem sich nicht eine Arbeit von Moritz Daniel Oppenheim befand. Er war ein begehrter Künstler. Viele vornehme Familien liessen sich von dem «Hausmaler der Rothschilds» porträtieren und das von 1866-1913 in 15... more...

Das Natürliche in würdiger Einfachheit

von Katarina Holländer, October 9, 2008
Monet, Renoir, Cézanne, Gaugin - von all diesen Künstlern haben wir unmittelbar ein Bild vor dem inneren Auge, wenn ihr Name fällt. Das Werk von Camille Pissarro (1830-1903), dem «Vater des Impressionismus», bleibt in seiner Breite im deutschsprachigen Raum immer noch zu entdecken. Letzte Gelegenheit: In der Staatsgalerie Stuttgart ist die erste deutsche Retrospektive seines Werkes noch kurz zu sehen.
Das Neue war damals noch nicht jenes umhätschelte Kind, das es heute ist. Ein Künstler, der sich heutzutage nicht mit etwas Neuem präsentieren kann, hat es schwer. Als der Impressionismus aufkam, war das noch ganz anders. Die französische Kunstwelt wurde von den «Salons» beherrscht... more...

Identität als Basis des Austauschs

von Bundesrätin Ruth Dreifuss, October 9, 2008
Anlässlich der Verleihung des Ehrendoktors der Hebräischen Universität Jerusalem weilte Bundesrätin Ruth Dreifuss, Vorsteherin des Departements des Inneren, Ende Mai in Israel. Im Rahmen des Besuchs hielt sie einen vielbeachteten Vortrag über jüdische Kultur und Identität im 21. Jahrhundert.
Die Einladung nach Israel ist eine schöne Herausforderung, ein paar Überlegungen nachzugehen, und ich möchte Ihnen dafür von ganzem Herzen danken, denn solche Gelegenheiten sind ebenso selten wie willkommen. Mein kleiner Beitrag an Ihre Debatte zur jüdischen Kultur und Identität veranlasste... more...

Papst Pius IX. und die Juden

von Ernst Ludwig Ehrlich, October 9, 2008
Es besteht die Gefahr, dass Papst Pius IX. (1846-1878) im September 2000 seliggesprochen wird. Kein Zweifel ist möglich, dass Pius IX. ein Antisemit war und einer der ersten, der kirchliche Judenfeindschaft mit dem politischen Antisemitismus verband. Deshalb formiert sich Protest gegen das Vorhaben .

Die Halutng Papst Pius IX. gegenüber den Juden war nicht gradlinig. So liess Pius IX. zu Beginn seiner Regierung im Jahre 1848 die Ummauerung des jüdischen Gettos in Rom niederreissen, doch bereits 1850 erneuerte er die Gettoisierung der Juden im Kirchenstaat. Damit stiess er die jüdischen... more...

Neue Standortbestimmung für Europas Juden

von Ruth E. Gruber, October 9, 2008
Noch vor einem Jahrzehnt galten die jüdischen Gemeinden im kommunistisch dominierten Ost- und Zentraleuropa generell als die sterbenden Überreste der Zeit vor dem Holocaust. 40 Jahre kommunistische Zwangsherrschaft hatten die Vernichtung der Schoa abgerundet. Vor allem betagte Menschen bekannten sich offen zu ihrem Judentum, während die meisten anderen ihre jüdische Identität zu vertuschen oder zu verleugnen trachteten. Wiederum anderen drohte, vor allem in der Ex-UdSSR, die aktive Verfolgung. Viele Beobachter hielten das jüdische Kapitel in diesem Teil Europas effektiv für geschlossen.
Der Zusammenbruch des Kommunismus vor zehn Jahren änderte alles für die Juden Osteuropas. Dank der Einführung der Religionsfreiheit und des Abbaus der von den Kommunisten eingeführten Tabus kam es zu einer gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen jüdischen Renaissance. Genaue Zahlen... more...
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