logo

Hilfe für Kinder in Not

Von Dania Zafran, March 4, 2011
1951 wurde das Kinderdorf Kiriat Yearim in Israel gegründet. Bis heute hat die Non-Profit-Organisation über 2000 Kindern und Jugendlichen dabei geholfen, den Weg in eine bessere Zukunft zu finden – und dies mit grosser Unterstützung aus der Schweiz.
KIRIAT YEARIM HEUTE Sozial benachteiligte Jugendliche mit unterschiedlichem familiärem Hintergrund finden hier ein Zuhause

Als das Kinderdorf Kiriat Yearim im Jahre 1951 von jüdischen und christlichen Schweizern aus dem Umkreis des ehemaligen Schweizer Hilfswerks für Emigrantenkinder gegründet wurde, war der Staat Israel gerade einmal drei Jahre alt und hatte Flüchtlingsströme aus den ehemaligen Kriegsgebieten zu bewältigen. Kiriat Yearim, nahe Jerusalem gelegen, war in den Anfangsjahren vor allem Zufluchtsort für Kinder, die den Holocaust überlebt hatten. Weitblickende Juden hatten schon lange begonnen, Geld zu sammeln, um den schwer geschädigten Kindern in Israel Unterkunft und Pflege bieten zu können. Anfangs lebten die Kinder in vorgefertigten Baracken in den Hügeln vor Jerusalem, wo die Natur und die gute Luft an die Schweiz erinnern. Die grosse nicht staatliche Organisation der Jugend-Alija unterstützte das Unternehmen ebenfalls von Anfang an.
In der Schweiz wurde ein Freundeskreis gegründet, der den Aufbau des Kinderdorfes tatkräftig unterstützte. Das damalige Vorstandsmitglied Liselotte Hilb erinnert sich: «Nach dem Vorbild des Pestalozzi-Kinderdorfes in Trogen wollten wir in Israel etwas aufbauen. Das Schwierige war, das Geld zusammenzubringen. Wir mussten erfinderisch sein.» Die heute 90-jährige Liselotte Hilb, damals Flüchtlingsbetreuerin und Sozialarbeiterin, erzählt, als sei es gestern gewesen: «Das Manuskript zu Thomas Manns Roman ‹Die Betrogene› wurde über den Kiriat-Yearim-Freundeskreis verkauft, mit den Einnahmen wurde das Kinderdorf unterstützt. Nettie Sutro, die Mitbegründerin von Kiriat Yearim und eine gute Freundin von mir, kannte die Manns persönlich, so kamen wir zum Manuskript.» Ein anderes Mal habe ein «Wunderkind» für Kiriat Yearim ein Konzert in der Zürcher Tonhalle gegeben; es war der damals noch kleine Daniel Barenboim, den Hilb bei seinem Besuch in Zürich persönlich betreuten.



Ein Zuhause bieten

An die 70 Kinder fanden sich in der Anfangszeit im Dorf ein; es brauchte viel Geduld, sie zu einem normalen Leben zurückzuführen. Nach der ersten Einwanderungswelle von Holocaust-Überlebenden kamen mit der Einwanderung von Juden aus arabischen Ländern schon bald neue Kinder ins Dorf; Kinder, die ohne ihre Familien aus Nordafrika eingewandert und auf Hilfe angewiesen waren.
Bis heute ist es das primäre Ziel der Non-Profit-Organisation geblieben, sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein Heim und eine Perspektive zu bieten. Der heutige Dorfleiter Shimoni Peretz nennt diverse Aspekte, die für eine gesunde Entwicklung von Kindern essenziell seien: Zugehörigkeitsgefühl, das diesen Kindern vorher gefehlt habe, Bildung, die sie später von der Strasse fernhalten soll, Autonomie, die ihnen ein gesundes Verantwortungsbewusstsein mitgebe, und Altruismus. Diese Werte versuchen die Betreuer ihren Schützlingen im Dorf weiterzugeben.

Jahrzehntelange Unterstützung

Heute stammen 60 Prozent der Dorfkinder aus äthiopischen Einwandererfa­milien, 17 Prozent aus der ehemaligen Sowjetunion, 5 Prozent aus Südamerika und 18 Prozent aus Israel. Die Kinder kommen meist aus einem extrem verwahrlosten Umfeld und gehören zu den sozial und wirtschaftlich schwächsten Schichten des Landes. Die Kiriat-Yearim-Schule bietet diverse Abschlüsse der Hochschulreife an, darunter Kunstdesign, Kommunikation, Telekommunikation und Agrikultur. Es gibt Workshops für Metall- und Holzverarbeitung, Administration und diverse Projekte wie einen Musikchor, ein Fussballteam, therapeutisches Pferdereiten und Förderprogramme für Mädchen.
Carmen Meyer, von 1993 bis 2005 Ki­riat-Yearim-Präsidentin, findet anlässlich des Jubiläums vor allem eine Sache erwähnenswert: «Die Unterstützung aus der Schweiz über Jahrzehnte, egal ob im Grossen oder im Kleinen, muss gewürdigt werden. Ich finde sie beeindruckend.» Was sie persönlich damals veranlasste, bei Kiriat Yearim mitzumachen, war der interkonfessionelle Aspekt in der Schweiz und der interkulturelle Aspekt in Israel. Nadine Berg-Bollag, die heutige Präsidentin, nennt das Spannende an ihrem Engagement die Vielfältigkeit bei ihrer Arbeit, die Kontakte zu diversen Ministerien in Israel und zu den unterschiedlichsten Leuten. Ihr Wunsch für die Zukunft: Dass sich das Sozialwesen in Israel so weit verbessert, das solche Institutionen gar nicht mehr nötig wären. Dann wünscht sie sich auch künftig so engagierte Dorfleiter wie bis heute, und zum Schluss: dass es dank Kiriat Yearim weiterhin gelingen möge, die Jugendlichen als verantwortungsbewusste Bürger in die Gesellschaft zu integrieren.   



» zurück zur Auswahl


Mehr zu diesem Thema...

Arabische Projekte
March 4, 2011
Jubiläums-Gala
March 4, 2011