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Brücken in die Gesellschaft

von Daniel Zuber, August 26, 2010
Jugendliche verschiedenster Herkunft lernen in der Schule für Brückenangebote in Basel gemeinsam für ihre Integration in die Schweizer Gesellschaft. Ethnische oder kulturelle Unterschiede stehen dabei niemandem im Weg.

Ein Lebensentwurf in der heutigen Zeit ist oft geprägt durch Unvorhersehbarkeiten und Brüche. Gerade jugendliche Schulabgänger, oft mit Migrationshintergrund, sind vermehrt mit Perspektivlosigkeit, fehlenden Anschlussmöglichkeiten und einer ungewissen Zukunft konfrontiert. Hier setzt die Basler Schule für Brückenangebote (SBA) an, welche dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern konnte.

Brücken ins Berufsleben

Die SBA bietet verschiedene Brückenangebote für jugendliche Schulabgänger, welche keinen geeigneten Einstieg ins Berufsleben finden. Schulische Brückenangebote helfen dabei, an der Berufswahl zu arbeiten, sie dienen zur Laufbahnvorbereitung und bieten die Möglichkeit, gezielt an schulischen Defiziten zu arbeiten. Mit kombinierten Brückenangeboten erhalten Jugendliche die Chance, sowohl praktische Einblicke ins Berufsleben zu erlangen als auch sich schulisch weiterzuent­wickeln. Die SBA unterstützt die Jugendlichen zudem bei der Suche nach einer geeigneten Praktikumsstelle.

Spezielle Angebote bietet die Schule auch für junge Zuwanderer. Integrative Klassen bereiten die Migrantinnen und Migranten auf das gesellschaftliche Leben in der Schweiz vor. Das Erlernen der deutschen Sprache ist dabei zentral, es werden aber auch ganz elementare gesellschaftliche Regeln beleuchtet, welche den Zuwanderern helfen sollen, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Ein solches integratives Brückenangebot sind etwa die Integrations- und Berufswahlklassen (IBK), welche nicht mehr schulpflichtigen, fremdsprachigen Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren offenstehen, die neu in die Schweiz eingereist sind. Die IBK zielen auf die schulische, berufliche und soziale Integration der Lernenden ab. Neben einer intensiven, systematischen Sprachschulung wird auch eine Einführung in die Berufs- und Arbeitswelt geboten, und die Jugendlichen werden in ihrer persönlichen Berufsfindung unterstützt. Für junge Migrantinnen und Migranten, welche sich durch gute schulische und persönliche Grundlagen hervortun, bietet die SBA das Brückenangebot Log In an. In dieser anspruchsvollen Integrations- und Berufswahlklasse werden die Jugendlichen neben Deutsch auch in Französisch, Englisch, Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern geschult, und sie erhalten Einblicke und Kontakte zur Berufswelt sowie eine intensive Berufswahlvorbereitung und ein individuelles Coaching. Da viele Zuwanderer ihre Ankunft in der Schweiz nicht an der Organisation des Schuljahres ausrichten, ist auch die SBA sehr flexibel. So eröffnet sie nach Bedarf Einführungsklassen und für Asylanten in enger Zusammenarbeit mit den Asylbehörden und auch Intensiv-Integrationskurse mitten im laufenden Schuljahr.

«Nirwana für Lehrpersonen»

Die integrativen Brückenangebote werden von Schülern mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten, ethnischer Herkunft und kulturellem Hintergrund besucht. Die 41 Schüler, welche nach den Ferien ins zweite Jahr der IBK gestartet sind, kommen aus 17 verschiedenen Ländern. Diese ethnische Vielfalt stelle aber kein Problem dar, versichert Stefan Martin, Konrektor der SBA, welcher früher auch an der Schule unterrichtet hat. Gerade das Gegenteil sei der Fall. Die Jugendlichen seien hoch motiviert und freuten sich enorm über die Gelegenheit, etwas lernen zu dürfen. Besonders die integrativen Klassen sind wie ein «Nirwana für Lehrpersonen», so Martin schmunzelnd. Viele Schüler seien an eine stete Unsicherheit und die Unmöglichkeit einer Zukunftsplanung gewöhnt, weshalb sie auch gerade die Struktur und Sicherheit, welche ihnen der Unterricht gibt, sehr schätzen, ergänzt Jeannine Serra, Leiterin Administration der SBA. Die unterschiedlichen Einzelschicksale erfordern auf Seiten der Lehrpersonen die Bereitschaft, sich auch auf einer persönlichen Ebene auf die Lernenden einzulassen und sie individuell zu betreuen – ein Konzept, welches sich an der SBA bewährt hat.

Auch der Unterricht mit Schülern anderer Brückenangebote gestalte sich sehr positiv, versichert Martin. Das liege zum einen daran, dass die Schüler den Ernst ihrer Situation erkannt hätten und selbst weiter kommen wollten. Zum anderen besuchten sie ja alle freiwillig den Unterricht und seien mehrheitlich auch entsprechend motiviert. Ethnische Unterschiede spielten dabei keine Rolle. «Die Basis gegenseitiger Wertschätzung, gepaart mit klaren Regeln, stellt für mich die Grundlage des Erfolgs dar», so Martin. Dabei könnte gerade der Unterricht in den integrativen Brückenangeboten als Musterbeispiel eines gelebten Miteinanders gelten. Natürlich ginge es auch an der SBA nicht ohne Reibungen, schlussendlich würden jedoch alle im gleichen Boot sitzen, wessen man sich auch bewusst sei, unterstreicht der Konrektor.

Positive Bilanz

Die SBA erweist sich als sehr erfolgreich. Nur etwa fünf Prozent der Abgänger des Schuljahres 2008/09 standen nach dem absolvierten Brückenangebot ohne Lösung da. Gut 50 Prozent haben eine Lehrstelle, ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle erhalten. Die restlichen 45 Prozent der Jugendlichen fanden Anschluss in einer weiterführenden Schule in einem anderen Brückenangebot, oder sie fielen aus der Statistik durch Umstände wie Heirat oder Wegzug. Die gute Vernetzung der SBA mit verschiedenen Schulen und Arbeitgebern ist für den Erfolg der Schule genauso zentral wie die speziellen didaktischen Methoden. Die positive Bilanz konnte vor wenigen Wochen mit dem Zehn-Jahres-Jubiläum der Schule gekrönt werden.





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