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50 Jahre und eine Zukunft?

Von Valerie Wendenburg, December 9, 2011
Die Jüdische Primarschule Leo Adler begeht am Wochenende ihr 50-Jahr-Jubiläum. Dank ausreichend vieler neuer Anmeldungen und einem neuen Konzept soll die Schule ab dem kommendem Sommer in eine neue Zukunft geführt werden.
TRADITIONSREICHE INSTITUTION Die Jüdische Primarschule Leo Adler ist für viele Gemeindemitglieder nicht aus der Gemeinde wegzudenken

Wenn diesen Schabbat nach dem Gottesdienst zu einem Kiddusch anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Jüdischen Primarschule Leo Adler (JPS) geladen wird, so können die anwesenden Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) dies mit dem Ausblick auf die «neue Jüdische Primarschule» (neue JPS) tun, die im Sommer 2012 anläuft. 1951 vom damaligen Rabbiner Leo Adler sel. gegründet, stand die Zukunft der traditionsreichen Schule seit mehreren Jahren auf dem Spiel und vor wenigen Wochen sogar kurz vor dem Ende (vgl. tachles 44/11). Nachdem Joel Weill von der Task Force aber bekannt geben konnte, dass es vier definitive neue Anmeldungen für das Schuljahr 2012/13 gibt, können nun neue Wege beschritten werden.



Finanzierung klären

Obgleich einige Details betreffend des Unterrichts wie auch der Finanzierung noch geregelt werden müssen – das Grundkonzept für die Schule steht: Die neue JPS wird mit der Privatschule Academia kooperieren, wobei diese den profanen Unterricht und der Verein Jüdische Primarschule den Jüdischunterricht verantworten wird. Es soll eine gemeinsame Schulleitung bestehen, unterrichtet wird klassenübergreifend und in Lerngruppen in den Räumlichkeiten der JPS. Auch wenn Joel Weill noch keine konkreten finanziellen Angaben machen kann, so geht er aufgrund einer ersten Kostenschätzung der Academia davon aus, dass die neue JPS mit sechs Schuljahren vergleichsweise günstiger sein wird als die ehemalige JPS mit nur vier Schuljahren.
Dennoch: die bisherige Schule hat im Jahr rund 500 000 Franken gekostet, sie wurde von der IGB subventioniert (laut Budget 2011 mit 135 000 Franken pro Jahr).  Neben der Gemeinde und aktuellen Förderern wie der Emile-Dreyfus-Stiftung müssen in nächster Zukunft weitere Sponsoren gefunden werden, damit die neue JPS in eine unbeschwerte Zukunft starten kann. Weill hat verschiedene Ideen und ist der Meinung, dass nun, «nachdem sich ausreichend Eltern zur Schule bekannt haben und deren Erhalt mit der Anmeldung ihres Kindes sichern», auch weitere Gemeindemitglieder gefragt seien: «Die Schulkosten für einzelne Kinder könnten beispielsweise gesponsert werden», so Weill.

«Eine schöne Belohnung»

Iris Sobol-Bloch, Präsidentin der JPS, betont gegenüber tachles, dass sie in jedem Falle «weiterhin mit an Bord» sein werde. Sie zeigt sich sehr erfreut über die Tatsache, dass die Schule nun weitergeführt werden kann: «Das ist die beste Nachricht zum Jubiläum und eine schöne Belohnung für die vielen Bemühungen der vergangenen Jahre.» Eine Belohnung sei der Erhalt der Schule aber vor allem für die IGB, da die Primarschule ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde sei, so Sobol-Bloch. IGB-Präsident Guy Rueff teilt diese Ansicht: «Als Gemeindepräsident freut es mich sehr, dass die Schule trotz vieler Klippen und Fragezeichen während dieser langen Zeit auch heute noch ein fester Bestandteil unserer Gemeinde ist.» Es gelte nun, so Rueff, einen neuen Abschnitt mit der in Basel beschlossenen Veränderung durch Harmos auf sechs Jahre Primarschule anzugehen, auch wenn die Hindernisse sowohl im Bereich der nach wie vor geringen Schülerzahl wie auch der grossen finanziellen Belastung nicht kleiner sein würden, als in den ersten 50 Jahren der JPS.

Modernes Schulkonzept

Bis Mai 2012 läuft die Organisation nun auf Hochtouren, das neue Schulkonzept muss im Detail erarbeitet werden und die Kosten müssen gesichert sein. Immerhin haben sich vier Elternpaare definitiv entschieden, ihr Kind im kommenden Jahr in der neuen JPS einzuschulen – nachdem die JPS im vergangenen Schuljahr keine einzige neue Anmeldung erhalten hatte. Mit den vier neuen Erstklässlern und sechs weiteren Schülerinnen und Schülern aus den jetzigen zweiten und dritten Klassen werden insgesamt zehn Kinder die neue JPS ab Sommer 2012 besuchen. Noch 2009 lag die Zahl der Schülerinnen und Schüler bei 17, und die Hoffnung besteht, dass sich wieder mehr Eltern für die JPS entschliessen, wenn die Kooperation mit der Academia erst einmal erfolgreich angelaufen sein wird. Der Unternehmensleiter der Schule François Matthey sagt: «Wir arbeiten nun am Feinkonzept für das neue integrative und 
moderne Schulkonzept, das als längerfristiges Modell gedacht ist.» Matthey sieht der Kooperation mit der JPS zuversichtlich entgegen und ist froh, dass die Kooperation zustande gekommen ist. Vom positiven Elan, den die Verantwortlichen anlässlich des Starts der neuen JPS zeigen, ist auch Guy Rueff beseelt: «Mit dem Willen, den der Gründer Rabbiner Leo Adler uns vorgezeigt hat, gelingt es uns auch heute sicher wieder, dieses für ein lebendiges Basler Judentum wichtige Glied in der Kette zu erhalten, damit wir zusammen noch viele Jubiläen feiern können.»   



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