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«Das Kunstgeschäft ist pure Leidenschaft»

Interview Regula Rosenthal , June 8, 2011
David Nahmad, Galerist und Sammler, ist einer der erfolgreichsten Kunsthändler weltweit. Im Vorfeld der Kunstmesse Art Basel gewährte David Nahmad tachles eines seiner seltenen Interviews.
DAVID NAHMAD Der Galerist und Sammler meint, die Preise für zeitgenössische Kunst «grenzen an Betrug»

 

Seine Galerie in New York, die heute vorwiegend von seinem Sohn Helly geführt wird, ist auf Werke von Impressionisten und Vertretern der klassischen Moderne, darunter Pablo Picasso, Marc Chagall, Edgar Degas, Claude Monet, Mark Rothko, Wassily Kandinsky, Auguste Renoir, Camille Pissaro und Henri Matisse spezialisiert. Von zeitgenössischer Kunst hält er nichts: «Die übertriebenen Preise grenzen an Betrug», meint David Nahmad. Im Oktober wird die Galerie im Kunsthaus Zürich Werke aus ihrer Kollektion präsentieren.

tachles: Herr Nahmad, seit wann kommen Sie an die Art und wie wichtig ist diese Kunstmesse für die Galerie?  
David Nahmad: Ich komme seit den frühen siebziger Jahren an die Art. Diese Kunstmesse ist ein sehr wichtiger Anlass. Geschäftlich spielt es für mich keine so grosse Rolle, vielmehr zählt die Möglichkeit, andere Sammler zu treffen und sich auszutauschen. Ich komme immer wieder sehr gerne hierher, denn Basel ist eine attraktive Stadt. Und ich war auch eng mit Ernst Beyeler, dem Mitbegründer der Art Basel, verbunden. 

Ihre ganze Familie betätigt sich im Kunsthandel. Ist das ein Vorteil?
Unbedingt, es ist von zentraler Bedeutung. Ich selbst habe mich etwas vom Geschäft zurückgezogen. Doch wir beraten uns gegenseitig und ziehen am gleichen Strick. Mein Sohn Helly hat das Kommando übernommen. Man soll der neuen Generation die Möglichkeit geben, ihren eigenen Weg zu gehen. Trotzdem bleibt der Kurs so, wie er ist. Ich bin jederzeit da, um zu helfen, wenn Fragen auftauchen.

Sie gehören zu den wichtigsten Kunsthändlern weltweit. Wie haben Sie das erreicht?
Wir haben sehr früh mit dem Kunsthandel begonnen und haben sehr, sehr hart gearbeitet. Es ist essenziell, sich im Geschäft korrekt zu verhalten. Das Kunstgeschäft ist spannend und für uns alle pure Leidenschaft.

Haben Sie Neider?
Davon habe ich glücklicherweise nichts bemerkt. Ich bin aber der Meinung, dass Erfolg, egal wo, Neid erzeugt, das liegt in der menschlichen Natur. Es gibt Leute, die uns nicht mögen, wieso weiss ich nicht.

Ihre Diskretion ist legendär. Welche Rolle spielt das?
Ich denke, dass ist in jedem Geschäft und im Leben allgemein wichtig. Leute, die Dinge aufblasen, kann man nicht ernst nehmen. 

Wie wichtig sind Ausstellungen für die Galerie?
Ausstellungen zu präsentieren ist ein Muss. Wir wollen nicht unbedingt Kunst «promoten», uns liegt vielmehr daran, dass Menschen etwas lernen und sich weiter entwickeln. Kunst ist eine Bereicherung. Kunst zu verkaufen ist für mich weniger wichtig, als Kunst zu erwerben.

Haben Auktionen einen Einfluss auf den Preis, so dass dieser steigt?
Das kann ich nicht sagen. Der Markt ist der, der er ist. Der Markt korrigiert sich auf seine eigene Weise, da gibt es keine Regeln. Auktionen bieten dem Käufer einen gewissen Schutz, was von Vorteil ist.

Es heisst immer wieder, die Schweiz biete eine gute Plattform für Raubkunst.
Das weiss ich nicht. Wahrscheinlich wird masslos übertrieben und es gibt wilde Spekulationen zu diesem Thema.

Ist der Kunsthandel jetzt wieder stabil?
Ja sicher, es gab zu keiner Zeit einen Kollaps. Auch der Kunstmarkt hat nie einen Einbruch erlitten.

Sie sind ein passionierter Backgammon-Spieler und haben 1996 den Weltmeistertitel erhalten. Bleibt Ihnen genug Zeit für Hobbys?
Aber sicher, auch das ist eine meiner Leidenschaften – wie auch andere intelligente Spiele.

Recherchen haben ergeben, dass Sie etwa 300 Picassos im Zollfreilager Genf gelagert haben.
Dazu kann ich keinen Kommentar abgeben.

Sie waren erst kürzlich in Israel. Was verbindet Sie mit Israel?
Ich habe in Israel viele Freunde. Das Tel Aviv Museum of Art gefällt mir auch besonders gut. Sicher bin ich Israel auch als Jude verbunden. Trotzdem: Ich habe auf der ganzen Welt viele Freunde, auch Araber. Mein grösster Wunsch ist: In Israel soll eine Tages Frieden herrschen. Alle sollen endlich glücklich sein.

 

 


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