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Kunst unter dem Hammer

December 2, 2011

Geht es nach den Plänen des Galeristen Gary Nader, wird Südflorida bald auch ein wichtiges Zentrum für Kunstauktionen werden. Just zum Auftakt der Art Basel Miami Beach lancierte der Händler und Sammler in Miamis trendigem Wynwood-Distrikt das erste Auktionshaus der Sonnenmetropole.
Ab 17 Uhr Ortszeit und folglich nach Redaktionsschluss, kam gestern in Naders Ausstellungsräumen Kunst im Wert von 30 bis 40 Millionen Dollar unter den Hammer. 111 Werke von Pablo Picasso, Mark Stella, Andy Warhol, aber auch von Walther Goldfarb, Vik Muniz oder Enrique Martínez Celaya.
Nader, der mit über 6000 Quadratmetern Fläche die wohl grösste Galerie der Welt besitzt, schwebt ein Auktionshaus in Boutique-Format vor: mit einem hochwertigen, aber kleineren Angebot als die grossen Häuser, mit weniger Personal und einer tieferen Kommission. «Wir finden die heute gängigen
20 bis 30 Prozent extrem hoch», urteilte Nader im Gespräch mit tachles: «15 Prozent sind mehr als genug.» Falls der Auftakt gelingt, will der Galerist künftig alljährlich drei bis vier Auktionen durchführen. Den Schwerpunkt wird dabei stets die Moderne und die Gegenwartskunst bilden, mit einem speziellen Augenmerk auf den südamerikanischen Raum. Das Echo im Vorfeld der Eröffnung stimmt Nader optimistisch. «Wir haben bereits 60, 70 schriftliche Gebote erhalten, die den Mindestschätzpreis übersteigen», erzählte er gegenüber tachles vor einigen Tagen.
Der 50-jährige Nader ist kein Branchenneuling. Der in der Dominikanischen Republik geborene Libanese ist in der Kunstwelt aufgewachsen. Seine Eltern besassen in Santo Domingo eine führende Galerie. Mit 19 eröffnete er seine eigenen, ersten Ausstellungsräume. Von 1992 bis 2003 führte Nader in einem örtlichen Hotel sogar jährlich Auktionen durch, allerdings bedeutend kleinere und auf südamerikanische Kunst beschränkt. Weshalb der Galerist sein Auktionshaus ausgerechnet jetzt lanciert, hat nicht nur, aber auch mit der Art Basel Miami Beach und ihrem Publikum zu tun: Südflorida sei in den letzten zehn Jahren zu einem Schmelztiegel finanzkräftiger Einwohner und Kunstsammler geworden, erklärt Nader. Der Grossraum Miami verfüge inzwischen über zehn Kunstmuseen. 2013 werde auch das neue Art Miami Museum von Herzog und de Meuron fertig. Und schliesslich biete die Agglomeration nebst grossartigen Stränden, Hotels, Restaurants und Nachtclubs ein Klima, mit dem andere Auktionsplätze wie New York oder London schlicht nicht mithalten könnten.
Dass die Wirtschaftskrise Naders Vorhaben einen fetten Strich durch die Rechnung machen könnte, hält er für unwahrscheinlich: «Im Gegenteil! Viele clevere Bankleute und Anwälte ermuntern ihre Kundschaft, jetzt einen beachtlichen Teil ihres Portfolios in Kunst zu investieren.» Wie auch immer sich
Naders Auktionshaus entwickeln wird: Bereits im Vorfeld änderten einige Kunstliebhaber in Südflorida für gestern Abend ihr Programm. So verschob beispielsweise der Sammler und Unternehmer Paul Cejas seine traditionelle Dinner-Einladung während der Art Basel Miami Beach, damit er, und möglicherweise auch seine Gäste, an Naders Premiere teilnehmen konnten.     [rs]


www.garynader.com/auctions.html





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