East-western Divan Orchestra
Zusammenspiel in schwieriger Zeit
Der Terminkalender des East-Western Divan Orchestra ist derzeit vollgepackt. Bereits zwei Tage nach Abschluss seiner ersten Asien-Tournee (die auch ein Freiluftkonzert an der zwischen Nord- und Südkorea umfasste) setzte es seine Gastspielreise in Europa fort. Vor ausverkauftem Haus trat das Orchester vergangenen Donnerstag am Lucerne Festival im KKL auf. Lang und warm war der Applaus, mit dem das Publikum die jungen Musikerinnen und Musiker aus dem Nahen Osten begrüsste. Nur wenige Stunden zuvor waren die Meldungen über die blutigen Terroranschläge nördlich von Eilat und über Jerusalems angedrohte Vergeltungsmassnahmen bekannt geworden. Und so hatte der Auftritt dieser Frauen und Männer aus Israel, Palästina und weiteren arabischen Ländern – mehr noch als sonst – etwas tief Berührendes. Während das Orchester zu Beethovens «Pastorale» ansetzte, mochte sich manch einer im Saal gefragt haben, wie wohl den Orchestermitgliedern und ihrem Dirigenten in diesen Minuten zumute sein musste. Vielleicht hörte sich die technisch perfekte Interpretation von Beethovens Sinfonien auch deshalb etwas schwerer als erwartet an. Hochachtung gebührt diesem von Barenboim und seinem verstorbenen palästinensischen Freund Edward Said gegründeten Orchester gerade deshalb uneingeschränkt, belegt es doch seit nunmehr zwölf Jahren, dass möglich ist, was politische Betonköpfe auf beiden Seiten für aussichtslos halten. Es wäre deshalb ein schönes und wichtiges Signal, wenn der argentinisch-israelische Stardirigent für sein unermüdliches Engagement zugunsten einer friedlichen Koexistenz im Nahen Osten mit dem Friedensnobelpreis geehrt würde. Just einen Tag vor seinem Auftritt im KKL wurde bekannt, dass 2500 Künstler und Intellektuelle, darunter der peruanische Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa und die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Eva Wagner-Pasquier, Barenboim im September offiziell als Kandidaten vorschlagen werden. [rs]


