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Neue Lebensqualität ermöglichen

Von Regula Rosenthal, May 27, 2010
Der Israeli Aminadav Mendelowitsch operiert in Basel und Aarau Menschen mit Rücken- und Hirnleiden.
Aminadav Mendelowitsch «90 Prozent der Rückenoperationen nehmen einen guten Ausgang»

Aminadav Mendelowitsch ist als Sohn von Schweizer Eltern in Tel Aviv aufgewachsen. Während der Schulzeit war er passionierter Volkstänzer, spielte Basketball und betätigte sich als Jugendleiter bei den Pfadfindern. Den israelischen Militärdienst absolvierte er in einer Panzereinheit. «Das Militär hat mich geprägt, es war eine Art Lebensschule und ich habe dort die gute Kameradschaft geschätzt», sagt er. Glücklicherweise sei er nie in einen Krieg involviert gewesen. Sein Vater Robert ist 26-jährig von Basel nach Israel ausgewandert, wo er die Israelin Sahawa geheiratet hat, und so kam es, dass Mendelowitsch seit seiner Geburt Doppelbürger, Israeli und Schweizer, ist. Sein Grossonkel führte in Basel einen Hutladen an bester Lage am Fischmarkt. Schon immer wollte Mendelowitsch Medizin studieren und absolvierte deshalb ein Praktikum als Pflegeassistent in einem Tel Aviver Spital. Dort kam er zum ersten Mal in engeren Kontakt mit der Neurochirurgie. Die Faszination für diese Sparte der Chirurgie hat ihn nie losgelassen und seine medizinische Laufbahn geprägt.

Zurück zu den Wurzeln

Nach dem Militärdienst entschied er sich, in der Schweiz zu studieren. Als Auslandschweizer musste er aber zunächst noch eine weitere Hürde überwinden und die eidgenössische Matura nachholen. Später studierte er an der Universität Basel Medizin.

«Ich bin noch heute überzeugt, dass ich mit der Neurochirurgie das richtige Fach gewählt habe, und dies obwohl das Gebiet anspruchsvoll und nicht ohne Risiken ist», sagt er voller Enthusiasmus. Ihm sei es sehr wichtig und auch eine Herausforderung, dem Patienten durch seine Eingriffe eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Die Neurochirurgie befasst sich mit operativen Eingriffen am Rücken und im Gehirn und ist mit vielen Risiken verbunden, kann aber auch viele Patienten heilen.

Grosse Verantwortung

Bei jeder Operation sei er sich seiner grossen Verantwortung voll bewusst. Wichtig sei deshalb die genaue Abklärung, aber auch das Gespräch mit dem Patienten und dessen Angehörigen. Der Patient muss seinerseits zu hundert Prozent sicher und überzeugt vom jeweiligen Eingriff sein, das sei enorm wichtig. Das Risiko bei Rückenoperationen im Lendenbereich seien jeweils die abgehenden Nerven der betreffenden Segmente, erklärt Mendelowitsch. Doch nur selten gäbe es Komp­likationen, rund 90 Prozent der Rückenoperationen nähmen einen guten Ausgang. «Bei weniger als zehn Prozent kann trotz chirurgischem Erfolg leider keine Schmerzlinderung erzielt werden, was natürlich frustrierend ist», so der Chirurg. Hier müsse er mit Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten, Rheumatologen, allenfalls Psychologen das weitere Vorgehen besprechen. Das gute Resultat sei auch von der psychosozialen Situation des Patienten abhängig. Unsere Wohlstandgesellschaft mit den schlechten Essgewohnheiten und dem Mangel an Bewegung habe leider einen negativen Einfluss und so komme es immer mehr zu Rückenbeschwerden, auch Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie könne bestehende Schmerzen verstärken, erklärt der Arzt.

Operationen am Gehirn faszinieren ihn speziell. So operiert er Hirngefässe wie Aneurysmen, die, wenn sie zu spät erkannt werden und platzen, zum Tod führen können. Weiter entfernt er oft Tumore an der Schädelbasis, was sehr anspruchsvoll sei. «Ich bin froh, wenn ich dann dazwischen wieder weniger schwierige und gefährliche Operationen vornehmen kann», gibt er freimütig zu. «Bei Gehirntumoren sind die Eingriffe wesentlich komplizierter als am Rücken, denn hier handelt es sich um eine zentrale Region und da können eher Ausfälle auftreten, je nach Pathologie und Lokalisation Lähmungen oder Sprachstörungen. Trotzdem kommt es bei weniger als zehn Prozent zu bleibenden Schäden», unterstreicht der Neurochirurg.

Grosser Respekt vor Eingriffen

«Ich habe grossen Respekt vor den Eingriffen und der seelische Druck ist für mich vor einer Operation hoch», gibt Mendelowitsch zu. Er mache aber nur, was er voll beherrsche, und das habe sich gut bewährt. Dank der heutigen Mikrochirurgie seien die Eingriffe, insbesondere am Rücken, zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall, sicherer geworden. Aber einen Gehirntumor sofort zu erkennen sei schwierig, denn je nach Stelle wachse er langsam und so sei es ein schleichender Prozess. Ein Tumor kann bis zur Grösse eines Tennisballs wachsen. Das Entfernen eines solchen Tumors kann zwischen 12 und 15 Stunden dauern. Ist der Tumor gutartig, so sind die Heilungschancen gross. Der Anteil bösartiger Tumore beläuft sich auf 20 bis 30 Prozent. Sie haben keine genaue Abgrenzung, was eine vollständige Entfernung verunmöglicht. Bösartige Tumoren wie Gliome müssen deshalb nach dem Eingriff noch bestrahlt und mit Chemotherapie weiter behandelt werden. Bis heute ist unklar, welche Faktoren das Entstehen eines Gehirntumors auslösen. Auch wenn Mendelowitsch eines der schwierigsten Fächer in der Medizin ausgewählt hat, merkt man im Gespräch, wie ihn die Materie fasziniert, auch wenn er im Berufsalltag oft an seine Grenzen stösst. Was den Spitzenchirurgen auszeichnet ist die Ruhe, die er ausstrahlt. «Ich habe mich zwar in Basel gut integriert, fühle mich aber immer noch als Israeli», sagt er zum Schluss. 




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