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Flüstern und Flattern

Von Andreas Schneitter, November 3, 2011
Yasmin Levy

 Sie gilt als «Botschafterin des Ladino», auf der Bühne bleibt aber in erster Linie die Durchdringungskraft ihrer Stimme hängen. Yasmin Levy ist im Rahmen des Kulturfestivals Culturescapes im Burghof Lörrach aufgetreten.
Musik, so sagt man, ist die vergänglichste aller Künste, und ausgerechnet sie hat sich Yasmin Levy als Konservierungsmittel genommen. Geboren in Jerusalem, hat sie ihr Vater Yitzhak in eine Kultur eingeführt, die zu verschwinden droht: die Musik des Ladino, die Musik der Sepharden. Und weil diese Musik an Zeiten erinnert, die nicht mehr da sind, an die goldenen Tage des maurischen Spanien und an die grossen sephardischen Gemeinden im osmanischen Reich, haucht Levy diesen Liedern ihre Stimme ein.
Es geht also auch um Geschichte in der Musik und den Konzerten von Yasmin Levy, noch mehr jedoch um Geschichten. Ihre Lieder handeln von gebrochenen Herzen und enttäuschten Hoffnungen, in ihrer Historizität holen sie zudem Epochen aus der Tiefe empor, in denen das Zusammenleben von Juden und Muslimen harmonischer war. Dies ist die eine Seite von Yasmin Levy, für die sie den Titel einer «Botschafterin des Ladino» trägt.
Und dann ist da noch die Musik selbst. Im Lörracher Burghof beginnt ihr Gesang sehr fragil, nur von einer kargen akustischen Gitarre begleitet, und höchst stockend entwickelt sich die Melodie. Ein gedämpfter Auftakt des Auftritts, der aber an Kraft gewinnt, als ihre Begleitband komplett auf der Bühne ist. Die Instrumentierung bleibt minimal, aber die elegant zurückhaltende Band stützt ein Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Levys Stimme entfaltet sich nach und nach, beginnt zu flattern, steigt kräftig empor und versinkt wieder in einen zarten Flüsterton. Der Flamenco-Einfluss, der ihr aktuelles Album «Sentir» geprägt hat, ist noch immer hörbar präsent, wovon das expressive Gitarrenspiel von Yechiel Hasson eindrücklich zeugt, im Vergleich zu ihren Studioversionen hat sich die Intensität jedoch zugunsten einer feiner austarierten Dramaturgie verschoben. Weniger Druck von der Band, mehr Entfaltungsraum für die Stimme – den gebrochenen Liedern und der durchdringenden Wirkung von Levys Stimme tut diese Akzentverschiebung ergreifend gut. 





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