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Der tiefe Fall des Alan Hevesi

Von Gisela Blau, October 8, 2010
Mit Sanktionen bedrohte Alan G. Hevesi als Finanzaufseher der Stadt New York Schweizer Banken und Unternehmen während der Holocaust-Debatte und machte damit weiter Karriere. Nun muss der Mann, der den Moralapostel spielte, ziemlich sicher ins Gefängnis.
ALAN HEVESI Der Mann, der den Moralapostel spielte, muss ziemlich sicher ins Gefängnis

Kaum einer verurteilte die Schweiz 1997 schärfer als Alan Hevesi. Von 1994 bis 2001 absolvierte er zwei Amtszeiten als Finanzchef der Stadt New York. Er forderte seine Kollegen aus anderen Bundesstaaten auf, Schweizer Banken und Unternehmen ebenfalls Sanktionen anzudrohen. Der Enkel eines Budapester Rabbiners und Sohn eines hohen Funktionärs amerikanisch-jüdischer Organisationen ist promovierter Jurist und Politologe. Michael J. Bazyler nennt Hevesi in seinem Buch «Holocaust Justice» den «Paten (‹godfather›) der Holocaust-Restitutions-Sanktionen».



Der Herr der Steuern

Nach Ende seiner Amtszeit wollte Hevesi Bürgermeister von New York werden, unterlag jedoch in den Primärwahlen der Demokraten. Stattdessen wurde er zum Finanzaufseher des Staates New York gewählt. Ab 2003 war er Herr über die Steuern, er unterzeichnete die Checks des Staates, beaufsichtige Buchhaltung und Revisionen. Und er war der höchste Verantwortliche der staatlichen Pensionskasse, die gewichtige Investitionen zu vergeben hat.
2006 wurde Hevesi für eine zweite Amtszeit ab 2007 wiedergewählt. Doch im Dezember 2006 berichteten die Medien, Hevesi sei per sofort zurückgetreten, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Der Vorwurf: Er habe Mitarbeiter angewiesen, während ihrer Arbeitszeit seine kranke Frau zu chauffieren und andere Dienstleistungen für sie zu erbringen. Hevesi gab alles zu und zahlte dem Staat insgesamt mehr als 200 000 Dollar zurück.

Familiäre Verwicklung

Seit 2007 wird Hevesi bedeutend schwerwiegendere Korruption im Amt vorgeworfen. Seine Familie und Freunde seien angeblich von Firmen bezahlt worden, um an eine Investition der 125 Milliarden Dollar schweren staatlichen Pensionskasse zu kommen. Hevesi hat lange behauptet, er habe nicht gewusst, was vorging. Doch diverse Leute beschuldigten ihn in ihren eigenen Verfahren, und nun scheint er entschlossen, sich für schuldig zu erklären und ins Gefängnis zu gehen.
Im Dezember 2009 gab der kalifornische Finanzmanager Elliott Broidy an, dass er Geschenke für fast eine Million als Entgelt für eine Investition von 250 Millionen Dollar der New Yorker Pensionskasse machte. Er soll einem prominenten Mann aus dem Büro des Finanzaufsehers und dessen Angehörigen mindestens 75 000 Dollar für fünf Israel-Reisen bezahlt haben, mit Erstklassflügen, Luxushotels und Sicherheitsbeamten. Die «New York Times» zitierte kürzlich Insider, die behaupten, es handle sich um Hevesi und dessen Familie.
Hevesi machte das Angebot, sich schuldig zu bekennen, nicht umsonst. Er will sich offenbar für seine Söhne Andrew und Daniel Hevesi opfern, beide in der New Yorker Politik tätig. Deren Engagement in diesen düsteren Geschäften würde dank dem Schuldbekenntnis des 70-jährigen Vaters nicht weiter verfolgt.   



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