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Gleichberechtigung der Religionen

von Valerie Wendeburg, October 8, 2009
In Basel haben Christen, Juden und Muslime gemeinsam ein partnerschaftliches Projekt der Zusammenarbeit entwickelt. Die feierliche Gründung des Projekts Zelt Abrahams wird Ende des Monats im Basler Rathaus stattfinden.
DIE DREI ABRAHAMITISCHEN RELIGIONEN Das neue Projekt beruht auf Gleichberechtigung und Eigenständigkeit

Die Idee, ein gemeinsames Projekt von Christen, Juden und Muslimen ins Leben zu rufen, scheint mutig und ist in der Schweiz bislang einzigartig. Angeregt wurde die Idee vom Stiftungsrat und den Kommissionsmitgliedern der Christlich-Jüdischen Projekte (CJP) – einem Netzwerk, das sich bereits erfolgreich für den Dialog zwischen Christen und Juden in Basel einsetzt und den Dialog nun unter Einbeziehung der Muslime erweitern möchte. Das neue Projekt mit dem Namen Zelt Abrahams soll gleichermassen von Christen, Juden und Muslimen in der Form getragen werden, in der diese sich selbst in Basel-Stadt und Basel-Landschaft repräsentieren, als Israelitische Gemeinde Basel (IGB), als Kirche beider Basel und als Basler Muslimkommisson (BMK). Die IGB und die Kirchen beider Basel sind bereits seit elf Jahren durch die CJP miteinander verbunden, die nun wiederum einen Vertrag mit der BMK unterzeichnen wird.  Das Ziel von Zelt Abrahams beschreibt die jüdische Projektleiterin Anat Weill wie folgt: «Wir möchten Verbindendes suchen, Unterschiedliches wahren und uns gegenseitig Respekt entgegenbringen.» Es gehe vor allem darum, zu lernen, innerhalb eines kleinen, begrenzten Rahmens in Frieden miteinander zu leben. Das Projekt Zelt Abrahams ist vorerst auf drei Jahre angesetzt, im Anschluss daran wird über ein weiteres Vorgehen beraten.

Pluralistische Partnerschaft

Die drei Projektleiter der vertretenen Religionen werden innerhalb des neuen Projekts für ihre Glaubensgemeinschaft stehen und sprechen. Gemeinsam sollen partnerschaftlich Projekte umgesetzt werden, frei von der Sorge, unterschiedlich voneinander  zu sein. Diese pluralistische Partnerschaft von Christen, Juden und Muslimen wird als Projekt Zelt Abrahams von den Regierungen beider 
Basel unterstützt. Der Regierungsprä-
sident des Kantons Basel-Landschaft Urs 
Wüthrich-Pelloli wird am Gründungsakt am Mittwoch, 28. Oktober, um 17.00 Uhr im Basler Rathaus anwesend sein und beide Regierungen mit einem Grusswort vertreten. Ferner werden Anat Weill, der muslimische Projektleiter Muhammad M. Hanel sowie der christliche Projektleiter Nico Rubeli in kurzen Interviews Stellung beziehen – die Moderation hat Xaver Pfister, Präsident Leitungskommission Zelt Abrahams, inne.
Um die gleichberechtigte Partnerschaft verbindlich zu gestalten und auch umzusetzen, wird ein Vertrag aufgesetzt, der an der Gründungsfeier im Namen der Basler Christen und Juden vom Präsidenten der CJP Markus Christ sowie im Namen der Basler Muslime von Yusuf Tasbunar, Präsident der BMK, unterzeichnet werden wird.

Eine neue Methode

Das Besondere und Neue an dem Projekt ist nach Ansicht von Nico Rubeli seine Methode, die auf den beiden Dimensionen der Gleichberechtigung und der Eigenständigkeit beruhe: «Wir sind kein Club, sondern die verbindliche Vertretung, so wie die einzelnen Religionen sich in unserer Region selber organisieren», betont Rubeli. Im Zelt Abrahams seien die «authentischen Ist-Stimmen» der drei Religionsgemeinschaften in Basel vertreten. «Wir haben ein gänzlich neues Projekt gestartet, ohne Geld, nur mit einem weissen Blatt auf dem Tisch, auf dem wir unsere Ideen festgehalten haben.» Finanziell sei das Projekt noch nicht gesichert, Ziel sei es nun, Gelder von neutralen Sponsoren oder Stiftungen zu erhalten. So neuartig  das Projekt auch ist, so sehr zieht es vielleicht auch Nachahmer an – und diese sind willkommen. Rubeli betont: «Wir wollen nachgemacht werden und möchten gerne mit Organisationen, denen die gleichberechtigte Methode gefällt, zusammenarbeiten.» Wichtig ist ihm, dass jede Religion eigenständig und authentisch bleibt: «Es kann nicht das Ziel sein, einen gemeinsamen Gottesdienst zu veranstalten, denn da fangen die Kompromisse schon an», so Rubeli.

Kulturelle Vielfalt

Wie das künftige Programm von Zelt Abrahams aussehen wird, wird noch nicht bekannt gegeben. Anat Weill erklärt zwar, dass die Ideen bereits weit gereift seien, aber noch nicht definitiv feststünden. Sie und die anderen Projektleiter seien aber stolz und froh, dass die vertrauensbildenden Massnahmen, die im Vorfeld der nun anstehenden Vertragsunterzeichnung standen, gefruchtet hätten. Sicher ist, dass das Programm kulturell vielfältig sein wird. Eine kleine Einstimmung gibt der Gründungsanlass im Basler Rathaus, der musikalisch viel versprechend ist: Anwesend sein werden Michael Heitzler (Klarinette), Christian Gutfleisch (Klavier), Ulug Ozkan (Gitarre) und Fridolin Blumer (Kontrabass). Auch in kulinarischer Hinsicht wird für jeden Geschmack etwas geboten: Es gibt  für alle Anwesenden einen Apéro riche, der mit Rohkost, einem vegetarischen orientalischen und einem koscheren Angebot der religiösen Vielfalt an diesem Tag gerecht wird.   





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