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Eine Erfolgsgeschichte

Von Sabine Pfennig-Engel, November 3, 2011
Das Jüdische Museum in Berlin wurde vor zehn Jahren gegründet und blickt auf eine kurze Erfolgsgeschichte zurück, die mit zahlreichen namhaften Gästen gefeiert wurde. Vorgestellt wurde auch die neu geplante Bildungsakademie des Museums.
EIN PREIS FÜR DIE BUNDESKANZLERIN Angela Merkel und W. Michael Blumenthal

Das Jüdische Museum Berlin feierte eine Woche lang seinen Zehnten Geburtstag mit Konzerten, einer Preisverleihung an Bundeskanzlerin Angela Merkel, verschiedenen Ausstellungen und Symposien. Ferner wurde die Baustelle der ehemaligen Blumengrossmarkthalle für einen Erweiterungsbau des Museums in Berlin-Kreuzberg als neue Bildungsakademie des Museums mit einem Entwurf des Architekten Daniel Libeskind präsentiert. In seiner Laudatio auf Angela Merkel verwies der Direktor des Jüdischen Museums W. Michael Blumenthal auf die ungebrochene Erfolgsgeschichte des Museums (vgl. Kasten).



Verständigung und Toleranz

Beginn und Höhepunkt der Jubiläumswoche war ein Konzert unter Leitung von Daniel Barenboim in der Berliner Philharmonie, gefolgt von der Preisverleihung mit anschliessendem Galadiner mit 850 Gästen aus Wirtschaft, Kultur und Politik, darunter einer Reihe von Bundesministern. «Es ist ihre entschiedene Haltung als führende Persönlichkeit der deutschen Regierung, die dazu beigetragen hat, den Antisemitismus in der Bundesrepublik aus dem Bereich des Akzeptablen zu verbannen», würdigte Blumenthal die Bundeskanzlerin in seiner Laudatio für den Preis für Verständigung und Toleranz. Als ein Beispiel für Merkels Verhalten nannte Blumenthal das Eintreten von der Bundeskanzlerin, die Exkommunikation der Pius-Bruderschaft zurückzunehmen, und eine Erklärung von Papst Benedikt XVI. zu verlangen, was die christdemokratischen Parteikollegen nicht besonders erfreute.
Blumenthal verglich Angela Merkel mit dem amerikanischen Präsidenten Barak Obama in gewisser Hinsicht, denn sie gehöre als Frau aus Ostdeutschland auch nicht dem Etablishment an. In der DDR galten Juden als «Opfer zweiter Klasse» und Israel wurde als «zionistisches Gebilde» bezeichnet. Deshalb sei es besonders bemerkenswert, wie sich Merkel 1990 hinter das Schuldbekenntnis der ersten frei gewählten DDR-Volkskammer nach der Wende und Entschuldigung für die offizielle Politik gegenüber Israel gestellt habe. Vor der Knesset habe Merkel davon gesprochen, dass der «Schutz Israels Teil der deutschen Staatsräson» sei.

Für eine bessere Welt

Das Jüdische Museum, so Angela Merkel in ihrer Dankesrede, sei eins der grossen Geschichtsmuseen des Bundes und nationale Aufgabe, jüdisches Leben sei Teil Deutschlands. Jedoch liess sie auch nicht unerwähnt, dass 20 Prozent der Menschen in Deutschland meinten, dass die Juden zu viel Einfluss hätten. Es sei eine Aufgabe, Antisemitismus in Europa einzudämmen, denn er sei nicht auf dem Rückzug. 20 neue Synagogen seien in Deutschland in den letzten Jahren eingeweiht und Rabbiner ausgebildet und ordiniert worden. Es gehöre zwar zur Realität, dass jüdische Institutionen von der Polizei bewacht werden müssten, aber man dürfe sich nicht damit abfinden. Der Schwerpunkt der neuen Bildungsakademie seien Migration und Integration, der Umbau von privater Seite und Bundes- und Landesmitteln finanziert.
Einer der ganz grossen Förderer des Museums und der neuen Akademie, so erinnerte Blumenthal in seiner Rede, war Eric F. Ross, ein deutscher Jude, der in der Nazizeit in die USA fliehen konnte und dort zu wirtschaftlichem Erfolg gelangte. Er verlor in Auschwitz seine Eltern, doch war sein Motto: «Wir müssen in die Zukunft schauen, für eine bessere Welt – und was das heutige Deutschland dazu beiträgt, ist anerkennenswert und gibt mir Hoffnung.» Eric F. Ross verstarb im letzten Jahr im Alter von 92 Jahren. Die Bildungsakademie wird seinen Namen tragen. Zur Festveranstaltung waren sein Sohn Pete mit seiner Ehefrau als Ehrengäste aus Washington gekommen.

Neue Bildungsakademie

Der Architekt Daniel Libeskind, der auch schon den Zick-Zack-Bau mit seinen leeeren Räumen entwarf, führte persönlich durch den Bau der Akademie. Ein geneigter Kubus an der Aussenwand des ehemaligen Blumengrossmarktes auf der gegenüberliegen Strassenseite des Jüdischen Museums soll ein Pendant zum Haupteingang schaffen. Auch im Innenbereich dominieren Kuben die Innenarchitektur. In der Bildungsakademie werden die sodann öffentlich zugängliche Bibliothek und das Archiv untergebracht, Seminare, Grossveranstaltungen oder Workshops sollen der Bildungsarbeit des Museums unter einem Dach vereinen. Bisher hat das Jüdische Museum jährlich etwa 400 Bildungsveranstaltungen durchgeführt.
Dazu zählten auch die täglichen Führungen, Symposien, Sonderausstellungen und Veranstaltungen für Schüler während der Jubiläumswoche.



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