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«Eine spannende Herausforderung»

Interview Yves Kugelmann, October 9, 2008
Mit dem Aufruf zum Leereinlegen hat Ofek nachdrücklich die Wahl eines neuen Gemeinderabbiners verhindert. INside unterhielt sich mit Valérie Rhein, Co-Präsidentin von Ofek, über die Konsequenzen und die Zukunft der IGB.

Inside: Keiner der Kandidaten ist als IGB-Rabbiner gewählt. Ofek hat ihr Ziel erreicht. Sind Sie glücklich?
Valérie Rhein: Nein, und ich denke niemand ist glücklich, so lange es keine mehrheitsfähigen Rabbinerkandidaten gibt.

Inside: Wie beurteilen Sie die grosse Zahl von Leereinlegern?
Valérie Rhein: Wie schon im ersten Wahlgang widerspiegelt dieses Resultat mit unerwartet grosser Deutlichkeit Enttäuschung und Unmut über das Vorgehen von RaFiKo und IGB-Vorstand sowie das Fehlen mehrheitsfähiger Rabbinerkandidaten. Wir sehen die Leerstimmen aber auch als Ausdruck eines grossen Engagements; zahlreiche Gemeindemitglieder aus allen Kreisen haben sich im Rahmen der Rabbinerwahlen eingesetzt und exponiert. Dieses Potenzial muss nun im Sinne einer starken Basis für ein gemeinsames gemeindepolitisches Geschehen genutzt werden.

Inside: Ist Ofek nun das «Schwarze Schaf», das eine homogene Einheitsgemeinde verhindert?
Valérie Rhein: Die 304 Wählerinnen und Wähler, die leer eingelegt haben, stammen aus einem weitaus breiteren Spektrum. Die Zusammensetzung der IGB ist nicht homogen, und das braucht sie auch nicht zu sein. Viel wichtiger ist eine lebendige, offene und tolerante Gemeinde, die unterschiedliche Ansichten zulässt und eine Grundlage bietet, auf welcher jüdisches Leben gelebt und aufrechterhalten werden kann. Eine heterogene Gemeinde birgt Chancen, wenn das Verbindende betont und als Brücke genutzt wird.

Inside: Haben Sie keine Bedenken, dass nun die Einheitsgemeinde IGB auseinander zu brechen droht?
Valérie Rhein: Nein.

Inside: Was wird Ofek nun in Bezug auf kommende Rabbinerwahlen unternehmen?
Valérie Rhein: Unsere Forderungen sind weiterhin: Standortbestimmung, Denkpause, das Erstellen eines neuen Kandidatenprofils, eine neue oder erweiterte RaFiKo, die sich aus Personen zusammensetzt, welche - proportional zu den Mitgliederzahlen - die verschiedenen Strömungen innerhalb der Gemeinde repräsentieren sowie die Suche nach zusätzlichen orthodoxen und insbesondere mehrheitsfähigen Rabbinerkandidaten. Wir plädieren auch für das Abklären verschiedener Modelle und für einen Austausch mit anderen Einheitsgemeinden im In- sowie im europäischen Ausland.

Inside: Was fordert Ofek - die ja mittlerweile in dieser Frage einen grossen Teil der Gemeinde vertritt - nun vom Vorstand?
Valérie Rhein: Wir erwarten, dass die zahlreichen Anliegen und Forderungen breiter Mitgliederkreise, die in den vergangenen Monaten an RaFiKo und IGB-Vorstand herangetragen worden sind, nun ernstgenommen und umgesetzt werden. Das bedeutet zuallererst, dass kein weiterer Wahlgang mit nur einem Rabbinerkandidaten - dem Bestplatzierten Joël Jonas - forciert wird und dass die vom IGB-Vorstand im vergangenen Dezember angeregte Aussprache über das religiöse Zusammenleben - im Sinne eines partizipativen und konstruktiven Prozesses - in Angriff genommen wird.

Inside: Ofek muss nun Leute für eine neue Rabbinerfindungskommission stellen. Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass Ihr neue, bessere Rabbinerkandidaten finden werdet?
Valérie Rhein: Wir können keine Gewissheit bieten. Aber wir werden alles daran setzen, um zusätzliche orthodoxe Kandidaten zu finden, die religiösen Pluralismus innerhalb der Einheitsgemeinde tolerieren, und wir verfügen bereits über Adressen entsprechender Rabbiner und Rabbinergremien. Kandidaten sind, so denke ich, mehrheitsfähig, wenn sie eine möglichst grosse «Mitte» der Gemeinde hinter sich vereinen können. Die Qualitäten und die Erfahrung, welche die Kandidaten mitbringen, sind ein wichtiges Kriterium für die Suche; für ebenso wichtig und entscheidend halten wir aber auch ein von breiten IGB-Kreisen getragenes Auswahlverfahren.

Inside: Wann wird die IGB einen neuen Rabbiner haben?
Valérie Rhein: Sobald sie sich dazu durchringt, in Zusammenarbeit mit allen interessierten Kreisen geeignete, mehrheitsfähige Kandidaten zu suchen.

Inside: Wie sehen Sie die Zukunft der IGB?
Valérie Rhein: Wir setzen uns ein für eine tolerante und pluralistische jüdische Gemeinde, die allen Jüdinnen und Juden der Region Basel ein offenes Haus bietet, in welchem Judentum gelebt wird und konstruktive Begegnungen stattfinden zwischen Praktizierenden und Nichtpraktizierenden sowie zwischen orthodox Praktizierenden und nicht orthodox Praktizierenden. Dies bedeutet viel Arbeit, ist aber zugleich eine spannende Herausforderung.





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