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Antisemitismus

February 5, 2009
Rechtsaussen profitiert

«Juden sind nicht willkommen, Hunde dagegen sehr.» Ein Plakat mit diesem Text schmückte dieser Tage das Schaufenster eines Geschäfts in Istanbul. Angesichts der gegen Israel (und oft auch gegen die Juden) gerichteten Massenkundgebungen in der Türkei ziehen es die dortigen Juden vor, dieser Tage noch weniger als sonst in der Öffentlichkeit in Erscheinung zu treten. Auch auf Zypern sind die rund 350 jüdischen Familien seit Ende Dezember vermehrt antisemitischen, vor allem von Muslimen verübten Attacken ausgesetzt, und sogar vom sonst ruhigen und idyllischen Island mehren sich die Meldungen von antijüdischen Regungen. In einer Umfrage etwa äusserten sich nur drei Prozent der Befragten positiv zu Israel, während 70 Prozent Sympathien für die Palästinenser zum Ausdruck brachten, und ein Geschäft in Reykjavik, das Fahrräder repariert, weigert sich, jüdische Kunden zu bedienen. Des einen Leid ist des anderen Freud. Von der israel-kritischen, oft antisemitisch gefärbten Welle, welche die Welt im Gefolge des Gaza-Kriegs überzieht, profitieren im israelischen Wahlkampf nicht zuletzt die stramm rechtsnationalen Parteien, die die Errichtung eines Palästinenserstaates ablehnen und ein hartes Vorgehen gegen Israel-Araber fordern, welche die nötige Loyalität dem Staat gegenüber vermissen lassen. Am meisten Nutzen von dieser Anti-Welle zieht ganz klar Avigdor Liebermans Partei Israel Beiteinu, die mit sensationellen 16 bis 18 Mandaten aus den Wahlen hervorgehen könnten. Schliesslich wittert auch die Jewish Agency Morgenluft. «Dank» der Atmosphäre in der Türkei rechnet diese auf die Immigration von Juden nach Israel spezialisierte Organisation für 2009 mit rund 250 türkischen Einwanderern. Das ist zwar nur ein Prozent der dortigen jüdischen Gemeinde, doch mehr als das Doppelte der Immigrantenzahl des Vorjahres, die bei 112 lag.    [ju]





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