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Mehr Kandidaten als Sitze

Von Valerie Wendenburg, June 8, 2011
Neu besteht der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Basel aus acht Mitgliedern. Am 19. Juni stellen sich zehn zur Wahl, von denen sieben neu ins Rennen gehen.

Am Montag fand in der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) eine Podiumsdiskussion im Vorfeld der anstehenden Vorstandswahlen statt. Die alten wie die neuen Kandidaten stellten sich den Fragen der interessierten Gemeindemitglieder, und sie hoffen nun auf eine Wahl in den erstmals nur acht (statt zehn) Personen umfassenden Vorstand. Vor der Wahl stellt tachles die zehn Vorstandskandidaten vor, die auf Anfrage Auskunft über ihre Person und ihre Motivation gegeben haben.



Peter Bollag ist seit 2002 im IGB-Vorstand, dort unter anderem Leiter der Ressorts Bildung, Aussenbeziehungen und zeitweilig Kaschrut. Neben der Vorstandsarbeit wirkte der 56-Jährige auch im interreligiösen Dialog mit. Für Peter Bollag, der als Redaktor des Schweizer Radio DRS tätig ist, befindet sich die IGB an einem wichtigen Punkt. Aus seiner Sicht gibt es viele «Baustellen» wie die Schule, die Verwaltung, aber auch die Werbung von Neumitgliedern sowie die Verhinderung von Abwanderung. Gleichzeitig gibt es eine grosse personelle Veränderung im Vorstand und der Verwaltung, Bollag betont: «Falls ich wieder gewählt werde, möchte ich helfen, hier als langjähriges Vorstandsmitglied, das den Betrieb kennt, für etwas Kontinuität zu sorgen.»

Joel Dürr wurde in Basel geboren, er hat den jüdischen Kindergarten Marcus Cohn und die Jüdische Primarschule Leo Adler (JPS) durchlaufen. Als Jugendlicher war er aktiv in den Jugendbünden Emuna und Hashomer Hatzair. Dürr hat das Quästorenamt beim Verein Jüdisches Heim Margoa in Lengnau und die Vizepräsidentschaft bei der B’nai B’rith inne, zudem ist er Mitglied bei der Chewra Kaddischa in Basel. Vor Kurzem startete er eine selbstständige Executive-Recruitment-Tätigkeit. Dürr möchte der zunehmenden Passivität vieler Juden in Basel entgegenwirken. Er hofft, dass vermehrt bestehende IGB-Mitglieder zum aktiven Mittun motiviert werden und dass mittelfristig die IGB für Zuwanderer aus benachbarten Orten attraktiv wird. «Dies soll mein Ansporn sein und dafür will ich aktiv beitragen: Eine Strategie der nachhaltigen Erneuerung und des Outreach zusammen mit meinen möglichen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln und sie zu implementieren.»

Carine Eltbogen-Winter ist in Binningen aufgewachsen und beruflich seit bald 30 Jahren im Schulbereich engagiert. Carine Eltbogen-Winter ist ehrenamtlich seit 20 Jahren in den Schulen der IGB und im Vorstand der JPS tätig. Sie ist seit Dezember 2009 im Vorstand der IGB und Präsidentin der Schulkommission. Eltbogen-Winter sagt: «Ich sehe meine Aufgabe als Dienst an der Gemeinde. Ich trage gerne Verantwortung. Dies erfordert hohen persönlichen Einsatz, den ich gerne erbringe.» 

Gute Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Kindergarten, der JPS und der Jugendkommission ist aus ihrer Sicht ein Muss. «Es ist mir ein Anliegen, dass allen religiösen Spektren und Schülern mit unterschiedlichstem Wissensstand Rechnung getragen wird. Ich sehe dies als fortwährende Herausforderung.»

Daniel Erlanger ist in Basel geboren und «in der IGB aufgewachsen». Der 43-jährige Bankangestellte war bereits in vielen Vereinen und Kommissionen rund um die IGB als Mitglied, Vorstandsmitglied, Kassier, Revisor oder Präsident aktiv. Er ist Mitglied in der Chewra Kaddischa, Vorstandsmitglied im Israelitischen Kindergarten und Kassier der Basler Loge. Er sagt: «Ich habe das Gebilde der Einheitsgemeinde von klein auf mitbekommen und schätzen gelernt. In den letzten Jahren wurden von vielen Gemeindemitgliedern leider zu sehr die Unterschiede hervorgehoben und die Gemeinsamkeiten verdrängt.» Aus seiner Sicht herrscht ein «extremer Negativismus» vor, wenn man auf die aktuelle Situation oder die Zukunft der IGB zu sprechen kommt: «Wenn wir als jüdische Einheitsgemeinde in Basel überleben wollen, müssen wir wieder aufeinander zukommen und konstruktiv gemeinsam Lösungen suchen. Dafür möchte ich mich aktiv einsetzen.»

Ronald Fried führt eine  gastroenterologische Praxis in Basel. Er sagt: «Die IGB und ihre Institutionen sind für unsere Familie immer ein zentraler Bestandteil unseres Lebens gewesen. Ich bin in der IGB aufgewachsen.» Fried geht regelmässig in die Synagoge sowie an Veranstaltungen im Rahmen der IGB. Er ist ferner im Vorstand der Schomre Thora, dem Verein zur Förderung der Krebsforschung in Israel und dem Magen David Adom Basel sowie Mitglied der Stipendienkommission der MW Lichtenstein-Stiftung. Das Wohl der IGB und ihrer Mitglieder liegt Fried sehr am Herzen. Er möchte das Seinige dazu beitragen, dass diese Gemeinde weiterhin lebendig und spannend bleibt und sich den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft stellen kann. 

Michel Guttmann ist als Physiotherapeut tätig und lebt in Basel, wo er auch aufgewachsen ist. Er war in verschiedenen Jugendbünden aktiv und ist Mitglied im Jüdischen Turnverein sowie im Tennisverein Hakoah. Seit sechs Jahren ist Guttmann Delegierter im Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, innerhalb der IGB hat er sich bereits in den Kommissionen Schule und Bildung engagiert. Er war zudem im Vorstand des Kindergartens Marcus Cohn. Guttmann lebt bewusst jüdisch und betont: «Ich bin bereit und stelle mich nun zur Verfügung, um spannende Aufgaben innerhalb der IGB mitzugestalten.»

Oliver Minzloff stammt aus Berlin, er lebt seit 1968 in der Schweiz und arbeitet als freiberuflicher Fotograf. Er sagt: «Ich bin der Meinung, dass jeder von uns der Gemeinschaft, in der er lebt, irgendwann einen Beitrag schuldet, der über das Steuerzahlen hinausgeht.» Kurz nach der Gründung von Ofek und Migwan trat er als überzeugter liberaler Jude diesen Vereinen bei und war bald darauf auch im Migwan-Vorstand tätig. Er glaubt, dass die Gründung einer separaten liberalen jüdischen Gemeinde in Basel nicht der richtige Weg ist: «Mehr Mut zur Einheit, Integration statt Separation tut Not. Meines Wissens bin ich das erste Ofek-Mitglied, das für den IGB-Vorstand kandidiert. Es ist nicht mein Ziel zu fordern, sondern konstruktive Beiträge zum Wohle aller zu leisten.»

Eric Odenheimer ist Facharzt für Innere Medizin FMH, er hat eine betriebswirtschaftliche Zusatzausbildung absolviert. Der 1964 in Basel geborene Geschäftsführer des Medizinal¬tech¬nik¬un¬ternehmens Meridian AG betont: «Von der Israelitischen Gemeinde haben meine Familie und ich viel profitiert und schöne Erlebnisse gehabt. Nun möchte ich der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Überdies ist die Vorstandsarbeit eine sinnvolle und interessante Tätigkeit.» Zurzeit ist Odenheimer Präsident des Kindergartens Marcus Cohn.

Iris Sobol ist seit dem Jahr 2008 im Vorstand der IGB und verantwortlich für die Kommission Jugend und Event. Sie hat sich trotz vollzeitlich beruflicher Tätigkeit entschieden, weiter im Vorstand mitzuarbeiten. Sobol ist in der IGB aufgewachsen und war als Jugendliche aktives Mitglied von Bne Akiwa. Sobol ist Präsidentin der JPS: «Ich bin sehr motiviert mitzuhelfen, die Weichen unserer Gemeinde in eine positive Richtung zu stellen. Insbesondere sehe ich es als eine schöne Aufgabe, mich mit der Jugend zu befassen und sicherzustellen, dass diese in der Gemeinde ihren angemessenen Platz hat.»

Ella Waldmann ist 24 Jahre jung und Studentin der Rechtswissenschaften an der Universität Basel. Neben dem Studium engagiert sie sich unipolitisch als Präsidentin der Fachgruppe Jus. Als gebürtige Baslerin und Mutter eines Kindes liegt ihr aber nicht nur die Zukunft ihrer Universität am Herzen, sondern auch diejenige ihrer Gemeinde: «Deshalb bin ich bereit, mich für eine nachhaltige Gemeinde einzusetzen. Als angehende Juristin und junge Mutter kann ich sowohl Fachwissen als auch Erfahrungen in den Vorstand einbringen.»

 



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